Einzelbild herunterladen
 

11. November

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Nr. 261

in der

müssen

Mndlhorskbund Fulda.

Ser hl. Batet an hie Jungarbeiter

schehen ist. Das Tagungsbüro befindet sich Harmonie".

Da wir auch gelegentlich singen wollen, Liederbücher mitgebracht werden.

Heil allen Gesinnungsgenossen im Landl

Gedenket der Toten!

Wir Toten, wir Toten sind größere Heere, Als chr auf der Erde, als ihr auf dem Meere! Wir pflügten das Feld mit geduldigen Taten, Ihr schwinget die Sichel und schneidet die Saaten, Und was w i r vollendet und was w i r begonnen. Das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen. Und all unser Lieben und Hassen und Hadern, Das klopft noch dort oben in sterblichen Adern, Und was wir an gültigen Sätzen gefunden, Dran bleibt aller irdische Wandel gebunden.

Und unsere Töne, Gebilde, Gedichte Erkämpfen den Lorbeer im strahlenden Lichte. Wir suchen noch immer die menschlichen Ziele Drum ehret und opfert! Denn unser sind viele!

Konrad Ferdinand Meyer.

meraden in Dors und Stadt innerlich umzuwandeln und von der Bedeutung des politischen Katholizismus zu überzeugen, anstatt ein rasch ausflammendes und ebenso schnell wieder verglühendes Strohfeuer zu ent­fachen. Auch brauchen diejenigen, die mithelfen wollen, die junge Volksfront auszubilden, untereinander Verbindung. Sie muffen sich kennenlernen und Ge­dankenaustausch halten können. Sonst gelingt im ent­scheidenden Augenblick der wirkungsvolle Einsatz der Kräfte nicht.

Die politische Schulungstagung will die aktiven Men­schen aus der jungen Generation des Fuldaer Landes zusammenführen und für ihre politischen Ausgaben vor- bereiten und schulen. Kommt alle ohne Scheu! Bei uns gibt es keine Vereinsmeierei, keine Standesunter- fchiede und keine Parteipolitik. Wir wol­len ringen um die Erkenntnis des rich­tigen Weges zur deutschen Zukunft, wir wollen uns rüsten für den Kleinkampf im Dorf und Ver­ein.

Jeden, der guten Willens ist, heißen wir in unserem Sreis willkommen. Anmeldungen werden noch bis Samstag, den 14. November von Dr. Sauer, Fulda, Redaktion der Fuldaer Zeitung, entgegengenom­men.

Wir haben keine Möglichkeit, denjenigen die sich be­reis angemeldet haben, zu schreiben. Wir bitten Euch deshalb auf diesem Wege, Montag, den 16. November, rechtzeitig in Fulda einzutreffen, damit die Verteilung der Quartiere vor Beginn des Begrüßungsabends ge-

zur polUIfcheu SchllllingglaMg

des windkhorstbundes vom 16. bis 21. November

Zum letzten Mal vor der politischen Schulungstagung geht unser Ruf hinaus ins Fuldaer Land an alle auf­rechten jungen Kerle, die, auch wenn sie arbeitslos sind, sich und die Zukunft ihres Volkes noch nicht aufgegeben haben, sondern daran glauben, daß unser Volk nicht untergeht, wenn eine entschlossene Gruppe vernünftiger Menschen bereit ist, alles zur Rettung einzusetzen und der Hetze der Radikalen, die so leicht Einfluß auf verzwei­felte Menschenmassen haben können, mutig entgegenzu­treten. Unter uns sind viele bereit, die Auseinander­setzung mit den Gegnern, die überall das große Wort führen, aufzunehmen. Vielfach fehlt aber die Schulung, das Wissen um die tieferen Zusammenhänge. Wir brau­chen ein gründliches Wissen, mehr als andere, well wir auf das Schlagwort verzichten muffen, und weil es unsere Aufgabe ist, unsere zweifelnden oder gleichgültigen Ka-

Iugend wird von den revolutionären Machthabern eine bevorzugte Aufmerksamkeit zugewandt. Lunart- sckarski erklärte 1928 aus einem Pädagogenkongreß in Moskau:

Unsere Generation wird schwerlich den neuen Men­schen hervorbringen. Eine Gewähr für die Umwand­lung bietet uns unser Nachwuchs. Die Jugenderziehung ist darum unsere vornehmste Aufgabe: Die Erziehung des neuen Menschen im Geiste des Kollektivismus: sie soll erreichen, daß die von unserem Standpunkt aus neue* Lebensgestaltung der folgenden Generation als die natürliche und selbstverständliche erscheine.*

Sinowjews Frau Lilina ging noch viel weiter; sie erklärte:

Die Kinder muffen zu echten, guten Kommunisten erzogen werden. Wir müssen unverzüglich die Er­ziehungsarbeit in Angriff nehmen. Vor allen Dingen ist es notwendig, aus Schulen und Fürsorgeanstalten das bürgerliche Gesindel mit eisernem Besen hinauszu­kehren, alle diese Erzieher, diese Lehrerinnen, die mit bürgerlichen Anschauungen verseucht sind. Wir muffen die Kinder dem verderblichen Einfluß der Familie ent­ziehen, sie mit Beschlag belegen oder ohne Um­schweife gesprochen sie verstaatlichen. Vom ersten Tage ihres Lebens sollen sie dem heilsamen Einfluß kommunistficher Kindergärten und Schulen ausgesetzt sein. Hier werden sie sich die Fibel des Kommunis­mus spielend aneignen und sich zu echten Kommunisten heranbilden. Die Mutter zu zwingen, ihr Kind uns dem Sowjetstaate abzutreten, dies ist unsere nächst­liegende praktische Aufgabe; gereicht doch die elterliche Liebe dem Kinde im wesentlichen zum Nachteil. Die Familie ist individualistisch, egoistisch und gesellschasts- feindlich; das Kind, das in ihrem Schoße aufwächst, ist zumeist antisozial und von eigensüchtigen Bestrebungen erfüllt." (S. Sensinow imHochland".)

Ist es bei uns ebenso?

Obgleich die wirtschaftlichen Ursachen der Land­flucht in Frankreich die hervortretendsten find, sichtLa Croix" doch auch politische und soziologische Gründe als schr bedeutsam an. Die Gesetze über das Erbrecht im bäuerlichen Grundbesitz sind da vor allem mahgchend. Früher, als der Familienvater nach eige­nem Ermessen über sein Erbe verfügen konnte, saßen manche Bauernfamilien durch Iahchunderte auf ihrem Hofe. Durch die gesetzliche Verteilung des väterlichen Eches an alle Kinder wird die Bearbeitung der kleinen Teile kostspieliger, unrationeller, die Verwendung von Maschinen unerschwinglich; führt schließlich zum Der- kauf und die Stadt saugt jene auf, die den Boden be­bauen sollten. In der öffentlichen Schule lernt das Kind alles eher als die Liebe zu feiner Bauernheimat. Der kleine Bauern- junge wird nicht anders behandelt als ein Pariser Vor­stadtschüler, als ob eine Kindesseele nicht eine verschie­dene Resonanz hätte, je nach dem Ort, wo sie geboren ist und sich entwickelt hat. Das Lehrprogramm der Schule ist für alle Stände gleich. Der Bauernjunge kennt sich in Frankreich, Europa, auf der ganzen Welt aus; er kennt die Golfe und Häfen aller Well, die gro­ßen Seen und asiatischen Bergriesen, aber die rüh­rende Geschichte seines Heimatdorfes, feines Hofes ist ihm unbekannt. In unerbittlicher Logik glaubt er, da man ihm nie von den Feldern feines Vaters, noch von dessen Wald, den bäuerlichen Arbeiten spricht, daß sie jeden Interesses entbehren. Der kleine Bauernjunge wird so seinem Bauerndorf untreu, schämt sich seiner bäuerlichen Vorfahren und seiner bäuerlichen Abstam­mung, fühlt sich minderwertiger als das Grotzstadtkind und schätzt die Bauernarbeit geringer als die Jndustrie- arbeit (Das neue Reich".)

Zungmiinnerverband und Siedlung.

Einweihung der Siedlerschule des Sakh. Jungmänner­verbandes.

Die Siedlerschule des Katholischen Iungmännerver- bandesHaus Matgendors" in Mecklenburg konnte kürzlich im Beisein von Generalpräses Walker- Düsseldorf und zahlreicher Gäste darunter Vertreter der Reichsministerien, der mecklenburgischen Behörden und der Siedlungsbank eingeweiht werden. Haus und Einrichtung der Siedlerschule sind von dem Aache­ner Architekten Professor Schwippert geschaffen wor­den. Für die Kapelle hat Professor Wendling ein großes Altarbild gezeichnet.

Die katholischen Jungarbeiter Frank­reichs unternahmen im September mit 1200 Jung­arbeitern eine große P ilger fahr t nach Rom. Sie wurden qm 25. September vom Heiligen Vater empfangen, der bei dieser Gelegenheit eine bedeutungs­volle Ansprache hielt, die gleichzeitig an alle katholischen Jungarbeiter, gleich welchen Landes, welcher Sprache und welcher Rasse gerichtet war, wie der Heilige Vater ausdrücklich sagte. Nachdem er die katholischen Jung­arbeiter beglückwünscht hatte zu dem, was sie geführt, führte der Heilige Vater ungefähr folgendes aus;

Es gibt Menschen, welche die Kirche überall vertreib den und verjagen wollen, aber insbesondere aus der Werkstatt, aus der Fabrik und aus der Mitte der Ar- bell, gerade da, wo die Anwesenheit Christi und die Wohltaten der Kirche notwendiger und dringender sind denn je. Nun habt ihr euch als wahre Eroberer vor­genommen, wiederum in die Welt der Arbeit, der Kirche und Christi zurückzukehren; in die Welt der Kirche mit ihren so mütterlichen und so wohltätigen Einrichtungen, nicht nur für das zukünftige Leben, sondern auch für das gegenwärtige. Und dies tröstet Uns unendlich, wenn mir eure frischen und gewaltigen Kräfte eintreten sehen gerade da, wo hochherzige Kämpfer so bitter notwendig sind.

Ihr vertretet die Jugend, die Jugend, die dem Herzen des Erlösers so teuer ist, und ebenso teuer und bevor­zugt dem Herzen seines Stellvertreters. Ihr erinnert Uns daran, daß Wir im Kreise der Arbeiter auf die Welt gekommen sind. Wir haben die Arbeit immer um uns gesehen, Wir haben unser Leben mit ihnen ge­teilt. Die christliche Jugend der Arbeit erinnert uns an die Jugend des göttlichen Königs.

Er selbst hat durch diesen Stand gehen wollen, er selbst wollte der junge Arbeiter fein. Er selbst ist es, der jeden von euch in seiner Arbeit, in seinem Leben und in feiner Tätigkeit vertritt. Jungarbeiter! Ihr träumt davon, Christus durch euch und mit euch zu­rückzubringen. Als sich die erften jungen Christen den Aposteln zur Verfügung stellten, um ihnen zu helfen in der Evangelisierung, da vernahm sie das große Wort, welches euch im Geiste stets gegenwärtig fein muß:

natholilche ZungmannMsst des falhaot Landes! Hilf zue polMMen Lrkulungstagung nack fulta!

LMndtlrorMund, Galt fulha

tionalrevolutionären Partei eine Partei der Erfül­lungspolitik wurde, die sich in nichts von der SPD unterscheidet .... Roch hielten wir unter dem Eindruck der Phrasen eines Goebbels alles für Taktik. Bis nun Harzlmrg die Tagung der nationalen und in­ternationalen Kapitalisten und der Verräter an der deuffchen Arbeiterschaft uns endgültig die Augen öffnete. Wir wissen, daß heute tausende ehrlicher Junggenossen in der Hitlerjugend und SA. nach der Enthüllung des Fa­schismus hall- und mutlos geworden sind. Diesen rufen wir zu:

Verzweifelt nicht! Verlaßt die Front des Faschis­mus und des Arbeiterverrats! Bleibt nicht auf halbem Wege stehen. Geht nicht zu Straßer oder Stennes, die nur die Aufgabe haben, mit dem Geld« eines Ehrhardt die revoltierenden Mafien vor dem letzten Schritt zur Revolution zurückzuhalten. Geht mit uns den Weg Scheringers!"

Diese Erklärung fit ein Symptom, das nicht unter* schätzt werden darf.

Die Jugend im Bolschewismus.

Bolschewistische Erziehungsideale.

Das Ideal der kommunfitfichen Kinder- und Ju­genderziehung ist kollektiv gedacht. Die Kinder sollen dem Einfluß der Familie möglichst entzogen bleiben. Individuelle Rücksichtnahme bei der Er­ziehung könnte der Absicht schaden, in den Kindern möglichst schematische Massenmenschen heranzuziehen, wie sie die auf mechanische Unterordnung der apodik­tische Gläubigkeit eingestellte Partei braucht. Das Ideal .dieses Systems würde darin bestehen, die Neugeborenen ^gleich von der Familie zu trennen und in staatlichen Kinder- und Jugendheimen zu jenem Typ des Massen­menschen großzuziehen. Es fehlt aber dem Staat zur Durchführung eines solchen Planes an Geld und an Helfern. So ist der kommunistische Staat heute noch auf die Familie angewiesen, wenn er sie auch nur widerwillig in Kauf nimmt. Es fit die Vermutung ausgesprochen worden, daß der Staat die Registrie­rung der Chen nur mit dem Zweck durchführe, um die Versorgung der Kinder ficherzustellen. Den Eltern wird die Last der Aufzucht zugewiesen, aber ihnen wird die Ausgabe vorn Staat in keiner Weise erleichtert. Die Autorität der Eltern wird systematisch unterwichlt, da­mit die Kinder schon frühzeitig ihrem Einfluß entzogen und dem der Partei unterworfen werden. Die Eltern­rechte, chre erzicherfichen Befugnisse sind gering. Er­kennt doch der Staat irgendwelche Uebereinkommen der Eltern bezüglich der religiösen Erziehung der Kinder nicht an.

Die Bestimmungen für die kollektiven Vormund­schaftsorgane sind derart, daß diese sehr leicht in die internen Familienangelegenheiten eingreisen können. Die Eltern werden als rückständig hingestellt, während für die Jugend die weitestgehende Autonomie gefordert wird. Bei Streitigkeiten bekommen die Kinder zumeist recht. Lassen es sich die Eltern einfallen, ihre Kinder zu bestrafen, so können letztere es zuwege bringen, die Eltern anzuzeigen und ihre Verurteilung zu veranlas- nes. Viele Kinder haben ihre Eltern wegen sitllicher, religiöser oder politischer Meinungsverschiedenheiten ins Gefängnis gebracht; viele Kinder haben sich öffent­lich von ihren Eltern losgesagt, um der Vorteile teilhall zu werden, die das herrschende System seinen sicheren Anhängern zudenkt. So wird in die Fa­milie eine Atmosphäre des Mißtrauens und der Unsicherheit hineingetragen. Die kommunfitfichen Instanzen versuchen über die Kinder ihren Einfluß in die Familie hineinzutragen. Mtt Hilfe der Kinder wird alles mögliche propagiert, was in der Linie der offiziellen Politik liegt. Auch die anti­religiöse Propaganda, wie die Abschaffung des Weih­nachtsbaumes, Unterlassung der Osterbräuche und ähn­liches, wird mit Hilfe der Kinder in die Famllie vor- getrieben.

Die Kinder sind das lebendige Ver­suchsobjekt für Experimente der Sowjet­pädagogen und Politiker. Aber sie bilden auch gleichzeitig die Hoffnung der derzeitigen Macht­haber für die Stabilisierung ihres Systems und die Weiterentwicklung ihres Gesellschaftsideals in der Zu­kunft. Die Kinder sind zur Ablösung der heutigen Ge­neration berufen; sie sollen mit der jugendlichen und von fremden Erfcchrungen nicht beschwerten Selbstoer- ständlichkett die kommunfitfiche Idee in sich aufnehmen, um die neue kommunistische Gesellschaft einzurichten. Der

Nichts ohne die Bischöfe. Dies wissen eure Bischöfe schr wohl. Sie wissen, daß ihr die Elite ihrer Elite seid, daß ihr die kostbaren Helfer ihres Apostolates seid in Kreisen, die sehr schwierig sind, in die leider ihre Priester selbst nicht eindringen können. Deshalb segnen wir die Priester dieser Elite, welche Apostel heranbilden wie euch und wie ihr es werden wollt.

Ihr wollt Apostel fein, Apostel mit der Hierarchie, ihr wollt Christus wieder hineintragen in die Fabriken, mitten in die Arbeit.

Ihr müßt schr oft darüber nachdenken, daß die Hauptsache im Leben des Erlösers, des Mefiters, des göttlichen Meisters Unseres Herrn Jesu Christi, der An­fang und das Ende feines Werkes, die Vollendung feines Werkes, war, die Bildung und Vorbereitung feiner Apostel. Gehet hin und seiet Apo- st e l!"

Nationalsozialismus und Bolschewismus.

Es gab schon immer Kreise, die eine geistige Ver­wandtschaft zwischen dem Nationalsozialismus und dem Bolschewismus festgestellt haben. Tafiächlich sind auch häufig Uebertritte von den Nazis zu den Kommu­nfiten und umgekehrt vorgekommen. Einiges Auffchen erregte der Eintritt des früheren Leutnants Scherin­ger s in die KPD. Auch augenblicklich erlebt man wie­der ähnlicheUeberrafchungen".

Das gemeinsame Auftreten mit den um Hugenberg gescharten kapitalistischen und nationalreaktionären Krei­sen hat der Nationalsozialistischen Deufichen Arbeiter­partei allerlei Unruhe vor allem in ihrer jugendlichen Anhängerschaft eingebracht. So sind in Berlin eine Reihe führender Funktionäre der Hitlerju­gend unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die Harz- bürget Tagung zum Kommunistischen Ju­gendverband übergetreten. In ihrer lieber- trittserflärung heißt es:

Schon seit langer Zeit haben wir mit Schrecken gesehen, wie Schritt für Schritt die Reaktion in der NSDAP, an Boden gewann, wie uns aus einer na­

NILS

Erwachen im Zeltlager.

Von Delsuc.

Ernst Drouven gibt eine neue Reihe billiger Abenteuerbücher heraus, die unter dem Namen Fahrtenbücher" der Band zu 2 Mark im Verlag Herder in Freiburg im Breisgau erschei­nen. Die Jungen werden begeistert lesen, denn in den Fahrtenbüchern gibt es lauter Erlebnisse voll Spannung, und immer sind Jungen die Hel­den. Eine kurze Lesepobe aus dem ersten FahrtenbuchDie schwere Nacht von Kervis- zell":

Als am nächsten Morgen die bereits hochstehende Sonne das ganze Land mit ihren Strahlen überflutete, gegen die auch das goldfarbene Dach des Zeltes keinen Schutz zu bieten vermochte, herrschte drinnen imklei­nen Hause* noch vollkommene Ruhe. Auf dem Boden lagen unbeweglich sieben längliche, in Decken gerollte Pakete ausgestreckt. Hier und dort tauchte mit geschlos­senen Augen ein Kopf auf. Ein gebieterischer Hornruf ließ sich hören.

Durch ein paar der Pakete lief ein leichtes Schauern. Nur eines in der Ecke des Zeltes zeigte eine ausge­prägtere Bewegung. Der Kopf Henri Rambures' er­schien mit verschlafenen Augen und wild zerzausten Haaren. Henri strich sich mit der Hand über die Stirn und gähnte, erhob sich dann auf einen Ellenbogen und wühlte mit der Linken eine Zeit lang in feinem hinter ihm hängenden Hut herum, der ihm abends dazu diente, den Inhalt seiner Taschen zu verwahren. EMich hatte er die Uhr erwischt.

Sieben Uhr fünfundzwanzig!" Das ist das erste Weckzeichen, das da gegeben wurde.

Hallo, hallo, Schwäne! Auf! Rührt euch! Auf- stehen!"

Mit einem Ruck setzte er sich aufrecht und verteilte nach rechts und links kräftige Püffe, die feinen Befehl unterstrichen. Derart energischer Behandlung wider­setzten dieSchwäne" sich denn auch nicht lange und zogen es vor, lieber ganz wach zu werden.

Guten Morgen, Henri!"

Guten Morgen! Guten Morgen!"

Der Fähnleinführer rollte den Verschluß des Zeltes auf, und als er dann noch die beiden Seitenbahnen nach außen geschlagen hatte, lag vor den sieben Scouts das Schauspiel eines Lagers, in dem alles unter der allerschönsten der Morgensonnen glitzerte.

Roger Barlain, der Führer vom Tagesdienst, schritt zum Sammelplatz und gab aufs neue ein Hornsignal.

Schnell, Schwäne!" rief Henri.

Im Pyjama sprang er mit einem Satz aus dem Zelte und rannte auf Roger zu, hinter ihm seine Jungen, alle ebenso bekleidet. Aus allen Zelten quollen nun Scouts im Pyjama. Als sie eMich vollzählig im Kreise Auf­stellung genommen hatten, gab die Mannigfaltigkeit so vieler lebhafter Farben ein äußerst malerisches Bild ab.

Guten Morgen, Roger!" scholl es von allen Seiten.

Guten Morgen! Guten Morgen! Flink! Wir ha- ben uns schon verspätet. Die ganze Truppe in Reihen! Die Gazelle stellt sich an die Spitze und folgt mir!"

Mst an den Leib gezogenen Ellenbogen setzte er sich

in Trab nach dem Strand, das Gesicht gegen das in der Sonne gleißende Meer gerichtet.

Die fünf Minuten der morgendlichen Freiübungen verstrichen mit Dauerlauf und verschiedenen andern Be­wegungen. Darauf schickte der Führer alles in die Mor­genwäsche.

Henri drückte den andern Fähnleinführern die Hand und wechselte mit ihnen am Strande einige Worte.

,Lhr seid ver ... . gut marschiert gestern abend: ich hab' euch wirklich bewundert, euch Schwäne! Alle Hoch­achtung!" beglückwünschte ihn Bernhard Delavoine, der Führer der Gazelle, ein Junge mit rundem Kopf und ungewöhnlich lebhaften und durchdringenden Augen.

Aber, das war doch selbstverständlich! Ein Blinker­fähnlein! , Was ist dabei zu verwundern!?"

Es scheint", unterbrach Radeau mit sichtlicher Neu­gierde,daß ihr sonderbaren Lärm gehört habt, Schreie in der Nacht!"

Ja. Hat der Chef dir'» gesagt?"

Was? Was hat's gegeben?* riefen einstimmig Defa» ooine und Marc Wonne, der Führer derWölfe".Wir wissen ja noch gar nichts. Erzähl' doch!"

Aber gern." Mit wenigen kurzen Worten berichtete Henri die eigenartigen Erlebnisse der Nacht.

Das ist allerdings selfiam", meinte Marc Wonne, dessen graublaue Augen ganz verdutzt dreinschauten. .Last du eine Ahnung, was da losgewesen fein könnte?"

Zch kann es mir nicht erklären, und der Feldmeister, dem ich alles nach unserer Rückkunft erzählte, wußte auch nicht, was er davon halten sollte. Er wird wohl heute morgen noch mit mir darüber reden."

Da wirst du uns nachher auf dem laufenden hal­ten!"

Ja, ihr könnt euch darauf verlassen."

Damit trennten sich die Fähnleinführer, um sich wa­schen zu gehen. Henri holle sein Toilettenzeug aus dem Zelt und lief an den Bach, der unter der Steinbrücke dahinplätscherte und sich dann allmählich im Sande des Strandes verlor. Zu beiden Seiten des Wassers fand er die Mehrzahl der Scouts, viele mit bloßem Ober­körper und im Wasser herumwatend. Nach einigem Suchen hatte auch er sein Plätzchen gewählt, dort, wo das Ufer nicht so hoch war und der Grund nicht zu schlammig, und begann sich zu waschen.

Zwanzig Minuten später, nach der Rückkehr ins La­ger, ordnete er die ersten Vorbereitungen für das Früh­stück an. Er selbst gab sich daran, im Zelt Ordnung zu schaffen, und ging dann zum Feuer, oder, besser gesagt, zu der Reisigpyramide, die auf der Feuerstelle des Vor­abends aufgetürmt war und die dicke, scharfe Rauch­schwaden aussandte. Darüber schien in einem Kessel ein wenig Wasser langsam warm werden zu wollen, auf dem Schokoladestückchen herumschwammen.

Zusammengekauert und mit roten Augen sachte Lau­rent Mit seinem Atem das widerspenstige Feuer an.

Es fängt!" keuchte er.Das hat aber auch was gekostet. Das Holz ist noch zu grün."

Henri kniete neben ihn und half ihm, das furchtsame Flämmchen zu ermutigen, das sich da hinter dem Reistg versteckte.