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Anzeiger für die Skadk Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 275

liridjemt sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag Der Fuldaer Äctiendruckerei in i^ulba. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153. Fuldaer Äctiendruckerei 3151 und 3152. u

Samstag, 28. November 1931.

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Iahte. 58.

Nerven.

Wir müssen die Nerven bewahren, wir und die Regierung. Man darf feststellen, daß der Wir t- schaftsbeirat der Reichsregierung nicht ei­gentlich neue Wege gewiesen hat, viel­mehr hat er eine Anzahl von Leitsätzen festgelegt, die an sich durchaus diskutabel sind, die aber eben darum von manchen Beurteilern als nicht ent­scheidend genug angesehen werden. Einiges wird sogar für falsch gehalten. Nun geht man wohl nicht irre in der Annahme, daß der Reichskanzler auf Grund dieser Leitsätze das neue Notprogramm für die kommenden Wintermonate verkünden und in Gang setzen will. Das ist sein Recht und wohl auch seine Pflicht. Die Wirtschaftsoertreter haben an diesen Leitsätzen mitgearbeitet, im Grunde auch die bäuerlichen Sprecher, die vorzeitig den Beirat verlassen haben, und was nun da formuliert wor­den ist. das ist wohl der Weisheit letzter Schluß.

Trotzdem wäre es falsch, denjenigen schon für einen schlechten Patrioten zu halten, der mit den Leitsätzen des Wirtschaftsbeirates nicht einver­standen wäre. Die Fragen der Volkswirtschaft sind schon an sich immer umstritten. Eine Theo­rie bekämpft die andere, und recht hat auch hier immer nur der, der den Erfolg für sich buchen darf. Es scheint uns kein Beweis für die Nei­gung der Deutschen zur Kannegießerei, wenn heute an allen Mittagstischen — Stammtische gibt es ja kaum noch — über volkswirtschaftliche Theo­rie diskutiert wird. Der eine meint, das Heil müsse kommen, wenn man die Landwirt­schaft, die doch nicht mehr lebensfähig sei, ver­sacken lasse, ein anderer ist für unbedingten P r e is- a b b a u. Man soll z. B die Kohlen, die sich jetzt auf den Halden häufen, spottbillig verlaufen und zwar sowohl für die frierenden Arbeitslosen, wie auch für die Industrie. Ein dritter ist gar für Experimente, die irgendwie an Kommunis­mus gemahnen. Wenn es, so meint er, vier Jahre lang möglich gewesen ist, die Menschen zu uniformieren — in Kleidung und Essen — so müsse sich das auch in dieser notvollen Zeit ver­wirklichen lassen. Außerdem müsse man das Geld vorläufig a b s ch a f f e n und mit Bons oder Mar­ken arbeiten. Man könne deswegen genau so gut morgens mit dem Autobus zur Arbeit fahren wie jetzt, nur daß eben kein Geld dafür bezahlt wird. Denn der Chauffeur würde ja auch nur feine Mar­ken erhalten, und das Benzin wird chm eben vom Staate geliefert. Man kann solche Theorien noch sehr ins Einzelne ausspinnen, ob sie durchführbar wären, ist eine andere Frage. Wahrscheinlich sind sie nicht durchführbar. > - '

Weiter stößt man immer wieder auf die Be­hauptung, es fehle in Deutschland nur an einem wirklich festen, wenn nötig brutalen Willen. Man könne, wenn man wolle, die Kartelle zerschla­gen, man könne auch die Preise senken und sonst vielerlei durchführen, was immer verlangt, aber niemals verwirklicht wird. Aber dieser Mann mit dem eisernen Willen fehle eben. Es müsse doch möglich sein, so wie eine Familie sich krumm legt, bis sie ihre Schulden bezahlt hat, auch ein großes Volk krumm zu legen, bis es aus dem Schlammassel heraus ist. Wer nicht mitmachen will, der müßte gezwungen und im äußersten Falle ohne viel Federlefens an die Wand gestellt wer­den.

Das alles sind Ueberlegungen, die vielleicht eine kleine Wahrheit enthalten. Leicht beieinander woh­nen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Dinge. Was in einer Familie möglich ist — aber auch da oft genug mißlingt — läßt sich nodi nicht in einem Staate durchführen. Auch kommt es auf den Volkscharakter an. Vielleicht ist in Italien oder auch in Rußland manches zu verwirklichen, was in Deutschland unmöglich bleibt. Es spricht nicht gegen den Deutschen, daß er über solche Dinge philosophiert und nach neuen Lösun­gen sucht. Daß wir in den Schwierigkeiten wirk­lich bis zum Halse drinstecken, kann ja ein Blin­der fühlen, und eigentlich erwartet jeder in Deutsch­land. daß heute ober morgen oder übermorgen ir­gend etwas geschieht, was die Lage von Grund auf ändert.

Aber bei diesem Punkte beginnt die ganze Wirklichkeitsphilosophie brüchig zu werden. Man mag sich die kommende Entwicklung ausmalen wie man will: wenn sie überstürzt geschieht, wenn der Wandel gewaltsam ober auch nur durch scharfe personelle Umstellungen durchgeführt wird, dann wird das auf alle Fälle einem starken Rück­schlag bedeuten, und wir werden im besten Falle da sein, wo wir im Jahre 1924 waren. Ver­mutlich aber wird der Kommunismus bet lachende Dritte fein. Die Gläubigen des Dritten Reiches pflegen sich die Dinge etwas gar zu einfach vorzustellen. Es geht ja nicht nur um innerpoli- tifches Durchhalten, sondern auch um außenpoli- tifche Entwicklungen, und gerade darin wird Hit­ler, wenn er einmal die Verantwortung zu tragen haben wird, durchaus ebenso mit Wasser kochen müssen wie Brüning. Ja, er wird es noch viel schwerer haben. Die Franzosen werden ihn nicht hindern, seine Vertrauensleute in der Wilhelm- straße in Berlin anzusiedeln. Aber sie werden chm zehnmal schärfer auf die Finger sehen, als jedem anderen, und er wird vielleicht klarere und zwin­gendere Zugeständnisse machen müssen als irgend eine Regierung feit 1918.

Es gilt in diefen Tagen mehr als je, Nerven zu behalten, für den Kanzler wie für die Bevölke­rung. Man wagt sich nicht auszudenken. rote die weiteren Lohn- und Gehaltssenkungen, von denen geredet wird, sich auswirken sollen, zumal ferner den Optimismus aufbringt, an die gleichzeitig ver­sprochene Preissenkuna zu glauben. Denn davon wird ja seit vielen Monaten geschrieben, aber sie kam nicht Auch wenn jetzt die Kohlen billiger werden sollen, so ist das doch nicht die Lösung des gordischen Knotens, gar nicht zu reden von der Senkung etwa der Eisenpreise, die den einfa-

Seulsch-sranMsche Auseinandersetzung.

Lavals Rede und ihr Echo.

Am Donnerstag nachmittag hat der französische Ministerpräsident Laval seine große außenpolitische Rede gehalten, in der er sich zum Teil in sehr scharfen Worten über Deutschland äußerte. Vor allem verdient hervorgehoben zu werden, daß Laval ganz ausdrücklich die Ach­tung vor den Verträgen forderte, von der er die Wiederherstellung des Vertrauens abhängig machte Ferner unterstrich er, daß die neue Tridut- regelung nur für die Dauer der Krise gedacht sei, daß Frankreich nur auf eine Herabsetzung der Zahlungen eingehen werde, wenn Amerika das gle icke tue und daß Frankreich nicht daran denke, fein Recht auf die ungeschützten Zahlungen preiszugeben. Laval erklärte weiter, daß die b e ut« schenPrivatschulben vor den politischen Schulden keinen Vorrang genießen dürften.

Es heißt u. a. in der Rede:

Das Hoover-Moratorium habe die großen Hoffnungen nicht erfüllt, die der amerikanische Prä­sident darauf gesetzt hatte. Die allgemeine Krise der Weltwirtschaft habe sich im Gegenteil verschlim­mert und besonders in Deutschland schwere Aus­maße angenommen. „In Paris habe ich über eine Stunde unter vier Augen mit Dr. Brüning gespro­chen. Ich kann Ihnen nicht schildern, wie ergrei­fend diese Unterredung war. Wir haben beide die Möälickckesten gevrüft, die genenfeitroen Beziehun­gen unserer Länder zu verbessern, und ich entsinne mich noch, wie der Reichskanzler mir die Frage vorlegte, ob denn diese Tragödie zwischen Frankreich und Deutschland ewig dauern solle. An dem Tage, an dem auf der anderen Seite des Rheines die nationalsozialisti­schen Kundgebungen aufgehört haben, werden die Ereignisse auf die Frage des Reichskanzlers ant­worten. In London haben wir dann versucht, der finanziellen Notlage Deutschlands beizukommen und sind uns dabei über die Verlängerung der kurzfristigen Kredite eijtig geworden." Laval ging bann auf seine Berliner Reise ein und unterstrich die herMche Aufnahme, die ihm durch die Bevölke­rung und die Regierung zuteil geworden sei. Er erinnerte an die Bildung des deutsch-französischen Wirtschaftsausschusses, von dem man allgemein eine Verbesserung der Beziehungen erwarte. Seine Washingtoner Reise habe große Hoffnungen auf­kommen lassen „Frankreich hat bei dieser Gelegen­heit die beste Propaganda gemacht. In Amerika ist man sich über unsere Löge nunmehr vollkom­men im Klaren. Man kennt unsere Sorgen, unsere Opfer und unsere steten Bemühungen inbezug auf die Abrüstung. (!) Wir haben lange über die deut­sche Krise gesprochen und sind uns darüber einig geworden, daß der Poungplan nach Ablauf des Mo­ratoriums wieder in feine Rechte treten muß. Frankreich wird in Zukunft nicht mehr solchen Schritten ausgesetzt sein, wie sie dieser Schritt des Präsidenten Hoover darftellte. Unsere Unterredung hat demnach zu positiven Ergebnisfen geführt, denn wir haben die Zukunft vorbereitet."

Zu den kommenden Verhandlungen erklärte La­val, daß Frankreich trotz seiner augenblicklich noch bevorzugten Lage kein Recht hab«, sein Geld hinauszuwerfen und verschwenderisch zu sein. „Es gibt Grenzen, die wir nicht überschrei­ten können. Wenn man uns auffordert, Vertrauen zu haben, so werden wir antworten, daß die Wie­derherstellung dieses Vertrauens zuerst von der Achtung des gegebenen Wortes und der Unterschrift abhängt. Wir werden eine neue Zahlungsregelung nur für eine beschränkte Zeit, d. h. für die Dauer der Krise annehmen. Wir werden einer Herabsetzung der Zahlungen nur so­weit zustimmen, als wir von unseren Kriegs­schulden befreit werden. Wir werden niemals dul­den, daß die ungeschützten Zahlungen angetastet werden, und wir werden nicht zugeben, daß man den privaten Schulden Deutschlands den Vorrang einräumt. Frankreich", so schloß Laval, „dessen An­sehen unvergleichlich ist, hat keinerlei Vormachts­bestrebungen, sondern will nur den Frieden und die Zivilisation verteidigen und sicherstellen."

Die Erklärungen des Ministerpräsidenten wur­den von der Kammer mit nicht endenwollendem Beifall aufgenommen. Die Sitzung wurde daraus unterbrochen.

Die Kammerrede des französischen Minister­präsidenten Laval hat in Berliner politischen Kreisen keine Ueberraschungen ausgelöst. Man hat derartige Aeußerungen erwartet, zumal bei der Rede Erfordernisse der französischen Innenpolitik Pate gestanden haben durften Bezügl. der kommunalen Tributverhandlungen dürf­ten die Aeußerungen Lavals von dem Wunsch dik­tiert worden fein, schon jetzt Höchstforder u n- gen aufzustellen. Menn Frankreich nach diesen Erklärungen lediglich gewillt ist, sich nur auf vor­läufige Abmachungen für die Dauer der Krife ein­zulassen, so steht demgegenüber nach wie vor die deutsch- Ausiassung, die gerade deshalb eine end­gültige Bereinigung fordert, weil die ge­genwärtige Krife nicht zuletzt durch die politische Zahlungslasten Deutschlands verschuldet ist, und weil sie ohne endgültige Regelung auch nie be­hoben werden kann. Die Feststellung Lavals.

daß Frankreich nur in dem Maß zurückzustehen be­reit fei, in dem auch d i e Gläubiger Frank­reichs Nachlaß gewähren, betrifft das Ver­hältnis der ehemaligen Alliierten im Weltkrieg. Die von Laval Deutschland.nachgesagte Verschwen­dungssucht. schließlich dürfte auf einer gänz­lichen Verkennung der Tatsache beruhen, daß das durch den Krieg stark mitgenommene und durch den Versailler Frieden gänzlich ausgeplünderte Deutschland dringend des Wiederaufbaus und also der Reparationen im ebenen Lande bedurfte.

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rotb. London, 27. Nov. (Gig. Meld.) Anläßlich der gestrigen Kammererklärung Lavals sagt „Ti­mes", es fei kaum zweifelhaft, daß eine viel längere Atempause nötig ist als das von Hoovr herbeigeführte einjährige Schul­denfeierjahr, bis Deutschland sich genügend erholt hat, um eine neue Einfchätzung seiner Zahlungs­fähigkeit zu ermöglichen.*

wtb. Paris, 27. Nov. (Eig. Meld.) Nach dem Petit Parisien entspreche das Programm Lavals der großen Mehrheit der Kammer. La Republique schreibt, die Mehrheit hat nicht applaudiert, als der Regierungschef von der deutsch-französischen Zusammenarbeit sprach; sie hat dagegen mit lär­mendem Beifall die Stelle der Rede aufgenommen, wo von der Aufrechterhaltung der Rüstungen ge­sprochen wurde. Echo de Paris erklärt, man barf den Ministerpräsidenten von 1931 nicht für die vorhergegangenen Fehler verantwortlich machen. Nach der Volonte sind Lavals Gedanken frag­mentarisch und nicht geeignet, namentlich Deutsch­land auf dem Wege der Annäherung zn erhalten.

Aus -em Reichstag.

VD.Z. Berlin, 27. Nov. (Eig. Meld.) Der Haushaltsausschuß des Reichstages wählte am Freitag zunächst an Stelle des nationalsozia­listischen Abgeordneten Reinhardt den Abgeordne­ten D r. Cremer (D.V.P.) zu seinem stellvertre­tenden Vorsitzenden Dann beriet der Ausschuß die Frage einer zusätzlichen Winterhilfe. An die­ser Beratung beteiligten sich die Vertreter der D.V.P nicht, weil die Regierung ihrer Mei­nung nach nicht ausreichende Unterlagen vorgelegt hatte.

Reichssinanzminister Dr. Dietrich erklärte, daß es sich bei der Bereitwilligkeit der Reichsregierung durch Bereitstellung von Mitteln eine Verbilligung der für die Ernährung notwendigen Pro- dukte zu ermöglichen und die Einlö­sung einer Zusage handele, die er seiner­zeit im Zusammenhang mit der Neuregelung von Zöllen gegeben habe. Für die Erklärung der D.V.P. habe er insofern Verständnis, als es nicht gut möglich sei, über eine neue Belastung der Finanzen des Reiches, der Länder und Ge­meinden sowie der sozialen Versicherungsträger zu verhandeln, solange über die Gestaltung der öffentlichen Finanzen noch Verhandlungen und Beratungen schwebten. Vom Standpunkt seines Ressorts müsse er deshalb den Wunsch aussprechen, daß un gegenwärtigen Moment feine weitere Be­lastung der Reichsfinanzen für die Winterhilfe b chlvssen werde.

tandtags-Wfidenl Mllmaack.

Stadtrat in Magdeburg und Landtagsabgeord­neter seit 1921, der neue preußische Landtags­präsident.

Ernst Wittmaak.

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In der Plenarsitzung des preußischen Land­tages wurde am Freitag der neue Präsi­dent gewählt. Die sozialdemokratische Fraktion schlug den Wg. Wittmaak-Magdeburg (Sog. Dem.) vor. Die Kommunisten wünschten die Wahl ihres Fraktionsmitgliedes Kasper. Die Wahl wurde durch Namensaufruf vollzogen.

Wittmaak wurde mit 250 Stimmen bei insge­samt 359 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten gewählt. Er nahm die Wahl an.

cben Durchsckmittsbürger ja nicht berühren. Und trotzdem hat es keinen Zweck, in Pessimismus zu machen Der Reichskanzler will das Best«. Wer etwas Klügeres weiß als er, soll sich melden und, wenn es denn sein soll, die Verantwortung übernehmen, nur verlange er von uns nicht, daß wir seinen Versprechungen mehr Vertrauen ent­gegenbringen. So, wie die Verhältnisse sich ent­wickelt haben, wird auch jede kommende Regie­rung in den Fußtapfen der jetzigen sich bewegen

müssen. Das bringt ja noch keine Linderung der Not, wenn Hitler etwa ein paar hundert oder ein paar tausend Beamtenstellen mit sei­nen Anhängern besetzt, (Esser hat übrigens jüngst in Berlin die Parole ausgegeben: Wir kom­men entweder alle an die Macht oder keiner!), gar nicht zu reden davon, daß auch der Beam­tenapparat eingespielt sein muß und nicht von heute auf morgen umgestellt werden kann. . .... LI... j . —___l-..

Goering bei Groener.

Im Auftrage Hitlers hat der nationalsozia­listische Reichstagsabgeordnete Goering nach einer Meldung Berliner Blätter den Reichsinnenmmi- ster Dr. Groener am Donnerstag aufgesucht und ihm folgende Erklärung übermittelt:

Die Nachrichten über angebliche Hochverrats­handlungen der Partei in Hessen sind der Partei­leitung erst durch die Presse bekannt- geroorben Die Reichsleitung sowie die maß­gebenden Parteistellen haben damit nicht das Geringste zu tun. Die Reichsleitung steht nach wie vor auf ihrem oft genug zum Ausdruck gebrachten und beschworenen Standpunkt strengster Legalität. Sie wird die Vor­gänge in Hessen untersuchen und gegen jeden, der nicht die Weisung der Legalität befolgt, rück­sichtslos vorgehen und ihn aus der Partei ausschließen.

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Auch die hessische Parteileitung der National­sozialisten hat eine Erklärung abgegeben, worin es heißt:

Die legal« Grundhaltung gilt auch ehern und unverrückbar für di« NS D.Ä.P., Gau He s - s e n Sollte es sich bewahrheiten, daß einzelne Mitglieder der N.S.D.A.P., Gau Hessin, direkt oder indirekt sich mit Plänen dieser Art identifizieren, dann würden sie sofort und unwider­ruflich und auf dauernd ausgeschlossen. Der Oberste Führer der Bewegung Adolf Hitler hat durch seinen Eid den legalen Kurs der Bewegung beschworen, und die Bewegung muß jeden, per durch Unverstand oder als Spitze! den Führer meineidig machen will, rücksichtslos diszipli­nieren. Das hessische Wahlergebnis hat erneut unter Beweis aestellt. daß die N S.D.A.P. auf dem Wege über das Parlament staatliche Machtpositio­nen und durch diele die Gewalt im Staat selbst erreichen kann. Wir erklären jeden, der entgegen dieser klaren Erkenntnis mit illegalen 21ö= sichten ober Plänen sich trägt, für einen be­wußten Provokateur, der den Führer meineidig machen will und der Bewegung unabsehbaren Schaden zufügt. Diese Meinung wird nicht nur durch den verantwortlichen (Sauler ter Lenz, M. d. R„ gedeckt, sondern auch von al­len Mitgliedern und Führern der hessischen Par-

Sowohl die Reichsregierung, als auch die Preußische Regierung haben bisher zu den Vorgängen bei der hessischen NS.D.A.P. feine Stellung genommen. Die Reichsregierung warte, ab bis die Ermittlungen des Reichsanwalts abgeschlossen sind. Die Preußische Regierung er- flärt, daß für sie kein Anlaß vorliege, sich mit der Angelegenheit zu befassen, da es zunächst Sache der hessischen Polizei sei, bi« Vorgänge ans- zuklären. Es besteht daher noch völlige Unklarheit darüber, welche politischen Folgen aus der Ange­legenheit entstehen können. De- Oberreichsanwalt setzt inzwischen seine Ermittlu i fort.

' Er hat auch eine vielfach als merkwürdig emp­fundene Mitteilung gemacht, die so klingt, als ov die hessische Polizei oder die preußische Polizei mit ihrem tatkräftigen Zupacken Boses getan hätten. Der hessische Innenminister hat zu den in der Presse durch „Telegraphenunion ver­breiteten Darlegungen des Oberreichsanwalts fol­gende Erklärung in die Presse gegeben:

Ich habe die Erklärung des Oberreichsanwalk.ru- nächft für eine Mystifikation gehalten, da ste in wichtigen Tellen mit den geführten Besprechungen nicht zu verein­baren ist. Nachdem mir aber bestätigt wurde, daßta.- iächlich diese Erklärung vom Dberre.djsanron ftammt, sehe ich mich gezwungen, dazu folgendes ^stzustellen

1. Der Oberreichsanwalt behauptet Sch afe r je, „auf noch nicht geklärte Weife von Darmstadt nach Frankfurt gebracht und dem Polizeipräsidenten überge­ben worden der für Vorfälle in Darn^tadt keineswegs zuständig ist." Dazu bemerke ich: Dr Schäfer hat sich unmittelbar an den Frankfurter Pol'- xeinräfibentcn q e n> a n b t, her über bie|e ipni amtlich zur Kenntnis gekommenen Vorfälle pflichtgemäß dem Preußischen Innenministerium berichtet hat. D" hessische Innenministerium hat erst indirekt und zu nem späteren Zeitpunkt von den Mitteilungen des Schäfer Kenntnis bekommen.

2 Der Oberreichsanwalt behauptet, das Vorgehen der Darmstädter Polizei fei nicht auf feine „Veranlasst»^, hm geschehen, führt aber dann selbst aus, daß er bet der Unterredung im Preußischen Innenministerium den Rat gegeben habe, als Beweismittel wenigstens (.) die Schreibmaschine des Best zu beschlag nah­men." Lediglich dieser „Rat" des.Oberreichsanwalts tft von der Polizei durchgeführt worden

Die bei den führenden Persönlichkeiten der Nasto- "alsostaliitisisten Kartei des Emres Nellen dur^gesuhr- ten Haussuchungen dienten lediglich dem Zwecke der Sicherstellung solcher Beweismittel.

3 Der Zeitpunkt für eine rechtliche Würdigung des Falles durch die Behörden in der Oeffentlichkeit scheint mir im Gegensatz zu dem Herrn Oberreichsanwalt letzt noch nicht gekommen zu sein. Unabhängig von der strafrechtlichen Würdigung der Angelegenheit tft fest- zustellen: an der Echtheit der Belastungs dokumente ist nach den bisherigen Feststellungen nicht zu zweifeln. *

Di« Legalitätserklärung, bie Reichstagsabqe- orbneter Göhring im Auftrage Hitlers bem Reichs­innenminister übermittelt hat, wirb von ben mei­sten Blättern mit Kommentar wiebergegeben.

Der „Vorwärts" sagt, man könne auf biefe Erklärung keinen Pfifferling geben. Ihr Wett lieg« in bem Gestänbnis, baß bie Dokumente echt seien, und baß führende hessische Nationalsozialisten beteiligt seien. . „ ,,, _

Di« „Voss. Zeitung" will bte Ernsthaftigkeit ber Erklärung keineswegs in £ oeifel ziehen. Wenn sie auch abgefchwächt werbe durch ben Zusatz, baß zunächst bas Ergebnis ber amtlichen Unter­suchung abgewartet werben foH«, sei bas Bestre-