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dick und rund

IS. Aovember

Beilage zur Fuldaer Aeilung

Nr. 267

Politisches Verstehen! Politisches Milerleben!

Konzernfrei I

Die neue Lesmona SO 10 * Auch ohne

zu sein, die nicht falsche Rücksichten kennt und keine Anlage zu Kompromissen besitzt.

Wir stehen im Kampf mit dem Feind um uns. Raffiniert mißbraucht er die Lebensnot des deutschen Volkes. Er pwphezeit das Paradies auf Erden und nimmt so den Menschen die Kraft zur Entsagung. Seien wir ehrlich, das deutsche Volk ist zu einem Groß­teil in der Scheinblüte der Nachkriegszeit zu anspruchs- voll geworden. Es sind nicht die Aermsten,, die Nazi wählen. Katholisches Christentum tft Ent- sagung, katholisches Leben ist cm OPf«r- w e g. Wir wollen diesen Weg dem Volke voran gehen. Was ist heroischer: zu kreischen und sich zu schlagen oder in stiller, zäher Arbeit diesen Weg zu gehen? Maul­heldentum oder Heldentum der Tat?

Unser Kampf gilt der Unsauberkeit, der Zucht- und Willenlosigkeit unserer Zeit. Das Zeitalter großer Kor- ruptionspwzesse, der Kitsch der Zeitungs- und Zeck- schristenkioske, das Nachlaufen jedem Propheten M auch in der Politik die wirklich politische Person! ich- keil seltener werden lassen. Es ist kein Zufall, dah der Führer der Maschinengewehr-Scharfschützenabteilung 12, der Leutnant der Reserve Heinrich Brüning, kurz nach dem Kriege schrieb: „Die großen Geschicke in der Welt sind nur durch Opfer, Selbstlosigkeit und freiwillige Disziplin zu bewältigen." Heute wagt nie­mand, diesem untadeligen Führer Lauterkeit, Zucht und Energie abzusprechen. „Es war ein Sieg seiner Per­son," so schrieb der frühere Reichsfinanzminister Rem- hold in der „Dossischen Zeitung" nach der letzten Reichstagsdebatte, und er fährt fort: „Wer diesen Mann verhaltener Energie mit seinem blassen, ekstati­schen Gesicht, mit den beste Tradition verratenden, spcnc- samen Gesten, gehört und gesehen hat, der mußte füh­len, daß dieser Kanzler ein Führer ist, auf den verzichten zu müssen für Deutschland in diesen Tagen der Entscheidung ein ganz schwerer Verlust wäre.

Ihm, dem Führer, und uns, der Gefolgschaft, ist aber für all unser Schaffen und Streben letzter ehrlicher Wille die Bitte des Vater unser „Zukomme uns dein Reich".

Unser Wille und Weg.

Von Anton Dallwig.

Es war im Jahre 1921, als junge katholische Men­schen, ernst und reif geworden durch das Erlebnis des Weltkrieges, zur ersten Reichstagung der deutschen Windthorstbünde in Fulda zu- sammenkamen. Sie riefen die katholische Jugend zur Sammlung und Neuordnung im Politischen. — Das Ideal chrer Jugend, das glänzende Reich, für dessen Träger sie begeisternd ins Feld gezogen waren, war zer­schlagen. Dem äußeren Zusammenbruch jener Jahre war ein viel größerer geistiger gefolgt. Was Generation und Generation ihnen als richtig und unvergänglich überliefert hatte, war wertlos geworden. Ein geistiges System, das zur Vergottung des Staates ge­züchtet war, brach zusammen. Es zeigte sich, daß em« falsch verstandene Autorität, für dessen Trä­ger die Millionen in den Krieg gezogen waren, unser Unglück mitverursacht hatte. Nicht Charakter, Fähig­keit und Tüchtigkeit, sondern Herkunft, T i t ei und äußerer Glanz waren die Maßstäbe für die Rangordnung im alten Obrigkeits- staate. Der preußische Offizier war der Repräsentant deutscher Geistigkeit. Das Militärreglement ersetzte die Zehn Gebote. Der Liberalismus predigte den Grund­satz der Grundsatzlosigkeit. Die Politik kannte keine Moral. Aus dieser Geisteshaltung entstand der Satz: Politik verdirbt den Charakter. Die Religion war nicht mehr Maßstab des politischen Handelns. Der „christ­liche" kaiserliche Staat war im Grunde schon heidnisch.

Ms der Enttäuschung über das Vergangene ent­stand Kritik und Mißtrauen der älteren Generation gegenüber. Es gab keine vorbehaltlose Anerkennung, keine Begeisterung auf den ersten Blick. Die Jugend der Nachkriegsjahre wollte nicht so sehr Demonstration als Arbeit im kleinen Kreis«. Es ging ihr um die geistige Macht, nicht um die äußere. In den täg­lichen Mseinandersetzungen mit dem Alt-Ueberbrachten lernte sie Wesentliches von Unwesentlichem unterschei­den. Der Kernpunkt ihres politischen Strebens war die Forderung nach dem neuen Menschen. Für den neuen katholischen Menschen gibt es keine Doppelmoral. Was er tut auch im Politischen, tut er gemäß seiner religiösen Grundhaltung, seinem Glauben gemäß. Die Re ligion ist Maßstab für sein politisches

Das Muugsideal der kalhol. Zugeud.

Katholische Aktion.

Ms in der Kirche verwurzelte Menschen treibt uns der jugendliche Aktivismus zur apostolischen Tat, zur kath. Aktion. P. Fr. Muckermann S. I., der Red­ner des Katholikentages in Magdeburg, wo man über dies Thema sprach, hat einen vertieften Begriff dieser Bewegung gegeben in einem gleichnamigen Heftchen der Ars sacra, München. Seine Sorge ist, daß dieser Ruf Pius XI. zu einem inhaltlosen Schlagwort herabsinken und von betriebsseligen Organisationen veräußerlicht werden könne. Er vergleicht unsere chaotische Zeit mit der des hl. Augustin, wo das römische Reich unter dem Ansturm der germanischen Völker zusammenbrach. «Aber aus seinen Trümmern entstand der „Gottesstaat" des Mittelalters. So ist wieder eine Weltkatastrophe her­eingebrochen. Da ruft der Statthalter Christi zur kath. Aktion- die von Gott abgefallene Welt soll wieder christ­lich werden. Priester und Laie, jeder auf seinem Sach­gebiet, sollen diesen Ruf aufnehmen und ihn da, wo sie stehen, durchzuführen suchen. „Der Mensch der kachol. Aktion wird ganz in den letzten Geheimnissen weben müssen. Wer hier Führer sein will, dem müssen von da die Ideen kommen und die großen Entwürfe . Die Ta­ten, die heute geschehen müßen, gehörten dem geistigen Reich an. Daß nicht die Ideen eines Marx, Lenin, ein­mal herrschen, sondern die Christi, das sei unsere Auf­gabe. Man denke an Radio, FUm, Schallplatte, Presse, und tausend andere Dinge, von denen Tag für Tag die Millionen beeinflußt werden! .

Wie es heute steht, wer die Ideen der Well eingibt, ob es das Christentum ist, das zeigt Jos. Eberle in

„G r o ß m a ch t P r e s s e". Mll dem Untertitel wird es schon gesagt, was uns das Buch bedeuten kann: „Ent­hüllungen für Zeitungsgläubige, Forderungen für Man­ner". Er zeigt an einer Menge von ganz alltäglichen Beispielen, wie der Großtell der Presse auf allen Gebie- ten, die die Zeitung umfaßt, einen Abfall von der echten Mission: Dienerin der ewigen Ideen zu sein, vollzieht. Die letzten Ursachen all dessen zeigt er im Kapitel „Presse und Kapitalismus": „Eine einzige Bedingung ist gegen­wärtig erforderlich, um öffentliche Meinung zu machen, und diese ist das Geld . . . Rur der wird zum Still­schweigen verurteilt, der nichts für sich hat als Talent, Jugend und Ehre". Die Hauptgeldmenschen aber sind heute die Juden. Folgerichtig zeigt er dann statistisch für die einzelnen Länder, in welch unerhörtem Maße diese Behauptung stimmt, und wie der Geist der Unjitt= lichkeit und des Materialismus gerade in die jüdisch finanzierte Presse einging. .

Wie sehr das Freidenkertum und die sozialistische Weltanschauung in ganz systematischer Weise bas, Chri­stentum auszurotten suchen, beschreibt Algermissen in seiner Schrift: „Freidenkertum Arbeiter, schäft, Seelsorge". Er bietet reiches, statistisches Material und vor allem Einblick in die freidenkerische Literatur, indem er diese bei seinen Ausführungen sehr oft selbst sprechen läßt. Es ist eine ganz klug ausgedachte Taktik, mit der man dem Christentum zu Leibe zu gehen sucht. In sog. Funktionär- und Rednerkursen bilden sie ihre Agenten, die sie dann aussenden. Die Ueberwachung und Brandmarkung der Kirche ist regelrecht organisiert. Die Kirchenseste mit den Festgeheimnissen sucht man durch sozialistische Feiern und Gedanken umzuformen und so überflüssig zu machen. Nachdem Algermissen jo ein Bild

men droht, diese Verbitterung der großen Massen der Arbeitslosen, des um seine Existenz gebrachten Mittel­standes wird geschürt, angefacht, verdoppell von den radikalen Parteien, die chre Patentlösungen mit den m die Augen fallendsten Schlagworten in Schrift, WoN und Bild überall verbrellen. Wenn wir also ehrlich find, so muffen wir uns sagen, das deutsche Volk und auch weite Kreise unserer Zentrumsjugend sind noch recht weit vom politischen Verstehen und Miterleben entfernt.

geschah.

Wir gingen unfern Weg für uns, bis wir wußten, daß unser politisches Wollen in der Zentrumspartel feinen Ausdruck finden kann. Das Ringen um die gro­ßen Grundfragen der Politik war zu Ende, es begann in gleicher Front mit der Part«: der Sampf um die Politik des Alltags. Es galt und gilt zu be­kennen und zu bewähren, was wir uns errungen haben. Wir liegen heute in der S chützenlin re des politischen Kampffeldes. Die Schwarmgecher falscher Romantik auch in der Politik sind bei uns fc^on längst ausgestorben. Wir sind darauf b^acht.mis der ganz nüchternen Erkenntnis der politischen Tcllsachen und Probleme mit heißem Herzen und lUgendlichem Idealismus die politischen Konsequenzen zu ziehen. Es hat und wird manche Spannung noch zwi­schen der älteren und jüngeren Genera­tion geben; aber sind nicht diese Spannungen gerade notwendig, um geistige Stagnation, um, wie man so gerne sagt, „Verbonzung" zu verhindern? Wir werden nie den Anspruch aufgeben, auch in der Partei eine reforrnvollendete junge Generation

Windthorstbündler!

Der Führer der Windthorstbünde in Hessen- Nassau, Dr. Georg Meder, Münster i. T., hat zu der politischen Schulungstagung fol­gendes Begrüßungsschreiben gesandt:

Patentapostel durchziehen die Lande und predigen in Stadt und Dorf ihre Patent-Rezepte, die uns über Nacht herausführen sollen aus diesem Irrwahn der »eit. der schweren Not des kommenden Win­ters. Hört nicht auf diese Wunder-Apostel!

Als junge, katholische Menschen wissen wir, daß dl« vor uns liegend« Aufgabe schwerer ist. Seit unserem großen Führer Windthorst erkennen wir, daß nur tief­gehende, geistig« und staatsbürgerliche Er­ziehungsarbeit, die da verankert ist in den Fundamenten unserer katholischen Welt­anschauung, unser wirtschaftliches und politisches Leben wahrhaft umgeftalten kann.

Das katholische Jungvolk durch Schulungs-und Jnformationsarbeit für die heraufkommende politische Entscheidungen seelisch vorzubereiten und reif zu machen, das ist unser Ziel! , -

Zwischen den Radikalen von Lmks und rechts, zwischen dem unchristlichen Sowjetstern und dem heid­nischen Hakenkreuz stehen wir! Das Kreuz m ter Faust! Eine Schutzwehr für den friedlichen, sozialen Dolksstaat, ein Schild unserem Führer Brünmg.

Werhat das Herz a ufdemrechtenFleck. __Der mache mit! Wir wollen uns die Hand« reichen, deutsche Jugend aus Stadt und Land, aus allen Stan- den, allen Schichten. Eines Glaubens, eines l^rzens.

Dann muß es uns gelingen, das Kreuz zu pflanzen mitten hinein in den kom­menden sozialen und gerechten Volks­staat.

and ein. Darum ist es für die katholische Jugend frfte Voraussetzung: Nur der wird als Abgeordneter der Zentrumspartei von uns auf die Dauer gedultet, der ein radikaler Katholik ist, nicht bloß im Reden, sondern vor allem im Tun; radikal nicht in seinen Anschauungen, sondern radikal in der Durchsetzung seiner Anschmmng. .

Ms dieser Grundhaltung begann m den wahren nach der Fuldaer Tagung die Auseinandersetzung um die grundsätzlichen Fragen der Politik, um Republik, um Demokratie und Führung, um das Recht der Arbeiter­schaft um Kapitalismus und Bodenfrage, um Sunt und Gehalt der Zentrumspartei, um politische Abgren­zung und Frontbildimg. So bedeutete jede Reichstagung einen Schritt vorwärts in der Klärung dieser Fragen. Von Honnef 1922 bis zum Kölner Parteitag 1928 ging unser Weg. Wer chn frei und willig mitgegangen ist, wer das ehrliche Ringen und Wollen in diesen Zäh­ren miterlebt hat, der weiß, daß es aus letzter Liebe um den deutschen Katholizismus und um unser Volk

sive?: 1. Von den Sünden unserer Väter. 2. Mensch unter Menschen. 3. Komme Dein Reich" haben ganz dieselbe Art. Sie wollen die Augen öffnen für praktisches Christentum. Minderwertigkeitsgefühle und Verkalkung im Bekenntnis zum kath. Glauben werden jedem abge­trieben, der Fiedlers Schriften liest.

3ttn mönnet-Betbattb imd Siedlung.

Auf dem Di ozes an tag der Jungmännervereine in Fulda beschäftigte man sich in einem Aussprachekreis auch mit dem Ausbau der katholischen I u n g l a n d - beroegung. Es wurde zunächst die augenblickliche Notlage des Landes besprochen und deren Ursache er­forscht. Man fand daß neben wirtschaftlichen und po­litischen Gründen gerade auf dem Lande mit dem An­wachsen der äußeren Kulturgüter oft der innere Men ch, die Persönlichkeit nicht gewachsen sei Dann wurden die Aufgaben besprochen, die sich für den Verein und Verband aus dieser Notlage ergeben Hingewi^en wurde auf die Genossenschaft und die Siedlung. Die religiöse Persönlichkeit ist mit allen Mitteln zu pflegen. Der Diözesanverband bekennt sich zur katholischen Jung« landbewegung. — Folgende Entschließung wurde ge­faßt: Die Deremsmitglieder vom Lande erwarten ge­rade in der jetzigen Noizell Mithilfe in der Beruf sve- ratung und Berufsförderung. Der Verband wird ge­beten, alle Mittel zu ergreifen, um die Siedlung zu erleichtern. Vielleicht läßt sich das freiwillige Arbeitsdienst fahr in den Dienst der Siedlung stellen in der Weife, daß auf größeren Gütern Bauern- existenzen ermöglicht und erleichtert werden.

der Lage gegeben hot, zeigt er, was und wie von uns nun gehandelt werden muß. Hiermit haben wir bann auch einen guten Ueberblitf über den Sozialismus er­halten, der natürlich nicht eingehend fein kann. Aber eine ganz moderne, systematische und doch allgemein v e r st ä n d l i che Darstellung des Sozialismus von kath. Seite existiert wohl nicht. Was darüber treffenb gesagt wurde, ist mehr in Zeitschriften zerstreut. Das Werk von Prof. Brauer ist durchweg zu schwer verständlich.

In den Fragen der kath. Aktion hat unter ter Ju­gend Pfarrer Fiedler das größte Echo gefunden. Seine Sprache haucht Pfingstgeist. Verwaschene Kom- promisie sind nicht seine Sache. Rücksichtslos sagt er die Wahrheit und schreckt nicht vor den letzten Forderungen zurück. „Der neue Mensch" behandelt zwölf The­men aus dem Geiste der neuen Generation, wie erjagt- Gewidmet ist das Buch der Jugend, die denkt, kämpft und glaubt. Er schildert, wie uns Mammonismus und Ma­terialismus in unsere heutige Lage hineingestoßen haben. Die Katholiken haben in der Vorkriegs­zeit geschlafen und sich zum Teil von den Toren, die sagten, es gäbe keinen Gott, in Schlepptau nehmen laßen. Demgegenüber möchte er es allen wieder ms Be­wußtsein rufen, dah sie Gottessöhne sind, aus göttlichem Adel. Ihr einzig würdiges Abzeichen ist die Liebe ge­rate zu den geringsten Brütern. Nur durch diese Siebe wird ter sozialen Frage das Gift, das sie im Klaßen- kampf spritzt, genommen. Das Christentum muß wieder eine Gemeinschaft werten, in der sich alle Abgründe schließen, eine Gemeinschaft ter Liebe zu einem Vater, der uns alle zu Brütern und Schwestern gemacht hat. Seine 3 Bändchen über „DefenjLve ober Offen­

Woran liegt bas?

Das liegt zu einem großen Teil an der Art, wie un­sere Gesetze, insbesondere die Notverordnungen gemacht ] sind. Was wissen wir denn vom Inhalt der Notverord­nungen? Gewiß die Dinge, die uns unmittelbar beruh­ten, Kürzung der sozialen Leistungen, Herabsetzung der' Gehälter, neue Steuern, diese Dinge kennen wir. Aber ist das alles, was in den Notverordnungen steht. Bei weitem nicht! Sehen wir doch nur das Inhaltsver­zeichnis der Notverordnungen an: Haus halt s- und Schuldenwesen, Wohnungs- und Sied- lungsroefen, Handels- und WirtschaftsPo­litik; das sind nur einige Ueberschristen. Wer von uns hat auch nur eine ungefähre Ahnung von den prak­tischen Auswirkungen ter Notverordnung über A r - tienredjt und Dan kena uf f icht! Oder wer weiß Bescheid über das Stillhalteabkommen, das wegen der kurzfristigen Schulden der deutschen Privatwirtschaft mit den ausländischen Geldgebern ge­schlossen worden ist? Und doch zeigt sich erst m all diesen Dingen, daß die Regierung Brünmg nicht, wie es leicht nach außen den Anschein haben konnte, den Weg des geringsten Widerstandes geht. Es zeigt sich ,daß die Regierung auch der kapita- list > sch e n Wirtschaftsordnung, »um wenig­sten aber deren Auswüchsen, sehr tatkräftig zu-

lei b e g e r ü ck t i st. Oder was glaubt Ihr, was mehr praktische Bedeutung für uns hat: Der Antrag ter NSDAP vom Herbst vorigen Jahres im Reichstag, das Bank- und Börsenkapital zu enteignen, ober die N°t- Verordnung über Aktienrechtsreform und Bankenaus- sicht? Was ist wichtiger: Don der Berechnung der Zinsknechtschaft zu reden oder die ausländischen Gläubiger zu bewegen, ihr kurzfristig gegebenes G zunächst noch in Deutschland zu lassen? Wenn diese Fragen mich ohne allen Zweifel zu Gunsten der M h nahmen Brünings beantwortet werden müssen, so zei­gen diese Fragen doch, welche Gefahr d e mbeut- schen Volke aus den hetzerischen schlag, wortartigen Forderungen der Rad,ta­ten erwachsen können, denn leicht ist es, M« Maße für Schlagworte zu begeistern, aber schwer ihre Zustimmung zu schwierigen sachlichen Entscheidungen zu gewinnen.

hier muß unsere Tätigkeit einsehen.

Was wir zu tun haben, hat Reichskanzler Brüning in jener Rede in Mainz mit aller Klarheit gesagt: W t r müssen die wirtschaftlichen Zusammen- hänge unserer gegenwärtigen Wirt- schaftversassung, mit denen wir als nut ge­gebenen Tatsachen rechnen müssen, zu erkennen versuchen. Cs ist ferner von besonderer Wichtigkeit, den breitesten Schichten unsere weitgehende wirtschaft­liche und finanzielle Abhängigkeit vom Auslande klar zu machen Brüning fordert also von uns, vom ganzen deutschen Volke

ein politisches verstehen.

Dies Verstehen können wir nun aber nur in ern- fter Arbeit in kleinen Kreisen uns aneignen. Hier liegt bas Haupttätigkeitsfeld der Windthorstbünde. Wir wollen und können in unseren Versammlungen zu Lo- !ungen ter Wirtschaftsfragen zwar nicht kommen; wir wollen zunächst einmal die tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten aufbeden, die zu überwinden sind. Ha­ben wir bas erkannt, fo werden wir die Arbeit viel eher zu würdigen wissen, die die Regierung Brünmg in den Notverordnungen schon geleistet hat.

Einige Windthorstbünde haben mit dieser aufklarenden Tättgkeit schon begonnen. So hat der Hanauer Windchorstbund an Hand des Buches von Reiners: Die wirkliche Wirtschaft, versucht gewisse Fragenkreise zu klären, wie Preisbildung, Wahrungs- fragen, Beoölkerungspolitik, Arbeitslosenfrage. (Eine

I Arbeitsgemeinschaft in Frankfurt verursacht, die Be- Ziehungen zwischen Deutschland und Frankreich in wirtschaftlicher und kultureller Betrachtung an Hand des Frankreich-Buches von Bergsträffer kennen zu ler-

Praktische Aufklärungsarbeit wird also die Arbeit fein die wir in den Windthorstbünden in diesem Win- ter leisten müßen. Eine ganz vorzügliche Hilfe bei bte- fer Tätigkeit bietet sich uns gerate zu rechter Zeit m

I dem soeben erschienenen Buch von dem Reichstagsabge­ordneten unseres Wahlkreises Professor Des - sauer. Es heißt: „Im Kampf mit der Wirt­schaftskrise" und ist erschienen in dem Verlag der Carolus-Druckerei in Frankfurt; es umfaßt 148 Seiten und kostet kartoniert Rm. 1-90, in Seinen gebunden Km.

I 3.—. Das Buch ist geradezu wie geschaffen zur ersten I Einführung in die Zusammenhänge unserer heutigen

Unser Führer Brüning hat aber m der Mainzer Rede noch ein Zweites gefordert:

Politisches Miterleben.

I Bis zu einem gewissen Teil deckt sich politisches Mit­erleben mit politischem Verstehen, denn politisches Der- stehen setzt ein Drinstehen im politischen Leben, ein Mtt- füblen, ein Miterleben voraus. Es tft nun aber nicht

I jedem gegeben, die verwickelten Zusammenhänge unseres Wirtschaftslebens sich klar zu machen. Doch eines kann jeder: sich den berufenen Führern unterordnen und an der Stelle, an die chn fein Beruf gestellt hat. seine Pflicht tun in dem felsenfesten Vertrauen, daß Man-

I ner wie Brüning bas Beste für Volk unb Vaterland I wollen.

Politisches Miterleben ist aber noch mehr! Miter- leben heißt Stellungnehmen für und wider, öffentlich

I Stellungnehmen. Einstehen für feine Ueberzeugungl

In der großen Kundgebung des hessischen Zen­trums in der Stadchalle in Mainz hat vor einigen Ta­gen Reichskanzler Brüning unter anderem ausgeführt: „Es muß gelingen, unter Mitwirkung aller Volkskreise Losungen auf einmal zu treffen, die wegen des bevorstehenden harten Winters diesmal nicht auf längere Zeit verteilt werden können, sondern die in Zusammenhang und in völliger gegenseitiger lieberem» fttmmung durchzuführen sind.

Wir brauchen dazu aber ein Miterleben des deut­schen Volkes und ein Verstehen!"

Wie steht es nun mit diesem politischen Verstehen, mit diesem politischen Miterleben? Gewiß haben wir alle ein Gefühl dafür, daß wir in einer argen Not- zeit leben, daß ein ganz großer Kampf gekämpft wird. Und doch, wenn wir ganz ehrlich sind, müssen wir uns sagen, wir kennen zwar das große Ziel des Kampfes — bas nach innen unb außen flt-eie deutsch e Vaterland I Aber die Be­deutung der Maßnahmen, mit denen die Re­gierung Brüning diesen Kampf führt, ift uns in vielen Fällen unklar. Wir hören nur immer von Lohnsen­kungen, Gehaltskürzungen, Steuererhöhungen, Herab- setzung der Leistungen der Sozialversicherung; wir füh­len die Auswirkungen dieser Maßnahmen am eigenen Leibe. Aber wir vermißen immer wieder ein scharfes Vorgehen gegen die leistungskräftigen Kreife in Indu­strie, Handel und Kapital; wir warten noch immer auf die schon lange angetünbigte Herabsetzung der Preise. Wer von uns hat bei Betrachtung dieser Tatsachen nicht schon bas bittere Gefühl gehabt, daß die Regienmg den Weg des geringsten Widerstandes geht, daß Ar­beitslose, Arbeiter, Angestellte, Beamte, also all die, die sich nicht wehren können, bluten müssen, während die Großen, die die Macht haben, ungeschoren wegkom- men. Dieses bittere Gefühl, bas auch uns zu übertom-

Lange, liefe z-uye ... wcivu

■Lm lll bei einer 5010. Eine 31/3 Pfennig-

■ ■ lll Zigarette, die bestimmt mehr bietet, als ihr Preis vermuten läßt