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25. November

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Nr. 272

NILS

Bannerlied.

Frischauf in alle Weiten, Heraus aus engem Turm Und vorwärts in die Zeiten, du junger Christus-Sturm! Die Banner wehn und rauschen. Ein Lied von Kampf und Sieg!

Doch ist nicht Zeit zu lauschen! flieg, Christusadler. flieg!

Wen schreckt der Zeiten Dunkeln, da schon, Nordfeuern gleich.

Hellauf die Banner funkeln, vom jungen Gottesreich! Von jeder Bannerspitze fliegt es wie Wetterschein Wir wollen Gottes Blitze und Frühgewitter sein!

Das Alte laßt den Alten! Uns glüht der Tag heran! Wir lassen uns nicht halten! Christusbanner zieh voran! Voran zum stolzen, frommen, gewaltigen Gotteskrieg! Wir lassen uns nicht halten! Christbanner zieh voran!

Ludwig Hugin in derWacht".

..Siedlerschule Haus Malgendorf".

Der katholische Jungmännerverband hat in dem katholischen Siedlerdorf Matgendorf in Meck­lenburg eine Siedlerschule errichtet, die am 13. September eingeweiht wurde. In der Novem­ber-Nummer der ZeitschriftJungland" wird darüber berichtet:

Hart packt das Leben den jungen Menschen, wenn er seine Arbeit verliert. Die Zahl derer, die diesem Los mit Gleichgültigkeit begegnen, wird wohl immer kleiner werden. Die Not wächst und wird immer größer, sie ist zwingender geworden. Die Zeit fordert von uns eine Entscheidung. Mancher wird nicht mehr die Kraft haben, einen neuen Weg zu suchen, denn das lange Erwerbslossein hat ihn schlapp gemacht, ja ihn fast zer­mürbt. Darum heißt es, sich schnell und beftimmt zu fassen und einem neuen Ziele nachgejagt.

Wiedermals hatte mich auf meinem Lebensweg das Gespenst der Erwerbslosigkeit ereilt. Was tun, was soll werden? Fragen gingen in mir um, und es be­gann ein Suchen. Der Gedanke des Siedelns war mir nicht neu, aber die Schwierigkeit lag darin, einen gangbaren Weg zu finden. Doch bald war er ge­funden. Matgendors! Es wurde überlegt, die Kräfte wurden geprüft, denn es war mir klar, die Umschulung wird hart fein. Der städtische Mensch in mir erzitterte, er forderte ein Nein. Aber der Wille erkannte das Ziel, die Kräfte waren noch elastisch, und der erste Schritt wurde mutvoll unternommen. Die Tage in der Schule und die Arbeit beim Siedler gaben uns ein wahres Bild von unserem künftigen Beruf. Hier hieß es Gemein­schaftsgeist üben, sich fügen, sich einordnen, dort war es die schweigende Arbeit des Bauern, die uns ein Vor­bild für unsere Arbeit sein wird. Bei schweigender Ar­beit heißt es schweigend lernen.

Sonntag, den 13. September, ist Eröffnungsfeier der Siedlerschule Haus Matgendors. Die Vorbereitung ist im (Sang. Die Tasten der Schreibmaschine schwirren. Einladungen werden ins Land gesandt. Die Küche ar­beitet mit Hochdruck, da gilt es, feine Kunst im Backen an den Tag zu legen. Der Tag ist da. Morgens hielt der Herr Generalpräses eine Gemeinschaftsmesse. Die ganze Gemeinde betet mit dem Priester, Männer und Jungmänner, grauen und Jungfrauen beten im Wech­selgebet. In seiner Predigt zeigt der Herr Generalprä­ses den Weg des Siedlers in der neuen Gemeinde, die Wirksamkeit des Reiches Gottes in der Siedlung. Ihr habt die Heimat verlassen, neues Land und neuer Bo­den steht unter euren Füßen, ihr seid frei von jeder Hemmung durch Tradition und Brauch. In der Hand des Siedlers liegt die Gestaltung der neuen Ge- meinöc.Ein Stückchen Land, ein Stück­chen Brot und ein wenig Siebe!" Am Nach­mittag ist die Eröffnungsfeier. Viele Säfte waren er­schienen: alle Jungbauern und Umschüler aus der Sied­lung und die ganze Schule waren versammelt. Ein ge­meinsames Lied erschallt. Wir hörten den Prolog Heinr. Lerschs:Leuchte, scheine^ goldne Sonne."Neuer Wille, neuer Glaube, Tat allem kann uns befrein," das ist auch unsere Losung. In seiner Ansprache dankte der Herr Generalpräfes allen Helfern. Er konnte nicht ge­nug Dank finden für die Freunde, die mithalfen, daß das Werk zustande kam. Nun ist es gelungen, freuen wir uns. Dann bemerkte der Herr Generalpräses wei­ter, Haus Matgendors ist ein schönes Schloß. Zum Schlüsse hörten wir folgendes:Siedler­schule Haus Matgendors G. m. b. H. Ach was G m. b. H. ist ja nur juristische Formel. Euch Schülern und Schülerinnen gehört die Schule, iijr seid die Träger. Was ihr aus ihr macht, das ist sie, das wird die Schule werden." Dieser Auftrag erfüllte uns mit Ernst und Verantwortungsbewußtsein; aber auch mit frischem Mut, der zum Gelingen der Sache notwendig ist. Wir hör­ten die Vertreter der einzelnen Behörden. In ihren

2lusführungen gaben sie vor allem chre Freude über das gelungene Werk zum Ausdruck und das Derfprechen, auch weiterhin die Sache zu unterstützen und zu fördern. Es kam der Feier zweiter leil, der uns wohl allen ge­fallen hat. Bei Kaffee und Kuchen und munterem Ge­spräch ging er dahin. Ein fröhlicher Heimgarten gab dem Tag einen Abschluß. Heitere Gesellschaftsspiele, muntere Reigen und Tanz wechselten miteinander. War das eine Freude. Wir haben dabei gesehen, daß es nicht nur etwas für kleine Kinder ist, sondern auch für uns, was uns froh macht und Freude bereitet So ging es munter fort, bis ein Abendlied der Feier einen Abschluß gab.

Das Vildungsideal der kalhol. Zagend.

Soziales Empfinden.

Die folgenden Bezirke zeigen zum Teil Einzelaus­gaben einer katholischen Aktion. Vor allem die sog. soziale Frage. Wenn man wissen will, was Groß­stadt, was Neuheidentum, was sittliche und leibliche Not heißt, dann muß man dieNotizen, Weltstadt- betrachtungen von Dr. Sonnenschein le­sen. Im Telegrammstil, den ihm die Last der Groß­stadt eingab, eröffnet er kurze Einblicke. Aber ihre Gottesserne tontraftiert er wohltuend durch die Licht­blicke in die Uebernatur, die er unter der kleinen Herde der Katholiken Berlins und in der kalhol. Provinz er­lebt. Auch was fein Geist alles umfaßte und bedachte, findet in den Notizen seinen Niederschlag. Eie bilden so interessante Dokumente eines modernen Geistes.

Mit dem Namen Franz Herwig verbindet sich sofort das gonge Fragengefüge der sozialen Not. Die­ser Gegenstand zicht sich immer wieder, durch feine Dich­

tung. Mit der Gestaltung all der materiellen und sitt­lich-seelischen Not der modernen Großstadt, wie sie be­sonders in der Hefe ihrer Bevölkerung wuchert, hat er vor allem bei der Jugend begeisterte Anhängerschaft ge­funden. SeinSebastian von Wedding" wurde das Vorbild werktätiger Nächstenliebe. Dessen Liebe ging so weit, daß er, der Klostermönch, hinaus- zog in das ärmste Viertel Berlins, um mit denen, die sonst als Auswurf der Menschheit gelten, gemeinsam zu leben, ihnen zu dienen. Diese Gedanken werden fortgeführt in dem größeren RomanDie Einge­engten" und inHoffnung auf L i ch t". Auch die Lebensgestaltungdes großen Bischofs" stellt stark die soziale Wirksamkeit und Denkart Kettelers heraus. Da Herwig mit glühendem Herzen erlebt und schreibt, wird man einige etwas absonderliche Meinun­gen im religiösen Denken seiner Gestalten gern ver­zeihen.

Ein Apostel der sozialen Tat ist Friedrich O z a- nam. Er, der Universitätsprofessor am Lehrstuhl für Literatur in Paris, ist der Begründer der Vincenz-Kon­ferenzen, die im Geiste des hl. Vinzenz v. Paul den Armen in werktätiger Nächstenliebe helfen wollen. Vom Katheder der Sorbonne stieg er hinab in die Elendsviertel der Armen, in Dachstuben und Miets­kasernen. Well er vom Leben befruchtet wurde, riß er manchmal in seinen Vorlesungen bis zubrausender Begeisterung" hin. Die Idee Ozanams:Wir wollen unter die Menschen gehen und ihnen Gutes tun" scharte einen Kreis junger Freunde um ihn, woraus dann die Karitas-Konferenzen sich entwickelten. Das Buch von Georg GoyanFr. O zanam" schil­dert, wie er in feine sozialen Ideen hinouswuchs und wie fein Werk langsam daraus geworden ift

gegen den Ansturm von rechts und links mit dem Ein­satz der ganzen Kraft verteidigen.

Die Tagung begann Dienstag, den 17. Noo., vor­mittags 8 Uhr, mit einer hl. Messe im St. Josephs- l)eim, wo auch die gemeinsamen Mahlzeiten eingenom­men wurden. Und es darf nicht verschwiegen werden, daß die Schwestern mit mütterlicher Siebe für unser leib­liches Wohl gesorgt haben. Die 100 Jungen, zu 75 Pro­zent Erwerbslose, die im Josephsheim während der Ta­gung verpflegt wurden, fühlten sich so wohl, daß es ihnen schwer wurde, als sie am Samstag vormittag wieder scheiden mußten. Da ihnen auch von den Ful­daer Aentrumssamilien freundliche Quartiere eingeräumt worden waren, fiel der Tagungsleitung ein schwerer Stein vorn Herzen. Eine Voraussetzung für das Ge­lingen der Tagung war erfüllt: Verpflegung und Un­terkunft waren gesichert.

Für den Erfolg der Tagung waren aber andere Dinge maßgebend, vor allem der zukunftsfrohe, glau­bensstarke Geist der Arbeiter-, Bauern- und Handwer- kerjugend, die aus den Kreisen Fulda, Hünfeld und Gers- feld zusammengekommen war. Hinzu stieß ein Trupp Gleichgesinnter aus Bad Soden-Salmünster und ver­einzelte Gesinnungsgenossen aus Oberhessen, Geisa, dem Joßgrund und Bad Orb. (Das Durchschnittsalter be­trug 2324 Jahre. Bei einer Zählung waren von 125 Anwesenden 85 erwerbslos.)

Die Tagesarbeit wurde jeden Morgen ringet eitet durch den Besuch einer hl. Messe. Das ist keine Fröm­melei, sondern für die katholische Jungmannschaft, wenn sie sich aus einem besonderen Anlaß trifft, eine Selbst­verständlichkeit. Wir wissen, wenn der Herrgott seinen Segen nicht gibt, bann ist alles menschliche Bemühen zwecklos. Die

Beratungen des Dienstag

Unser Sannet zeigt das Chtlslus-Steuz.

Zur politischen Schulungskagung des Windthorstbundes in Fulda. Oie Iungmannfchast wird das Fuldaer Land gegen Hakenkreuz und Sowjetstern verteidigen. Eine Treue-Kundgebung zum Kanzler Brüning. Die katholische Jugend unter der alten Zentrumsfahne.

Als der Windthorstbund Fulda die Ein­ladung zu einer fünftägigen politischen Schulungs­tagung ins Fuldaer Sand hinausgehen ließ, da pro­phezeiten uns manche einen glänzenden Reinfall. Wir ließen uns nicht entmutigen. Es ist ja verständlich, daß die Gegner diesen herbeisehnten und daß die ältere Ge­neration dem Unterfangen der Jugend, der sie nicht allzuviel zutrmtt, mit einer in bitterer .^Lebenserfah­rung" errungenen Skepsis gegenüberstand. Der Ver­lauf der Tagung hat aber uns recht gegeben. Die B e- geifterung der Jungen riß auch die Aelteren, wenn sie als willkommene Gäste erschienen, mit; die vor­bildliche, disziplinierte Haltung der et­wa 150 Tagungsteilnehmer davon etwa 120 von auswärts ließ manchen verstummen, der stets an der Jugend etwas auszufetzen hat. Es ift schon so, die Heu- tige Jugend ift besser als ihr Ruf. Was kann sie da­für, daß sie in eine so verworrene Zeit hineingeboren ist. Sie findet sich besser mit ihr ab als die Alten, sie schimpft lange nicht so viel und nutzlos wie die anderen Volksgenoffen, denen es meist besser geht, und wenn in Deutschland nicht von so vielen Beuten in der ver­antwortungslosesten Weise gehetzt würde, bann brauchte niemand um die Zukunft Deutschlands bange zu

von (Sagern, Sandtagsabgeordneter Rhiel, der Vorsitzende der kurhessischen Zentrumspartei, Vankdi- rektor Singer, der Vorsitzende der Fuldaer Zen­trums-Ortsgruppe, und Domkapitular Prof. Dr. Thie­le m a n n, der Dorlsitze-nide der Zentrumsfraktion im FuDaer Stadtparlament. Alle sprachen zu der Jugend, die den großen Saal derHarmonie" bis auf den letz­ten Platz füllte. In der Fuldaer Zeitung vom 18. November ist darüber eingehend berichtet worden. Be­zeichnend ift es, daß die Jungen Prof. Dr. Thiele- mann stürmischen Beifall spendeten, als er betonte, daß bei jeder erfolgreichen Arbeit an die Tradition und die Erfahrung der Vergangenheit angeknüpft wer­den müsse. Die katholische Jugend ftefjt nicht in schrof­fen Gegensatz zu der älteren Generation, sie will nur, daß man ihr den Raum zu schaffensftoher Betätigung gibt Als der Vertreter der Staatsregierung. Landrat Frei­herr von (Sagem, von der Notwendigkeit sprach, daß die Jugend sich um den Staat kümmert, versicherte der Führer des Windthorstbundes Fulda, daß die katholische Jugend treu zu dem Volksstaat stehe, den sich das deutsche Volk nach dem Zusammenbruch von 1918 müh­sam aufzubauen begonnen habe. Die Jugend werde ihn

wurden von dem Führer des Reichsverbandes der Deut­schen Windthorstbünde, Reichstagsabgeordneter Dr. K r o n e-Berlin, geleitet. In angeregter Aussprache wurde man sich über das Wesen des Kommunismus und des Nationalsozialismus klar. Zwischen diesen beiden von der materialistischen Wellaw- schauung geschaffenen Fronten und dem Katholizismus besteht ein grundsätzlicher Unterschied. In der augen­blicklichen politischen Lage ist es die Aufgabe des poli­tischen Katholizismus, des Zenttums, als Block der Mitte zu verhüten, daß eine dieser beiden radikalen Gruppen die Alleinherrschaft an sich reißt. Die Mitte muß den Mut und den Willen zur Führung ha- b e n.

In einer großen politischen Kundgebung im Stabt« faal, wo Dr. Krone vor 1200 Personen sprach, legte die Jugend das Bekenntnis ab, daß sie treu zu Brü­ning steht und zum Opfer bereit ist, wenn es gilt, den Volksstaat zu erhallen und auszubauen, dessen Grund- kräfte Christentum und deutsches Volkstum sein müssen. Stürmischen Beifall erhielt der Bundes­bruder Ksiensik, als er den entschlossenen politischen Einsatz der katholischen Jugend forderte. Sein Hoch auf das deutsche Vaterland wurde brausend ausgenommen.

Eine Fügung wollte es, daß am Nachmittag der frü­here Fuldaer Zentrumsabgeordnete Richard Mül­ler zur letzten Ruhe gebracht worden war. Die Kund­gebung der Jugend war darum auch zugleich eine Ehrung für den verstorbenen hochverdienten Führer des heimi­schen Zentrums. War das nicht wie ein Symbol? Mö­gen die alten Kämpfer ins Grab sinken, es wächst eine neue Generation heran, die mit jugendlichem Schwung die alte Zentrumsfahne aufgreift und entschlossen ist, sie siegreich in die neue Zett hineinzutragen.

sein. Die deutsche Jugend ift zur aufopferungsvollen Arbeit für das Vaterland bereit. Der Volksstaat hätte nur rechtzeitig die gesunden Kräfte der jungen Genera­tion mobil machen muffen. Das hat man aber ver­säumt, und so sicht heute ein großer Teil der Jugend aus falschverstandener Liebe zum Vaterland in der Front der Gegner. Wenn die katholische Jugend sich in ihrem aktiven Kem nicht auch dorthin verirrt hat, so liegt das wohl hauptsächlich an der durch die katholische Lebensauffassung bedingten ruhigeren Hal­tung, die stets einen gewissen Abstand und eine grö­ßere geistige Unabhängigkeit von dem gerade auf junge Gemüter leicht überwältigend einwirkenden Ereignissen des täglichen Lebens ermöglicht.

Wenn man feine Eindrücke von der Tagung wieder geben will, so weiß man fürwahr nicht, wo man be­ginnen soll.

Der Begrüßungsabend

war feierlich und ernst. Die Taffache, daß die Behör­den und die Spitzen der Partei erschienen waren, be- roeift, daß der Windthorstbund sich nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen auch in Fulda durchgesetzt hat. Von den Ehrengästen seien nur genannt Oberbür­germeister Dr. Danzebrink, Landrat Fr e i h e r r

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Gefallenen-Ehrung Des Mndlhorsl- hnndes.

Am Morgen des Duß- und Bettages legte der Gau Fulda des Windthorstbundes am Ge- fallenen-Denkmal am Neuen Städtischen Friedhof einen Kranz nieder.

Heue Wege bet kalhol. Zugenb in Frankreich

Don P. Pierre L o r s o n S. I.

Bis vor kurzem war die ganze katholische Jugend Frankreichs Pfadfinderwesen und Sport­vereine ausgenommen in einem großen Verband, der I. C. F. (j e u n e f f e catholique f r a n c a i f e) zusammengeschlossen. Vor einem halben Jahrhundert gegründet vorn Grasen de Mun, hat diese bald offiziell gewordene und vom Episkopat empfohlene Organisation alles andere aufgesogen. Der Verband er­streckte sich über das ganze Land, hatte in jeder Diö­zese einen geistlichen Bezirkspräses und in jeder Pfarrei eine Gruppe. Alle sozialen Schichten waren absichtlich darin vertreten, nur gute Katholiken wurden als Mit­glieder geduldet und sollten durch das Vereinswesen vor den Glaubens- und Sittengefahren bewahrt und zu echt katholischen Männern, Pfarrkindern, Pfarrver- einsmitgliedern herangebildet werden. Also Defensive eher als Offensive. Nicht Eroberung, sondern Be­hauptung und Weiterführen des Gegebe­nen. Ein schönes Ziel, heute aber unzurei­chend

Denn die gottlosen staatlichen Schulen, mit denen die freien auf die Dauer nicht konkurrieren können we­gen Mangels an Geld, bann die Gottlosigkeit des Staates, die sich durch die Beamten überall fühlbar macht, dazu der Priestermangel und der ooltsent- fr e mb e t e Konservatismus des katholi­schen Bürgertums, haben im Volke eine religiöse Gleichgültigkeit hervorgerufen, die man kaum übertrei­ben kann. Pfarrer und Voskskommffsa-'e roiffen ein Lied hierüber zu singen. Die Rührigkeit der katholischen Minderheit in höheren Kreisen darf da nicht täuschen.

Im Volke fft der Prozentsatz der praktizie­renden Katholiken mit Ausnahme einiger Gegenden wie der Bretagne oder Nordfrankreichs klein, sehr klein.

Angesichts dieser Tatsache haben die Führer der jeuneffe catholique ftancaffe verstanden, daß der De- fensw-Standpunkt des Verbandes nicht mehr genügt. Es muß versucht werden, an die entchristlichte Masse heranzukommen und sie für Christus wiederzugewin­nen. Vor allem käme die aus den laizistischen Schulen ftammenbe Jugend in Betracht. Nicht aber die Priester können sie erreichen, da diese Jugend in leiste Kirche geht. Allein den katholischen Jungen ist dies möglich. In dem Sinne hat man nun den früheren Verband umgebildet. Stoßtrupps zur katho­lischen Offensive im feindlichen Lager sollen heute die Mitglieder sein. Mit derselben Stoßkraft, derselben Zähigkeit, derselben Begeisterung und zum Teil denselben Methoden wie Bolschewisten ober Natio­nalsozialisten.

Nrn dieses Ideal zu verwirklichen, ging man zu­nächst es hat viel böses Blut gekostet zur Spe­zialisierung über. Arbeiter können nur von Ar­beitern, Schüler nur von Schülern erreicht und mit» gezogen werden. Kampfmethoden und Waffen müssen dem Gelände angepaßt werden. So hat sich der Ver­band geteilt. Anstatt der einzigen I. C. F. gibt es heute getrennte Verbände für Arbeiter, Stubent-en, Landwirte, Matrosen. Jeder Verband hat feine eigenen Versammlungen, Zeitschrif­ten, Methoden. Es köimen diese Differenzierungen hier

nicht geschildert werden. Sie liegen ja auf der Hand Es sollen im Folgenden nur die allen gemeinsamen Punkte, insofern sie sich von der früheren I. C. F abheben, herausgearbeitet werden.

Also wo früher Defensive war, fft heute Offensive Früher kamen die Jungens aus den katholischen Schu­len und Familien, heute soll vor allemzeilenweise" in die gottlosen Schulen und Bereiche eingedrungen werden. Die Haupttätigkeit war früher im Verein, in den Versammlungen, heute in der Fa­brik, auf dem Schulhof, auf dem Schiff, dem Felde.

Früher in den Zirkeln wurde Bücherweisheit über Apologetik, Soziologie angeboten, heute werden in den Versammlungen die verlönlx'-en Kamv^rlebni'se erzählt die Erfahrungen zusammengelegt, an Hand der pratt*- schen Schwierigkeiten, die Theorie durchgenommen. Fricher kümmerte man sich weniger um den Wert der Jungens als Menschen und Berufsmenschen; heute werden sie- immer wieder dazu angefeuert, erklassige Kameraden und erftflaffige Lehrlinge, Schüler, Arbei­ter zu sein. Und zwar so, daß ihr persönlicher Wert als Frucht ihres Katholizismus gedeutet werden muß. Denn diesen sollen sie überall, froh und frei, an den Tag legen und verteidigen. Da gehört schon, Mui dazu in Frankreich, wo die Religion im Volk fo verpönt ist. Und auch werben sollen sie, mutig und unbekümmert für ihren Verband und ihr Ideal, die Zeiffchristen ver­breiten, Schwankende mit in die Versammlungen brin­gen.

Der Sonntagskirchenbefuch fft nicht mehr Eintrittskarte. Man steht auf dem Standpunkt, daß herzliches Mitleben inmitten der kath Kameraden schon ein Anfang fft und das Weitere an- bahnt. Ungesunder Klerikalismus wird vermieden. Der Geistliche meidet es, sich in

den Vordergrund der Bewegung zu stel­len. Selbst in den Versammlungen fungiert er nur als Beirat Der tatsächliche Vorsitz liegt in den Händen der jungen Führer.

Aufgabe der Geistlichkeit fft es, diese Führer heran- zubilden. Sie sind die Hauptstützen des Unternehmens. Sie müssen ohne AusnahmeHundertprozentkatholiken" fein, Draufgängertum mit Umsicht paaren, redegewandt und gutherzig sein. Man gibt sich große Mühe, um diese Führer, die doch eigentlich Priestervertreter, Mis­sionare Gottes sind in der Wüste gottloser Fabriken und Schulen, heranzubilden. Besonders roill man aus diesen Jungführern ttefinnerliche und anziehende Persönlich­keiten machen, deren Schneck» und Güte, deren Rein­heit und Opferwilligkeit anderen ein leuchtendes Bei­spiel sei. Viele von ihnen kommen natürlich auf den Gedanken christlicher Vollkommenheit mit Gelübden. Um sie dennoch ihrer Aufgabe zu erhalten, hat man ei­nen Arbeiterorden gegründet, der sich langsam entwickelt. Vielleicht wird dieser Gedanke mitten im Berufsleben stehender Ordensleute einmal fruchtbar.

Das also ist der (Seift und die Methode der neuen Jeunefse catholique francaife. Die verschiedenen Ver­bünde entwickeln sich nicht gleichmäßig. Am weitesten vorgeschritten ist der Jungarbeiter (Ist es nicht merkwürdig, daß überall, auch ht Deutschland, die werk­tätige Jugend an der Spitze steht? D. Schrift!.), dann der Junglandwirteverband. Die Ergebnisse dieser beiden sind so glänzend, daß Kommunisten und Sozialdemokraten mit den Zähnen knirschen und mit allen Mitteln diese Bewegung zu hemmen versuchen. Der heilige Vater und die Bischöfe haben die neue Me­thode wiederholt gebilligt und gesegnet. Hier liegt die große Hoffnung des heutigen katholischen Frankreichs. Möge sie nicht zuschanden werden!