FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Areisblakt.
Nr. 282
i£r|d)etnt lechsmal wöchentlich Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendnickerel in Fulda. Fernrute: Schrift- :: leitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.
Sonntag, 6. Dezember 1931.
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Wg. 58.
Der Steigbügelhalter.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Die deutschnationale Volkspartei hatte am Mittwoch einen entscheidenden Tag. Im Landtagsgebäude in Berlin kam ihre maßgebliche Vertretung zusammrn, um die Bilanz aufzustellen und die Richtlinien für die kommende Zeit sestzu» legen. Geheimrat Dr. Hugenberg wurde wieder zum Vorsitzenden gewählt, aber nicht, wie seinerzeit, durch geheime Wahl, über deren zahlenmäßiges Ergebnis niemals etwas Authentisches verlautbar worden ist, sondern durch Zuruf. Cs war eine feierlich begeisterte Angelegenheit. Der Gedanke, daß Hugenberg zurücktreten oder nicht mehr gewählt werden, oder auch nur in die Stichwahl kommen könnte, ist nicht erwogen worden. Dieser Mann ist eben der Führer seiner Gruppe. Sie kann sich keinen anderen denken, und möglicherweise würde sich, so lange er lebt, kein anderer finden, der die Geschäfte zu übernehmen Lust hätte. Denn das Wort von der Haus« macht, das auch am Mittwoch wieder fiel, hat seine wörtliche Gültigkeit. Nicht die Deutschnationale Partei steht als Figur auf dem politischen Schachbrett, sondern nur Alfred Hugenberg.
Der Mann verfügt über eine große Macht. Er ist Kapitalist größten Ausmaßes und hat Beziehungen überall hin. In sehr vielen wirtschaftlichen Unternehmungen ist sein Einflbß spürbar, viele beherrscht er maßgeblich. Am bedeutendsten aber ist seine Pressemacht. Die Parteivertreter, die zu ihm halten, werden jahraus, jahrein und Tag für Tag durch die Hugenbergschen Zeitungen beobachtet. Dieser Art Presse geht es ja weniger um Wahrheitsfindung als vielmehr darum, das politische Geschehen in Deutschland vom Blickpunkt dieses Führers aus zu sehen. Die Hugen- bergschen Zeitungen sehen daher alles, was Regierungsinitiative und republikanische Arbeit angeht, grau in grau, man könnte auch sagen rot in rot. Deutschland ist nach der Meinung Hugenbergs ein Land, in dem Korruption, politische Kurpfuscherei, parteiisches Strebertum die Situation beherrschen. Alles wird falsch gemacht, jeder Schritt der Regierung ist mit äußerstem Mißtrauen zu betrachten, und nur Hugenberg hätte die richtigen, allein nationalen und allein förderlichen Mittel anzubieten. Diese Anschauungen werden den Lesern der Hugenberg-Prefsi jeden Tag von neuem eingehämmert. Die politische Wahrheit wird verschwiegen oder verschleiert oder hämisch umgebogen.
Damit hängt es zusammen, daß Hugenberg allmählich zum Heros seiner Gruppe geworden ist. Selbst ein Mann wie der frühere Minister Hergt, gab sich dazu her, am Mittwoch ein unkritisches Loblied auf ihn zu singen, und Hugenberg, der sich doch allmählich einer abgeklärteren Älters- weisheit zuneigsn sollte, läßt sich das gefallen. Schon diese persönliche Haltung spricht nicht für die Güte seiner Sache.
Dabei muß man sich vergegenwärtigen, daß die Deutschnationale Volkspartei unter der Führung Hugenbergs zahlenmäßig immer schwächer gewnr den ist und bei der hessischen Landtagswahl zur Bedeutungslosigkeit einer Splitterpartei herabsank. Aber die Logik der Tatsachen hat für diesen Führer keine Geltung. Er bildet sich wahrhaftig noch etwas darauf ein, daß er im Juli 1930, wie er sich ausdrückte, die Partei aufs Spiel gesetzt hat. Nun er hat sie nicht aufs Spiel gesetzt, sondern sie ins Nichts geführt. . Als er seinerzeit sich zum Parteivorsitzenden machte da ging der Kampf noch innerhalb einer sehr großen Fraktion vor sich. Heute ist Hugenberg glücklich, wenn knapp ein Drittel der Abgeordnetenziffer von damals hinter ihm steht. Er berauscht sich an den Heilrufen dieser Leute von gestern und vorgestern undmag damit einen Augenblick lang das Geschrei derer, die ihn demnächst völlig aus dem Sattel werfen werden, übertäuben.
Aber Hugenberg ist ja viel zu selbstbewußt, um die Gefährlichkeit dessen, dem er den Steigbügel Zu durchschauen. Er nimmt gegen Hitler S.ellung, aber sonst und freundlich. Er nennt die Tieutichnationale Volkspartei den rechten Flügel, obwohl er z. B. in Hessen nur noch von j.tnel? Flügelmann sprechen könnte. Er emp- dem jugendlichen Ansturm der Nationalfo- Mltzten gegenüber seinen Anhängern den gleichen l-Ian und übersieht dabei, daß nur noch die letzten Getreuen mühsam ihre Stellung verteidigen. Wenn es in dem Bruderkampf zwischen Deutschnationalen und Nationalsozialisten einmal schlimm wer- den^Wllte. dann würden, so meint Hugenbera am Mittwoch, Herr Hitler und er die Dinge schon wieder in Ordnung bring en. Aber gegen Hitlers Erklärung, daß der Nationalsozialismus allein die deutsche Freiheit bringen werde, weiß er nichts vorzubringen, er erklärt nur, sie sei falsch. Unterdessen aber verliert er überall Mann um Mann und Mandat um Mandat.
Vielleicht imponiert Hugenberg Hitlers autora- tische Führerstellung, vielleicht sind bei ihm überhaupt mehr persönliche Geltungsansprüche als politische Ueberzengungen maßgebend. Denn daß er sich in die Parteisatzung eine Art Artikel 48 ein- schieden ließ, der ihm letzte Vollmachten über den Parteivorstand und die Parteive-lafsung hinweg in die Hand gibt, das kann man doch nur in diesem Sinne deuten. Merkwürdig genug, daß die Parteivertreter dieser Diktatur zustimmen. Es spricht nicht für ihre freiheitliche Gesinnung, mit der sie sonst den Mund so voll zu nehmen pflegen. Oder ist die ganze Deutschnationale Volkspartei nur noch ein Privatunternehmen, in dem der Vorsitzende die meisten Aktien besitzt und daher seinen Willen unter allen Umständen durchsetzen kann?
Hugenberg hat Hitler solange den Steigbügel geholten, daß er sich nicht allzu sehr darüber wundern darf, wenn Hitler eines Tages allein zu
Deutschlands Finanzlage und Amerika.
Aew Yorker Finanzkreise über die Notwendigkeit einer Wieder- erstarkung der deutschen Wirtschaft.
wtb. Newyork, 5. Dezember. (Eig. Meld.) Die Blätter beschäftigen sich in erhöhtem Maße mit Deutschlands Finanzlage. Wie Associated Preß zu berichten weiß, haben führende Bankleute auf Grund ihrer in Deutschland eingezogenen Informationen und nach einem gestern zwischen ihnen erfolgten Meinungsaustausch erklärt, daß Deutschland seine mit den ausländischen Gläubigern getroffenen Vereinbarungen mit gutem Erfolge c r - füll e. Weiter sei man in Newyorker Finanzkreisen der Ansicht, daß die von amerikanischen und europäischen Banken an Deutschland gegebenen kurzfristigen Kredite nicht als übermäßig hoch bezeichnet werden könnten. Sobald Deutschland wieder Wege für den normalen Weltkredit und für den Devisenverkehr finde, würden Deutschlands Gläubiger bereit sein, ohne Zögern benötigte Kapitalien vorzuschießen. Eine in
ternationale Verständigung über die deutschen Reparationszahlungen und die Privatschulden sei für die finanzielle Erholung der Welt von wesentlicher Bedeutung. Die New Porker Finanzkreise erwarteten zuversichtlich, daß Frankreich die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung einer starken Kreditposition für Deutschland einsehen und dementsprechend mit den übrigen Gläubigern zusammenarbeiten werde, um die deutschen Privatschulden auf eine gesunde Grundlage zu bringen. Die Befestigung der wirtschaftlichen und finanziellen Stagnation hänge eng damit zusammen, daß man für Deutschland wieder toirt- schaftliches Wohlergehen erreiche. Man erwarte für die bevorstehende Baseler Konferenz des beratenden Sonderausschusses i n t e n s i v st e Zusammen arbeitderFinanzexperten.
Hitler macht Außenpolitik.
Hitler-Interview für die englische Presse. Rosenbergs Mission.
CNB London, 5. Dez. (Eig. Meldg.) Das Hauptereignis für die heutigen Morgenblätter bildet ein Interview, das Adolf Hitler in Berlin im Hotel „Kaiserhof" dortigen Vertretern englischer Blätter gegeben hat. Der Führer der Nationalsozialisten setzte den englischen Journalisten seine Auffassung über die Löge und seine Vorstellungen von der Zukunft auseinander. Er betonte dabei u. a. wieder, daß er nur auf legalem Wege vorgehen werde, denn die Macht liege für ihn praktisch schon in Reichweite und. da wäre es eine Dummheit, werm feine Partei sich auf das Risiko illegaler Handlungen einlassen würde.
Zu dem Boxheimer Dokument erklärte Hitler, niemand könne ihn für die privaten Taten seiner 700 000 Parteimitglieder verantwortlich machen. Im übrigen entscheide in der Partei sein Wille allein. Zur Frage der Außenpolitik hob Hitler hervor, daß das Verhält- - nis zwischen Frankreich und Deutschland von ersterem abhänge. Auf eine Politik der Erpressung gegenüber Deutschlands, die zum Ruin führen müsse, könne sich Deutschland nicht einlassen. Deutschland fe> nicht Karthago und Frankreich fei nicht Rom. Die Forderung nach drastischer Verminderung der deutschen Einfuhr taucht in den Hitler'schen Bemerkungen immer wieder auf. Er brachte die Theorie vor, daß durch Vermeiduna des Ankaufes unnötiger ausländi'cher Lebensmittel 1 Milliarde Mark im Lande küleben, was den heimischen Markt in einem Ausmaße von 6 bis 7 Milliarden anreaen würde. Die Zeitspanne, die verstreichen würde, bis die Nationalsozialisten die Macht erlangten — entweder allein oder wahrscheinlicher noch zuerst auf K 0 a- litionsbasis — schätzte Hitler auf höchstens 10 Monate — Times fügt hinzu, man müsse vielleicht mit der Hälft« dieser Zeit rechnen.
Der Bericht des Korrespondenten der Mornina Post hebt hervor, daß Hitler, wenn er auch die gegenwärtige Regelung der Reparationen öffentlich anklagte, die Möglichkeit, daß Deutschland zahlen wurde, nicht ausschloß. Eine
nationalsoFalistische Regierung würde nicht das unterzeichnen, wovon sie nicht wüßte, daß sie es ausführen könnte. Aus Hitlers Bemerkungen fei klar geworden, daß ihm nur eine Reparations- regelüng annehmbar erschien, die in wenigen Jahren abgetragen werden könnte.
Tiofenbergs Aufenthalt in London.
SNB. London, 5. Dez. (Eig. Meld.) Anläßlich der Anwesenheit des Chefredakteurs des Völkischen Beobachters, Rosenberg (Der Verfasser des „Mythos"), der hier vor einigen Tagen eingetrof- fen ist, veröffentlicht „Daily Mail" ein kurzes Interview. Darin betont Rosenberg u. a., daß Deutschland nach Ansicht der nationalsozialistischen Partei feine Handelsschulden bezahlen wolle, daß aber eine politische und wirtschaftliche Katastrophe nicht vermieden werden könne, wenn nicht alle Reparationen und Kriegsschulden gestrichen würden. Eine neue Konferenz werde bald kommen. Sie werde das Reparationsproblem den Problemen der Weltkrise anpassen müssen. News Chronicle widmet der Ankunft Rosenbergs gleichfalls einen Artikel. Wie Rosenberg einem Vertreter des Blattes gegenüber betonte, fei der Zweck fernes Besuches kein Geheimnis. Die Nationalsozialisten wollten sich mit der Einstellung der englischen öffentlichen Meinung bekanntmachen. Rosenberg sei gekommen, um seine Freunde hierüber zu befragen. Er habe ausdrücklich bemerkt, daß es sich bei diesen Freunden um private Personen handele, nicht aber um Mitglieder der Regierung. Auch habe er in Abrede gestellt, den Gouverneur der Bank von England gesehen zu haben.
An französischer Aasionalist spricht.
Der Abgeordnete Franklin Bouillon hielt am Donnerstag auf einer Versammlung der Radikalen Vereinigung eine außenpolitische Rede, in deren Verlauf er auf die Notwendigkeit zur Bildung einer Einheitsfront zwischen Frankreich. Amerika und Eng-
Roß steigt. Dann wird es selbst um die politische Altersversorgung Hugenberg recht flau bestellt sein.
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Die „Germania" schreibt:
Hugenberg meint, viele Tausende hätten seinen Schlachtruf aus dem Wahlkampf 1930: „Macht mir den rechten Flügel stark!" mißverstanden und ruft diesen irrigen Schäflein zu: „Den rechten Flügel bilden noch heute die D e u t s ch nationalen!" Wir brauchten in Deutschland die nationale Erhebung der Geister und des Willens, aber wir brauchten in dieser Zeit der Wirrnis und des Schwankens und der äußersten Gefahr auch Nüchternheit und Klarheit. Wer sie wolle, müsse seine, Hugenbergs, Hausmacht stark machen. So interessant es ist, festzustellen, daß sich jetzt sogar ein Hugenberg beginnt, der nationalsozialistischen Arroganz schamhaft zu erwehren, so schwach auch die Argumente, die er gegen den Nationalsozialismus von seinem überrannten Standpunkt aus vorzubringen weiß. Wenn wir politisch in eine Zeit der Wirrnis und des Schwankens hineingeraten sind, und wenn die Massen, statt auf Hugenberg zu hören, sich in das Heerlager des Nationalsozialismus verlaufen haben, so kommt das nicht von ungefähr. Dann ist das nicht nur der Ausfluß der Wirtschaftskrise, sondern vielleicht in noch stärkerem Maße der einer beispiellosen politischen Verhetzung und Auspeitschung, an der auch ein Hugenberg si ch nicht ganz unschuldig wähnen sollte. Seine Partei hat es jahrelang in der Hand gehabt, durch eine kluge konservative Politik die Verhältnisse in Deutschland entscheidend zu beeinflussen. Hugenberg hat damals nicht gewollt. Er wird sich nicht darüber beklagen dürfen, wenn die Geschichte — zu ihr gehören auch die Nationalsozialisten — über sein Führertalent etwas schroff hinwegzuschreiten droht, und wenn es den Anschein hat, als ob Hugenberg seine politische Stunde verpaßt habe. Oder was soll das heißen, wenn Hugenberg gegen die Verrohung des politischen Kampfes, wie wir sie heute erleben, kein bestes Rezept parat hat als folgen
des: „Ihr müßt mit den Waffen kämpfen, mit denen ihr bekämpft werdet; und wenn es irgendwo einmal zu schlimm werden sollte, so wird hoffentlich der gemeinsame Blick auf die Sache die Möglichkeit eröffnen, daß Herr Hitler und ich noch rechtzeitig Ordnung stiften." Herr Hitler und ich! Das ist doch wohl eine ganz gelinde Uebertreibung. Solange wir in Deutschland trotz Hugenberg und Hitler noch eine Reichsregierung haben, die mit „Nüchternheit und Klarheit" die Interessen der Nation vertritt, können wir vielleicht ganz gut auf diese privaten, in der Praxis noch uner- fahreren Ordnungsstifter verzichten.
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In der „Frankfurter Zeitung" lesen wir unter der Spitzmarke: Wer hat dös Bürgertum zerschlagen?: Ist der große Geheimrat Hu- genverg im Begriff, zur komischen kleinen Figur zu werden? Welches Pathos und welcher Anspruch lag 1930 in der Aneignung des Graf Schlieffen- schen Testaments: „Macht mit den rechten Flügel stark!" Jetzt muß Hugenoetg wehklagen, daß seine Parole mißverstanden worden und gegen ihn selbst ausgeschlagen sei. Wer auf ihn hörte, der lief gleich ein Haus weiter und wählte den Nationalsozialisten. Nun eifert der Uebetgangene mit Händen und Füßen: Aber Hitler steht ja gar nicht am rechtesten! Niemand übertrifft uns Deutschnationale im Kampf gegen den Marxismus, niemand übertrifft uns im Geist „nationaler Erweckung". Viel Aussicht hat der Herr Geheimrat wohl nicht mehr, den so hoch gewachsenen Gefreiten Hitler vom Platz des rechten Flügelmannes zu verotän- gien. Alles verspätete Werben um die Seele des deutschen Arbeiters wird nichts mehr helfen, und erst recht nicht die kühne Attacke, die Hugenberg heute gegen das Bürgertum der Nachkriegszeit reitet. Denn wer hat denn dieses Bürgertum so in Verwirrung gejagt und verhetzt und zermürbt, wenn es nicht mit größten Mitteln und skrupellosesten Methoden seit einem Dutzend Jahren die Hugenbergpresse und die Hugenbergpartei getan hat? Heute, wo das Bürgertum in der Tat zerschlagen am Boden liegt, will man ihm den be
l a n d hinwies, um Deutschland zu zwingen seine Schulden zu bezahlen- Deutschland müsse gezwungen werden, eine Amortisierungskasse zu gründen, die sich auf die Zolleingänge und Tabaksteuer stütze und die es ihm erlaube, in 10 oder 15 Jahren seine Schulden in Höhe von 210 Milliarden Franken zu bezahlen. Der Abgeordnete wies sodann auf die Möglichkeit hin, daß eine netto» nationalsozialistische Regierung die Verpflichtungen Deutschlands für null und nichtig erkläre und forderte ein französisch- amerikanisch-englisches Wirtfchafts- bündnis, um in diesem Fall eine Wirtschaftsblockade gegen Deutschland durchzuführen. Diese Blockade müsse vornehmlich in einer SonberbeNeuerung von 10 v. H. für alle aus- Deutschland e i n geführten Waren bestehen, um die deutsche Großindustrie zu zwingen, einen Druck auf die Regierung auszuüben, damit diese den von ihren Vorgängern übernommenen Verpflichtungen näch- fomme. s '
Keine Reichstags-Sitzung.
Der Aeltestenrat des Reichstages beschäftigte sich am Freitagabend mit dem Antrag der Kommunisten auf Reichstagseinberufung. In der Sitzung, die etwa eine Viertelstunde dauerte, erklärte Staatssekretär Pünder, daß die Reichsregierung um Ablehnung des Antrages bitte. In der Abstimmung traten für den Antrag auf Reichstagseinberufung nur die Kommunisten, di« Nationalsozialisten, die Deut sch na«, tionalen und die Deutsche Volkspartei ein, während sich die Vertreter der Wirtschaftspartei und des Landvolks der Stimme enthielten.
Die Stimmenthaltung der Vertreter der Wirt« schastspartei und des Landvolks ist auf die An- ficht dieser beiden Parteien zurückzufützren, daß die Frage der Reichstagseinberufung erst nach Bekanntgabe der neuen Notverordnung spruchreif werde.
Am Freitagnachmittag fand die angekündigte Besprechung der SPD. mit dem Reichskanzler statt, wobei die Sozialdemokraten auf das Mißtrauen hinwiesen, mit dem weite Volkskreise der gleidyf itigen Preis- und Lohnsenkung ent« gegenfehen.
England und Frankreich.
wtb. Paris. 5. Dezember. (Eig. Nteld.) Di« Richtlinien für die mit England aufzunehmenden Verhandlungen sind f e. ft.g «legt. Ob _ die Verhandlungen bereits am Montag beginnen können, steht noch 'nicht fest.
Das Unterhaus stimmte mit 234 gegen 17 Stimmen den Verfügungen zu, die gewifs« Waren mit 50 v. H. Zoll belegen.
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Die Schlichtung des Japan-China- Streites wird immer schwieriger. Wie die „Times" meldet, hat Japan feinen Vertreter im Rat angewiesen, neue Abänderungsanträge zu stellen.
* 3n einer Versammlung der Berliner Nationalsozialisten am Freitagabend teilte der Versammlungsleiter mit, daß gegen den Reichstagsabgeordneten Dr. Goebbels ein neues Redeverbot für Berlin verhängt worden fei. Die Mitteilung wurde von der Massenversammlung mit Ruhe zur Kenntnis genommen. Das Verbot erfolgte untex Bezugnahme auf den Leitartikel tm „Angriff , das dem Polizeipräsidenten Veranlassung zu einem achttägigen Verbot der Zeitung gegeben hat.
kannten tapferen Fußtritt versetzen. Das ist kein Heldenstück, Octavio!
Der „Völkische Beobachter" nimmt heute zu der Rede Dr. Hugenbergs vor der beutschnatiynalen Parteivertretung Stellung. Das Blatt Hitlers führt u. a. aus: Wir greifen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß die Ausführungen Hugenbergs, der sich u. a. auch mit dem Begriff „S 0 - zi ali sm u s" auseinandersetzte, weniger den Nationalsozialisten galten, als vielmehr beschwörend an seine eigene Gefolgschaft gerichtet waren. Unsere Weltanschauung bedarf keiner Recht- fertigung, da sie kein Ergebnis spekulativer Ueber- zeugung ist, sondern elementaren Charakter trägt. Der Appell an den „bürgerlichen Mut" dürft« ungefähr auf der gleichen Linie liegen wie die Forderung nach einer „Verbürgerlichung der NSDAP.", die allen Ernstes von der ewig bürgerlichen Seite her schon erhoben worden ist. Solche Wünsche sind noch harmlos. Wenn aber immer wieder in mehr ober minder versteckter Form unser deutscher Sozialismus als neueingekleideter Marxismus verunglimpft wird, so muß — da böser Wille unterstellt werden soll — Unkenntnis angenommen werden. Im kommenden Staat wird der schrankenlosen Willkür der Berufsstände im Kampfe untereinander die eiserne Faust entgegengesetzt wer- den. Wenn das Wohl des Ganzen auf dem Spiel« sieht, bann müssen sich beibe Teile bescheiden, bis - Arbeitgeber genau wie bie Arbeitnehmer. Das ist unser Sozialismus. Für Experimente ber einen Interessensphäre zu Ungunsten der anderen sind wir nicht zu haben. Mag das Marxismus nennen wer toill. Auch dieser Kinder- . schreck wird bald vergessen sein. j
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Also will der Nationalsozialismus nichts ande» res, als den tatkräftigen Ausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern? Da hat er ja ein Sozial- Programm, daß demjenigen sehr ähnlich sieht, das die Zentrumspartei j e i t 60 Iahren vertritt.