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Fuldaer Zelluna (Amtliches kreisb latt)

Festnahme einer Diebesbande.

Einer zweiköpfigen Diebesbande die es nur auf Dillen abgesehen hatte, ist man in Berlin auf die Spur gekommen. Awei Einbrecher und der Haupt­hehler ' wurden verhaftet. Mehrere große Ein­brüche in Dresden, Leipzig und Berlin sind ihnen nachgewiesen. Die Einbrecher sind der 33 Jahre alte frühere Kaufmann Wenzel, der 26 Jahre alte Schriftsetzer Zachmielewski. Der Heh­ler ist der 38 Jahre alte Juwelier und Goldwaren­händler Wiese in Berlin, unter dem Namen .Trauring-Wies-" berannt. 7 Einbrüche in Leipzig und 8 in Dresden wurden bis jetzt nachgewiesen. Die Einbrecher schoben die Jalousien hoch, stützten sie und schlugen die mit Seife einge­schmierten Fensterscheiben ein.

* Ein Bankdirektor schreibt Erpresserbriefe. In Bestätigung einer Mitteilung der Münchener Posi- zei, daß der Angestellte einer Münchener Bank verhaftet worden sei, nachdem er an zwei Mün­chener Persönlichkeiten Erpresserbriefe gerichtet hatte, in denen unter Todesdrohung 15000 Mark verlangt wurden, mit dem Beifügen, daß das Geld für die Terrovgruppe einer radikalen Partei bestimmt sei, teilt der „Völkische Beobach­ter" heute mit, daß es sich bei dem Verhafteten um den stellvertretenden Direktor Schuh­mann der Münchener Niederlassung der Com­merz- und Privatbank handelt. Der Ver­haftete hat, wie von der Leitung der Commerz- und Privatbank mitgeteilt wird, nach Ansicht fer­

ner Vorgesetzten offenbar in einem Anfall von Geisteskrankheit gehandelt. Das Gericht hat zunächst beschlossen, ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen.

* Die Anwärter auf den Friedens-Nobelpreis. In den nächsten Tagen wird der Friedens-Nobel­preis verteilt. An erster Stelle unter den An­wärtern steht, wie bereits mitgeteilt wurde, Graf Eoudenhooe-Kalerghi. Neuerdings wer­den noch genannt die amerikanische Friedens- und Sozialschriftstellerin Jane A d d i m s und der Präsident der Universität Columbia, Nicolas Murray-Butler, der an der Ausarbeitung des Kelloggplans teilgenommen hat.

Weltmisfronssonntag.

Der vom Hl. Vater für die ganze Kirche ange­ordnete Veltmissionssonntag wird in unserer Dio- ezse am Sonntag, den 6. Dezember, begangen. Der­selbe soll in erster Linie als Gebctstag gefeiert wer­den. Die Gläubigen sind deshalb rechtzeitig auf diesen Tag aufmerksam zu machen und zum Emp­fang der hl. Sakramente einzuladen unter Hinweis auf den vollkommenen Ablaß, der an diesem Tage gewonnen werden kann. Der Missionssonntaq bie­tet günstige Gelegenheit zur Empfehlung des Päpst­lichen Werkes der Glaubensverbreitung (Franzis- kus-Taverius-Verein) und des Werkes der heiligen Kindheit (Kindheit-Jesu-Schutzengelverein), die in allen Gemeinden eingeführt und gepflegt werden sollen. (Aus dem ,Lirchl. Amtsblatt).

Gottesdienst-Ordnung.

katholischer Gottesdienst.

Sonn rag, den 6. Dezember 1931.

kkntda. Dom. (Kollekte für den Franziskus-Xaverius- Mijsionsoerein.) Beickngelegenhett: Samstag vormittag von 26—8 Uhr, nachmittags von 2—3 Uhr für die Kinder, ’ 5-7, und von V8 Uhr an für Erwachsene. Sonntag -früh von */e6 Uhr an. Gottesdienste: ’'»6, 6, /»7, 7 Uhr f)L Messen mit Austeilung der Kommunion. In der l'i7 Uhr Messe hl. Kommunion des Männ-rapostolates. 8 Uhr Pfanamt mit Predigt und hl. Kommunion des 7. und 8. Schuljahres. 7slO Uhr Kathedralamt mit Predigt. 7« 11 Uhr Christenlehre für die Jünglinge. 7« 12 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt. *'»2 Uhr Andacht um Ausbreitung des wahren Glaubens. 2 Uhr Christenlehre für die Jung­frauen. 4 Uhr Predigt und Andacht mit Segen. 6 Uhr Andacht zur lb. Mutier Gottes in der Marienkapelle. Montag 5 Uhr Andacht zur Iß. Mutter Gottes. Hl. Messen an Wochentagen: 1 -6, 6, 7*7, 7 Uhr morgens. Um 7,8 Uhr Pfarrgottesdienst 9 Uhr letzte heilige Messe. Halbstündlich Austeilung der heiligen Kommunion. — StadtpsarrNrche. (Kollekte für die Heidenmisfionen.) Beichtgelegenheit: Samstag nachm. 3—7, 7 V*—87* Uhr, Sonntag früh 6—7 Uhr. Sonntagsgottesdienste: 6 Uhr hl. Messe. 63'« Uhr hl. Messe und Kommunion für das Männerapostolat. 8 Uhr erster Schulgottesdienst, Predigt und Kommunion des 7. und 8. Schuljahres. 9*/i Uhr Pfarramt und Predigt. 11 Uhr zweiter Schulgottesdienst und Predigt. 9 Uhr Christenlehre der Jünglinge in der Severikirche. 17* Uhr Christenlehre der Jungfrauen. 2Vi Uhr Milsionsandacht zur Ausbreitung des wahren Glau­bens. Die ht Kommunion wird von 6 bis 71'* Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 87* und 9V« Uhr. Werktagsgottesdienste: 61/», 7, 7*'«, 8V1 Uhr hl. Messen. Mittwoch, Freitag, Samstag früh 67« Uhr Beichtgelegen- bett Freitag nachmittag um 5 Uhr Segensandacht. — Zum tzl. Geist. Beichtgelegenheit: An allen Wochen­tagen von morgens 7—7'* Uhr. An den Vorabenden der Sonn- und Feiertage Beichtgelegenheit von 7«4—7*7 Uhr nachmittags, an diesen Tagen selbst von 6—,A7 Uhr srüh und während der 7 - Uhr - Messe. 7 Uhr Frühmesse und Ansprache. Männerapostolat. 8 Uhr Hochamt mit Predigt. Kommunion des 7. und 8. Schuljahres. 3 «11 Uhr Kindergottesdienst und Ansprache. 1 «12 Uhr Christen­lehre für die Jungfrauen. 5 Uhr Andacht. Dienstag, 1,8 Uhr ft terlirf es Ami zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis. Mittwoch und Donnerstag 7*8 Uhr Rorate-Aetnter. — Sobalifät. Vormittags um 7,10 Uhr Gottesdienst. — St. Joseph. Beichtgelegenheit: Samstag 2—3 Uhr für Kinder, 5—7 Uhr für Erwachsene, Sonntag 7,7 bis */«8 Uhr. Gottesdienst: *A8 Uhr ht Messe mtt Ansprache und Kommunion-Austeilung. *'40 Uhr Amt mit Predigt, vorher Kommunion-Austeilung. Nach dem Amt Christen­lehre. Nachmittags um *',2 Uhr Andacht mtt Segen. Werktags 7* - Uhr Hb Messe und Kommunion-Austlg. — St. Sturmius. Beichtgelegenheit: Samstag nachmittag 3 Uhr und Sonntag vormittag *A7 Uhr. Gemeinschaftliche hl. Kommunion für die Männer und die Kinder des 7. und 8. Schuljahres. */«8 Uhr Austeilung der hl. Kom- munton. -'»8 Uhr Frühmesse mtt Ansprache und Aus­

teilung der heiligen Kommunion. *',10 Uhr Hochamt und Predigt Anschließend Christenlehre. 7.2 Uhr Segens- Andacht. Werktagsgottesdienst um */,8 Uhr morgens. — Kapelle am Franzosenwäldchen. Um 6‘ « Uhr hl. Messe mit Ansprache und Kommunion-Austeilung. An den Wochentagen um 77* Uhr ht Messe mit Komm.-Austl. — Frauenberg. Ht Messen von 5—7 Uhr 8 Uhr Bruder­schaftsmesse mit Predigt und Generalkommunton der Bruderschaftsmitglieder. 9 Uhr Leoitenamt mit Predigt. Nachm. 2 Uhr Predigt Andacht und Umgang für die Martanische Bruderschaft. - Montag, 7. Dez., nachmittags 7-5 Uhr feierliche Vesper mit sakramentalem Segen. — Dienstag, 8. Dez., Fest der unbefleckten Empfängnis Mariä, Tttularfest der drei Orden des hl. Franziskus. Ablaßtag und Generalabsolutton für die Terziaren. Heilige Messen von 5—7 Uhr. 8 Uhr Singntefie mit liturgischen Gebeten 7«9 Uhr feiert. Terz, darauf Levitenamt mit Aussetzung und Festpredigt nach dem Evangelium. Nachmittags 3 Uhr feiert Vesper mit Festandacht und sakrarn. Segen. Während der Ottav findet jeden Nachmittag um 7*5 Uhr eine Andacht zu Ehren der unbefl. Empfängnis mit sakr. Segen statt. — Iteuenberg. 7 Uhr hl. Messe. Danach Beichtgelegenheit 7,9 Uhr ßenitenamt mit Festpredigt. (Fest des heiligen Andreas.) - Dieiershan 8 Uhr Arm mit Predigt. — Lehnerz. 7*10 Uhr Amt mit Predigt.

Evangelischer Gottesdienst

Sonntag, den 6. Dezember (2. Advent.)

Fulda. 9% Uhr norm. Predigtgottesdienst mit Liturgie unter Mitwirkung des Kirchenchores. Pfarrer Fuchslocher aus Kastel. — 11 Uhr Kindergottesdienst. 6 Uhr abends Predigtgottesdienst Vikar Heck. — 8 Uhr abends Lichtbilderoortrag über die Arbeit des Hessi­schen Diakonissenhauses durch Pfarrer Fuchslocher im Gemeindehaus. — 8 Uhr abends Jungmännerverein, ältere Abteilung im Pfarrhaus, jüngere im Bibliotheks- 3immer. — 8 Uhr abends Jungmädchenverein im Schwesternhaus. — Amtswoche: Kreispsarrer Weber. Großenlüder: 9% Uhr norm. Predigtgottesdienst, Pfar­rer Hattendorfs. — Bad Salzschlirf. 10 Uhr norm. Prediktgottesdienst Vikar Heck. — Fulda. Montag 8 Uhr abends Bibelkreis der Schüler höherer Lehranstal­ten. Weitere Abteilung im Pfarrhaus, jüngere im Bibliothekszimmer. — Dienstag 8 Uhr abends Kirchen­chorprobe im Gemeindehaus. — 8 Uhr abends M.B.K. im Pfarrhaus. — Mittwoch 5 Uhr nachm. Andacht im Altersheim Emmaus, Kreispsarrer WÄ>er. — 8 Uhr abends 2. Adventsgottesdienst in der Kirche, Pfarrer Hattendorfs. — Donnerstag 8 Uhr abends Mütterver­ein im Schwesternhaus. — Bad Salzschlirf. Donnerstag 4y2 Uhr nachm. Bibelstunde im Haus Forkel.

Evangelische laabevkirchliche Gemeinschaft, Fulda.

Sonntag, 6. Dez. fällt die Versammlung aus, die GemernschlH wird gebeten, den Vortrag über innere Mission von Pfarrer Fuchslocher-Kassel zu besuchen. — Freitag, abend 8% Uhr: Bibel- und Gebetstunde.

Ilr. 281.

Slirdenten^InflaNon".

Die Universitäten als „Wartehallen des Lebens". 78 Prozent mehr Studenten als in der Vorkriegs­zeit.

1914 betrug die Zahl der Studierenden an sämt­lichen deutschen Hochschulen, einschließlich der Tech­nischen Hochschulen und der Handelshochschulen 77 300. Im Jahre 1931 beträgt sie 138 000 Sie ist mithin in dem räumlich und bevötkerungsmäßig kleineren Deutschland, wobei wir noch die Univer­sitäten Danzig und Straßburg verloren haben, um 78 Prozent höher als vor dem Kriege.

Diese Zahlen entnehmen wir der soeben er­schienenen „Deutschen Hochschulstatistik für das Sommerhalbjahr 1931", zusammengestellt von Mi­nisterialdirektor D. Dr. Rickter unter Mitwirkung von Regierungsrat Dr. Kuhnert. Bevor wir diese Statistik weiter verfolgen, geben wir noch einige besondere Zahlen über die Zahl der Stu­dierenden an den deutschen Universitäten aus der letzten Zeit. Aus ihnen können wir ersehen, daß es eine gewisse Berechtigung hat, von einer deut­schen Studenten-,,J n f l a t i 0 n" zu sprechen.

Gegenüber dem Sommersemester 1930 wuchs trotz zweimaliger erheblicher Studiengebührener­höhung die Studentenzahl in diesem Jahr von 99 500 auf 103 900 Studierende und zwar allein an den deutschen Universitäten. In diesem Win­tersemester wird die Zahl nur unbedeutend ver­ringert, da die Beurlaubung einer Anzahl Stu­dierender ausgeglichen wird durch den Zuwachs solcher Studierender, die als Abgebaute die Zeit unfreiwilliger Arbeitspause dazu benutzen, um chr ©tubium fortzusetzen.

Es ist interessant, an Hand der genannten Sta­tistik die Frequenz nach dem Kriege beobachten zu können. In den ersten Nachkriegsjahren wuchs sie, sank während der Inflation, und zu einem Zeitpunkt, in dem es Deutschland, verglichen mit seiner heutigen Lage, einigermaßen gut ging, näm­lich im Wintersemester 1925/26 war der Tiefpunkt mit 89 000 Studierenden erreicht. Das ist nun kein Novum. Wir erinnern an das vor dem Kriege erschienene Buch über die „Frequenz der deutschen Hochschulen" von Pros. Eulenburg von der Berliner Handelshochschule, der an Beispielen bis ins Mittelalter zurück nachwies, daß in Zei­ten wirtschaftlicher Krisen und wirtschaftlichen Nie­dergangs stets die Zahlen der Studierenden rapide anwuchsen, während sie in Zeiten wirtschaftlicher Hochkonjunktur bedeutend sanken. Und jenes Wort von den Universitäten als „W artehallen des Lebens" hat heute wieder eine sehr bedauer­liche und betrübende Rechtfertigung erfahren.

Wohin doch heute die jungen Menschen nach Absolvierung der höheren Schulen blicken, alles überfüllt, nirgendwo eine Möglichkeit, sofort einen praktischen Beruf zu ergreifen. Darum gehen sie zunächst einmal zur Universität, zur Hochschule, um--zu warten. Vielleicht auch im Glau­

ben, eine vollkommene wissenschaftliche Vorbildung könne sie im späteren Leben eher und schneller vorwärts bringen. Andererseits müssen sie sehen, daß für Stellen heute nur Akademiker herange­zogen werden, die vor dem Kriege meist den Prak­tikern, in besonderen Fällen den sogenannten „Ein­jährigen" vorbehalten waren.

Während an den Handelshochschulen und Tech­nischen Hochschulen nur immerhin eine langsame Rückwärtsbeweguuq festgestellt werden kann, da die Industrien wie der Mittelstand erfreulicher­weise wieder zur alten bewährten Einstellung ka­men, daß der Tüchtige, der Praktiker weitaus mehr Beachtung finden muß, wie der Nur-Wissen­schaftler, so sind die Verhältnisse an den Universt- täten unverändert geblieben. Ebenso steigen nach wie vor die A b i t u r i e nte n zis fern. 1928 zählten wir 30 000 Abiturienten an den Gymna­sien, 1931 dagegen 41000.

Wie soll nun diesen Ausnahmezuständen wir­kungsvoll begegnet werden können? Das ist die Frage, welche die zuständigen Ministerien, die Uni- versitäts- wie Hochschulbehörden, die Schulen, El­tern wie Studentenschaft zu ernstesten Nachprü­fungen veranlaßt. Wenn auch Maßnahmen ge­troffen werden sollen, so ist doch immer jede künst­liche Einengung der Kräfte zu vermeiden, ist dar­auf zu achten, daß eine Einschränkung nicht zu Benachteiligungen der wissenschaftsdurstigen begab­ten Kräfte fuhrt.

Schenkt Lficher zum weihnachlsseft!

Es ist begreiflich, daß die Frage: Was soll ich schen­ken? in diesem Jahre größeres Kopfzerbrechen verur­sacht als früher. Die Summe, die ein jeder heuer für Weihnachtsgaben zur Verfügung hat, ist wohl in den meisten Fällen kleiner geworden; das erschwert natur­gemäß den Entschluß. Wenn man nun auch die prallt- chen Bedürfnisse mit einem geeigneten Festgeschenk zu befriedigen sucht, so bleibt doch der Wunsch nach einer Gabe offen, die über den Alltag hinaus Freude bereitet. Hierzu ist nichts besser geeignet als ein gutes Buch, also jenes, das man nicht endgültig beiseite legt, sobald man es gelesen hat, sondern, das von sich selbst aus im Leser weiterwirkt und ihn eines Tages antreibt, noch einmal mit der ersten Sette zu beginnen, um neue Schätze zu heben.

Bücher, die für den Weihnachtstisch dieses Jahres — — den fremden und den eigenen — besondere Beachtung verdienen, haben wir hierunter zusammengestellt. Sie stammen sämtlich aus dem bekannten Verlag I. K ö s e l u. Fr. Pustet, München und können durch jede gutgeleitete Buchhandlung bezogen werden. Auf Wunsch ist auch ein 16 Seiten umfassendes Verzeichnis in den Buchhandlungen kostenlos erhältlich ober vom Verlag zu beziehen.

All jene, die das „Singerlein", den anmutigen Erst­lingsroman von Dolores Vieser, der heute bereits im 33. Tausend vorliegt, so lehhast begrüßt haben, wer­den doppelt freubig das neue Werk der jungen Kärntner Dichterin lesen „Der G u r n i tz e r" (319 Seiten, Ganz­leinen 7 Mk.). Wieder ift es ein Roman, der in ver­gangene Jahrhunderte zurückführt, in die Jett der Tür­keneinfälle in die viel umstrittene Kärntner Ostmark. Im Mittelpunkt der Darstellung steht ein junger Kriegsmann, ben man in eine kirchliche Pfründe einsetzt, damtt das gequälte Land, in dem kein Bischof und kein Herr re­giert, zumindest gegen die heranrückenden Ungläubigen einen Beschützer habe. Ebenso menschlich rührend und ergreifend wie die Gestalt des Hansl im „Singerlein" steht überragt im „Gurnitzer" die aufrechte Männlichkeit Hartls die Zeitgenossen aus dem bedrängten Kärnten. Der neue Wurf ist der Dichterin ebenso gut gelungen wie ber erste Wer sich, ähnlich wie beim „Gurnitzer", von ber Gegenwart weg der Vergangenhett zuwenden will, findet in dem großangelegten Schlußband „Die Hoch­zeit von Quedlinburg" (538 Seiten, Ganzleinen 9 Mk.) der Romantrilogie „Frau Maria" von Ennca von Handel-Mazzetti ein wahrhaft farbenprächtiges Ge­mälde des Quedlinburg zur Zeit August bes^ starken. Mit diesem Buch, in dem sich das Schicksal ber Kanonissin Maria von Bronnen bramatisch unb tiefergreifend vollendet, steht die Meisterin des historischen Romans auf einer kaum mehr zu überbietenden Höhe ihres Schäftens. Die Kanonissin, der Vagabund Schubatth und die Aeb- tiffin Elisabeth, obwohl einer längst vergangenen Epoche angehörend, versinnbildlichen bas Gebot „Magna res eft charitas" (Das Größte ist die Liebe) so eindringlich

unb lebensnah, daß die Gülligkeit des historischen Ro­mans als Kunstgattung aufs neue erwiesen ist. Wer sich eingehend in bas Werden ber dichterischen Persönlichkeit Enrioa von Handel-Mazzettis versenken will, berfei nach­drücklich auf ben Band „Enrico von Handel-Mazzettis Persönlichkeit, Werk unb Bedeutung" hingewiesen, ber anläßlich des 60. Geburtstages der Dichterin erschienen ist. (472 Seiten. Mit 125 Bildern. Ganzleinen 10 Mark.) In die Reihe ber geschichtlichen Romane gehört auch das große Prosawerk Robert Hammers, eines jungen Franziskaners, der im „Roman des He il i- g e n" (322 Seiten, Ganzleinen 7 Mk.) die Figur des heiligen Franziskus mit neuen Augen erschaut, mit neuen Farben malt unb mit neuen Worten umschreibt, lieber ber Einleitung, der Jugend des reichen Francesco 58er- nadone, erhebt sich ber eigentliche Bau des Romans in ben brei Haupttteilen „Der Erzengel Michael" (Fran­cesco, der Weltmann) — „Die Braut des Narren" (Fran­cesco, der Heilige) — „Das neue Haus" (Francesco, der Ordensgründer). Inmitten einer Zeit, ber die Einstel­lung auf das Wesentliche fremd geworden ist, wird die­ses Meisterwerk ber Menschengestaltung von tiefster Wir­kung sein. Steht in Hammers Roman ber Einzelmensch im Mittelpunkt der Handlung, so gilt „Die Walstatt von L i e g n i tz" (335 Seiten, Ganzleinen 6 Mk.), dem ersten ins Deutsche übersetzten Roman der polnischen Dich­terin Z 0 f j a K 0 ssak, dem Zusammenstoß zweier Wel­ten: der asiatischen des Massenmenschen unb der euro­päisch-christlichen. Zofja Kossak wird in Polen als stärkstes Talent seit Sienkiewicz bezeichnet; berufene Ken­ner der polnischen Literatur stellen sie neben Ricarda Huch, Enrica von Handel-Mazzetti, Sigrid Undset und Selma Lagerlöf. Der in dem Roman geschilderte Mon- golenfturm von 1241 mutet heute ganz seltsam aktuell an. Die Reihe der historischen Stoffe beschließt Gertrud von le Fort mit ihrer unvergleichlichen Novelle „Die letzte am Schafott" (138 Seiten. Gebunden im Stil ber Zeit Mk. 4.50). Das geistige Problem ber Novelle ist das Problem der Furcht, zu dem die Frage nach dem Wesen des christlichen Martyriums tritt. Beides wirb aufgezeigt an bem Beispiel der sechzehn Karmeliterinnen von Compiegne, die während ber Schreckensherrschaft der Französischen Revolution den Tob durch die Guillo­tine erlitten und an ber jugenblichen Novizin Blanche.

Einen herzhaften Grift in die Gegenwart stellen Peter Dörflers Erzählungen „Des Vaters Hände" (276 Seiten. Ganzleinen Mk. 6.—) bar, ber um brei neue Ge­schichten vermehrte Band „Am Eichentisch". Des Dich­ters Eigenart, die Schicksale seiner Menschen auf ben kräftigen Grunb ber heimatlichen Landschaft zu setzen, erfreut unb erfrischt den Leser mit ihrer gesättigten Bild­haftigkeit. Ebenso wie Dörfler, ausgehend von der Land­schaft unb ihren bobenftänbiaen Menftben, erzählt Wer­ner Heinen in ber Ichform bas Schicksal eines Berg- mannssohnes in rheinischer Landschaft in seinem Roman „Rubin im Basalt" (211 Seiten. Ganzleinen Mk. 6.—). Ilm ben scheinbar so einfach gezeichneten Werde­gang Johannes Grevens baut Heinen mit liebevoller

Einführung eine dörfl. Welt von Erdverbundenheit, «ei­nen Ränken, Liebe und Tod auf, die, teils mit drama­tischer Spannung geladen, von einer romantischen In­nigkeit erfüllt ist. Fern dem Großstadtlärm unb der Ma­schine spielt auch Joseph Wenters Tiergeschichte „Lai- k a n", ber Roman eines Lachses (237 Seiten. M. 6.50). Wenters Dichtung fußt nicht nur auf schwärmerischer Liebe zum Tier, sondern ebenso sehr auf eingehenden wis­senschaftlichen Studien am Objekt in der freien Natur unb in den bedeutendsten ozeanographischen Museen. Das wechselvolle abenteuerliche Wanderleben des stolzesten aller Raubfische hat Wenter über alle Beschreibung des Gegenständlichen hinweg zu einer Sinndeutung der Krea­tur und ihrer geheimnisvollen Verknüpfung mit der Schöpfung Gottes gemacht. Aus einer ganz anderen Welt kommt Karl Borromäus Heinrich mit feinem gro­ßen Zeitroman „Menschen des Uebergangs" (279 Seiten. Ganzleinen Mk. 7.—). Nach zehnjährigem Schweigen legt Heinrich als erste Frucht feiner inneren Sammlung diese Berichte vor, die vom menschlichen Rin­gen zwischen Gestern unb Heute ergreifendes Zeugnis ablegen. Nahezu alle Nationen Europas senden ihre in­teressantesten Vertreter in diese weltweite dichterische Schau. Auf die Flut der Kriegsromane wird dieses Buch zweifellos zu dem Roman der Uebergangsjeit werden.

Ruth Schaumann, Lyrikerin und Bildhauerin von Ruf, tritt heuer wieder mit einem G^dichtband, D i e Tenne" (237 Seiten. Halbleinen Mk. 6.—) hervor. Zum Reichtum der sprachlichen Form gehört das Volks­lied ebenso gut wie das streng gebaute Sonett oder die reimlose antikisierende Sttophe. Durch die wechselnden Formen stößt ber Leser immer wieder auf das Siegel der Echtheit die Einmaligkeit unb Einheit eines schöpferischen Herzens. Auch auf dem Gebiet des neuzeitlichen Holz­schnittes hat Ruth Schaumann in dem Leporello-Album „Die Fest e" (nach zwölf handgemalten Holzschnitten, Mk. 2.50) etwas Eigenes unb Eigenartiges geleistet. Die zu den Festen des christlichen Jahres geschaffene „Ge- brauchsgravhik" eignet sich ganz besonders zu Geschenk­zwecken. Die große Gemeinde des Rembrandtdeutschen wird das schmucke Bändchen „L a n g b e h n s Lieder" willkommen heißen (mit einem Bildnis unb Faksimile ^es Rembrarchtbeutschen, 111 Seiten. Kartoniert Mk. 1.60, ßeinenbanb Mk. 2.80), bas Benedikt Momme Nis­sen O. Pr., sein langjähriger Vertrauter und Verwalter des Nachlasses, herausgegeben unb eingeleitet hat. Sang- behn, ber vom Streit zum Lied kam, hat sich nach einem trefflichen Ausspruch eines kunstgelehrten Freundes erst „in feinen Liedern durchgerungen". Ein weiterer Beittag zur Kulturgeschichte ber Vorkriegszeit ist der Briefwechsel des Kardinals Diepenbrock mtt Gräfin Ida Hahn-Hahn vor unb nach ihrer Konversion, die zu dieser Zeit „die berühmteste deutsche Dichterin" genannt wurde (mit bem Bild unb Faksimile Diepenbrotfs, 78 Seiten. Kartoniert Mk. 2.—), herausgegeben von Dr. Alfons Nowack. Diese Briefe atmen echt apostolischen Freimut, bezwingende Seelengüte unb feinsten Takt. r

(Fortsetzung folgt.)

Samstag, den 5. Dezember.

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