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NILS

Nr. 276

Beilage zur Fuldaer Zeitung

29. November

hat hierbei nichts zu sagen. Je mehr einer Teil hat an an den Dingen dieser Welt und je mehr seine Seele diesen Dingen verhaftet ist, desto mehr muß ihm untergehen, wenn er zur Erlösung kom­men will. Das wird nun nicht auf einmal ge­schehen, und ohne die göttliche Hilfe ist unsere Mühe umsonst. Aber mit ihr wird allmählich in unserer Seele jenes heilige Müssen entstehen, das anstelle aller Unruhe unser Leben beherrscht und ihm die Ruhe in Gott verleiht, die unser Lebensziel ist.

Mit der Geburt Christi strahlt das Licht der Erlösung für uns auf. Der Tag naht sich, und darum wollen wir die Häupter erheben, trotz des Weltunterganges, denn nur durch den Untergang geht unser Weg zur Erlösung.

Ohne Religion geht es nicht!

Inmitten der auf den Vereinigten Staaten la­stenden Wirtschaftsdepression, erhebt sich, neben den Stimmen der katholischen Bischöfe und Priester, jene eines protestantischen Laien, des bekannten Finanzstatistikers Babson, um auf die Notwendig­keit der Religion gerade in solchen Krisenzeiten hinzuweisen- „Der heutigen Menschheit gebricht es an dem für den persönlichen und nationalen Fort­schritt unerläßlichen Glauben. Dieses

Abgehen vom Glauben hat Geringschätzung von Ge­setz, Ordnung und Erfahrung zur Folge. Der Glaube läßt sich freilich, wenn man im Unglück steckt, nicht so rasch wie eine Medizin kaufen und erwerben. Er muß allmählich, durch ausdauern­des, frommes, gerechtes Leben, durch dem Näch­sten erwiesene Dienste, erworben werden. Im Drang der Geschäfte und des Gelderwerbs haben viele keinerlei seelische Kraft aufgespeichert und besitzen jetzt nichts, was ihnen helfen könnte, nach­dem Arbeit und Einkommen verschwunden sind. Die Folge davon ist, daß große Volksschichten mut­los sind und nicht wissen, wohin sich wenden. Das Bedürfnis der gegenwärtigen Stunde ist „mehr Religion als Gesetze". Unsere Mitbürger müssen erkennen, daß der Wohlstand erst dann wiederkehrt, wenn ihm ein Aufleben des Interesses für das geistige Leben vorangeht. Die Nationen müssen sich bewußt werden, daß es immer Rohstoffe, Ar­beit und Kapilal gegeben hat, daß sie aber Nur zum Gedeihen führen, wenn religiöser Glaube sie beseelt. Es ist Zeit, daß dies in Kirchen und Schulen wieder gelehrt wird." — Die „Catholic Daily Tribüne" bemerkt hierzu, daß es gewiß be­achtenswert ist, diese Wahrheiten von einem Fi- nanzmann vertreten zu hören, der mitten im ma­terialistischen Treiben des heidnischen Liberalis­mus unserer Tage steht. („Das Neue Reich".)

Der Advent der Liebe.

Don Direktor K. I o e r g e r, Freiburg i. Br.

Klingen nicht Adoentsrufe durch unsere Zeit? Erleben wir nicht allenthalben ein großes Har­ren und Sehnen? Eine neue Zeit will werden. Vieles geschichtlich Gewordene ist als überholt erkannt und muß einem kommenden Neuen Platz machen. In der Wirtschaft, im Ge­sellschaftsleben, in den Beziehungen Völker und Kulturgemeinschaften harrt gar vieles einer we­sentlichen Umgestaltung. Ein wildes Gären macht sich bemerkbar. Der alte Rahm>en ist ost schon dem Zerspringen nahe, ohne daß der neue schon klar sichtbar wäre.

Naturnotwendig zeigen sich bei dieser Wand­lung und Gärung mancherlei Wirrnisse und Störungen. Unter furchtbaren Wehen und Zuckungen der Welt wird die neue Zeit geboren. Teils Hemmungen und Reaktionen, di« einem Un­verständnis für das neue Werden entspringen, teils eine überstürzte Entwicklung und einseitige Lö­sungsversuche haben eine Fülle von Rei­bungen und Notständen zur Folge. Die Not wieder ist nur zu häufig Wegbereiterin von Verbitterung und Verzweiflung. Gefahrdrohende Spannungen wie vor einem Gewittersturm ziehen sich zusammen, zu verheerenden Entladungen drängend. Lawinen des Hasses haben sich berge­hoch aufgetürmt, jederzeit im Begriff, sich mit Dön- nergetöse alles zermalmend hinabzustürzen.

Wer es versteht, durch die äußeren Erschei- nungssormen und Geschehnisse sich nicht täuschen und blenden zu lassen, sondern die tieferen Unter­gründe und das Wesen der Dinge zu schauen, wird stets deutlicher erkennen, wie sich von Tag zu Tay klarer zwei große Kampffronten abzeichnen, deren Rus lautet: H i e H a ß ! Hie Liebe! Auf der einen Seite: Haß der Klassen und der Völker, auf der anderen Versöhnung durch Liebe und Dienst am Frieden. Dem bewußten Willen zur Vernichtung und Gewalttat der einen stellen die anderen den opferstarken Willen zum Verstehen, zum Helsen, zur Gemeinschaft entge­gen. Dort Kampf aller gegen alle in Feindschaft und Verbitterung, hier wahres Brudersein in demütigem Helfen und Dienen.

Der Advent als Vorbote einer neuen Zeit for­dert Scheidung der Geister. Wer will dem Haß, wer will der Liebe dienen? Für jeden echten Chri­

sten kann di« Entscheidung nicht schwer fallen. Möge sie eine ganze und volle Entscheidung fein! In dem großen entscheidenden Ringen haben Halb­heiten keinen Platz. Beginn« jeder für sich mit größter Einfachheit, Schlichtheit und Selbstein- schränkung! Was durch diesen entschlossenen Ver­zicht erspart wird, sei Rettung für leidende Brüder! Dieser Verzicht gilt für das Leben der einzelnen und der Völker. Welch gewaltige Mittel würden ollem durch die endliche Durchführung einer wirk­samen Abrüstung frei werden! Wieviel herzer­greifende Not könnte dauernd gelindert werden, wenn die Mittel der Vernichtung durch Bande der Liebe ersetzt, das Faustrecht der Gewalt durch Rechtsnormen auf dem Boden des Vertrauens und der Verständigung überwunden würde!

Möge der Adventsruf nicht umfonst an unser Ohr dringen! Seien wir opferbereiteste« ner der Liebe und des Friedens! So werden wir Chriftusträger in die neue werdende Zeit, Wegbereiter des Reiches Christi in den Her­zen der Menschen. Dann mirb auf den Advent der Gärung und des Harrens die Weihnacht des Friedens und der Liebe folgen und wahr werden der Ruf unserer tatfrohen Jugend: Christus, Herr der neuen Zeit.

Die katholische Weltpresse.

4. Schweiz.

Die 25 Kantone der Schweiz führen jeder «in beträchtliches Eigenleben, die vier Sprachgruppen des Deutschen, Fran­zösischen, Italienischen, Räteroma­nischen sind gleichgeachtete Landessprachen, die beiden großen christlichen Konfessionen halten sich ungefähr die Wage (41 Prozent Katholiken von etwa 4 Millionen Einwohnern); zuletzt noch die Natur des Landes, der Sinn des Volkes — und über so viel Verschiedenheit spannt die Einheit in der Freiheit doch ihren ungebrochenen Bogen: das alles ist nicht dazu angetan, Großzeitungen hoch­kommen zu lasten, und hat bewirkt, daß die Schweiz das Land der größten Zeitungsdichte, das z e i - tungsreichste Land der Welt geworden ist. Auf 8000 Schweizer kommt eine politische Zen

Erster Adventsonnlag.

Eingangslied: ps. 24, 1—3.

Zu dir erheb' ich meine Seele, mein Gott, auf dich vertraue ich; des werd' ich nicht erröten, und kein Feind wird mich drum höhnen. Denn alle, die deiner harren, werden nicht zu schänden. (Ps. cbd. 4.) Herr zeige mir beine Wege, lehre mich deine Pfade.

Epistel: Röm. 13, 11—14.

Brüder! Wisset, die Stund« ist da, vom Schlafe aufzustehen; denn jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir zum Glau­ben kamen. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag, er naht. Lastet uns also ablegen di« Werke der Finsternis und anziehen die Waffen der Lichts. Wie am Tage lastet uns ehrbar wandeln: nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Wollust und Ausschweifung, nicht in Zank und Eifersucht, vielmehr ziehet an den Herrn Jesus Christus.

Evangelium: Himmel und Erde werden verge­hen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

Eure Erlösung nahk sich.

Betrachtung zum Sonnfagsevangelium.

Da werden uns im heutigen Evangelium noch einmal di« Schrecken des Weltunterganges vor die Seele gestellt, und dann heißt es: „Wenn dies an« fängt, zu geschehen, so richtet euch auf und erhebet eure Häupter, denn eure Erlösung naht sich. Weltuntergang und Erlösung" — was haben diese Ding« miteinander zu tun?

Vielleicht zunächst dies: Der Weltuntergang wird den gottgläubigen Menschen die Erlösung bringen deshalb, weil er sie befreit von alledem, was die Vereinigung mit Gott hinderte, weil «r den Gerechten den Himmel unmittelbar zugänglich macht.

Vielleicht bedeutet diese Gegenüberstellung auch noch mehr. Erlösung bedeutet Loskommen, Frei­werden von Dingen, die dem Sehnsuchtsziel unserer Seele — der Vereinigung und dem Leben mit Gott — hinderlich sind. Erlösung in dem Sinn« ist die innerliche Umwandlung, ist Heimkehr der Seel«. Das, kann in einem Augenblick geschehen, wie es beim heiligen Paulus der Fall war. Als ihn vor Damaskus der göttliche Gnadenstrahl traf, da versank alles, was er bisher erstrebt hatte, eine Welt ging unter für ihn, alles, was er bisher ae- lisbt und erkämpft hatte, verlor in diesem Augen­blick allen Wert für immer, übrig blieb nur noch der heilige Wille, Gott zu dienen.

In den weitaus mestten Fällen aber ist die Er­lösung nicht ein solch plötzliches Gnadengeschenk wie beim heiligen Paulus, sondern ein mühseli­ger Lebenskampf. Es gilt für uns, mit Hilfe der göttlichen Gnade frei zu werden von Haß und Gier, von Untreue und niedriger Gesinnung, von Verzagtheit und Geldknechtschaft. Den Weg hat uns wohl der Heiland gewiesen, ober ihn zu gehen, ist unsere Sache, und das ist gleichzeitig das Werk der Erlösung für uns. Daß der Heiland un­ser Erlöser ist, das bedeutet nichts, wenn wir ihm nicht nachfolgen und dadurch selber Erlöste werden. Denn das ist der Sinn des Christentums, daß wir Erlöste werden.

Das aber bedeutet, daß wir nicht mehr sind wie die Knechte und Gefangene auf dieser Welt, unter­worfen der unruhvollen Hast und der Gier nach Besitz, der Angst und der seelischen Bedrängnis, sondern freie Kinder Gottes, die streben nach dem, was Gott gefällt. Das können wir nur dann werden, wenn die Welt für uns unter­geht, wenn sie ihren Wert für uns verliert. Erst dann können wir recht teilnehmen an Gottes Werk als wahrhaft Erlöste. Ob wir reich oder arm sind.

Entzauberung.

Von Friedrich Muckermann S. J.

Endlich gewinnt man den Eindruck, daß die Abwehraktion dem Bolschewismus gegenüber im katholischen Lager einheitlicher und erfolgreicher wird. Das Hauptverdienst gebührt dabei der katholischen Presse, die besonders in einigen' Organen uner­müdlich auf diese große Gefahr hingewiesen hat. Erst zögernd, in letzter Zeit aber mit anerkennens­wertem Eifer hat der Volksverein für das katholische Deutschland hier seine große Ausgabe erkannt. Er wendet sich in gro­ßen Veranstaltungen an die breitesten Schichten der Bevölkerung und leistet für sie, was die Ge­werkschaften, die katholischen Arbeiterverein« für ihre Leute längst getan haben. Denn das muß man anerkennen, daß gerade die christliche und ka­tholische Arbeiterschaft, eben weil sie sie nüchtern ist und vorzüglich geschult, der bolschewistischen Verlockung bet uns bisher noch am wenigsten er­legen ist. Eine gründliche wissenschaftliche Arbeit hat uns Pater Nötges S. j. geschenkt, eine Schrift, die für Vorträge bestes Material bietet. (Katholische Tat-Verlag, Köln.) Von großer Wich­tigkeit ist auch die im gleichen Verlag erschienene Schrift des bekannten Prof. Berg „Was fagt SowjetRußland von sich selb ft?" Dazu ist im Herder-Verlag di« ausgezeichnete Darstel­lung von Dr. Waldemar Gurian getreten, die zu den besten ihrer Art gehört. Das Reichs­generalsekretariat der deutschen Zentrumspartei ließ dazu soeben eine ebenso umfangreiche, schlag­kräftige wie billige Schrift erscheinen „Marxismus, Kommunismus, Bolschewismus", die die beste Ant­wort darauf bildet, es paktiere die Zentrumspar- tci mit dem materialistischen Marxismus. Auch mit Flugblättern ist gearbeitet worden, so im Ver­lag Fredebeul u. Koenen, ebenso wie mit Broschü­ren, die ein« immer bessere propagandistische Tech­nik aufweisen Man sehe sich nur unter diesem Gesichtspunkt i-.e neueste Broschüre des katholischen Tat-Verlages „Klöster brennen" an! Er­

freulich ist bei all diesen Bemühungen, daß sie nie­mals rein negativ bleiben, sondern immer in ir­gend einer Form ausmünden in ein positives christliches Kulturprogramm, wie es in der En­zyklika „Ouadragesimo anno" den Katholiken des gesamten Erdkreises geschenkt worden ist.

Die kommunistische Presse steht all diesen Be­mühungen ratlos gegenüber. Ihr überschäumen­des Wüten verrät immer wieder, daß man sach­lich nichts zu erwidern weiß. Mit den törichtsten Mätzchen wird gearbeitet, wie ich persönlich z. B. jetzt wieder der Lüge geziehen werde, ich hätte Lenin-Zitate gebracht, die es nicht gibt. Mögen sich die Herren bei ihren guten Verbindungen mit Rußland doch einmal die russische Ausgabe der Lenin-Werke anschauen und sie werden bald fin­den, was sie suchen. Die russische illustriert« Zeit­schrift „Der Gottlose" bringt in ihrer Nummer vom 1. November ein entzückendes Bild, das fein Motiö einem Artikel der „Essener Volkszei- zung" entnimmt, in dem schon vor Monaten di« Notverordnungen mit dem hl. Franziskus zufarn- mengebracbt wurden. Der ursprüngliche Sinn war, es könnten alle Notverordnungen nichts helfen, wenn nicht di« persönliche Liebe und Wohltätigkeit von Mensch zu Mensch hinzutrete, wie sie durch den hl. Franziskus und durch die hl. Elisabeth so herr­lich verkörpert worden sind. Es ist doch wirklich eine schwache Antwort, wenn man mich in diesem Artikel zu einem Franziskaner macht und den Se­gen über die japanischen Waffen usw. sprechen läßt. Es zeigt sich eine derartig oberflächliche und gehässige Behandlung denn auch völlig unsähig, den Prozeß der Entzauberung aufzuhalten, dec hinsichtlich des Bolschewismus durch unsere Rei­hen geht.

Kein Mensch kann mehr glauben, daß es in Rußland um ein neues wirtschaftliches System geht, um eine Ueberwindung des Kapitalismus; im Gegenteil ist bald die Ueberzeugung allgemein geworden, daß wir doch gar nichts anderes haben, als die f ch l i m m st e Form des Kapitalis­mus und die grausamste, nämlich den Staatskapitalismus. Eindrucksvoll hat

das in einer neueren Broschüre, die sich in ihren Gedankengängen stark mit der von mir heraus- gegebenen über Bolschewismus und Persönlichkeit berührt, Coudenhove-Kalergi bargetan. Er nennt sein« Schrift einfach „Stalin u. Co." Wörtlich heißt es darin: „Stalin ist seinem Titel nach: Generalsekretär der Partei. Seinem Range nach: Pap st der kommuni st ischen Kirche; Kaiser von Rußland; General- birettor des Sowjettrusts. Durch diese dreifache Herrschaft über die Herzen, Arme und Taschen von Millionen ist er mächtiger als der Papst, mächtiger als Hoover, mächtiger als Morgan. Er ist der mächtigste Mann der Welt." Es gibt keine Macht auf Erden, in der alles, was persönliche Freiheit heißt, so rück­sichtslos unterdrückt ist, wie im Sowjetrußland von heute. Schon daraus kann man schließen, daß es in Rußland keine rechte Freude mehr gibt. Wie mir den bolschewistischen Zeitungen entnehmen, zeigen nicht einmal mehr wichftge Staatskollektive Lust, ihr Getreide an die Zentrale abzuliefern. Ebenso hören wir, daß man ganze Teile der Ernte einfach auf den Feldern hat verfaulen lassen. Was soll auch ein hungernder Sklave für ein Interesse daran haben, daß es den Herren Staatskapitalisten gutgeht?

Ebenso bricht zusammen der Traum von der Friedensliebe Sowjetrußlands. Vorzügliche Wirtschaftler sagen uns, daß man den Aufbau der Sowjetindustrie nur dann richtig wür­dige, wenn man sie als eine Rüstungsindustrie ganz großen Stils auffasse. Längst ist der Rus von Brot und Friede, der einst die Millionen in Rußland begeisterte, den Fanfarenstößen eines Sowjetimperialismus gewichen, der die Weltrevo. lution immer weniger auf die Idee, umso stärker aber auf die Spitze der Bajonette stellt. Geht der Prozeß weiter wie heute, so wird die Sowjetmacht im Besitz der stärksten Rüstung und der zahlreich­sten Armee der Erde sein. Lächerlich wirken da­rum die Wehrufe, es werde gegen Sowjetrußland gerüstet, wo sich die Sache offensichtlich doch genau umgekehrt verhält.

tung, die in ihrer Mehrzahl nun nicht täglich, viel­mehr nur einige Male ober auch nur einmal in der Woche erscheinen. Die Schweizer presse ist demnach ausgesprochene Heimat- und Pro- v i n z p r e s s e. Mit Ort oder Kanton ist der Wir. kungskreis erfcböpft, in der eigenen Haltung stets einer der allgemein-schweizerischen Parteien zuge­ordnet.

In der Rangordnung der Parteien stehen Ne Katholisch-Konservativen an dritter, in der Vereinigten Bundesversammlung an zweiter Stelle. Sie haben im Luzerner „V a t e r l a n b" ein Hauptblatt, das zu den wenigen eidgenössischen Organen gehört, auf die man im ganzen Lande achtet, und das auch seine Geltung im Ausland besitzt. Der Bedeutung entspricht die für die Schweiz verhältnismäßig hohe Auflageziffer von etwa 20 000. (Keine einzige Schweizer Zeitung erreicht die Hunderttausend-Grenze.) In zwei Iah« ren kann das „Vaterland" auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken, die mit der Gründung der „Luzerner Zeitung" begann. Seit 1874 führt es die jetzige Bezeichnung. Die Verlagsform ist die Aktiengesellschaft, die sich aus politischen Gesin­nungsfreunden der Zeitung und der Verlegerfami­lie Räber zusammensetzt.

In der deutschsprachigen Schweiz sind weiterhin wichtig: in Zürich di« „Neuen Zü­richer Nachrichten", als Wochenblatt vier Jahre vor der Jahrhundertwende entstanden, vier Jahre nach chr bereits zur führenden Tageszeitung umgestaltet; in Basel das „Baseler Volks- blatt", in Chur das „Bündner TagbIa11"# in Freiburg die „Freiburger Nachrich­ten", in St. Gallen „D ie Oberfchweiz", in Winterthur die „Ho ch w a ch t", christlich soziales Tagblatt der Schweiz.

Die deutschsprachige katholische Presse ist der französischen weit voraus. Von den insgesamt 69 katholischen Blättern der Schweiz sind nur 12 französisch geschrieben. In ihrer Gruppe lie­gen vorn: „Liberte", Freiburg, „L'Echo Daudois" (Waadtländer Echo), Lausanne, „Courrier de Ge- neoe", Genf, „Le Pays", Pruntut.

Im italienischen Teil führen: „Gironale del Popolo" (Volkszeitung), Lugano, und „Popol» e Liberia" (Volk und Freiheit), Bellinzona. Or­gane der Restsprachen sind hier nicht zu nennen.

Wie anderswo geht es auch in der Schweiz da­rum, in jedem katholischen Haus der katholischen Tagespresse einen Platz einzuräumen. Der Kampf darum geht weniger gegen den farblosen General­anzeiger, weil er großen Stils nur wenig vor­kommt, als gegen die andersgesinnte nichtkatho­lische Presse. Nach einer Veröffentlichung zu An­fang des Jahres belief sich die Wochenauflage von 58 katholischen Zeitungen auf 200 000, wohingegen ein schematischer Ueberschlag 250 000 katholisch« Familien in der Schweizer Eidgenossenschaft an­setzte. Es bleibt den Katholiken also noch Arbeit genug übrig. Eines Tages wird sie schon ihren vollen Erfolg haben, wenn sie rote bisher weiter getan wird.

Das kleine Fürstentum Liechtenstein hat sich nach dem Kriege von Oesterreich fort zur benachbarten Schweiz orientiert. Die durchweg ka­tholische Bevölkerung liest heute die katholischen Zeitungen der Kantone Graubünden und St. ©al­len. Daneben kommen in der Hauptstadt Vaduz je dreimal in der Woche zwei Veröffentlichungen zur Erscheinung, beide bürgerlich-monarchischer Richtung. Das „Liechtensteiner Volksblatt" ner* tritt in diesem Sinne die Liechtensteinische Bür­gerpartei, die „Liechtensteiner Nachrichten" bi« De, mokratsche Volkspartei. Dr. Fr. Kr.

RADIO

nur

Mittelstr. 42. Funkhaus Leibold tcl 2412

Endlich zieht die Losung von Kirch« und Kapi­talismus nicht mehr. Jedermann weiß, daß di« Kirche dem Staate gegenüber in Deutschland arm ist. Schon feit Jahrzehnten fehlen chr die großen Mittel, die eine Kulturmacht solchen Ranges ei­gentlich besitzen müßte. Was sie geschaffen hat, ist zum überwiegenden Teil dem Scherf lein der Armen zu danken, das freiwillig ge­geben wurde. Nur ein oberflächlicher Blick in un­sere Klöster, Schulen und Spitäler zeigt, mit welch geringen Mitteln man durchweg auskommen muß und wieviel kostbare Gesundheit, vor allem von Ordensschwestern, zugesetzt werden muß, einfach, weil das Geld fehlt, um hinreichende Kräfte zu beschaffen. Man braucht auch nur einmal länger in einem Pfarrhaus von heute zu wohnen, um Zeuge einer Liebestätigkeit zu fein, von der oft nur jene verschämten Armen etwas wissen, die keine andere Stelle auf der Welt haben, wohin sie sich wenden können. Der Kommunismus von heute ist der Vorkämpfer und Anwalt des furchtbaren Staatskapitalismus, während Rom und die Kirche für eine Ordnung eintreten, die auch dem Aerm- sten, soweit es die Verhältnisse eben erlauben, ein menschenwürdiges Dasein zu sichern suchen.

Unaufhaltsam schreitet die Entzauberung fort. Mr sind zu nüchtern geworden, um uns durch Potemkinsche Dörfer täuschen zu lassen. Schließen mir unsere Ausführungen mit einem interessanten Hinweis. Gerade in der Sowjetpresse wird unser Reichskanzler Brüning als das Haupt­hindernis der Bolschewisierung Deutschlands be­zeichnet. Das gibt zu denken. Es ist ein Lob des deutschen Kanzlers, das ihn mehr ehrt als alle Huldigungen anderer Länder, an denen es be­kanntlich nicht gefehlt hat. Es rückt den Kanzler geradezu in die Perspektive der größten deutschen und europäischen Auseinandersetzungen, die es heute gibt. Was kann die Folgerung solcher An­erkennung anders sein, als ein neues Treugelöbnis zu dem Manne, der als selbstlos« Persönlichkeit in allen Kreisen gefeiert wird, der als Leiter der deutschen Politik das europäische Schicksal heute entscheidend beeinflußt.