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Samstag, 14. November 1931

Mr Frankreichs Wiederaufbau?

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würde. In Bankkreisen sei angeregt worden, die kurzfristigen Kredite Deutschlands in drei verschiedene Gruppen zu teilen, wobei die Akzept - Kredite für deutsche Importeure den Vorrang erhalten sollen, weil dies für die kom­merzielle Betätigung Deutschlands wesentlich sei

wtt> Paris, 13. Nov. (Eig. Meld.) Einer Lon­doner Meldung zufolge wird vielleicht der britische Staatssekretär des Aeußern, Lord Simon, morgen nach Paris kommen, um sich mit Briand ouszusprechen.

und verrohten Ultramonismus", welcher „vor den Bischofftühlen nicht Halt macht," wurde in den schwärzesten Farben gemalt. „Heute stehen mir vor der Frage, ob dieser Ultramonismus noch auf die Stimme des Papstes hören wird."

All das sind Ausdrücke aus einem einzigen Artikel der protestantisch-liberalen „Kölnischen Zeitung", Nr. 38, 1. Blatt, vom 7. Februar 1886, welcher den Titel führte „Der w elfische Gegenpapst". Die übrige liberale Presse folgte fast ausnahmslos diesem Beispiel. Noch wirkungs­voller sollte der Satz sein: „Wenn das Zentrum aus dem Boden der Unfehlbarkeiterklärung steht, so darf es nicht ferner gegen das Septennat stim­men." Die ganze Kulturkampf-Presse suchte sich gegenseillg zu überbieten in Beschimpfungen des Zentrums. Blätter, welche sich früher nicht genug tun konnten in Bekämpfung des Pa p st es, vertraten jetzt dessen Autorität in wahrhaft grotesker Werse. Inder fol­genden Nummer derselben „Kölnischen Zeitung" wurde dasselbe Thema weiter abgehandelt. Windt- horsts berühmte Gürzenich-Rede gegen das Sep­tennat bedeute die „offene Auflehnung gegen den Papst und dessen kirchliche Machtstellung. Der Papst habe seinen Bescheid aus seiner Machtvoll­kommenheit als oberstes, in den religiösen und moralischen Angelegenheiten unfehlbar und un­beschränkt entscheidendes Haupt der Kirche begrün­det, durch das Eingreifen des Papstes fei die Frage für jeden zum Papst haltenden Katholiken endgültig entschieden. Der Papst habe entschieden,

Am 6. d. M. sprach Dr. Goebbels in Bremen. Dabei leistete er sich folgenden bezeichnenden Aus­spruch: „Man wird uns auch sagen: „Ist der Nationalsozialismus nicht ein Ri­siko?" Jawohl, sagen wir, er ist ein großes Risiko! Aber das macht ihn un­eben wert. Es ist ein großer Einsal. Aber nur ein großer Einsatz sichert einen großen Gewinn." Dazu bemerkt die K- V.: Es ist für Dr. Goebbels gewiß sehr ehrend, wenn er so viel Aufrichtigkeit bekundet und eingesteht, daß selbst er, einer der ersten Wortführer des Nationalsozialismus diesen, als großes Risiko betrachtet. Aber er muß auch begreifen, daß ein solches Geständnis das Mißtrauen gegenüber dem Nationalsozialismus nur noch steigern kann, zumal in unserer gegen­wärtigen Katastrophenzeit, die mit so furchtbarer Deutlichkeit die Gefahren sichtbar werden läßt, die aus leichtfertiger Rifikoübernohme entspringen. Auch die Lahusen, Katzenellenbogen. Jakob Goldschmidt und vor ihnen die Stinneg, Basel. Castiglioni usw. vertraten, gleich Dr. Goebbels, das Prinzip, große Einsätze zu waoen. um große Gewinne zu erzielen: wo aber sind ihre großen Gewinne heute? Nur zu leicht könnte auch das ganze deutsche Volk das Schicksal dieser einst hochg-seierten Wirtschartsgrößen teilen, wenn es das Risiko laufen wollte, den Nationalfonalisten zur Macht zu verbelfen. In unserer setziqen Lag- scheint uns die beste Varole für Deutschland jene heg ftübrerg der enalisch-u Ko^s>"'''ativen. Sfan- ley Baldwin, zu fein: Sasetn first lzuerst die Sicherheit)! Deshalb keine Abenteuer!

pt) antaff en!

Aus München wird gemeldet:

Die von der Münchener Polizeidirektion ge­machten Mitteilungen zu den Gerüchten über Putschpläne des dieser Tage in München weilen­den Dr. P f r i e m e r ergänzt die „Münchener Telegramm-Z,eitung" noch dahin: Graf Lamberg und Dr. Pfriemer hatten zwar den Plan, zu er­reichen, daß bei einem neuen Heim­wehrputsch bayerische Nationalso­zialisten über Schärding i n Oe st er­reich einfallen und die Kampffront der Heimwehr verstärken sollten. Es hieße aber denn doch die politische Vernunft der Nationalsozialisten unterschätzen, wenn man diese wirren Pläne ir­gendwie "her Beachtung wert halten wollte. Pfriemer ist heute in Oesterreich ein politisch völlig toter Mann.

Dr. Pfriemer aus Bayern ausgewiesen.

CNB. München, 13. Nov. (Eig. Meld.). Wie die Münchener Zeitung meldet, ist Dr. Pfriemer ausgewiesen worden. Er hatte bis Donners- taanachmittag 6 Uhr München und Bayern zu ver­lassen.

Das Volksbegehren in Sachsen.

wtb. Dresden, 13. Nov. (Eig. Meld.). Die kommunistische Partei hat mehr als 1000 Unterschriften von Stimmberechtigten für ihren Antrag auf Zulassung eines Volksbegehrens über die Auflösung des Landtages beige­bracht. Damit hat sie die geschlichen Vorausset­zungen für die Zulassung des Volksbegehrens er­füllt, sodaß dem Anträge stattgegeben worden ist.

Bekanntlich unterstützen Hugenberg und feine deutschnationale Anhängerschaft die­ses Begehren.

und zwar für die Regierungsvorlage. Was Windt- horst in Köln geleistet habe, ist die offene Aufi- tehnung gegen das Papsttum und dessen Macht­stellung. Wenn es erlaubt, wäre, Niedriges nut Gewaltigem zu vergleichen, so wurde man nach der Auflehnung Windthorst gegen die erneute päpst­liche Willensmeinung ihn neben Martin Luther ft eilen müssen, dessen entscheidende Abwendung von Rom ja auch, die Form trug, er wende sich von dem schlecht unterrichteten Papst an den besser zu unterrichtenden.... Die Katholiken, welche wirklich und nicht nur mit trügerischen Worten zum Papste halten, dürfen gar keinen Abgeordneten wählen, der sich nicht ver­pflichtet, für das Septennat zu stimmen."

Das alles hat, nachdem vorher ein Jahrzehnt lang die deutschen Katholiken als „R ömlin ge" beschimpft worden waren, in dem Organ der Nationalen der 80er Jahre gestanden, und heute sind wir nun wiederbeiden „Römlinge n" angekommen. Das Buch der Geschichte sollte ein Lehrmeister sein. Leider sind es nur wenige, die mit offenen Augen in dieses Buch hineinschauen. Die meisten unserer deutschen Volksgenossen be­gnügen sich damit, Wald- und Wiesen-Agitatoren anzuhören'und zu glauben, daß eine Rede um s o besser gewesen sei, je mehr sie Gelegenheit gegeben hätte, Hoch und Nieder, Pfui und Sehr richtig zu schreien. Das ist das Zeichen der geistigen Armut, die uns nach Krieg und Revolution ebenso Heimsucht wie die materielle Not. ..2- K- ,

Hoffnung fahren" (nämlich auf Amt, Würde und staatliche Protektion) ein charaktervolles und unbestechliches Geschlecht mit erzogen hat.

Aber dieser ernsten tragischen Epoche in der deutschen politischen Geschichte fehlt nicht das Satirspiel. Es kam schon 1886 der K a m pf um das Septennat- Bismarck verlangte vom Reichstag etatsmäßig Festlegungen für die Heeresvermehrung auf 7 Jahre. Das Zentrum mit den anderen Oppositionsparteien wollte die Bindungen nur für 3 Jahre eingehen. Als Bismarck bei der parlamentarischen Kräftevertei­lung nicht durch kam, wandte er sich auf diploma­tischem Weg nach Rom, wo man — gleichfalls aus diplomatischen Gesichtspunkten — ein Eintre­ten des Zentrums für das Septennat für erträg­lich hielt und in den bekannten Noten des Kar- dinalstaatssekretärs Jacobini diesen Standpunkt auch aussprach. Windthorst hat bekanntlich aeaen die Anregung der Kurie an seinem Standpunkt festgehalten und hat in einem erfolgreichen Wahlkampf die deutsche Zentrumspartei als eine unabhängige politische Partei zum Siege geführt. Da muß man nun angesichts des Wortes von den „Römlingen" lesen, was damals die nationalistische Presse bei diesem schlüssigen Beweis für die Unabhängigkeit der Zentrumspar­tei auf rein politischem Gebiet von sich gegeben hat. „Der Ungehorsam des welfifchen Gegenpap­stes" gegen die „päpstlichen Befehle", der das Banner der Empörung gegen den Papst im Winde wehen läßt", die „Sünden des demokratisierten

Bot der neuen öchuldenkouferenz.

Rur eine welkere Anleihe ffaff Schuldenstreichung?

Von Dr. Kurt Vollert.

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Die neue Schulden- und Tribut, konferenz soll nach Auslagen des Vorstandes der BIZ. Anfang Dezember stattfinden, und so bleibt der deutschen Öffentlichkeit nichts weiter übrig, als mit verschärfter Wachsamkeit alle Vor­zeichen zu betrachten, die geeignet erscheinen, eine Vorstellung von dem zu verschaffen, was uns be» oorsteht Alle bisherigen Tributkonferenzen haben — das muß deutscherseits immer wieder festgestellt werden — den Beweis erbracht, daß es der geg­nerischen Seite weniger darum zu tun war, die tatsächliche Leistungsfähigkeit Deutschlands „sach­verständig" zu beurteilen, als vielmehr aus dem deutschen Staats- und Wirtschaftskörper das Letzte herauszupressen, obwohl ost genug von den Fi­nanzsachverständigen der ganzen Welt darauf hin- gewiesen wurde, daß es keine Möglichkeiten g'bt. die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands für Reparationen objektiv festzustellen. Bei der Pariser Sachverständigenkonferenz von 1029 wurde beispielsweise die Frage erörtert, ob ein Betrag von anderthalb oder zwei- bis zweiein­halb Milliarden Goldmark, d. h. ein Anteil am deutschen Nationaleinkommen von 2!4 bis 4 Pro­zent tragbar sei oder nicht, ob also im deutschen Volkseinkommen Güter im Werte von 2)4 .Mil­liarden Goldmark gefunden werden könnten, die der deutsche Verbraucher entbehren kann. Nickt erörtert aber wurde dabei die Kardinalfrage des ganzen Reparationsproblems: die Möglichkeit, ohne erhebliche Störung, der deutschen Wirtschaft und derjenigen der „Gläubigerländer" diesen Jah­resbetrag überhaupt auszuführen. Lag es doch schon seit Jahr und Tag auf der Hand, daß sich jeder Druck der Reparationszahlungen auf dem Wege über die Kaufkraftbeschränkung des deutschen Binnenmarktes in der Richtung einer verstärkten Ausfuhr und verringerten Einfuhr auswirken mußte. ,

Und wieder stehen wir vor der unerbittlichen Tatsache, daß die Schulden- und Reparationsfrage erneut aufgerollt werden muß. In drei Monaten läuft das Stillhalteabkommen bezüglich der kurz­fristigen Auslandskredite ab, am 30. Juni 1932 das Hoover-Moratorium. Geschehen aber ist bis­her noch nichts, um dieses Provisorium durch ein vernünftiges Abkommen abzulösen, das sowohl Deutschland Erleichterungen als auch dem Aus­lande Gewißheit über das Schicksal seiner in Deutschland angelegten Gelder verschafft. Die Ze'-t aber drängt. »

Der Vorschlag Lavals, diese eingefrorenen Kredite mit Hilfe einer großen internatio­nalen Anleihe zu verlängern, wobei an er­neu Schuldentilgungsfonds gedacht wird, für den deutsche Reichseinnahmen, Sondersteuern (!) und Zölle als Sicherheit gestellt werden müßten, kann deutscherseits nicht scharf und deutlich genug als völlig abwegig verworfen werden. Die bitteren Erfahrungen, die gerade erst Oesterreich mit dieser Art von'Pfänderpolitik hat machen müssen, sind ein abschreckendes Beispiel für uns. Die verspro­chene Völkerbundsanleihe erhielt Oesterreich nicht, und die ihm von Paris und Genf aus vorgeschrie- bene „Sanierung" seines Staatshaushalts ist nur als Voraussetzung für die Verlängerung kurzfri­stiger Auslandskredite zu bewerten. Oesterreich steht heute im Begriff, fein gesamtes Verkehrs- wefen an eine internationale Finanzgruppe zu ver­pachten, um etwas Kapital hereinzubekommen. Im Grunde genommen bezweckt her Lavalsche Vor­schlag uns gegenüber auch nichts anderes.

In Berlin erwartet man, daß von der am 15. November dort zusammentretenden deutsch-franzö­sischen Kommission dem beratenden Ausschuß, des­sen grundsätzliche Umgestaltung bekanntlich d'.e Reichsregierung fordert, neue Anregungen zur ~o« fung schwebender Schulden- und Reparationsfra- gen vermittelt werden. Gedacht ist vornehmlich an den natürlichen Zusammenhang des Problems der Sachlieferungen mit dem der ungeschützten deutschen Jahresleistungen. Daß wir unter den gegebenen Verhältnissen nur durch Sachlieferun- gen einem Teil unterer Verpflichtungen genügen Tonnen, weiß auch das Ausland. Voraussetzung bafiir ist und bleibt, daß nicht nur die Gesamtheit

Sie nennen nns „Hämlinge".

Wer zur Zeit in ruhiger Nüchternheit die Er­scheinungen im deutschen Geistesleben betrachtet, ertebt keine Freude. Seit Menschengedenken war solche geistige Verwirung, wie sie heute nicht nur bei den Massen, sondern auch in den füh­renden Schichten zu beobachten ist, nicht mehr da. Geradezu niederschmetternd sind die Vor­gänge auf den deutschen Universitäten. Was sich jetzt da wieder in Halle und Jena ge­zeigt hat, wo man einen aus politischen Gründen mißliebigen Professor her evangelischen Theologie durch wüste Radau - Szenen und durch brutale Straßendemagogie mit nationalistischer Verbräh- mung mundtot machen wollte und es auch ferner­hin beabsichtigt ist erschreckend. Noch erschreckender ist die zwiespältige Haltung mancher Kreise der Profefsorenschäft, zumal letztere mit einer heftigen Kritik an den ihnen, wie doch auch dem gan­zen Volke, zugemuteten Einkommenskürzungen verbunden ist. Auch sonst geschieht Kennzeichnen­des. Die nationalsozialistischen Redner, die teil­weise abgenutztestes Gedankengut von sich geben, finden Tausende geduldiger Zuhörer. In Köln, der Metropole des katholischen Rheinlandes, sprach jetzt der nationalsozialistische Herausgeber des Nürnberger Stürmers, eines ganz bedenk­lichen antisemitischen Organs. Die „Kölnische Volkszeitung" muß festftellen, daß ein Paar Tau­send Menschen andächtig diesem Redner zuhörten, wie er Christus als einen Vorläufer des Nationalsozialismus feierte. „Wenn dieser Christus heute wieder käme, bann würde er fügen, vor 2000 Jahren habe ich den Kampf gegen die jüdische Rasse, die als Parasit im Heiligen Lande lebte, geführt und bin dafür ans Kreuz geschlagen worden. Und heute gehen hier in diesen deutschen Landen Parteien einher, die mit dem Kreuz zur Wahl locken und schlagen mich als Judenknechte erneut ans Kreuz." Dieser unerhörten Beleidigung des christlichen Gottes­glaubens schloß sich eine wüste Geschichtsklitterung von zweistündiger Dauer an, meistens mit Zitaten aus der alt babylonischen und altägyp- tischen Geschichte. Daß solche Ausführungen den Kampf gegen bie Gottlosigkeit, wie er von Rußland herüberkommt, aufs äußerste e r= schweren, leuchtet ein. Man glaube nur nicht, daß man die Gottlosigkeit erfolgreich bekämpft, in­dem man sich mit dem radikalen Nationalis­mus verbündet. (Siehe die Zitate aus dem Buch des Nationalsozialisten Rosenberg.) Viele nationa­listische Thesen beruhen ebenso wie kommunistische Lehren auf dem Beweggrund des Hasses und lehnen aus System jede Toleranz und Verständi­gung ab. Der Gottesglaube im Chri­stentum umschließt den Gedanken der Liebe. Wenn nicht dieser Gedanken bei der Abwehr der Gottlosigkeit hochgehalten wird und immer wieder in Erscheinung tritt, bann ist von vornherein bie Aussicht auf eine erfolgreiche Ab­wehr der Gottlosigkeit gleich Null. Nur auf dem Wege über bie Liede können wir bie Menschen un­serer roilbbemegten Zeit vor ben Lockungen her Gottlosen schützen. U.eber diesem Kampf muß bas Motto aus her Heiligen Schrift leuchten „Jeder der feinen Bruder haßt, ist ein Menfchenmörber und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben bleibend in sich hat. . . Wer die Güter dieser Welt hat, aber fein Herz verschließt, wenn er feinen Bruder notleidend sieht, wie könnte in dem die Liebe Gottes bleiben. Meine Kindlein, laßt uns nicht bloß mit Worten lieben und mit der Zunge, sondern in der Tat und in der Wahrheit."

, Christen, die gegen die Gefahr der Gottlosig­keit kämpfen wollen, müssen den von der Versu­chung bedrohten Volksgenossen gegenüber zeigen, daß ihr tätiges Leben in der christlichen Liebe wurzelt. Dabei zeigt gerade jetzt wieder der Wahlkampf in Hessen wie im öffentlichen Leben Deutschlands, in politischen und nichtpoliti- schen Auseinandersetzungen, die Gehässigkeit die ausschlaggebende Rolle spielt. Brünidgs sach- liche zähe Arbeit wäre doch wirklich leicht o b - I e f t i d zu würdigen. Aber selbst ein Mann, wie der Graf Oldenburg-Janutfchau, der sicher nickt der schlimmste ist, weil er immerhin einen gewis­sen Bildungsstand und politische Erfahrungen fein eigen nennt, stellte es jüngst in Mainz fo dar, als habe Brüning in Rom seine Information und Richtlinien für fein politisches Verhalten und feine politischen Maßnahmen empfangen. Natürlich nickt im Rom Mussolinis, aus dem bekanntlich bie Faszisten sogar ihre Großform bezogen haben, sondern aus dem Rom des Vatikans.

Was Oldenburg vorsichtig ausbrückt, das wirb dann von weniger geschulten Köpfen klobiger auf die Formel von den „Römlingen" gebracht. Und wenn in Lauterbach Herr I. D. den beutschnatio- nalen Anhängern krauses Zeug vorträgt, bann barf er auf allgemeines Beifallsgemurmel rech­nen, wenn er „die rote unb schwarze Internatio­nale" als die Ursache der deutschen Nöte unserer Zeit hinstellt. Viele deutsche Katholiken, die für ihr Vaterland immer nach besten Kräften gearbei­tet und sich so verhalten haben, wie sie es d e r deutschen Ehre schuldig zu sein glauben, fühlen sich durch die Bezeichnung: „Römling" schwer gekränkt. Und mit Recht. Immerhin sei unfern Freunden ein historischer Trost gewährt. Während der Zeit, da Bismarck den Kulturkampf führte, sind unsere Großväter, die ihrem heiligen Glauben und ihrer Kirche die Treue hielten, vom „eisernen Kanzler" selbst, von seinen blinden Be­wunderern und von der, nicht gerade im­mer aus rein idealen Gesichtspunkten im Dienste des Kanzlers stehenden, Kulturkampf- Presse in ganz maßloser und unerhörter Weise als Römlinge beschimpft worden. Heute kann man wohl sagen, ohne auf Widersprach zu stoßen daß diese Beschimpfung uns nichts geschadet hat, unb baß her Spruch, der damals symbolisch über das Fraktionszimmer der Zentrumspartei geschrieben wurde: „Wer hier eingeht, laß alle

H. D. Keine internationale Reparationsdebatte wurde bisher geführt, ohne daß die Franzosen nicht ihren Anspruch auf bie Zahlungen Deutsch­lands, hergeleitet aus der Tatsache der zerstörten Gebiete, in den Vordergrund gerückt hätten. Auch in letzter Zeit haben sie nicht darauf verzichtet, $u diesem altbewährten Argument zu greifen, als zu einer vor der Welt­öffentlichkeit wirksamen Waffe aus dem Arsenal ihrer politischen Propaganda. Wieder konnte man in Teilen der französischen Presse lesen: Frankreich, das vom Kttege am schwersten betroffene, brauche die deutschen Reparationszahlungen zum Wieder­aufbau seiner verwüsteten Gebiete. Die Kosten dieses Wiederaufbaus seien heute noch nicht be­stritten, Deutschland habe seine Aufgabe, das zer­störte Land wiederherzustellen, noch nicht erfüllt. Entspricht diese Behauptung wirklich den Tat­sachen?

Eine vbjekttve Betrachtung der Dinge kehrt, daß die französische Argumentation unhaltbar ist. Dabei muß selbstverständlich mit Zahlen operiert werden, die der objektiven Prüfung stand- alten. In nationalistischen Versammlungen werden aus demagogischen Gründen oft Zahlen genannt, die einfach aus der Luft gegriffen sind. Zwei Ziffern, stichhaltig festgestellt, sind wichtig: die Gesamtaufwendungen Frankreichs für den Wie­deraufbau seiner zerstörten Gebiete und den Anteil Frankreichs an den deutschen Reparationen.

Was zunächst die St o ft e n des Wieder­aufbaus betrifft, so hat Frankreich seine Ge- famtauftoenbungen selbst mit rund 100 Milliarden Franken, also 16,7 Milliarden RM., angegeben.

Dieser Summe steht der Betrag an Repara­tionen gegenüber, ben Frankreich seit 1918 erhal­ten hat. Die Berechnungen über die Gesamthöhe der deutschen Leistungen seit Kriegsende gehen allerdings zum Teil erheblich auseinander. Eine ursprüngliche, von dem verstorbenen deutschen Ge­lehrten LujoBrentano zusammengefaßte Auf­stellung ergibt für die Leistungen bis 1923 ben Bettag von 55 Milliarden RM. Berechnungen von neutraler Seite, z. B. bie bes Insti­tuts of Economics in Washington, ergeben für bie Leistungen Deutschlanbs bis zum Ruhreinbruch bie Summe von runb 25 Milliarden RM. Der be­kannte englische Nationalökonom Keynes kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Halten wir uns an bie relativ ungünstige amerikanische Berech­nung und lassen wir bie Ziffer von 25 Milliarben bis zum Ruhreinbruch gelten, schlagen wir ben Erlös Frankreichs unb Belgiens aus bei Ruhr­episode in Höhe von nur 1 Milliarde hinzu, ferner acht Milliarden aus der Laufzeit des Dawes- Planes unb schließlich weitere brei Milliarden unter dem Poung-Plan bis zum Inkrafttreten des Hoover-Schonjahres, so ergibt sich als unterste Grenze der Schätzung ein Gesamtbetrag der deut­schen Leistungen von rund 37 Milliarden RM. Von dieser Summe hat Frankreich nach dem Ver­teilungsschlüssel 52 Prozent, also etwas mehr als die Hälfte, empfangen. Ihm sind an Repara­tionen demnach insgesamt etwa 18,5 Milliarden RM. zugeflossen.

Um es in klaren Ziffern gegenüb erstellen: Frankreich hat nach seinen eigenen Angaben 16,7 Milliarden RM. für ben Wiederaufbau seiner zer­störten Gebiete aufgetoenbet; es hat an beutfdjen Reparationszahlungen mindestens 18,5 Milliarden RM. erhalten. Was Frankreich also an Kosten für den Wiederaufbau aufgetoenbet hat, ist ihm aus deutschen Vermögenstoerten ersetzt worden. Mit gutem Gewissen kann man sogar sagen, daß Frankreich darüber hinaus Bettäge erhalten hat, die sich um die Hohe von etwa 2 Milliarben RM. bewegen.

Die StiNhalfevereinbarnngen.

C.N.B. London, 13. Nov. (Eig. Meld.) In ei­nem Aussatz der „Financial News" heißt es, vor Ende des Monats würden deutsche Vertreter mit denen der Gläubiger-Banken in Basel über die Frage der Erneuerung der Stillhalte-Verein- barungen verhandeln. Die Gläubiger seien zur Verlängerung um drei Monate ober noch län­gere Zeit bereit, vorausgesetzt, daß ein gewis­ser Prozentsatz der Schulden, mög­licherweise 15 Prozent zurückgezahlt

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