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Beilage zur Fuldaer Zeitung
20. Aovember
St. Elisabeth.
Königskind auf deutschem Fürstenthrone, Minneselig, und doch Gott geschenkt, Der der Liebe goldne Erdenkrone
Und der Heiligenschein aufs Haupt sich senkt.
Aus der Erde Reichtum ("m-* '•-y .änzen Schufft du Rosen der Barmherzigkeit, Da in ^-•nHoinüfe ohne Grenzen Du dem Dienst der Armut dich geweiht.
Deiner Jugend Glück brach jäh in Trümmer, Doch die Seele wuchs im Sturme groß, Nieder sank der Erde Prunk und Schimmer, Heilige Armut wähltest du als Los.
Ihn das schlichte Kleid der Tertiären Gäbst du Krone, Glanz und Reichtum hin, In der Heiligen ungezählten Scharen Wardst du dennoch eine Königin.
Rosendust entströmt noch deinem Grabe, Und — ein Wunder im Novembergrau — Blüht dein feiges Leben alle Jahre Leuchteich wieder um uns, heilge Frau.
Deiner Güte einen Schimmer sende In die Herzen, die so kalt und blind, Unsrer engen Seelen Armut spende Gnadenrosen, heilges Königskind.
Martha Große.
Franz Johannes Weinrich.
Bon Eduard Schröder.
Zur Uraufführung des Hörspiels „Die hl. Elisabeth" von Fr. Joh. Weinrich am 19. November im Rundfunk wird vielen Lesern dieser Austatz willkommen sein.
Einen Entwicklungsgang von schöner innerer Folge- ichtigkeit hat Franz Johannes Weinrich, der katholische I dichter genommen, seitdem er zuerst in den Tagen des ufgewühlten Expressionismus mit dramatischen und ly- ischen Manifesten den Blick auf sich zog. („Ein Mensch" 917; „Himmlisches Manifest" 1919.) Den Namen Got- >5 haben in jenen Tagen der Erschütterung manche junge lichter eitel im Munde geführt, oder er war ihnen doch nur ein vages Symbol, eine ungewisse Beschwörung rettender Mächte jenseits dieser blut- und feuergetwuf- jten Erde — neues Glück, Herz, Liebe, Gott, Gefühl ist alles ... Bei Weinrich aber lebte eine tiefere Sicherheit des Gottesbesitzes. Man konnte hoffen, daß sich hier in der Dichtung der Zeit ein Junger, ein Gläubiger rüste zur Nachfolge des zu früh hinwegberufenen Reinhart Johannes Sorge, jenes Bekenners mystffchen Gotteskampfes und Gottesbündnisses.
Weinrich ist dennoch einen ganz anderen Weg gegangen. Im selben Maß wie seine religiöse Hingabe in neuen Werken wuchs, im selben Maß wuchs auch die «Hingabe an die Welt. Nicht mehr als Tal des Elends und der Tränen erlebt er sie, er spürt den inneren Glanz der Gottesschöpfung; er wärmt das Herz am Gnadm- ,'trahl des Erlösungsglaubens. Der „Tänzer unserer lieben Frau" (1921), dieses Legendenspiel mit einer Sprache vom Klang silberner Glocken ist das erste Zeichen dieses Aufbrechens zur gläubigen Schöpfungsfreude. Im gleichen Jahr erscheinen ja auch Weinrichs erste Liebesgedichte „Mit dir ertanze ich den nächsten Stern". Eine neue Quelle des stohen Weltvertrauens hat sich ihm erschlossen: der Glaube an einen geliebten Menschen. Weinrichs Legendenspiel ist in jenen Jahren — wie auch noch oftmals später — in den Spielscharen der katholischen Jugendbewegung zum Ausdruck eines neuen, gläubigen Gemeinschaftserlebnisses geworden. Er hat ja selbst Berührung gefunden mit dieser Welle frühling-- haften Erwachens, die damals durch die katholische Jugend ging.
Die erste große Erfüllung Weinrichs war dann der Band seiner gesammelten Gedichte, den er unter dem Titel „Mittag im Tal" im Jahre 1924 vorlegte. Hier ist der schöpferische Eigenton noch stärker als in dem Columbus-Drama, das kurz voraufgegangen war. In diesem Drama ergriff die große, symbolische Schau eines Menschenschicksals, packte der hymnische Strom der Wortes. Im ersten Gedichtsband aber nun kann sich die Sprache in spielender Freiheit, in blühender Bild- fteude voll ausleben. Tiefe Sättigung ganz blutvollen, durchgekosteten Erlebens der Schöpfung, und lichte Ent- rückungen frommer, legendärer Vision durchdringen sich innig in dieser Lyrik. Die schönen, guten Dinge dieser Erde erscheinen in einem reinen Glanz paradiesischen , k-t°s. In der Dankbarkeit, mit der der Dichter die Früchte des irdffchen Gartens pflückt, schwingt leidenschaftlich mit die große Liebe zu ihrem göttlichen Spender. Irdische Lust wefft über sich selbst hinaus als Sinnbild.
Nicht immer erschließen sich Weinrichs Gedichte rasch einem oberflächlichen Hinblick. Aber es ist nicht gewollte Dunkelheit, die uns zwingt, einzelne seiner Gedichte in eindringlichem Umwerben erst zu erobern. Zu- erst wenig zugängliche Strophen gewinnen denn auch bald ein starkes, warmes inneres Licht. Sie werden zu bleibendem Besitz.
Auch den Weg zur Prosa hat Weinrich in den Icch- M dieser großen, vertrauenden Hinwendung zur irdischen Welt gefunden. Aber es ist nur natürlich, daß — ’om Stoff wie von der Sprache her gesehen — es auch < Üer für Weinrich nicht um bloße nüchterne Wirklichkeit ^hen wird. In seiner Erzählung „Die Meerfahrt" l92ö herrscht noch ganz der lyrisch-hymnische Ton. Mit irischer Bildhaftigkeit schwer befrachtet geht die Sprache 'leser Erzählung einher. Es sind die Abenteuer, die ^rstrickungen eines neuen Parstval, der durch die zer- i üsteten Berge und dunkel geheimnisvollen Wälder des v difchen Lebens den Weg zmn Meere sucht, das ihn mit iIn Ienstitsglanz von ferne anstrahlt.
i .jüngst nun hat dann Weimich mit seinem Buch ?*e heilige Elisabeth von Thüringen"
I 1931) den entscheidenden Schritt zum ersten großen Pro- ' fletan. Es ist das erste Heiligenleben aus der wnez Dichters der jungen katholischen Generation, • ■£!L®ntl Borromäus Heinrichs bedeutende „Religiöse I 5? . n9en" nähern sich ja niemals der umfassenden ! . . - dem großen Lebensbilde an. Hier hat nun . ein Heiligenleben geschaffen, das ebensosehr ein f ^'dichterischer wie religiöser Andacht ist. Wie nun
■®llb der Heiligen mitten hinein in diesen Strom
des Werdens und Vergehens gestellt wird, offenbart sich zugleich der geheime Sinn dieses Lebens im weltge- schichllichen Vorsehungsplan. — Voll echter naiver Natürlichkeit ist die Seele der Heiligen gezeichnet, ihr Opferleben wächst ohne jähen Bruch aus den Wandlungen ihres Lebensschicksals • hervor. Geistliche Anmutung drängt sich nirgends vordergründig zur Schau. Dafür
aber breitet die Dichtung gern den bunten Mantel poesie- voller Erfindung in den kleinen Dingen des Tages aus.
Weinrichs Schaffen — unlängst hat er auch zwei neue geistliche Spiele vorgelegt scheint sich nun einem Abschnitt breiterer Wirkung zu nähern. Mag er auf diesem Weg tim wachsende, verständnisvolle Gefolgschaft finden.
Oie heilige Elisabeth.
Ihre Persönlichkeit im Rahmen ihrer Zeit und in ihrer Bedeutung für die Gegenwart.
1207 — 1231: Vier ganz große Persönlichketten stehen am Anfang des für die Geschichte der christlichen Welt besonders bedeutsamen 13. Jahrhunderts —'vier große in ihrer Art fürstliche Erscheinungen, die ihrer Zett eine gewisse Prägung gaben, die in ihrer Bedeutung weit über ihre säkularen Grenzen hinauswachsen sollten. Sie stehen in zwei Paaren gleichsam einander gegenüber — zunächst die beiden Häupter der Christenheit: Auf St. Peters Thron die glanzvollste Gestalt des gesamten Mittelalters, vielleicht gar der Papstgeschichte — Innozenz 111., der Lehnsherr von halb Europa, einer der ersten maßgebenden Verkünder des Christkönigsgedankens und auf dem 4. großen Laterankonzil der gewaltige Apologet gegen alles Widerkirchliche in Ost und West. — Ihm gegenüber sein einstiges Mündel, Kaiser Friedrich II., der letzte große Hohenstaufe, überhaupt der letzte tatsächliche Träger der mittelalterlichen Reichsidee; dabei als überzeugter Sizilianer land- unb gottesfreund, halb Romantiker — halb Rationalist, in manchem dem späteren preußischen Herrscher gleichen Namens nicht unähnlich. Die Diagonale zu diesen beiden verbindet gleichsam das andere Paar: Franziskus von Assisi und die heilige Elisabeth. Der Povorello, auf den der Papst schon irgendwie aufmerksam wird, der in seiner unbekümmerten Armutsminne eine ganz neue Epoche innerhalb der Geschichte der christlichen Frömmigkeit und Karitas begonnen. Und der in der ungarischen Königstochter Ersgebeth, der späteren Landgräfin von Thüringen, feine erste Tertiarin fand und damit gleich diejenige, in der sich fein Ordensideal in höchster und reinster Vollendung verwirklichen sollte. Ein Blick auf das Leben und Wirken, auf das Leiden und die Verherrlichung dieser Frühvollendeten, zu dem uns das gegenwärtige Gedenkjahr besondere Anregung gibt, ist für uns nicht nur von rein hfftorisch-hagiographischem Interesse, sondern weist auch manche ganz unmittelbare und wertvolle apologetische Züge auf, weil er aus schwierigen Verhältnissen und während einer kurzen Lebenszeit einen Weg zur Helligkeit zeichnet, der wie kaum ein onberer von der Wundermacht Gottes und der Gött- lichkett seiner Kirche beredtes Zeugnis zu geben vermag.
In feiner trefflichen Aloysiusbiographie stellt der englische Jesuit P. Martindale im Schlußkapttel die an sich gar nicht so fernliegende Doppelfrage, die dort vor allem an die katholische Gegenwartsjugend gerichtet ist: „Wie war es dem jungen Erbgrafen Luigi Gonzaga damals möglich, ein Heiliger zu werden, und: Kann uns dieser Heilige auch heute noch unmittelbares Vorbild sein?" Vielleicht dürfen wir diese Fragestellung auch unserer gegenwärtigen Arbeit zugrunde legen, well wir dadurch eine notwendig nähere Formulierung unseres Themas finden, das ja eine kurze Würdigung der Persönlichkeit der hl. Elisabeth im Rahmen ihrer Zeit und in ihrer Bedeutung für die Gegenwart geben soll. Es ist ein besonderes Verdienst der modernen historischen Forschung, daß sie bei aller Wahrung der Pietät ihren kritischen Wahrheitssinn auch auf die hagiographischen Darstellungen auszudehnen beginnt. Mag dadurch mancher duftige Schleier fallen und manches Gesicht herbere Züge erhalten, der Heiligung und Heiligkeit des jeweiligen Darstellungsgegenstandes wird dadurch gar nichts genommen. Im Gegenteil hebt sich die Heiligengestalt von einem tatsächlichen dunklen Hintergrund negativer Milieu- oder Erbeinslüsse noch viel klarer ab, das Got
teswerk der Gnadenerwählung und das eigene Ringen um echte Vollkommenheit erhält nur noch einen heroischeren Charakter, je zäher und nachdrücklicher sich der Kampf mit eigenen und fremden Hemmungen gestalten müßte. Diese Entwicklungslinie muß sich auch für die Jugendgeschichte der hl. Elisabeth ergeben: Nur ein spärliches Licht verbreitet sich über die ersten vier Jahre am Preßburger Hof, an dessen Spitze ein mißtrauischer Vater, eine herrschsüchtige Mutter stand, deren die kleine Hellige später trotz allem mit kindlicher Liebe und taktvoller Pietät gedenken sollte. Und auch auf der Wartburg, zu der sie nach der Sitte der Zett als künftige Braut des künftigen Herrschers schon früh mit großem Gefolge gesandt worden, blieb ihre Hellandsliebe und chr übernatürlicher Sinn ganz einsam unter den Menschen und Dingen des Thüringer Hofes. Mitten in all dem irdischen Getriebe, an das sich der ruhelose Landgraf Hermann verkaufte und dem auch die eitle Landgräfin Sophie, die spätere Zisterzienserin in Eisenach, so ganz und gar anhing, ist Elisabeth mehr und mehr dem Ruf der Gnade gefolgt, ohne sich dabei jemals ihren zunächst irdischen Bestimmungen zu entziehen. Schon früh begann sie in der Beherrschung ihres eigenen südlich heißen Temperamentes zu arbeiten, wenn sie — ach wie gern — fröhlich war mit den Fröhlichen, wenn sie — als echte Ungarin oft heimwehkrank — an eigener oder fremder Trauer trug. Mit welch kluger Energie und klarschauender Sicherheit hat die junge Landgräfin ihres Gemahls ritterliches Ungestüm zu zügeln und ihn als echte Frau und Fürstin heilsam und segensreich zu beeinflussen gewußt. Wie jede echte Heiligengestalt suchte St. Elisabech gerade ihren mehr oder weniger eng begrenzten Staudespflichten mit verantwortungsvollem Ernst gerecht zu werden, um dadurch und von da aus nicht weniger wertvolle Reichsgottesarbett zu tun. Dabei ist in ihr anmutig und ergreifend zugleich jene echt mittelalterlich reine und hingebende Frauenminne auf- geblüht, mit der sie schweren Herzens von dem scheidenden Gemahl Abschied nimmt, dem sie doch recht eigentlich das Kreuzesbanner entgegengetragen. Mit der sie sich voller Schmerz über seinen jungen Leichnam neigt und danach tiefgebeugt, aber ungebrochen der eitlen Härte des Schwagers weicht und mit ihren drei kleinen Kindern die Wartburg und damit den Schauplatz all ihrer erdgebundenen Freuden und Interessen für immer verläßt.
Betrachten wir darum die hl. Elisabeth von den verschiedensten Aspekten im Rahmen ihrer Zeit aus, so läßt sich überall schon die spätere Heilige ahnen, mögen mir ihr in ihrer zarten Frauenminne oder als der stolzen Arpadentochler begegnen, also noch in den Zeiten ungesuchten äußeren Glanzes, da sie noch nicht als verstoßene Witwe das graue Terttarenkleid des Povorello trug. Mag sie uns später in ihrer völligen Armut, in ihrer sich immer mehr hinopfernden Jugend erscheinen, wo ihr selbst die harte Klosterzelle zuviel behagliche Geborgenheit verspricht, In jenen letzten Lebenstagen, in denen sie bedürftiger geworden als all die Kranken und Bettler, die Armen und Bresthaften, an die sie einst mit vollen Händen all ihre Habe verteilt. Immer bleibt sie die echte Frau und Fürstin, der es schon in dieser zwiefachen Eigenschaft von vornherein gar nicht leicht geworden, eine so große Heilige zu werden. Und doch wurde auch sie schon zu ihren Lebzeiten eine Heilige genannt, wurde nach ihrem Tode ht überraschend kurzer Zeit
Zum 100» Soöesfag der heMgen Elisabeth.
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Eine gotische Elisubethstatue Das Grabmal der hl. Elisabeth in der Elisabeth-
aus dem Kaiser - Friedrich- Kirche in Marburg.
Museum in Berlin, ein Mei
sterwerk der Holzschnittkunst.
Am 19. November sind es 700 Jahre her, daß die heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, 24jährig, starb. Mit diesem Tage schließt das feierliche Jubeljahr ab, das hinter uns liegt
durch eine Fülle eidlich beglaubigter Wunder ausgezeichnet und darum auch gar früh von der kirchlichen Autorität in die Zahl der Auserwählten des Himmels ausgenommen. In den Wunderberichten, deren Text und Zeuge dank der kritischen Quellen-Arbeit des Marburger Hfftorikers Albert Huyskens ziemlich lückenlos vorliegt, wird St. Elisabeth fast durchgängig als Nothelferin, als lindernde, heilende Pflegerin gefeiert. In dieser Eigenschaft gab sie ja schon ihrer Zett ein ganz besonders leuchtendes Beispiel. Einmal früher, als ihr noch die fürstlichen Mittel zu all ihrer praktischen und ideellen Liebestätigkeit zur Verfügung standen, und dann später als sie, die selbst Verarmte und Entrechtete, ihrem Hei- land und dem geringsten unter den Seinen alles geopfert, um allen alles zu werden. Sie selbst, die uns ja leider keine persönliche Aeußerung, keinen Brief hinterlassen, brauchte gar nicht um ihren Nachruhm besorgt zu sein, wo man sie schon für die ersten franziskanischen Klostergründungen in Deutschland um ihren Segen bat, und die ausklingende höfische Epik gar früh ihr wunderbares Leben und Wirken besang. Sie neigte ja zuweilen zu einem ungewöhnlichen Rigorismus, dem sogar ihr ernftftrenger letzter Beichtvater Konr. v. Marburg, dem man heute übrigens weit gerechter wird als in früheren Zeiten und Darstellungen, einigermaßen steuern mußte. Ihre feine Weiblichkeit war eben völlig durchglüht von dem starken Heilandsfeuer, dessen stete Flammen schon früh in der Seele des fürstlichen Kindes sich entzündet und nun zur hellen Fackel aufgelodert, nachdem es äußerlich immer elender und dunkler um Elisabeth geworden. Doch bemerken wir gerade hier eine vorbildliche Eigenschaft der Heiligen, die sie ganz sonderlich zur
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Tertiarin, zur Jüngerin und Mttarbetterin des hl. Ordensstifter von AM berufen machte: jenen echten selbstverleugnenden Gehorsam, der ihr stolzes plane« reiches Haupt sich immer wieder unter die harte Führung des ersten deutschen Inquisitors beugen ließ, der oft ihre immer geschäftigen Hände sich stille schließen ließ zu demütig horrendem, betrachtendem Gebet. — Bis sie, wohl noch in der Welt, aber nicht mehr von ihr berührt, ihr Werk vollendet und, schon ganz chrem Mei- ster ähnlich geworden, eingehen konnte in die Freude ihres Herrn. In einer Jugend wie die des hl. Aloysius oder der kleinen Theresia und unter recht bewegten und schwierigen Verhältnissen, in denen sie eine irdische Krone getragen und diese schuldlos und neidlos verloren, um dadurch die himmlische zu gewinnen. Um die große Heilige zu werden, deren bald erhobener Sarg der römische Kaiser und der päpstliche Legat, von anderen Großen des Reiches und der Kirche unterstützt, zu würdi- ger Bestattung und Verehrung trugen.
(Schluß folgt.)
Sf. Elisabeth im Rundfunk.
Am 19. November zum Fest der hl. Elisabech wird von 20.30 Uhr bis gegen 22 Uhr ein Hörspiel von der hl. Elisabeth von Franz Johannes Weinrich mit einem einleitenden Vortrag von Direktor Marschall über den Westdeutschen. Sender, die Berliner Funk- stunde, den Deutschlandsender Sönigsrou ft erlaufen, den Schlesischen Rundfunk in Breslau und bett Ostmarkenrundfunk gehen.
Der gesuchteste Chirurg.
Jetzt ist die Zett der schmerzlichen Trennung der Puppenmütter von ihren Kindern. Schon im Oktober beginnt der große Andrang zu den Puppenkliniken, waren Puppenkrankenhäusern mit allen Schikanen. Die geschicktesten Chirurgen sind sehr gesucht, und während sie im Laufe des Jahres ihr Werk gut allein zustande bringen können, brauchen sie jetzt eine Schar von Assistenten.
In einem Aufenthaltsraum sind die zahlreichen Puppenkinder schön mit Nummern versehen untergebracht, nicht selten in beträchtlicher Enge bei der jetzt so star- ken Belegung. Im „Operationssaal" spielen Leim, Farbe, Gips und Holzwolle ihre Rolle. Man ist vom frühen Morgen bis zum späten Abend am Werk, hantiert mit Messer und Schere, näht und klebt.
Die Krankheitsursachen bei den einzelnen Patienten sind sehr verschiedener Art. Da sind die verspielten Puppenkinder, die treu gedient haben und nun einfach verschlissen sind wie ein Mensch, der lange und viel gearbeitet hat. Da sind die vorn Unglück Betroffenen. Vielleicht sind sie gefallen, gar mit dem Puppenmütterchen zusammen, und haben Schaden gelitten. Vielleicht sind sie dem Feuer zu nahe gekommen, haben sich furchtbar gestoßen, oder ein Gefährt ist über sie hingegangen, ehe das angstvoll auffchreiende Puppemnüt- terchen oder ein kleiner Ritter sie retten konnte. Da sind auch die von Gewalt Bettoffenen, die vielleicht die Puppenmutter selbst oder einer ihrer kleinen Freunde einmal von innen untersuchen wollte, wobei es den armen Puppenkindern dann jämmerlich an Leib und Leben ging. v
Nun werden sie alle in Kur genommen. Die durchlöcherten Köpfchen werden operiert, wenn nötig sogar die Gehirnmasse in Gestalt von Holzwolle vermehrt. O, es ist gar nicht einfach bei den verschiedenen Arten Schiel-, Schlaf- und Normalaugen! Die tollsten Miederverletzungen werden geheilt und sogar verloren gegangene Sümmchen wieder geweckt. Das ist allerdings eine ganz gefährliche Geschichte, denn dabei muß das ganze Puppenbäuchlein rundum aufgeschnttten werden.
Aber die Puppenklinik ist nicht nur für die Gesund- hett, sondern auch für die Schönheit ihrer Patienten oeranwortlich. So werden die Puppen neu bemalt und geschminkt, die Struwelköpfchen werden sorgsam geglättet und gebrannt, aus langem Haar enfftehen flotte Bubenköpfchen, und wo einmal ein Puppenmütterchen selbst den Eionschnitt versuchte, muß nun die Klinik wieder für etwas reicheren Haarwuchs sorgen.
Manchmal kommen die Puppenkinder so schmutzig an, daß ihre Aufnahme verweigett werden muß. Unglaublich sind sie oft zugerichtet. An den Stoffpuppen haben die Puppenmütter ihren Bildnerttieb meist am stärksten betätigt. Den Meister Petz, der sich immer so gut mit der Puppenschar verträgt, nimmt man auch widerspruchslos in das Puppenkrankenhaus auf und