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Ilr. 265

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Sonntag, 15. November 1931.

Monatlich 1 80 emfchließl. Postgebühr ,48 Pfg.» ohne Zu,,ellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (6ol.) lokal 0.15 RM. auswärts 0.20 RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Poftscheckl Frankl a M 4051

lahtg. 58.

vernünftige Wertung bestätigen?

Brünings Rede in Mainz.

Dr. von Bülow,

Unter­stand.

reffte des

rronkleiflung ist mehr als Elappengeschrel.

Mrd man im Freistaat Hessen bei der Wahl am Sonntag diese

Die Verhandlungen in Paris

Reparations- und Wirtschafts-Fragen.

* Ehemaliger russischer Gardeoffizier unter dem Ver- dacht der Falschmünzerei verhaftet. Unter dem Ver­dacht der Falschmünzerei ist in Berlin, wie dieB. Z. am Mittag" meldet, der ehemalige russische Garde- offtzier Graf Alexander Nelidoff verhaftet worden. Nelidoft, der einst zur zaristischen Hofgesellschaft ge­hörte und ein naher Verwandter des im Jahre 1910 in Paris verstorbenen russischen Botschafters war, führte nach der russischen Revolution ein abenteuerliches Le­ben und kam vor kurzem nach Berlin, wo er Eingang in politische Kreise gewann. Von einer deutschen Be­hörde, für die er Dienste zu leisten versprach, erhielt er größere Beträge als Vorschuß, kam aber den über­nommenen Verpflichtungen nicht nckch. Er erbot sich zur Rückzahlung, zahlte aber mit englischen Pfur^moten, die aus der Werkstatt des im Januar d. I. verhafteten Falschmünzers Namonosf herrührten. Da der Verdacht bestand, daß Namonosf mit Nelidoff zusammenarbeitete, wurde dieser in Haft genommen.

* Starke Drosselung der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten. Im September sind nur 1200 Personen nach den Bereinigten Staaten em- gewandert, obwohl nach dem Gesetz 14 838 Per­sonen hätten einwandern dürfen.' Diese über­raschende Tatsache ist auf die strenge Durchfüh­rung der Bestimmung zurückzuführen, daß die Einwanderer der öffentlichen Armenpflege nicht zur La st fallen dürfen und daher den Nachweis erbringen müssen, daß sie aus­reichende Mittel für längere Zeit besitzen.

Schwer gebühre Torheit.

mtb. ftatkowih. 14 November. (Eig. Meld.)' Zwei junge Arbeiter zerschlugen aus Unvorsichtig­keit während der Fahrt die Scheibe eines Eisen- bahnwagens Aus A n g st vor der Entdeckung sprangen sie aus dem fahrenden Zuge. Einer wurde von den Rädern erfaßt und g e tötet, während der andere mit schweren Ver­letzungen auf den Gleisen liegenblieb und erst meh­rere Stunden später gefunden wurde.

Der spanische körngsprozetz.

wtb. Madrid, 14. Nov. (Eig. Meld.) Graf R o- m a n o n e s erklärte, er werde in dem Verfahren gegen den König, das auf der im spanischen Par­lament überreichten Anklage aufgebaut ist, d i e Verteidigung des Königs überneh­men.

Kampf dem Kommunismus; Ein wertvolles Rüstzeug zur Abwehr der kommunistisch- bolschewistischen Gefahr.

* Ministerialdirektor Bollert vom preußischen Landwirtschaftsministerium ist, demBerliner Tageblatt" zufolge, zum Staatskommissar für die landwirtschaftliche Siedlung in Preußen ernannt worden. Die letzte Notverordnung, die einen Ab­satz über das Siedlungswesen enthielt, hat vorge­sehen, daß neben dem Reichskommissar für die vorstädtische Kleinsiedlung in den an der Ostsied- lung vornehmlich beteiligten Ländern (Preußen und Mecklenburg) Staatskommissare für das Ge­biet der eigentlichen landwirtschaftlichen Siedlung eingesetzt werden sollen.

jeweils die Parallelen zu der Arbeit und den Bestrebungen der deutschen Kommuni st en gezogen. Die Schrift begnügt sich nicht mit einer genauen Darstellung der marxi­stischen Doktrin und des kommunistisch-bolschewisti­schen Eesellschaftsaufbaus, sondern sie bringt auch nach dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Diskussion und an Hand der letzten päpstlichen Enzykliken eine Widerlegung der marxi- stisch - ko mm un ist i f ch e n Irrtümer und die positive Darstellung des christ­lichen G esekls ch aftsid eale s.

Die Sondernummer wird wegen ihrer bezie­hungsreichen, aktuellen Einstellung weitesten Krei­sen es ermöglichen, sich mit den marxistischen Grundanffassungen und der gegen sie vorgebrach- ten Argumente vertraut zu machen^ Die Schrift bietet die Grundlage für eine erschöpfende Aus­einandersetzung mit der kommunistischen Idee unb Parteibewegung. Die technische Aufmachung und eine ausführliche Inhaltsangabe mit Namensver- zeichnis erleichtern eine rasche Uebersicht. Jedem, der sich im öffentlichen Leben betätigt, sei die von der Zentrumspartei herausgegebene Schrift wärm­stens empfohlen.

*

In dem Schlußkapitel des HeftesSchluß- folgerungen unb Aufgaben" heißt es:

Sicherlich hätte bie bolschewistische Partei den schnellen Erfolg und fruchtbaren Boden beim Okioberumsturz in Rußland nicht gefunden, wenn nicht dieSündendes gestürzten Sy st ems denWeggeebnet und die Masse der russischen Bauern reif für die Revolution gemacht hätten. Es wäre eine falsche Nutzanwendung, wenn man ob der Ungeheuerlichkeiten des Bolschewismus die Sünden im liberal-individuali­stischen Wirtschafts- und Gesellschasts- system des Kapitalismus übersehen wollte. Aus Anlaß des blutigen Geschehens in Rußland müssen wir uns auf die christlichen Grundlagen von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft rücDesinnen. Wir müssen in zäher und positiver Aufbauarbeit um die allseitige Verwirklichung der sozialen Gerechtig feit ringen, eine natur­gemäße, der modernen Wirtschaftsentwicklung an­gepaßte Neuordnung der Gesellschaft d u r ch f ü hre n und das wirtschaftliche Geschehen sinnvoller und zielbewußter als früher

Japaner rücken vor.

wtb. Shanghai. 14. Nov. (Eig. Meld.) Die Eentral Daily News" von Nanking melden, daß japanische Truppen Angantschi genom­men und in Richtung auf Tsitsikar vorrückten.

*

wtb. Tokio, 14. Nov. (Eig. Meld.) Wie ver­lautet. soll der Oberbefehlshaber der japanischen Truppen in der Mandschurei vom Kriegsministe­rium Anweisung erhalten haben, Verhand­lungen mit dem chinesischen General Mat- schangschen cufzunehmen, um diesen dazu zu be­wegen, seine Truppen von der ostchinesischen Bahn noch vor dem 25. dieses Monats zurückzu­ziehen, damit die Möglichkeit von Zwischen­fällen ausgeschaltet würde.

*

wtb. Moskau, 14. Nov. (Eig. Meld.) Die Te­legraphenagentur der Sowjet-Union bezeichnet eine von dem Vertreter der japanischen Militär­behörden in Mulden abgegebene Erklärung, daß chinesische und koreanische Kommunisten und rote Partisanen in südlicher 'Richtung angriffen und das Waffen- und Kriegsmaterial nach der Station Anantsi transportiert würde, als eine unbil« lige Erfindung.

Botschafter v- Hoesch hatte am Freitag eine Unterredung mit Ministerpräsident Laval, die die Fortsetzung der jetzt geführten Verhandlungen über die Einsetzung des Sachverständigenaus­schusses des Voung-Plans zur Nachprüfung der Leistungsfähigkeit Deutschlands bildete.

Nach dieser Unterredung stellte Botschafter v. Hoesch dem französischen Ministerpräsidenten die Mitglieder der deutschen Delegation des deutsch- französischen Wirtschaftsausschusses vor, der dann seine Eröffnungssitzung hielt. Ministerpräsident Laval begrüßte die Delegierten, während im übri­gen die Sitzung, die im Innenministerium statt­fand, unter dem Vorsitz von Gignour, dem staatssekretär für die nationale Wirtschaft,

der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, nach Paris, um dort an der Tagung___

lke rb u n d s r at s über d e n O st a s i e n - konflikt teilzunehmen. Dr. von Bülow wird gleichzeitig Gelegenheit nehmen, mit den franzö- schen Ministern über die Reparationsfrage zu verhandeln. _________

Aus Magdeburg wird gemeldet:

Der Polizeipräsident hat an die Leitung de« Magdeburger Nationalsozialisten folgende Ver­warnung gerichtet:In letzter Zeit sind wieder­holt im Anschluß an öffentliche Versammlungen der N. S. D. A. P. Schlägereien vorgekommen, bei denen fast durchweg S. A.-Angehörige (es wer­den einige Namen genannt) beteiligt gewesen sind. Diese Fälle haben gezeigt, daß die N. S. D. A. P. ihre Anhänger nicht durchweg in de« Hand hat und nicht darauf hinwirken kann, daß ein friedliches Auseinandergehen ihrer Anhänger nach ^Versammlungsschluß unbedingt gewährleistet ist. Sollten derartige Vorfälle sich wiederholen, so würde ich bis auf weiteres nicht in der Sagte sein, öffentliche Versammlungen der N. S. D. A. P. genehmigen zu können. Ich glaube, daß diese Warnung genügt, um Ihre Anhänger von Un­besonnenheiten und Reibereien mit politisch An- dersdenkendert fernzuhalten.

auf feinen Zweck hin ordnen. Mit rein nega­tiven, rhetorischen Demonstra tionen kann dem Anprall des Bolschewismus nichterfolgreich wider st andenwerden. Wie auch immer die Neuordnung der Gesellschaft aussehen mag, sie muß in den unveränderlichen Wesenheiten und Grundlagen des einzelnen und der menschlichen Gesellschaft verwurzelt fein. Die menschliche Natur läßt sich höchstens für eine kurze Zeit, nicht auf bie Dauer, unter« b r ü den. Jede andersartige Neuordnung ist prin­zipiell falsch und praktisch undurchführbar und des­halb unmöglich. An seinem Versuch, die mensch-- liche Natur zu vergewaltigen, wird auch der Bol­schewismus scheitern.

Wie Familie und Staat, Wirtschaft und Gesell­schaft grundgelegt fein sollen, haben uns die auch hier vielfach herangezogenen päpstlichen En­zykliken der letzten Jahrzehnte aufge- zeigt. In ihnen wird auch, immer wieder mit Ein­dringlichkeit und Nachdruck darauf hingewiesen, daß alle Bemühungen um die Neuordnung der Gesellschaft fruchtlos sind, wenn nicht zuvoreine ganz innerliche Erneuerung jm christ­lichen Geiste" stattfindet. Sv noch siingst in Quadragesimo anno:

Tiefere und eindringlichere Betrachtung zeigt klar, daß der so heiß ersehnten Erneuerung der Gesellschaft eine ganz innerliche Erneuerung int christlichen Geiste vorausgehen muß, den so viele I Menschen im wirtschaftlichen Leben verleugnen. Andernfalls werden alle Bemühungen vergeblich sein, und das Gebäude wird statt auf Felsengrund aus flüchtigen Sand gebaut."

Der politische Radikalismus ist, wie die Wahl­ergebnisse der letzten Zeit immer wieder zeigen, im stetigen Wachsen begriffen. Die allgemeine Wirt­schaftskrise, die bedrängte außenpolitische Sage wie aber, auch die innere Zerrissenheit des deutschen Volkes leisten den extremen politischen Richtungen immer weiteren Vorschub. Die fort« prüfende Auseinandersetzung mit dem National­sozialismus hat vielleicht die öffentliche Aufmerk­samkeit mehr als es gut war von der stillen, aber gaben Minierarbeit der Kommun iste n abgelenkt. Es ist dem Kommunismus gelungen, auch in Bezirke vorzudringen, die bislang als absolut tmmun gegen radikale Bewegungen galten. So wachst die kommunistische Bewegung zu einer immer bedrohlicheren Gefahr für Staat unb Gesell­schaft, Kirche und Familie aus.

, verstärkte Aktivität des Kommunismus muj? natürlich zur stärksten Gegenbewegun g unb Abweh r aufrufen. Dies ist um so notwen- biger, als die Kommunistische Partei im Verein mtt der oolfchewistischen Propaganda kein Mittel der wirtichaflspolitifchen und geistig-weltanschau- Lchen Beemftusiung unversucht läßt. Um für den Abwehrkampf allen Parteifreunden das unbedingt erforderliche geistige Rüstzeug zu bieten, hat das Reichsgeneralfekretarlat der Deutschen Zentrums­partei im Rahmen des MitteilungsblattesDas Zentrum"*) eine umfangreiche Sondernummer (200 Seiten) überMarxismus, Kommu­nismus, Bolschewi smus" herausgegeben. Diese Sondernummer bringt neben einer Darstel­lung der geschichtlichen Entwicklung, vor allem über Entstehung und Ausbau der kommunistischen Parteiorganisationen in Deutschland und Sowjet­rußland, einen systematischen Aufriß der ökono­mischen und staatspolitischen Sehre, des Marxismus und seiner Weiterbildung zumLeninismus" und Stalinismus". Der Fünsjahrplan, die russische Räteverfassung wie die Sage von Religion und Kirche, Familie und Erziehung in Sowjetrußland werden eingehend charakterisiert. Dabei werden

* Erscheint monatlich. Bezugspreis Rm. 3. jähr- mh (einfchl. Zustellung). Preis der Sondernummer 1. Arn. Die Sondernummer erscheint auch als Broschüre m gutem Umschlag. Preis 1,50 Rm. Zu beziehen durch »ns Reichsgeneralsekretariat der Deutschen Zentrums­partei, Berlin NW. 23, Bruckenallee 24, ober durch bie «anbesfekretariate.

Im hessischen Wahlkampf erzählen Hitler und Goebbels sowie viele andere Radikale, was sie alles machen wollen, wenn s i e einmal zur Regie­rung gelangt sein werden. Die Kunde vomDrit­ten Reich" klingt genau so, wie die schwungvollen Reden, die während des Krieges im tiefen Hinter- ®anb an Biertischen von Heim-Strategen mit Eifer gehalten wurden. An der Front sah die Sache anders aus. Und der Frontsoldat hat die Besser­wisser in der Etappe gebührendgeschätzt". Regie­rungsmaßnahmen zu kritisieren ist beliebt, zu re­gier e n ist schwere r. Doppelt schwer in einem Sande, das einen Weltkrieg verloren hat nicht durch mangelnden Opfergeist des Volkes, sondern durch kurzsichtige Führung und das jetzt vom Wohlwollen der ehemaligen Feinde wirt­schaftlich abhängt. Reichskanzler Brüning hat in einer Mafsen-Versammlung in Mainz am Freitag­abend die Verhältnisse auseinandergesetzt, wie er, der an der Front des Kampfes um Deutschlands Zukunft steht, sie beurteilt.

Arbeit unb Verantwortung hausen sich für die Re­gierung. Deutschlanb steht vor entscheidenden Stunden. Alles drängt zu einer Lösung in wenigen Wochen, spä­testens in einigen Monaten. Jetzt geht es um entschei­dende Dinge.

Die Verhandlungen über bie Reparationsfrage sind an einem Punkt angelangt, daß auch sehr bald die materielle Entscheidung fallen muß.

Wenn bie Reichsregierung alles baran gesetzt hat, die Reparationslaften ohne fremde Kredite unb aus ei­gener Kraft zu zahlen, so ist allein dadurch die Ueber- zeugung in der Welt herangereift, daß Deutschland Re­parationen nur durch Ausfuhrüberschuß leisten könne. Alle Sparmaßnahmen hatten diesen letzten Zweck und Sinn, daß in der Krise ein klarer Weg beschritten wer­ben konnte. Wir haben bie Einfuhr gedrosselt, in der Ausfuhr sind wir an der Spitze der Handelsvölker ge­blieben. Nur dieser Weg der Erkenntnis vermag jene neue Zeit des Vertrauens in Wirtschaft und Finanzen heranzusühren, die aufgebaut ist auf der

wirklichen Verständigung und Gleichberechligüng der Rationen.

Denn die Zerstörung der Vertrauensbasis trägt die «schuld an der Zerrüttung der Weltwirtschaft durch die Krise. Dieser unser Weg war ein Weg der Sorge und der Not, aber auch ein Wea der Erkenntnis. Wer glaubt, nur von Deutschland aus den Hebel ansetzen zu können, der ist überhaupt nicht in der Lage, dem deutschen Volk eine Rettung zu bringen. Hat etwa bie angebliche Passivität" ber Reichsregierung ober die behauptete Aktivität" Hugenbergs das Hoöver-Feierjahr gebracht? Es rft ein mühseliger, aber doch auch ein erfolgreicher Weg gewesen, weil wir den Mut gehabt haben, den Völkern zu sagen, daß wir von der Zusammenarbeit aller Völker das Heil erwarten.

Schrill für Schrill sind alle Maßnahmen organisch geschehen.

Wir brauchen uns nicht zu fürchten vor ber nebel­haften Kritik mancher Gegner. Die Aktienrechtsreform und die Bankenaufsicht haben zuerst manche Widerstände aus ber Wirtschaft gefunden, heute sind sich erfreulicher­

weise 99 Prozent ber Wirtschaft barüber einig, daß wieder nach gesunden unb ehrlichen Prinzipien gewirt­schaftet werden muß. Die Fälle Norbwolle, Favag und Schultheiß-Patzenhofer haben ber deutschen Wirt­schaft mehr geschadet als alles andere. Es geht nicht an, daß Fehlleitungen von Kapital in Zukunft noch einmal vorkommen, daß Riesenunternehmungen allein die Kredite bekommen, während der gewerbliche Mittel­stand, die mittlere und kleine Industrie nicht wissen, woher sie die Mittel für die Fortführung ihrer Existenz nehmen sollen.

Die Regierung Hal sich längere Zeil mit der Mög­lichkeit einer Zinssenkung beschäftigt, niemals aber mit einer zwangsweisen.

Alle anderen Nachrichten hierüber beruhen auf Sen­sationsmacherei, die zum Teil von interessierter Seite kam unb bie aufs äußerste gefährlich und verwerflich ist. Nach wie vor hält bie Reichsregierung einmütig an dem Glauben fest, baß es ihre erste Aufgabe ist, gegen alle Angriffe bie deutsche Währung stabil zu er­halten. Allerdings muß die Wirtschaft in sich selber elastischer gestaltet werben, müssen sich die Preise schneller anpasfen und die Gestehungskosten elastischere Grundlagen erhalten. Es ist notwendig unb möglich, mit einem geringeren Kreditvolumen als bisher vom Ausland her d'e W'rtk-haft amu treiben. Dieses alles ist zur Zett Gegenstand der Beratungen des Wirtschafts­ausschusses. In ber Preisbildungsfrage hängt viel da­von ab, daß alle Kreise verständnisvoll mitgehen. Wir brauchen ein Miterleben des Volkes, damit es gelingt, unter Beteiligung aller Wirtschafts kreise Lösungen zu treffen, die bie Usberwindung dieses schwierigen Win­ters gestatten. Wir haben Löhne und Gehälter gesenkt. An vielen Stellen ist das Preisniveau bereits gefolgt.

Die deutsche Landwirtschaft erzielt heute Preise, die int vergleich zu anderen Völkern hoch genannt werden können.

Jedoch richten sich heute die Preise nicht mehr nach den Zöllen, sondern nach ber mehr oder minder ge­schrumpften Kaufkraft der Bevölkerung. Deshalb müs­sen alle Maßnahmen, zeitlich und sachlich, aufs sorg­fältigste auseinander abgestimmt werden. Alles, was eben nicht rechtzeitig, aus Angst vor Unpopularität ge­macht wird, muß später unter schwierigen Umständen doch einmal nachgeholt werden. Ein Volk, dem so ungeheures zugemutet wird wie dem Deutschen, neigt vielleicht dazu, sich Schwärmereien und Träumereien hinzugeben. Aber nur bie Erkenntnis ber Wirklichkeit und ber Fehler der Vergangenheit führen auf ben Weg der Rettung. ,

Es zeugt nicht gerade von besonderer Vertrauens­würdigkeit, wenn gewisse Parteien sich mit Bor- liebe als die Retter aufspielen, ohne aber dem Volk zu sagen, was sie tun werden, wenn sie am Ru­der sind.

Aus einem christlichen Verantwortungsgefühl her­aus, durch sicheres Hoffen unb Glauben, ist es jetzt ge­lungen, bas deutsche Volk aus seiner tiefften Not her- aufzuführen. Wir alle werden diesen Glauben und bie« en Mut behalten unb bann kann es mit Gottes Hilfe auch weiterhin nicht schlecht gehen.

Die Versammlung schloß mit dem Deutsch­landlied.

Seueting über Putsch gefahren.

Der preußische Minister des Innern, Severing, hat den Berliner Vertreter des sozialdemokratischen Zentralorgans in HollandHet Volk" empfangen und sich mit ihm über die innerpolitische Situation in Preußen unterhalten. DemAbend" zufolge erklärte Minister Severing, daß man außerhalb Deutschlands, und vielleicht auch in Deutschlanb selbst, die Putschdrohungen, die von den radikalen politischen Organisationen gelegentlich geäußert werden, überschätzen. Die steigende Millionen- zahl von Anhängern der radikalen Parteien be­deute keineswegs, daß alle diese Millionen mit den radikalen Zielen oder gewaltsamen Kampf­methoden, der Eftremen übereinstimmten. Der Mi­nister äußerte im allgemeinen die Gründe, die zu dem allgemeinen Demonstrationsverbot in Preußen geführt hätten, und betonte sodann, daß die p r e u= ßische Polizei in ihrer Gesamtheit absolut versas ungStreu unb zuverlässig sei. Die preußische Polizeibeamtenschaft stehe fest zum verfassungsmäßigen Staat unb seiner Regierung und werde pflichtgemäß alles zur Abwehr von unsinnigen, gegen Verfassung unb Regierung ge­richteten Angriffen tun.

Ich möchte aber, so schloß der Minister feine Ausführungen, noch einmal betonen, daß ich gar- nicht daran glaube, daß es in ben kommenden Monaten zu solchen planmäßigen unb größer ar gelegten Versuchen, bie Verfassung und die Heuti Staatsform umzustürzen, kommen wird. Man terschätzt im Auslande und manchmal auch intS lande das Mißverhältnis, das zwischen radikc-, tönenden Reden und den wir klick »» Kräften bei den Kommunisten und sozialisiert besteht. Es soll zugegeben v daß es hier und da gelegentlich radikalen lokal gelingen wird, verhetzte Bevölkerun * pen zu Tätlichkeiten aufzureizen. Deren t Polizei ohne größere Schwierigkeiten Herr Sollten aber im Ablauf der nächsten Zei g t Pläne gesponnen unb zu verwirklichen werden, was anzunehmen bisher kein vorhanden ist, so ist die bewaffnete Mack Staates stark genug, auch derlei wahnwitzige verderbliche Versuche in ihren Anfäng e -W zum Scheitern zu bringen.