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Fuldaer Land und Nachbargebiek

= Horos b. Fulda. Man schreibt uns: Es war ein schöner Abend, den der hiesige Jungmännerver­ein am gestrigen Sonntag uns schenkte. Echt jugend­liche Frohsinn wechselte mit ernsten Lehren und Wahr­heiten in den Darbietungen des Abends. Schon die Be­grüßungsansprache des derzeitigen Präfekten Joseph Graue! traf den rechten Ton. Ganz besonders aber wußte der Festredner des Abends, der H. f). Pfarrer Mehlmann von Kämmerzell, in teils mit jugendlichem Humor gewürzten Ausführungen die aufmerksam lau­schenden Zuhörer für die ernsten und wichtigen Zwecke der katholischen Jugendoereine und ihre Notwendigkeit in heutiger Zeit zu begeistern. Der unterhaltende Teil des Abends war auf denselben Ton gestimmt. So wird das Märchenspiel „Die Zaubergeige" immer dankbare Zuschauer finden. Nicht weniger eroberte sich „Der ele­gante Autofahrer" im Sturm die Herzen. Das soziale Stück „Die neue Zeit" mit seinen ernsten Lehren und Hinweisen aus die mannigfachen Gefahren für die ar­beitende Jugend in der heutigen Zeit war außerordent­lich packend in seiner Lebenswahrheit. Dem Ganzen gab die treffliche Musik der verstärkten Vereinkapelle unter Leitung des Herrn Lehrers Hohmann den würÄ- gen Rahmen. Gewiß trägt der Abend dazu bei, in der Jugend wieder neuen Eifer für die edle Sache unserer Jugendvereine zu wecken, aber auch die Eltern auf die Notwendigkeit und den hohen Nutzen derselben für Fa­milie, Kirche und Staat hinzuweisen.

— Diekershan '’Sr. Fulda). Man schreibt uns: Ver­gangenen Sonnt > hielt der neue Herr Domkaplan Diel in unserer Filialgemeinde einen Lichtbilder- o o r t r a g über das Leben der hl. Elisabeth und über unsere gefallenen Helden im Weltkrieg. An Hand geeig­neter Bilder wurde der vollzählig erschienenen Gemeinde noch einmal das Leben und Wirken der Heiligen vor Augen geführt. Auch durch den zweiten Film wußte der Veranstalter die Zuhörer zu fesseln und das Geden­ken an die gefallenen Krieger wachzurufen. Umrahmt wurde dieser ernste Abend durch packende Musik-, Ge­dichts- und Gesangsvorträge. Unfernt neuen Seelsorger sei an dieser Stelle dafür herzlichst gedankt, daß er in dieser schweren Zeit seinen Psarrkindern wirklich schöne Stunden bot. Wir wollen hoffen, daß uns Herr Dom­kaplan Diel als ein wahrer „Volksseelsorger" noch recht lange Zeit erhalten bleibt.

Eifenbahn-Räuber vor Gericht.

verbrecherisches Treiben einer elfköpsigen Diebes- und Hehlergesellschafk.

— Burgsinn. Am 3. Juli ds. Js. ist auf der Bahn­strecke Elm-Gemünden in der Nähe der Station Burgsinn ein plombierter Eisenbahnwagen erbro­chen uni> daraus eine etwa 18 000 Zigarren ent- ballende Kiste entwendet worden, weiter ist das bei

Burgsinn gelegene Jagdhaus eines Offenbacher Fabri­kanten erbrochen worden, wobei den Tätern Betten, Wäsche und Lebensmittel in die Hände fielen. Noch andere Straftaten wurden verübt. Vor einigen Mona­ten gelang es den Bemühungen der Gendarmerie und des Eifenbahnkriminalbeamten Seng aus Hersfeld, Licht in die Diebes- und Hchlereiaffäre zu bringen, und als Diebe die drei Brüder Otto, Oskar und Richard Hahn, sowie den Arbeiter Gottlieb Druschel aus Burgsinn, sowie als Hchler und Begünstiger eine Anzahl Per­sonen beiderlei Geschlechts zu ermitteln. Verurteilt wur­den durch das zuständige Schöffengericht Würzburg wegen schweren Diebstahls unter Zubilligung mildernder Umstände: Otto Hahn zu 2 Jahren 9 Monaten Ge­fängnis unter gleichzeitiger Aufhebung des bedingten Straferlasses für die beiden zuletzt erhaltenen Strafen von 3 Monaten und 1 Jahr Gefängnis (die also auch zu verbüßen sind), Oskar und Richard Hahn zu je zwei Jahren Gefängnis, Gottlieb Drufdrel zu 1 Jahr 5 Mo­naten Gefängnis, wegen Begünstigung bezw. Hehlerei die Witwe Hahn zu 6 Wochen, Josephine Hahn zu 4 Wochen, Antonie Hahn zu 6 Wochen, Schmied Walter Diehl zu 10 Tagen, Tüncher Heinrich Brenner zu 1 Woche Gefängnis sowie Uhrmacher Werner Kleespieß zu 200 Mark Geldstrafe.

Aus Oberhessen.

— Marburg. Vor einigen Monaten waren aus der hiesigen Erziehungsanstalt drei junge Mädchen geflüchtet. Es stellte sich heraus, daß ihnen drei junge Burschen aus Ockershausen geholfen und die Mädchen einige Tage in einer Scheune untergebracht hatten. Die Tat sollte für die „Befreier" ernste Folgen haben. Das Ge­richt verurteilte jetzt einen der Täter wegen Uebertre- tung des Fürforgegefetzes und Sachbeschädigung zu fünf Monaten, die beiden anderen zu je zwei Monaten Ge­fängnis. __________________

Neues aus Frankfurt.

— 6,5 Millionen Fehlbetrag im städtischen Haus­haltsplan. In der Magistratssitzung am Montag er­stattete Stadtrat Dr. Müller den Wirtschaftsbericht über die erste Hälfte des laufenden Rechnungsjahres. — Nach den Ist-Zahlen ist für das gesamte Haushaltsjahr ein Fehlbetrag von 10,3 Millionen Mark zu erwarten, der sich aber um die Erträgnisse der erhöhten Bürgersteuer, sowie um die Ersparnisse bei den Personalausgaben er­mäßigt. Diest Ersparnisse belaufen sich auf insgesamt 3,8 Millionen Rm., sodaß noch ein Fehlbetrag von 6,5 Mill. Mark übrig bleibt. Der Fehlbetrag ist in erster Linie auf den Ausfall bei der Körperschafts-

Der Exkönig von Spanien besucht München.

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König Alfons von Spanien (Mitte) im Kreise der bayerischen Sönigsfamilie.

Hinten links (stehend) Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern, vorn links (sitzend) seine Gattin, eine Tante des spanischen Königs, vorn rechts (sitzend) Prinz Alfons von Bayern. Der ganze Kreis sieht sehr bürgerlich aus. Das Bild an sich würde nur wenige auf die Idee kommen lassen, daß es sich hier um Menschen handelte, die den ältesten und berühmtesten Herrschergeschlech­tern Europas entstammen. Die Königsromantik schwindet schnell in Zeiten der Weltwirtschaftskrise.

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steuer zurückzuführen, der sich allein auf zwei Mill. Mark beläuft, dann aber auch auf das A n st e i g e n der Wohlfahrtslaften.

— Der tapfere Schulhausverwalter. Als Sonntag abend der Verwalter des Kaiser Friedrich-Gymnasiums nach Hause kpm, fand er die Tür zur Schule offen. Im Direktorenzimmer trat ihm ein Mann mit erhobenem Revolver entgegen. Der Verwalter schlug ihm die Waffe aus der Hand und den Mann ju Boden. Im gleichen Augenblick tauchte aber noch ein zweiter Ein­brecher auf, der den älteren Verwalter auf die Erde warf. Danb aber verschwanden die beiden Kerle, ohne etwas gestohlen zu haben. — Von ihnen fehlt bisher jede Spur.

— Kampf mit verhafteten Einbrechern. In der Nacht zum Sonntag stellte ein Schupobeamter in der Großen Gallusgasst zwei junge Burschen, die sofort die Flucht ergriffen. Der Beamte verfolgte die beiden und konnte einen von ihnen festnehmen. Er fand bei ihm ein gan­zes Arsenal von Einbruchswerkzeugen sowie eine gela­dene Pistole. Einige Stunden später konnte auch der zweite Bursche ergriffen werden. Es handelt sich um den 17jährigen Schlosser Friedrich R. und den 19jährigen Schlosser Sch. Auch Sch. hatte Einbruchswerkzeuge und sogar zwei Revolver bei sich. Die beiden hatten einen Einbruch in eine Musikalienhandlung in der Goethe- straße gemacht und dort die Ladenkassen geplündert.

Freistaat Hessen.

— Offenbach. Ein 17jähriger Bursche, der in der Waldstraße wohnt, hat sich am Sonntagnachmittag nach einem Wortwechsel mit seiner Mutter mit einer Pistole in die Schläfe geschossen, so daß er in schwerverletztem Zustande in das Stadtkrankenhaus eingeliefert wurde. Dort ist er kurz nach feiner Einlieferung gestorben.

Aus der Zentrumspartei.

Die Zentrumsverfammlungen am letzten Sonntagnach­mittag 3 Uhr in Kämmerzell und abends 8 Uhr in Neuen berg, ebenso am Montagabend 8 Uhr in Bronnzell, haben unter starker Beteiligung einen sehr guten Verlauf genommen. In den drei Versamm­lungen hielt Landtagsabgeodneter F i n k-Wiesbaden ein Referat. Er sprach im ersten Teil seiner Ausführungen über die augenblickliche politische Lage, ausgehend von den Reichstagssitzungen vom 13.—17. Oktober, in denen es sich seitens der Opposition um den Sturz des Reichs­kanzlers Brüning handelte. Er schilderte Brüning als den Mann, zu dem das deutsche Volk das größte Ver­trauen haben kann. Im zweiten Teil wurden dann zahlreiche wirtschaftspolitische und im dritten Teil kul­turpolitische Zeitstagen behandelt. Das Interesse für die Ausführungen kam dadurch zum Ausdruck, daß die Anwesenden dieselben mit größter Aufmerksamkeit ent­gegengenommen haben und in der regen und sachlichen Aussprache. Zahlreiche Fragen, die aus der Not der Zeit herausgestellt wurden, sind eingehend besprochen wor­den. In dem Schlußwort des Redners forderte er, daß die Anwesenden dem Zentrum die Treue bewahren mö­gen, wie dieses in so glänzender Weise das Zentrum bei Den Hessenwahlen getan hatte. „Mit Gott für Kirche, Volk und Vaterland" wird auch in Zukunft die Parole des Zentrums fein. Die Versammlungsleiter schlossen dann mit herzlichem Dank an die zahlreichen Besucher, an die Diskussionsredner und den Referenten die Ver­sammlungen. _____________

Don den Hochschulen.

—' Einweihung des Erweiterungsbaues der Göksinger llniversiläts-Arauenklinik. Unter Beteiligung der Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden und der Ver­treter der Göttinger Universität wurde am Sonntag der Erweiterungsbau der Universitäts-Frauenklinik feierlich eingeweiht. Der Direktor der Klinik, Professor Dr. Martins, dankte dem preußischen Kultusminister für die Bewilligung der Baumittel. Der Kurator der Hniver- sttät, Geheimrat Balentiner, überbrachte die Grüße und Glückwünsche des preußischen Kultusministeriums.

Briefkasten der Schristleitung.

Nach Buttlar. Versehentlich ist die Antwort auf Ihre Anfrage in der gestrigen Nummer der Fuldaer Zeitung (277), die für den Briefkasten bestimmt war, unter „Zu­schriften aus unferm Leserkreis" geraten. Wir bitten Sie, an der angegebenen Stelle davon Notiz zu nehmen.

Bertlner Devisenkurse

27 November

80. November

Geld

Brie!

Geld

Brief

Newyork

4,2C9

4,917

4,209

4,217

Brüssel

68,49

58,61

68,49

68,61

Holland

168,93

t69,27

164,93

169,27

London

1b, 07

16,11

14,78

14,77

Paris

16,47

16,61

16,47

16,51

Schweiz

81,52

81,68

81,52

81,68

Spanien

36,56

36,64

35,66

85,64

Italien

21,68

21,72

21,68

21,72

Dänemark

89,42

82,58

81,17

81,33

Norwegen

80,42

8c,58

80,02

81,18

Schweden

82,67

82,83

81,42

81,58

Prag

12,46

12,48

12,46

12,48

Wien

58.94

59,€6

58,94

59,06

Bilder vom Tage.

Generalleutnant von Stülpnagel,

der bisherige Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreiskommando 3, tritt End» Dezember von seinem Posten zurück.

Sanchez Lerro,

seit dem letzten Staatsstreich vorläufiger Präfi« dent der südamerikanischen Republik Peru, ist jetzt mit überwältigender Mehrheit endgültig zum Prä. sidenten gewählt worden. _______

General Attnami,

der japanische K r i e g s m i n i st e r, 8er gegen­wärtig die japanische Politik entschechend bestimmt. Bekanntlich soll die Besetzung der Mandschurei gegen den Willen der nichtmilitäri­schen Mitglieder des japanischen Kabinetts durchgeführt worden sein. Es ist zweifelhaft, ob Japan seine Truppen jetzt von einem weiteren Vormarsch zurückhalten kann, oder ob der Brand im Fernen Osten weiter um sich greifen wird.

Schriftleiter: Dr. phil Johannes Kramer«

Verantwortlich für allgemeine und kommunale Po. littk Dr. phil. Johannes Kramer, für Heimat, In» genöblatt und religiöse Beilage Dr. oec pubL Jo­seph Sauer, für den übrigen Text Dr. rer. pol. Kari Au st ermann, ille in Fulda. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I Daraeller

Die Aufgaben der Ellsabelh-verelne

unler Lerücksichtigung der herrschenden Notlage

3] Von Frau Hertha Runkel, Vorsitzende des Reichsverbandes der Elisabeth-Vereine.

Es gilt nukimehr zu zeigen, wie die Familie ttotz der Kleinstwohnung, trotz aller widrigen Verhältnisse, doch noch Lebensglück und Zufriedenheit aus ihrem Heim schöpfen kann, bis die größere Wohnung vermittelt ist. Gut begründete Eingaben an das Wohnungsamt, per­sönliche Rücksprache mit den zuständigen Beamten, mft unseren Vertretern in den städtischen Kommissionen und im Stadtrat wären hier zu empfehlen. Wenn auch trotz aller Versuche, eine Wohnung zu vermitteln, zunächst kein Erfolg erzielt wurde, schon die "Tatsache, daß wir der Familie Hilfsbereitschaft bewiesen haben, ist der Mühe wert und wird uns unvergessen bleiben. Das Be­wußtsein, sich betreut zu fühlen, gibt unseren Befürsorg- ten moralischen Halt und Mut zur Ausdauer

Ein weiterer Grund zur Wohnungsenge liegt auch oft in der unpraktischen Einteilung der Wohnung Das Ver­ständnis, der praktische Blick der Elisabethschwester, kann manches zum Besseren wenden. Es muß hier zu einer vernünftigen Raumausnützung angeleitet werden. Wir können aufmerksam machen, ob ein überflüssiges Möbel­stück zu Diel Platz einnimmt, ob nicht durch Umstellung, vielleicht geschicktes Aufstellen von Schränken, aus einem größeren Raum ein Wohn- und Schlafzimmer gewon­nen menten kann (ich denke da besonders an die großen Mannschaftszimmer in den Kasernen, die Wohnzwecken dienen).

Es wird auch notwendig sein, der (Einteilung der Schlafgelegenheiten besondere Aufmerksamkeit zuzuwen­den. Die Heranwachsenden Kinder müssen nach Geschlecht getrennt werden Die Hausfrau muß gezeigt bekommen, wie sie auch den kleinsten Raum nutzbar machen kann. Eine Vorbedingung ist natürlich die Reinlichkeit und der Ordnungssinn. Sie müssen sich ergänzen. Mit einfach­sten Mitteln kann oft schon durch Anbringung lichter Vor­hänge, durch die nun ungehindert hereinscheinende Sonne, das Zimmer in der beschränkten Wohnung freundlich gestattet werden. Ja, es ist gerade hier in der engen Wohnung besonders auf diese Dinge zu achten. Eine geschickte Hausfau kann trotz der kleinen Räume ein Heim schaffen, in dem sich die Ihren glücklich fühlen, wohin sie immer wieder mit Freude zurückkehren, weil sie daheim ausspannen und neue Kräfte sammeln' können für den rastlosen Lebenskampf. Die Wärme, die Freundlichkeit und der seelische Inhalt der Häuslichkeit wird auch das Familienleben dort mit Glück und Zuftiedenheit erfüllen.

In andauernder, geduldiger und kluger Weise wird die Eftsabethfrau ihre betreute Mitschwester dazu er­ziehen.

Zur Wohnungsnot gehört auch noch die Verwahr­losung der Wohnung. Darauf wird die Eftsabethfrau ihr besonderes Augenmerk richten. Ein Rat an die Mut­ter, wie das Ungeziefer entfernt werden kann, ein Aus- tünchen der Räume, selbst, wenn die Konferenz einmal

die Kosten übernehmen müßte, kann manchem Hebel« stand und der gesundheitlichen Schädigung der Famllie abhelfen. Ein Antrag am Fürsörgeamt um finanzielle Beihilfe wird meistens von Erfolg sein.

Eine weitere Zeitnot, die sich hauptsächlich auswirkt für die Familie, ist die Arbeitslosigkeit. Es entspringen ihr nicht nur Verarmung; ihre traurigen Folgen sind mannigfaltig: Unterernährung — Verelendung der Fa­milien — Mangel an Lebensnotwendigkeiten, wie Bet­ten, Wäsche, Schuhe, Kleidung — ständiger Mißmut von Mann und Frau — Gefährdung der ehelichen Liebe und Treue — allmähliche Arbeitsscheu — Trunksucht und Schlimmeres infolge des Müßigganges, der aller Laster Anfang ist.

Wenn auch hei der allgemeinen Arbeitslosigkeit eine Hilfe fast aussichtslos erscheint, so darf doch die Elisa- bethfrau keine Möglichkeit außer acht lassen, um die Lage dieser Familien zu erleichtern. Durch persönliche Fürsprache beim Arbeitsamt, bei d-u karitativen Stel­lenvermittlungen oder bei einzelnen Familien läßt sich gar manchmal, wenn auch nur für kürzere Zett, eine Ar­beitskraft unterbringen, z. B. als Holzhacker, Gepäck­träger, als Gartenarbeiter, als Putz- ober Waschfrau. Auch bei Durchführung von Brockensammlungen kann man manchen beschäftigen: beim Sammeln selbst, bei Instandsetzung von Wäsche — Kleidung — Schuhen — Spielzeug u. a. m.

Ist Beschaffung von Arbeit ganz unmöglich, so wird der Elisabethverein in Verbindung mit anderen Organi­sationen sorgen für Beschäftigung der Arbeitslosen durch Einrichtung von Lehr- und Fortbildungskursen, Lesehal­len, Wärmestuben für den Winter. Manchen Schritt können wir hier tun durch Aufspüren geeigneter Hilfs­kräfte, Beaufsichtigung, Sammlung der nötigen Mittel; vielleicht auch beim Vorlesen, bei Vorträgen irgend wel­cher Art, selbst tätige Mithilfe leisten.

Sehr zu empfehlen ist hier die sogenannte zwette Le­sung. Man sammelt katholische Zeitungen, gute Zeit­schriften und Bücher und gibt sie in die Familien. Wich­tig ist es hier besonders, daß die Leute die Zeitung spätestens am Tag nach der Ausgabe erhalten. Wie vielen Menschen, die heute nicht mehr imstande sind, sich die kleine Ausgabe für eine Zeitung zu leisten, könn­ten wir eine Freude bereiten, wenn wir unser gelesenes Blatt, statt es am Abend zum Verbrennen wegzulegen, einem armen Mitbruder zuschickten. Ein Briefumschlag, eine 5 Pfennig-Marke und ein Gang zum nächsten Brief­kasten wäre kein zu großes Opfer. Jedenfalls kämen auch viele Arbeitslose gerne, um sich die Zeitung regel­mäßig abzuholen.

Die Eftsabethfrau ist auch in erster Linie berufen und befähigt, Mitarbeiterin zu fein, wenn es gilt, durch die Winterhilfe deutsche Not zu steuern, gerade in den

kommenden Monaten, die nach dem Ausspruch des deut­schen Reichskanzlers die schlimmsten sein werden, die wir erleben.

Eine Hauptaufgabe der Elisabethschwester ist sodann die Fürsorge für die notleidende Mutter. Hier kommt zunächst in betracht die werdende und stillende notlei­dende Mutter. Ms Frau und Schwester wird sie dieser besonderes Verständnis entgegenbringen, ihre schweren Sorgen verstehen und mit besonderer Bereitwilligkett chr Hilfe schaffen. Gegenüber den modernen Anschauungen, wie sie aus dem Neo-Malthusianismus (Rationierung der Geburten) entspringen, wird sie in geeigneten Be­sprechungen mit der Mutier Hinweisen auf die Pflicht, die Eheleute durch freien Willensentschluß übernommen haben; sie wird sie davon überzeugen, daß das Kind ein Geschenk Gottes ist, daß es notwendigerweise zur Fa­milie gehört, und daß durch das Kind das persönliche Verhältnis zwischen Mann und Frau gefördert und ver­tieft wird und damit auch die Liebe und Treue; daß guterzogene Kinder Stolz und Glück der Ellern sind und im Alter deren Stab und Stütze werden.

In erster Linie ist es notwendig, daß wir — soviel in unseren Kräften steht — der werdenden Mutter die Sor­gen tragen helfen, die ihr durch das zu erwartende Kind­lein erwachsen. Wir wissen alle, wie überaus gedrückt und traurig die Lage der Mutter in den unbemittelten Familien ist. Es ist nicht nur die Sorge um das täg­liche Brot ober um die Beschaffung der Säuglingswäsche, es ist auch die Mutlosigkeit. die eine solche Frau oft ergreift, besonders wenn schon eine ganze Schar, teils kleiner, teils größerer Kinder vorhanden ist. Freilich ist schon ost viel geholfen, wenn die Nahrungssorge ge­bannt werden kann. Es ist sehr zu empfehlen, gerade der hoffenden Mutter öfters bei einem liebevollen Besuche auch ein Paket mit Lebensrnitteln zu verabreichen, ihr vielleicht auch für mehrere Wochen vor der Entbindung die tägliche Milch zu schicken. Sie wird natürlich alles zuerst ihren Kindern geben, aber das tut sie auch, wenn wir nichts gebracht haben, und etwas mehr kann sie sich doch an Nahrung gönnen, wenn sie weiß, daß sie öfters auf Hilfe rechnen darf.

In vielen Fällen fehlt es dann natürlich auch an der allernotwendigsten Wäsche für Mutter und Kind. Hier kann die Eftsabethfrau helfen durch Vermittlung von Wäsche bei der städtischen Säuglingsfürforge, wo sich eine solche befindet; sie macht Familien in ihrem Be­kanntenkreise aufmerksam, daß es weit wichtiger ist, in der jetzigen Not zu helfen, als die Kinderwäsche für einen etwaigen späteren Gebrauch (z. B. für Enkelkinder) jahre­lang in Schränken aufzubewahren. Aus Mitteln der Kon- strenz wird für die werdende Mutter ein hübsch zusam­mengestelltes Paket mit den notwendigsten Stücken be­schafft. Es werden Wanderkörbe eingerichtet und auf die Dauer mehrerer Wochen zur Verfügung g-stellt.

Eine weitere Sorge der werdenden Mutter sst die Versorgung chres Mannes, ihrer Kinder, ihres Haushal­tes überhaupt, während ihres Wochenbettes. In solchem Falle wird die eingerichtete Hauspflege unendlich viel Gutes wirken. Natürlich muß auch Sorge getragen wer­den, daß die Wöchnerin und ihre Familie träftige und geeignete Kost erhält.

Bei besonderer Gefährdung der Mutter, oder bei gro­ßer Wohnungsenge muß natürlich rechtzeitig für Heber­weisung der Frau in ein Krankenhaus ober Wöchnerin» nenheim gesorgt werden. Der modernen Art jedoch, ohne zwingende Notwendigkett die Geburt aus der Häuslichkeit in die Klinik zu verlegen, muß im Interesse des Fami­liensinnes entgegengetreten werden.

Naturgemäß ist die Frau während der Zeit des Wo­chenbettes besonders zugänglich. Deshalb sollte diese Zett zu persönlichem Näherkommen ausgenützt werden, durch häufige Besuche, bei denen man die Mutter zum Guten beeinflußt; mancher Fehler in der Pflege des Säuglings und in der Erziehung der Kinder kann bei dieser Gele­genheit behoben werden.

Ueberaus wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit den Hebammen. Die Eftsabethfrau wird mit ihnen im­mer Verbindung suchen und unterhalten; schon im Auf­finden verborgener stiller Not können sie wertvolle Hilfe werden; sie können uns frühzeitig auf die hoffende Mut- ter aufmerksam machen und werden — wenn sie mit katholischem Leben innig verknüpft sind — wertvolle seelische Beeinflussung auf die Wöchnerin ausüben.

Deshalb werden wir auch stets eine gewisse seelsorg- liche Beeinflussung der Hebammen im Auge haben.

Auch wenn wir alle äußere Not abstellen konnten, wir blieben doch ein niedergehendes Volk, wenn die Anschau­ungen des Neo-Malthusianismus, die schon vielfach bei uns verbreitet sind, nicht beseitigt werden. Wie unerbitt­lich und herzlos weisen oft Hausbesitzer Familien mit Kin­dern zurück, mit kaltem Hohn auf den Kinderreichtum. Wie vielen Verspottungen ist die werdende Mutter ost ausgesetzt, wie wird sie um chre „Dummheit" angesehen, und wie viele sogenannte „gute" Ratschläge werden chr erteilt.

Wie oft auch ist der Geburtenrückgang zurückzuführen auf die Weigerung der Frau, die Beschwerden und Opfer der Mutterschaft zu Übernehmen. Vergnügungstaumel — Freiheit der Bewegung — gesellschaftliche Repräsen­tation — selbst "Sport — sind oft genug äußerer Beweg­grund, das Kind zurückzuweisen. Unb so greifen viele zu Präventio-Mitteln, um die Schwangerschaft zu verhüten, veranlassen selbst Hnterbrechung derselben. Sie bedenken nicht, daß, abgesehen von der schweren Sünde, mit der sie ihr Gewissen belasten, Gesundheitsstörungen schwerster Art, jahrelanges Siechtum, frühzeitiger Tod die Folgen solchen Handelns sind. Gerade diesem Punkte wird die Elisabethftau chr besonderes Augenmerk zuwenden, well aus ihm so großes körperliches — seelisches — soziales Elend entspringt. Ihre schwesterliche Liebe wird sie sicher die rechten Worte finden lassen. Sie weist auf die katho- lischen Ehe- und Mütterberatungsstellen hin.

Gar oft ist für eine Frau und Mutter, zu deren Er­holung, ja, Rettung, die Verbringung in eine Erholungs­stätte angebracht. In Erwägung dieser Notwendigkett wurden von unserer Seite mehrere Mütter-Erholungs­heime errichtet. Die Finanzfrage muß notwendigerweise zuerst geregelt fein. Zuschüsse geben die Orts- undBettiebs- krankenkassen. die Reichsbahn die Füriorge-Aemter, die Lungenfürsorgestellen. Diese sind zunächst zu erwirken. Etwaige Leistungen der eigenen Familie oder freiwilliger Wohlfahrtseinrichtungen sind in Betracht zu ziehen.