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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Ar. 273

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Donnerstag, 26. Aon. 1931.

Monatlich 1.80 einlchlietzl. Postgebühr (48 Pfg.) ohneZuftellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Postscheckk Frankl a M 4051

laitg. 58.

Schwere Aufgaben für Brüning.

Das Reichskabinett hat am Dienstag die in den Leitsätzen des Wirttchaftsbeirates niedergelegten Arbeiten fachlich aufgeteilt, worauf die Mi­nisterien in den nächsten Tagen die entsprechenden Entwürfe ausarbeiten werden. Es ist damit zu rechnen, daß von nun ab täglich das Kabinett die einzelnen Entwürfe durchberaten wird, sodaß das Gesamtprogramm noch vor Beginn der Tagung des BIZ.-A-usschuffes fertiggestellt sein wird.

Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat am Dienstag den Bericht über die Verhandlungen ihrer Vertreter mit dem Reichskanzler entgegengenommen und bei dieser Gelegenheit erneut eine Aushöhlung des Tarifrechts und eine weitere Senkung der Reallöhne abgelehnt.

Der Deutsche Beamtenbund hat in einem Telegramm an die Reichsregierung gegen eine weitere Senkung der Löhne und Gehälter Stellung genommen und den Reichskanzler um eine Ausspräche ersucht.

Der Reichsernährungsminister hat dem Kabinett einen Entwurf für Fleischverbilligung für Arbeitslose vorgelegt. Ferner hat der Minister in der Brotpreisfrage daraus hingewiesen, daß Maßnahmen in Aussicht genommen seien, die im Rahmen der Preissenkung erreicht werden sollen.

Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurden Ost Hilfefragen erörtert, wobei auch Reichs­minister Schlange eingehende Auführungen machte.

Das Schuldenproblem.

Im Brennpunkt des öffentlichen Interesses ste­hen die Verhandlungen über das Reparationspro­blem und die Auslandskredite Deutschlands. Un­ter welchen politischen Vorzeichen beginnen diese Verhandlungen? Was können wir von ihnen er­warten? Diese Frage beantwortet der frühere Staatssekretär im Auswärtigen Amt D r. R. v K ü h l m a n n in dem neuesten Heft desHeimat­dienst" (2. Novemberheft Nr. 22), in lebendiger packender Darstellung. Er schreibt u. a.:

Die ungeheure Welttrise, die doch in letzter Li­nie eine Nachwirkung des Großen Krieges ist, hat im Laufe des Jahres 1931 dazu geführt, daß die Wetterführung der Zahlungen sowohl der poliff- schen Schulden, als der kommerziellen Schulden sich als unmöglich erwies. Mr die Reparationen verlangte und erkämpfte Präsident Hoover ein Feierjahr das im Sommer 1932 zu Ende geht. Für die anderen Schulden mußte die durch Ab­ziehung kurzfristigen Gelder an den Rand des Abgrundes gedrängte deutsche Wirtschaft durch Stillhaltungsverträge mit den Hauptgläubigern eine zeitweilige Atmungspause sich schaffen.

Amerika leidet trotz seiner vorbildlich entwik- kelten Industrie und seines großen Reichtums un­ter der Weltkrise kaum weniger schwer als Eu­ropa. Die amerikanische Bankwelt, an der Spitze das mächtige Haus Morgan, das an Napoleons Theorie festhält, der liebe Gott sei meistens mit den größten Bataillonen, und deshalb von langer Hand her eine ausgesprochen franzosenfreundliche Haltung einnimmt, hatte natürlich den Wunsch, sich mit Frankreich zu vertragen, um den Gold­abfluß und damit die Gefährdung der amerikani­schen Kredistituation abzustoppen. Trat auf diese Weise eine 'große, über weitreichenden Einfluß in Washington verfügende Gruppe für Verständigung mit Frankreich ein, so darf auf der anderen Seite ni<Ä übersehen werden, daß politisch und gefühls­mäßig Amerika sich dauernd weg von Frankreich entwickelt hat. Der amerikanisch-französischen Ver­handlungen über die Regelung der Kriegsschulden gedenken die beteiligten Amerikaner, und es sind Männer von größtem Gewicht, mit tiefer Bitter­keit. Die Hemmungen, die Frankreich der raschen Annahme des Hoover-Feierjahres entgegengesetzt

hat, zusammen mit der französischen Haltung in der Abrüstungsfrage und der Frage einer Revision des Versailler Vertrages haben diese Bitterkeit nur gesteigert, und es ist keine Uebertreibung, zu be­haupten, daß gerade in den reichen und mächtigen Kreisen, für die jahrzehntelang Paris das Mekka der Kulttir und des Wohllebens bedeutete, heute Frankreich mit einer manchmal an Haß grenzen­den gefühlsmäßigen Abneigung gegenüberstehen. Senator Borah. heute wohl einer der einflußreich­sten Politiker Amerikas, hat selten der breiten Masse seiner Landsleute so aus dem Herzen ge­sprochen, als in dem Interview an die französi­schen Korrespondenten. Ohne Lavals Eingreifen wäre wohl nach Ablauf des gegenwärtigen mit einem oder mehreren wetteren Hoover - Feierjah­ren zu rechnen gewesen. So hat die Europamüdig­keit weiter Kreise des amerikanischen Volkes und die Unlust der dortigen Volksvertreter, in Zeiten eigener wirtschaftlicher Bedrängnis zugunsten Europas dem eigenen Volke sichtbare Opfer, zuzu­muten, Präsident Hoover bewogen, Frankreich zu­nächst eine wohl zettlich begrenzte Blankovollmacht auszuhändigen für den Versuch, durch direkte Ver­handlungen mit Deutschland die Reparations- und Schuldenfrage in eine tragbare Form zu gießen. Hatte Hoover bei dieser ganzen Verhandlung ein­gekeilt zwischen die geschilderten Strömungen, we­nig Bewegungsfreiheit, so erinnerte Laval selbst bei dem ganzen Unternehmen an die seltenen Künstler, die, an Armen und Beinen gefesselt, auf dem angespannten Seile Erstaunliches leisten. Der französische Premierminister wird von den arg­wöhnischen, jeder Konzession an Deutschland grund­sätzlich abgeneigten Gruppen der Rechten so scharf überwacht, daß er höchstens ein paar Finger, nicht aber die Arme bei den gegenwärtigen Verhand­lungen rühren kann. Er macht auswärtigen Staatsmännern gegenüber aus dieser engen Ge­bundenheit kein Hehl, und die Offenheit und Frische, mit welcher er dies tut, hat ihm auf den Kontinent und sicher auch drüben Sympathien ein­gebracht.

Man mag sich stellen, wie man will, es wird bei der geschwächten Kraft Deutschlands an der Frage, sollen Reparaturen oder Stillhalteschulden den" Vorrang haben, nicht vorbeizukommen sein. Während Amerika mit 52 o. H. an den deutschen Privatschulden beteiligt ist, beträgt der französische Anteil knapp 6 v. H., die französischen Repara­tionsforderungen aber machen weit über die Hälfte der Gesamtsumme aus. Diese Ziffern zeigen klar, wieweit die Interessen der Gesprächspartner aus­einandergehen.

Daß Laval trotz des lähmenden Einflusses kommender Wahlen und der ihm so bekannten in­neren französischen Hemmungen mit Mut und Energie an das Problem herangeht, ist ein Beweis für seinen Unternehmungsgeist und für den Ernst, mit dem er die deutsch-französischen Verhältnisse zu regeln entschlossen ist. Die bisher vom Reickis- außenminister Brüning befolgte Linie gibt volle Gewähr dafür, daß Deutschland alles nur Mög­liche tun wird, um diese Verhandlungen erfolg­reich zu gestalten. Die augenblickliche Leistungs­fähigkeit des deutschen Steuerzahlers und der deut­schen Wirtschaft setzen allerdings rein zahlenmäßig dem besten Willen enge Schranken. Die über­ragende Wichtigkeit des deutsch-französischen Pro­blems muß jedem Vernünftigen eine tragbare Lo­sung als höchst erstrebenswert erscheinen lassen. Sollte die Kürze der Zeit und die vielen hemmen­den Faktoren, die wir aufzuzeigen versucht haben, eg zu vollem Erfolge nicht kommen lassen, so wird eine von beiden Seiten mit so viel Gründlichkeit und so gutem Willen geführte Verhandlung jeden­falls wesentlich dazu beitragen, die politische Atmosphäre zu verbessern und die Punkte, über die man sich nicht einigen konnte, enge und prä­zise zu umschreiben, so daß doch auf alle Fälle auf dem Weg zu vernünftiger Einigung ein wesent­liches Stück nach vorwärts gewonnen fein müßte.

Deutschland erwache!

Das ist wirklich eine wohlbegründete Parole Ein großer Teil des deutschen Volkes be­findet sich in einem Traumzustand und muß aufgeweckt werden In seinem Hexenschlas sieht es die Dinge so, wie es sie sehen möchte, ein Zu­stand, in dem es nötig ist, sich kühles Wasser über die Augen zu gießen und mit dem Finger nach­zureiben. Es gren.zt ans Komische wenn die V o- gelsberger Bauern, soweit sie zum Frei­staat Hessen gehören, zu Tausenden eine Partei wählen, die dieSozialistische Republik der Deutschen" erstrebt. Es ist unbegreiflich, daß diese alten bodenständigen Geschlechter, die mit der Scholle verwachsen sind, sich für eineNational­sozialistische Arbeiterpartei" begeistern. Und doch ist es in Hessen bei der letzten Wahl den National- sozialfften gelungen, nicht etwa die bisherigen Arbeiterparteien zu vernichten, die bürgerlichen Parteien fast restlos a u f z u s a u g e n. Gerade der Umstand, daß die Nationalsozialisten das alte rechtsstehende Bürger- und Bauerntum infolge der jämmerlichen Führung und der noch jämmerliche­ren Presse in diesen Lagern aufgesogen haben, gibt jetzt der nationalsozialistischen Arbeiterpartei den Antrieb, noch radikalere Töne nach der sozia­len und sozialistischen Seite hin anzufchlagen, um bei der eigenen Kerntruppe, die sich aus nationalen Sozialisten zusammensetzt, nicht in Mißkredit zu kommen. Deswegen schlagen die Führer der Nationalsozialisten um so radikalere Töne nach der sozialen und sozialistischen Seite hin an. Den Auftakt bildete eine Berliner Kund­gebung, auf der Esser und Goebbels sprachen und über die bezeichnenderweise die Hugenbergblätter nicht berichteten Im Anschluß an diese Kund­gebung prägte Dr Goebbels imAngriff" das Wort über diestahlharte Kristallisation unseres sozialistischen Wollens". Unter dieser Parole will der Nationalsozialismus fortan den Kampf gegen denArbeiteroerrat der SPD." füh­ren, der, so wie er angelegt ist. den Kommunisten Zutreiberdienste leisten wird. Zugleich ist auch die Parole eines verschärften Kampfes gegen das Zentrum ausgegeben worden. Usber die massiven Methoden, die der National­sozialismus dabei anwenden will, sagte Goebbels: Wir werden diesen feigen Konfessionsbediensteten auch die Heuchelei austreiben, als verföchten sie das Interesse der katholischen Kirche." Und Ester sagte: Wir alten Nationalsozialisten haben lange genug in Bayern gelebt, um gut zu wissen, daß man zu­nächst denschwarzen Dreck" wegräumen muß, daß man zuerst die schwarze Haut wegschneiden muß, um an den roten Bauernschinken heranzukommen." Beide Redner haben wohl selbst nicht geglaubt, uns mit diesem Theaterdonner zu erschüttern.

Jawohl, wir nehmen den Fehdehandschuh auf. den Kampf gegen die Illusionen in die der Nationalsozialismils das deutsche Volk hineinpeiffcht. Man faßt sich an den Kopf und fragt sich, wie überhaupt noch denkende Menschen in einer Massenversammlung den aufgeleg­ten Unsinn Feders bejubeln können, der vier Millionen Arbeitslose dadurch wieder in den Produktionsprozeß einichalten will, daß er Deutschlands Grenzen für den Im - port sperrt In demselben Augenblick würde nämlich uns von den andern der Export gesperrt werden und die Arbeitslosigkeit sofort wieder da fein. Im übrigen scheint Feder gar nicht zu wis­sen, wie stark bereits unser Import gedrosselt ist. Er arbeitet mit Zahlen, die vor Jahren ein­mal richtig waren, heute aber längst nicht mehr zutreffen. Aber die Hauptsache bleibt dieser un­heimliche Widerspruch zwischen dem, was Feder verspricht, und dem, was aus feinen Vorschlägen werden müßte Mit dem WortEin unheimliches Schauspiel" schließt der Vertreter derNeuen Zü­richer Zeitung" seinen Bericht über die Darm­städter Hitlerversammlung ab, in dem er den f u n- bamentalen Widerspruch der These Hitlers aufdeckt und als Deutschenfreund dar­über enffetzt ist, daß die Mitläufer des National- fozialismus diesen Widerspruch nicht herans- fühlen und nicht bemerken, wie Hitlers These die Fesseln des deuffchen Volkes nur noch enger schmieden muß. Dieser neutrale und Deutschland wohlwollende Vertreter derNeuen Züricher Zei­tung". deren Verdienst um Deutschland auch der verbissenste Nationalsozialist nicht leugnen kann, schreibt darüber in Nr. 2168:

Der Führer spricht vom Gesetz der Natur, dem Kampf ums Dasein, der Auslese umschreibt, ohne es zu nen­nen, das Darwinsche Selektionsprinzip. Man sagt, das fei rohe KrastaNbetung, das sei unchristlich. Es ist ein ewiges Gesetz! Hitler proklamiertdas Recht der Kraft" b. h. das Recht des Stärkeren. Großer Beifall . . . Die Zuhörer sind überzeugt. Das Schwert wird also, in die Wagschale der Bölkergelchicke geworfen, der Schwache mit Recht gemäß dem ewigen Gesetz der Natur zugrunde gehen. Der Starke wird siegen. Hitler lehnt sich dagegen auf, daß jenes Gesetz, das Zehntausende von Jahren geherrscht hat, von kleinen Menschen zu verlet­zen versucht wird, indem sieein zufälliges Jcchr", aus­gerechnet das Jahr 1919 herausgreifen, um die Macht­verteilung zu stabilisieren. Er spielt auf die Abrüstungs­konferenz an. Er glaubt an die Notwendigkeit militäri­scher Entscheidung, sonst würde er nicht vom Gewicht des Schwertes sprechen. DasRecht der Kraft", das Recht" des militärisch Stärkeren liegt bekanntlich heute nicht bei Deutschland. Wie soll es sich dieses Recht holen wo es doch andre Mächte mit demRecht der Kraft" daran hindern können? Diesen inneren Wi­der s p r u ch seiner Lehre hat Hitler in der Darmstädter Rede nicht gelöst. Er sprach zweieinhalb Stunden.

Wir wissen, daß Hitler trotz solchen Redens­arten nicht im Traume daran denkt, einen neuen Krieg zu entfesseln. Aber wer das Postulat vom Recht der Kraft" aufstellt, jagt das deutsche Volk nicht nur in Illusionen hinein, vor deren Wirkun­gen jedem unheimlich werden muß. sondern gibt auch denen unsrer Gegner, die dasRecht d e r Kraft" praktizieren, die philosophische Rechffertr- gung, so zu handeln, wie sie handeln. Der Natio- »aljozialismus wirft de« Linksparteien vor, daß sie

durch ihren Internationalismus denen unserer Gegner in die Hände arbeiteten, die uns dau­ernd in den G ef ängniszellen von Versailles belassen wollen. Ueberftie« gener Pazifismus hat solche Auswirkungen ge­habt. Das deuffche Volk bat aber ebenso die Tat­sache zu erkennen, daß die Proklamatoren des Rechtes der Kraft" in genau der gleichen Weste jenen unfern Gegnern in d i e Hande arbeiten. Es wird Zeit, gegen dieseNar- totif ierun g des deutschen Solle seine bewußte Gegenoffensive zu entfalten und diejenigen, die noch zu erwachen vermögen, wirklich wachzurütteln. Den RufDeutschland er­wache" nehmen wir auf. Nur verstehen mir darun­ter etwas andres als der Nationalsozialismus, näm­lich den Ruf, auch von den illusionären Thefen der Nationalsozialisten zu erwachen.

*

Die Pressestelle der Reichslettung der National­sozialistischen Deuffchen Arbeiterpartei gibt in Mün­chen eine Mitteilung heraus, in der es heißt:

Die Pressestelle der Reichsleitung der N. S. D A. P. teilt mit: In der ausländischen Presse wer­den Nachrichten verbreitet, wonach die Natio­nalsozialisten mit der s ranzösischen Regierung in Verhandlungen ständen über Fragen, die die Einstellung Frankreichs zur natio­nalsozialistischen Bewegung betreffen. Demgegen­über ist festzustellen, daß weder der Mhrer der N. S .D. A. P noch irgend ein von ihm beauftragter zu irgendwelchen Verhandlungen an Frankreich herangetreten ist.

Die fraglichen außerdeutschen Mitteilungen, ge­gen die sich diese Erklärung der nationalsozialisti­schen Partei richtet, haben natürlich den einen und den anderen Anhallspunkt. Ein Berliner Mon­

tagsblatt erzählt von den Auslastungen eines re­präsentativen französischen Politikers über die Bewertung des Na t i o n als o zia lis. mus durch die Franzosen. Cs wistd da offen ausgesprochen, daß führende Wirtschaftskreise in Frankreich den Wunsch hegten, in Deutschland möchte sich recht bald eine Hitler-Regie­rung etablieren. Frankreich erwarte von ihr die Stabilisierung des im Friedens­vertag geschaffenen Zustandes, die in den Ver­handlungen mit den deutschen demokratischen Regierungen nicht habe geschaffen werden können. Denn Hitler werde, wenn er einmal an der Macht sei, durch innere Schwierigkeiten derart gefesselt werden, daß er keinerlei außenpolitische Aktivität werde zeigen können. Sollte Hitler aber wirklich versuchen, jene außenpolitische Erfolge zu errin­gen, die er seinen Wählern in Aussicht gestellt habe, so werde das mit einem Schlage Frankreich einig gegen Deutschland zu s a m m en s ch w e i- ßen. Es werde dann in Frankreich hinsicht­lich der Behandlung Deutschlands keine Mei - nungsverschiedenheit mehr geben, und die Dersöhnungspolitiker würden verschwinden müssen. In diesen Zusammenhang gehört eine Aeußerung des neuen französischen Botschafters in Berlin, die in der natio­nalistischen PariserLiberte" effchien. Das sie nachträglich von Francois-Poncet als erfunden bezeichnet worden ist, läßt sich aus diplomatischen Gründen voll verstehen. Immerhin gibt dieseEr­findung" manche Austchlüsse. Francois-Poncet sollte zu dem Berichterstatter desLiberte gesagt haben:

Sie werden hier in Berlin eine UnzahlvonWi- dersprüchen entdecken. Sie finden dicht nebeneinan­der soviel Unvorsichtgikeit und Unruhe, soviel wahres Elend und falsche Armut, soviel Starrsinn

Neue Kämpfe im Osten.

In der Dienstagsitzung des Völkerbunds, rates in Paris haben die Vertreter IapaNG und Chinas weitere Vorbehalte zu der Ratsent­schließung über die Bildung eines Unter» suchungsausschufses gemacht. Auf dem mandschurischen Kampffrbauplatz ist es erneut zu einem japanisch-chinesischen Ge­fecht gekommen, wobei die Chinesen sich zurück­ziehen mußten.

wtb. London, 25. Nov. (Eig. Meld.) Wie tue Times" aus Tokio meldet, ist der vom Völker­bundsrat fertiggestellte R e f o l u t i o n s e n t rourf von Japan für armehmbar erklärt worden mit Ausnahme der Klausel über die Beschränkung der militärischen Tätigkeit.

rot. London, 25. Nov (Eig. Meld.) Nach einer Pariser Meldung desDaily Telegraph" hat der japanische Botschafter im Auftrage feiner Regie­rung beim Völkerbundsrat auf die Zusam» menziehung chinesischer Truppen nördlich der großen Mauer hinge- wiesen und ihre Zurückziehung in südlicher Rich­tung gefordert.

Idealisten!

rotb. Newyork, 24. Nov. (Eig. Meld.). Vertre­ter von 41 Friedensorganisationen haben den Prä, sidenten Hoover ersucht, den Kongreß aufzufordern, die Verschickung von Waffen und Mu­nition nach Japan und China zu ver­bieten.

Wenn der Geschäftsgeist auch siegen wird, so ist es immerhin noch ein Trost, daß Men­schen mutig für den Geist de" Friedens eintre­ten.

* Ladendorsf legt feine Parteiämter nieder In einer Sitzung des engeren Vorstandes der Wirt­schaftspartei,' in der man sich am Dienstag im Reichstage mit innerparteilichen Angelegenheiten beschäftigte, wurde, wie die Telegraphen-Union er. fährt, mitgeteitt, daß der preußische Landtags- abgeordnete Ladendorff im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten bei der Dank für Handel und Grundbesitz gebeten hat, ihn vorläufig von allen Parteiämtern zu entbinden. Diesem Wunsche ist stattgegeben worden.

Neues Sowjet-Experiment.

Probeweise Sechstagewoche.

Wie die Sowjetamtliche Telegraphen-Agentur mitteilt hat der Rat der Volkskommissare beschlos­sen, daß mit Beginn des 5. Dezember probeweise di« Sechstagewoche in solchen Unternehmungen und Behörden eingeführt werden soll, die nicht unmittelbar mit dem ununterbrochen arbeitenden Teil der wirtschaftlichen Unternehmungen verbun­den sind. Die Entscheidung liegt jeweils bei den Vollzugsausschüssen der Bezirke. Für den Ueber- gang zur Sechstagearbeitswoche sind bestimmte Ausgangstage nach der Berordnung festgelegt, und zwar jeweilig der 6., 12., 18, 24. und 30. Tag des Monats. Der 6. Tag der Woche wird in die­sen Unternehmungen generell als der Ruhetag ge­feiert. Zu gleicher Zeit wird die tägliche Arbeits­zeit von 6% auf 6 Stunden herabgesetzt.

und guten Willen, soviel echte Betrübnis und soviel Verschwendungssucht, daß Sie sich jeden Augenblick fragen: W y i st W a h r h e tt, w o i st L u g e? Werden wir Franzosen in Deutschland mehr Sympathie und Verständnis finden, wenn wir uns stark zeigen, oder wenn wir den Oelzweig der Versöhnung ausstrecken? Sol­len wir diese oder jene Partei fürchten oder sollen nur uns über ihre Fortschritte freuen? Kann man die Zu­stände in Deutschland an dem klaren Bild unseres tatet- Nischen Gleichgewichts messen oder ist hier alles so hohl, wie einige dieser Jndustrieunternehmungen, deren unge­heuer aufgetriebenes Kapital in keiner Weise dem realen Wert entspricht?" , , .

Meine Aufgabe hier", fuhr Francois-Poncet fort, ist vor allem, ohne Vorurtell, ohne Voreingenommenheit und ohne starre Theorien einer Schule oder Partei an die Beziehungen zwischen dem Frankreich, das ich vertrete und dem Deutschland, das soviel von uns erwartet, das sich berechtigt glaubt, zuviel von uns zu erwarten, heran­zugehen. Wir müssen, ohne etwas von unserer Macht und unserem Prestige aufzugeben, mit den Führern Deutschlands, wer immer auch sie fein mö­gen, eine Politik der Annäherung und des wirtschaftll- chen Wiederaufbaues treiben, müssen sie entwickeln und uns anpassen. Das muß die Parat- für unsere Diplomatie in Berlin fein."

In der englischen Pt . sie werden Meldun­gen verbreitet, wonach Verhandlungen zwischen den Franzosen und Hitlerleuten geführt wurden, um diese für eine Reparationsregelung zu gewin­nen. Die LondonerM o r n i n g p o st" ist die­sen Berichten nachgegangen. Sie läßt sich aus Pa­ri« melden, eine offiziöse Aktion liege auf keinen Fall vor, man könnte sich aber denken, daßi n - dividuelle Franzosen, die nieman­den vertreten" während ihres Berliner Be­suchs Unterredungen mitNazis" hatten.

DieKasseler Post" ist das Blatt der rechtsstehenden Kreise in der Hauptstadt Kurhessens, und in weiteren Bezirken Nordhefsens. In ihr sehen namentlich die zur Rechten gehören­den maßgebenden Beamten unseres Be­zirkes ihre politische Wortführerin. In Kassel be­hauptet man, dieKasseler Post" schreibe so, daß man sie für ein Organ der Nationalso­zialistischen Deutschen Arbeiterpar­teihalten könne Was sie in ihrer blin­den Zuneigung zu den nationalso­zialistischen Zerstörern einer kraftvollen politischen Vertretung des rechtsstehenden Bürger­tums tatsächlich beiträgt, wird immer klarer wenn man folgende geradezu erschütternde Veröffentli­chung lieft, die den Bericht über die Rede des w e- gen Fememordes verurteilten, be-