ö. Dezember
Ilr. 282
Beilage zur Fuldaer Zeitung
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Anton Heinen als Volksbildner
Volksbildung kann nur auf gebaut wenden auf der Grundlage der Volkserziehung, denn Bildung setzt die Erziehung voraus und vollendet sie, derart, „daß das Bewußtsein der Volksgemeinschaft in jedem Volksglied zu einem grundlegenden Bestandteil seiner Weltanschauung wird." „Wer immer sich für seine Zeit und sein Volk verantwortlich weiß, wer das Bewußtsein der Gliedschaft lebendig in sich trägt, der stellt den kommenden Typus des Gebildeten in sich dar." (Krieck.)
Wenn man diese grundlegenden und wegweisenden Sätze Ernst K r i e ck s mit dem Ausspruche Heinens vergleicht, mit dem er den Herzpunkt seiner Lebensarbeit angab: „3d> tue nichts mehr, es sei denn, Menschen zur Verantwortung anzuleiten" — so ist dieser Ausspruch fast wie eine Antwort auf die Forderung Kriecks, eine Antwort allerdings, die eher war als die Forde- rung; denn Kriecks Erziehungsphilosophie erschien 1930, nachdem Heinen fast ein Menschenalter in Wort und Schrift am Werke der Volksbildung war. Und wenn man die Erkenntnisse des neuzeitlichen Pädagogen und Erziehungsphilosophen Krieck als Maßstab anlegt an das Lsbenswerk Heinens, so sieht man staunend, wie sich hier zwei Männer begegnen, die von ganz verschiedenen Ausgangspunkten kommen.
Indes mag hier dieser Hinweis genügen und die Feststellung, daß Heinen als Volksbildner den Forderungen der modernen Wissenschaft in einer Weise entspricht, die man schlechthin als deren Erfüllung bezeichnen muß. Wesentlicher für uns ist die Einsicht in die Eigenart dieses Mannes und seiner Arbeit, deren Bedeutung für die Gegenwart noch nicht in genügendem Maße erkannt ist. Dabei wird die Tätigkeit Hei- nens als Redner außer Betracht gelassen, da sie naturgemäß auf einen kleineren Kreis beschränkt bleiben
muh, während der Wirkungsbereich des Buches fast unbeschränkt ist.
Unter der Flut von Büchern ähnlichen Inhalts und ähnlicher Richtung nehmen die von Heinen eine Sonderstellung ein. Sie alle tragen das Gepräge einer Persönlichkeit, die als ein Schauender im Mittelpunkt der Dinge steht. Sie sind frei von salbungsvoller Lehrhaftigkeit und lebensfremder Wissenschaft, sie zwingen nichts auf mit ausgeklügelten Beweisen, sie eifern nicht und streiten nicht. Aber sie erwecken und entzünden unwiderstehlich und wissen die verschütteten Quellen in jeder Seele freizulegen. Sie scheinen wohl auch Manchem auf den ersten Blick simpel und hausbacken, weil wir die schlichte Werterfülltheit nicht mehr gewohnt sind; es kommt diesen Büchern weniger daraus an, daß wir zum Schlüsse etwas begriffen haben, sondern daß wir ergriffen sind. Und sie ergreifen unsere Seele mit einer geheimnisvollen Macht, sofern nur irgend ein Ansatzpunkt vorhanden ist. Man wird an die großartige Einfachheit in der Lehrweise des Heilandes erinnert, wenn man diese Bücher lieft. Dem entspricht auch die Art Heinens, stets von den nächstliegenden Dingen, von den Lebenswirklichkeiten auszugehen, um etwas deutlich zu machen. Das letzte Geheimnis der Wirkungsmacht Heinenscher Bücher allerdings liegt in der Persönlichkeit des Verfassers und ist einmalig und uner- klärbar. Einen bezeichnenden Einblick jedoch gewinnen wir, wenn Heinen in der „Bergpredigt" (S. 15) erzählt:
„Hat mir einmal Jemand gesagt: „Sie haben jahrelang studiert und an den Quellen der Weisheit gesessen, haben große, dicke Bücher daheim; daß Sie über die Dinge so gar anschaulich klar und einfach sprechen können, das nimmt mich nicht wunder. Aber wir schlichten, einfachen Leute!" Und ich habe ihm zur Antwort gegeben: „Lieber Freund, ich habe wohl zehn Jahre gebraucht, bis ich das ganze studierte Zeug einmal wieder ausgeschwitzt hatte und mich auf jene einfache Sin*
derweisheit besonnen, die mir meine Mutter mitgegeben hatte. „Es stimmt schon, und je älter man wird, je mehr sieht man ein, was der Herr hat sagen wollen mit dem Wort: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so könnt ihr nicht eingehen ins Himmelreich."
In diesen Worten liegt auch der Schlüssel für die Kunst Heinens, die schwierigsten Dinge so klar und einleuchtend zu sagen, daß auch der einfachste Mensch sie versteht, sofern er nur irgendwie auf Innerlichkeit gestimmt ist. Es gibt keine Derständnisschwierigkeiten für die suchende Seele in Heinens Büchern, trotzdem sie nur handeln von den höchsten und letzten Dingen. Denn jede Wirrnis unserer Zeit geht letzten Endes auf religiöse Ursachen zurück und ist nur von dieser Sicht aus zu lösen. Und vielleicht ist Anton Heinen einer der Wenigen, wenn nicht der Einzige, dem es gelungen ist, in den Büchern den religiösen Fragen der Gegenwart jene schlichte, volkstümlich« Form zu geben, die wir wiederfinden im Volkslied und im Märchen.
Obwohl Heinens Bücher volkstümlich sind im besten Sinne, wäre es falsch, zu glauben, mit ihrer Einstellung m Volksbüchereien sei genug getan. Denn alle die Bücher wollen betrachtet fein, nicht gelesen. Sie gehören ins Haus, und sie dorthinzubringen, ist nicht schwer, denn das Volk hat ein sicheres Gespür für das Echte. Das wird der bestätigen, der je versuchte, die Bücher Heinens einfachen Menschen in di« Hand zu geben. Sie sind die religiösen Hausbücher der Gegen-- roart, und jedes von ihnen ist eine stumme und eindringlich« Predigt, doch nicht etwa nur für das Volk. Denn so mit jede echt« volkstümliche Kunst sich richtet auch an den Gebildeten, der ja auch „Volk" ist, so haben Heinens Bücher den gleichen Wert auch für den Höchst- gebildeten, sofern er gebildet und nicht verbildet ist. llnb vielleicht haben sie noch einen be- sonderen Wert für ihn dadurch, daß sie ihn wieder hin- sühren zu den Grundlagen seines Wesens und Lebens überhaupt, zu den „Müttern" im Götheschen Sinne
und dadurch einer Bolkwerdung den Weg bereiten, die ja Sinn aller Volksbildung ist.
Das Ziel seiner Arbeit und das des Katholiken in der heutigen DolksbÜbungsarbeit gibt Heinen mit den Worten (Katholische Bildungswerte S. 103): Er hat die Ansprüche Gottes geltend zu machen. Er hat nichts anderes zu tun, als was die Propheten immer wieder getan haben. Will er als Fachmann auftreten, so hat er Fachmann zu sein, und zwar ganzer Fachmann. Er soll aber auch — und nicht etwa nebenbei — ganzer religiöser Mensch fein, der aus den Ewigkeitswerten seiner Kirche geformt ist . . . Kann man von der Religion her die Gesetze des staatlichen Lebens, die Gesetze der Wirtschaft und der Kunst und Wissenschaft ändern oder illusorisch machen? Da» wäre eine direkt törichte Anschauung. Von der Religion her kann nur eines geschehen, was allerdings für uns Menschen und unsere Bindugen das Herzstück ist: Menschen können umgewandelt werden aus Ichmenschen zu Wirmenschen, aus Verantwortungslosen zu Verantwortlichen, aus Sklaven der Materie zu Freien des Geistes, aus Lügnern in Wahrhaftige.
Einem Menschen kann ich bloß helfen, sei es durch Abwehr von Gefährdungen, sei es durch Erweckung von Kräften, die in ihm schlummern, daß er „zu sich selbst komme", daß er die Idee, den Gottesgedanken „Mensch" in seiner Weise, an der Stelle, an die ihn Berus oder Zufall gestellt hat, so weit verwirkliche, als seine Kräfte reichen, (ebd. S. 10).
Alle, denen von amts- und gottesroegen Volk anoertraut ist, werden in den Büchern des priesterlichen Dolksbildners Anton Hemm die Hilfen zu gedeihlicher Arbeit finden auch in unserer notvollen Zeit, und Heinens Bücher im Volke werden unsere besten Mitarbeiter fein zu dem letzten Ziele jeder Volksblldungsarbeit: Daß jeder werde ein Herold der göttlichen Liebe. -W.
neben dem Ratio na lismus die Hauptwur» zel des Weltelendes. Wollen wir die Kirche dafür strafen, dah sie in unserem eigenen Interesse, nicht nur dem religiösen, sondern auch dem wirtschaftlichen und sozialen, darauf verzichtete, sich zur Ausbreitung ihrer Misiionen diesem Mammonis» mus in die Arme zu werfen?
Gedanken sör die Zeil vor Veihuachke«.
Der Krippenbau.
In dieser Zeit bauten wir als Knaben unser Kripp- chen so: Bei einem Kaufmann wurde Papier erbettelt, das als Hülle für Zuckerhüte gedient hatte. Dieses Papier bestrichen wir mit Seim und streuten auf diesen ein Gemisch von Silbersand, Metallspänen, fein zerkleinertem Glas und dgl. Dieses Papier war der Stofs, von dem ein Berg aufgerichtet wurde, der eine Höhle enthielt, die als Stall bienen mußte. Die Figuren, soweit man sie nicht selber von Wachs mittels Gips formen Herstellen konnte, waren bei dem W. a. d. M. zu haben. Medizinalrat Dr. Schwarz hat in seinen „Buchenblättern" beschrieben, wie eine Mutter ein Krippchen baute . . .
„Und in der Ecke bei dem Bette, ein Krippchen hat auf einem Brette für ihren Liebling sie gebaut; drin man auf Stroh gebettet schaut, so arm das Jesukindlein, daneben Ochs und Eselein. Darüber sich der Engel findet, der Frieden aller Welt verkündet, der Stern, der die drei Kön'g« führt, Maria, Joseph und ein Hirt, nebst einer großen Lämmerschar, im Moose nicht vergessen war, die rot und weiß gestrichene Planken, das Krippchen zierlich schön umranken. Vorn stand ein Mönchlein mit dem Sack, in dem auch schon ein Kreuzer stak. Im Vorgefühl der Lust des Knaben kann sich die Mutter schon laben."
Wir Knaben glaubten nach der Ueberlieferung, den Stall in eine Höhle verlegen zu müssen. Plant man etwa nach diesem Glauben einen Krippenbau für eine Kirche, so muß dieser ein Aussehen haben, daß kein Kritiker etwas gegen dessen Naturhastigkeit einwenden kann. Zur Erreichung dieses Zieles kann Webstoff dienen, doch muß dieser so angebracht werden, daß keine Falte seine Verwendung verraten kann; eine Möglichkeit, die im vorigen Jahre an einem Krippenbau im kath. Gesellenhaus bewiesen wurde; absolut unvermeidbare Falten waren da mit Ampelpflanzen verdeckt. Die Arbeit wurde nach einem größeren, farbigen Lichtbilde des berühmten Felsens von Masabielle, der sich bei Lourdes befindet, ausgeführt. W. Herchenbach schreibt:
„Schon die äußere Form dieses mächtigen Felsens erfüllt die Besucher mit Verwunderung, denn der untere Teil desselben ist von drei ungleichen Höhlen durchbrochen. Di« erste, die sich gleich über dem Erdboden öffnet, ist die größte; sie gleicht einem riesigen Backofen, lieber derselben besinden sich noch zwei kleinere, von denen die größere Aehnlichkeit mit einer Kirchennische hat. Vor derselben breitet sich ein, aus einer Felsens palt« hervor- ragender wilder Rosenstock aus. Dieses ist der Ort, an den sich die merkwürdige und weit bekannt« Erscheinung der hl. Jungfrau knüpft. Der genannte Felsen besteht aus Basalt, der wahrscheinlich einmal in geschmolzenem Zustande gewesen ist." Gerade diese Gesteinsart läßt sich mit Webstoff am leichtesten vortäuschen, weil seine Flächen sich überall glatt anfühlen und doch dabei die Möglichkeit bieten, eintönige Formen zu vermeiden. Naturstudien und schöpferische Ideen müssen dabei mithelfen. Der Webstoff muß einheitlich basaltartig gefärbt sein. Es dürfen also nicht hervorragende Stellen aufgelichtet werden. Die Höhle ist innen mit gesiebtem Heusamen so zu bestreuen, daß die Plinthen (Sockel) der Figuren nicht zu sehen sind. Die Flächen außerhalb der Höhle (soweit sie nicht mit Moos ober anderen Gewächsen überkleidet sind,) müssen mit Basaltsplitt versehen fein. Natürlich gibt es auch Höhlen von anderem Gestein, dessen Nachbildung vielleicht ebenso möglich ist, wie die der Basallhöhle. Wo eine Höhle ist, hat die Natur bewiesen, daß zweifellos das betreffenb« Gestein hängen bleibt, und nicht in den Hohlraum abstürzen kann. Nur solches Gestein (kein erdichtetes) rechtfertigt die Nachbildung. Die Oeffnung der Hohle darf nicht (etwa wie ein Torbogen) gemauert erscheinen. Die Ränder der Oeffnung können phantasiereich gestaltet sein; z. B. wie die Umrisse der Milseburg.
Georg H o s« n f e l d.
Zweiter Advenlsonnlag.
Eingangslied: 3f. 30, 30.
Du Volk von Sion, siehe, der Herr wird kommen, die Heiden zu erlösen. Und der Herr wird seinen majestätischen Ruf kundtun in der Freude eures Herzens. Pf. 79, 2) Hirt Israels, höre uns, du, der Joseph wie ein Schäflein führt.
Epistel: Röm. 15, 4—13.
Brüder! Alles, was geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch die Geduld und den Trost, den wir aus den Schriften schöpfen, Hoffnung haben. Gott aber, der Spender der Geduld und des Trostes, verleihe euch, daß ihr ein und desselben Sinnes untereinander seid nach dem Vobbilde Jesu Christi, damit ihr einmütig, mit einem Munde, den Gott und Vater unsres Herrn Jesus Christus verherrlicht. Daher nehme ein jeder von euch sich des andern an, wie auch Christus sich um euch angenommen hat, zu Thren Gottes. Denn: Christus Jesus hat sich der Beschneidung unterworfen um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die den Vätern gegebenen Verheißungen zu erfüllen; die Heiden aber verherrlichen Gott um seiner Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: Darum will ich dich preisen unter den Heiden, o Herr, und deinem Namen lob- singen. Und wiederum heißt es: Frohlocket, ihr Heiden, mit seinem Volke. Und abermals: Lobet den Herrn, ihr Heiden alle, und preiset ihn, ihr Völker. Ferner sagt Jsaias: Kommen wird der Sproß Jesse und sich erheben, um über die Heiden zu herrschen; auf ihn werden die Heiden hoffen. Gott aber, der Spender der Hoffnung, erfülle euch mit jeglicher Freude und mit Frieden durch den Glauben, damit ihr überströmet von Hoffnung und von der Kraft des Heiligen Geistes.
Evangelium: Matth. 11, 2—10.
Sieh, ich sende meinen Boten vor dir her, daß er dir den Weg bereite.
Anbesteckke Empfängnis.
Don G o e r g e.
„Du bist gesegnet, Jungfrau Maria, vom Herrn, dem höchsten Gott, mehr denn alle Frauen auf Erden. Du bist der Glanz Jerusalems, du, die Wonne Israels, du die Ehrenkrone unseres Volkes. Ganz schön bist. du, Maria, und keine Makel ist an dir." Nun erklingt wieder der wundersam heilige Lobgesang hinein in das Dämmerlicht begonnenen Adventszeit. Der von feiten der Gläubigen bereits seit Jahrhunderten gefeierte Tag „Mariä Empfängnis" als deutlichster Ausdruck jener alten vor 77 Jahren zum Glaubenssatz erhobenen Lehre und die herrlichsten Schöpfungen der christlichen Kunst, die von ihren kindlich-einfachen Darstellungen an in den ersten christlichen Kultstätten die gewaltigste und sinnfälligste Lobpreisung des Lebensganges der allerseligsten Jungfrau wiedergeben und so den Weg zu den Herzen der Menschen ebnen mußten, reden zu uns doch die eindringlichste Sprache, so daß das demütige-stolze Wort im Gebirge von Judäa sich mehr und mehr erfüllt hat: „Von nun an werben mich selig preisen alle Ge- schlechter der Erde."
Je herrlicher und reiner wir die Heiligkeit des göttlichen Heilandes erstrahlen lassen, desto makelloser muß sein Tempel erscheinen, der ihn um- borgen hat. „Du und deine Mutter", so ruft der hl. Ephraim aus, „ihr seid die einzigen, die in jeder Hinsicht ganz schön sind, denn an dir, o Herr, ist kein Flecken, und an deiner Mutter keine Makel." Die Empfindung brach immer mehr durch, daß die Ehre, die dem Sohn gebührt, es nicht verträgt, daß ein Schatten von Sünde auf die Mutter fällt. Darum schon das Wort des hl. Augu-
licht. Im 11. Iahrundert finden wir das Fest auch in Deutschland. Schließlich hatte sich hn 14. Jahrhundert die Verehrung der „Empfängnis der Unbefleckten" zum hochbeliebten Festgedanken der „Unbefleckten Empfängnis" vertieft, so daß bann Sixtus IV. das Fest der Empfängnis der unbefleckten Jungfrau für die ganze Kirche einführte und Pius IX. die Lehre zum Glaubenssatz erhob.
All die Jahrhunderte hindurch war es ein förmlicher Wettstreit unter den Gläubigen, die Mutter des Herrn zu verehren und zu verherrlichen. Allerorts wölbten sich die herrlichsten Kirchen und Kapellen zu ihrem Gedächtnis, kindlich fromme Marienbilder bis zu jenen monumentalen Schöpfungen, die ihresgleichen auf dem weiten Erdenrund zu suchen haben, schmückten mehr und mehr die Altäre in den großen Kirchen sowie manche stille Andachtsstätte draußen am Wegrand des Lebens. Gerade die vielen und grandiosen Bilder der „Immaculata", bedeuten nicht nur eine sinnfällige Interpretation, sondern auch die gewaltigste Erhebung des Festgedankens vom 8. Dezember. So leuchtet die hehrste der Mütter, von der Verehrung und Liebe einer Welt getragen, in unsere Tage hinein, hellig und groß, unbefleckt und rein, die Immaculata.
ftinus: „Wenn von Sünde die Rede ist, nehme ich Maria aus, die um der Ehre ihres Sohnes willen nicht in Frage kommen kann.
In wachsender Verehrung der Gollesmutter mutzten sich die Gläubigen immer tiefer in die marianifdjen Dogmen einfühlen und kamen zu der Erkenntnis, daß sie nur Ausflüsse aus »dem Christusdogma sind. So wurde auch die Lehre von der unbefleckten Empfängnis allmählich Gemeingut der Kirche und derjenigen Gläubigen, deren Gefühl sich gegen die Annahme wehrte, daß die Seele der Gottesmutter von der Sünde beschwert sein könnte. Die tief in den Herzen der Gläubigen verankerte Marienliebe sproß und wuchs zu einem gewaltigen Baume, die schließlich zu der Einführung all der lieblichen Marienfeste führte, die uns durch das Kirchenjahr begleiten. War als ältestes Mariensest seit dem Konzil von Ephesus die „Verkündigung Mariä" begangen, welches das Geheimnis der Gottesmutter verherrlichte, so fand etwas später der Erinnerungstag an die un befleckte Empfängnis Eingang und Verbreitung, der das erste Mal um 744 erwähn t wird; dabei wurde nicht etwa nur die Heiligung Mariä hn Mutterleibe, sondern die Sündenlosigkeit des empfangenen Kindes verherr-
die Missionen finanziell so lange zu stützen, bis sie auf eigenen Füßen stehen.
„Ja, aber die Missionsgesellschaften und die Kirche hätten sich doch des kapitalistischen Wirt- schastssystems bedienen können. Sie hätten durch kluge Spekulationen Milliarden anhäufen können. Sie hätten gewaltige Pflanzungen anlegen und die Naturschätze der Kolonialländer mitausbeuten künden. Dann könnte die Weltmission aus sich selbst heraus finanziert werden." — Liebe Freunde! Hätte die Kirche das getan, so wäre die Behauptung der Kommunisten nur zu gerechtfertigt, die Missionen seien ein Exponent des Kapitalismus, ein Schrittmacher der imperialistischen Weltmächte. Der Ruf: Tod den Kapitalisten würde mit einer gewissen Logik in den Ruf: Tod den Missionen übergehen können. Die Kirche wäre heillos kompromittiert vor den farbigen Völkern. Ihre Mission stürzte mit stürzenden Wirtschaftssystemen. Wie stände sie einem Gandhi gegenüber, der sick bei seiner Ankunft in Europa vor der Zollbehörde als ,/armen Bettler" ausgab? Wie stände sie ihrem Begründer Christus gegenüber, der die Armut erwählte, um sein Reich aus» zubreiten?
Gerade, daß die Misiionen auch in der heutigen Notzeit um die Karitaspfennige des christlichen Voltes betteln, ist ein Beweis dafür, daß die Korn, munisten lügen, wenn sie sagen, die Kirche fei in ihren Missionen dem Kapitalismus verfallen. Ausdrücklich verbietet übrigens das kirchliche Recht jeden Handel. Es erlaubt nur die Sicherung des Lebensunterhaltes. Nach unsäglichen Mühen ist es vielen Missionen gelungen, einen Teil ihrer Le. bensnotwendigkeiten durch Pflanzungen usw. zu bestreiten, insbesondere die regelmäßigen Auslagen der großen Priesterseminarien zu decken. Da aber die Wirtschaftsnot den Absatz der Produkte unterbindet, und da eine ganz kleine Zahl gut fundier- ter Seminarien einer Ueberzahl solcher gegen- übersteht, die gar nichts haben, ist der Geldbedarf der Missionen ungeheuer. Wir dürfen nicht kalten Herzens in unserer eigenen Not diese Finanzkrise der Weltmission übersehen. Wir dürfen nicht ab- wehrend die Hand ausstrecken, wenn die Kirche am Weltmissionssonntag auch in diesem Jahre unsere Hilfe erbittet. Der Mammonismus ist
„Ich finde es unerhört, daß in diesen Notzeiten, wo das eigene Volk nicht genügend zu essen hat, Gelder für die Unterstützung der Missionen gesammelt werden." —
Es sind nicht Wenige, die so reden. Ob sie wissen, was sie tun? Mission ist ihrem Wesen nach ein Anfang. Die Mission bringt in ein bisher noch nicht erfaßtes Volk ein und versucht in unendlichen Mühen allmählich sich selbst überflüssig zu machen uni) aus den Gliedern des betreffenden Volkes selbst eine Kirche zu bilden. Diese Kirche soll sich dann selbst erhalten. Bevor es aber so weit ist, ergehen viele Jahrzehnte, bei manchen Völkern, wie die Erfahrungen zeigt, Jahrhunderte. Gewiß hat der Nationalismus in der Kirche den Prozeß, den wir eben schilderten, vielfach verlangsamt. Daß dieser Prozeß aber öfter lange dauert, daran ist auch der Nationalismus nicht schuld. Denn die missionierten Völker sperren sich bisweilen lange gegen den geistigen Einfluß der Kirche oder stehen auf so niedriger Kulturstufe daß eine selbständige Kirche erst gegründet, werden kann, wenn der Kulturstand des ganzen Volkes gehoben ist. Manche Leute meinen, bei der Landung der Missionare müßte ein Vertreter des betreffenden Volkes den Glaubensboten sofort eine zinslose Anleihe geben. Sie achten nicht darauf, daß die« psychologisch unmöglich ist. Sie übersehen, daß bei den meisten Missionsvölkern noch gar kein entsprechendes Wirtschaftssystem besteht, mit dem die Mission arbeiten könnte. Sie denken nicht daran, daß oft viele Stürme und Verfolgungen über die Missionen gehen, bei denen es vielfach zur Vernichtung des Missionseigentums, sogar zum Tod der Missionare kommt. In den letzten fünf Jahren starben in China über 30 junge Missionare eines gewaltsamen Todes, Dutzende anderer an Seuchen. Wieviel tausende von Mark hat die Ausbildung dieser Missionare gekostet? Glaubt man, die chinesische Regierung würde schon 15 Jahre vorher den Missionsgesellschaften pro Kopf 30 bis 40 000 Mark zur Ausbildung eines Missionars zur Verfügung stellen? Wenn die Kirche als Hauptaufgabe von ihrem Stifter den Auftrag erhielt, das Reich Gottes auszubreiten, dann müssen eben die schon christlichen Völker nach Maßgabe ihrer Kräfte helfen,
Zum TBcltmiffions-Sonntag
Warum sorgen die Missionen nicht sür sich selbst?
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Nur echt mit dem Bilde des Erfinders