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Sonntag, 22. November 1931. -
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Rußland und Sapan.
Lnchkini ied)»mal wöchentlich Wochendeilagen: ..Die Welt im >Biib* und ..Buchenblötter' Diotationsbrucf und ^ierlag Der Fuldaer Äctiendruckerel in ifulba Fernrufe: Schrift- " (eitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Karie des kriegsgebiekes in der Mandschurei.
Durch die Einnahme Tsitsikars ist die japanische Front vom Westen her unangreifbar geworden.
Aus Basel wird gemeldet:
Der Sonderausschuß der BIZ. dürste, wie in Basel verlautet, voraussichtlich am 1. Hegern» b er zum erstenmal zusammentreten. Die Benennung der Vertreter durch die Gouverneure der sieben ZentralNoten-banken dürfte wohl Anfang der nächsten Woche erfolgen. Dann wird es auch feststehen, ob die Bundes-Reserve-Bank von New- york einen ihrer europäischen Vertreter mit der Teilnahme an den Verhandlungen betrauen oder jemand von Amerika entsenden wird.
Monatlich 1 80 einlchlietzi Poftgeduhl (48 Piu , ohne riultellg Änzeigen-Preise: Kleinzeile «!ol.) lokal 0.15 NM auswärts 0.20 NM Reklomezeile lokal O.Kti RM . auswärts 0.8(> NM Bei Wiederbolnnaen Nabatt Poftlcheckl ftranh a M 4"51
reichs und Englands angehören werden. Amerika würde den Vorsitzenden stellen. Nach dem „Excelsior" kommt dafür General Dawes in Frage.
Tankschiff explodier«.
Bis jetzt 5 Todesopfer.
Das in San Francisco am Pier liegende Gasolin-Tankschiff „Charlie Watson" explodierte am Freitag aus unbekannter Ursache. Soweit bisher feststeht, find wenigstens fünf Personen getötet und zehn verletzt worden. Man befürchtet aber, daß sich im Maschinenraum noch weitere Opfer befinden. Die Rettungsarbeiten weroen fortgesetzt.
Der Antrag der deutschen Regierung.
Das pariser Echo auf den deutschen Schritt in der Reparations und Schuldenfrage. — Die StiNhalte-Verhandtungen.
Albert wiggin,
der Präsident der Chase Nationalbank in Newyork, und Präsident des Stillhaltekomitees, ist von dem Ausschuß der deutschen Schuldner aufgefordert wor- den, das Komitee wiederum zusammenzurufen, da das Stillhalteabkommen Ende Februar 1932 abläuft, und man noch keine Möglichkeit zur Wiederaufnahme der regelmäßigen Zahlungen sieht.
Eine Warnung.
In der „Kölnischen Volkszeitung" lesen wir:
Hitler vermeidet es in seinen Verfammlungs- reden, oon konkreten Aufgaben, von Tagesfragen zu sprechen. Für ihn gibt es nur eine Aufgabe' Deutschland! Das Hingt sehr schön und packend
und ist gleichzeitig außerordentlich bequem. Dieser Tradition ist er auch in der Darmstädter Massenversammlung während des hessischen Wahlkampfes treu geblieben. Um so konkreter nahm eines der Spruchbänder, die an der Bühne und den Wänden des Tagungslokals angebracht waren, zu der wichtigsten derzeitigen Tagesfrage Stellung. Nacb dem Bericht eines Augenzeugen, des Berliner Vertreters der „Neuen Züricher Zeitung", «vor auf einem Spruchband zu lesen: „Zerreißt den Poungplan!" Waren sich die Urheber dieses Spruches bewußt, was diese drei Worte bedeuten würden, wenn sie einmal in die Tat umgesetzt würden? Es kommt nicht von ungefähr, daß fid die Franzosen so hartnäckig an den Poungplan klammern. Sie tun es wohl weniger wegen des finanziellen Ertrages, den sie unter feinem Regime herauszuholen die zweifelhafte Aussicht haben, als wegen gewisser Möglichkeiten, die sie gegebenenfalls aus einer politischen Anlage zum Poungplan erhoffen. Wir meinen die sogenannte Sanktionsklausel vom 15. Januar 1930, um deren Gestaltung damals tagelang schwer gerungen worden ist In diesem Dokument wurden bekanntlich Erklärungen für den Fall ausgetauscht, „daß in Zukunft eine Deutsche Regierung sich entgegen den im Schlußprotokoll vom heutigen Tage enthaltenen feierlichen Verpflichtungen zu Handlungen herbeilassen könnte, die ihren Willen beweisen, den neuen Plan zu zer- teilen»"
Man wird sich noch erinnern, welche Rolle seinerzeit dieses „Zerreißen", dieses ..dechireri, in den Haager Auseinandersetzungen gespielt hat. Wir wollen uns zunächst auf' diese Andeutungen beschränken. Hoffentlich genügen sie, um den verantwortlichen Führern des Nationalsozialismus klar zu machen, was es mit dem „Zerreißen den Doungplan" im Ernstfall auf sich hat. Das schließt selbswerständlich nicht aus, daß alle Kräfte auf eine friedliche Revision des Poungplanes in weitestem Ausmaße konzentriert werden. Eine „Zerreißung des Poungplanes" würde Deutschland m völliger Isolierung sehen, während alle Bestrebungen auf eine vernünftige einvernehmliche Neuregelung der Schuldenfrage von der Weltmeinung gestützt werden. *
wtb. London, 21. Nov. (Eig. Meld.) Daily Expreß, die Times sowie die Financial Times kommen bei der Besprechung des deutschen Memorandums zu der Ansicht, daß für Deutschland keine Möglichkeit besteht, die ungeschützten Reparationszahlungen zu leisten und gleichzeitig seinen Verpflichtungen den privaten Gläubigern gegen ü b e r n a ch z u k o m m e n.
Gegen Waffenstillstand in der Mandschurei
Die Weisungen an den japanischen Vertreter in Paris.
Klepper an die Beamtenschaft.
V.D.Z. Berlin, 21. Nov. (Eig. Meld.) Der neue preußische Finanzminister Klepper empfing Vertreter des preußischen Beamtenbundes. Diese trugen die Wünsche und Sorgen der preußischen Beamtenschast vor unter besonderem Hinweis auf einzelne Härten der letzten preußi- schen Notverordnung vom 12. September. Der Finanzminister bat um eine schriftliche Formulierung und Wünsche und sagte eine Prüfung zu. In diesem Zusammenhang wiesen Vertreter des preußischen Beamtenbundes auf die Beunruhigung hin. die innerhalb der Beamtenschaft durch die Ge- rüchte über bevorstehende weitere Gehaltskürzungen entstanden sei. Staatsminister Klepper erklärte demgegenüber, daß nach seiner Auffassung weitere Gehaltskürzungen als ausge- schlossen anzusehen seien, solange nicht eine fühlbare Senkung der Lebenshaltungskosten eingetreten fei.
filetus gegen Kcharfmacherkum
jüt tatkräftige Hilfe zugunsten der bedrängten Berg
arbeiter.
Im Beisein und unter Billigung des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs Dr. Caspar Klein faßte die Geistlichkeü des Dekanates Groß-Bochum in einer am 19. November stattgehabten Konferenz die nachstehende Entschließung: .
„In tiefer Besorgnis über die neuerdings anscheinend drohende Verschärfung der Notlage unserer Bergarbeiter und die infolgedessen im Ruhrgebiet stark um sich greifende Beunruhigung der Arbei- terbevölkerung halten wir uns als katholische Seelsorger für verpflichtet, folgendes öffentlich cmszusprechen:
1. Ohne uns in die Einzelheiten der Lohngestallung im Ruhrbergbau und in den akut gewordenen Lohnstreit einzumischen, stellen wir auf Grund mxserer Beobachtungen und Erfahrungen fest, daß die Lage unserer Bergarbeiterfamilien durch Lohnherabsetzungen. Feierschichten und Stillegungen bereits eine kaum mehr tragbare Verschlechterung ersah- r e n h a t. „ . ,
2. Die als „vorsorgliche Maßnahme ausgesprochene Massenkündigung der Einzelarbeitsverträge wird von unseren Bergarbeitern als Vorbereitung einer unfriedlichen Lösung des Lohnstreites empfunden.
3. Zwar werden wir die Notwendigkeit friedlicher Verständigung über notaenbige Maßnahmen stets anerkennen. Jedoch warnen wir, getragen von dem Be- wußtsein unserer Verantwortung für die unserer Seelsorge Anvertrauten, im Hinblick auf eine wachsende Ra- dikalisierung der Bevölkerung des Ruhrgebietes, auf das eindringlichste, vor jedem einseitigen Schritt, der unabsehbare schlimme Folgen nach sich ziehen konnte.
4. Wir bitten daher alle in Betracht kommenden Instanzen, die Verbände und die Staatsbehörden, zur Verhütung diese Gefahr rechtzeitig alles zu tun, was der schwergeprüften Bevölkerung des Ruhrkohlengebietes eine neue, Unheil drohende Kraftprobe zu ersparen geeignet ist. „ ..,
5. Unsere gesamte treukathoNsche Bevol- terung möchten wir in diesen schweren Wochen und Monaten erneut aufrufen zu vertrauensvollem Gebet für alle Bedrängten um echt chrlstlichen Starkmut und baldige Befferung ihrer bedrückten Lage, dann aber zu tatkräftiger Hilfe, wo immer dw Not unserer Brüder sie erheischt. Alle unsere Nolleidem den aber feien überzeugt, daß wir Geistliche nach dem Vorbilde des göttlichen Meisters treu zu ihnen stehen werden und keine Muhen scheuen wollen, um ihr schweres Los zu er- leichtern."
• Kirtiklis Woiwode von Pommerellen. Wie aus Warschau gemeldet wird, hat der Präsident der Ne- publik ein Dekret unterzeichnet, demzufolge der bisherige Woiwode von Pommerellen Lamot in den Ruhestand versetzt worden ist. Gleichzeitig ist die Ernennung seines Nachfolgers, des bisherigen Dizewojwoden von Lodz oou- zogen worden.
Wtb. Tokio, 21. Nov. (Eig. Meld.) Der japanische Vertreter in Paris hat die Weisung erhallen, jeden Vorschlag eines Waffenstillstandes in der Mandschurei abzulehnen, da ein solcher nur gemacht werden könnte, wenn ein Kriegszustand bestünde. Ferner würde er es den Chinesen ermöglichen, Streitkräfte von mehr als 200000 Mann gegen 15 000 Japaner zusammenzuziehen und Japan verhindern, sich gegen Soldaten- und Räuberhorden zu verteidi-
wtb. Moskau, 21. Nov. (Eig. Meld.) Die japanische Regierung hat der Sowjet-Regierung die Gründe mitgeteill, die die japanische Armee bestimmten, die Ost-China-Bahn zu überschreiten. Die japanische Armee hat Befehl erhallen, in keinem Falle die Ost-China-Bahn beim Ueberschreiten zu beschädigen. Gleichzeitig versichert die japanische Regierung, daß sich die freundschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion nicht geändert hätten.
Die voraussichtliche Zusammensetzung der Som- Mission für die Mandschurei.
wtb. Paris, 21. Nov. (Eig. Meld.) Der „Motin" bezeichnet es als wahrscheinlich, daß der Enquete-Kommission, deren Entsendung nach der Mandschurei der Völkerbundsrat beschließe« will, Delegierte Amerikas, Arank-
FuldaerZeitung
Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Das Memorandum der deutschen Regierung zur Einberufung des im Neuen Plan vorgesehenen Sonderausschusses hat folgenden Wortlaut:
Die deutsche Regierung stellt hiermit den Antrag, daß die Bonk für internationalen Zahlungsausgleich in Bafel den im Neuen Plan des Haager Abkommens vom 20.Januar 1930 vorgesehenen Berat"nden Sonderau sschuß einberuft. lieber Ursache und Zweck dieses Antrages beehrt sich die deutsche Regierung folgendes auszuführen:
Bereits Anfang Juni d. I. war die deutsche Regierung zu der Ueberzsugung gelangt, daß sie trotz stärkster Herabsetzung der staatlichen Ausgaben und wiederholter Erhöhung der Steuerlasten außerstande sein werde, die Zahlung der Annuitäten des Neuen Planes fortzuietzen. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands war schon damals auf das ernsteste bedroht. Die deutsche Regierung bat sich deshalb entschlossen die notwendigen Schlußfolgerungen aus dieser Lage zu ziehen.
Diesem Entschluß folgte am 21. Juni die Erklärung des Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, die einen einjährigen Aufschub aller Zahlungen auf Schulden der Regierungen, Reparationen und Wiederaufbau- schulden vorschlug. Der Zweck dieser weitblickenden Initiative war. wie es in der Erklärung hieß, zur Wiederherstellung des Vertrauens beizutragen und dadurch den politischen Frieden sowie die wirtschaftliche Stabilisierung ;n der Welt zu fördern; den Schuldnerstaaten sollte Zeit zur Wiedererlangung ihrer nationalen Prosperität gegeben werden. Die Hoffnung, daß dieser Vorschlag eine entscheidende Wendung in der Weltkrise sierbeiführen werde, bat sich nicht verwirklicht. Die weiteren Ereignisse hatten zur Folge, daß das Hoover- Feierjahr für sich allein die Gefahr des Zusammenbruches nicht bannen konnte.
Dis britische Regierung ergriff daher im Juli die Initiative zur Einberufung der Londoner Konferenz. Aus den Empfehlungen der Konferenz ergab sich die Verlängerung, des der Reichsbank gewährten Rediskontkredites, das sogenannte Baseler Stillhalteabkommen und der Bericht des von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich eingesetzten Baseler Sachverst ändigen-Ausschusses.
So wichtig alle diese Maßnahmen waren, um eine schnelle Erleichterung zu schaffen, so waren sie doch ihrem ganzen Charakter nach nur vorbereitender Natur. Die Londoner Konferenz selbst hat in ihrer Schlußerklärung festgestellt, daß die empfohlenen Maßnahmen nur ein erster Schritt seien, und daß sie die Grundlage für eine Aktion von weiter reichender Bedeutung bilden sollten. Dementsprechend hat auch den Sachverständigen, die an der Durchführung der Londoner Empfehlungen mitgearbritet haben, der vorläufige Charakter aller dieser Maßnahmen stets vor Augen gestanden So heißt es in dem Stillhalteabkommen, daß die Vertragsparteien die darin vorgesehene Regelung nur „bis zur Herbeiführung einer dauerhafteren Lösung für das Problem der kurzfrisiiaen Verschulduna Deutschlands getroffen haben." Ebenso schließt der Bericht des Baseler C achverständ gen-Ausschusses mit der dringenden Mahnung an die beteiligten Regierungen, „keine Zeit in der Ergreifung der notwendigen Maßnahmen zu verlieren, um eine Lage zu schaffen, die es ermöglicht, Finanztransaktionen durch- zuführen, die Deutschland und damit der Welt die so dringend benötigte Hilfe bringen.“
In den seither vergangenen Monaten hat sich die wirtschaftliche nnb finanzielle Lage Deutschlands aufs äußerste zugespitzt.
Die Tatsachen, die diese Lage kennzeichnen, sind allgemein bekannt. Auch in anderen Ländern hat der Druck der Krise zu den ernstesten Erscheinungen geführt.
Die Welt ist sich in steigendem Maße klar geworden über den inneren Zusammenhang der verschiedenen durch die Lage aufgeworfenen finanziellen Teilprobleme und über die Notwendigkeit, sie alsbald in ihrer Gesamtheit in Angriff zu nehmen. Bei den Uebetlegungen, in welcher Form diese Aufgabe am besten zu behandeln sei, ist letzthin der Gedanke in den Vordergrund getreten, zunächst den Beratenden Sonderausschuß einzuberufen. Da nach dem System des Neuen Planes die Einberufung des Beratenden Sonderausschusses von einem Antrag der deutschen 'Regierung ab- hängt, hat sich die deutsche Regierung zu diesem Anträge entschlossen, damit ihrerseits alles geschieht, was den Weg zu umfassenden gemeinsamen Maßnahmen der Regierungen eröffnen kann.
Nach dem Neuen Plane ist für diesen Antrag die Erklärung der deurschen Regierung erforderlich, daß „sie im guten Glauben zu dem Schluß gekommen ist, daß die Währung und das W:rtschafts- leben Deutschlands durch den tetlroetjen oder vollständigen Transfer des aufschiebbaren Teiles der Annuitäten ernstlich in Gefahr gebracht werden könnten".
Judem die deutsche Regierung diese Erklärung abgibt, muß sie zum Ausdruck bringen, daß eine solche Erklärung der gegenwärtigen Sachlage mchl gerecht wird. Seit der Inkraftsetzung des Neuen Planes ist die wirtschaftliche und finanzielle Lage in der Wett, insbesondere in Deutschland, durch eine Krise ohnegleichen von Grund auf geändert worden. Da der Neue Plan dem Bera
tenden Sonderausschuß die Aufgabe zuweist, die Lage
unter allen Gesichtspunkten
zu prüfen, muß der Ausschuß das Problem in einer Gesamtheit und unter Berücksichtigung aller einer Faktoren prüfen und hierbei insbesondere rerücksichtigen, daß
die Trage der privaten Verschuld ung Deutschlands
rechtzeitig vor Ende Februar nächsten Jahres neu geregelt sein muß, und zwar durch eine Vereinbarung, die zwischen ausländischen Gläubigern I und deutschen Schuldnern zu treffen ist.
Da die gegenwärtigen Verhältnisse die größte Beschleunigung der zu treffenden Maßnahmen erfordern, schlägt die deutsche Regierung vor, daß der Beratende Sonder-Ausschuß unverzüglich zusammentritt, und daß er seine Arbeiten so schnell als möglich erledigt, damit schon in nächster Zeit eine Konferenz derjenigen Regierungen stattfinden kann, die für die alsbald zu fassenden Entschlüsse zuständig sind.
Berlin, den 19. November 1931.
HJas Paris sagt.
wtb. Paris. 21. Nov. (Eig. Meld.) Der Text des deutschen Memorandums wird von der Presse ganz oder in Auszügen veröffentlicht. Der Außenpolitiker des nationalistischen „Echo de Paris" erklärt dazu: Die Reichsregierung hat wohl emge- willigt, die Formeln des Youngplanes zu gebrauchen, um die Revision der Reparationslasten zu erhalten, aber sie hat zugleich Sorge getragen zu bemerken — und das sei der wesentliche Punkt des Memorandums — daß diese Formeln nicht mehr angemessen seien und es sich unter den gegenwärtigen Umständen um etwas ganz anderes als die Herabsetzung der Reparationslasten handele. Das Blatt deutet an, daß für Deutschland praktisch die Reparationen zu existieren aufgehört hätten.
„Excelsior“ schreibt: Das deutsche Memorandum kann beim besten Willen der Welt nicht als ein Anzeichen für eine befriedigende An- näherung der französischen und deutschen These in der Frage der Reparationen und kurzfristigen Kredite angesehen werden. Es wird Aufgabe des französischen Delegierten sein, die Debatte nicht über den Rahmen des Youngplanes hinausgehen zu lassen und nicht zu gestatten, daß zwischen der Regelung der ungeschützten Annuität und der Liquidierung der eingefrorenen Kredite eine Verbindung hergestellt wird. Diese Aufgabe ist äußerst delikat.' denn man muß befürchten, daß der französische Delegierte sich im beratenden Sachverständigen-Ausschuß in der Minderheit befinden wird.
„Figaro“ (gleichfalls nationalistisch) ist ebenfalls bedenklich. Die Reichsregierung halte im Grunde genommen unverändert ihre These von der Revision der Zahlungsfähigkeit und der Gesamtliquidierung der Reparationen und kurzfristigen Kredite aufrecht. Man wundere sich, daß die französische Regierung dieses Dokument ohne Protest habe hinneh- men können. Man habe zwar Wert darauf gelegt, festzustellen, daß es sich um ein einen einseitigen Charakter tragendes Dokument handele. Aber ein Sprichwort sagt bereits: Wer nichts erklärt, stimmt zu-
Nach der „Morningpost“ fft man sich jetzt in französischen Kreisen darüber klar geworden, daß bei der Nachprüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit auch die deutschen Privatschulden berücksichtigt werden müßten. Das sei auf Vorstellungen des englischen Außenministers und des Generals Dawes in Paris zurückzuführen.
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