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Anzeiger für die Stadt Aulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. 2S7

Lricheini sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen: ..Die Welt im Bild" und ..Buchenblotter" Notationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in tfulba. Fernrute.- Schrift« :: leitung 3153, Fuldaer Äctiendruckerei 3151 und 3152. n

Mittwoch, IS. November 1931.

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labte. 58.

Akademische Freiheit.

Von Dr. Jos. Albert, Dresden.

An der Umoersität Halle haben sich Dinge er­eignet, die das Problem der akademischen Freiheit erneut aus's stärkste in den Vordergrund rücken. Die Studentenunruhen anläßlich der Berufung des Professors Dehn auf den Lehrstuhl für praktische evangelische Theologie bilden einen Höhepunkt der ganzen nachkriegszeitlichen Dekonstrationen an deutschen Universitäten. Bekanntlich besteht die akademische Freiheit nicht nur in der Lehrsrei- heit der Universitätsprofessoren, sondern auch in der Lernfreiheit der Studierenden. Beide, Lehr- und Lernfreiheit, greifen auf's tiefste in die Gesamtentwicklung einer Nation ein und bestim­men ihre Kultur. Außerdem aber gibt es ein ft- nanzielles Interesse der Allgemeinheit an diesen Dingen: feder deutsche Hochschüler kostet dem deut­schen Volk jährlich rund 18002000 Mark, also eine Summe, von der man schon verlangen kann, daß sie gut angelegt werde.

Die Demonstrationen gewisser Studentenver­bände nun, die in den Nachkriegsjahren einen er­schreckenden Umfang angenommen haben, können bekanntlich zu einem guten Teil auf politische, ja sogar parteipolitische Beeinflussung zurückgesührt werden. In Halle handelt es sich umnationale Studentenverbände". Wir wollen hier neben den Halle'schen Fall, um die innere Krise der Studen­tenschaft aufzuzeigen, den von Jena stellen, der vor einem Jahr bei der Errichtung der Professur für Rassekunde aktuell war. Wie erwähnt, ist in Halle die Berufung des Professors Dehn auf den theologischen Lehrstuhl der Anlaß zu den Demon­strationen. Dehn ist nach derDeutschen Allgemei­nen Zeitung" gegen den Willen der FakuUät vom preußischen' Kultusministerium berufen worden. Man macht ihm pazifistische und zugleich soziali­stische Tendenzen zum Vorwurf und kritisiert vor allem seine Predigt überKirche und Völkerver­söhnung", die er 1928 in der Ulrichskirche zu Magdeburg gehalten hat. Obwohl an dieser Stelle kein Urteilüber die wirkliche innere Einstel­lung Dehns abgegeben werden kann, so muß doch gesägt werden, daß jene so viel umstrittene Predigt in rechtsstehenden Zeitungen unter größten und unglaublichsten Entstellungen wiedergegeben wor­den ist. Im übrigen wird Dehn zu den religiösen Sozialisten gerechnet, wozu-sman in Parallele stel­len könnte, daß auch do- Kultusministerium, das ihn berief, unter einem ^Sozialisten steht, der sich auch wohl als religiöser Sozialist bezeichnet. Im Fglle Günther/Jena lagen die Verhältnisse ähn­lich. Auch dort hat nicht die eigentliche Wissen­schaft die Professur Günthers gewünscht und ver­langt, sie hat sich im Gegenteil gegen die Errich­tung eines Lehrstuhles für Rassenkunde ausgespro­chen. Das Thüringische Innenministerium, das damals unter Leitung des nationalsozialistischen Ministers Frick stand, setzte die Berufung des Na­tionalsozialisten Günther durch.

Die opponierende Studentenschaft nun hat sich in beiden Fällen sehr verschiedenartig verhalten. Gerade im Jenaer Fall, wo die Unwissenschaftlich- kest der Rassenkundx wohl am schärfsten von der deutschen, maßgebenden Wissenschaft verurteilt wurde und der Eingriff des Ministeriums äußerst empfindlich in Erscheinung trat, haben die Studen­ten dem neuen Professor die lebhaftesten Oratorien dargebracht. Während in Halle die Entfernung Professor Dehns verlangt und seine Antrittsvor­lesung unmöglich gemacht wurde, standen die Stu­denten in Jena bei der Antrittslesung Günthers Spalier und füllten im Beisein 'Hitlers und Fricks zu Tausenden den Hörsaal. Wir haben es also in der Tat mit dem Ausbruch politischer Strömun­gen zu tun, die die nationalsozialistische Partei ja gerade an den Hochschulen und Universitäten aui's stärkste nährt. Selbst wenn man einem Teil der Studenten den guten Glauben zubilligt und man annehmen wollte, daß bei bestimmter Gelegenheit durch studentische Opposition doch auch einem wirk­lichen liebel vorgebeugt werden könnte, so beweist uns doch gerade der Jenaer Fall, wie schwankend und unzuverlässig das von politischen Tendenzen durchsetzte Studententum ist.

Ganz allgemein genommen nun setzt die Lern­freiheit der Studenten voraus, daß der Ler­nende die Gewißheit habe, auch wirkliche Wissen­schaft von den Dozenten zu empfangen. Diese Ge­wißheit ist bei Neubesetzungen um so schwerer zu erlangen, je uneiniger die betreffende Fakultät und das zuständige Kultusministerium sind. Die Fa­kultät beugt sich schließlich dem Willen des Kul­tusministeriums (nickt immer), aber in der Stu­dentenschaft kann ein Zweifel zurückbleiben. Man weiß nicht, ob die offizielle Wissenschaft oder der Staat im vollkommenen Recht ist. Diese Art von Zwiespältigkeit, die jeden gewissenhaften Studen­ten befallen kann, und die nichts mit einer einsei­tig politischen Voreingenommenheit zu tun hat, deutet auf eine allgemeine akademische Krise hin Sie ist nicht unschwer zu erkennen und spielt sich auf einem weltanschaulichen Hinter­grund ab. Welche deutschen Universitäten könnten uns in dieser Beziehung besseres Ma­terial liefern als die mitteldeutschen Jena, Halle und auch Leipzig. Daß an unseren Universitäten nicht alles mehr stimmt, ist ein offenes Geheimnis, daß die Eltern nur mit größter Sorgfalt die Uni­versitätsstädte und einwandfreiesten Fakultäten für ihre Söhne ausfindig machen können, ist eine Tat­sache, die niemand mehr leugnen kann Die ge­wissenhaften Eltern haben eine wirkliche Furchst, es ist die Furcht vor der allzu großen Lehr­freiheit dieser und jener Fakultäten. Nichts kenn­zeichnet vielleicht treffender- die innere Kri.e der Lehrfreiheit, als das Verhalten dieser aufrichtig denkenden Eltern. Die Krise liegt im Weltanschau­lichen. Es ist höchste Zeit, daran zu erinnern, daß Deutschland von Haus aus eine christliche Kultur hat, auf der alles Bedeutende aufgebaut ist, und daß bisher noch keine Wissenschaft imstande uxir,

Groeners Programm des Zurg-Iriedens

Der Verwalter des 3tmen~ und des Wehrmimftermms spricht über die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Deutschland

wtb.Verlin, 17. Nov- (Eig. Meld.) Unter Vor­sitz des Reichsministers Dr. Gröner begann heute mittag um 11 Uhr die Konferenz der Innenminister im Reichsministerium des Innern. Die Innen­minister der Länder waren sämtlich persön­lich erschienen. Reichsminister Dr. Gröner eröffnete die Beratung in einer einleitenden An­sprache, in der er u. a. folgendes ausführte:

Nach der guten Gepflogenheit dieses Hauses habe ich Sie alsbald nach meinem Amtsantritt hier­her gebeten, um mit Ihnen Fühlung zu nehmen und diejenige Zusammenarbeit zu. sichern, die so­wohl im Interesse des Reiches wie aller einzelnen Länder notwendig ist.

Der Reichsminister des Innern hat a u f p o l i - zeilichem Gebiete keine leichte Stel­lung. Polizeihoheit und polizeiliche Exekutive liegen bei den Ländern^ in der Oeffentlichkest wird meist der Reichsinnenminister. verantwortlich ge­macht. Vor einigen Tagen habe ich im Reichsrat die Versicherung abgegeben, daß ich nicht beab­sichtige, in die Zuständigkeiten der Landesregie­rungen ohne Not einzugreifen.

Die Verteilung der Exekutive auf die Länder gibt in weitgehendem Maße die Möglichkeit, den besonderen Verhältnissen in den einzelnen Län­dern Rechnung zu tragen. Sie bewahrt uns vor einer Schematisierung der polizeilichen Funktio­nen, die unsere Aufgaben eher erschweren als er­leichtern könnte, denn mit jeder Maßnahme, die zur Sicherung der staatlichen Autorität ergriffen wird, muß ein Stück Vertrauen zum Staat genom­men werden. Das Vertrauen zum Staat ist dem Deutschen untrennbar verbunden mit dem Bewußt­sein seiner engeren, land mannschaftlich en Zugehörigkeit.

Soll die Trennung von Legislative und Exeku­tive unsere Ausgaben'fördern, dann muß sie aller­dings mit einer engen, vertrauensvollen Zusam­menarbeit don Reich und Säubern ver­bunden sein. Beim einzelnen Staatsbürger fal­len Gesetz und seine Anwendung zusammen. Von ihm kann man nur dann Achtung vor der Auto­rität des Staates erwarten, wenn er davon über­zeugt ist, daß Legislative und Executive von einem einheitlichen Willen getragen sind.

Die schweren Gefahren, von denen Reich und Länder gegenwärtig bedroht sind, erfordern die ent­schlossene und unerschütterliche Zusammenfassung des Willens von Reich und Ländern, umsomehr, je bedrohlicher die Entwicklung sich gestalten sollte.

Es gilt, den Staat gegen alle Erschüt­terungen zu sichern und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen po­litischen Gegnern rücksichtslos zu unterdrücken. Die Mittel dazu gewähren die Notverordnungen des Herrn Reichspräsidenten.

(Fortsetzung auf der zweiten Seite),

Grandi in Amerika.

Der italienische Außenminister Grandi ist in Newyork gelandet. Er fuhr mit einem Sonder­zug nach Washington weiter.

In Washingtoner Kreisen wird betont, daß ber Besuch Grandis wohl die zwischen den Vereinig­ten Staaten und Italien bestehenden Jnteressen- hannonie vertiefen, aber nicht zu bindenden Ab­machungen und Vereinbarungen über die gemein­same taktische Behandlung der schwebenden welt­politischen Fragen führen würde.

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wtb. Washington, 17. Nov. (Eigene Meld.) Grandi erklärte nach dem Besuch, den er Hoover abstattete, in Situationen wie die gegenwärtigen, sühle man, daß das Unglück eines Lan­de s n i e zum ®<f eines anderen aus­schlagen könne. Aller Länder Interessen seien eng miteinander verbunden. Er sei ein Glied in die­ser Kette, und gekommen, um Italiens Mit­arbeit zum Allgemeinwohl anzubieten.

Verständigung zwischen Grandi und Vorah.

wtb. Washington, 17. Nov. (Eigene Meld.) JmVerlanf einer Unterredung, die 25 Minuten dauerte, sind der italienische Minister des Aeuße- ren und Senator Borah zu einer vollen Verständigung über die Fragen der inter­nationalen Politik gelangt. Grandis Stellung­nahme zugunsten einer Revision des Versailler Vertrages und einer Annullierung der Repara­tionen und Kriegsschulden bildete die gemeinsame Grundlage für den Gedankenaustausch.

* 21 Stahlhelmer bei einer Geländeübung ver­haftet. Als eine Abteilung des Oberhause­ner Stahlhelms in der Nähe der Zeche. Haniel eine Geländeübung abhielt, schritt die Polizei ein und nahm 21 Stahlhelmer fest. Die Verhafteten wurden dem Polizeigefängnis in Bottrop zuge­führt.

Am diese Brücke lobt die Schlacht in der Mandschurei.

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Japanische Posten bewachen die Eisenbahnbrücke über den Rouniflutz.

Die erste große Schlacht, die den Ausbruch der leitete, wurde an der Eisenbahnbrücke über den Japaner sind noch immer im Vormarsch begriffen, werde nicht zusehen, wenn seine Interessen an der

wtb. Tokio, 17. Nov. (Eig. Meldg.). Das Gros der Armee Matschanschens ist jetzt weniger als 10 Meilen von Tahfing entfernt. Ihre Ka­vallerie bedroht den rechten Flügel der Japaner. Sie griff gestern die Japaner an und tötete 10 Mann, ehe sie zurückgeschlagen wurde.

offenen Feindseligkeiten in der Mandschurei ein- Nonnisluß unweit von Titsikar geschlagen. Die obwohl Rußland unzweideutig erklärt hat, es nordmandschurischen Bahn berührt werden.

wtb Tokio, 17. Nov. (Eig. Meldg.). Wegen des zunehmenden Ernstes der Lage in der nördli­chen Mandschurei sind mehrere Flugzeug­abteilungen nach Mukden abgegangen.

auch nur ein Atom dieser Kultur für null und nichtig zu erklären; daß im Gegenteil die Natur­wissenschaft sowohl wie die Philosophie, je bessere Vertreter sie aufwies, zu Stützen des christlichen Gebäudes geworden sind. Daraus folgt, daß die Universitäten und die Kultusministerien, sich nach dem christlichen Sittengesetz auch verantwort- l i ch fühlen für das, was sie der Menschheit als Wahrheit und Forschung vorsetzen, d. h. sich ein Gewissen daraus machen, in der Tat echte Wissenschaft darzubieten. Auf welchem Boden soll dieses Gewissen sich schärfen, wenn nicht auf dem weltanschaulichen? Wäre das geschehen, so hätte der krasse Materialismus Haeckel nicht bis in die neueste Zeit hinein (erst 1919 gestorben) und manche andere einen Lehrstuhl an einer deutschen Universität erhalten. Ueberhaupt wäre es undenk­bar, daß an philosophischen und theologischen Fa­kultäten (die katholischen scheiden hierbei aus) Dinge gelehrt werden, die man vor dem philoso­phischen und theologischen Gewissen nicht vertreten

kann. Wenn schon die Zeit vor dem Kriege eine arge Entwicklung in dieser Richtung brachte, so haben die Nachkriegsjahre das ihrige dazu getan. Die wirklich eckte Wissenschaft hat einen schweren Stand, sie kann sich nicht selten nur unter Opfern durchsetzen.

Liefe Geisteskrise der Universitäten muß man in entsprechender Weise auch auf den Staat über­tragen, auf die Geisteshaltung des modernen Staates. Dann sind die Konfliktsmöglichkeiten zwischen beiden sofort gegeben, weil die einhett- liche innere Bindung an feste Normen allzu sehr zurückgetreten ist. Und unter dieser Krise leidet als Dritter der gewissenhafte Stubent. Wir haben daher alle Ursache, nicht nur in den Kultusmini­sterien, fonbem auch in den Lehrkörpern der Uni­versitäten und innerhalb ber Studentenschaft selbst Kräfte zur Auswirkung kommen zu lasten ble ber deutschen und christlichen d. h. der u n v e r- fälscht christlichen Tradition ihre volle Daseins­berechtigung zurückgeben. ______..........

Ein reizender Vorschlag.

Das Hessenländchen, das bekanntlich so nahe bei Fulda, jenfeits von Kämmerzell, anfängt, steht augenblicklich im Mittelpunkt der inter­nationalen politischen Aufmerksam­keit. Aus Amerika, dem Land der Wolken­kratzer und Millionenstädte, werden Presse-Stim­men über den Wahlausgang in Hessen, das ge­rade eine Million Wähler hat, herübergekabelt > nd aus London und Paris liegen die tiefsinnigsten Betrachtungen über diesen Wahlausgang vor. Reizvoll sind vor allen Dingen die Kombinationen, die auf Grund desHitler-Wahlsieees" in ber deutschen Oeffentlichkest angestellt werden. Der Sieg ist nämlich durchaus nicht etwa ganz eindeu­tig. Marxisten und Nationalso zia li­sten stehen sich mit gleichen Kräften gegenüber, die bürgerlichen Parteien sind fast aufgerieben und das Zentrum hat die S ch l ü s s e l st e l l u n g. Mit Zuckerbrot und Peitsche sucht man auf die Zentrumspartei einzuwirken, sich so oder so zu ent­scheiden. Und wenn sich die Zentrumspartei dis beiden Gruppen zur Rechten und zur Linken be­trachtet und an ihren Wetteifer denkt in der Ein­führung gröbster politischer Sitten, wenn sie sich erinnert namentlich auch an die maß­losen Schimpfereien der Nazis, dann kann man verstehen, wenn sich das Zentrum nickt gerade bei dieser Wahl zwischen den zwei Uebeln wohl be­findet. Jetzt ist man aber auf eine großartige Idee gekommen. Mitte und Linke sollen sich einigen,

Zllk WWrsMmg in Mn erscheint heute die Zugendbeilage der Fuldaer Zeitung in erweitertem Umfang und mit besonderen Beiträgen. Sie sei unseren jungen Patteifreunden mit den herzlichsten wivkoinmgeützea dargeboten.

einem Kabinett der Nationalsoziali­st e n solange die Möglichkeit zur Existenz zu geben, bis es gezeigt hat, was e s l e i st e n kann, nicht im Schimpfen, sondern im Arbeiten. Wenn die hessischen Nationalsozialisten, die gewählt wor- den sind (darunter bemerkenswerterweise 2 Aerzte, ein Chemiker, ein Gerichtsassessor, ein Obersteuer­inspektor, ein Hauptmann a. D.), jetzt dazu ge­zwungen würden, zu regieren, dann wäre das zweifellos der beste politische Anschauungsunter­richt, den man sich denken könnte. Die Gläubigen desDritten Reiches" von Hemmen bis Gießen und von Lauterbach bis Bensheim, würden bann am ehesten wieder vom Traume zur Wirklichkeit zurückgelangen. Bei der nächsten Wahl würden dann die hessischen Wahlziffem zweifellos wieder anders aussehen.

Was übrigens für Schwärmer in der National­sozialistischen Arbeiterpartei vorhanden sind, zeigt eine Mitteilung desVölkischen Beobachters über die große Mainzer Hitler-Kundgebung. Dort heißt es:

Die Versammlung selbst verlief völlig ohne Störung. Als Mißklang wurde seitens des Füh­rers nur empfunden, daß ihm plötzlich eine Dame knieend (!) einen Blumenstrauß überreichte. Dies wird hier vermerkt, um etwa ähnliche Hand­lungen, die Hitler auf das Entschiedenste ablehnt, zu verhindern."

Wenn Hitler einmal ein halbes Jahr r e g i e r t hätte, würde ihm keine Same mehr knieend Blu­men überreichen. So etwas passiert nur Leuten, die Adolf Hitlers Rhetorik für gleichbedeutend mit der rauhen Wirklichkeit halten.

DieMittelrheinische Volkszeitung" in Bingen, ein Zentrumsblatt, schreibt zum hessischen Wahl- ergebnis u. a.:

Das Charakteristikum des Wahlergebnisses ist, den Nationalsozialisten ist es trotz heftig- ster Anstrengungen nicht gelungen, die Front des.Zentra ms einzudriik- £ en. Die katholischen Bauern und Winzer- börfer haben der nationalsozialistischen Welle standgehalten. In keiner katholischen Gemeinde Hessens konnte der Nationalsozialismus Eingang finden. Es ist natürlich möglich, schon jetzt von Kombinationen der Reaierungsbildung zu reden. Eins steht fest:Ohne das Zentrum ist eine Re­gierungsbildung völlig unmöglich. Die wichtige und wertvolle Schlüsselstellung des Zentrum« hat sich noch erhöbt. Es Ist unentbehrlich, für ein Ka­binett. Der Sieg der Nationalsozialisten ist durch einen gleichzeitigen Sieg des Zentrums in seinem Wert stark herabgemildert."

Aus Berlin verbreitet T.-U. folgende Infor­mation:

In ber Regierung nahestehenden Kreisen wird die Bedeutung ber Landtagswahl in Hessen, durch die die Nationalsozialistische Partei mit Abstand zur größten Partei wurde, nicht verkannt. Man ist der Ansicht, daß es nach Lage der Dinge nun­mehr an dem hessischen Zentrum liegt, den einzuschlagenden Weg zu finden, wobei man in Zentrumskreisen darauf hinweift, daß sich in dem großen Umbildungsprozeß ber Wählermassen das Zentrum als ein Block der Mitte erwiesen habe, der bei den Hessenwahlen sogar noch habe verstärkt werden können (gegenüberden Reichstagswahlen von 13,9 auf 14,3 v. H. des Ge­samtergebnisses der Stimmen.). Es schälten sich also drei große Blocks heraus. Der m a r x i - stische Block, ber auf Kosten ber bisherigen Mit­telparteien immer noch weiter zuzunehmen scheine. Ob bas hessische Zentrum aus der gegenwärtigen Lage die Folgerung ziehe, nunmehr ein Zusam­mengehen mit den Nationalsozialisten zu versu­chen, ließe sich von Berlin aus natürlich nicht be­stimmen. Was die Verhältnisse im Reich angeht, so müßten hinter der Außen-