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lahtg. 58.

MNwoch, 2. Dezember 1931.

Nr. 278

>ritijriiu ledjsmal wöchentlich Wvchenbeilagen: „Die Welt >m Bild' und Buchenblälter' Botutionsdruck und Berlap oer rtulöaer iflctienbrucferei in Hulda Fernrute: ädjrift- •• leitung 3153 Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 31-52. n

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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Ser Endkamps um hie Reparationen beginnt.

Das ist das eigentlich Entscheidende in den Reparationsverhandlungen, die mit dem Zusam­mentritt des Beratenden Sonderausschusses in Basel am 7. Dezember as'”" : :in werden: es geh: letzten Endes nicht um die Beseitigung akuter Schwierigkeiten im Reparationsmechanismus; man steht vielmehr mitten in einer Krise des ge- samten S y st e m s der Reparationen und Kriegs­schulden — und sucht einen Ausweg aus der heil­los verworrenen Lage. Die vergangenen Monate haben alle Einsichtigen unzweideutig gelehrt: die bisherige Reparationspolitik, eine Politik der Un­vernunft und des kurzsichtigen Eigennutzes, hat in eine Sackgasse geführt. Londoner Ultimatum, Da- wesplan, Poungpkan — alle diese Zahlungs­schemen haben sich als undurchführbar erwiesen, alle Lösungsversuche sind gescheitert und mußten scheitern, weil sie, als Zwangssystem dem freien Spiel der weltwirtschaftlichen Kräfte aufgezwungen, naturnotwendig zum wirtschaftlichen Niedergang der Völker führten. Solange die politischen Zwangs- zahlungen mit bleierner Schwere auf dem inter­nationalen Handel lasten und die Weltwirtschaft in ihrer freien Entfaltung lähmen, ist kein Auf­stieg, keine Ueberwindung der Krise, dieses Welt­übels, denkbar.

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Die Völker stehen an einem Scheidewege: nicht ein neuer, von vornherein als hoffnungslos stig­matisierter Lösungsversuch des an sich unlösbaren Reparationsproblems kann ins Freie führen; es ist vielmehr an der Zeit, einen Schlußstrich unter das bisherige System politischer Zwangszahlungen zu setzen. Trotz wachsender Einsicht in weiten Teilen des Auslandes regen sich jedoch, darüber dürfen wir uns nicht täuschen, starke Kräfte, die diesen entscheidenden Schritt — er würde nicht nur Deutschland nützen, er läge auch im wohlver­standenen Interesse der Gläubigerländer — zu ver­hindern oder doch hinauszuzögern bemüht sind. Wohl scheint man geneigt, im Hinblick auf die furchtbare Rot in Deutschland, das Zahlungsschema des Poungplanes aufzulockern und Entlastungen sür die Dauer der Krise zu gewähren; grundsätzlich will man jedoch auf seinen vermeintlichen An­spruch auf die deutschen Reparationszahlungen nicht verzichten, will das „Regime des Poung- ptanes" aufrecht erhalten. In dieser Auffassung beharrt vor allem die öffentliche Meinung Frank­reichs. Es wird also in den kommenden Wochen und Monaten, aller Voraussicht nach, eines schwe­ren und zähen Ringens bedürfen, um in diesem Widerstreit der Meinungen und Interessen Deutsch­lands Lebensinteressen zu wahren.

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An einem entscheidend wichtigen Problem wird die Reparationsdebatte diesmal nicht Vorbeigehen: an der privatwirtschaftlichen Verschul­dung Deutschlands an das Ausland. Es war einer der inneren konstruktiven Fehler des Poung- plans, daß er im Jahre 1929 auf die Auslands­schulden der deutschen Wirtschaft keine Rücksicht nahm. Damals bereits waren diese Auslandskredite auf eine Höhe von vielen Milliarden angewachsen — in erster Reihe eine Folge der gewaltigen Repa­rationssummen, die auf Grund des Dawesplanes jährlich gezahlt werden mußten, die aber von der Seschwächten und kapitalarmen deutschen Wirt­haft aus eigener Kraft nicht bestritten werden konnten. Der Poungplan hat also nichts anderes getan, als eine Riesenlast politisch bestimmter Zah­lungen auf eine bereits gigantisch hohe privat­wirtschaftliche Verschuldung getürmt. Dieses Pro­blem der privaten Verschuldung Deutschlands in seiner naturbedingten Verflechtung mit dem Sy­stem politischer Zwangszahlungen wird jetzt, nach so viel bitteren Erfahrungen, in die Reparations­debatte einbezogen werden müssen. Mit größtem Nachdruck weist das dem Antrag auf Einberufung des Baseler Sonderausschusses beigegebene Memo­randum der deutschen Regierung auf diese Not­wendigkeit hin.

Aach Ilandius Besuch in London.

Die privaten und geheimen Unterredungen zwi­schen dem französischen Finanzminister Flandin, dem englischen Außenminister Sir John Simon, dem Handelsminister Ranciman und dem Schatz­kanzler Sir Neville Chamberlain beschäftigen die Oeffentlichkeit sehr.

Flandin unterrichtete, wie die „Times" berichtet, die Vertreter der französischen Presse vor dem Essen dahin, daß sein Besuch rein privater Natur sei. Er habe nicht die Absicht, Verhand­lungen zu führen und werde auch nicht die Frage der englischen Zolltarife erörtern. Hinsichtlich der finanziellen Fragen werde er sich auf eine Er­läuterung des französischen Standpunktes beschrän­ken, wie er von dem Ministerpräsidenten Laval in der Kcunmerrede dargelegt worden sei. Die fran­zösische Regierung habe den Wunsch, mit der eng­lischen zusammenzuarbeiten, um eine Lösung der Krise zu finden, die durch die deutsche Zah­lungsunfähigkeit verursacht worden sei.

Flandin ist wieder nach Paris zurück­gekehrt.

Kongretz tritt zusammen.

Die Haltung Amerikas ist nicht ermutigend.

wtb London, 1 Dez. (Eig. Meldg.). Zu dem bevorstehenden Zusammentritt des amerikani­schen Kongresses bemerkt der Times-Korre- spondent in Washington, die Lage sei sehr entmu­tigend. Die Aussichten des Präsidenten Hoover seien schlecht, und ebenso schlech-t seien dieAusstch ten auf eine liberale Haltung des Kongresses in der Frage der Schulden zwischen den Regierungen.

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In politischen Kreisen der Niederlande verlau­tet, daß von englischer Seite den Haag al- Ta­

gungsort der Reparationskonferenz vorgeschlagen werde. Auch Deutschland und Italien hätten sich für den Haag ausgesprochen.

vermillluugsvorschlag an Hoover.

wtb. Newyork, 1. Dezember. (Eig. Meld.) „Herald Tribüne" verbreitet eine Copy - Write- Meldung aus P a r i s, wonach einflußreiche Kreise der B.J. Z. den Vorschlag in Erwägung ziehen, den amerikanischen Präsidenten Hoover aufzufor­dern, den Vorsitz bei der Konferenz zu über­nehmen, die die Annahme und die Ausführung der Vorschläge beraten soll, die vom Poung- plan-Komitee wegen der deutschen Zahlungsfähigkeit unterbreitet werden.

Ein amerikanischer Publizist über die Lage in Europa.

Aus dem Buch des Publizisten Frank Simonds „Kann Europa Frieden halten?" bringen New Yorker Blätter einen Auszug. Der Verfasser, der anderchalb Jahre in Europa gelebt hat, spricht die Ueberzeugung aus, daß der Frieden auf dem europäischen Kontinent so wenig gesichert sei wie vor Ausbruch des Weltkrieges. Das liege hauptsächlich an der P a r i s e r F r i e - denskonferenz, die nicht die Vorbedingungen für eine internationale Zusammenarbeit, sondern einen immer weiter gesteigerten Nationalis­mus schaffe. Es trete eine immer größere Verarmung der Bevölkerung ein. Die Bezahlung der Kriegsschulden und Reparationen sei daher völlig ausgeschlossen.

Don der ReichspolMk.

Wie die „DAZ." erfährt, steht eine Neu­regelung der Zollermächtigung durch Notverord- nung unmittelbar bevor.*

Die kommuni st ische Reichstagsfraktion hat die Einberufung des Reichstages für Freitag, den 4. Dezember, beantragt. Es soll zu der wirtschaft­lichen und finanziellen Lage und zu den bevor­stehenden neuen Notverordnungen sowie zu den hessischen Vorgängen Stellung genommen werden. Auch soll eine außenpolitische Aussprache unter besonderer Berücksichtigung der Lage im Fernen Osten erfolgen. Im Zusammenhang mit diesem Antrag haben die Kommunisten die sofortige Ein­berufung des Aeltestenrates zur Beschlußfassung über diesen Antrag beantragt.

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Unter der Ueberschrift „Hitler und Zen- trum" befaßt sich im „Völkischen Beobachter" Adolf Hitler mit den Behauptungen, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei m Verhandlungen mit dem Zentrum stehe zum Zwecke des Eintritts der NSDAP, in die Reichsregierung. Hitler erklärt, alle diese Meldungen seien von Anfang bis zu Ende frei erfunden, und zwar zu dem Zwecke, die nationalistische Bewegung, vor allem in den Augen der d e utsch nati onalen Wählerschaft, wenn irgend möglich zu diskreditie­ren. Er möchte sich sowohl die Belehrungen als auch die Besorgnisse dieser Herrschaften ein für allemal verbitten. Wenn in Deutschland das heutige System gestürzt werde, dann werd« die Kraft, die diesen Sturz herbeiführe, nicht die Deutschnationale Partei oder chre Presse gewesen sein, sondern ausschließlich der Nationalsozialismus.

Peinlich für die „Kasseler Post"!

Parteiberatungen der Dsittschnattonalen und Sozialdemokraten.

vdz. Berlin, 1. Dezember. (Eig. Meld.) Im Reichstag trat am Dienstagvormittag der deutsch- nationale Parteivorstand zusammen, um die am Mittwoch beginnende Parteivertreter-Tagung vor­zubereiten. Der wichtigste Gegenstand dieser Tagung ist die Neuwahl des Parteivorsitzenden. Die Wiederwahl Dr. Hugenbergs gilt jedoch als sicher. Zur gleichen Zeit trat tm Reichstag der sozialdemokratische Par­te i a u s s ch u ß und die soziawemokratische Reichs­tagsfraktion zu einer gemeinsamen Sitzung zusam­men, in der organisatorische Fragen beraten wur­den. Wichtiger ist die Fraktionssitzung der Sozial­demokraten, die am Nachmittag stattfindet und m der der Frattionsvorsitzend« Dr. Breitscheidt einen ausführlichen Bericht über alle schweben­den politischen Fragen geben will. Man vermutet, daß der Abmarsch der Sozial­demokraten aus der Tolerierung des Kabinetts Brüning eingeleitet werden wird.

Die Pensions-Kürzungen.

DDZ. Berlin, 1. Dez. (Eig. Meld.) Der Haus­haltsausschuß des Reichstages setzte die Beratung der über di« Pensionskürzung vorliegen- Anträge fort. Als Grundlage der Beratungen diente der Regierungsentwurf über das Penfions- kürzungsgesetz.

§ 3 wurde mit einigen Abänderungen in der Form angenommen, daß ein Ruhegeld-Empfänger, der im öffentl. Dienst wieder verwendet ist. seine Ruhegeld nur erhält, als das neue Einkommen hin­ter dem Diensteinkommen zuriickbleibt, ans dem sein Ruhegeld berechnet ist; hierbei sind jedoch örtlich abgestufte Einkommensteile mit den für den Ort der Verwendung maßgebenden Sätzen zu berück­sichtigen. Was bei dem neuen Einkommen als

Dienstaufwandsgeld anzusehen ist, wird in den Ausführungsbestimmungen geregelt. Bei der Er­klärung der Beschäftigungen, die als eine Wieder­verwendung im öffentlichen Dienst anzusehen sind, ist nach der Beschlußfassung von der Aufzählung dieser Beschäftigungsmöglichkeiten Abstand genom­men und auch die bereits im § 2 generell getroffene Definition des öffentlichen Dienstes Bezug genom­men worden.

§ 4 wurde in einer von sozialdemokratischer Seite beantragten neuen Form angenommen. Wenn ein Ruhegeldempfänger neben seinem Ruhe- gell» ein nicht unter die sonst geltenden Ruhe- Vorschriften fallendes Einkommen (Anrechnungs­einkommen) bezieht, so wird sein Ruhegeld nach den in den folgenden Paragraphen festgesetzten Vorschriften gekürzt. An Anrechnungseinkommen gilt dabei das gesamte Einkommen im Sinne des Einkommensteuergesetzes.

§ 5 war bereits in einer früheren Sitzung in der Form angenommen worden, daß das Anrech­nungseinkommen bis zu 4000 Mk. jährlich kür­zungsfrei bleibt.

Nach § 6 wird von dem übrigen Einkommen die Hälfte am Ruhegeld gekürzt. Auf sozialdemo­kratischen Antrag wurde beschlossen, daß eine Kür­zung aber eintritt, wenn Ruhegeld und Anrech­nungseinkommen -7000 Mark im Jahre übersteigen. Die Regierungsvorlage hatte hier eine Grenze von 9000 Mark vorgesehen.

Nach § 7 erhöhen sich die kürzungsfreien Be­träge für jedes Kind noch um weitere 600 Mark.

§ 8 verpflichtet die Steuerbehörden, den zu­ständigen Regelungsbehörden Auskunft über die Höhe des Anrechnungseinkommens zu geben. Die Regierungsvorlage wollte hier noch Ausführungs­bestimmungen zulassen. Der Ausschuß stttch jedoch diese Ermächtigung.

Frankreich und der Baifan.

wtb. Sofia, 1. Dez. (Eig. Meldg.). An dem französischen Konsulatbüro in Küstendil sind für Frankreichs beleidigende Zuschriften angebracht, so­wie mehrere Fensterscheiben zertrüm­mert worden. Der französische Gesandte hat eine Protestnote überreicht und auch gegen die Cam­pagne der bulgarischen Presse gegen Frankreich Protest erhoben.

Schwere Arbeit für Frieden.

Eine infetfonfeffionelle Abrüstungs-Kundgebung.

Die „Arbeitsgemeinschaft* der Konfessionen für den Frieden veranstaltete in Berlin in. AnwesKi- heit zahlreicher Regierungsvertreter, Mitglieder des diplomatischen Korps und führender Persön­lichkeiten der Finanz und Industrie eine große öffentliche Kundgebung für die Abrüstung. S u - perintendent Ungnad, der erste Vor­sitzende des Evangelischen Friedensbundes, führte in feiner Eröffnungsansprache aus, die Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft soll, ähnlich wie die Pariser Abrüstungskonferenz, einen Auk- takt zu der im Februar bevorstehenden offiziellen Abrüstungskonferenz bilden. Das Thema „A b - rüftung als religiöse Forderung" be­handelte D. Otto Piper, Prof, der evangelischen Theologie an der Universität Münster. Di« Ab­rüstung, so führte er aus, müsse unter dem Gesichts­punkt des Wohles der Nation betrachtet werden, wobei die Frage, was unter wahrem Wohl zu verstehen sei, nur vom Standpunkt einer Weltan­schauung aus beantworte werden könne. Daran anknüpfend behaüdelte er das theologische Problem Gott und S aat im H'n M auf die zur Diskussion stehende Frage. Prof. Georg Bern­hard, der nächste Redner, betonte die Gefahr für die gesamte europäische Zivilisation, die durch die neuen Bahnen der Kriegstechnik entstanden sei. Gott habe nicht gewollt, daß die Menschen die Mit­tel des Geistes in den Dienst der Zerstö­rung stellen. Dominikanerpater Fran.

Der in Wirtschaftsfragen eine unbestrittene Au. torität genießende Jesuitenpater Dr. theol. Oswald v. Nell-Breuning, Hochschulprofessor in Frankfurt a. M., hat vor dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller am 26. November 1931 im Ple­narsitzungssaale des ehemaligen Herrenhauses in Berlin einen Vortrag über das Thema gehalten: „Schuldnermoral und Gläubigermoral". „Schul­den haben", so führte er aus, „ist ein bemitleidens- würdiges Unglück vor dem der Mensch bewahrt aus dem er möglichst bald befreit, in dem er mit allem Schutz, mit aller nur erdenklicher Rücksicht und Fürsorge umgeben werden soll."

Professor v. Nell-Breuning machte dabei des weiteren folgende sehr bemerkenswerte Aeußerung:

„Wenn heute die Frage der Stillhaltung eine so übermäßige Rolle fpielt, so gibt dies Anlaß, nicht bloß die Gebarung der Schuldner unter wirtschaft- lichen Gesichtspunkten, sondern ebensosehr das Ver­halten der Gläubiger unter der Rücksicht von Treu und Glauben einer Ueberprüfung zu unterziehen

Wir haben eine innere und eine äußere Still­haltefrage. Das nötigt zur Feststellung einer recht beftemMicben „doppelten Moral". Jedenfalls aeht es nicht an, im internationalen Geschäft Treu und Glauben, kaufmännische Ehrenhaftigkeit und Vor­nehmheit zu erwarten, im Verkehr mit dem Ge­schäftsfreunde innerhalb der heimatlichen Grenz- pfähle aber sie für überflüssig oder gar unange­bracht zu erachten."

Von größtem Interesse waren schließlich die Ausführungen des genannten Gelehrten über die Möglichkeiten der Ueberwindung der gegenwärti­gen Schuldenlast. Dazu sagte er folgendes:

ziskus Stratmann widmete sein Referat dem Gedanken, daß das religiöse Frieden--streben den Glauben an seinen Sieg nie aufgeben dürfe. Wesentlich fei, daß eine sich dem deutschen Rü- stungsstand allmählich angleichende Tendenz sicht­bar werde. Gelinge es nicht, diese Forderung durchzusetzen, so müsse das religiöse Trachten un­beirrt dafür kämpfen, daß aus dieser Enttäuschung heraus nicht die Forderung nach Ausrüstung die Oberhand gewinne.

Das Schlußwort sprach Direktor Oskar Was­sermann, der seinen Ausführungen die These: „Ideal müsse sein, nicht für das Vaterland sterben und töten, sondern leben und arbeiten" un­tergelegt hatte. Nicht Gewalt, sondern Gerechtig­keit, nicht Haß, sondern Menschenliebe, so diene man seinem Gotte, seinem Lande und sei­nem Volke.

Das „Aktionskomitee für den Frieden".

Aus Paris wird gemeldet:

Das Aktionskomitee für den Frieden hat be­schlossen, am 9. Dezember eine Kundgebung g e- gen die Sabotie rung der Abrüstungs- tunbgebung im Trocadero zu veranstalten.

„Die Bitarn von Boxheim".

Der Leiter der Deutschnationalen Pressestelle, Hans Brosius, veröffentlicht im „Tag" einen Artikel unter der Ueberschrift „Die Bilanz von Boxheim", in dem er nach einer Schilderung der bekannten Vorgänge in Hessen grundsätzlich dazu Stellung nimmt. Er führt u. a. aus: Der Vorgang habe aber noch eine andere Seite, die nicht nur die Nationalsozialisten, sondern die ge­meinsame Sache der nationalen Front angehe. Erstens sei das Dokument des Dr. Best nicht von irgendjemand, sondern von einem Führer ver- faßt worden, der gerade eben zum Abgeordneten gewählt worden fei. Zweitens fei der Denun­ziant ein Mann, der führend in der national­sozialistischen Partei tätig gewesen und jetzt zum Abgeordneten gewählt worden fei, als Urkunden- fälschsr entlarvt worden.

Das ist es, so führte Brosius weiter aus, was die gesamte nationale Front angsht, die es unmittelbar be­trifft, das Problem der Führerauslese. Eine so gewaltig angewachsene Bewegung, wie die national­sozialistische, kann sich nicht davor schützen, daß Min­derwertiges sich anhängt. Sie kann und muß aber dafür sorgen, daß sie vor Führern bewahrt wich die mit ihr die ganze nationale Bewegung diskreditieren. Auch nach einer anderen Rich­tung sei das gemeint. Die vielen Entgleisun­gen rednerischer und journalistischer Art, die sich gerade.in letzter Zeit Unterfüh­rer der Nationalsozialisten — insbesondere gegen die Deuffchnationalen und ihren Führer, sowie auch gegen den Stahlhelm geleistet haben, und die von den nationalsozialistischen Führern zweifellos mißbilligt werden, kommen ebenfalls auf das Konto unzulänglich«/ Führerauslese. Disziplinlosigkeit und poli­tische Unreife schädigen nur eine Bewegung, ebenso wie Minderwertigkeit. Im Zeichen der Harz­burger Front glauben wir, ein Recht zu haben, diese Gedanken, die nicht von heute sind, gelegentlich eines Falles auszusprechen, der uns Deutschnationale nicht unmittelbar angeht. .

Es hat kraß kommen müssen, «he _ die Deutschnationalen sich zu solchen selbstverständ­lichen Feststellungen aufaeschwunoen haben. In der „Kasseler Post" ist übrigens noch nichts von solcher Erkenntnis zu lesen. Sie widmet chre Spalten auch weiterhin dem Nachweis, daß der Natio­nalsozialismus im Einklang fei mit den Forderungen des Christentums. Im Leitartikel schimpft sie lediglich über das „unge­heuerliche Geschrei der Linkspresse über Hessen" und kommt auf ihre geliebtes Feme-Bild zu­rück. Und dabei sollen die kurhessischen Deutsch- nationalen, deren Stimmführerin die „Post" ist, angeblich noch die beweglichsten sein. Ihr Abgeord­neter war einmal Lindeiner-Wildau. Jetzt herrscht Lothar Steuer.

„Die gegenwärtige Schuldenlast — dem Nomi­nale nach — unter ben gegenwärtigen wirtschaft­lichen Verhältnissen, wie sie Realität sind, kann überhaupt nicht getragen, noch viel weniger abge­tragen werden, ganz gleich, ob mir dabei denken an die Verlustverschuldung der Landwirtschaft, an die Ueberteuerungsverschuldung des Neuhausbestt- zes, an die Inveftitions- und Rationalisierungs- Verschuldung der Industrie, ober ob wir denken an Reparationsschulben und interalliierte Schulden.

Gläubiger wie Schulbner wissen bas, aber vor allem der Gläubiger, der selbst wieder einen Gläu­biger hat, wagt es kaum, kann es kaum wagen, es sich einzugestehen.

Einmal versagende ober febenfalls viel zu spät auf ihre Aufgabe sich besinnende wirtschaftspoli­tische Führung kann schamloser Schulbenmoral bie Bahn freigeben, bis sie sich auf biefer Dahn regel­recht totgelaufen hat. Sollen wir es erleben, daß als Rache des Schicksals — die Weltgeschichte manchmal doch ein Stück Weltgericht — scheinhei­lige nominalistische Gläubigermoral Vergeltung übend die wirtschaftende Menschheit dem Tode der Erstickung an ihren Schulden überantwortet? Oder dürfen wir vertrauen, daß es der Schrecknisie und der Strafgerichte nun doch genug sind, um end­lich daran zu gehen, Schuldenmoral und Gläum- germoral wieder aufzurichten?

Rechtssinn und Billigkeit müssen die Stelle wie- der einnehmen, an welche kurzsichtiger Eigennutz und verblendeter Machtrausch sich gesetzt Nur nut Rechtssinn und Billigkeit werden wir die gegen­wärtig geradezu unlösbar verknäulten Schuld- und Schuldenfragen meistern. Einzig und allein auf

Schuldenmoral und Glaubigermoral.