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verwirklicht werden durch eine „sachlichere" Gestaltung des Parteikampfes, so daß die­ser nicht durch persönliche Gehässigkeiten unüber­windliche Klüfte im Volke aufreißt. Sachliche Auseinandersetzung — und sei sie noch io unerbittlich — gibt doch immer auch das Gefühl gemeinsamen geistigen „Niveaus" und damil einer gewissen inneren Verbundenheit. Zu solch' sachlichem Denken und Diskutieren zu erzie­hen ist darum eine der bedeutsamsten Aufgaben staatsbürgerlicher Bildung. Staatsbürgerliche Bil­dung aber heißt politische Bildung.

Der heutige Zustand unseres innerpolitischen Le­bens — das schon geradezu einem Kriegs­schauplatz ähnelt — muß jeden nüchtern und kritisch Denkenden zu dem Schluß zwingen: Wenn derart das Ergebnis unserer politischen Bildung ist, so hat sie bis setzt überhaupt noch nichts Nen­nenswertes geleistet.

Trotzdem wird vielfach den Bemühungen, ihre Aufgaben und ihre Bedeutung klarzustellen und ihre Methode zu fördern der Satz entgegenstellt „Politik gehört nicht in die Schule!". Aber wenn die Schule für das Leben erziehen soll, so ge­hört „Politik", nämlich Erziehung zur Politik, weit mehr als bisher in die Schule, da in einer Repu­blik jeder berufen ist, sich polstisch zu betätigen und sich für innere und äußere Politik mitverantwort, lich zu fühlen. „Sachlichkeit" muß freilich die Seele aller politischen Unterweisungen sein. Also der Satz „Politik gehört nicht in die Schule" hat nur dann Berechtigung, wenn darunter die Forde­rung verstanden wird, daß parteipolitische Einsei­tigkeit und Beeinflussung ausgeschlossen sein soll.

Die Forderung besserer politischer Bildung im Geiste der Sachlichkeit erstreckt sich bis hinauf an die chockschulen. Sollten sie — was durch ihre Idee w-ie ihre Geschichte gefordert ist — Stätten wissenschaftlichen und philosophischen Geistes sein, so muß das Streben nach Wahrheit und damit nach Sachlichkeit, nach möglichst objektiver Detrach- tungs- und Handlungsweise allenthalben in ihnen herrschen, nicht parteimäßiges Aufpeitschen zum Haß und leidenschaftlichen Kampf. Politische Agi­tation ist nicht staatsbürgerliche Erziehung! Und sollen unsere Hochschulen von dem ganzen Volke — das ja auch die erheblichen Kosten dafür auf­bringt — geschätzt werden als nationale Kultur­stätten, so dürfen die Studentenschaften als solche sich nicht schon parteipolitisch festlegen und durch öffentliche Aktionen sich an den Kämpfen um die Probleme der äußeren und inneren Politik betei­ligen. Dem einzelnen bleibt es unbenommen, wie er sich politisch betätigen will, aber die Studenten­ausschüsse und die Studentenschaften sollten nicht schon praktische Politik treiben wollen (da diele doch — geradezu unvermeidlich — ins parteipoli­tische Fahrwasser gerät), sondern sie sollten ledig­lich staatsbürgerliche Orientierung und Selbster- ziehung der Studierenden zu fördern suchen, wozu auch 3. B. gehören würde, daß sie in vornehmer Neutralität Vertretern der verschiedenen politischen Parteien und politischen Reformhestreburwen Ge­legenheit gäben, chre Anschauungen in sachlicher Weise darzulegen. —

Vieles scheint m der Gegenwart auf ein mäch­tiges Erstarken nationalen und sozialen Sinnes in unserem Volke hinzudeuten. Für unsere gesamte Erziehung kann wertvolle Befruchtung von daher kommen, wenn es gelingt, in dieser ge­waltigen Bewegung den Geist der Liebezuun- f e r e m Volk und der Bereitschaft zu positiver Aufbauarbeit ,zur Herrschaft zu bringen gegen- über-den Dämonen des Hasses, des Neides und der Zerstörungssucht, die vielfach fessellos in der Gegenwart toben.

Angesichts dieses beklagenswerten- unheilvol­len Zustandes müßte viel mehr als bisher die Ueberzeugung sich durchsetzen und wirksam werden, daß es sich hier um eine gemeinsame na­tionale Aufgabe handelt, an der die beson­nenen und wirklich vaterlandsliebenden Vertreter aller Parteien sich beteiligen sollten. Insbeson­dere sollten die Erzieher und Lehrer an allen Schu­len und sonstigen Bildungsanstalten sich mitverant­wortlich fühlen für die traurige Tatsache, daß es unserem Volke und besonders unserer Jugend noch völlig an politischer Kultur fehlt. Es bekundet sich das darin, daß politischer Einfluß nur erreichbar erscheint vermittelst demagogi­scher, Methoden brutaler und verlogener Art und daß der politische Kampf vielfach nicht mit geistigen Waffen und sachlichen Argumenten, son­dern mit Stinkbomben, Schlagringen, Revolvern geführt wird.

Es hemmt das nicht nur aufs schwerste posi­tive politische Arbeit, sondern es hat bereits dazu geführt, daß unser Volk dauernd von der Ge­fahr der Selbstzerfleischung in einem Bürgerkrieg bedroht ist und daß unser Ansehen und unsere Vertrauenswürdigkeit bei den anderen Nationen schwer leidet.

Gerade wer stolz darauf ist. ein Deutscher zu sein, und wer auf nationale Ehre hält, wer auch

St. Nikolaus kommt!

Nach einer Zeichnung von Kuntimalcr Kerl Goebel. München

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und Stilgeschichte ab.

(Fortsetzung folgt.)

feit, eine Tür zur Rechten gibt den einen kleinen Balkon mit Blick aus

Austritt auf den Binnen-

anläßlich der Einweihung gestiftete Aquarell einer Ansicht von Fulda von der West-Seite, das der Maler A. Engel dem letzten Fürstbischof Adal­bert von Harstall zum 22. Konsekrationstag ge­widmet hat. Außerdem werden 2 politisch-sati­rische Kalender von 1846 und 1847 besondere Be­achtung finden, da die Personen sämtlich Ful­daer Originale jener Zeit darstellen, in gleicher Weise bilden die von Ph. Schinkenberger nach der Natur gekennzeichneten und lithographier- ten Bilder der Fuldaer Turner personengeschicht­lich wertvolles Material.

Im ersten Schrein des Fuldensienraumes sieht man auf ehrwürdigem Pergament alte Urkun­den und Briefe, 3. B. die Gebetsverbrüderung des Klosters Fulda mit anderen Kapiteln (13. bis 15. Jahrhundert), eine Urkunde des Abtes Con­rad in. betr. Tradition eines Hofes zu Fulda an die Marienkirche durch Ritter Tragebodo von

punkt bildet d'" t

Wer den Neubau der Landesbibliothek betritt, findet im Erdgeschoß außer den zweckmäßigen Ver­waltungsräumen einen für wissenschaftliche Arbei­ten und die Lektüre der Zeitschriften dienenden Lesesaal und die zum Aussuchen und Abholen der häuslichen Lektüre eingerichtete Ausleihe. Alles ist auf Behaglichkeit und Bequemlichkeit eingestellt. Neben diesen eigentlichen Benutzungsräumen ver­dienen aber auch die Räume der Schaufamm- l u n g Beachtung, welche das ganze obere Stock­werk einnehmen. Denn mit besonderer Absicht hat man im Neubau ausreichende Gelegenheit schaffen wollen, wertvolle Buch- und Duchkunst- schätze der Bibliothek zur Bewunderung und An­regung weiteren Kreisen zugänglich zu machen.

Das alte Haus der Landesbibliothek neben dem Dom war im Geiste seiner Zeit und damit auch nach der Absicht seines Erbauers durch feine Ein­richtung, besonders den prächtigen Barockbücher­saal, selbst ein „M u s e u m s st ü ck", eine Sehens­würdigkeit schlechthin. Die Bücher in den von Schnitzwerk umrahmten Schränken bildeten mit der Fülle und Abwechslung ihrer Rücken in ihrer Ge­samtheit selbst einen Teil der festlichen Dekoration. Man erinnert sich, daß in manchen Bibliotheken des 17. und 18. Jahrhunderts aus Gründen dieser erstrebten Stimmung der Harmonie der Farben oft alle Bücher entweder einheitlich gebunden oder gelegentlich auch ihre Rücken einheitlich überstri- chen wurden! Dieser nur von dem Aeußeren aus­gehende Selbstzweck der Dekoration wurde aber dem Buche und seiner Seele nicht gerecht, vernach­lässigte gänzlich das Innere, das doch schließlich den Wesensbestandteil und sein eigentliches Leben bildet.

Wenn nun auch in der alten Landesbibliothek bereits die Absicht einer stärkeren Erschließung des bedeutungsvollen Inhalts und der künstlerischen Ausstattung ihrer wertvollen Bestände anläßlich des 150jährigen Jubiläums durch die Beschaffung mehrerer neuer Vitrinen und die Umgestaltung des der Aufbewahrung der Handschriften und In­kunabeln dienenden Raumes zu einem Schausaal zum Teil schon durchyeführt war, so hat der Neu­bau dieses Glied des Aufgabenkreises einer Biblio­thek in noch größerem und vollkommenerem Um­fang ausgestaltet. Die verhältnismäßig große Ausdehnung des für Schauzwecke zur Verfügung stehenden Raumes ermöglicht eine recht vielseitige Auswertung des dazu geeigneten Materials und dessen übersichtliche Aufteilung.

Betritt man von dem lichten hellgrün gehal­tenen Treppenhaus her das obere Stockwerk, so kommt man zunächst in den für Fuldenfien bestimmten Raum, der mit einem satten Rot den Charakter von Feierlichkeit und Würde zeigt. Die breite Form der Fenster umrahmt jeweils einen ganz einzigartigen Ausschnitt des Blicks zum Frauenberg, der unwillkürlich jeden Besucher fes-

lichen Dienstbezüge mit denen der vergleichbaren nichtbeurlaubten Beamten schlechter als diese gestan­den haben oder stehen. Bei der Gegenüberstel. lung sind die allgemeinen wirffchaftlichen Umstände einschließlich der steuerlichen Belastung, sowie et­waige allgemeine Zuwendungen zu berücksichtigen, welche die beurlaubten Beamten erhalten haben. Die Gegenüberstellung der Bezüge hat sich auf die gesamte Zeit der Beurlaubung zu erstrecken. Den Zeitpunkt der Auszahlung der festgestellten An­sprüche bestimmt der Reichsminister der Finanzen, der auch Durchführungs- und Ausführungsbestim­mungen zu dieser Verordnung erlassen kann."

Das Karls-Hospital in Kassel

bittet uns, denjenigen Landwirten im Leserkreis der Fuldaer Zeitung, die auch in diesem Jahre wieder für die großstädtische Winterhilfe Ernte- Gaben zur Verfügung gestellt haben, herzlich­sten Dank zu übermitteln. Im Karls-Hospital in Kassel werden täglich 1000 Menschen gespeist. Frachtsendung werden erbeten: Kassel - Haupt­bahnhof, bahnlagernd, auch unfrei. Sollten bet einzelnen Gemeinden noch Emballagen (Säcke, Körbe usw.) ausstehen, so wird gebeten, dies mit­zuteilen.

Die hiesige Engelapotheike

geht am 1. Januar in den Besitz des Apothekers und Nahrungsmittelchemikers Dr. Kiesgen (nicht Tisken, wie wir kürzlich meldeten) über.

Reichsbahn ermäßigt Frachttarife.

Zu den Regierungsmaßnahmen in der Preis- fenkungsaktion gehört auch die Senkung der Eisen. bahn-Gütertarife. Wir erfahren, daß der Derwal- tungsrat der Reichsbahngesellschaft schon in der allernächsten Zeit eine Senkung der Frachttarife für eine Reihe von Gütern beschließen wird. Wie die Ermäßigung zu staffeln ist, je nach Tarif« art, darüber ist noch kein Beschluß gefaßt. Aber das Gesamtausmaß der Senkung liegt schon eini­germaßen fest. Man wird mit einer Frachtpreis- ermäßigung um mehr als 250 Millionen Mark rechnen können, wozu noch kommt, daß der Fracht­tarif für die Kohlenbeförderung automatisch mit jeder Herabsetzung des Kohlenpreises sinkt, wor­aus sich noch weitere Kostenermäßigungen erge­ben können.

führung in die besonderen Aufgaben der Frau in Familie und Volksgemeinschaft. Demgemäß pflegt sie solche wissenschaftlichen Fächer und Gebiete, die der Erfüllung dieses Bildungszieles dienen. In den prattischen Fächern beschränkt sie sich auf die grundlegende theoretisch technische Schule für die wichtigsten hauswirtschaftlichen und hausmütter­lichen Arbeiten. Frauenschulen in diesem Sinne sind eingerichtet in Preußen, Bayern, Württemberg, Thüringen, Hessen, Braunschweig, Oldenburg, An­halt. 3. Auf die zweijährige Frauenschule bezw. auf den ersten Jahrgang einer zweijährigen Frauen­schule findet diese Vereinbarung dann Anwendung, wenn ihr Lehrplan den oben genannten Bestim­mungen entspricht. 4. Die Schlußzeugnisse der die­sen Bestimmungen entsprechenden Frauenschulen werden von den an dieser Vereinigung beteiligten Ländern gegenseitig anerkannt.

Neuregelung der Dienstbezüge für beurlaubte Reichsbeamte.

In einer besonderen Verordnung des Reichs- sinanzministers wird bestimmt: „Aus dem Reichs- bienft oder aus dem Dienst der Deutschen Reichs­bahn-Gesellschaft beurlaubte Beamte, denen hin­sichtlich ihrer Dienstbezüge Gleichstellung mit den nicht beurlaubten Beamten zugesichert ist, können aus dieser Zusicherung oermögensrechtliche An­sprüche nur insoweit erheben, als sie seit dem 1. Dezember 1923 bei Gegenüberstellung ihrer sänü-

Biberstein (1241). Durch die seinen Federzeichnun­gen mit einem Bild vom Dom und dem Tod des hl. Benedikt, sowie die zierlichen Buchstaben fällt auf die Ordnung für die Einkleidung im Fuldaer Denediktinerkonvent. An die alte Universität Fulda erinnert ein auf Pergament sauber geschriebenes Abgangszeugnis von 1785 mit dem alten Univer­sitätssiegel. Außer einem Brief von Athana­sius Kircher vom 7. 12. 1664 liegt das alte Fremdenbuch der Landesbibliothek von 1777, das mit feinen Eintragungen von Personen der Ge­schichte und Wissenschaft ein Spiegelbild der Ver­gangenheit ist und gelegentlich besondere Würdi­gung finden soll. Auf der aufgeschlagenen Seite sieht man die Eintragung des späteren Kaisers Friedrich HI. vom 29. Mai 1879, des Landgra­fen Friedrich Wilhelm von Hessen, der Landgräfin Anna von Hessen und des Bistumsverwesers Hahne. Wir sehen auch die von dem Kurhesii- fchen Finanzkammerdirektor Franz Bernhard Schlereth eigens für die fuldaische Landes­bibliothek beftimmte Handschrift „Der Dom und die vorigen Hauptkirchen zu Fulda, geschichtlich und architektonisch dargestellt". In dem ausge- legten Band der Schuldramen der Jesuiten zu Fulda aus dem 16. Jahrh. ist gerade in diesem Jahre das Elisabethspiel von 1575 auf« geschlagen, bas bemnächst von P. Gallus Hasel- beck vom Kloster Frauenberg herausgegeben wird. Dom baugeschichtlichen Standpunkt aus ist beadih sich, die in ein theologisches Werk vorn eingemalte Ansicht der alten Abtei mit einer Widmung für Abt Placidus von Droste. Für den Familien- Geschichtsforfcher sind reizvoll die aus der Samm­lung Schwank ausgelegten Stammbücher vor­wiegend mit Eintragungen von Fuldaern, sowie die Silhouetten von Fuldischen Studenten in Mar­burg. Daß das Theaterleben in Fulda in der Mitte des vorigen Jahrhunderts reger war als heute, verraten uns die Theaterzettel, mir sehen z. 23., daß „Auf Verlangen zum Drittenmale" am 30. Dezember 1842 mit Hochobrigkeitlicher Er­laubnis der „Postillon von Longumeau" unter dem Schauspieldirektor Eduard Geyser aufgefiihrt wurde. In friedlicher Nachbarschaft mit Br 0 - w e r 5 Fuldischer Geschichte und S ch a n n a t s Werken liegen der von einem alten Soisdorfer mittels Zeppelin anläßlich seiner Weltrundfahrt der „Fuldaer Zeitung" geschickte Brief und die beiden von dieser mit dem Zeppelin nach Lenin­grad und der Arktis mitgegebenen poetischen Kar­tengrüße.

Wie ganz anders wird die Raumstimmung, wenn wir nach den Fuldenfien in den eigeMlichen Schausaal treten. Nach dem Rot des ersten Raumes umfängt hier den Besucher heiteres Hell­grün der Wände über dem Gelb und Rot des Fußbodens, worüber sich die weiße Decke mit acht flachen Lichtschalen spannt. Die Ausstattung mit Schaukästen ist zunächst noch etwas unorganisch, da wegen der Kosten vorläufig die 23arockvitrinen des alten Schausaals wieder aufgestellt werden mußten. Den neuen Untersätzen der an den Wän­den aufgestellten Kästen wurde aber schon durch die — wie überall mit feinem Verständnis an­gewandte — Farbigkeit die an sich durch die mo­derne Form bedingte Schwere genommen, so daß auch sie mit den leicht geschweiften Mittelvitrinen gut Zusammengehen. Je 3 große Fenster ander West- und Nordseite sorgen für die gerade in die­sem Raum notwendige Helligkeit.

Die Kästen unter den nördlichen Fenstern zei­gen anläßlich des Neubaus eine Geschichte des Bibliotheksbaus in Bildern. Nach dem Modell einer Bibliothek der Tonplattenzeit mit ihren Keilschriften und einer altrömischen Bibliothek sieht man alte Säle, in denen die Hand­schriften auf schräge Pulte aufgelegt sind, wo man sie gleich an der Stelle der Aufbewahrung lesen kann. Das berühmteste Beffpiel ist Michelangelos Bau für die Laurenziana zu Florenz. Nach den Renaissanceräumen besonders der Jesuitenbiblio­theken wirken durch ihren Prunk an Stuck, Schnitz­werk und Farbe besonders eindrucksvoll die Ba­rocksäle von St. Gallen, Melk, Ottobeuren und vor allem der schönste Büchersaal der 2Velt, die Nationalbibliothek in Wien. Alle Stilwandlungen der Zeit machten die Bibliotheken mit, und so fin­den wir zu Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst die klassizistischen Bauten (z. B. wie die Baye­rische Staatsbibliothek zu München), gegen Ende die ersten Zweckbauten des Preuß. Staates (Halle, Greifswald usw.). Die modernen Repräsentations­bibliotheken der Vorkriegszeit mit der Preuß. Staatsbibliothek in Berlin (Fliegeraufnahme, Rundlesesaal) und der Deuffchen Bücherei zu Leip­zig werden in der Nachkriegszeit abgelöst durch die unter dem Gesichtspunkt der „Neuen Sachlich­keit" erstellten Bauten zu Lübeck, Elberfeld, Essen, zu denen sich nun die Fuldaer Landesbibliothek als jüngste gesellt.

Die Behaglichkeit und Zweckmäßigkeit werden oberstes Gesetz, nicht mehr nur für die Aufstape­lung der Bücher und die Benutzung durch wenige wird die Bibliothek gebaut, sondern für die mög­lichst vielseitige Auswertung der literarischen Gä­ter und die Benutzung durch möglichst viele. So wandern mir mit diesem Querschnitt durch die Ge- chichte des Bibliotheksbaus gleichzeitig die Zeit­

wünscht, daß unsere Millionen Volksgenossen im Ausland eine gesicherte und geachtete Stellung ein­nehmen, der muß sich verpflichtet fühlen, nach Kräften daran mitzuarbeiten, daß unser innenpo­litisches Leben auf eine Stufe gebracht wird, d ie eines Kulturvolkes wür­dig ist. Das ist aber ohne „Versachlichung" un­möglich! Die Sachlichkeit aber, die wir fordern, ist nicht die vielgenannte „neue" Sachlichkeit; sie ist vielmehr etwas, was wesensnotwendig für gei­stig-sittliches Leben gilt. Sie ist nicht „neu", sie ist nicht alt: sie ist die Sachlichkeit, eine über- zeitliche, darum aber für alle Zeit geltende Wertidee!

Frauenschule.

Im Reich sinnenministeriMN ist die Vereinbarung der Länder über die einjährige Frauenschule zu- standegekommen. Sie hat, wie die Deutsche Be- amtenbnnd-Korrespondenz erfährt, im wesentlichen olgenden Inhalt: 1. Die einjährige Frauenschule st, selbständig oder als Aufbau auf die 6 flaffige höhere Mädchenschule (Lyzeum, Madchenrealschule), eine allgemein bildende höhere Schule. Für den Eintritt ist das an einer allgemein bildenden Schule erlangte Zeugnis der mittleren Reise oder die Ab­legung einer entsprechenden Prüfung erforderlich. 2. Die Frauenschule gibt in enger Verbindung von wissenschaftlicher und praktischer Bildung eine Ein-

Ein schwarzer Nikolaustag.

Dieses Fest der Jugend steht nun unter einem bösen Zeichen. Es kommen Meldungen an uns, daß man m einigen Gegenden den Unterricht nicht mehr geregelt durchführen kann — weil die Jugend das ewige Hunger­gefühl nicht los wird. Von meinem Fenster aus sehe ich jammervolle Gestalten, die nachmittags auf der winter- kalten Straße Obst verkaufen helfen, um vormittags an der hiesigen Universität ihrer Bestimmung gemäß Stu­dentin zu fein; von denen ich weiß, daß ihnen der Strumpf abriß, mit dem sie sich aus lauter menschlichem Gram ans Fensterkreuz knüpften. Es erschüttert mich immer, wenn ich jede Woche eine Gruppe junger Menschen versammle: wir kommen aus der ganzen Stadt in einem Krüppelheim zusammen. Dort, wo die Hauspfleglinge für einen Normalweg von einer Minute zehn Minuten brauchen in mühsamem Fortbewegen — dort werden wir erinnert an die Last, die der ganzen heutigen Jugend anzuhängen scheint; an ihre physiologische Zukunftslosig- keit; an die Naturkatastrophe abendländischen Menschen­tums.

Ich weiß, das tft übertrieben formuliert; aber lassen Sie mich noch einmal den Schrei eines dieser jungen Menschen an Sie weitergeben: „Wir find, weil beides, well jung und krank, die feinsten Nerven des Volkskör­pers; an uns werden alle Schicksale der Völker fühlbar, der Krieg und alle Lebensnöte brechen in unserer Seele zu Leiden aus. Gewiß, wir liegen nicht trunken auf euren Straßen, tragen keine Bazillen, gefährden nicht eure öffentliche Sicherheit — aber wir leiden doch, leiden menschlich. An uns bricht die Unwahrheit der Mensch­heit aus, wie eine leibliche Krankheit, feiert die Unreinheit der Weltatmosphäre grausige Triumphe — an unferm biologischen Getriebe, an unserer Konstitution, an dem Erbe von unseren Eltern!"

Dabei ist, um abzusehen von der akuten Wirtschasts- krise, noch nicht einmal gedacht an jene Jugend der menschlichen Bannmeile, von der die Oeffentlichkeit viel­leicht gelegentlich einmal erfährt, daß die Kinder unter Brückenwölbungen oder auf Lastautos übernachten und sich vom Straßengut der bestohlenen Gechäftsauslagen, des Bettelns und der Nvtpeifung ernähren; deren sie aber im übrigen weithin regelrecht überdrüssig geworden ist. „Wie wunderlich", heißt es im Prolog eines modernen Jugendromans, „wie wunderlich — überall fehlt mütter­lich Bergendes."

Die Heimatlosigkeit in der sozialen Umwelt vervollständigt diese Jugendnot. Die Heimatlosigkeit ist Tatsache, ist vielfach schon zum Kampfwillen gegen das Volk geworden; oder zur Angst vor ihm — der Jugend­liche empfindet eben die steten Angriffe dieser Oeffentlich­keit in der schlechten Reklame, in der Ungebundenheit der Straße, in der Hemmungslosigkeit der Sitte, in der als ungenügend erlebten Laxheit der schützenden Gesetzge­bung, er empfindet diese Angriffe in seiner schwachen Seele eben viel intensiver und darum auch viel feindlicher als der Erwachsene. Ganze Jugendzustände haben sich ja gebildet, deren verderbliche Auswirkung noch gar nicht abzusehen ist: Die sogenannten „gefährdeten Berufe", die Dämonie der Arbeitsstätte, die Unpersönlichkeit der hervorstechenden Lebensäußerungen unseres Volkes — wer in der Jugend steht, der weiß um die mit diesen Worten angedeuteten Enttäuschungen und Ge­fährdungen der heutigen Jugend durch ihre Umwelt! Unsere beste Jugend fragt so viel nach der „offenen Tür", nach der „einwandfreien Ecke", nach „sauberer Intimität" in ihrer Umwelt; sie sucht so viel nach Zusammenhängen mit irgendwie Erhebendem im Staatsleben, um ihre Persönlichkeit hineinflüchten zu können — ihre Persönlichkeit, weil sie weiß, daß noch immer das Kind, das heute in der Goffe spielt, morgen die Oeffentlichkeit darstellen soll.

Es ist so recht eine Szene aus bem, Leben des hl. Nikolaus, ein Wort, das mir ein deutsches Dienstmädchen in Budapest einmal mitgab; auf meine Frage, wieso sie denn dem wildfremden Mann, der tags zuvor an sie her­angetreten war, so schnell zu Willen fein konnte, ant­wortete sie nur: „Ich verstand kein Wort von dem, was er sagte — aber er war gut zu mir."

Ich weiß — ein etwas gewagtes Zitat; aber wir alle müssen darauf gestoßen werden, daß wir den schönen Kleidern und starken Manieren der jungen Leute nicht trauen dürfen; hinter ihnen tastet eine schwere Not nach unserer Hand.

„Wie hab ich mir die Finger wund gedehnt, ... da ballt' ich sie zur Faustl" (Dehmel).

Diese Not hat ein Recht, ernstgenommen zu werdenk Wir brauchen ein ganz großes Wissen um die Sorgen und Sehnsüchte der heutige Jugend; wir brauchen eine ganz große Liebe zu denen, die um uns, erst recht zu denen, die unter uns und nach uns stehen; wir brauchen eine ganz große Bereitschaft, ihre tausend stummen Kla­gen zum Versiegen zu bringen, ihr Wundsein in Ver­trauen zu wandeln — wir brauchen jedenfalls ein E r i n- nertwerden andie Sendung des Weiteren, irgendwie Vater ober Mutter zu fein!

P. Rob. Svoboda.

Hof. Die ersten Bilder neben dem Eingang sind der Erinnerung an die alte Bibliothek gewidmet, mit Ansichten ihres Gebäudes und seiner Räume, sowie mit den Oelbildern des Erbauers C. PH. A r n d und seiner Familie. Darunter steht das Modell des Neubaus, so wie er urfvrünglich ge­plant war. Unter den Fenstern zieht sich eine lange Reihe von alten Holzschnitten und Kupfer­stichen mit Ansichten von Fulda entlang. Diese für die Topographie und 23augeschichte Fuldas wichtige Reihe wird abgeschlossen durch die sym­bolische Darstellung aus Meißners Sciogra- phia cosnographica (1625), auf der wir außer dem Motto „Et bello et pace colendns" vor dem Hintergrund des Stadtbildes bewaffnete Männer sich schützend um ein turmähnliches Haus scha­ren sehen, darunter den auch heute zeitgemäßen Spruch:

„Welcher dem lieben Batteri andt Dem gmeinen Wesen und Wolstandt Dem Fried zu bienen Hut begehren, Sott man bann den nicht bitt ich Chrn."

Die Gegenwand ist bedeckt mit neueren Kup­ferstichen und Lithographien, die Ansichten von Fulda von C. Barren, H. K, Wolff von To den warth u. a. zeigen. Besonders be­merkenswert tfr das Panorama der Ge­

gend von Fulda, aufgenommen vom Turm des Frauenbergs von I. Johannis. Den Mittel­

Sie Schausammlung in der Landesbibliokhek

Von Bibliotheksdirektor Dr. T h e e l e.