Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Zahrg. 58.
Ar. 285
Deutschland lötzl den Mut nicht sinken
Reichsregierung haben sich daher entschlossen,
Der Inhalt der Notverordnung
der Hypotheken«
behandelt
Die
Verzugs zinsen werden von 24 auf 12 Prozent jährlich herabgesetzt. Sie finden in Zukunft auch in den Fällen Anwendung, wo bisher Verzugs- zuschläge erhoben wurden. Aufschubzinsen, insbe-
nach bestimmten kann.
gestellt, daß die Hauszinssteuer
Sätzen sofort a b g e l ö st werden Die
Mietsenkung
Vier-Pfennig-Stucken
soll den Sparsinn weiter fördern.
Der zweite Teil der Notverordnung in erster Linie die Frage der
Löhne und Gehälter
jein! lechsmat wöchentlich Wochenbeilagen: „Die Welt gilb* und „Buchenblätter* Rotationsdruck und Verlag Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda Fernrufe: Schrift- leitung 3153. Fuldaer Äctiendruckerei 3151 und 3152.
liche Räume.
Durch Schutzvorschriften zugunsten der Landwirtschaft und des Hausbesitzes kann bei der
Zwangsversteigerung von Grundstücken
im Falle einer Verschleuderung der Zuschlag verweigert werden.
Unter den sonstigen wirtschaftlichen Maßnahmen sind steuerliche Erleichterungen für die Aufteilung von Gesellschaften vorgesehen, um die Rück, entwicklung zu fördern. Erleichterungen liegen auf demGebiete der Gesellschaftssteuer, Grunderwerbs- steuer, Wertzuwachssteuer und Gewerbeanschaf» fungssteuer. Die Vergünstigung ist auf die Aufteilung von Aktiengesellschaften beschränkt.
Die Einführung von
der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Cs ist vorgesehen, daß alle Tarifverträge am Tage des Inkrafttretens der Notverordnung gekündigt werden mit der Maßgabe, daß die Lohn- und Gehaltssätze auf den Stand vom 10. Januar 1927 heruntergesetzt werden. Die Löhne und Gehälter im Reich, Länder und Gemeinden sollen bei den Beamten um 9 Prozent und bei den Arbeitern um 10 Prozent gelenkt werden Die 9pro,zentige Kürzung der Beamtenaehälter wirkt sich praktisch ebem so aus wie die lOprozentige Kürzung der Arbeiterlöhne. da als Grundlage für die Kürzuna bei den Beamten das ursprüngliche Grundgehalt genommen wird, während bei den Arbeitern vom gegenwärtigen Lohnstand ausgegangen wird.
Soziale Versicherung und Fürsorge.
Der sich mit der Sozialversicherung und der
sondere bei Zöllen, werden von 10 auf 8 Prozent herabgesetzt, Steuerstundungszinsen von bisher . 5 bis 12 Prozent, auf nunmehr 5—8 Prozent jährlich.
Die hauszinssieuer soll allmählich abgebaut werden und sie wird zunächst zum 1. April um 20 Prozent gesenkt, dann später für die Jahre 1935/36 auf 75 Prozent, für die folgenden Jahre auf 50 Prozent, sodaß sie am 1. 4. 1940 ganz verschwindet. Dieser Abbau wird zunächst dadurch sicher»
Don besonderem Interesse ist. daß die
Steuerverzngszuschläge
ab 1. Januar aufgehoben werden.
das Tragen von Uniformen u. Abzeichen politischer Verbände allgemein und ausnahmslos für das ganze Reichsgebiet zu verbieten.
Der Herr Reichspräsident hat sich ferner entschlossen, zur Sicherung des Weihnachtsfriedens von morgen ab bis zum 3. Januar nächsten Jahres alle öffentlichen politischen Versammlungen und Aufzüge zu verbieten, damit unser Volk Gelegenheit bekommt, Abstand von dem aufgeregten, lauten Tagesstreit zu gewinnen. Ich werde nie mit Versprechungen und Illusionen über den wirklichen Zustand unserer Lage hinwegzutäuschen versuchen. Die kühle Ueberlegung, das harte Rechnen mit politischen Möglichkeiten ist nicht ein Mangel an tiefstem Mitempfinden mit den Leiden des Volkes; es ist vielmehr die schwere Verantwortung, die auf den Regierenden ruht und ihnen verbietet, ihr innerstes Gefühl anders als in der sorgfältigen Unterordnung unter die Pflichten ihres Amtes zu äußern.
Das Velkecho der yolvergrdmmg.
wtb. Berlin, 9. Dez. (Eig. Meld.). Die Weltpresse beschäftigt sich heute morgen eingehend mit der Notverordnung und der gestrigen Rundfunkrede des Reichskanzlers. In England nennt man die Notverordnung einen noch nie dagewesenen Eingriff in das Wirtschaftsleben Deutschlands. Der Prozeß der Einschränkungen könne nicht mehr weiter getrieben werden. Gleichzeitig heben die Blätter hervor, daß es sich bei der Notverordnung um eine Absage an Hitler handele. Die französische Presse beschäftigt sich hauptsächlich mit der Reichskanzlerrede, die nach Ton und Ausiossung Billigung findet. Allgemein bezeichnet man die Rede als eine ernste Mahnung an die Anhänger Hitlers. In Wien ist man einmütig der Anerkennung und Bewunderung für den Kanz- l e r, der das Wagnis unternehme, die deutsche Wirtschaft durch diese einschneidenden Maßnahmen zu retten. Nur die sozialdemokratische Arbeiterzeitung übt an der Notverordnung schärfste Kritik und lagt, daß durch sie die staatlichen Gesetze im Widerstreit mit den autonomen Naturgesetzen der kapitalistischen Wirtschaft gebracht wiir-
Die Reithsregierung seht alles ein zur Rettung aus der schweren Krise. Kanzler-Worte zur vierten Notverordnung. - Traumbilder find kein politisches Programm. — Gegen flnntosen vruderkamps and autzeupalMsche TorheU. - Für kühle Ueberlegung und hartes Rechnen.
Die neue Notverordnung, die der Reichspräsident Dienstag abend unterzeichnet hat, trägt den Namen: „Vierte Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutz des inneren Friedens". Sie umfaßt im Reichsgesetzblatt 46 Druckseiten.
Der Inhalt der Verordnung läßt sich etwa folgendermaßen zusammenfassen:
Gebundene Preise
werden sämtlich um 10 Prozent gekürzt. Wenn diese Senkung nicht durchgeführt wird, so gelten alle Vereinbarungen als Null und nichtig. Das Kabinett hat sich aber nicht entschlossen, die Kartelle auf zu lösen. Der Wirtschaftsminister kann über diese Grenze aber noch hinausgehen und den Zeitpunkt für die Herabsetzung vorschreiben. Der Preis für Kohle und Kali wird ab 1. Januar ebenfalls um 10 Prozent gesenkt. Auch der Preis für Stickstoff soll ab 1. Januar gesenkt werden. Cs ist auch Vorsorge getroffen, daß die Herabsetzung des Kohlenpreises sich im Kleinhandel auswirkt. Der Leipziger Oberbürgermeister Dr. Gör- deler,' der zum Preissenkungskommissar ernannt wurde, hat die Aufgabe, die Durchführung ständig zu überwachen und bei weitestgehenden Bollmach- ten unter Umständen Maßnahmen zu treffen, die bis zur Schließung von Geschäften gehen.
Das schwierigste Problem ist die
Zinssenkung.
Die Reichsregierung hat sich entschlossen, die Zinsen für die festverzinslichen Papiere zu senken und zwar sowohl die Schuldverschreibungen des Reiches, der Länder und der Kommunen, als auch privater Papiere dieser Art. Die Zinssenkung soll durchgeführt werden bei 8 Prozent oder weniger auf 6 Prozent, bei Zinssätzen von mehr als 8 Prozent im Verhältnis von 8:6. Diese Regelung gilt auch für Hypotheken- und Pfandbriefe und es wird ausdrücklich unterstrichen, daß die Art der Durchführung von vornherein eine Schwächung und unter Vereinbarung mit den Spitzenverbänden eine Senkung der Debetzinsen he-'bei- führen soll. In den Fällen, in denen eine Vereinbarung nicht möglich ist, hat der Kommissar das Recht, von sich aus Festsetzungen zu treffen. Durch Verhandlungen mit der Reichsbank ist eine Annäherung des Lombardzinssatzes an den Wechselzinssatz herbeigeführt worden. Die Senkung beträgt zunächst 1 Prozent.
ergibt sich aus der Herabsetzung
zinsen und zwar für Alt- und Neuwohnungen Wo die Zwangswirtschaft nicht mehr besteht, ist die Möglichkeit der einseitigen Kündigung vorgesehen und zwar am 1. April. Das gilt auch für gewerb»
mit Ausnahme der ausländischen werden gleichfalls heruntergesetzt. Die Produktionskosten, insbesondere auch die der Landwirtschaft, werden auf die Weise ebenfalls vermindert. So soll überall, was auf der einen Seite allen Schichten der Bevölkerung genommen werden muß, auf der anderen Seite ihr durch Steigerung des Geldwertes wiedergegeben werden.
Alles dieses soll Zusammenwirken, um die Verkrampfung am deutschen Geldmarkt und in der deutschen Güter- wirtschaft zu lösen, soweit das durch staatliche Machtmittel überhaupt geschehen kann.
Schmerzlich sind die Opfer, die von Beamten, Arbeitern und Angestellten, sa darüber hinaus in beschränktem Umfange auch von dem durch Sozialversicherungen Betreuten nun abermals verlangt werden. Wir haben lange versucht und alles daran gesetzt, sie zu vermeiden, aber die Wirtschaftsnot zwingt wegen der inneren gesetzmäßigen Zusammensetzung dieser Dinge, auch hier zuzugreisen. Schmerzlich ist für viele die Zinssenkung der festverzinslichen Wertpapiere. Wenn sie manchen Sparer trifft, so möge er bedenken, daß die Erleichterung des Kapitaldienstes chm selbst in seiner Lebenshaltung wieder zugutekommt, und daß die erschreckende Höhe des deutschen Zinsniveaus eine Gefahr für die Sicherheft der Kapitalsanlage selbst bedeutet. Dieser Gefahr wird durch die Zinssenkung begegnet.
Alle diese Opfer müssen zur
Senkung der Preise, zur Erleichterung der Lebenshaltung führen. Hinter allen diesen Maßnahmen steht als ein weiteres entscheidendes Moment die Sicherung der Etats. Durch Erhöhung der Umsatzsteuer — bei Schonung des Brotes, Mehles und Getreides als Volksnahrungsmittel — und durch die Senkung der Ausgaben ist die Kaffen- und Etatslage gesichert, sind die Voraussetzungen geschaffen, die für jeden Einzelnen das wichtigste sind, daß nämlich die Za^ lungen des Staates in den kommenden Monaten pünktlich geleistet werden können.
Mit steigender Not haben sich in steigendem Maße wette Volkskreise zu /
Traumbildern
geflüchtet. Wunschgebilde aber sind kein politisches Programm: Eine Rettung Deutschlands ist jetzt, wie in den vergangenen Jahren nur möglich, wenn ich die Leitung der deutschen Politik nicht gleich- alls in dieses Reich der Illusionen begibt son- lern sich bei heißester Liebe zu Volk und Bcher- and von nüchterner Ueberlegung, von klarer Em- icht in die uns nach dem Kriege verbliebenen Mittel und Möglichkeiten bestimmen läßt.
Eine Regierung, die sich ihrer Verantwortung für Volk und Vaterland bewußt ist, darf und wird nicht davor zurückschrecken, einem drohenden Zerfall der Volkskräfte mit eiserner Energie entgegenzutreten. Sie duldet keine andere Macht als die verfassungsmäßige. Reichspräsident und Reichsregierung verfügen allein über die Machtmittel des Staates.
Sie werden mit unerbittlicher Strenge — notfalls auch unter Verhängung des Ausnahmezustandes — gegen alle eingesetzt werden, die sich unterfangen würden, in den Stunden stärkster Nervenprobe den verfassungsmäßigen Gewalten in den Arm zu fallen.
Wenn der Parteiführer der Nationalsozialisten die legalen Wege und Ziele seiner politischen Absichten betont hat, so stehen in grellem Kontrast dazu die heftigen Beteuerungen, sich nicht weniger verantwortlich dünkender Führer,
die zum sinnlosen Vruderkamps und zu außen- politischen Torheiten auffordern.
Wenn man erklärt, daß man — auf legalem Wege zur Mocbt gekommen — dm Stanken durchbrechen werde, so ist das keine Legalität. Und sie ist es noch weniger, wenn zu gleicher Zeit in engerem Kreise Rachepläne verfaßt und vorgetragen werden. Dagegen wende ich mich als verantwortlicher Staatsmann auf das schärfste!
Ich werde mich weiterhin mit allen verfassungsmäßigen Mitteln solchen Parteiversuchen entgegensetzen, das deutsche Volk in dieser ungeheuren materiellen und seelischen Not in zwei feindliche Lager zu zerreißen.
Ein uralter Instinkt gesunder Völker ermahnt, den innerpolilischen Meinungsstreit zurücktreten, ja völlig schweigen zu lassen, wenn das Vaterland in entscheidenden Stunden politischen handelns steht. Deshalb ist es ein dem Lande abträgliches Unterfangen, wenn auf innenpolitische Verschiebungen in den Tagesmeinungen der Wähler versucht wird, irrt Auslande den Eindruck zu erwecken, als ob es in Deutschland in Wirklichkeit geteilte Fronten, ja eine Regierung von morgen gebe, die sich anmaßen dürfte, für das deutsche Volk zu sprechen. Auch künftighin wird die politische Führung des Deusichen Reiches und die Vertretung der Interessen des Deutschen Reiches im Auslande ausschließlich in den Händen des Herrn Reichspräsidenten und der verfassungsmäßigen Regierung liegen.
Um den inneren Frieden gegen Gewaltmaßnahmen und Terrorakte von jeder Seite zu schützen ist ein« Verschärfung der Bestimmungen über den Wasiengebrauch notwendig geworden.
Das Tragen von Uniformen und Abzeichen politischer Verbände hat sich als immer größerer Mißstand erwiesen. Reichspräsident und
den, was unweigerlich schwere Störungen Hervorrufen werde. Die amerikanische Presse nennt die Notverordnung einen l e tz t m ö g l i ch e n Schritt und hebt die Ankündigung des Reichskanzlers hervor, daß er nötigenfalls Maßnahmen gegen Putschversuche treffen werde.
Staatspartei und Notverordnung.
vdz. Berlin, 9. Dezember. (Eig. Meld.) Zn der heutigen Sitzung der Reichstagsfraktion der Staatspartei kam es zu einer ausführlichen Debatte über die neue Notverordnung, in die auch Vizekanzler Dietrich Eingriff. Die Beratungen, denen auch der preußische Handelsminister Dr. Schreiber beiwohnte, ergaben im Großen und Ganzen eine Anerkennung der Notwendigkeit der neuen Maßnahmen. Gegenüber dem Vizekanzler wurde dabei besonders betont, daß eine strikte Durchführung des UniformVerbots der. spge- nannten Wehrverbände im ganzen Reichsgebiet verlangt werden müsse, insbesondere auch in den Ländern, in denen Nationalsozialisten an der Regierung beteiligt sind. j
Der Burgfrieden.
VDZ. Berlin, 9. Dez. (Eig. Meld.) Zu den Be- stimmungen der neuen Notverordnung über den politischen Burgfrieden wird dem Nachrichtenbüro des VDZ. in parlamentarischen Kreisen erklärt, daß sie n i ch t k o n- tret genug gefaßt seien, als daß das wahrscheinlich erstrebte Ziel erreicht werden könne. Da geschlossene Mitgliederversammlungen erlaubt seien, über die wiederum in den Zeitungen berichtet werden könne, liege ein tatsächliches Verbot politischer Versammlungen eigentlich nicht vor.
Dr. Gördeler, Reichskommissar.
Der neuernannte Reichskommissar für die Preissenkung, Dr. Gördeler, der deutschnational ist, hat sich nach einer Unterredung mit dem Führer der deutschnationalen Volkspartei, Dr. Hugenberg, entschlossen, da seine Stellung ihn in einen Gegensatz zur politischen Haltung der deutschnationalen Volkspartei und ihrer Oppositionsstellung gegen das Kabinett Brüning bringt, aus der Partei ausgetreten. In der Erklärung gibt er be- kannt, daß er nach wie vor mit den politischen und weltanschaulichen Grundsätzen der Partei sich eng verbunden fühlt.
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Die kommunistische Reichstag sfrak- Hon hat die Einberufung des Reichstags für Freitag, den 11. Dezember beantragt.
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Die sozialdemokratische Reichstags, f r a k t i o n ist für Montag, den 14. Dezember zu einer Sitzung einberufen worden.
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Jeder, der an Deutschlands Schicksal teil» nimmt und das, was er als Glied des Volkes zwangsläufig miterleben muß, auch mit durchdenkt und mit empfindet, spürt die Bedeutung des Einsatzes, zu dem sich unter Brünings tatkräftiger Führung Reichspräsident und Reichsregierung entschlossen haben. Wer am Dienstagabend Brünings Worte im Rundfunk hörte, muß sich klar darüber geworden sein: in einer Stunde, fn der die Regierung mit bewunderungswürdiger männlicher Entschlossenheit und in nationalem Verantwortungsgefühl das Letzte wagt, da muß jeder Deutsche, mag er noch so sehr ein Partei- Fanatiker sein, ans Ganze denken. Da muß der Hader schweigen. Da gehört die Stunde der nationalen Pflicht)
Reichskanzler Brüning
führte am Dienstag abend aus:
Am Vorabend der Veröffentlichung einer schicksalsschweren Notverordnung, die soeben der Herr Reichspräsident unterzeichnet hat, halte ich es für meine Pflicht, dem deutschen Volk in großen Zügen Ausschluß über die Ziele der Reichsregierung zu geben. Die zu treffenden Maßnahmen sind bedingt durch die Lage der Weltwirtschaft und des Kapitalmarktes der Wett. Sie sind bedingt durch die unerträglichen Lasten, die dem deutschen Voll im vergangenen Jahrzehnit auferlegt wurden. Aber sie gehen andererseits auch zurück aNf Fehler, die wir selbst in den vergangenen Jahren gemacht haben.
Tag für Tag schreitet die Zerrüttung der Weltwirtschaft fort. EinWirtschaftskriegvon ungeheurem Ausmaße ist entbrannt, der die Wohlfahrt aller Völker der Welt zu untergraben droht. Sotten diese Gefahren gebannt werden, dann dürfen die Entschließungen der Regierungen der Wett nicht hinter den Erkenntnissen zurückbleiben. Durch Festhalten an formellen Rechtsauffassungen kann die Lage der Welt nicht gemeistert werden.
Großzügige Lösungen müssen gefunden werden, deren Wirksamkeit nicht mehr durch überholte Konstruktionen und Gedankengänge der Vergangenheit belastet ist.
Sollte man abermals bei Teillösungen stehen bleiben, die an der zwangsläufigen Eesamtlage Vorbeigehen, so würde sich schnell erweisen, daß sie nicht nur für die einzelnen Beteiligten unzureichend, sondern auch für die Welt unheilvoll sind.
Mit den auf deutschen Antrag eingeleiteten Verhandlungen in Basel über die Reparationsfragen haben gestern die internationalen Verhandlungen begonnen. Ich richte noch einmal den dringendsten Appell an alle beteiligten Regierungen, dafür zu sorgen, daß die oft und von allen Seiten verkündeten Grundsätze verständnisvollen und solldarischen Zusammenwirkens sich jetzt endlich in letzter Stunde in die Tat umsetzen. Die nächsten Wochen werden von entscheidender Bedeutung sein. Heute ist die Wirtschaft enger ineinander verknüpft denn je. Jede Erschütterung in einem Lande hat tiefere Rückwirkungen auf die übrigen Länder. Jede Regierung ist bemüht, mit von Woche zu Woche sich ändernden Maßnahmen die Wirtschaft zunächst des eigenen Landes zu retten.
Wenn jedes Land die Tendenz hat, sich abzu- grenzen, währungspolitisch und zollpolltisch für sich zu sorgen, so wächst unweigerlich das Gesamtmaß der Wirtschaftszerstörung aller Länder. Alles dieses weist auf die internationale Verständigung hin. Aber bis zu einer solidarischen Lösung der Krise der Welt muß jede verantwortliche Regierung der Welt den Weg gehen, der aus oen Lebensbedingungen des eigenen Volkes und oer eigenen Wirtschaft sich ergibt. Vollkommene Lösungen kann sie allein nicht geben.
Für Deutschland, das eine schwere Inflation erlebt hat, steht int Vordergrund die
Sicherung der Währung.
Dieses Ziel zwingt die Reichsregierung nach außen zur Erfassung und planvollen Bewirtschaftung der anfallenden Devisen., es zwingt im Innern zur unbedingten Sicherung des Etats, auch mit harten Mitteln.
War es möglich, bis zur Auswirkung der englischen Pfundkrise wohlüberlegt miteinander in Zusammenhang stehende Maßnahmen schrittweise zu treffen, so ist jetzt der Augenblick gekommen, eMscheidende Maßnahmen auf zusammenhängenden Gebieten der Wirtschaft und Finanzen gleichzeitig zu treffen. Preissenkung, Zinssenkung, Lohn- und Gehaltssenkung sowie die Senkung der Frachten, also Maßnahmen
auf der ganzen Linie
müssen gleichzeftig erfolgen. Nur so kann es gelingen, zu verhindern, daß die Realkaufkraft sinkt, die Produktion weiter zusammenschrumpft und die Arbeitslosigkeit ins Ungemessene steigt. Abbau und Tilgungsmöglichkeften der Hauszinssteuer, verbunden mit der Zinssenkung werden eine mindestens zehnprozentige Verringerung der Mieten ermöglichen. Abbau der Zinsen, gerechte Berechnung der Handelsspanne, müssen eine weitere Verbilligung des täglichen Bedarfes herbeiführen. Störende Preisbindungen werden aufgelockert.
Zu gleicher Zeit wie die Lohnsenkungen erfolgen, werden die Preise der gebundenen Produktion, Kohle, Eisen, Düngemittel, heruntergesetzt. Frachtensenkung in großem Ausmaße unterstützt die Preissenkung. Die Zinsen der langfristigen Verpflichtungen