Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
Nr. 260
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Dienstag, 10. November 1931.
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Zahrg. 58.
Hatz und Liebe.
Van Dr. Kramer.
Dieser Tage wurde ein Tagebuch veröffentlicht, in dem aus intimster Kenntnis der Vorgänge politische Kämpfe geschildert werden, die sich abspielten, als der schwerkranke Friedrich III. im Jahre 1888 99 Tage lang deutscher Kaiser war. Diese Kämpfe hinter den Kulissen, in denen sich in der Hauptsache die Gemahlin des Kaisers und der Reichskanzler Otto van Bismarck gegenüberslan- den, zeigen den Charakter einer so tiefgehenden F e i nd s e l i g k e it, daß man sichschauüernd von diesen Bildern unversöhnlichen deutschen Zwiespalts abwendet. Leider kann man sich nicht mit Genugtuung einer freudigen Gegenwart zuwenden. Im Gegenteil' Was wir heute im deutschen Volk an tiefgehendem Haß, an Verständnislosigkeit, an Vernichtungswille des Einen gegen den Andern beobachten, muß das Herz mit Entsetzen erftillen. Jedes Eisenbahn-Abteil und jede Dorfwirtschaft erklirrt heute von politischen Streitgesprächen, die ihre Armut an Beweismitteln des Geistes durch Fanatismus und Engherzigkeit der Streitenden ausglsichen wollen. Kämpfe, wie sie unsere heutige akademische Jugend austrägt hüt dem Ziel, Andersdenkende herabzuwürdigen oder einen wegen seiner Ueberzeugungen mißliebigen Professor durch Radau-Szenen im Hörsaal in keinem Lehramt zu behindern, parteipolitische Demagogie, die in Versammlungen in Stadt und Land sich breit macht, das Fehlen jeden Respekts vor der Ueberzeugung des Andern, bornierte Gehässigkeit, die aus konfessionellen Gegensätzen herausfließt, lächerlicher Hader, der aus nichts anderem entspringt als aus der Vereinsmeierei, nicht nur im Bezirk des Kegel-Clubs oder der Skat-Runde, sondern auch da, wo geistige Elite der Nation sein sollte, alle diese Beobachtungen ergeben ein Bild des Zwiespaltes, das die Seele mit banger Sorge um das Schicksal unseres Volkes erfüllen muß. Möge ein gnädiger Gott im letzten Augenblick die aus dieser Atmosphäre des Hasses drohende Gefahr abwenden. Nur ganz Kurzsichtige können die Zeichen der Zeit veickennen, die solche Gefahr in bedrohlichster Nähe zeigen.
Im Gefolge des Hasses hat sich n o ch n i e das Glück gezeigt. Wer die Liebe und den Verständigungswillen ausschaltet in der Familie, im Berufskreis, in der Gemeinde, im Staat und in der Menschheit, der kann, auf die Dauer gesehen, nur Unglück ernten. Liebe und Verständigungswillen schließen nicht aus, daß auch einmal ein scharfes Wort gesprochen wird und Mißstände deutlich beim Namen genannt werden. Auch diejenigen, die sich zu dem Prinzip der Liebe und Verständigung bekennen, müssen heute dringend wünschen, daß Leute, die gegen das Gemeinwohl gesündigt haben, mit allem Nachdruck zur Rechenschaft gezogen werden. Denn wenn die Wogen des Hasses in Deutschland heute so hoch gehen, ist mit daran schuld, daß die Apostel des Hasses auf skandalöse Vorfälle Hinweisen können, wie sie mit den Worten: Sklarek, Fa- vag, Nordwolle, Schultheiß nur kurz angedeutet sein sollen. Gegen solche Erscheinungen und gegen rücksichtslose Bereicherungssucht, die sich über das Gemeinwohl hinwegsetzt, sollte e i n e F r o n t der anständigen Menschen aus allen Parteien sich bilden. Haben sich doch auch die u n- anständigen Nutznießer solcher Skandale aus allen Parteien zusammengesetzt und ist beim Sklarek-Skandal z. B. der Deutschnationale ebenso zu finden wie der Marxist. Wie der Reichsausschuß der Deutschen Zentrumspartei durch einen Beifallssturm dem Reichskanzler Dr. Brüning dankte, als dieser sich in schärfster Weise gegen Schuldige der oben genannten Art wandte und ihre Unschädlichmachung forderte, so muß und wird auch das ganze deutsche Volk eine derartige Aktion begrüßen. Es ist heute in allen Parteien erkannt und anerkannt, daß das Kardinalproblem unserer Zeit, die Wiederherstellung der Moral des Einzelnen und damit die Wiederherstellung der öffentlichen Moral ist. Wenn in einem Volk diejenigen, die den maßgebenden Einfluß in Politik, Wirtschaft und Kultur besitzen, sich keinem höheren Wesen, als sie selbst es zu sein glauben, also keinem Gott verantwortlich fühlen, dann muß ja dieses Gemeinwesen an Unmoral zugrunde gehen.
Viel früher schon und nachdrücklich" hätte diese Wahrheit an die Spitze aller politischen Erörterungen in Deutschland gestellt werden müssen. Die U n e i g e n n ü tz i g k e i t, die beste Wehr gegen den Haß, hätte wesentlich kräftiger verteidigt werden müssen gegenüber den Versuchen der Interessenten, auf ihre Kosten zu kommen. Man war oft zu zaghaft in der Brandmarkung mancher Mißstände. Man fand sich aus Menschenfurcht und aus Bequemlichkeit, hier und da auch um eigener Vorteile willen, mit öffentlichen Zuständen und Entwicklungen ab, die verheerende Auswirkungen gezeitigt haben. Man erstrebte oberflächliche Heilung, statt, wie der Kanzler Brüning es für richtig erklärte, rechtzeitig das Messer des Chirurgen anzusetzen. Man hat in dieser Weise gesündigt in der großen Politik, aber auch in den engeren Bezirken des öffentlichen Lebens. Es dürfen sich auch heute noch zu viele Leute auf der öffentlichen Bühne herumtreiben, die zwar sehr wirkungsvoll bei anderen an den opferbereiten Idealismus appellieren, aber für ihre eigene hoch- geschätzte Person und ihre, private Praxis engstirnige und niedrige Egoisten und Materialisten sind. Damit die Hauptquelle des Hasses in unserem Volke verstopft, dem Anwachsen des Rechtsund Linksradikalismus das Wasser abgegraben und für die Liebe wieder Raum geschaffen werden kann, müssen diese Egoisten verschwinden. Stellenjäger muß man durchschauen und an den Pranger stellen. Wer ungerechtfertigte Vergebung von Aemtern im jetzigen „System" beklagt — es sind einige solcher Mißgriffe nachweisbar —, der darf nicht darü-
Die Reparattons-Frage.
Der französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet, ist am Sonntagnachmittag in Paris eingetrofsen. Er wird sich mit Laval in Verbindung setzen. Französischerseits versichert man, daß der Botschafter dem Ministerpräsidenten die neueste deutsche Auffassung über die Tributfrage unterbreiten werde. Die Vorschläge, die der Reich skanzler dem Botschafter am Samstag unterbreitet habe, seien diesem so wichtig erschienen, daß er es für notwendig erachtet habe, sofort persönlich nach Paris zu reisen. Die Vorschläge bezögen sich auf alle Fragen, die in den letzten Tagen Gegenstand von Besprechungen zwischen Hoesch und Laval gewesen seien. Die deutsch-französischen Besprechungen träten nunmehr in ein entscheidendes Stadium.
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Der belgische Finanzminister Francqui wurde von dem französischen Ministerpräsidenten Laval im Beisein des Finanzministers Flandin empfangen, um sein Stillhalteprojekt für die deutschen Kredite vorzutragen. Francqui schlägt die Gründung einer internationalen Bank vor, die die deutschen kurzfristigen Kredite in langfristige Anleihen umwandeln soll.
* Redakteur wegen Beleidigung und Bedrohung des preußischen Innenministers zu Gefängnis verurteilt. Das S a g a n e r Schöffengericht verurteilte den Redakteur Max Fischer vom Freystädter Tageblatt wegen Beleidigung und Bedrohung des preußischen Innenministers zu einem Monat Gefängnis. In den Schlußworten des betreffenden Artikels, „ja, es müssen Köpfe rollen", erblickte die Anklage auch Aufforderung zum Bürgerkrieg. Der Innenminister selbst hatte Antrag wegen Beleidigung gestellt. Das Schöffengericht erkannte nach längerer Verhandlung auf das oben erwähnte Urteil, und zwar wegen Bedrohung und Beleidigung des preußischen Innenministers und wegen groben Unfugs. Da der Verurteilte noch unbestraft ist, wurde ihm Strafaussetzung bei dreijähriger Bewährungsfrist zugebilligt unter der Bedingung, daß er binnen eines Monats nach erfolgter Rechtskraft des Urteils 130 Mark an die Gerichtskasse in Glogau abführt.
Die Wahlen in Jugoflävien.
C. N. B. Belgrad, 9. Nov. (Eig. Meld. Die Ergebnisse der gestern in Jugoflävien durchgeführten Wahlen zum Abgeordnetenhaus liegen heute früh nahezu vollständig vor. Da sich die in einem oppositionellen Block vereinigten ehemaligen Parteiführer an den Wahlen nicht beteiligt hatten, stand es von vornherein außer Zweifel, daß die Regierungsliste alle Mandate bekommen werde. Die Frage war, angesichts der von der Opposition ausgegebenen Wahlenrhaliungsparole nur, wie groß die Wahlbeteiligung sein würde. Diese soll nach amtlichen Angaben im ganzen Staate immerhin 70 Prozent betragen haben, doch fehlen nähere Angaben über die Wahlbeteiligung, besonders in den kroatischen Gebieten. Die Wahl der aktiven Minister war, da sie in ihren Wahlbezirken keinen Gegenkandidaten hatten, von vornherein gesichert. Größtes Erstaunen muß die Tatsache Hervorrufen, daß die deutsche Minderheit, der von der Regierung ohnehin nur 6 Bezirkskandidaturen zugestanden waren, nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen nur ein einziges Abgeordneten-Mandat erhält. Geber im Unklaren sein, daß auch die $aHer des h eutigen Systems zu gleichemMiß- brauch fähig und sogar entschlossen sind. Der sozialdemokratische Parteibuchbeamte rst nta)t schlimmer als es der nationalsozial istiiche Parteibuchbeamte sein wird. Und uns im Zentrum sollte niemand einen Beamten und sonstigen Beauftragten an die Rockschöße hängen können, bei dem nicht bei objektiver Prüfung erweisbar wäre, daß er seinen Auftrag lediglich seiner Eignung verdankt.
Keine Partei-Barriere, kein Vorurteil sollte das Betätigungsfeld der Liebe einengen. Es darf kein Schlagwort geben, daß die Bemühungen, Menschen zum guten Willen und zur edlen Volksgemeinschaft hinzukühren, aufhält. Bon größter Bedeutung ist in unserem deutschen Vaterlande heute, da der oraanisierte Haß auf dem Sprunge steht, die Parole" zur Selbstzerfleischung auszugeben, eine mächtige Bewegung, die zur Hochhaltuna der Liebe und der B e r st ä n d i - g u n g aufruft. Ohne mutlos zu werden, weil ringsum der Haß tobt. Ohne zu verzagen angesichts der Verständnislosigkeit bei vielen Mitbürgern. Ohne im Gefühl der Ohnmacht müde die Hände in den Schoß zu legen und zu denken: Komme, was kommen mag. Wir haben dieie Bewegung für die Hochhaltung des Gedankens der Liebe und der Verständigung unter den Menschen, vor allem unter den deutschen Menschen. Das
wählt ist nur der Führer der deutschen Minderheit, Dr. Kraft, während die in überwiegend deutschen Bezirken ausgestellten übrigen deutschen Kandidaten, ihren serbischen Gegenkandidaten unterlegen erscheinen. Ganz unerklärlich ist dabei, daß die serbischen Gegenkandidaten der Deutschen, in Bezirken mit großer deutscher Bevölkerungsmehrheit, das Doppelte und Dreifache an Stimmen erhalten haben sollen, wie die deutschen Kandidaten. So wird die deutsche Minderheit Jugoflävien im neuen Parlament nur durch einen Abgeordneten vertreten sein, während früher, als sie noch als selbständige Partei auftreten konnte, 8 Abgeordnete durchbrachte. Der Wahltag scheint im übrigen ruhig verlausen zu sein.
* Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Ioses Schlaffer-Skntkgart wurde vom Stuttgarter Schnellgericht zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er auf einer am Samstag abend abgehaltenen Revolutionsfeier der kommunistischen Partei entgegen seiner Zusicherung an die Polizei eine politische Ansprache gehalten hatte. *1^—
Am die Preissenkung.
CNB. Berlin, 9. Nov. (Eig. Meld.). Wie wir erfahren, werden die heute vormittag begonnenen Kabinettsberatungen über d i e Leitsätze für die beiden Ausschüsse des W i r t s ch af t s b e ir a t es tm Laufe des Nachmittags fortgesetzt werden. Wenn in einem Berliner Montagsblatt von einer geplanten 2 0 - prozentigen Preissenkung die Rede ist, so kann dazu nur darauf hingewiesen werden, daß die Regierung feit langem sich mit der Frage der Preissenkung beschäftigt hat, wie dies ja auch in den Reden des Reichskanzlers und des Reichsarbeitsministers auf der Tagung des Reichsausschusses der Zentrumspartei zum Ausdruck kommt. Von einer zahlenmäßigen Festlegung dieser Preissenkung kann aber im Augenblick noch nicht gesprochen werden. Es handelt sich zunächst lediglich um Vorschläge und es wird Ausgabe des Wirtfchaftsbeirates sein, die Maßnahmen dazu im einzelnen zu prüfen.
Das Haager Gericht tagt.
wtb. Haag, 9. Nov. (Eig. Meld.). Die öffentlichen Verhandlungen des ständigen internationalen Gerichtshofes wurde heute vormittag 11.30 Uhr deutscher Zeit im Großen Sitzungssaal des Friedenspalastes vom Präsidenten, dem Japaner Adat- fchi, eröffnet. Auf der Tagesordnung steht der Danzig-polnische Kriegsschiff st reit. An den Tischen der Parteien haben für Danzig del- sen englischer Vertreter Sir John Filcher-Wili- ams (Oxford) und der ihm als Berater zur Seite stehende Abgesandte des Danziger Senates, Oberregierungsrat Dr. Faerber, für Polen dessen Hauptvertreter Wlodzimierz Moderaw, ferner der als polnischer Anwalt austretende Genfer Universitätsprofessor de Visscher und der vortragende Rat beim Warschauer Außenministerium Marlewski Platz genommen. Zunächst erhielt Sir John Fischer-Williams das Wort zur Darlegung des Standpunktes der Freien Stadt Danzig. Er gab einen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte des Streitfalles.
Der Hatz feiert Orgien.
Mehrere Hundert Kommunisten überfallen ein S. A. - heim. — Ein Rationalsozialist schwer verletzt. — Zwei Geschäfte geplündert.
In Schönebeck bei Magdeburg a. d. Elbe, in dem es fast täglich zu Zusammenstößen zwischen politischen Gegnern kommt, überfielen mehrere Hundert Kommunisten, die in der Hauptsache aus Magdeburg gekommen waren, das S. A. - Heim. Die Nationalsozialisten, die nur etwa 30 Mann stark waren, mußten der Uebermadjt weichen und flüchteten. Die Kommunisten gaben auf sie mehrere Schüsse ab, durch die ein Nationalsozialist schwer, ein anderer leichter verletzt wurde. Darauf ftütmten die Kommunisten zwei war die wesentliche Erkenntnis derer, die an der inhaltsreichen Kundgebung und Beratung der deutschen Zentrumspattei in der letzten Woche in Berlin teilnehmen durften, wo über 500 Obleute der Zentrumsanhängerschaft sich vereinigt hatten, die aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes, aus dem fernsten Osten und dem fernsten Westen, von der Wasferkaitte im Norden und aus dem Bannkreis des Freiburger Münsters im Süden gekommen waren, darunter Arbeiter der Hand und des Kopfes, Unternehmer und Angestellte, Bauern und Beamte. Priester und Laien. In geradezu überwältigender Weise ließ der Ablauf dieser Tagung im Plenarsitzungssaal des Reichstages erkennen, daß alle Spannungen soziologischer Art, die auch in diesem Kreis vorhanden sind, durch den Gedanken chri st kicher Liebe überwunden waren, damit das Bolk ein Beispiel habe, eine wie große Macht die Liebe i st.
Da geht es wahrhaftig nicht um eine Partei. Da steht das Vaterland und steht Deutschland auf dem Spiel. Verblendete glauben der Nation zu dienen, wenn sie Haß-Orgien entfesseln. Sie schauen wohl gar verächtlich auf das „mindere" Nationalgefühl der anderen herab. Aber sie werden erkennen müssen, daß eine Nation, in der Liebe und Verständigungswillen mißachtet sind, sich selbst preisgibt. Rettung verspricht nur, wenn alle geistig Gesunden und vom em-
Geschäfte, deren Besitzer Angehörige der N.S.D.A.P. sind, zertrümmerten die Scheiben und raubten den Inhalt der Auslagen. Die Polizei, die mit Gummiknüppeln vorging, stellte bald wieder die Ruhe her und nahm zahlreiche Verhaftungen vor.
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wtb. Magdeburg, 9. Nov. (Eig. Meldg ). Das Polizeipräsidium teilt mit: Am frühen Morgen des 8. November wurden Wehrwolfangehörige, die von außerhalb auf einer Tagung in Magdeburg weilten, von einem großen Trupp Kommunisten überfallen und zu Boden geschlagen. Als zwei Polizeibeamte die Ueberfallenen in Schutz nahmen, wurden sie von den Kommunisten angegriffen und mit Stenen beworfen. Es wurde versucht, die Mitglieder des Wehrwolf dem Schutze der Beam- ten mit Gewalt zu entreißen Ein Polizeibeamter gab zwei Schreckschüsse ab. Die Kommunisten schossen daraufhin auf die Polizeibeamten. Es fielen 6 bis 7 Schüsse. Die Polizeibeamten waren gezwungen, das Feuer zu erwidern. Ein Betei- Itgter erhielt einen Schuß in den Oberschenkel. Ob weitere Personen verletzt worden sind, war nicht festzustellen. 6 Beteiligte sind festgenommen worden. Bei einem wurde ein geschliffener Dolch gefunden. Strafverfahren sind eingeleitet.
Aus Halle wird gemeldet:
Nachdem in der Versammlung der nationalsozialistischen Studentengruppe am Freitag abend bereits ein Vertreter der Leipziger Studentenschaft versichert hatte, daß diese in einer Front mit den Halleschen Kommilitonen stehe, ging am Samstag folgendes Telegramm der Jenenser Studentenschaft bei der Deutschen Studentenschaft Halle ein: „Kameraden! Im Kampf gegen Dehn, Grimme und Euren Rektor, der Euch dem Gummiknüppel der Polizei auslieferte, stehen wir treu zu Euch. Euer Kampf ist unser Kampf. Bleibt ehrbewußt und hart."
Gleichzeitig ging aus Greifswald folgendes Telegramm ein: „Die Freie Studentenschaft Greifswald begrüßt das Vorgehen der Kommilitonen in Halle. Nicht wanken und nicht weichen!*
Man wird sehen, wo die nationalsozialistischen Studenten noch landen.
* Eine drakonische Strafe. Der Schnellrichter verurteilte den Tapezierer Appel, der einen kommunistischen Deinonstrationszug von der Münchener Vorstadt nach der Innenstadt zu führen versuchte und eine Ansprache an die Demonstranten richtete, wegen Vergehens gegen die Ausschrci- tungsverordnung vom März 1931 zu sechs Monaten Gefängnis.
* Bestechungsaffäre eines spanischen Abgeordneten. Die Nationalversammlung deckte in einer die ganze Nacht andauernden Sitzung die Bestechungsaffäre eines Abgeordneten auf, der die Freigabe der Strafverfolgung gegen den Tabakkönig und Abgeordneten Marcha durch den Jm- munitätsausschuß verhindern wollte. Der Abgeordnete wurde aus dem Parlament ausgewiesen.
* Mißglückter Anschlag auf den ehemaligen Kaiser von China. Aus den ehemaligen Kaiser von China wurde Samstagabend, wie aus Tientsin gemeldet wird, ein Bombenattentat verübt, Ein Chinese sprach in dem vom Kaiser bewohnten Hotel vor und überreichte einem Diener einen Korb mit Früchten als Gabe für den Kaiser. Als dieser später den Korb öffnete, fand er darin eine Bombe versteckt, die indessen nicht explodierte. Beim Eintreffen der Polizei war der Täter bereits verschwunden.
Der Polizeipräsident von Dortmund, L ü b b« ring, ist am Sonntagmorgen im 55. Lebensjahr g^estorbe n.
In Rom eröffnete Mussolini am Sonntag den 6. Kongreß der italienischen Handelskammern im Auslande im Beisein der höchsten Würdenträger des Staates und der faschistischen Partei. Am Montag wird ferner der Nationalrat der italienischen Korporationen seine Tagung beginnen. Er wird sich ebenso wie der Kongreß der Handelskammern mit der italienischen Ein- und Ausfuhr und der etwaigen Abänderung der italienischen Handelspolitik befassen.
sten Willen beseelten Kreise des deutschen Volkes sich dem Beispiel anschließen, welches das Zen- ttum in der Ueberwindung dieser Gegensätze gibt. Aus solchem Zusammenhalten entspringt — das haben wir wieder einmal bei dieser Sitzung unter Prälat Kaas' mitreißender Leitung gefühlt —, das Gefühl der Kraft und des frohen Glaubens an eine Rettung. Da kann kein unfruchtbarer Pessimi smus aufkommen, der sich am liebsten selbst sein Grab schaufeln möchte, nur um Recht mit seiner Prophezeiung zu haben, daß alles verloren sei. Wo die Liebe und die Verständigung proklamiert wird, da entspringt Leben und Freude und Hoffnung, da reichen sich Männer, die noch gestern ihre Gegensätze für unüberwindlich hielten, als F r e u n d e die Hand, um gemeinsam an das schwere Werk zu gehen. Da vergißt der Einzelne sein armseliges Ich und wird ein wertvolles Glied in einem großen Ganzen. Da steigt der Gedanke des Vaterlandes, unbeschwert von hurra-patriotischer Phrase und ttiumphierend über den krämerhasten Kleingeist des Philisters auf als eine gottgewollte Gemeinschaft, die Jahrhunderte in bewegter Geschichte überdauert hat und lebensfrisch an der Schwelle neuer Jahrhunderte steht. Haß ist ein System, das n i e- derzieht und tötet. Liebe und Versöhnung sind die Prinzipien derer, die ihre deutsche Heimat aufwärts führen wollen.