Mro. 58.
Sonntag, 29. November 1931.
Nr. 276
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Die Saboteure der Friedens-Arbeit.
Französische Nationalisten suchen die Bemühungen der sranzö- fischen Friedenssreunde zu stören. — Das Rüstungskapital sürchtet die Abrüstungs-Konserenz. — kein kamvs-Mittel ist ihnen zu schlecht. — Tollhaus-Szenen in Paris.
Ericheini lechsmol wöchentlich Wochenbeilogen: ..Die Welt im 'BiltT und ..Buchenblätter Rotationsdruck und ^erlag der Fuldaer Äctiendruckerei in rtulba Fernrute. Lchrift- :: (eitung 3153. Fuldaer Äctiendruckerei 3151 und 3152. ::
FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Das Weltanschauliche.
Son Dr. Jos. Albert, Dresden.
Die politischen Massenbewegungen, die gegenwärtig in Deutschland' stattfinden und in den letzten Wahlen ihren Ausdruck fanden, haben mit einem Schlage das Problem des Weltanschaulichen innerhalb unseres Staotslebens in ein Helles Licht gerückt. Hinter diesen Bewegungen leuchtet etwas auf, was uns ihren eigentlichen Sinn nahe bringt. Wir haben ein Stadium erreicht in dem sich bereits deutlich die inneren Werte und Unwerte unseres öffentlichen Lebens vom fernen Horizont ab-- heben.
Um die Vorgänge zu verstehen, geht man am" besten von dem Teil des deutschen Volkes aus, der sich nach wie vor trotz aller Anstürme zu den drei Mittelparteien, dem Zentrum, der B a y e r i- schen Volkspartei und dem C h r i st l i» chen Volksdienst bekennt und dieses Bekenntnis auf Grund feiner christlich-weltanschaulichen Einstellung, sei es im katholischen, sei es im gläubisch protestantischen Sinne vollzieht. Wer sich in die Gedankengänge dieser Wähler verletzt — der innere Wert der Parteien steht hier nicht zur Debatte, ebenso wenig die Frage, wieweit es außerhalb dieser Parteien noch religiös-weltanschaulich gerichtete Menschen und Wähler gibt — der wird einen bemerkenswerten Zug an ihnen entdecken. Sie geben ihre Stimme zunächst den Mittelparteien, weil sie bei diesen ihre Weltanschauung am besten für gewahrt halten und sich sogleich keine gute Politik und Wirtschaft ohne eine gute Weltanschauung vorstellen können, aber das ist nicht alles. Der wirklich weltanschaulich orientierte Wähler im tief- religiösen Sinne, nicht der Mitläufer, trägt bereits eine Frucht seiner Weltanschauung in sich. Er besitzt etwas, wodurch er sich ganz und gar vom Weltanschauungslosen unterscheidet: ein inneres, seelisches Gleichgewicht. Was er verteidigt, das hat er .bereits erlebt, nur auf Grund diefes Erlebnisses ist er überhaupt noch der Mensch, der ruhig und ohne zu schwanken in unserem Zeiten- wirrwar dasteht und so erst fähig wird, auch äußerlich das sich gleich bleibende ober sogar wachsende Gewicht seiner Partei zum Ausdruck zu bringen. Praktisch heißt dies, daß ihn feine Weltaw chauung über das tägliche Elend erhebt und es ihn weit leichter ertragen läßt, als alle Weltanschauungslosen es zu ertragen vermögen. Es ist höchste Zeit, auf dieses Moment des inneren, seelischen Gleichgewichts hinzuweisen, weil überall dort, wo es fehlt, die Welt in Unordnung und Verwirrung gestürzt wird. Ja, es ist die Voraussetzung, um eine Zeitepoche wie die unsere überhaupt zu ertragen. Wenn selbst heute noch die Wählerzahl einer Weltanschauungspartei sich standhaft behauptet, so ist das ein wirklicher Beweis von der Macht des Weltanschaulichen im Einzel- menfchen, die sich in dem Maße verstärkt, wie das Elend in der Welt sich vermehrt. Je größer aber das innere Gleichgewicht des Volkes ist, um so mehr wird nicht etwa nur die öffentliche Ruhe und Ordnung garantiert und dem Staatsmann Gelegenheit zum ungestörten Wiederaufbau gegeben, sondern um so mehr vermag auch die Erkenntnis der Dinge im einzelnen Wähler zu wachsen, seine Urteilskraft vermag sich zu stärken in Bezug auf das, was praktisch in der Oeffentlichkeit geleistet wird und geleistet werden soll. Von einem solchen Boden aus kann erst eine gesunde Opposition und Kritik erstehen gegen die Zeitverhältnisse und wenn nötig, gegen die gewählten Führer.
Mn sieht heute so leicht über die innerlich wirkenden Kräfte im Volksleben hinweg und vergißt wie wirksam bereits die Weltanschauung Tag für Tag in den Menschen, die sich von ihr wirklich erfassen lassen, ist Gerade der Umstand, daß diese Kraft den Weltanschauungslosen fehlt und ihnen das innere Gleichgewicht abgeht, ist es ja, daß diese so leicht dem Schlagwort verfallen und dann zu Mitbegründern der extremen politischen Richtungen werden. Und da weder der bürgerliche Liberalismus noch der Sozialismus den Massen etwas Festfundiertes mit auf den Weg gab, so ist es kein Wunder, wenn auf der äußersten Linken heute das Weltanschauliche vollständig ausfcheidet und auf der äußersten Rechten es so eng mit dem Nationalen und Rassenmäßigen verbunden wird, daß die klare, religiöfe Linie dadurch allzu sehr vermischt wird. Wo soll da in großen Ausmaßen der Mensch geschaffen werden.der in dem heutigen Elend wenigstens einmal seelisch standhält und von einer unbeirrbaren Betrachtungsweise aus den Kampf gegen die Zeitübel aufnimmt — den in jeder Beziehung anständigen und heroischen Kampf. Hier liegt der größte Nachteil all derer, die im Weltanschaulichen unklar sind. Das muß immer wieder betont werden, um so mehr, weil die innere menschliche Leere oder Halbheit den radikalen Agitator in einemfort in Versuchung führt, sie für seine Zwecke auszunützen.
Dabei rückt etwas Neues in den Vordergrund. Die Demokratie fängt an, in ein gefährliches Stadium hinein zugleiten. Wenn die armen und enttäuschten Massen, die von Haus aus so wenig ober gar nichts an weltanschaulichem Gehalt mitbekommen haben, sich heute den radikalen Ideen ergeben, so ist das in etwa zu verstehen, sie sind nicht aufgeklärt genug, nicht aufgeklärt im wahrsten und besten Sinne. Was folgt daraus? Daß ihnen etwas fehlt, was erft die eigentliche Berechtigung zum demokratischen Handeln gibt. Die wirkliche Demokratie setzt doch ein Hochmaß von innerer Klarheit im einzelnen Wähler voraus, und überall dort, wo sie fehlt, beginnt eine Krise. Gewiß ist schon feit 1918 ein beträchtlicher Mangel auf diesem Gebiet in Erscheinung getreten, aber so unübersehbar groß wie heute, war dieser Mangel nie. Allen Ernstes werden wir das ausschließliche Denken in Zahlen aufgeben müssen, und den Wert der Masse auf einen inneren Wert zu-
In Paris müht sich ein internationaler Kongreß, die Verständigung zwischen den Völkern, namentlich zwischen Deutschland und Frankreich zu fördern und Vorarb eit für die Abrüstungskonferenz zu leisten. Selbstverständlich stehen die französischen Nationalisten, auf die sich die R ü st u n g s - Industrie wie immer unbedingt verlassen kann auf dem Sprung, diese Arbeit nach Möglichkeit zu stören. Deshalb eine große Radau-Aktion gelegentlich einer Kundgebung der Friedensfreunde, im Pariser Trocadero.
Die Abrüstungskundgebung im Trocadero mußte abgebrochen werden. Als H e r r i o t mit dem Führer der Frontkämpfervereinigung Croix b? Feu sich dahin zu verständigen suchte, daß einer ihrer Leute zum Wort tarne, verlangten diese, sofort das Wort ergreifen zu dürfen. Dies wurde ab gelehnt.
Hierauf stürmten die Manifestanten das Podium. Es kam zu Schlägereien. Herriot und de Iouvenel konnten sich nur mit Mühe vor tätlichen Angriffen schützen. Eine Kette von Polizisten deckte sie, und de Iouvenel konnte, um der Form zu genügen, wenigstens die vorgesehenen Schlußworte sprechen.
Sämtliche Delegierten, die an dem Kongreß teilgenommen haben, gaben ihrer Entrüstung über die Vorfälle unverhohlen Ausdruck.
Augenzeugen wollen berichten können, daß die Kundgebungen von einer Loge ausgegangen seien in der ei n bekannter französischer Schrift st eller anscheinend tonangebend war. Um diese Loge entspann sich ein heftiges Handgemenge, bis die Insassen genötigt waren, ihre Plätze zu räumen.
In der unter dem Vorsitz zweier Generäle im Wagram-Saale abgehaltenen Gegenkundgebung soll es gleichfalls zu Zwischenfällen gekommen sein. Hier sind, wie berichtet wird, kommunistische Elemente gegen die Redner aufgetreten. Erst nachdem sie aus dem Saale entfernt worden waren, konnte die Kundgebung ihren Verlauf nehmen.
Bei der Abrüstumgskundgebung im Trocadero nahm der Zentrumsabgeordnete Joos das Wort. Der Redner wies zunächst auf die ‘Bestimmungen des Versailler Vertrages hin, aus denen sich mit aller Deutlichkeit ergebe,, daß die Abrüstung Deutschlands nur die Einleitung zu einer allgemeinen Abrüstung fern sollte. Mit tiefer Besorgnis, führte Joos weiter ans, sehe das deutsche Volk, daß in- und außerhalb Europas immer gewaltigere Mengen von Kriegsmaterial und von Rüstungen jeder Art angehäuft würden, und mit größter Sorge denke es an die Möglichkeit künftiger Konflikte. Deshalb erhebe es einmütig feine Stimme kn dem Verlangen, daß auf der Abrüstungskonferenz im nächsten Satire, eine wirkliche und bedeutsame Herabsetzung der Rüstungen erfolge, die nach gleichen Methoden nnd nach gleichen Maßstäben sich vollziehen müsse. Es dürfe künftig keinen Rechtsunterfchied mehr zwischen abgerüfteten nnd nicht abgerüsteten Staaten geben. Friede nnd Sicherheit, schloß der Redner, werden tote Begriffe bleiben, solange nicht ehrliche und durchgreifende Abrüstung aller Völker ihnen das reale Fundament gegeben habe.
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Trotz des Lärms, mit dem die Abrüstungskundgebung im Trocadero am Freitagabend begann, versuchten die aus der Liste stehenden Redner ihre Ausführungen zu machen. Sie wurden durch Demonstrationen zum Teil niedergeschrien. Reichstagsabgeordneter Joos konnte sich zeitweilig verständlich machen, und die wesentlichen Stellen seiner Rede wurden sogar vom Publikum mit Beifall ausgenommen. Allerdings waren auch einige unflätige Ausrufe zu hören, gegen die das Publikum protestierte.
Gut vernehmlich war eine Botschaft des Studentenverband es, worin es heißt, für die kommenden Generationen sei der Erfolg der Abrüstungskonferenz eine Lebensfrage.
Als Lord Cecll seine Rede hielt, wurde der Lautsprecher eingeschaltet, so daß der englische Delegierte, der an die französische Höflichkeit appellierte, etm- germaßen verständlich war. Er befürwortete die Abrüstung aufgrund internationaler Abmachungen. Man müsie den Krieg in Zukunft unmöglich machen.
Alsdann wurde aus Amerika eine Botschaft des Senators Borah direkt übertragen, die allerdings ziemlich verzerrt ankam. Borcch spielte darin auf die Wirtschaftskrise an. Hierauf sprach Painleve. Er betonte den Friedenswillen aller Menschen, die das gleiche Ideal bat«
rückzuführen haben, wenn wir die Demokratie überhaupt retten wollen. Dabei können wir zwischen Masse und Führer unterscheiden. Wenn radikale Führer mit der Weltanschauungslosigkeit der Masse Mißbrauch treiben und sich ihre Macht auf menschlicher Unvernunft aufbauen, so liegt eine Hauptursache für die Krisis der Demokratie eben in diesen Führern. Mit anderen Worten: sie liegt in ihrer Persönlichkeit und in ihren Methoden. Also müßte die Korrektur der Demokratie vor allem hier einsetzen. Die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenzen liegen in etwa in dieser Richtung. Sie erstrecken sich auf gewisse Methoden, vor allem auf die äußersten Auswüchse, au1 Terrorakte, Morde, Gewalt, Zersetzungstätigkeit gegen Reichswehr und Polizei. Doch ebenso wichtig ist es (bie Länder können ja selbständig hier vorgehen) daß das Gift, das täglich in kleineren Mengen, seit es in Literatur und Presse, bei Versammlungen ober Demonstrationen, unter das Voll ausgegoffen wird, restlos unmöglich gemacht
ten. Die unproduktiven Militärausgaben würden eines Tages zerstörend wirken, aber Frankreich habe 1919 nicht die versprochene Garantie erhalten. Wenn Frankreich überzeugt wäre, daß es genügen würde, abzurüsten, um den Frieden herzustellen, würde es mit Erleichterung seine Waffen niederlegen. Dies, aber genüge aber leider nicht. Die friedliche I n du st r i e könne über Nacht durch böse Geister in ein mörderisches Instrument verwandelt werden. (Beifall.) Painleve sprach von einer Uebergangszeit allmählicher Abrüstung, die zur völligen Abrüstung führen müsse. Dem stimme Frankreich im voraus zu. Die Deutschen möchten Geduld haben; denn Ungeduld könne vom Ziele nur entfernen. Painleve erklärte, man sollte zum wenigsten teilweise das Flugzeugwesen internationalisieren.
Heftige Unruhe entstand wiederum, als Pichot eine allgemeine gleichzeitige und kontrollierte Abrüstung forderte sowie für bie Schaffung einer internationalen Polizertruppe eintrat. Wiederum ertönte die Marseillaise und die Prügelei im Saal flammte erneut auf. Pfiffe schrillten, das wüste Treiben machte jede Verständigung unmöglich. Aus der Abrüstungsverfammlunig wurde ein Tollhaus. *
wtb. Paris, 28. Nov. (Eig. Melbg.). Die gesamte Morgenpresse beschäftigt sich mit den lär» menben und störenden Kundgebungen im Proka- bero, die zum Schluß ber öffentlichen Kundgebung für bie Abrüstung zu einem Sturm auf bie Redner-Tribüne geführt haben
„Petit Parisien" nennt als Urheber der Kundgebung die Tction francaise, bie Frontkämpfervereinigung „Croix de feu" und die Jugendorganisation der Patrio t e n l i g a. Das Blatt räumt ein, daß es zu Schlägereien gekommen ist, will aber behaupten können, daß die Polizei nicht habe einzugreifen brauchen Dies entspricht nicht den Tatsachen. Jeder Besucher der Versammlung konnte das Gegenteil feststellen, ebenso wie die Tatsache, daß die Zahl der Polizeibeamten angesichts des Aufgebotes von Demonstranten nicht ausreichte. Die Action francaise begrüßt die lärmenden Kundgebungen und ist besonders erfreut darüber, daß neben den Rufen „Es lebe Frankreich" auch Rufe „Es lebe die Action francaise" ertönten.
Eine ähnliche Einstellung zeigen die Coty-Blä- ter „Figarro" und „Ami du Peuple", die bekanntlich in den letzten Tagen an dem Feldzug gegen die Abrüstungskonferenz teilgenommen haben.
Das radikale Organ „La Republique" wendet sich scharf gegen die Urheber ber Ausschreitungen. Angeworbene junge Leute, bie noch nicht einmal in bem Alter stehen, um ihrer Militär- bienstpflicht Genüge getan zu haben, hatten sich in einem fjerausforbernben Betragen gefallen, bas geeignet fei, dem Ansehen Frankreichs Abbruch zu tun. Aehnlich äußert sich „Oeuvre .
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Die französische Kammer hat der Regierung Laval bei der Hauptabstimmung über die Außenpolitik mit 325 gegen 150 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen.
Die außenpolitische Aussprache in der französischen Kammer wurde später mit einer Rede Franklin Bouillons fortgesetzt. Laval habe über die „Bankerottabsichten Deutschlands" m einem Tone gesprochen, den man in ber Kammer schon seit langem nicht mehr gewohnt sei, und der glücklicherweise von demjenigen Briands ab- weiche. Der Abgeordnete wiederholte sodann feine übliche Behauptung von dem schlechten Willen Deutschlands. Laval habe in sentimentaler Weise von seiner Unterredung mit Dr. Brüning gesprochen, einer Unterredung, die vollständig zwecklos gewesen sei, weil er genau wisse, daß er vielleicht morgen schon mit anderen Männern in Deutschland zu verhandeln habe, und obgleich er sich noch daran erinnern müsse, daß auch Strefemann mit einem Lächeln bie Rheinlandräumung erreichte. Franklin Bouillon ging fobann auf bie tommenbe Tagung bes Baseler Untersuchungsausschusses ein unb erklärte, baß es sich im Augenblick überhaupt nicht barum handele, bie Zahlungsfähigkeit Deutschlands festzustellen, sondern zunächst einmal darum, den Zahlungswillen Deutschlands zu prüfen. Frankreich könne Deutschland nicht retten. Man müsse Deutschland verpflichten, genau wie in
werde. Aus ber Roheit im Kleinen ist die Gewalttat im Großen entstanden. Und zwischen diesen beiden liegen die unendlich vielen Mittelstufen. Dabei ist der Kampf der Volksgenossen unter sich nicht weniger gefährlich als der direkte Kampf gegen den Staat Alle Methoden aber lassen auf die Geistesverfassung ber „Führer" schließen. Unb darum verwirken diese Führer an ihrer eigenen Persönlichkeit das Prinzip ber demokratischen Freiheit. Wo diese letztere korrigiert wird, da wird auch zu einem guten Teil das Tun ber Masse korrigiert, bie ihnen folgt.
Wir wollen wiederholen: Die weltanschaulich orientierten Wähler haben keine Veranlassung, sich durch das 3ufammenballen anderer Massen beirren zu lasten Sie besitzen etwas überaus Wertvolles, durch besten Mangel gerabe heute so viels Menschen unter der Last ber Ereignisse zusammen- brechen und bann auf Parolen verfallen, bie sie bei gefunber Auffassung ber Dinge west kritischer betrachten würden.
Frankreich während ber Finanzkrise eine Amorti- ationskasie zu bilden die Reinigung seines Haushaltes und vornehmlich feines Kriegshaushaltes vorzunehmen, und es zu zwingen, feine Revisions- Politik aufzugeben Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen wiederholte Franklin Bouillon seine Behauptungen von dem schlechten Willen Deutschlands. Großer Lärm entstand, als er erklärte, daß es unmöglich sei, die französischen Interessen zu einer Wahlpolemik auszunützen Er stellte die Frage, weshalb die deutschen Sozialisten die nationale Vereinigung durchführten. indem sie mit dem Kabinett Brüning zulammenarbeiteten, während bie französischen Sozialisten sich gegen eine derartige Politik wendeten Während fast einer Viertelstunde war es dem Redner nicht möglich, sich Gehör zu verschaffen, da die Sozialisten sich heftig gegen diese Beschuldigung wendeten unb die Unterstützung Brünings durch die deutschen Sozialisten damit begründeten, daß sich ihre Haltung vornehmlich gegen bie Gefahr der Na» tionalsozialisten richte. Franklin Bouillon schloß seine Erklärungen mit bem Hinweis, daß sich Frankreich einig fein müsie, um ben deutschen Forderungen eine geschlossene Front gegenüber zu stellen.
Anschließend behandelte ber Präsibent bes Hee- tesaustouffes der Kammer Fabry die Abrüstungsfrage. Er erklärte, daß bie Abrüstung nur im Rahmen bes Völkerbundes möglich fei. Wenn die Abrüstung noch keine großen Fortschritte gemacht habe fo liege das hauptsächlich an den lärmenden Kundgebungen der deutschen Rechts kreise (1). Die allgemeine Abrüstung sei eine Utopie ebenso wie bie Rüstungsgleichheit. Man dürfe sich auch nicht auf eine prozentuale Abrüstung der verschiedenen Länder einlassen.
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Der italienische Außenminister Grandi betonte in einer im amerikanischen Rundfunk gehaltenen Rede über bas Abrüstungsproblem, daß die Sieger bes Weltkrieges moralisch und rechtlich zur Abrüstung verpflichtet seien.'
Wir fordern Abrüstung.
In einer großen Kundgebung im Reichstag, in ber Vertreter aller politischen Gruppen Deutsch- lanbs unser Recht auf allgemeine Abrüstung nach- brücksichst betonten, führte der Vertreter ber Zentrumspartei, Reichstagsabgeorbneter Dr. Vockel, u. a. aus:
Nach dem Versagen aller Begründungen für bie Aufrechterhaltung des ungeheuren Rüstungsstan- des Frankreichs im Urteil der Weltmeinung ist — von französischer Seite inspiriert — neuerdings in englischen Blättern eine These aufgetaucht, die wohl zu keinem besseren Verständnis als die bisherigen Sicherheitsforderungen Frankreichs führen kann, denn die These lautet: „Frankreich braucht feine volle Rüstung, um Europa gegen die bolschewistische Gefahr zu schützen."
Dr. Vockel, der von der Rechtsforderung auf allgemeine Abrüstung als eine bisher unerfüllte Verpflichtung des Versailler Vertrags ausgeht, griff diese französische These auf und stellte die 8rage: . . L
„Angenommen, es würde einmal eine boliche- wistische Wafsengefahr für Europa geben, ist da nicht Deutschland dieser Gefahr eher und stärker ausgesetzt als Frankreich?"
Er bezweifelt die Ernsthaftigkeit der französischen These um so mehr, als Frankreich unb die anderen Rüstungsmächte die weitgehenden Abrüstungsvorschläge die der russische Vertreter in der vorbereitenden Abrüstungskommission 1928 in Genf gemcht hat, abgelehnt haben. Das abgerüftete Deutschland greife eine Diskussion über die Frage Sowjet-Union-Europa gerne auf, jedoch nicht auf der Basis einer geistigen Auseinandersetzung, eines geistigen Ringens der beiden Welten: bolschewistische Gesellschaftsordnung und abendländische Kulturordnung. In dieser geistigen Ebene sei der Kampf in vollem Gange. Die Völker Europas könnten und müßten sich aus dem drohenden Chaos, aus der nationalen Verzweiflung befreien.
„Unsere deutsche Forderung auf volle Gleichberechtigung aller Nationen ist eine kraftvolle Mahnung zur Erhaltung abendländischer europäischer Kultur.
Deutschland hat in den Jahren der Prüfung seit 1918 gelernt, seine Gedanken über Kanonen und Gewehre hinaus zu erheben zu einer national starken Idee der Ordnung in Europa . . Rüstung ist ein Begriff bes alten zerfallenben Europas; Abrüstung mit gleichen Rechten aller Völker möge bas neue Europa aus ben Wehen der jetzigen Not gebären."
Für saubere Wirtschaft!
Vor bem Hauptausschuß bes Reichsverbandes der Deutschen Industrie sprach am Freitag der neue Vorsitzende Krupp v. Bohlen, der für äußerste Sparsamkeit, für eine Sauber» Haltung der Wirtschaft und gegen die die freie Entwicklung der deutschen Wirtschaft ein« engenden Bestimmungen bes Versoiller Vertrages eintrat. Nach ihm sprach der preußische Handelsminister Dr. Schreiber über „Staat und Wirt» schäft in ber Krise".
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Die Immunität bes wirtschaftsparteilichen Ab« geordneten Ladendorff ist vom Landtag aufgehoben worden.
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Katzenellenbogen befindet sich roieb er int Untersuchungsgefängnis.
* König Alfons reift nach München. Der ehemalige König von Spanien Allons hat Fontaine» bleau verlassen, um sich zu einem dreitägigen Aufenthalt nach München zu begeben.