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Wege zum Nächsten /
Das ist die große Prüfungsstunde für uns Menschen, die Massennot, die steigende Verzweiflung sind wie ein Schmelztiegel, wer wird als .brauchbar" aus dem schmerzhaften Lauterungsprozeß hervorgehen?
Alle Gänge vergebens, alle Anzeigen unbeantwortet, alle Hoffnungen letztlich Enttäuschungen. Don der Wohlfahrtsunterstützung leben, die nicht reicht, keine Möglichkeit, sich durch irgendwelche Arbeit Geld zu verschaffen. Ein Akademiker, der Arbeit sucht! Was kann er schon ? Da gibt's tausend andere, di« fest« zupacken können. Und wer will einen Gebildeten als Laufburschen einstellen? Gelegenheitsarbeiter, der Apotheker war, eine eigene pharmazeutisch« Fabrik besaß! Bleibt die Wohlfahrtsunterstützung, die letzten guten Stücke aus besseren Tagen, die man ins üeihamt trägt. Aber auch hier reguliert die Nachfrage den Preis, das Angebot ist weit, weit höher! Wer geht noch zum Leihhaus, wo die zahlreisen Konkurse tagtäglich Gelegenheit bieten, zum „Schleuderpreis" zu kaufen. Ein Zimmer in einer Pension, di« billig ist, da leben und schlafen Tag für Tag, zur Untätigkeit verdammt, der Vater, die Mutter, der jetzt schulpflichtige Junge. Das Kind, noch unbefangen, ahnt den stillen Konflikt, der aus tiefster Verzweiflung aufwächst. Und doch ist es seine Gegenwart, die di« Eltern von dem letzten zurückhält.
Ein Morgen bringt das Kennenlernen, man erfährt durch das Schweigen mehr als die verlegenen Worte verraten können. Not, Not, Not! Und Bitterkeit! Und Verzweiflung! Man schämt sich. Was soll man sagen? Wie kann man helfen? Dies« trostlose Hosjuungslosigkeit,
von Igna Maria Iünemann.
es schlägt ja doch alles fehl, wir werden mit unseren Anfragen lästig. Und dabei dieses krampfhafte „Sich- hochholten", das schadhafte Kostüm, geschont und ausgebessert. Man ist ganz vorsichtig, will neue Enttäuschung vermeiden, verspricht Hilf« und freut sich, daß man zuzufällig eine Tafel Schokolade besitzt. Die packt man ein, legt ein Kinderbuch dazu und einen Briesumschlag mit einem Geldstück, gibt das Päckchen: „Mr den Bub", überlegt noch, wie und wo man Gelegenheit schaffen könnte. Ach, es sind nur vage Aussichten. Man schreibt, man telephoniert, man macht viele, viele Worte, man bittet, erreicht schließlich eine einmalige Beihilfe, erreicht, daß die Frau hier und dort hübsch geschriebene Artikel unterbringt. Und dann kommt ein Bries, überströmend, überstürzend. Dank, nur Dank! Nicht für die Hilfe (sie ist ja so gering), für das Mit-Mhlen, das Mit- Leiden, jemand ist da, der die furchtbare seelische Not versteht. Und die zaghafte Bitte, sich aussprechen zu dür- fen. Man will das Leid, die Not nicht vor dem Kinde laut werden lassen, man preßt sie in sich hinein, wieder und wieder. Nicht viel — aber doch ein Etwas, das Verbitterung und Trostlosigkeit wieder an das Gute im Menschen glauben läßt.
Ein kleines Erlebnis am großen Potsdamer Platz. Der Chauffeur einer Autotaxe kann nicht wechseln. Er besitzt nicht für fünf Mark Kleingeld. „Es ist erst meine zweite Fahrt seit %3 Uhr mittags" (und jetzt ist es %8!), entschuldigte er sich, „ich werde wechseln gehen!"
Aber da steht schon ein junger Mensch neben ihm, nimmt das Geldstück aus feiner Hand. „Ich gehe rasch zur Untergrund, dort können sie wechseln" und ist davon, bevor jemand Einspruch erheben kann.
„Wenn der nur wiederkommt!" Der Chauffeur hat sich zuerst von dem Schrecken erholt. „Er kommt schon wieder," sagt man mit gemachter Gleichmütigkeit und denkt an das letzte Fünfmarkstück, das in dem Menschengewühl des Potsdamer Platzes verschwunden ist.
,^ich hätte ja auch selber," der Chauffeur sieht sich ratlos um. „An der Untergrundkasse muß er anstehen," beschwichtigt man ihn und sich und wünscht inbrünstig, der Helfer möge wiederkommen, nicht so sehr wegen der fünf Mark, sondern daß zwei Menschen nicht an ihrem Bruder irre werden.
Minuten können den Begriff der Ewigkeit vermitteln.
„Da ist er!" ruft der Chauffeur und winkt und freut sich. Und man selbst sagt leise „Gott sei Dank!"
Der junge Mensch mit einer Baskenmütze gibt dem Chauffeur das Wechselgeld Als man sich bei dem Namenlosen herzlich bedankt, kommt ein höhnisches „Sie dachten wohl, ich käme nicht wieder! Ja, da sehen Sie, Kommunisten sind auch anständige Menschen!" Damit will er gehen. Man hält ihn zurück, zwingt ihn mit ruhigem Blick standzuhalten. „Ich wußte, daß Sie wiederkommen. Und — weshalb betonen Sie, daß Kommunisten „auch" anständige Menschen sind? Ich denke, es gibt überall gute und schlechte Menschen, Idealisten, die nur das Best« wollen." Er möchte etwas sagen, irgend eine höhnische ober beleidigende Antwort, irgend etwas, womit er den „Bourgois" treffen kann.
,Zch danke Ihnen für Ihre freundlich« Hilfsbereitschaft"; wohl gegen seinen Willen nimmt er die aus
gestreckte Hand, mühevoll formen seine Lippen das Wort „bitte!". Dunkles Rot übergießt Stirn und Wangen, fast heftig stößt er die Hand von sich und rennt davon, quer über den Potsdamer Platz.
Ob nicht doch viele Idealisten und Verführte zurück- fänden, wenn das Verstehen von Mensch zu Mensch stärker wäre, wenn der Eine sich wirklich mitverpflichtet fühlte am Geschick des Nächsten? Hat das Kindlein in jener wunderbaren Christnacht nicht die Liebe als größte und kostbarste Gabe mitgebracht in diese liebearme, sündige Welt? Wollen wir uns nicht als seine Sendboten fühlen und ein offenes Herz haben für alle, die darbend, die mutlos, die grollend abseits stehen?
Heim und Hausfrau.
in englischen Sprichwörtern.
Männer machen Häuser, Frauen schaffen das Heim.
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Jeder Hund ist ein Löwe zu Hause.
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Wer ein Feuer im Herd gut anzünden tarnt, der kann auch einen Streit schlichten.
Wer Krumen ins Feuer wirst, füttert den Teufel.
Eine gute Hausfrau macht einen guten Hausherrn.
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Wer (eine Frau zu jedem Fest gehen und sein Pferd an jedem Wasser saufen läßt, der hat weder eine gute Frau noch ein gutes Pferd.
10. Dezember
elfen. Wie freuen sich die Herren z. B., wenn sie für ihre Manschettenknöpfe, Aermelhalter usw. einen kleinen Kasten erhalten. Dazu nimmt man je nach der Größe des gedachten Kastens entsprechend viele Karten und heftet sie, nachdem immer 2 Karten umschürzt worden sind, (äußere und innere Seite) in der Form des Kostens zusanimen. Ratsam ist es, zwischen äußere und innere Karte noch ein Stück starke Pappe. zu schieben, um der Arbeit festeren Halt zu geben. Statt Karten kann man bei der Innenwand auch buntes Papier benutzen. Das macht sich oft noch schöner. Um die Stiche ganz genau zu arbeiten, ist es besser, sie auf der Nähmaschine vorzustechen. Dazu legt man immer 2 Karten zusammen, entfernt aus Nadel und Spule das Garn und näht im Steppstich den Rand der Karten entlang. Auch Nadelkissen fertigt man aus Postkarten.
Sehr niedlich ist ein solches in Schuhform. Nicht größer wie ein Babyschuhchen darf es werden. Auch hierzu wird das Muster aus Karten geschnitten. Ist alles umstochen und mit buntem Garn umnäht, wird der Schuh fest ausgestopft. Die offene Stelle wird besonders weich und recht hoch gepolstert. Dann ein buntes Seidenläppchen darüber gespannt und das Nadelkissen ist fertig.
Süße Düste erfüllen das Haus........!
(Ein paar Rezepte für die Weihnachtsbäckerei, j Von Gretel Stauß-Karlsruhe.
Gefüllte Mondelplätzcheu. Aus 200 Gramm Mehl, 125 Gramm guter 'Butter, 125 Gramm Zucker, etwas Vanillezucker, einem Ei und 1 Pfund geriebenen Mandeln bereitet man einen Teig. Man rollt denselben zweimefserrückendick aus, sticht kleine Sternchen ober junbe, gezackte Plätzchen aus, bestreut sie mit geraspelten Mandeln und backt sie goidgelb. Nach dem Erkalten legt man zwei zueinanderpassende Gebäckstückchen aufeinander und gibt zwischen sie eine gute Fruchtmarme- lade.
Haselnußplätzchen. Das zu Schnee geschlagene Eiweiß von drei Eiern wird mit 200 Gramm Zucker V» Stunde gerührt, bann 125 Gramm geriebene Haselnüsse hinzugefügt. Man läßt die Masse XA—V» Stunde ruhen und setzt auf ein mit Wachs eingeriebenes Blech kleine Küchlein in Größe eines Markstückes. In die Mitte jedes Plätzchens drückt man einen ganzen Haselnußkern. Bei mäßiger Hitze wird das Gebäck fertiggestellt.
manbelffangen. /. Pfund Butter wird schaumig gerührt, alsdann % Pfund Zucker, 2 Eier, etwas Vanillezucker ober etwas abgeriebene Zitronenschale Vx Pfund geriebene Mandeln und 'A Pfund Mehl hinzu» gefügt und tüchtig verarbeitet. Auf ein gut gewachstes Blech setzt man der Länge nach Streifen aus Teig, die jedoch einen Abstand von zirka 5 Zentimeter haben müssen. Bei guter Hitze bäckt man diese Streifen, muß sie aber vor dem gelb werden herausnehmen, schneidet sie in fieinfingerlange Stangen, setzt sie nochmals auf das Blech, bestreicht sie mit Eigelb und bäckt sie bräunlich fertig.
Zimtsterne. 1 Pfund Puderzucker wird mit dem Schnee von 6 Ei klar zirka Vi Stunde gerührt. Alsdann wird die Masse in zwei gleiche Teil« geteilt. 1 Pfund ungeschälte Mandeln werden gerieben und nebst 15 Gramm gestoßenem Zimt mit dem einen Teil der Masse vermischt. Der Teig wird ausgerollt und Sterne daraus ausgestochen. In sehr gelinder Röhre werden die Sterne getrocknet, herausgenommen und mit dem andern Teil der Masse gleichmäßig bestrichen und nochmals in den Backofen zum völligen Trocknen gebracht.
walnußkringel. % Pfund Butter wird schaumig gerührt, y2 Pfund geriebene Walnüsse, % Pfund Zuk- fer, die abgeriebene Schale einer Zitrone, 2 Eigelb und % Pfund Mehl hinzugefügt und der Teig tüchtig verarbeitet. Man formt aus dem Teig Kringel, die man bei schwacher Hitze bäckt und bann mit folgender Glasur bestreicht 200 Gramm Staubzucker werden mit 3 Eßlöffel Wasser ober Zitronensaft auf kleinem Feuer solange gerührt, bis eine gleichmäßige, dickliche Masse entsteht. Diese wird noch warm auf das Gebäck gestrichen und in schwach warmer Röhre trocknen lassen.
Schakoladeringe. Zwei Eiweiß werden zu festem Schnee geschlagen, XA Pfund Zucker und 75 Gramm erweichte Schokolade hinzugefügt und zu einem Teig verarbeitet, den man ausrollt und in kleine Ringe formt, die man auf gewachstem Blech in nicht zu heißem Ofen bäckt.
Sorte, frisch« Haut erhält man, wenn man alltäglich unter das Waschwasser morgen- etwas Milch gießt.
Vorweihuachk.
Don Franz C i n g i o - Schramberg.
Es rauscht geheim und zart und sacht Ein zauberschöner Klang durchs Land. Ein tiefes Sehnen ist erwacht Und ftohe Siebe hat Bestand.
Wir wandern durch die stille Zeit Und lauschen in den leisen Wind, Ob von der Nacht der Herrlichkeit Die Glocken schon zu hören sind.
Wir schauen ahnungsvoll beglückt Zum zweiten Himmelsdom empor. Der bald mit Sternenglanz sich schmückt Und Harfen stimmt zum Jubelchor.
Gedanken im Advent»
Von Rosa Hamacher- Boppard am Rhein.
Tannengrün . . .!
In der Seele des Kindes muß doch wohl beschauliche Fröhlichkeit wohnen, daß es sich so freuen kann an dem bunten Flitterkram des Christbaumes und dem Lichterglanz der Kerzen. Aber wie oft, wenn keine Kinder mehr auf die liebliche Glocke des Christkindes warten, fehlt in den Häusern der Baum. Schade! Denn gerade der Tannenbaum und nicht zu vergessen auch der schönste Weihnachtsschmuck des deutschen Hauses, die Krippe, bringt erst jenen Zauber in das Herz, den wir so sehr lieben und schätzen. Ueberall glitzert im Tannengrün dann das Engelhaar, Goldfäden, die
Eine bekümmernde Frage in dieser Notzeit. Nichts Unnützes! Doch sind „nützlich" nur Hemden und Schuhe? Haben unsere Kinder nicht auch Herz und Seele? Ich rede keinem Verzärteln das Wort, aber — wenn die Jugend unsere Zukunft ist — was ziehen wir dann auf, wenn wir die Seelen der Kinder verkümmern lassen?
Deshalb muß, wenn wir überhaupt noch Gaben unter den Christbaum legen können, wenigstens etwas auch für den Geist dabei sein. Es gibt da ein immer noch nicht recht gewürdigtes Geschenk, das ebensoviel Freude bringt, wie dazu beiträgt, die Seelenknospen unserer Kinder zu entfalten: das Buch.
Beileibe nicht irgend ein Buch! Schon bei der Wahl des Kinderbuches können mir daneben greifen in dem Irrtum, kindlich fei dasselbe wie kindisch. Die meisten Kinder- und Märchenbücher sind aus dieser Verwechslung entstanden und wirken deshalb auf die Kinder dumm, „affig". Eine „richtige" Geschichte muß „ernst" sein, gerade da, wo sie lustig ist. Ich will sagen — und denke da an die echten Märchenbücher von Wilhelm Matthießen „Die alte Gasse" und die eben erschienene „Grüne Schule im Märchenwald" (das erste erscheint bei Thienemann, das andere bet Herder) —: Es muß etwas hinter dem Spaß stecken, etwas Großes, Feierliches. Meinen wir Großen ja nicht, der Kinder Geist sei klein wie ihre Hände. Sie sehen die Dinge nur anders als wir: sie wollen gedeutet bekommen das Leben mit seinen Verhältnissen und Beziehungen, Geboten und Verboten, auf daß alles, auch die Natur, Pflanze und Stein, der Wandel der Witterung und der Jahreszeiten einen Sinn bekommt. Die Kinder wollen — unbewußt natürlich! — dadurch in die Bindungen des Lebens hineinwachsen, einen Halt bekommen im Meer des um sie werdenden Seins. Es gibt nicht viele solcher Geschichtenbücher, wie diese von Wilhelm Matthießen, die diesen Wunsch erfüllen. Selbst die bekannten Märchen der Brüder Grimm und Bech- ftein verfangen heute nicht mehr so, wie in unserer Jugend. Ihre Form wurde ja geschossen vor bald hundert Jahren in einer ganz anderen Fühl- und Denkweise als der heutigen. Sie sind schal geworden. Deshalb bedarf es auch bei diesen „alten" in ihrem Gehalt doch ewig jungen Märchen des Neu-Erzählens und Auswählens, ja des Neu-hinzu-dichtens. Das versteht zu» Zeit kaum einer so wie Matthießen.
Auch für unsere älteren Jungen und Mädel haben wir noch keine allzu große Auswahl, wollen wir wirklich modernes Lesegut schenken. Vielfach hält man für „gut" die „frommen" Bücher ober die patriotischen, kurz, alle, die irgendwie „erbauen" sollen. Ost legt man dabei dann sogar noch den Maßstab des Erwachsenen an und schenkt den Jungen Bücher, deren Wert an sich unbestritten ist. Die jugendlich« Seele aber kann damit noch nichts anfangen; sie bringen eine dem Kmde noch ganz frembe Wertung in bie Welt, bie ihm wie eine Fälschung der Wirklichkeit vorkommt. Da
uns ein trostreicher Abglanz der Vorsehung sein können, wenn wir ihren tieferen Sinn verstehen. Wie oft im Leben, wenn alles zu brechen droht, in den Zeiten der Krankheit, des Elends, der wirtschaftlichen und geistigen Not, ist es oft ein Goldfaden, der aus der Hand des Schöpfers fällt. Ein gutes Wort, eine schöne Tat, ein liebes Erinnern. Ein winziger, kleiner Goldfaden der Vorsehung ist besser als hundert Goldstücke, aber muß man nicht Kind fein und an das Christkind glauben, wenn man das voll und ganz begreifen will?
Der Wunschzettel.
Die meisten Menschen wären wohl kaum in der Sage, wenn man sie fragen wollte, auf der Stelle einen vernünftigen Wunsch zu äußern. Wer die Wahl hat, hat die Qual, heißt mit Recht ein altes Sprichwort. Und doch gibt es in Ueberfülle große und kleine, eitle ehrgeizige, heiße und begehrliche, aber auch edle, selbstlose und stille Wünsche. Schreiben wir sie doch allesamt auf einen Zettel und wenn dann das Christkind auch nicht alle erfüllen kann, so doch vielleicht einige als kleinen Balsam und heilendes Pflästerchen für den brennendsten Wunsch.
Freilich sind auch manche von uns wunschlos geworden, denn das Leben hat sie hart angepackt und alle Wünsche fortgetragen, so wie der Herbststurm des grauen Dezembertages die letzten gelben Blätter von den Bäumen nimmt. Wäre es da nicht gut, wenn die, die noch wünschen können, sich derer, die es verlernt haben, einmal in einer freien Stunde annähmen. Denn auch das Wünschen will wieder gelernt sein. Ein rechter Wunsch zur rechten Zeit jedoch bedeutet Erfüllung, die glücklich macht.
durch erreicht man dann genau das, was man vermeiden möchte: Der junge Mensch findet die „guten" Bücher langweilig und es bleibt ihm unbegreiflich, weshalb die „interessanten" ihm vorbehalten sein sollen. So wird der Weg zum guten Buch verbaut. Wir müssen uns also fragen — nicht was soll unser Kind lesen? sondern: Was will unser Kind lesen? Und dabei nicht schimpfen, daß der moderne Junge helle Augen genug hat, um die Verlogenheit jener „Geschichten für Jugend und Haus" zu durchschauen, die dann nach dem billigen Rezept vom „belohnten Guten und bestraften Bösen" angefertigt sind. Man kann immer wieder beobachten, daß sich die frommen lieber- malungen und Vergoldungen in den Heiligen- und Heldengeschichten viel gefährlicher auswirken, als anschauliche, bedeutende und dabei menschlich unbedingt wahre Bilder, die Flecken und Schatten nicht verbergen, so wie uns z. B. Peter Dörfler, der Meistererzähler, soeben in der famosen Geschichte „Der junge Don Bosco" geschenkt hat. Wissen Sie, was das Umschlagblatt zeigt? Einen Jungen in Hemd und geflickter Hose auf einem Seil tanzend! So war es ja auch — damit wurde Don Bosco „Der Bubenkönig" (wie der Titel der anderen Geschichte — beide bei Herder — lautet). Dörfler stellt das ebenso wilde wie hellige Leben mit jener Kraftwirkung bar, die damals nicht nur die wohlerzogenen Knaben, sondern auch den abseitigen Wildwuchs anzog. Ein packendes Beispiel, wie ein Heiliger auch int Helden und Abenteurer stecken kann! Aehnlich so hat Wilhelm Matthießen die Geschichte vom „Hl. Martin" erzählt, mit gleicher Meisterschaft Theodor Seibenfaben in seinem größeren „H e l- b e n b u ch e" bie alten Gestalten von Wielanb, Beo- wuls, Walter und Hildegund, von Diertrich und Hildebrand, den Nibelungen und König Rother urtferm jungen Geschlecht neuerzählt, das — für das Gesurre des Autos begeistert — eben nur von neuen Wortklängen sich packen läßt. Noch ein Beispiel für Bücher, wie unsere Jungen sie wollen: Leben dort die alten Zeiten begeisternd neu auf, so öffnet sich in der von dem Dichter Leo Weismantel herausgegebenen Reihe „Länder, Abenteurer, Helden" die Weite der Welt. Schon die Ausstattung dieser Bücher (alle bei Bachem) ist „Sache". „Australien kreuz und quer" wie „Wölfe, Bären und Banditen" von Joseph Vetter, „Iewan der Lappe" von A. Koschewnikow, diese phantasievoll in Handlung um- gesetzten Beschreibungen von Australien, Sibirien und Lappland befruchten die junge Seele beglückend, wie die Erdkunde-Stunde in der Schule sie mühevoll belastet. Wie man aber auch in der engen Heimat alltäglich Wunder sehen kann, zeigt Werner Heinen in einem famosen Buch derselben Reihe: „Der braune Tod". Der Leser — ich glaube auch der erwachsene — wirb selber zu diesem Wiesel, an dessen beutejagenden Er- lebntffen der Nachfolger von Hermann Löns uns die Natur in Feld und Flur darstellt.
Wo solche Bücher bereitstehen, braucht sich die junge
Phantasie heute nicht mehr durch Karl May ober gar bie bekannten bunten Hefte der „kleinen Papierläben" in unwirkliche Welten verzaubern zu lassen, die den Geist zwar „beschäftigen", doch — bestenfalls — nie nähren, bie mit anberen Worten „unnütz" sind wie jener Tand, zu dem wir eingangs sagten: Keinen Pfennig! Wilhelm Schulte.
Weihuachlsarbeiieu, die nichts tosten.
Eine Leserin der „Fuldaer Zeitung" schreibt uns:
Unter obiger Ueberschrift brachte die „Fuldaer Ztg" vor kurzem in der Beilage, „Für unsere Frauenwelt" einen Artikel mit zahlreichen Angaben hübscher Sächelchen, mit denen geschickte Hände ihre Lieben zu Weihnachten erfreuen können. Nachstehend möchte ich auch einige Sachen beschreiben. Vielleicht, daß das eine ober anbere Stück gefällt unb zur Nachahmung reizt.
Da wäre zuerst eine Blumenampel aus Wolle. Hat man Wollreste — einfarbig oder bunt — ganz nach Geschmack, so braucht man nur noch einen Blumentopf. Erst häkelt man einen runden Boden in der Größe des Topfbodens. Dann arbeitet man 8 Zacken und häkell nun, ab und zu zunehmend, damit sich die Arbeit dem Topf anpaffenb erweitert, bis etwas über den Topfrand hinaus. Nun nehmen wir 4 Vorhangringe. Die werden einzeln fest mit Wolle umschnürt, und dann an je 4 Zacken genäht, indem abwechselnd eine Zacke einen Ring erhält, eine frei bleibt. Die freibleibenden Zacken läßt man nach außen Überhängen unb befestigt an den Spitzen ein paar hübsche Perlen. Nun no* 2 lange Luftmaschenschnüre gehäkelt und so an den Ringen befestigt, baß sie sich in ber Mitte kreuzen und die Ampel ist fertig.
Einfache Vasen unb Glasschüsseln schmückt man in ähnlicher Weise. Dazu nimmt man dünnes Häkelgarn unb arbeitet bie Umhüllung in Gittermuster. An ben Rand kommen Mäusezäckchen und als Durchzug ein buntes Bändchen.
Sehr hübsche Untersetzer unb Körbchen fertigt man aus Vorhangringen unb buntem Garn. Zuerst wirb jeber Ring für sich urnschurzt und bann arbeitet man sie zusammen, inbem man je 2 Ringe lose anein- anberhätt unb sie in ber Mitte zweimal umschürzt. Dann wird der Faden möglichst unsichtbar durch die früheren Schürzstiche geführt bis zu ber Stelle, an welche wieder ein Ring angesetzt werben soll. Hat man eine genügende Anzahl Ringe umschürzt, fangen wir ein Körbchen an. Dazu brauchen wir 6 kleine unb eine große Rosette. Eine Rosette besteht aus 6 Ringen, ein Ring für bie Mitte und 6 als Rand. Die große Rosette gibt den Boden des Körbchens (19 Ringe). Die 6 kleinen Rosetten arbeitet man dann hochstehend daran. Und nun haben wir auch ben Körbchenranb. 2 mal 2 Rosetten werben bann noch mit bunten Schleifchen zusammen gebunden, um dem Rand festen Halt zu geben. Diele werden sich über das zierliche Geschenkchen erfreuen.
Untersetzer kann man in ben verschiedensten Formen arbeiten. Man lege nur einmal bie Ringe nach eigener Phantasie zusammen. Auch die Farbe des Garns läßt sich frei wählen.
Wieder etwas anderes sind gewebte Wolldeckchen Manchen Leserinnen werden dieselben nicht unbekannt sein. Sie lassen sich ganz leicht unfertigen. Zuerst schneiden wir uns ein Stück dicke Pappe zurecht, in der Größe des Deckchens. Dann wird dieselbe mit Re Mitten auf ein Brett befestigt. Nun merkt man sich mit einem Blei- strich am ganzen Rand entlang 1 Zentimeter breite Abstände. Am Anfang unb Ende jeder Seite bleiben 2—3 Zentimeter frei. Dann steckt man zwischen Pappe unb Holz an die angemerkten Stellen jeweils eine Stecknadel (möglichst flach). Nun wird die Wolle gespannt. Erst von oben nach unten, wenn der Grund voll ist, von links nach rechts. Man führt stets bas Garn von ber oberen 1. Stecknabel nach der unteren 1. Stecknadel und macht bas so 4mal. Dann wird bas Garn abqe- bunben. Wir haben setzt im ganzen 8 gäben. Nun verfährt man mit ber zweiten Reihe genau so. Ist alles fertig, bespannt man bie Nadeln von links nach rechts. Mit einem eingefäbelten Faden in einer anderen Farbe beginnt man nun, die vorgespannten Fäden zusammen zu heften. Dazu führt man da, wo sich die Wolle kreuzt zwei feste Kreuzstiche aus, achte aber daraus, daß das ganze Wollbünbel gefaßt wird und kein Faden liegen bleibt Nun bie Nabel nach der gerade gegenüber liegenden Wollkreuzung weiterführen. Wieder zwei Kreuz- stiche arbeiten und nun so weiter. Ist jede Fadenkreu- zung auf diese Art befestigt, wird das Deckchen von der Pappe gelöst, indem man bie Stecknadeln entfernt. Nun bie lose bängenben Fäden gerade schneiden unb mit einer Nabel kämmen.
Manches Geschenk läßt sich aus Postkarten ma-
Vas schenken wir unseren Kindern in diesem Mr?
irr. 285
Beilage zur Fuldaer Zeitung