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NILS

Ar. 270

Beilage zur Fuldaer Zeitung

22. November

4KJ

M

Letzter Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied: 3er. 29, 11, 12 und 14.

So spricht der Herr: Ich sinne Gedanken des Friedens und nicht des Leides. Rust mich an, und ich will euch erhören, ich will euch heimführen aus der Gefangenschaft, aus allen Ländern. (Pf. 84,2.) Du hast, o Herr, dein Land begnadet, beendet Ja­kobs Knechtschaft.

Epistel: Sol. 1, 914.

Brüder! Wir hören nicht auf, für euch zu be­ten und zu stehen, ihr möchtet erfüllt werden mit der Erkenntnis des Willens Gottes in aller Weis­heit und geistigen Einsicht, auf daß ihr Gottes würdig wandelt und in allem sein Wohlgefallen findet; ihr möchtet an allen guten Werken Früchte bringen, und wachsen in der Erkenntnis Gottes, und in jeder Tugend gekräftigt werden, gemäß der Macht seiner Herrlichkeit in allem ausgerüstet mit viel Geduld und freudiger Ausdauer; ihr möchtet Dank sagen Gott dem Vater, der uns würdig gemacht hat, Anteil zu erhalten am Erbe des Heiligen im Lichte, der uns der Gewalt der Finsternis entrissen und ins Reich seines gelieb­ten Sohnes versetzt hat. In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Nachlassung der Sünden.

Die katholische Weltpresse.

Holland.

Cs scheint doch irgendwie dem Verstände ein­leuchtend zu sein, daß zum katholischen Leben, das etwas auf sich haben will, unbedingt die katho­lische Presse gehört. Die allerklarsten Beweise da­für sind gerade bei dem so nüchternen Volke der Holländer zu sehen. Für die Deutschen kann das ein besonders lehrreicher Anschau­ungsunterricht werden: die konfessionellen Verhältnisse beider Länder sind einander nicht un­ähnlich. Die Katholiken stellen den drit­ten Teil der Gesamtbevölkerung in Holland. Diesem Kontingent entspricht Bedeutung und Zahl der katholischen Zeitungen, rein zahlen­mäßig kommt sogar noch ein Vorteil heraus. Von den rund 80 täglich erscheinenden Blättern des Landes sind katholisch, fast ebensoviel neutral, die restlichen auf Gesinnungsgruppen verteilt. Au­ßer den Tageszeitungen erscheinen noch 36 an­dere katholische Periodica.

Nun ist diese katholische Presse keineswegs vom Himmel gefallen und ebensowenig wie die neu­trale Presse aus dem Boden gestampft worden. In dem riesigen Emanzipationskampf der niederlän­dischen Katholiken, der schon der Geschichte ange­hört, ist ihnen ihre Presse organisch und einheit­lich trotz der jeder einzelnen weitgehendst zuge­standenen geistigen Freiheit mitgewachsen. Seit der Zeit weiß man in Holland, was katholische Zeitungen bedeuten, und zwar weiß man das nicht etwa nur in den Ge­sellschaftsschichten minderer Ordnung und geringe­rer Bildungshöhe, das weiß in Holland auch die katholische Intelligenz. Allerdings sind die Zei­tungen auf der dementsprechenden journalistischen und technischen Höhe. Sie haben rechtzeitig und ohne Bedenken sich alles Gute und Neue angeeig­net.

,L> e X t j t>" (Die Zeit) in A m st e r d a m, re­präsentativ für den niederländischen Kacholizis- mus, wird in Form einer Aktiengesellschaft be­trieben. Das Blatt wurde schon 1845 als Abend­blatt gegründet, seit 1929 ist eine Morgenausgabe

hinzugefügt. Daneben läßt die Zeitung für Am­sterdam zweimal täglich ein VolksblattD e A m- stelbode" erscheinen, mehrmals wöchentlich Het Katholicke Weeckblad" undDe Officieele Kerklyst".

Die andere katholische Großstadtzeitting Hollands ist ,/D e Maasboode" in Rotterdam mit einer Auflage von annähernd 50 000 Exemplaren. Seine erstklassigen finanz- und wirtschaftspolitischen Informationen lassen viele Nichtkatholiken zu sei­nen Lesern zählen. Auch diese Zeitung gibt für Rotterdam est.e VolksausgabeHet N ie u we D a g b l a d" heraus. Sonntags erscheint eine be­sondere Sonntagszeitung, jeden Monat eine inter­nationale katholische SeemannszeitungRecht d o o r Z e e", deren deutschen Teil der Seemanns­pastor von Bremerhaven bearbeitet, regelmäßig für Rotterdam Amsterdam, Schiedam und s'Gra- venhage die Kirchenblätter im ganzen 35, und zu­letzt noch für Schiedam, Dordrecht und Südhol­land je eine Tageszeitung. Gerade demMaas- bode" kommt das Verdienst zu, die liberale Presse unter der katholischen Intelligenz, die Sensations-

Kam da in den krisenhaften Tagen des ver­gangenen Sommers, als Banken zusammenkvach- ten und die Sparkassen ihre Zahlungen beschränk­ten, ein Bäuerlein zum Lehrer des Dorfes und sagte:Herr Lehrer, was ist denn eigentlich in der Welt los? Unsereiner hat in der Erntezeit so wenig Zeit fürs Zeitungslesen, und schaut man insBlatt" hinein, so weiß man auch nicht viel. Was steckt eigentlich dahinter?"

Was hier im Verkehr von Mensch zu Mensch geschieht, ist bereits der natürliche Weg einer Art Bildung. Nehmen wir an, das Gespräch zwischen dem Lehrer und dem Bauern hätte dazu geführt, daß am Abend etwa im Schulsaal im größeren Kreis der Dorfbewohner die Zusammenhänge be­sprochen worden wären, so hätten wir bereits eine lose Art der Volksbildung vor uns. Frage und Antwort, Rede und Gegenrede sind deren natür­lichste Ansätze.

Unser Leben ist heute voll der Fragen. Den­ken wir nur einmal ans politische Leben. Jeder möchte hinter die Geschehnisse schauen und ihren Sinn verstehen. Und nun gar in weltanschaulichen Dingen! Ich habe von Arbeitern in Bergwerken gehört, wie schwer es ihnen manchmal sei, den An­griffen ihrer Kameraden gegen unsere katholische Auffassung etwa der unauflöslichen Ehe oder des freien Geschlechtsverkehrs zu begegnen. Wir Ka­tholiken stehen mitten drin in den Brandungender Gegensätze und manche unter uns stehen selbst nicht mehr fest. Die Betreuung durch den Seelsorger in Predigt und Beichtstuhl genügt nicht mehr; denn Predigt und Beichtstuhl werden nicht mehr von denen besucht, die darin Halt suchen tollten. Aber auch für die übrigen genügen diese Wege nicht. Es gibt so vielerlei Fragen, die sich erst im freien Meinungsaustausch Wären lassen. Hier einzusprin­gen, ist Aufgabe der Volksbildung, die sich um die Nöte des erwachsenen Menschen bemüht, wie die Seelsorge selbst. Die katholischen Vereine haben hier ihren Sinn. Aber der Vereinsname als sol­cher genügt nicht. Lebendige Menfchen müssen ihn tragen und führen. Und der, der füh­ren will, muß um seine bescheidene Kraft wissen. Die Alleskönner und Himmelsstürmer sind nicht

presse vom Schlage desTelegraaf" undCou­rant" in der Masse verdrängt zu haben. Bei einer Propagandaaktion im Vorjahre konnte er in­nerhalb zweier Monate 15 000 Festabonnenten neu gewinnen, und das nicht etwa auf Kosten anderer katholischer Blätter. Der Streukreis reicht weit in die Provinz, ererdrückt jedoch durchaus nicht die Selbständigkeit der katholischen P r o v i n z p r e s s e, die jede in ihrem vom an­deren unterschiedlichen Bezirk in sehr fester Stel­lung legt. Aus ihrer Reihe sei etwaDe Gel» d e r la n d e r" in Nijmegen, dem Sitz der katho­lischen Universität, de Residentiebode" in Den Haag, der königlichen Residenz, undD e Limburger Koerier" in Maastricht ge­nannt. Die katholische Arbeiterbewegung läßt be­reits eine eigene TageszeitungV o ll s k r a n t" erscheinem

Die Kraft der holländischen Katholiken zeigt noch keine Spuren von Ermüdung. Sie werden weiter zusehen, ihre Presse als Musterbeispiel für reale NÄglichkeiten zu behalten. Dr. Fr. Kr.

die berufenen Führer. Eines kann nur die letzte Weihe geben, das ist die Liebe zu den Geführten und deren Sache.

Der Liebe von der einen Seite muß das Ver­trauen von der anderen entgegenkommen. An der Liebe und dem Vertrauen entscheidet sich der Erfolg aller wirklichen Vereins- und Bil­dungsarbeit. Wir müssen einen Augenblick bei dem Verhältnis der berufenen Führer und der Geführten verweilen. Nur Offenheit dient der Sache. Ich denke dabei zunächst an Seelsorger, Lehrer, aber auch an Fürsorgerinnen, Sekretäre, Aerzte u. a., die zur Mitarbeit berufen sind. Die Vereine sind ihre organisatorischen Helfer. Wenn das Verhältnis nicht so innig ist, wie es «ine frucht­bringende Bildungsarbeit braucht, so liegt das ost nur an äußeren Hemmnissen. Das Leben hat früher die Berufe zu sehr auseinander getrieben, jeder dünkte sich mehr als der andere. Diese Zwi- fchrnwönde müssen fallen. Ich weiß von Jungen, die erst in der Dereinsarbeit den Ortspfarrer rich­tig kennen lernten. Sie waren ganz beglückt und sagten:Der Pfarrer ist ja ganz anders als wir gedacht hatten, der ist ja patent!" Auf der Gegen­seite wird oft gesagt, die Leute wollten gar nichts von Bildung wissen, die läsen ja kaum eine gute Zeitung, dann wäre schon ihr Bildungshunger ge­stillt. So ists aber nicht. Wir müssen soweit kom­men, daß der Mann und di« Frau aus dem Volk zu dem Pfarrer und dem Lehrer hingehen und sagen, daß sie für diese oder jene Frage, die ihnen am Herzen liegt, einfach um Behandlung bitten.

Jede echt« Bitdungsarveit ist ortsgebunden, d. h. sie ist in der Stadt anders wie auf dem Land, sie muß auch für die Frau anders sein als für den Mann. Die führende Frau muß überhaupt mehr h e r v o r t r e t e n. Die Geschicke der Frau sind in Frauenhand meist besser betreut als durch den Mann, oder wenigstens in der Ar­beitsgemeinschaft von Mann und Frau. Wann be­greifen wir endlich, daß es bei aller Vereins- und Bildungsarbeit um den einzelnen Menschen geht, um den Erwerbslosen, um den Vater und die Mutter, die vor Erziehungsaufgaben stehen, um den Arbeiter, der den Widersinn von gefüllten

Warenhäusern und hungrigen Mägen nicht ver- steht und gar nicht um den Verein und die Or­ganisation als solche? Nicht darauf, daß die Pfarrei schön durchorganisiert ist und das Vereins, leben fein klappt, kommt es an, sondern darauf, daß die Betrübten getröstet, die Hungrigen gespeist und den Zweifelnden recht geraten werde. Mensch zu Mensch muß das wahre Verhält­nis von Führer und Geführten sein, dann ist es gut. Freilich, hier sehen wir auch die Grenze der Bildungswelt. Oft ist leibliche Hilfe besser am Platz. Dann sei diese vermittelt. «.

Wir sahen schon, daß die eigentliche Arbeit an den besonderen Ort gebunden ist. Die Inhalte sind mannigfaltig wie das Leben selbst. Ich will nur einige anführen. Da ist zunächst die Familie. Das päpstliche Rundschreiben ist nun zur Genüge in der Presse behandelt worden. Nun sollte der Reich­tum seines Inhalts in die Familiengestaltung ein* gehen, denn es kommt nicht darauf an, daß wir Bescheid wissen, sondern, daß die katholischen Grundsätze gelebt werden. Da ist die große Aufgabe der Kindererziehung. Hier liegt der Ansatzpunkt, wo die Schule ihre Bil­dungsarbeit anzufetzen hat. Aber es kommt nicht auf feine Elternabende an mit Schulaufführungen, schönen Gedichten und Liedern. Gewiß, auch "das läßt sich rechtfertigen, aber die eigentliche Arbeit liegt in den Erziehungsnöten des Alltags, für die die Zusammenarbeit von Schule und Haus ge­meinsam einzustehen hat. Die Stellung der Frau habe ich schon gestreift. Die Frauenbillnmg sollte zunächst einmal den geplagten Müttern und Hausfrauen eine Entspannung geben. Gibt es ei­nen Urlaub der Frau? An Frauenfreizeit, wo die Mütter einmal frei ihrer steten Sorgen sind, wird für die Mehrzahl noch nicht zu denken sein. Bei den Erwerbslosen ist die Bildungsarbeit nur ein notdürftiger Ersatz für das Wichtigere: die Ar­beit. Dessen muß der Bildner bewußt sein, wenn er in lebendiger Beziehung zu ihnen stehen will. Beschäftigung ist hier die beste Bildung. Und wenn diese Menschen mürrisch sind, so müssen wir es verstehen; denn sie leben dahin ohne den Sinn des Menschenlebens erfüllen zu können, der da ist Tätigsein im Dienste des göttlichen Weltplans und in der gegebenen Sorge für ihre Familie. Wieder anders ist die Welt des Arbeiters. Hier gilt es, die Brücken zu schlagen zu den Brübern draußen, die in einer anderen Weltbetrachtung le­ben und doch am gleichen Arbeitsplatz mitstehen. Unsere christliche Auffassung gilt es mit aller Sach- lichkett dem gerechten und guten, aber auch wild­wuchernden Streben in den anderen Weltanschau­ungsbereichen gegenüberzustellen. Liebe ist auch hier die Pflicht des Christen, nicht gehässiges Ur­teil. Ganz andere Fragen bewegen den Bild­ner in seiner Arbeit auf dem Dorf. Die Verbun­denheit des Bauern mit der gottgeschaffenen Erde gilt es gegen eine Auffassung zu verteidigen, als ei die bäuerliche Arbeit und deren Ertrag bloßer Marktwert. So schließt sich der Ring der Berufs­tände. Echte Bildungsarbeit kann nur auf der beruflichen Grundlage geleistet werden.

Volksbildungsarbeit ist geistige Hilfe für den Erwachsenen unserer Notzeit. Wir verstehen nun­mehr auch, weshalb sich die Vertretertagung des diesjährigen Katholikentages stark für die Frage ;)er Volksbildung einsetzte. Daß auf diesem Ge­biete nun wirkliche Arbeit geleistet wird, sst Auf­gabe der Berufenen, aber auch der Volkes selbst.

Joseph M. Wilhelm.

Am die Bildung des Volkes.

Die Aufgaben der AMagswirkttchkeik.

Krippensehau Sonn/flf/

Weihnachten Inder dentfchenSichtung

Aus Anlaß der Krippenschall.

Die Ausstellung der Krippenfreunde ?ii Fulda (15.22. Nov.) mit ihren zahlreichen an- eimelnden Darstellungen der ersten Weihnacht bereitet uns schon auf bas kommende hohe Fest vor. Was dort die bildliche Schau dem Gemüt zeigt, vermittelt in anderer Form die Dichtung der Seele. So mag es angebracht erscheinen, schon jetzt einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung der deutschen Weihnachtsdichtung zu geben. Denn das Weihnachtsfest, das von der Kirche so feier­lich begangen wird, und dessen sich Groß und Klein, Arm und Reich freut, nimmt auch in der Dichtung einen bemerkenswerten Platz ein.

Die ältesten Weihnachtslieder und -dichtungen finden wir bei den Griechen und Syrern in den letzten Jahrzehnten des vierten Jahrhunderts. Etwa auch um diese Zeit kam das Christentum zum ersten Mal im Ge­biete nördlich der Donau, in erster Linie durch die Bibel­übersetzung des Goten Ulfilas (Cod. Argenteus, Upsala).

Schon in der altchristlichen Zeit, etwa 400 n. Ehr. finden wir einige Denkmäler, die dem in der Krippe liegenden menschgewordenen Gott gesetzt wurden, jo Aurelius Ambrosius: Hymnus in der Geburts­nacht des Herrn, in dem es heißt:

Schon schimmert deine Krippe auf, Die Nacht durchhaucht ihr neues Licht, Das keine Nacht je trüben soll, Das hell im Glauben leuchten soll.

(Wolters, Hymnen und Lieder der christl. Zeit II. Berlin 1922.)

Während in der altchristlichen Zeit in erster Linie die Mönche die Träger der Kultur waren und daher auch in lateinischer Sprache gesungen und gebetet wurde, so haben wir im H e! i a n b (9. Jahrh.), in der ersten deut­schen Dichtung religiösen Inhalts, auch echt deutsche Auf­fassung.

Es umfing ihn die Mutter, wickelt' chn in Windeln, die Wonne der Frauen in leuchtend Leinen, und leicht mit ihren Händen legte sie liebend den Liebling klein, das Kind in eine Krippe,

dessen Kraft doch göttlich, den Männergebieter.

Und sie, die Mutter, saß davor und wachte, und wartete selbst hütete das heilige Kind, im Herzen unverrückt, hn Gemüte die reine Magd.

Notker, ein Mönch von St. Gallen, verfaßte um 900 eine Sequenz von der Geburt des Herrn, die uns schon lebhaft an spätere Volkslieder erinnert:

Eia, laßt uns singen Fromme Lobgesänge, Lieder, würdig dieses Tages, An dem uns das Licht Gnadenvoll geboren ist.

Süße Schuld, du überselige. Die erlöst hat Alle Welten,

Gott,'der rings bas All erschaffen hat. Ist geboren Aus der Jungfrau.

Aehnlich dieser Sequenz ist eine andere, die aus dem 12. Jahrhundert stammt:

Heller Jubel : Jauchzet in dem gläubigen Chore : Alleluja! Aller König : Kam aus unverletztem Tore, : 0 des Wunder! : Denn der Bote ewigen Rates : Aus dem Schoß der Jungfrau kam. : Sonn' aus Sterne: : Sonne, die kein Sinken kennt, : Stern, der hell hernieder­brennt, : Immer reiner . . .

Auch Adam von St. Victor (gest. 1192) hinter­ließ eine Sequenz von der Gebutt des Herrn:

Licht ging auf der Völkerschaft, : die vom Schatten war entrafst : zu des Todes finsterm Troß : Freude war der Armen Schar, : da der Welt geboren war : einer Jungfrau edler Sproß.

Aus dem Ende des 13. Jahrhunderts stammt derGe­sang zur Gebutt des Herrn":

Im ttüben Winter sprießt und zweigt : Ein Frühling aus der Krume, : Des Sohnes Wohlgeruch entsteigt : Der Mutter Heiligtume: : O Frühlings Ueberfluß! : Des Winters Ueberdruß : Entflieht zur wahren Blume.

Zur Zett des Minnesangs tritt die religiöse Dichtung völlig in den Hintergrund. Als durch das Auftreten der Bettelmönche die Predigt wieder mehr gepflegt wurde, änberte sich das religiöse Leben vollständig. Die Christen

wurden innerlich mehr mit dem Gottesdienst verbunden durch Beteiligung des Volkes am Gesang in der Form des Wechselgesanges in deutsch-lateinischer Sprache:

In dulci jubilo : nun singet und seid froh! : Aller unser Wonne : liegt in praesepio : sie leuchtet wie die Sonne : matris in gremio : Qui alpha cft et o, : qui alpha est et o.

Eine weitere religiöse Bindung und Erläuterung wurde geboten durch die theatralische Darstel- lungskunst dessen, was aus der Heiligen Schrift Ber­iefen wurde. So entstanden vor allem zu den hohen Festtagen: Ostern, Pfingsten und Weihnachten ganz be­tontere Spiele, die zunächst in der Kirche selbst und später auf dem Marktplatz aufgeführt wurden, woraus sich dann das weltliche Drama entwickelte. Bei dem wei­ten Umfang dieses Gebietes kann hier nicht darauf ein­gegangen werden.

Einen großen Umschwung brachte die Reformations- zeit. Durch die Einführung des deutschen Kirchenliedes wurde das Volk am Gottesdienst vollständig beteiligt. Luther selbst dichtete unter zahlreichen anderen Kir­chenliedern auch einige Weihnachtslieber: (1534): Vorn Himmel hoch, da komm ich her . . . (1543): Vom Himmel kam der Engel Schar, erschien den Hitten offenbar . . . u. a. m.

Auch die katholische Kirche übernahm sehr bald in ihren Gottesdienst in verstärktem Maße den deut­schen Volksgesang und so entstanden zu derselben Zeit auch zahlreiche katholische Weihnachtslieder: (1537) Mit süßem Freudenschall (Vehe), 1567) Es kam ein Engel hell und klar (Leisentriü), (1599): Es ist ein Reis entsprungen (Köln G.-G.), (1615): Laßt uns das Kind- lein grüßen (Köln G.-B.), (1623): Dich grüßen wir, o Jesulein (Köln G.-B.), (1635): Vom Himmel hoch, ihr Englein kommt. (1638): Zu Bethlehem geboren (Psalter), (1673): Es führt drei König Gattes Hand (Köln G.-B.) u. a. m.

Bei unfern klassischen Dichtern vermissen wir die geist­liche Dichtung völlig.

Als im Anfang des 19. Jahrhunderts das Volkslied wieder zu Ehren kam, besonders durch die Verdienste Arnims und Brentanos, entstanden noch einmal eine ganze Reihe von Liedern zur Weihnachtszett, und andere, die schon längst vergessen waren, wurden wieder

gesungen und in der SammlungDes Knaben Wunder- Horn" der Nachwelt erhalten, so z. B.: O Jesulein zatt, i Das Kripplein ist hart, : O Jesulein zatt, : Wie liegst du so hart, : Ach schlaf, ach tu die Aeuglein zu, : Schlaf und gib uns die ewige Ruh! (Kn. Wunderhorn).

(1804): Uff'm Berge da geht der Wind, : da wieget Maria ihr Kind. (Tiedge).

Außerdem entstand 1816 bas bekannteAlldreifeier­tagslieb": O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit.

Aus dem Jahre 1818 stammt das wohl bekannteste aller Weihnachtslieder, das selbst in anderen Ländern das Weihnachtsfest verschönert, bas an dem gleichen Abenb von Joseph Mohr gedichtet und von Franz Gruber vertont wurde: Stille Nacht, heilige Nacht!

In neuester Zett hat Reinh. Ioh. S o r g e der Gebutt Christi in seinem WettMetanoette" ein dichterisches Denkmal gesetzt.

In der Nachkriegszeit mag es wohl in erster Linie ein Verdienst der Jugendbewegung gewesen sein, den Weihnachtsgedanken, das Weihnachtslied und die Krippe wieder in die Familie zu bringen und dadurch den Ge­meinschaftsgeist zu pflegen. Auch hier gibt es in der allerneuesten Zett Dichter, die die heilige Nacht zum Gegenstand ihrer Lieder wählen, so u. a. Maria Kruse- meyer inDer Leuchter" (Münster 1931):

Christi Geburt. Des Menschen dunkle Dumpfheit : der Gottheit Glanz umfing. : Nun wird die Schwäche kraftvoll, : die Kraft blaß und gering. : Die Armut jauchzt Frohlocken, : und Reichtum schweigt bedrückt, £ der Freude fallen Tränen, : und Leiden lacht verzückt. ; Die Weisheit ward zur Torhett, : und Torhett wird Ver­stand. : Es leuchtet unsre Erde : wie selig Himmelsland.

Auch wir wollen uns bemühen, obgleich es in der heutigen Zeit schwer sein mag, den Weihnachtsgebanken in der Familie, besonders auch durch die Weihnachts­krippe recht zu pflegen, uns die Liebe des Christkind- leins zu verdienen, damit wir alle und zwar recht er­folgreich zu ihm beten können: Jesukindlein, süßes, kleines, : höre meine Bitte an: : Gib nicht Vieles, gib nur eines, : was allein beglücken kann. : Gib nicht Reich­tum, der nicht bliebe, : gib nicht Glanz, der bbld zerrinnt, : gib nur Eines, deine Liebe, ; D bu süßes, holdes Kind. Mg. W.