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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Jahrs. 58
Mittwoch, 9. Dezember 1931
Jtc. 284
Sie Gmndzüge der neuen Notverordnung
Gehälter und Löhne. — Erhöhung der Am
Preissenkung
Beneduce.
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General Smuts richtete in Kapstadt eine ernste Warnung an die Staatsmänner aller Mächte, in
der er betont, daß Deutschland keine Tributzahlungen mehr leisten könne-
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Die Danziger wie auch die polnische Regierung haben gegen die Entscheidung des Dölker- bundskommissars vom 26. Oktober im Gdingen- streit Berufung eingelegt, so daß die Angelegenheit nunmehr den Wlkerbundsratsdirektor beschäftigen wird.
Adolf Hitler, der Führer der Nattonaisozialisten, und Reichstagsabgeordneter Hauptmann Göring im Hotel Kaiserhof nach dem Empfang der ausländischen Journalisten.
Zum Zusammentritt des Sonderausschusses der BÄZ. erklärt die Londoner „Times" in einem Leitartikel, daß Tribute nur bezahlt werden könnten, wenn der wirtschaftliche Wohlstand soweit hergestellt sei, daß die Zahlungen ohne Gefährdung der Währung erfolgen könnten. Es scheine unvermeidlich zu sein, daß der Ausschuß ein vollständiges Moratorium vor allen Tributzahlungen erkläre.
Deutschlands schwerer Kamps in Sasel.
Jetzt heitzt es, der Regierung Brüning den Rücken stärken — so handeln wenigstens national gesinnte Deutsche. — Frankreich will die Anstrengungen Deutschlands für unzureichend erklären.
C.N.B. Berlin, 8. Dez. (Gig. Meld.) Das Kadinett und seine Redaktionsausschüsse haben auch den ganzen Dienstag vormittag beraten, und man nimmt an, daß auch noch der Nachmittag für die Fertigstellung der Notverordnung in Anspruch genommen werden muß, so daß also der Reichspräsident seine Unterschrift vielleicht gegen Abend geben könnte. Unter diesen Umständen ist mit der Veröffentlichung erst im Verlaufe des späteren Abends zu rechnen. Die Vormittagsberatungen lassen erkennen, daß immer noch nicht alle Punkte der Notverordnung in den Einzelheiten genau fest- stehen. In großen Zügen läßt sich von ihr sagen, daß sie sich in vier Hauptgebiete gliedert. Das ist 1. das Problem der Preissenkung, das nicht nur die einschlägigen privatwirtschaftlichen Fragen, sondern auch die Senkung der öffentlichen Tarife und wohl auch der Mieten umfaßt, hierzu gehört. natürlich auch die Ernennung des Preissenkungskommissars mit besonderen Vollmachten. Man rechnet jetzt sicher mit der Ernennung des Leipziger Oberbürgermeisters Gördeler.
Das 2. Hauptproblem, das mit der Preissenkung ja eng zusammenhängt, liegt in der Gestaltung derGehälter undLöhne. Die Beamten werden mit einer Senkung der Grundgehälter um 9 Prozent und die staatlichen Angestellten und Arbeiter um 10 Prozent zu rechnen haben, und Mar voraussichtlich ob 1. Februar 1932. Die Gehälter und Löhne in der Privatwirtschaft sollen auf den Stand vom 10. Januar 1927 zurückgeführt werden, so daß gegen unbillige Härten eine Berufung an den Schlichter möglich gemocht wird.
Der 3. Fragenkomplex bezieht sich auf die Sicherung der öffentlichen Haushalte. Hierunter fällt ja schon die Einsparung bei den Personalausgaben. Dazu kommt die Erhöhung der Umsatzsteuer von 0.85 auf 2 Prozent, von der übrigens wahrscheinlich die Lebensmittel ausgenommen werden dürften. Die Kapitalertragssteuer bekommt die Form einer Eoupon- steuer.
Schließlich enthält die Notverordnung auch noch eine Reihe politischer Bestimmungen, die der Aufrechterhaltung vonRuhe und Ordnung dienen. Darüber ist in der Presse ja bereits berichtet worden. So war von der Kontrolle des Waffenbesitzes, einem generellen Uniformverbot, verstärkter Sicherung wegen Landesverrat und dem politischen Burgfrieden für die Weihnachtszeit die Rede.
Zu den innerpolitischen Fragen wird übrigens der Reichskanzler selbst heute abend um 9 Uhr in einer Rundfunkrede Stellung nehmen.
Der Vorsitzende des ADGB., Leipart, richtete an den Reichskanzler einen Brief, in dem er die Reichsregierung warnt, den Weg der Lohnsenkung noch weiter zu gehen und insbesondere gegen den geplanten Eingriff in das Tarifrecht protestiert. Die Folgen würde auch die Regierung nicht tragen können.
Groener über Brüning.
Reichsinnenminister Dr. Groener sprach im Rundfunk über die Verantwortung des Staatsbürgers. Der Minister führte u. a. aus:
Ich hoffe und wünsche, daß meine heutigen Worte die Ueberzeugung von der engen und nicht zu lösenden Schicksalsverbundenheit aller deutschen Volksgenossen weiter vertiefen werden. Vom Staatsbürgertum und seiner Verantwortung in der heutigen Zeit zu sprechen, ist nicht ganz einfach, weil in der Presse aller Richtungen und Schattierungen die öffentliche Meinung in einer Weise zum Ausdruck kommt, die oftmals den Eindruck erweckt, als existiere ein Staatsbürgertum im deutschen Volke nur noch mit antiquarischen Resten.
Der Minister gab dann einen Ueberblick über die Entwicklung des Staatsbürgerbegriffes von den 70er Jahren bis zur Jetztzeit und fuhr fort: Dem Heimatbürger, wie ich den Bürger der älteren Zeit nennen möchte, scheint vielfach ein Parteibürger, ein Verbandsbürger nachgefolgt zu fein. Ihm geht die Organisation, die Partei über alles. Aber die Pflichten gegenüber der Allgemeinheit, denen doch der Vorrang gebührt, empfindet er nicht mehr mit der Klarheit der früheren Zeit. Die wichtigste Funktion des Staatsbürgers ist das Wahlrecht. Nach der Verfassung geht alle Gewalt vom Volke aus. Es würde falsch sein, darin eine Zersplitterung des Volkswillens zu sehen: im Gegenteil: es soll die Konzentration des Volkswillens angestrebt werden im Sinne einer Führer- ouswahl. Freilich gelingt das in Wirklichkeit durchaus nicht immer. Jeder einzelne Staatsbürger aber trägt die Verantwortung dafür, daß der Volkswille nicht in Bahnen getrieben wird, wo es statt zur Zusammenfassung zur Auflösung der Volkskräfte kommt. Wir erleben gerade in der heutigen Zeit eine solche Auflösung und müssen
satzsteuer. — Lebensmittel bleiben von der Erhöhung unberührt. Die politischen Maßnahmen.
daraus erkennen, daß sich das Staatsbürgertum in einem krankhaften Zustand befindet. Wie sollen wir dem begegnen?
1. Die Verantwortlichkeit des Einzelnen muß gestärkt werden einerseits durch den Einzelnen aus eigener Kraft, andererseits durch Einwirken des Staates.
2. Die Verantwortlichkeit der Partei darf nicht vom Einzelinteresse ausgehen, sondern vom Gesamtwohl im Sinne des Staatsbürgertums.
3. Die Verantwortlichkeit der Regierung muß alle Volksgenossen umfassen. Der geistige Inhalt des Staatsburcsertums muß von dem Einzelnen ausströmen als lebendige Kraft bis zur obersten Spitze der Regierung und muß von dieser wieder zurückströmen bis zu jedem Einzelnen. Diese Funktion ist in der heutigen Zeit gestört. Ihren normalen Lauf wiederherzustellen, ist eine der wichtigsten Aufgaben für eine gesunde Entwicklung des Volksganzen. Die Störungen sind verständlich, wenn man bedenkt, welchen ungeheuren Spannungen das feine Zirkulationssystem im Kriege und in der Nachkriegszeit ausgesetzt war bis auf den heutigen Tag. Wenn wir dieser krankhaften Erscheinung nicht Einhatt tun, so ist das Staatsbürger» tum umzuwandeln. Wie ist dem zu begegnen? Durch die Stärkung der Verantwortlichkeit aller politischen Führer und dcckmrch, daß die Regierung sich nicht vom Volkskörper isoliert. Pflicht der Regierung ist es, zu handeln. Sie wird handeln, wie Sie bald sehen werden, um fest und unbeirrt das notwendige Rettungswerk fortzuführen. Ihr Veranwortungsbewußtsein gibt chr die Kraft, auf ihrem Posten zu bleiben. Sie wird die Flinte nicht ins Korn werfen, vielmehr bis zum Letzten ausharren und alle Kraft aufbieten, um das deutsche Volk aus dem Engpaß hinauszuführen.
Die verantwortliche Regierung kann aber nicht durchgreifend helfen ohne die Unterstützung der deutschen Staatsbürger. Neue Notverordnungen werden dieser Tage erscheinen, die den Fortgang des Staats- und Wirtschaftslebens sicher- stellen. Die neuen Maßnahmen scheuen nicht die öffentliche Kritik. Die Regierung hat aber auch ein Recht darauf, daß ihre verantwortungsbewußten Maßnahmen von den Staatsbürgern mit dem gleichen Verantwortungsbewußtsein aufgenommen werden. V eran tw ortun g sb ewußtsein ist die letzte Losung für Regierung und Staatsbürger. Unzählige Vorbilder des echten Staatsbürgertums sind im Volke vertreten, vor allem aber der Mann, der an der Spitze des deutschen Volkes steht: Reichspräsident v. Hindenburg. Einen zweiten hier zu nennen, ist mir aufrichtiges Bedürfnis: Das ist der Reichskanzler Dr. Bruni n g, über dessen Persönlichkeit in einzelnen Kreisen des Volkes ganz falsche und sogar böswillige Meinungen umherlaufen, verbreitet von Leuten, die ihn überhaupt nicht kennen. Das ist eine schlimme Entartung des Staatsbürgertums. Es steht jeder Führer in der politischen Drecklinie, und wer den Weg der Politik kennt, macht sick» nichts daraus. Es handelt sich dabei auch gar nicht um die einzelne Persönlichkeit, sondern um das gesamte Vaterland, das schwer leiden muß, wenn die Verrohung der politischen Sitten zur Verunglimpfung derjenigen führt, die aus heißer Vaterlandsliebe bemüht sind, den hohen sittlichen Wert des Staatsbürgertums zu erhalten. Staatsbürgerliche Gesinnung ist das Lebensprinzip des Staates. Ich schließe mit dem Wunsche, daß dieses Prinzip wieder zum Allgemeingut des deutschen Volkes werden möge. In diesem Zeichen allein wird Deutsch- land die Not der Gegenwart überwinden.
Die Berichte der englischen Blätter über die Ausführungen, Hitlers beim englisch- amerikanischen P res seemp fang in Berlin stellen eine recht interessante Lektüre dar. Der Berliner Vertreter der „Times" gibt einen langen Auszug aus der Rede, die etwa vierzig Minuten gedauert hat. Dieser Bericht enchält einen Passus, den wir besonders hervorheben möchten. Danach hat der „Duce" des Nationalsozialismus gerabe bei den Engländern mit einer erstaunlichen Gründlichkeit „g eschuster t". Er sagte u. a„ daß der Haß in Kriegszeiten verständlich war, daß er aber nicht verstehen könne, wie er noch Jahre lang später genährt werde. Es wäre z. B. für Deutschland töricht, sich an der Aussicht zu weiden, daß Indien für das Britische Reich verloren gehen könne, was ein Unglück ’ür die übrige Welt, einschließlich Deutschlands, ‘ein würde. Mit einer Ausnahme feien zwischen Deutschland und seinen früheren Feinden freundschaftliche Beziehungen wieder hergestellt worden, und er nehme für seine Partei in Anspruch, daß sie am meisten zu dieser Entwicklung beigetragen habe. Seit zwölf Jahren habe er gepredigt, daß der alte Kriegsruf „Gott strafe England", vergessen werden solle.
Diese Art, England zu apostrophieren, ist im Munde des obersten nationalsozialistischen Führers ohne jeden Zweifel höchst bemerkens»
wtb. Paris, 8. Dez. (Eig. Meld.) Die rechtsstehende französische Presse entfaltet bei ihren Berichten über den Beginn der Baseler Tagung
Erjcheim iedjsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag her Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- n leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.
Nach Bekanntgabe der neuen Notverordnung wird Reichskanzler Dr. Brüning heute abend (Dienstag) um 9 Uhr im Rundfunk sprechen.
Die Eisenbahnergewerkschaften bei Reichsminister . Treviranus.
wtb. Berlin, 8. Dez. (Gig. Meld.) Reichsoer. kehrsminister Treviranus empfing heute Vertreter der Eisenbahnergewerkschaften zu einer Aussprache über die mit der bevorstehenden Notverordnung zusammenhängenden Fragen Im Anichluß an ausführliche Darlegungen der Personalvertreter wies der Minister darauf hin, daß die Reichsregie- rung die Preissenkungsaktion als Ganzes behandeln müsse, und daß die Erwartung, daß die bevorstehenden starken Eingriffe m alle Wirtschaftsbeziehungen zu einer der Senkung der Bezüge entsprechenden Ermäßigung der Lebenshaltungskosten fuhren werde. Was die vorgebrachten Einzelwunsche anginge, sv fei er gern bereit, in den freundschaftlichen Verhandlungen mit der Hauptverwaltung der D. R. G. den Mittler zu machen. Weiter könne er bei der bekannten rechtlichen Unabhängigkeit der Deutschen Reichsbahngesellschaft nicht gehen. Der Minister gab der Hoffnung Ausdruck, daß i>te allgemeine Auflockerung der Wirtschaft, in deren Rahmen die große Tarifsenkung gehöre im Bettln mit den bekannten neueren verkehrspoliiisckM Maßnahmen eine finanzielle Erlelch- terungfürbie Reichsbahn bringen werde.
♦ Der Herr Reichspräsident empfing am Dienstag den Vorstand des Reichsbundes der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie, Bundesvorsitzenden Konrad und Bundes- gefchästsführert Generalmajor g, D. Dix. 1
Die Verhandlungen in Basel haben eingesetzt. Wenn Deutschland etwas erreichen will, bann heißt es jetzt: nationale $ t § 8 i p I i n üben. Alle innenpolitischenAuseinandersetzungen,die immer täppischer werden und vielfach auf Geistesverwirrung der wildesten Kampfhähne schließen lassen, müssen zurücktreten. Die Ernennung des italienischen Delegierten Pros. Alberto Beneduce zum Präsidenten des Sonderausschusses bei der BIZ wird allgemein mit Befriedi- gung ausgenommen. Ganz besonders wird sie auch von der deutschen Abordnung begrüßt, da Beneduce, der dem Derwallungsrat der BIZ angehört und auch an den Verhandlungen des Wiggin- Ausschusses teilnahm, mit allen Fragen durchaus vertraut ist. Präsident Beneduce nahm bereits an den Verhandlungen in Baden-Baden über die Gründung der BIZ teil und hat sich von jeher als ein loyaler Verhandlungspartner erwiesen.
Sir Walter Layton bleibt auch diesmal di; Abfassung desBerichts Vorbehalten. Seine klare Stellungnahme, daß „das Beispiel Deutschlands die eindrucksvolle Illustration der Tatsache ist", daß die jährliche Zahlung großer Summen von Schuldnern an die Gläubigerländer mit dem Ab schnüren der freien Güterbewegung nicht möglich ist, hat ihm von Pertinax in den letzten Tagen den Tadel eingetragen, daß er stark „germanisiert" sei.
Die Franzosen versuchen natürlich mit allen Mitteln nachzuweisen, daß Deutschland n i ch t a II e Anstrengungen gemacht habe, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Die im deutschen Memorandum enthaltene Forderung, „die deutsche Lage, bezw. das Problem in seiner Gesamtheit unter Berücksichtigung aller Faktoren zu prüfen", wollen die Franzosen nicht zulassen. Sie halten daran fest, daß jetzt nur der Zahlungsaufschub für die bedingten Annuitäten diskutiert werden dürfe, und daß alles andere auf die später folgende Konferenz verschoben werden müßte.
Der englische und belgische Außenminister verhandelten am Montag in London über, finanz- unb wirtschaftspolitische Probleme. Dem Vornehmen nach hat Belgien einen f r ä n z ö s i sch e n Vorschlag auf Abschluß einer Zollunion a b g e l e h'n t. l .
Der Amerikanische Kongreß eröffnet
Wie aus Washington berichtet wird, wurde der amerikanische Kongreß am Montag um 12 Uhr feierlich eröffnet. Wie allgemein erwartet wurde» wurde der demokratische Fraktionsführer Garner- Texas mit 218 gegen 207 Stimmen zum Sprecher des Repräsentantenhauses gewählt. Die Demokraten begrüßten die Wahl dieses populären Parlamentariers mit stürmischen Beifallskundgebungen.
Durch die Ergebnisse der letzten Nachwahlen haben die Demokraten bekanntlich zum ersten Mal seit 13 Jahren die Mehrheit im Repräsentanten- Haus erlangt.
Am Dienstag werden beide Häuser des Kongresses zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen- treten, um die Botschaft des Präsidenten Hoover entgegenzunehmen.
Die kommunistische Kundgebung in Washington.
wtb. Washington, 8. Dez. (Eig. Meld.) Die gestern hier eingetroffenen kommunistischen Demonstranten bildeten, nachdem sie weder ins Kapitol zum Vizepräsidenten Curcils noch ins Weiße Haus hineingelassen worden waren, einen Dernon- strationszug, der sich unter starker Polizeibegleitung durch das hiesige Geschäftsviertel bewegte. Auf ihren Plakaten verlangten sie Abschaffung aller Rüstungsausgaben, Ar• beitslosenunterstützung und baldige Auszahlung von je 15 0 Dollar an alle Mittellosen.
ei*ne starke Agitation.
Echo de Paris polemisiert scharf gegen die englische These, daß die Finanzkrise Mitteleuropas im allgemeinen und Deutschland int besonderen auf die Reparationszahlungen zurückzuführen seien. Das Blatt geht sogar so weit, die Autorität des französischen Delegierten Rist in Zweifel' zu ziehen. Es schreibt: Der beratende Sonderausschuß hat die Hauptaufgabe, nachzuprüfen, ob Deutschland Alles in seinen Kräften stehende getan hat, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Da über die wahren Ursachen der deutschen Finanzkrise ein Märchen von allen denen verbreitet worben ist, die ein Interesse daran haben, die Reparationen zu streichen, muß man die Dinge richtig stellen. Leider ist der französische Delegierte Prof. Rist ziemlich wenig qualifiziert, die harte Kontroverse burchzufechten. Er ist ein Theoretiker, ber seit längerem glückselig in den Fußstapfen Sir Walter Laytons zu wandeln gewohnt ist.
Auch l i n k s st e h e n d e Blätter treten nicht weniger energisch für bie bekannte französische Auffassung ein. So erklärt Quotibien: bie deutsche Regierung wirb demnächst einen sorgsam ausgearbeiteten Plan versuchen, mit dem Reparationsproblem bas Problemder privaten Schul- ben zu verbinden. Folglich ist.es Aufgabe des französischen Delegierten, sich mit allen Kräften zu wehren, daß dieser Plan überhaupt erwähnt wird, denn Reparationen und private Schulden dürsten nicht in Verbindung gebracht werden.