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Anzeiger für die Stabt Fulda unb denLandkreis Julba. Amtliches Kreisblatt

Nr. 261

Cricheim jechsmal wöchentlich. Lochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „!Bud)enblätter*. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- " leitung 3153, Fuldaer Äctiendruckerei 3151 und 3152. ::

Mittwoch, 11. Aovember 1931.

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Zahrg. 58.

Produktions-Rosten und preise.

Beginn der Beratungen des Wirtschaftsbeirates. — Die erste Airsschutz-Sitzung. — Das Ergebnis der ^abinettsberatungen. — Der Sinn der Leitsätze.

END. Berlin, 10. Nov. (Eig. Meld.). Der erste Ausschuß des Wirtschaftsbeirates, der sich mit der Herabsetzung von Produktionskosten und Prei­sen zu befassen hat, ist heute vormittag um 10 Uhr zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten. Sie begann damit, daß der K a n z l e r dem Ausschuß zunächst die Leitsätze vortrug, die das Kabinett ausgearbeitet hat. Es handelt sich dabei allerdings nicht um fertige Lösungen, die die Reichsregierung dem Wirtschaftsbeirat vorschlägt und über die er sich dann nur gutachtlich zu äußern hätte, sondern mehr um eine Disposition für den Gang der Verhandlungen, und ein Verzeichnis der Fragen, die angefaßt werden müssen, wenn man die Ziele erreichen will, die in den ersten Plenarsitzungen des Wirtschaftsbeirates vor 10 Tagen aufgezeigt wurden.

Der Wirtschaftsbeirat wird also von fid) aus Wege zeigen müssen. Dabei kann man aber wohl annehmen, daß das Reichskabinett seinen eigenen Standpunkt zu den Problemen bereits genommen hat. Die gestrigen Beratungen des Kabinetts dauerten bis gegen Mitternacht, und schon aus die­ser langen Zeit ergibt sich, daß die Reichsregierung die einzelnen Fragen bereits gründlich erörtert hat. Es scheint, daß das Kabinett gewissermaßen den Spielraum ausgemessen hat, der zwischen einem Maximal- und einem Minimal-Pro- gramm möglich wäre, und daß die Lösungen, die aus den Beratungen des Wirtschaftsbeirates her­auskommen, sich innerhalb dieses Rahmens bewe­gen müssen. Hätte der Kanzler fertige Vorschläge vorgelegt, so wäre die Regierung taktisch vielleicht in die Gefahr gekommen, daß bei den Verhandlun­gen nur eine negative Kritik das Feld beherrschte. Dann würde man wahrscheinlich sehr bald in einer Sackgasse angekommen sein. Durch

die Methode, die der Kanzler jetzt anwendet, wird diese Gefahr vermieden. Allerdings werden sich die Schwierigkeiten, die wirksamen Lösungen s a ch- lich und vom Standpunkt der verschie- i) en en Interessen aus entgegenstehen, nun schon zu Anfang der Verhandlungen zeigen. Aus all dem, was bisher an Kritik und Vorschlägen an die Regierung herangetragen worden ist, sollen jetzt die Konsequenzen gezogen werden; und da wird sich nach Auffassung gut unterrichteter Kreise schon sehr schnell zeigen, daß die v i e l b e - sprochene Beseitigung oder auch nur Auflockerung der Vindungen auf sehr viel mehr Schwierigkeiten stößt, als die Kritiker selb st vielleicht erwar­te t h a b e n. Es dürfte sich ferner erweisen, wie richtig die Politik des Kanzlers war, die immer da­hin ging, die Dinge sachlich und psycholo­gisch er st ausreisen zu lassen. Inmitten der zu erwartenden Schwierigkeiten hat die Reichsre­gierung es auf Grund ihrer eingehenden Beschäf­tigung mit den Problemen aber doch in der Hand, die Diskussion des Wirtschaftsbeirates in bestimmte Richtungen zu führen, und so sind immerhin die Möglichkeiten für ein positives Ergebnis vorhan­den. Sollte es dagegen nicht gelingen, in der einen oder anderen Frage zu einer Verständigung zu gelangen, so müßte das Kabinett natürlich von sich aus feine Entscheidungen treffen. Jeden­falls rechnet man damit, daß die Verhandlungen des Beirates etwa eine gute Woche in Anspruch nehmen unb daß das Kabinett dann an die Ausarbeitung der großen Wirt­schaftsnotverordnung Herangehen wird, die bestimmt bis Ende dieses Monats fertig ge­stellt werden soll.

vor schwierigen Schulden-verhandlungen. Beantragt Deutschland ein Voung-Moratorium? — Werden die deutschen privatschulden an das Anstand herabgesetzt und die Reparations-Zahlungen gänzlich eingesteNt?

Die Pariser Presse, die dem Besuch des franzö­sischen Botschafters in Berlin, Francois Poncet, zunächst mit' neuen Vorschlägen der Reichsregierunz in Verbindung brachte, berichtigt ihre Stellung­nahme und betont übereinstimmend, daß der fran­zösische Botschafter auf Wunsch des französischen Ministerpräsidenten nach Paris gekommen fei, um Bericht über seine letzten Besprechungen mit Reichs­kanzler Brüning und Staatssekretär von Bülow zu erstatten. Von neuen deutschen Vorschlägen könne jedoch in diesem Zusammenhang nichtdie Rede sein. Auch die bevorstehende Aufnahme der Ar- best des deutsch-französischen Wirtschaftsausschus­ses habe eine genaue Darlegung der Lage in Deutschland notwendig gemacht.

Der „Petit Parisien" erklärt ergänzend, daß Francois Poncet darauf hingewiesen habe, daß die Stimmung in Deutschland gegen die Wiederau snahme der im Youngplan vorgesehenen Zahlungen gerichtet sei. Es sei daher anzunehmen, daß auf das Hoover- Moratorium zumindest ein Poungmorato- rium folge. Die Frage sei augenblicklich nur die, welche Rolle in diesem Fall der Baseler Un­tersuchungsausschuß und die einzelnen Gläubigerregierungen spielen würden. Eine end- gülttge Lösung sei jedenfalls erst nach sehr lang­wierigen Verhandlungen möglich, die noch geraume Zeit andauern könnten. Der „Figaro" behauptet, die Führer der deutschen Politik versuchten, aus den Drohungen mit einem Zusammenbruch Vor­teile zu schlagen, um eine weitmöglich st e Herabsetzung der Privat schulden und eine vollkommene St reichung der Re­parationen zu erzielen. Die Nachteile eines derattigen Manövers beständen darin, daß eine Katastrophe vielleicht unvermeidlich werde, wenn man dauernd auf sie Hinweise. Im „Echo de Paris" erklärt-Marcel Hutin, daß Deutschland bei seiner Forderung auf Aufhebung der Reparatio­nen mit der Unter st ütz un g Englands rechne, dessen Lage sich durch den Pfundsturz wesentlich geändert habe.

Eine Londoner Voraussage.

wtb. London, 10. Nov. (Eig. Meld). Finan­cial News glaubt, daß die jetzt geführten deutsch- französischen Verhandlungen mit einem Kompro­miß endigen. Wahrscheinlich wird die deutsche Regierung schließlich der Ernennung eines Aus­schusses entsprechend dem Doungplän zustimmen, der die deutsche Zahlungsfähigkeit prüft, ohne sich aber zur Bezahlung der ungeschütz­ten Annuitäten zu verpflichten. Sollten aber diese Verhandlungen fehlschlagen, dann dürfte der nächste Schritt von Washington ausgehen.

Die verwalkungsralssitzung der 333*

Der Verwaltungsrat der BIZ hat in seiner 16. Sitzung in Basel einen Unterausschuß eingesetzt, der mit der Leitung der Bank die bei den Einlage- und Bankgeschäften der BIZ zu be­folgenden Richtlinien besprechen soll. In dem Un­terausschuß sind vertreten Deutschland, England, Frankreich, Italien und Belgien. Der Ausschuß hat den Auftrag, zusammen mit der Leitung der B. I. Z. die Frage der G o l d d e v i s e n zu

klären und Richtlinien für die zukünftige Haltung der B. I. Z. festzulegen, hauptsächlich auch im Hinblick auf die Rückwirkungen, die sich aus der Abkehr verschieden er Länder vom Goldstandard ergeben haben. Die Frage der Annäherung der verschiedenen Devisenbewirtschaf­tungssysteme wird von der B. I. Z. selbst nicht weiter verfolgt werden, da, wie man hört, die Prager Verhandlungen ergeben haben, daß dieses Problem eine Angelegenheit der Regierun­gen ist. Es wird daher Zurückverweisung an den Völkerbund erfolgen.

Amerikas neue Mahnung.

Japan und China sollen die Feindseligkeiten ein­stellen.

wtb. Washington, 11. Nov. (Eig. Meld.). Die amerikanische Regierung hat diplomatische Vorstellungen an China und Japan vorberei­tet, um China und Japan aufzufordern, die Feind­seligkeiten einzustellen und ihre Truppen zurückzu­ziehen.

Die japanische Antwort auf die amerikanische Denkschrift.

wtb. Tokio, 10. Nov. (Eig. Meld.). Die ja­panische Antwort auf die amerikanische Denkschrift ist gestern abend abgesandt worden. Wie verlau­tet, soll der Minister des Auswärtigen in Anbe­tracht der besonderen Umstände beschlossen haben, die Veröffentlichung der Korrespondenz zwischen den beiden Regierungen nicht zu verlangen. Ja­pan würde jedoch diese Veröffentlichung nicht ab­lehnen, wenn Stimson sie wünschen sollte.

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wtb. Chardin, 10. Nov. (Eig. Meld.). Die ja­panischen Truppen haben sich bis 10 Kilometer süd­lich der Nonni-Brücke zurückgezogen. Es verlautet jedoch, daß sie einen neuen Vormarsch auf Tsitsikar beabsichtigen.

Die englische Politik.

Lordmayors-Bankett in der Guildhall.

Das Jahresbankett anläßlich der Amtseinset­zung des neuen Lordmayors von Lon­don in der Guildhall gewann in diesem Jahre besondere Bedeutung durch die Tatsache, daß bie neugewählten Minister der englischen Krone zum erstenmal vor die Oeffentlichkeü traten.

Der neue Staatssekretär des Aeußeren Sir John Simon begrüßte die auswärtigen Botschafter und Gesandten. Er hob in seiner Rede u. a. her­vor, daß die stille und treue Arbeit, die von den Botschaftern im Gesamten in den letzten Jahren geleistet worden sei, für die internationale Freund­schaft und den Weltfrieden mehr bedeute als je zu­vor. Die Anwesenheit des diplomatischen Korps, so fuhr Sir John Simon fort, sei ein Beweis für den Grundsatz der britischen Außenpölttik, daß England auf der Grundlage gleicher und sicherer Freundschaft mit allen Nationen der Welt zu stehen suche.

Premierminister Mac Donald erklärte in seiner Rede auf dem Guildhall-Bankett u. a.; Wir

haben ein nationales Mandat erhalten. Wir sind eine nationale Regierung. Das Kabi­nett und die Regierung bestehen aus Mitgliedern aller Parteien, die sich zusammengeschlossen ha­ben, um der Nation bei der Ueberwindung beson­derer Schwierigkeiten in ihrem wirtschaftlichen Le­ben zu dienen. Sich der wirtschaftlichen Lage zu­wendend erklärte Mac Donald, die Wirffchaft Eu­ropas müsse geregelt und rationalisiert werden.

„Wir haben die Absicht, sobald es die Umstände zulassen, Maßnahmen zu treffen, durch die die englische Währung unbedingt auf ei­ner solchen Basis stabilisiert wird, die sie von spekulativen Bewegungen oder Tagesgefchehnissen unabhängig macht.«

Mac Donald lenkte die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf gewisse hoffnungsvolle A n - Zeichen für ein Wiederaufleben des britischen Handels. Die Zahl der Arbeitslosen habe sich in den letzten fünf Wochen um 114 000 verringert. Diese Besserung sei zum großen Teil in großen wichtigen Industrien, wie z. B. der Baumwollin- dustrie und ähnlichen erfolgt.

Mac Donald sagte in seiner Rede weiter: Wir stehen einer unglücklichen und ungeord­neten Welt gegenüber, die nur durch Kaltblü­tigkeit und Energie befriedet und in Ord­nung gebracht werden kann. Ich glaube, daß England durch seine Wahlen zwei große Dinge zu­stande gebracht hat. Es hat in den Herzen aller Männer und Frauen den Glauben und das Ver­trauen zur repräsentativen Demo­kratie wiederhergestellt. Es hat aber noch mehr getan. Es hat nämlich den Bürgern aller Natio­nen der Welt, die Selbstregierung besitzen, ein Beispiel dafür gegeben, daß es bei einer na­tionalen Notlage keine Meinungs­verschiedenheiten gibt, sondern daß alle Klassen sich in einer gemeinschaftlichen Anstrengung zusammenschließen, um der Welt den nötigen Mut und den entschlossenen Willen zu geben, sich durch diese Schwierigkeiten hindurchzuarbeiten und der ganzen Welt zu zeigen, was nationale Einigkeit ist, und wie diese natio­nale Einigkeit zustande gebracht werden kann.

Dom Reichsrat.

VDZ. Berlin, 10. Nov. (Eig. Meld.). Der Reichsrat hält am Donnerstag wieder eine Voll- itzung ab, auf deren Tagesordnung in der Haupt- ache der Entwurf einer Reichsdienststrafordnung letzt. Ferner sollen die Verordnung über den Zusammenschluß der Zuckerindustrie und ein Ue- bereintommen mit Oesterreich über die gegenseitige Zulassung der an der Grenze wohnhaften Medizi- nalperfonen zur Ausübung der Praxis zur Erle­digung kommen. Der Gesetzentwurf über Gewäh­rung von Zugaben zu Waren oder Leistungen ist inzwischen dem Reichsrat zugegangen und bereits den zuständigen Ausschüssen überwiesen worden. Ferner liege dem Reichsrat vor eine Verordnung über die Einführung einer neuen Militäreisen­bahn-Verordnung, eine Verordnung über die ge­

sundheitliche Behandlung der Seeschiffe in den deutschen Häfen, ein Abkommen über Erleichterun­gen im Eisenbahnverkehr pvischen Ostpreußen und dritten Staaten im Durchgang durch Polen, Danzig ufro. und endlich eine Vorlage über die Festsetzung des Stichtages für die Verteilung der Reichshilfe zur Erleichterung der Wohlfahrtslasten der Ge­meinden und Gemeindeverbände.

Dl hirksieser 10 Jahre preußischer Vohisahrksminisler.

Dr. h. c. Heinrich Hirtpeser, der preußische Woh-lsahrtsminister, bekleidet sein Amt seit 10 Jahren, feit dem 10. November 1921. Hirtsiefer steht im 56.' Lebensjahr. Aus dem Schlosserhandwerk hervorgegangen, wandte er sich schon früh der Christlichen Gewerkschaftsbewegung zu, in der er es zu einer führenden Stellung brachte. Der Umstand, daß Hirtsiefer in seiner Tätigkeit als Arbeiterführer den Beweis erbrachte, daß er politisch etwas zu leisten wußte, gab ihm sein Amt. In einem solchen Fall von einem Par­teibuchbeamten zu reden, ist eine gedankenlose Oberflächlichkeit. Nur Leute, die aus persönlichen Gründen das vorgeschriebene Fachexamen als un­erläßliche Voraussetzung für eine führende Stelle im Staat betrachten, werden einer Lausbahn des Arbeiterführers zum Minister mit Unverständnis gegenüberstehen, die bei anderen Völkern, z. D. den Engländern, keinerlei Staunen erregt, sondern ganz natürlich ist. In Deutschland gibt es aber in weitem Umfang noch der Begriff der „Kaste". Dieser „Kasten-Geist" hält daran' fest, daß alle Männer für leitende Posten aus bestimmten Kasten kommen müssen, wenn sie für voll genommen wer­den wollen. Gerade Minister Hirtsiefer hat, so­weit das möglich ist, durch feine Tü chtig- £ eit dem alten Kastengeist einen kräftigen Stoß versetzt und doch manches Vorurteil in obiger Rich­tung umgestoßen. Das fei ihm gedankt.

Die

des englischen Parlaments.

Die Thron-Rede.

wtb. London, 10. Nov. (Eig. Meld.) Der König begab fich heute vormittag in Begleitung der Köni­gin in der goldenen Staatskutsche von dem Bukinghampalast nach Westminster, um das Parla­ment zu eröffnen. Der seltene Anblick ber präch­tigen Kutsche, eskortiert von berittener Leibgarde mit ihren rot-weißen Uniformen, mit blitzenden Prunkschilbern, hatte trotz des regnerischen Wet­ters eine große Menge von Schaulustigen herbei­gelockt, die Spalier standen.

Dies ist das erste Parlament einer Koali­tionsregierung, das fett dem Kriege durch den König eröffnet wird. Bei der Eröffnung des Parlamentes nach den letzten Neuwahlen war der König infolge feiner Krankheit nicht zugegen und die D>ronrede wurde damals von dem Lordkanz­ler verlesen.

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wtb. London, 10. 9loti. (Eig. Meld.) In seiner Thronred e anläßlich der heute mittag statt­findenden feierlichen Eröffnung des Parlaments erklätte der König: Meine Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind nach wie vor freund­schaftlich. Meine Regierung beabsichtigt, fich weiterhin ber Förderung des Friedens und der Verständigung zu widmen und tätigen Anteil an den Arbeiten des Völkerbundes zu neh­men. Insbesondere schentt meine Regierung den Vorbereitungen für die bevorstehende Abrü - tungskonferenz große Aufmerksamkeit und ich bin überzeugt, daß ein glückliches Ergebnis dieser Konferenz großen Nutzen für die ganze Welt stiften würde. Die Finanz- und Wirtschafts­lage der Welt bildet eine schwere Sorge meiner Regierung, die ihr Möglichstes tun wird, um mit den anderen Regierungen im Geiste gegenfeitiger Hilfsbereitschaft die Mittel zur Wiederherstellung des ftüheren Umfanges des internationalen Han­dels zu finden.

Die indische Konferenz am Runden Tisch setzt ihre Arbeiten fort unb bie Koutzrenz mit ben Vertretern von Birma wird demnächst zusammentteten. Es ist mein sehnlichster Wunsch, daß die Beratungen dieser zwei Konferenzen von Erfolg gekrönt werden. Entsprechend dem den Vertretern meiner Dominions im Jahre 1930 ge­gebenen Versprechen werden dem Parlament Maß­nahmen zur gesetzlichen Verankerung gewisser Er­klärungen und Entschließungen ber Reichskonfe­renzen von 1926 unb 1930 vorgeschlagen werben. Diese Maßnahmen sollen die Befugnisse des Parla­ments ber Dominions klären unb ben Geist der reien Zusammenarbeit unter ben Mitgliebern bes britischen Gemeinwesens der Nationen fördern.

Meine Regierung hat von der kanadischen Regie­rung ben Vorschlag entgegengenommen, daß bie im Jahre 1930 vertagte W i r t s ch a s t s k o n f e - renz sobald wie möglich nach Ottawa einberufen werben soll. Diese Einladung ist von meinen Mini­stern begrüßt worden und wird mit dem größten Wohlwollen unb bem bringenden Wunsche zur Herbeiführung einer gegenseitig vorteilhaften Ver­ständigung mit den Regierungen ber Dominions geprüft werben.

Zu den innerpolitischen Fragen überge­hend erklärte der König: Die Nation hat bei den allgemeinen Wahlen die Maßnahmen unterstützt, die getroffen wurden, um Ersparnisse zu er­zielen und das Budget gleichmäßig wieder- herzu stellen. Sie waren die ersten wesentli­chen Maßnahmen bei der Lösung ber wirtschaftli­chen und finanziellen Probleme, die sich vor dem Lande erhoben. Die Nation ist auch von den Mi­nistern aufgefordert worben, ihnen Vollmacht zur Fortsetzung einer Politik zu erteilen, deren Ziel es ist, das Vertrauen auf unsere finanzielle Stabili­tät aufs neue und vollkommen herzustellen und Pläne zur Sicherung einer günstigen Handelsbi­lanz auszuarbeiten. Meine Minister haben jetzt ein klares positives Mandat in dieser Hinsicht erhalten. Die in Betracht kommenden Probleme werden bereits von der Regierung ein­gehend geprüft und es werden in kürzester Frist Beschlüsse gefaßt und durchgeführt werden.

Abrüstung stall Lohnsenkung.

Der Allgemeine französische Ar» beiter-Verband (EGT.) hat einen Ausruf gegen die Lohnsenkungspolitik der Arbeitgeber­schaft erlassen. Darin heißt es u. a., wer behaup­tet, daß hohe Löhne und soziale Lasten auf Indu­strie unb Handel zu stark drücken, dem sei ent­gegnet, daß die Militärbudgets der ge. samten Welt, also unproduktive Aus­gaben, die eine Quelle von Beunruhigungen und Gefahren sind, sich auf mehr als 100 Mil. liarden Francs belaufen. Eine Lösung der Krise sei unmöglich ohne internationale Zusam­menarbeit, bie Organisation der Produktion, die Hebung des Verbrauchs, die Verringerung der Arbeitszeit, bie Abrüstung im gegenseitigen Ver­trauen ber Volker in ber Sicherheit und im Frie­den. An einer anderen Stelle heißt es, die Welt sterbe an einer übertriebenen Immobilisierung der Reichtümer Nur eine Politik internationaler Zu­sammenarbeit und sozialer ' Gerechtigkeit könne der Produktion neuen Antrieb geben. _ _____