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NILS

Vellage zur Fuldaer Zeitung

Dezember.

Zahllose Tränen, die von unserer Erde Emporgeweint zu ewigen Fernen, Kehren <ris flatternde Nebelschleier Zu uns wieder von leuchtenden Sternen.

Aufsaugt der Boden der göttlichen Erde In seinen Schoß die rinnenden Tränen, Daß sie den Keim und die Saat befruchten, Segen bringend unendlichem Sehnen.

Hell zwischen Wolken und Nebelfetzen Leuchtet ein Stern aus nächtlichem Dunkel: Frieden kündet sein Hoffnungsschimmer, Ruhe verheißt sein goldnes Gefunkel.

Emmy Ficus.

Gesundheitspflege im Dezember

Der Dezember, in dem kalendermäßig der Winter zwar erst seinen Anfang nimmt, ist gewöhnlich ausgezeich­net durch Frost und Kälte. Leider haben wir Men­schen es nicht so gut wie die Tiere, denen Mutter Na­tur alljährlich zu Weihnachten einen neuen Pelz schenkt! Für zweckentsprechende Kleidung zum Schutz gegen die Winterkälte müssen wir daher selbst sorgen.

Aufgabe unserer Kleidung ist es, uns unsere natür­liche Körperwärme möglichst unverändert zu erhallen. Je lufthaltiger ein Kleidungsstück ist, um so wärme­sparender wirkt es. Luft ist nämlich ein schlechter Wärmeleiter und die zwischen Körperhaut und den ein­zelnen Kleidungsstücken liegenden Luftschichten dienen zur Wärmespeicherung. Also trage man im Winter möglichst locker gewebte Wollstoffe, gefütterte Kleidungs- dungsstücke oder, wenn man fichs leisten kann, gar einen Pelz. Dieser ist besonders luftteich und wärint daher außerordentlich, aber natürlich nur, wenn die Haare nach innen gerichtet sind.

Bon Wichtigkeit ist es auch, daß man für die Win­terkleidung dunkle Stoffe, wie sie ja im allgemeinen auch Mode sind, bevorzugt, weil buntle Farben die Wärmestrahlen der Außenwelt verschlucken, während helle sie wieder zurückwerfen. Ueberwarme Kleidung, die zur Schweitzbildung Veranlassung gibt, ist vom lie­bel, einmal, well bei der Schweihabdunstung ein Wärmeverlust eintritt, dann aber auch, weil die feucht gewordenen Kleidungsstücke wärmeableitend wirken. Auch aus diesem Grunde ist daher Sauberkeit und häu­figes Wechseln, besonders der Unterwäsche, ein selbstver­ständliches Gebot vorbeugender Gesundheitspflege.

Man achte weiterhin darauf, im Winter nicht zu fest anliegende Kleider, Hüte usw. zu tragen, weil diese die Hauttätigkeit einschränken und unter Umständen die Blutzirkulation absperren können. Hier liegen häufig die Ursachen für allerlei unangenehme Kälteschäden, vor allem auch für die Entstehung sogenannter Frost- beulen.

Abgesehen hiervon finden sich Frostbeulen besonders an den vom Herzen am weitesten entfernten Körperstel­len oder an solchen, die wir meist gar nicht oder nur un­genügend bedecken, also an Händen und Füßen, an den Ohren und an der Nase. Deshalb trage man im Win­

ter weite, warme, wollene Handschuhe, moder t Strümpfe und bei starkem Frost und großer Kälteemp­findlichkeit eventuell auch Ohrenschützer. Das Schuh» werk sei bequem und muß den Zehen genügend Spiel­raum lassen. Auch ein Loch im Strumpf kann leicht zur Blutabsperrung und damit zur Bildung von Frostbeulen Anlaß geben.

Sind Frostbeulen einmal enfftanden oder garauf- gebrochen", so begebe man sich möglichst bald m die Be­handlung eines Arztes, dem heutzutage eine Reihe gute Mittel und Methoden zur Verfügung stehen, um Frost­schäden zu heilen. Im übrigen aber suche man selbst durch zweckmäßiges Verhalten und zweckmäßige Klei­dung vorzubsugen. Zu Weihnachten heißt es in diesem Jahre mehr denn je:praktisch schenken": hier sind also eine Reihe von Vorschlägen für gesundheitserhaltende, praktische Weihnachtsgeschenke. D. C. K.

Denkt Ihr schon an Weihnachten?

Rechtzeitige Vorbereitungen bewahren vor mancher Enttäuschung.

Bon Marcha Hainzerling, Gießen.

Das Jahr geht zur Neige! Wenige Wochen noch und das schönste Fest des Kirchenjahres, Weihnachten, steht vor der Türe. Wenn dieses Fest, das ein Tag der Liebe und der Zuneigung ist, schon in normalen Jahren der Hausfrau viel Sorge bereitet, wieviel mehr in diesem Jahre, das durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, Ar- beitslosigkell und Massenelend gekennzeichnet ist. Selbst in den Familien, wo die Verhältnisse noch einigermaßen geregelt sind, spürt man die Not der Zeit. Es wird wohl in diesem Jahre kaum eine Familie geben, die aus dem Vollen herauswirtschaften kann, überall wird man spa­ren müssen. Sparsamkeit und Einschränkung bedeutet nun aber nicht Verzicht auf alle Freuden. Wo früher ein großes Geschenk den Gabentisch zierte, kann in die­sem Jahre ein kleineres, aber sorgfältig ausgewähltes die gleiche Freude bereiten. Da heißt es jedoch überlegen und prüfen, man muß Wünsche erraten können und eine Praxis des Schenkens bewähren, die vielleicht ungewöhn­lich, aber doch ungemein reizvoll ist. Wer es allerdings unternehmen wollte, bei dieser Knappheit der Mittel wenige Tage vor Weihnachten mit seinen Vorbereitungen zu beginnen, der würde kläglich Schiffbruch leiden. Jetzt ist noch genügend Zett, deshalb frisch ans Werk. Was man nicht kaufen kann, wird durch der Hände Arbeit ersetzt. Wie waren unsere Vorfahren doch so beschei­den in ihren Geschenken, wie wurde da Wochen und Mo­nate vor Weihnachten genäht, gestickt, gehäkelt, man traf sich mit einer Freundin zu einem Plauderstündchen und die nimmermüden Hände brachten wahre Wunderwerke weiblicher Handfertigkett zustande. In den letzten Jah­ren ist man da bei uns soviel bequemer geworden, man hat den Sinn des Schenkens, das doch eine Herzenssache sein soll, vergessen, und hat durch Einkäufe, die meist erst wenige Tage vor Weihnachten getätigt wurden und die demgemäß auch mehr oder minder zufällig waren, die

Poesie des Geschenkes zerstört. Die gute, alle, deutsche Weihnachtstradition war uns verloren gegangen, wir haben unter der Fülle der Geschenke, die oft als eine lästige Pflicht betrachtet wurden, in Aeußerlichkeiten die Gesinnung untergraben. Wenn wir uns das überlegen, dürfte es nicht schwer sein, jetzt, da es noch Zeit ist, zu den Gewohnheitm der guten, allen Zeit zurückzukehren.

Aber auch in anderer Hinsicht fordert Wechnachten 1931 in diesem Augenblick schon unsere ernste Vorarbeit. Die große Not, die in allen Teilen unseres Vaterlandes herrscht und die auch durch behördliche und private Hilfs­maßnahmen nicht restlos behoben werden kann, erfordert mehr denn je, daß wir das christliche GebotderNäch- ft e n l i e b e beachten. Ein jeder kennt wohl Arme und Notleidende, die darben und des Notwendigen entbeh­ren, was man zum Leben braucht. Ihnen wird Weih­nachten kein Freudenfest fein, wenn sich nicht andere Menschen ihrer erbarmen. Machen wir uns also mit dem Gedanken christlicher Hilfe vertraut, suchen wir schon heute festzustellen, wo Menschen sind, Npen wir zu Weihnachten helfen wollen. Man kann auch von dem Wenigen, was man hat, noch etwas abgeben, man kann sich verdienstlich machen durch Hilfeleistung bei irgend einem Weihnachtsliebeswerk, man kann einem Armen mit Kleidung erfreuen, die man selbst instand­gesetzt hat, man kann einer notleidenden Familie heute schon sagen, daß sie zu Wechnachten Nahrungsmittel be­kommt, man kann bei seinen Verwandten und Bekannten eine kleine Sammlung veranstalten und ihren Ertrag wohltätigen Anstalten zuleiten und was dergleichen Dinge sind. Wer helfen mitt, findet Mittel und Wege, noch ist es Zeit, deshalb frisch ans Werk, Weihnachten 1931 soll ein Friedens- und Freudenfest werden für alle, trotz der Not und trotz des Elendes.

Die Weihnachtsbäckerei beginnt!

Hilt dem Lebkuchen gehts an!

Noch wenige Wochen und Wechnachten steht vor der Tür. Die Hausfrau wird auch in diesem Jahre, roenns vielleicht auch schwer fällt, ihren Sieben etwas weih­nachtliches Gebäck auf den Gabentisch stellen wollen. Mit zu dem ersten, was man bereiten muß, gehören die Leb­kuchen, damit sie bis zu den Festtagen schön weich und knusperig werden. Nachstehend einige Rezepte, die den Vorzug haben, nicht gar zu teuer zu sein.

Nürnberger Lebkuchen.

Bier zu Schnee geschlagene Eiweiß werden mit einem halben Pfund Zucker eine halbe Stunde lang gerührt, bann fügt man 50 Gramm Zitronat, die gleiche Menge Orangeat, die sehr klein geschnittene, nm besten gewiegte Schale einer Zitrone dazu, fügt eine Messerspitze gesto­ßenen Zimntt, gestoßene Nelken, etwas Kardamum und ein halbes Pfund geschälte und geriebene Mandeln da­zu. Die Masse wird gut verrührt und dann auf kleine Oblaten gegossen. In die Mitte gibt man eine halbe Mandel, entweder liegend oder aufrecht stehend, dann bleiben die Lebkuchen etwa drei bis vier Stunden in einem warmen Raum- stehen, um vorzutrocknen. Dann werden sie in einem nicht zu warmen Ofen goldbraun gebacken und zum Schlüsse mit Zuckerglasur verziert.

Haselnuß-Lebkuchen.

Zwei Pfund Zucker, 100 Gramm Zitronat, 100 Gramm Orangeat und 350 Gramm geriebene Haselnüsse werden mit dem zu Schnee geschlagenen Eiweiß von neun Eiern gut vermengt. Dann streicht man die Masse auf Ob­laten, verziert sie mll einer ganzen Haselnuß und läßt sie, nachdem man sie mit Zucker überstreut hat, einige Stunden vortrocknen. Auch diese Lebkuchen werden in einem mäßig warmen Ofen goldbraun herausgebacken und mit einer Zuckerglasur versehen.

Baseler Lebkuchen.

Ein Pfund Mandeln wird geschält und in Stifte ge­schnitten, die man dann in einen vorher ab gekochten

Syrup von 500 Gramm Zucker und 500 Gramm gutem Bienenhonig schüttet. Man gibt roetter 500 Gramm Mehl, 50 Gramm Zitronat, 50 Gramm Orangeat, die Schale einer Zitrone, fein gerieben, eine Messerspitze ge­stoßenen Zimmet, eine Messerspitze gestoßene Nelken, eine halbe Messerspche gefloßenen Ingwer dazu, um vor dem Verarbeiten des Teiges noch 15 Gramm Pottasche, die in einem halben Glas Arrak oder Rum aufgelöst wer­den, hinzufügen. Der üeig muß gut durchgearbeitet werden und zwar solange, bis er sich von der Schüssel löst. Nun muß er mindestens sechs Tage in der nicht zu warmen Küche ruhen, darauf wird er abermals gut durchgearbeitet. Dann rollt man den Teig etwa halb­zentimeterdick mit dem Nudelholz aus, schneidet Leb­kuchen in normaler Größe darauf, setzt sie auf ein mit Wachs bestrichenes Blech und backt si« bei guter Ofen« temperatur. Vor dem Backen kann man die Lebkuchen noch mit halben Mandeln verzieren, ein weißer oder bunter Zuckerguß macht sie besonders lecker.

Harzer Lebkuchen.

Zutaten: 750 Gramm geschälte und geschntttene Man­deln, zwei Liter Bienenhonig, ein Glas Branntwein, 125 Gramm Zitronat, 125 Gramm Pommeranzen, 15 Gramm Weinsteinsalz, 500 Gramm Zucker, 30 Gramm Zimmt, 15 Gramm Nelken, 18 Gramm Kardamum, 5 Pfund Mehl und die abgeriebene Schale von zwei Zitronen. Der Honig wird solange gekocht, bis er einen Faden zieht. Dann werden die oben genannten Zutaten mit dem Honig vermischt und gut durchgearbeitet. Da die Zutaten sehr reichlich sind unb der Teig deshalb auch schwer wird, muß man darauf achten, daß er sorgsam bearbeitet wird. Lie­ber etwas mehr, wie zu wenig. Der Teig wird fingerdick ausgerollt, in Lebkuchen geschnitten, die man mit Man­deln oder Haselnüssen besteckt und ziemlich heiß gebacken. Man kann die Lebkuchen nach Belieben glacieren.

Von Betty Groß-Kulmbach.

Bitte!

Von Irmgard Faber du Faur.

Man sitzt bei Tisch.

Gib mir Brot" sagt Lili.

Die Mutter antwortet nicht.

Ich will Brot!" sagt Lili wieder.

Aber die Mutter? Hat sie nicht gehört? Sie fängt an und erzählt eine Geschichte:

Es war einmal ein Zaubergarten. Man sah von Ferne die Blumen blühen und die Springbrunnen sprin­gen. Aber das Tor war verschlossen. Da wollten die Leute über die Mauer klettern. Aber wenn sie eben meinten, sie seien oben, da wuchs die Mauer immer wieder ein Stück höher hinaus. Da nahmen die Leute em Beil und wollten das Tor einschlagen. Da zerbrach das Beil. Da nahmen die Leute Feuer und wollten das Tor verbrennen. Da erlosch das Feuer.

Da tarn ein Kind und sagte nur ein kleines Work. Bitte!" sagte das Kind, und das Tor ging auf, und das Kind ging in den Garten hinein . . ."

Wie Lili das hört, da wird sie dunkelrot und sagt: Bitte, gibt mir Brot!"

Aus dem prachtvollen Erziehungsbüchlein Kind und Welt" tm Verlag Müller und I. Kiepenheuer-Potsdam.

Die Frau in der Küche.

Sauerkrautsalat. (Für 4 Personen). Zuberettungs- zeit \Vi Stunde, mit der Zeit des Durchziehens). Zu­taten: 50 Gramm Sauerkraut, Saft einer halben Zi­trone, 1 Teelöffel Salz, 1 Messerspitze Pfeffer. 2 Eß­löffel Olivenöl, 2 Eßlöffel geriebener Meerrettich, 10 Tropfen Maggis Würze, 2 Bananen, 1 Eßlöffel Rum. Zubereitung: Das Sauerkraut wird leicht ge­waschen, fest ausgedrückt und ganz fein geschnitten. Dann mengt man es mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Olivenöel, Meerrettich und Maggis Würze und läßt den Salat 1 Stunde gut durchziehen, bevor man ihn mit den in Scheiben geschnittenen Bananen, die mit Rum besprengt sind, umlegt und zu Tisch bringt.

Seefisch in Dillsotze. (Für 4 Personen, 3540 Mi­nuten). Zutaten: 1%2 Pfund Fischfilet, Wasser, Vt Liter leichter Weißwein, 1 Eßlöffel Fett, 1 Eßlöffel Mehl, 2 Eßlöffel saurer Rahm, 2 Maggi's Fleischbrüh- würsel, eine Handvoll Dill, Salz, Suppengrün. Zube­reitung: Man macht aus gut y2 Liter kochendem Wasser, in dem die Maggi-Fleischbrühwürfel aufgelöst wurden, dem Weißwein und reichlich Suppengrün einen Sud, in dem man die Fischfilets gar kocht, herausnimmt und auf einer erwärmten Schüssel zurückstellt. Dann bereitet man aus Fett und Mehl eine leichte Einbrenne, gibt den feingehackten Dill dazu, sowie den sauren Rahm, verdünnt mit Fischbrühe und schmeckt, wenn nötig; noch mit etwas Salz ab. Man gibt die Soße beim An­richten über den Fisch. I. M.

Zähes Rinderherz von besonders alten Tieren läßt sich in der Küche noch gut verwenden, wenn man es mehrere Tage in Essig legt und dann sauer bereitet. Man kann es aber auch durch die Hackmaschine treiben und eine Farce für Pastetchen davon bereiten, die mit Kapern und einigen Sardellen untermischt ausgezeichnet schmecken.

Die praktische Hausfrau.

Haare auf dem Boden vor dem Frisiertisch beseitigt man am leichtesten dadurch, daß man mit den feuchten Schrubber ohne Lappen über die Stelle hin und her fährt. Die Haare werden restlos von den Borsten aufgegriffen und lassen sich daraus auch wieder mühe­los entfernen.

Nickelbeschlag unb Stangen an Herden, Offen usw. behalten jahrelang chren ursprünglichen Glanz, wenn man sie anstatt mit den auf die Dauer leicht den Nickel- beschlag angreif mb en käuflichen Putzmitteln behandelt, nach Abwischen etwaiger Flecken mit einem feuchten Lappen, mit Zeitungspapier gründlich abreibt.

Am Garderobenständer sollte zum ständigen Ge­brauch eines jeden Familienmitgliedes ein Kleiderbügel hängen. Zumal in der heutigen Zeit, in der Neuan­schaffungen seltener werden, dürste es doppelt zweck­mäßig fein, durch formentsprechende Aufbewahrung auch der Alltagskleidungsstücke die Lebensdauer und das gute Ausschen derselben zu erhalten unb' zu verlängern.

Ehrlslkilldleln hak gebacken.

Weihnachtsmärchen von Gustav Halm.

^Es war früher Morgen. Sllberweiß lag die Erde, standen die Bäume, Zäune und Dächer. Aber ein zar- ter, rosenroter Hauch strömte vom Himmel herunter und ward feuriger und flammender, bis die ganze Himmels­kuppel zu brennen schien.

Und das tarn so: In der Nacht waren endlich die vie- len, schönen, frommen Lieder, die die Menschen in der Dorweihnachtszeit zu Gott senden, auf ihrem weiten Weg bis zum Himmel gedrungen, und da ward das Christ- kindlein wach, schüttelte sein langes, goldenes Haar, sah hinunter und sagte dann:Auf, ihr Engel und Heiligen, es ist Zett, das Ehriftsfft naht, und mir müssen backen: Honigkuchen und Spekulatius, Printen und Pfeffernüsse, Schokolade und Marzipan. Es wird ja Weihnacht, und die Kinder waren doch alle so brav!"Alle?" fragte der Knecht Ruprecht und schwang seine Rute. Aber das Christkindlein lächelte und meinte:Gewiß werden sie im nächsten Jahre artig sein. Und nun an die Arbeit!"

Hei, wie sie alle schafften! Die heilige Mutter Maria nahm die große Wage vom Sternenhimmel und wog mit chren lieblichen Händen das Mehl unb den Zucker ab, davon es einen herrlichen Rosenduft gab, der alle Him­mel erfüttte. Dann schöpfte sie Milch aus der Milchstraße und rührte sie zu Sahne, und der heilige Petrus hatte feine Wettermaschine geholl und spritzte ab und zu etwas Regenwasser und Hagelschauer hinein, der alte Schalk! Aber er blies auch brav das Feuer an, bis der Himmel ganz goldenglühend war, und inzwischen hobelte der hei­lige Joseph das Backbrett schön glatt. Die Engel und Eng- lein aber und die anderen Helligen kneteten derweil den Teig, daß es eine Art hatte. Dann kam der große Cherub, der schon vor'm Paradiese gestanden hatte, nahm fein Flammenschwert und zerteilte den Teig, den die heilige Anna mit der Donnerwalze ausrollen mußte; und jetzt

erst begann Christkindleins Arbeit; denn das nahm nun die Stücke in seine leuchtenden Hände und formte sie, uni» da wurden sie zu vielerlei Dingen: zu Herzen und Ster­nen, Häuslein und Türmen, Männlein und Fräulein, Bischöfen, Helden, Häslein, Pferden und Hunden, Fischen unb Vögeln. Unb auf manche schrieb es mit himmlischem Eiszucker irgend etwas Liebes darauf oder betupfte sie mit Regenbogenfarbe, tauchte sie in Schokolade und Zu­ckerguß und legte sie in den großen, feurigen Ofen. Da hatten die kleinen Engelchen aber die Hände voll zu tun, damit nichts überlaufen und anbrennen sollte!

Wie's da nun kam, wer will das sagen, vielleicht lief die Milch über, oder der Zucker wollte nicht braun werden, kurzum, das Christkind sah einen Augenblick nicht hin, rollte einen Lebkuchenmann aus, so einen recht großen mit Augen aus Rosinen und Knöpfen aus Man­deln, und da rollte es ein ganz kleines Zipfelchen vom Himmel mit hinein, so fleht, daß es niemand merkte. Ein winziges Sternlein nur blitzte an der Stelle, wo das Zipfelchen abriß, für die Menschen auf.

Und den großen Pfefferkuchenmann, fast größer als sie selber, fanden H e i n e r l e und H a n n e l e unterm Weihnachtsbaum! Ei, was für Augen sie machten! Erst staunten sie ihn an, tupften mit den Fingern auf die Rosinenaugen und auf die Mandelknöpfe, dann rochen sie an dem herrlichen, braunen Lebkuchenteig, dann durfte Hannele ihm ein Küßchen geben und Heinerle auch eines und endlich biß jedes ein ganz, ganz kleines, knuspe­riges Eckchen davon ab. Und das war gerade die Ecke, in der das Himmelszipfelchen saß. Und nun könnt« es wieder heraus.

Heinerlei und Hannele wußten natürllch nichts davon, es sah ja nur wie ein gewöhnliches Stück Kuchen aus. Aber es wurde ihnen plötzlich so eigen ums Herz, sie waren so voller Freude und Seligkeit und Dankbarkeit, daß chnen gar nichts anderes übrig blieb: sie fprangen auf Vater unb Mutter zu unb stürzten ihnen an di« Brust.Wir haben Euch ja so lieb!" sagten sie.

Und Vater und Mutter waren selig in der Liebe ihrer Kinder.Habt nur immer auch den lieben Gott recht lieb!" mahnten sie bann sanft.

Da gingen Heinerle und Hannele nun erst die Augen auf, andächtig schauten sie drein, unb schon falteten sie ihe Händchen unb begannen ihr Kind ergeb et:Lieber Gott, mach mich fromm . . .

Unb als sie dann alle gemeinsam gefangen hatten: ,Zhr Kindelein, kommet ..." da konnte das Hannele vor Erwarten schon gar nicht mehr stehen, und kaum war der letzte Ton verklungen, da sprudelte es hervor:Gell, Mutter, dürfen wir die Liesel nicht mal herüberholen? Sie hat gesagt, zu ihr kommt das Christkind nicht."

Welche Liesel?"

Uns gegenüber, aus der Kellerwohnung", sagte der Heinerle, der auch gleich Feuer und Flamme war.

Gut, das tonnen wir machen", sagte der Vater. Gch'n wir mal sehen."

Sie soll auch mal in den Pfefferkuchenmann hinein­beißen", triumphierte Hannele.Dann wird sie nicht mehr sagen, daß es kein Christkind gibt."

So gingen sie. Und als sie über die Straße schritten, da waffen sie einen ehrfürchtigen Blick zu dem dunklen Himmel hinauf, in dem die Sterne so sehr flimmerten.

«Nicht wahr, Vater", fragte der Heinerle ernst, überall da, wo ein Sternlein scheint, da ist ein Fenster- chen im Himmel, und da schauen die Englein hindurch?"

Und lächelnd erwiderte der Vater:Vielleicht hat auch das Christkind an der Stelle ein Stückchen Himmel aus Versehen abgerissen unb es in Euren Pfefferkuchenmann hineingetan."

ja, oh ja!" jubelten Heinerle unb Hannele unb klatschten in die Hänbe.Und wir haben ein Stückchen Himmel mitgegessen!" Und dann klopfen sie in dem fin­steren Flur an die Tür der Kellerwohnung, bereit, bas fromme Werk der Liebe an einem armen Menschenkinde $u tun.

Ja, die Liebe unb die Dankbarkeit, der selige Friede mit dem Himmelsvater und der Friede mit den Menschen bas ist das Himmelszipfelchen, das das Christkind immer wieder, mehr ober minder verborgen, in vielerlei Art und vielerlei Formen, in bas liebe Weihnachtsfest hineinzu- tun weiß.

Der Bogen des Friedens.

Es ist Nachmittag. Schwer und grau lasten die Wol­kenbänke am ganzen Himmel, nur am fernen Horizont ein wenig Licht. Die Sonne will Abschied nehmen unb versucht einen letzten Blick auf die trübe Welt zu er­haschen. Plötzlich bricht sie durch. Schwefelgelb flammt der Rhein auf, in scharfem Licht stehen die Berge, seltsam klar und nahe.

Da erscheint im Osten ein Regenbogen von nie ge­sehener Leuchtkraft und unversehrter Größe. Langsam treten die Farben aus dem Grau heraus, vertiefen sich, vervielfältigen sich, zwei-, dreimal spiegeln sie in kleine­rem Maße im Jnnenbogen wieder. Rechts unb links wie [eudjtenbe Fanale die Anfänge eines zweiten Bogens, im Scheitelpunkt nur schwach zu erkennen. Ganz nahe steht der Bogen, fast greifbar nahe. Mit dem Sinken der Sonne wandett er weg in die herbstlichen Berge, alles in ein märchenhaftes, klares Licht tauchend.

Die Sonne sinkt, blaßgelbe unb meergrüne Streifen am westlichen Horizont zeichnen den Weg, ben sie ge­gangen.

Das Lichtspiel einer kurzen Viertelstunde aber blieb mit symbolischer Kraft im Erleben haften.Ich sinne Ge­danken des Friedens und nicht der Plage", spricht der Herr. Ja, noch steht bas Zeichen des Friedens am Him­mel unb gerade die dräuende Schwere des ärgsten Dun­kels läßt es heller leuchten. Werden wir einstmals das Zeichen des Menschensohnes in den Wolken eb nso freu­dig grüßen? R. B.