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Kr. 280.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Lreisblatt)

Freitag, den 4. Dezember.

Fulda. den 3 Dezember 1931.

Im Zeichen der Weltmission.

Der Diözesan-Ausschuß des Franziskus-Taoe- rius-Dereins in der Diözese Fulda trat am Vor­abend des Festes des hl. Franziskus Taverius zu einer Sitzung zusammen, um sich über den Stand des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung in der Diözese Fulda zu unterrichten und für den weiteren Ausbau zu wirken.

Nach dem Berichte des Diözesandirektors Herrn Prof. Dr. Heller hat sich die MitgLrederzahl auch im Jahre 1931 gut gehalten. Sie beträgt 7222 gegen 7321 im Vorfahr. Nach der Verhand­lungsniederschrift der Vertraucnsmänner-Der- sammlung vom 11. August ds. Js. sind die För­derer für sämtliche Dekanate der Diözese, mit Ausnahme von Johannesberg, satzungsgemäß ge­wählt und bestätigt. Die Veröffentlichung der Na­men erfolgt demnächst im Kirchl. Amtsblatt. Nach dem einstweiligen Bericht des Kasienwarts Direktor Wohlgemuth sind bis jetzt ca. 11 000 Mk. an Mit­glieder- und sonstigen Beiträgen eingegangen. Dieser vorläufige Ueberblick läßt das freudige Er­gebnis erkennen, daß das katholisch Volk trotz der Not der Zeit den Ruf des Vaters der Chri­stenheit verstanden hat- „Was Uns betrifft, werden Wir, solange Uns die Vorsehung das Leben schenkt, dieser Missionspflicht Unseres Apostol. Amtes mit größtem Eifer obliegen, denn wenn Wir daran den­ken, daß es noch fast eine Milliarde Heiden g'bt, können Wir keine Ruhe finden." Eindringlicher als sonst dringt dieser Ruf an unser Ohr am Weltmissionssonntag, der am 6. Dezember gefeiert wird. Neues warmes Jnteresie für die Heiden­mission zu wecken, ist die tiefere Bedeutung vieles Tages. Und wenn nun an diesem Missionsfest die Katholiken der ganzen Welt an ihre Misiions- pflicht erinnert werden, wenn von tausenden Kan­zeln der Missionseifer angefacht wird, wenn mit wärmstem Appell die Opferfreudigkeit aufgerufen wird, dann wird der Weltmissionssonntag ein großer Fortschrstt in der heimatlichen Missions­bewegung sein und die Adventserwartungen der Heidenwelt der Erfüllung näher bringen. P.

Die Landwege im kreise Fulda.

Wie gemeldet, wird sich der nächste Kreistag des Landkreises Fulda mit dem Landwegebau- Etat für 1932 beschäftigen. Nach dem Ausschei- dungsvertrag zwischen Stadt und Landkreis hat bekanntlich eine Teilung der Landwege-Unter- hastungÄosten svischen Stadtkreis und Land­kreis Fulda je zur Hälfte stattzufinden. Die Landwege, deren Instandsetzung in größerem Um­fang von der Kreisverwltung als unaufschiebbar bezeichnet wird, haben wir gestern schon mitgeteilt, ebenso, daß für die laufende Unterhaltung und diese Jnstandsetzungsarbeiten größerer Art, die un­aufschiebbar sind, ein Kostenaufwand von 177 000 Mk erforderlich ist, was auch für die Stadt einen Zuschuß von 47 750 Mk. bedeutet. Außer den beiden Kreisen liefern in erster Linie die lieber» Weisungen aus der Kraftfahrzeugsteuer mit 80 000 Mk. die erforderlichen Mittel.

Außer den unaufschiebbaren Jnstandsetzungs- arbeiten werden als sehr dringlich weiter­hin bezeichnet: Ausbesierung des Landweges Hof­bieber-Morles (2. Rates, Verbesserung der Landwge in der Ortslage Hofbieber, Kanali­sation des Landweges Flieden—Hintersteinau in Flieden, Neudecküng des Landweges Mittel- k a l b a ch—-E i ch e n r i e d, Verbreiterung des Landweges innerhalb Hainzell, Verbreiterung des Landweges B l a n k e n a u—S tockhausen, Pflasterung des Landweges in Bad Salz­schlirf (3. Rate). Die Kosten für diese sehr dring­lichen Arbeiten werden insgesamt mit 14 600 Mk. angesetzt.

Wegen Mangel an Mitteln sollen folgende an sich gleichfalls dringliche Maßnahmen für die Sabre 1933 und 1934 zurückgestellt werden: Verbreite­rung des Landweges im Orte Ellers, Verbrei­terung des Landweges A l l m u s—T raisbach bei Mittelberg. Straßenverbreiterung in 2111« mus, Ausbau der Straße bei der Wirtschaft Kra. mer in Rothemann, Pflasterung in Horas (4. Rate), Straßenverbreiterung Mittelrode — Oberrod e, Verbesserung der Ortsdurchfahrt in Har merz.

Die Verlegung des Landweges Hauswurz —HainzeN, über die der Kreistag nach einer besonderen Vorlage zu beschließen hat, ist in den

Jahren 1926 bis 1928 bereits durchgeführt worden und zwar von Hainzell bis unmittelbar vor das Dorf Gersrod und hinter Schletzenhausen begin­nend bis ins Dorf Hosenfeld. Nunmehr ist noch der dazwischen liegende Teil des Land­weges in den Gemarkungen Gersrod und Schlet­zenhausen umzulegen.

Es kommen innerhalb der Gemarkung Schlet­zenhausen 2 Linienführungen in Betracht, und zwar: die Beibehaltung des Wegezuges in­nerhalb des Ortes Schletzenhausen. Diese Linien­führung ist nach Ansicht der Kreisverwaltung un­günstig, eng, mit einer fast rechttvinklichen Kurve und unübersichtlich. Selbst jetzt, wo das Backhaus abgerissen ist, könnte nach dem Gutachten der Straßenbauverwaltunq, eine, den Derkehrsverhält- nissen genügende Straßenführung dort nicht er­reicht werden, oder man müßte für eine solche Mehrkosten von etwa 10 000 Mk. aufwenden. Dies liegt nicht nur im Interesse des Durchgangsver­kehrs, sondern auch im wohlverstandenen Inter­esse der Gemeinde Schletzenhausen, der die Schädi­gung durch den zunehmenden Kraftwagenverkehr in der engen Dorsstraße erspart bliebe Ein vor­liegender zweiter Entwurf hat die Billigung des Regierungspräsidenten gefunden. Der Kreisaus­schuß hat fick diesem Entwurf angeschlossen. Der Kreistag ist über die Aufnahme der neuen Wege­strecke in der Landwegebauverband und über die Ausscheidung der abfällig werdenden Wegellrecke (des alten Landweges) aus der Klasse der Land­wege zu hören. ________

von der Reichswehr.

Mit Wirkung vorn 1. 12. 1931 sind in der Reichswehr befördert worden: zum General der Infanterie: Generalleutnant Freiherr Soutter von Lotzen, Oberbefehlshaber der Gruppe H (Kassel); zum Generalleutnant: Generalmajor Adam, Chef des Trupvenanttes: zu Generalmajoren: die Ober­sten: Freiherr von Hammerstein-Equord, Inspektor der Infanterie, von WitzeMdorff, Kommandant von Berlin; von Trotha, Kommandeur des J.-R. 12.

9leae Meisterinnen.

Dor der hiesigen MeisterprüfungskommMon be­standen foHgen-be Damenschneiderinnen ihre Meisterprüfung: Anna Herwig und Anni Ge­bauer sowie Frau Paula Reinarz, aAe drei von Hersfeld.

Verkürzung der Schulzeit.

Das Provinzial- Schulkollegium für Hessen-Nassau teilt uns mit: Durch einen Erlaß vom 26. November d. I. hat der Herr Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Provinzial-Schulkostegien ermächtigt, für die höhe­ren Schulen, bei denen der Vormittagsunterricht während der dunklen Jahreszeit erst um 6.30 Uhr beginnen kann, die Dauer der einzelnen Stunden auf 45 Minuten her ab zu setzen. Das Provinzial-Schuvkostegium in Kassel hat daher angeordnet, daß alle höheren Schulen der Pro­vinz, auf die jene Voraussetzungen zutrefsen, m der Zeit bis einschließlich Samstag» den 13. Febr. 1932, diese Verkürzung vorzunehmen. Es bleibt aber den Schulen frei geftellt, auch im Winter früher als um 8.30 Uhr mit dem Unter­richt zu beginnen. Vielfach ist das wegen der Zugverbindungen ber ausw artige n Schüler sogar erforderlich. — In Fulda sind bisher keine Veränderungen eingetreten. Die Schul­zeit muß sich gerade in Fulda nach den Zugver­bindungen der „Fahrschüler" richten.

Der kaufmännische Stellenmarkt nicht belebt.

Wir entnehmen einem Berichte der Kaufmänni­schen Stellenvermittlung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Derbandes, daß der Bewerber­zugang, obwohl in den Berichtsmonat der Kün­digungstermin fiel, die Höhe des Vormonats nicht erreichte. Es läßt sich aber gegenwärtig noch nicht genau übersehen, ob tatsächlich der Schrumpfungs­prozeß zu einem gewissen Stillstand gekommen ist oder ob der geringere Bewerberzugang nur der Ausdruck für die gebräuchlicher gewordene vier- wöchentliche Kündigungsftist ist. Gewisse Anzeichen deuten darauf hin, daß der allgemeine Pessimis­mus auch in Geschäftszweigen zu vorsorglichen Kündigungen führt, die gut beschäftigt sind und günstiger Momente nicht entbehren. Im Erport- geschäft wirkte sich die Unsicherheit der Währun­gen wichtiger Abnehmerländer und ihrer Zolk- polftik ungünstig aus. Nicht wenige Kündigungen sind als Tarifvertragskampfmaßnahmen anzuspre­chen. In her Schließung zahlreicher kleiner Be­triebe zeigen sich jetzt allmählich die Folgen der großen Zusammenbrüche des Sommers und Herb­stes. Stellenweise Belebung des Vermittlungs­geschäftes ist teils auf jahreszeitliche Einflüsse,

Die große Chance.

Roman von Martin Stiebing.

Copyright 1930 by Carl Bunter, Verlag, Berlin.

7] . ---------

»Tja," gab sich Wollweber geschlagen. „Lassen Sie mir die Unterlagen da, ich muß mir das genau ansehen. Im Prinzip interessiert mich natürlich das Geschäft, an ein paar Kleinigkeiten soll es nicht scheitern. In acht Tagen gebe ich Ihnen genauen Bescheid, ob und in­wieweit ich mich dazu entschließen kann, Geld in eine solche Sache hineinzustecken."

.In fünf Tagen, Herr Kommerzienrat," beharrte Hollgarten, „ich weiß, wie lange die Prüfung dauert, nämlich drei Tage — der Rest ist immer Wartezeit für den Kunden. Vielleicht wird er inzwischen weich!"

Wollweber mußte lachen: „Na, Sie waren ja in ’ner guten Schule beim ollen Mühlenkamp .. . und jetzt wol­len Sie sich auf dem Lande begraben? Macht Ihnen das Bankgeschäft keinen Spaß mehr?"

Das ist der Moment, dachte Hollgarten — nahm sich zusammen und warf gleichgültig ein: „Nein, Herr Kom­merzienrat. Herr Stolpe, mein Schulfreund, übernimmt die gesamte technische Leitung des Werkes. Dafür wol­len wir auch ihm in seinem Kontrakt Tantiemen zubilli­gen. Weder Herr Mickenbecker noch ich werden ihm groß dreinreden. Wenn sich mir mal eine gute Gele­genheit bietet, nehme ich natürlich eine Stellung in einer Bank wieder an. Sie werden aber verstehen. Herr Wollweber, daß ich mich nicht um eine kleine Stellung reiße. Schließlich könnte ich ja "von meinen Einkünften wie ein Rentner leben.

Ich will aber arbeiten, tüchtig arbeiten; doch auf einem Posten, der mir Freude macht und auf dem ich beweisen kann, was ich leiste."

Wollweber musterte aufmerksam seine Zigarre: „Sie haben mir davon schon eine Probe gegeben, Herr Holl­garten. Leider ging es dabei gegen mein Interesse. Wenn Sie bei Mühlenkamp weggegangen sind, werden Sie auch wissen, warum Sie es getan haben. Wollen Sie es

nicht mal bei mir versuchen? Ich kann für die Kredit­abteilung einen tüchtigen Kerl gebrauchen, der die Augen offen hält. Mit mir werden Sie schon ganz gut aus­kommen. Außerdem, man wird alt. Ich suche schon lange jemand, auf den ich mich verlassen kann."

„Das wäre sehr nett, Herr Kommerzienrat. Es würde mir viel Spaß machen. Darf ich Ihnen endgül­tigen Bescheid geben, wenn Sie sich über die Micka entschieden haben?"

„Natürlich," brummte Wollweber lachend. „Also auf Wiedersehen, meine Herren."

Vergnügt verließen Hollgarten, Mickenbecker und Stolpe das Bankhaus. Schon wurden sie vom Gewühl der Straße gepackt.

Da faßte Mickenbecker fest nach dem Arm von Holl- garten:

„Sagen Sie mal, lieber Herr Hollgarten . . . was ist denn das nun eigentlich — Kaolin?"

•

Hollgarten blieb kaum Zeit, über die große Chance seines Lebens nachzusinnen.

Nur ganz selten, kurz vor dem Schlafengehen, nahm er den alten Spazierstock zur Hand und sah nachdenklich auf die weißliche tonige Erde, die noch daran haftete: das war also seine große Lebenschance gewesen — zwei Mil­limeter Dreck zu sehen — oder nicht!

Wäre er ohne Stolpe nicht achtlos daran vorüber­gegangen? Hätte er Stolpe getroffen, wenn er nicht aus der Bank geflogen wäre; wäre dies passiert, menn er nicht Mickenbecker geholfen hätte.

Das rätselhafte launische Leben aber riß ihn fort, riß ihn hoch. Nach wenigen Tagen schon hatte Woll­weber ohne Einwand und Aufhebens mit wenigen Wor­ten das Projekt finanziert; unbeachtet, plötzlich und nüchtern stand die „Micka" auf: ein Vertrag, ein paar Unterschriften, einige Eintragungen.

Mit Stolpe und Mickenbecker verband Peter eine selt­same Freundschaft, ohne Austausch großer Worte in rest­losem Verstehen begründet. Zuerst bedrückte es Holl­garten, daß ihm Mickenbecker ohne weiteres hunderttau­send Mark Aktien übergab: „Sehen Sie denn um Got­tes willen nicht ein, daß Sie Millionen verschenken?"

teils auf die Aufnahme neuer Produktionen so­wohl in Produktions- als in Derbrauchsgüter- inbuftiien zurückzuführen, die mit von langer Hand geplanten Umstellungen zu Ende kommen, und für die die unerläßliche Wiederauffüllung geleerter Handelslager bescheidene Aussichten bietet. Eine spürbare Entlastung des kaufmännischen Stellen» Marktes ist durch das Weihnachtsgeschäft noch nicht eingetreten. Es ist zu i)offen,_ daß die von den Einzelhändlern geforderte und für verschiedene Regierungsbezirke Preußens genehmigte Freigabe des „Kupfernen Sonntags" gerade in diesen Ge­bieten zu der zugesicherten Mehreinstellung von Weihnachtsaushilfen führen wird. Der Auftrags­eingang und das Dermittlungsergebnis konnte um einiges gesteigert werden. Lehrstellenvermittlung: Beremzeft fteltten Arbeitgeber im Gegensatz zu ihren bisherigen Einstellungsgrundsätzen Mittel- und Volks schiller statt Abiturienten ein. Die Lage auf dem kaufmännischen Stellenmarkt wird gekennzeichnet durch die für die Kaufmännische Stellenvermittlung des Deutschnationalen Hand- lUngsgehilfen-Derbandes errechnete Andrangsziffer: 85,5 Bewerber auf eine neugemeldete offene Stelle im November 1931, gegenüber 86,8 tm Oktober 1931 und 39,3 im November 1930.

Von bet Mnkerhilfe.

Wie wir hören, hat die Bäckerei Werchrnüller, Petersberg, für die Winterhilfe der Stadt Fulda 100 Laib Brot gestiftet.

Schulungsveranstaltung für die chrifil. Arbeiter­schaft.

Das Kartell der christl. Gewerkschaften beginnt gemeinsam mit den kath. Arbeitervereinen am Freitag, dem 4. Dezember, abends 8 Uhr in der „Harmonie" mit seiner Schulungsvevansta>- tung. Die Veranstaltungen sind so gedacht, daß jeder Teilnehmer durch Äeußerung seiner eigenen Meinung und durch Fragenstellung die Abende recht interessant und lehrreich gestalten kann. Da gerade jetzt ein umfangreiches Wissen auf wirt­schaftlichem und sozialem Gebiete dringend erfor­derlich ist, wäre zu wünschen, daß die Arbeler- schast sich recht .zahlreich beteiligt. Auch die Mit­glieder der Jungmännervereine sind willkommen.

Befotbetung Schwerkriegsbeschädigter im Gepäck­wagen.

Die Ständige Tariftommisiion der Deutschen Eisenbahnen hat zufolge einer Anregung des Reichsverbandes Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener eine Aenderung des Deut­schen Eisenbahn-, Personen- und Gepäcktarifes da­hingehend beschlossen, daß bei Beförderung von Schwerkriegsbeschädigten, die wegen ihres Leidens im Gepäckwagen befördert werden müssen, eine be­sondere Vergünstigung hinsichtlich der Gebüh­renberechnung eintreten soll. Es bedarf hierzu neben der Zustimmung der Hauptverwal­tung der Deutschen Reichsbahn - Gesellschaft auch der Zustimmung der an dem Tarif beteiligten Privatbahn-Verwaltungen, doch dürfte nach einer Mitteilung der Deutschen Reichsbahn - Gesellschaft mit einem Widerspruch von dieser Seite kaum noch zu rechnen fein.

welche Eigenschaften ein guter Chauffeur besitzen soll

Das Reichsgericht hat sich mit einem Verfahren beschäftigt, in dem ein durch eine Kraftdroschke ver­ursachter Unfall eine Hauptrolle spielte. Der Klä­ger hatte durch Zusammenstoß mit der Kraftdroschke der Beklagten und zwar durch Verschulden des Führers der Kraftdroschke einen Unfall erlitten und forderte Schadenersatz, nämlich Heilungskosten. Verdienstausfall und künftige Rente aufgrund des Kraftfahrzeuggesetzes und des § 823 BGB. Das Landgericht bejahte den Anspruch dem Grunde nach. Mit der Berufung bekämpfte die beklagte Kraftdroschkenfirma ihre Haftung aus § 831 BGB. Der Kläger erklärte, daß künftiger Schaden nicht mehr in Frage komme. Das Berufungsgericht ver- neinte die Haftung aus § 831 BGB. und be­schränkte die Leistung nach § 12 Abs. 1 Ziff. 1 des Kraftfahrzeuggesetzes auf höchstens 1500 Mark jähr­lich. Die Revision des Klägers hatte Erfolg. Das Reichsgericht betonte, daß an den Entlastungsbe- beroets aus § 831 BGB. bezüglich eines Kraftfahr­zeugführers nach Auswahl und dauernder Beauf­sichtigung ftrenge Anforderungen zu stellen seien. Der Autohalter müsse darauf achten, daß der Fah­rer nicht nur die nötigen technischen Kenntnisse be­sitze, sondern auch die sonstigen Eigenschaften: Um­sicht, Besonnenheit, Nüchternheit, Achtung vor der öffentlichen Ordnung, der Persönlichkeit und dem Eigentum seiner Mitmenschen. Welche Maßnahmen dem Autohalter anzusinnen seien, richte sich nach

den Umständen. Allenfalls könne für ausreichend erachtet werden, daß die Kontrolle des Fahrers sich darauf beschränkt habe, daß die Beklagte regel­mäßig beim Schichtwechsel zugegen war und ge­legentlich Fahrten rnst dem Chauffeur machte. Wenn der ursprünglich erhobene Rentenanspruch sich während des Prozesses dadurch erledigte, daß mit weiterem Schaden nicht mehr zu rechnen fei, so sei der Schadenersatz nicht in Form einer GeD- rente, sondern in Form der Kapstalsorderung zuzu. sprechen. Die Meinung des BerufungsgerWs, daß jeder Anspruch in diesem Zusammenhang der Be­grenzung des § 12 Abs. 1 auf jährlich 1500 Mark unterliege, sei nicht zu billigen.

„Führer-Auslese".

Strafanzeige Dr. Bests gegen Schäfer wegen un­befugter Titelführnng.

Der nationalsozialistische Führer Dr. Best hat bei der hessischen Staatsanwaltschaft in Darmstadt gegen den bis zur Ueberreichung der Boxheimer Dokumente an den Frankfurter Polizeipräsidenten als nationalsozialistischen Führer und Landtags­kandidaten, tätigen „Dr." Schäfer-Offenbach An­zeige wegen unbefugter Titelführung erstattet. In der Begründung heißt es, Schäfer führte seit wenigstens einem Jahr den Doktor» titel Auf Befragen habe er angegeben, er habe im Jahre 1922 in Frankfurt die Doktorprüfung bestanden und den Titel erworben. Nachforschun­gen hätten jedoch ergeben, daß diese Angaben u n»

Kunstmaler Rudolf Schlestl f.

Im Alter von 53 Jahren verstarb am 30. No­vember 1931 in Nürnberg der Kunstmaler Rudolf Schiestl von der Staatsschule für ange- wandte Kunst.

Rudolf Schiestl wurde am 8. August 1878 in Würzburg als Sohn des aus Ziller (im bekannten Zillertal in Tirol) zugewanderten Bildschnitzers Schiestl geboren. Rudolf war der jüngste von drei Brüdern. Heinz, der Würzburger Bildhauer.« ist am 23. Februar 1867 in Zell am Ziller, Matthaus, der Münchener Maler-Profesior, am 27. März 1869 in Gnigl bei Salzburg geboren. Auf Anregung

Prof. Rudolf Schiestl.

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des bekannten Würzburger Verlags-, Kunst- und Buchhändlers Leo Wörl zog der Vater 1873 nach Würzburg und eröffnete in der oberen Johanni» tergaffe 11 eine Schnitzerwerkstätte. Seine Woh­nung war in der unteren Johannitergasse 16. Hier wurde Rudolf Schiestl am 8. August 1878 gebo­ren. ...

Seine Militärzeit verbrachte der junge Künstler, der nach des Vaters Nationlität zu dienen hatte, bei den Kaiserjägern in Innsbruck. Zu Kriegs­beginn erhielt er erst die deutsche Staatsangehö­rigkeit und kämpfte als „gemeiner" Soldat in der deutschen Armee. 1917 war er anstelle von Start Arnold Leiter der berühmten Silier Kriegszeitung Viele wertvolle Kunsterzeugnisse mußte Rudolf Schiestl, so erzähüe er oft, beim Rückzug zurück- lassen. . ri.

Nach Kriegsende kehrte Rudolf Schiestl wieder zu seiner künstlerischen Tätigkeit zurück, die er im Jahre 1910 als Vertreter des Herrn Prof. Deck- Gran an der städtischen Kunstgewerbeschule Nürn­berg ausgenommen hatte. Dort lehrte er Graphik, Buchschmuck, Plakatwesen usw.

Nun hat ein rascher Tod dem Geben des Künst­lers, der die fränkische Kunst um Schönes, Ernstes und Tiefes stark bereichert hat, jäh ein Ende ge­macht. Am 30. November 1931 erlag er in Nürn­berg einem Herzleiden, an dem er schon feit einem Jahr litt.

hatte er komisch verzweifelt dem Bauern Vorhaltungen gemacht.

„Dasselbe könnte ich Ihnen sagen. S i e sind der Fin­der, S i e haben mir das Gut erhallen, es genügt mir vollkommen, daß ich plötzlich durch Sie, Hollgarten, reich geworden bin. Es ist Ihr ehrlicher Antell, den Sie er­hallen haben. Und ich stehe ttotzdem noch in Ihrer Schuld. Reden wir nie mehr davon."

Hollgarten halle sich schließlich beruhigt. Das Ent­stehen des Werkes riß ihn mit. Ihn begeisterte die Musi- kalllät des Bauens, der Arbeit. So oft er konnte, kam er von Berlin herüber, um mit Mickenbecker und Stolpe zusammen zu sitzen und Pläne zu schmieden.

Stolpe war von der Arbeit, von seiner Arbeit, nicht fortzubringen. Er vergaß nie, daß ihm durch Hollgarten der Traum seines Lebens so schnell verwirklicht wurde: alleiniger, selbständiger Leiter eines Werkes zu sein. Er war besessen vom Schaffen. Nüchterner Techniker und Kaufmann, mit dem naiven Sinn eines Künstlers, der sich am Entstehen seines Werkes berauschen kann.

Nur den Bauer Mickenbecker packte das Kaolin-Fieber nicht. Zwar freute er sich, wie „mächtig" alles voranging. Fast liebevoll fühlte er oft die tonige Erde, ließ sie spiele- risch durch die Finger gleiten. Aber je mehr sich die Bag­ger dem Walde zufraßen, desto grüblerischer wurde der Bauer. Jede Lore, die „seinen" Boden davonschleppte, trug einen Teilt von ihm in die abgründige Ferne. Der Bauer fürchtete sich vor dem Augenblick, da sein Wald ernstlich bedroht fein würde.

Hollgarten, der einmal seine Gedanken erriet, tröstete ihn: „Wir werden vom Erlös wieder Wald zukaufen. Für jeden Quadratmeter Wald, der fällt, wird ein neuer Quadratmeter angepflanzt."

Der Bauer war ein wenig verlegen, daß Hollgarten seine Gedanken erraten hatte. Und war ihm dankbar, daß er einen Ausweg gefunden hatte. Außerdem freute es ihn auch, was die jungen Leute auf seinem Grund und Boden erstehen ließen. Denn das war ihm unb seinem Wald wesensverwand: das war Wachsen.

Hollgarten hätte sich zerreißen mögen, so viel Arbell stürmte auf ihn ein. Als Wollweber nach den Bedenk- tagen sich mit allen Bedingungen restlos einverstanden erflärt hatte, nahm er nach der Besprechung Hollgarten

am Arm, führte ihn durch die Räume der Bank, zelle ihm sein Privatkontor und ein daneben liegendes Zimmer: „Das ist Ihr Arbeitszimmer,Hollgarten, morgen stütz tre­ten Sie an. Den Kontrakt gebe ich Ihnen heute mit. Ich denke, Sie werden einverstanden und zufrieden (ein. So grundverschiedene Charaktere sind wir zwei ja nicht, daß wir uns nicht vertragen könnten."

Hollgarten war zufrieden. Erschien pünktlich am näch­sten Tag in der Bank. Und sah, daß er von Wollweber eine ungeheure Menge lernen konnte.

Der alte Kommerzienrat war der Typ des Vorkriegs­bankiers. Ein unerhört rastloser 2lrbeiter, geschickt im Verhandeln, begabt mit einer phänomenalen Witterung für Geschäft, Konjunktur und Menschen.

Nach außen hin war er ein Muster von Unauffällig- feiten. Wenn er in seinem grau-grünlichen Anzug über die Straße ging, hätte ihn kein Mensch für einen Bankier gehalten. Seine ganze Lebensführung war unglaublich bescheiden, da er vollkommen bedürfnislos war: Im­porten für die Kunden — er selbst rauchte eine 12 Pfen­nig-Mexiko.

Er beschränkte sich in seinem Geschäftsbereich, inter- effierte sich nur in kleinem Maße für gewiße Industrie­zweige. Fuhr nie den Großen der Börse ans Rad. Ging aber unbeirrt seinen Weg, scheute niemals einen Kampf. Er hatte, wie alle soliden Bankiers, einen ausgeprägten Sinn für Volkswirtschaft und war sich bewußt, daß Geld verpflichtet.

Er war nicht, wie manche Inflationsgewinnler, rasch in seinen Purpur hineingewachsen. Er half, wo er es ohne Gefährdung einer gesunden Geschäftsführung wa­gen konnte. Er hielt an dem Stamm seiner alten Kund­schaft fest — wenn es sein mußte, auch unter Beschrän­kung oder Opfer eines Gewinnes.

Er hatte schnell herausgefunden, warum Hollgarten von Mühlenkamp fortgegangen war: „Sie hatten kein Recht, so zu handeln, lieber Hollgarten, Sie haben Ju­stus Mühlenkamp, der Vertrauen in Sie setzte, getäuscht. Aber, Hand aufs Herz, vielleicht hätte ich an Ihrer Stell« genau dasselbe getan. Nur nehmen Sie sich in ad)t, der alle Mühlenkamp vergißt nicht, daß Sie ihm an den Karren gefahren sind."

(Fortsetzung folgt)