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Anzeiger für die Stadl Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Rr. 259

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Sonntag, S. November 1931.

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Mrg. 58.

Der alte Stepper.

Auf der großen Berliner Tagung der Zentrums­partei wurde auch von mehreren Rednern daraus hingewiesen, wie der konfessionelle Gegen­satz in Deutschland von manchen Rechtskreisen zur Bekämpfung der heutigen Reichsregierung benutzt werde. Dr. Wirth gab z. B. diese Kampfform ver­dienter Lächerlichkeit preis. Er verglich die kon­fessionelle Hetze in der Politik mit dem alten a b - gerittenen Klepper, der schon seit Beste­hen des Reiches von einer gewissen Gruppe von deutschen Staatsbürgern immer wieder aus dem Stall gezogen werde, um gegen das Zentrum an­zureiten . Wenn auch das Zentrum den konfes­sionellen Gegensatz heute politisch ausbeuten wollte, so könnte das vom parteipoliti schen Standpunkt aus ihm Vorteile bringen, lieber der Partei aber steht das Vaterland, das in schwerster Notzeit bitter notwendig den konfessionellen Frieden braucht.. So sei der uralte ausgemer­gelte Klepper, der Kulturkampfsgeist, nicht einmal mehr dazu dienlich, W ü r st e aus ihm zu machen

Wirths Ausführungen fanden starken heiteren Beifall. Daß tatsächlich der alte Klepper noch aus dem Stall gezogen wird, das sehen wir heute alle Tage. Wir haben auf die journalistischen und rednerischen Entgleisungen anläßlich der Veran­staltungen des Evangelischen Bun­des bei den Reformationsfeiern schon hingewie­sen. Auch die Hersfelder Katholiken haben bei dieser Gelegenheit wieder sehen müssen, wie man zielbewußte katholische Arbeit für die Hebung des Bades Hersfeld von fanatischen Biind- lern zubelohnen" pflegt. DerFuldaer Anzeiger" berichtet aus Schlitz, wie dort in einer kirchlichen Versammlung zwei Geistliche gleichzeitig gegen Kommunismus, Tannenberg-Bund und Rom kämpften. Den Vogel schießt man ober natürlich in Kassel ab. Mit Begeisterung berichtet die Kasseler Post" über den Kampfruf, den der Dom- und Hofprediger Darin g in einer deutsch- nationalen Versammlung erhoben hat. Sein Aus­gangspunkt ist der berühmteDolchstoß von hinten" aus dem Jahre 1918. Damals sei heimtückig das deutsche Schwert zerbrochen" wor­den. Bekcinntlich ging damals derKaisernach Holland, nachdem Deutschlands tapfere Solda­ten im blutigen und wegen der Uebermacht des Feindes hoffnungslosen Kampfe ihr letztes her- aegeben hatten. Ein Soldat aus der deutschen In­fanterie, der den Herbst des Jahres 1918 an der Westfront miterlebt hat, wird sich schwer mäßigen können, wenn er davon liest, wie ein solcher Dom- und Hofprediger heute, 13 Jahre nach diesen Ereig- ssissen, große Töne redet über das Drama des Herbstes 1918. Ebenso herausfordernd aber sind die Urteile des Herrn Dühring über die erste Zeit nach dem Krieg. Wo waren damals, als der Bol­schewismus von Rußland her drohte, dienationa­len" Zionswächter von heute? Wenn Herr Düh­ring glaubt, daß e r der Mann wäre, um den deut­schen Arbeitern die Seele zurückzugeben, so müs­sen wir ihm sagen, daß er jedenfalls nicht derMann ist, um dessen Thesen willen sich der deutsche Mensch das Denken und das Erinnern ab­gewöhnt. Ein Schwerpunkt der Döhringfchen Ausführungen aber lag in einem Angriff auf das Zentrum, das ernach feiner Wesensart auch ultramontan nennt." Dieses U l t r a m o n - tone sei brutaler Machthunger und gleichbedeutend mitGegenreformation". So nennt Dühring den Anspruch des katholischen Volksteils Deutschlands auf Gleichberechtigung. So sucht er die Abneigung der Evangelischen gegen die Katholiken zu verstärken und politischauszumer- ten." Deshalb feiert dieser deutschnationale Po­litiker, der Fraktionsgenosse des Herrn Martin Spahn, den Gei st von Wittenberg und Worms und will Luther als den Mann betrach­tet wissen, der auch heute noch als Wegweiser in der politischen Arbeit zu gelten habe

Dem Redner Dühring, der den G e i st als das entscheidende Prinzip in der Politik feierte, ist dann etwas Peinliches widerfahren. Statt des bei einer Wahlrede in Hessen erkrankten Herrn v. Ostienburg-Januschau, sprach ein Major a. D. Naget aus Berlin. Er übte schärfste Kritik an der Deutschen Volkspartei, dem Christlich-Sozialen Volksdienst, der Wirtschaftspartei und der Land­volkpartei, die in dem letzten Reichstagskampf die Stützen der Regierung Brüning gewesen seien. Wörtlich sagte er:Wir müssen diese Parteien wie junge Hunde mit der Schnauze durch den Dreck ziehen, damit sie einsehen, was sie uns da in die gute Stube gemacht haben."

O armer Geist!

Und der g e i st i g e Exponent des rechts- gerichteten Kassels, der preußische Landtagsabge­ordnete und Parteisekretär Lothar Steuer, hielt das Schlußwort, das gleichfalls Luther als politischen Wegweiser in unserer Lage empfahl. Er beleidigte den Reichskanzler Brüning, indem er erklärte, diesem werde es nicht gelingen,die na­tionalen Kräfte zu lähmen". Wahrhaftig, der Stolz Steuers aus das, was ernationale" Kraft nennt, ist unberechtigt. Es gibt Sachen imHarz­burger Lager", die noch nicht dagewesen sind. Zum Beispiel:

Der Sali Plock.

Herr Plock ist in Kassel Stadtverordneter der Nationalsozialistischen Partei, also sicher ein .nationaler" Mann, eine nationale Kraft. In der letzten Woche gab es in der Kasseler Stadt­verordnetensitzung einen heiteren Zwischenfall. Herr Plock führte merkwürdige Redensarten und die So­zialisten riefen ihm zu, er verwechsle wohl die Sit­zung mit einer spiritistischen Abendunter­haltung. Auf das Eigenschaftswort, das an S p t» rituofen erinnert, waren sie nicht zufällig ge­kommen. Heute teilt nun ausgerechnet die Kasse­ler Post mit. der Untersuchung s- und Schlicht ii ngsausschuß des GauesHes- sen-Nassau der NSDAP, habe sich mit dem betrunkenen Zustand des Herrn Plock während

der Stadtverordneten-Sitzung befaßt. Der Unter­suchungsausschuß habe gegen Plock eine schärft Strafmaßnahme anzuwenden beschlossen. Und was tut dienationale" Kraft Plock? Heber Nacht ist er zur kommuni st ischen Partei übergetre­ten, die ibn selbstverständlich sofort ausgenommen hat. Also über eine spiritistische Sit­zung von dernationalen Front" zur Front Moskaus. Und Leute, die im Harzburger La­ger den Ton angeben, reden dem Volk vor, daß nur bei ihnen wahre nationale Gesin­nung zu finden sei. Wenn das Volk diese an­maßende These glaubt, die ihm täglich von gewis­sen Kreisen eingehämmert wird, dann wird auf einen flammenden Rausch ein jämmerlicher Katzenjammer folgen.

Die «schwarze Pest-.

Im Oldenburgischen Landtag ist es dieser Tage zwischen Zentrum und Nationalsozialisten zu tät­lichen Auseinandersetzungen gekommen, wie sie bisher nun doch noch nicht in einem deutschen Par­lament erlebt wurden.

Der Ausgangspunkt mar ganz eigenartig. In durchaus sachlicher und fachlicher Form hatte ein oldenburgischer Zentrumsabgeordneter Elektrizitätsfragen behandelt und dabei die Bemerkung gemacht, ob bei den heutigen elektrizitäts - wirtschaftlichen Ver­hältnissen selbst ein europäisches Land

eine völlig selbständige Stromversorgung und -erzeugung besitzen könne. Diese Aeußerung gab einem Nationalsozialisten Anlaß zu der merkwürdigen Erklärung, solche Ausführun­gen seien hochpolitisch, weil ' nun folgen wir dem Bericht des Hugenberg'schenLokalanzeigers" (Nr. 523 vom Donnerstag, 5. November 19311:

darin letzten Endes der Wunsch liege, daß man eineschwarze Herrschaft" über Europa aufr-ch- ten wolle und wohl am liebsten sähe, wenn der letzte Druckknopf der Elektrizitätsversorgung Eu­ropas im V a t i f a n läge. Das veranlaßte wie­derum das Zentrum zu einer scharfen Erwide­rung. Die Nationalsozialisten hätten die katho­lische Kirche ganz unsachlich in den Meinungs­streit hineingezogen. Die Nationalsozialisten er­widerten, chr Ziel fei, nicht mir dierote Pest", sondern auch dieschwarze Pest" auszurot­ten."

Soweit der wörtliche Bericht des Hugenberg'- schenBerliner Lokalanzeiger". Nicht ein einziges Wort der Kritik des unerhörten und sachlich ab­solut deplacierten, ja geradezu an den Haaren her­beigezogenen Angriffs auf den Vatikan, und auch nicht ein einziges Wort der Abwehr gegen die schamlose Beschimpfung des Zentrums als der schwarzen Pest".

Und solche Leute glauben, daß sie die deutsche Nation in den Stunden der Gefahr führen könnten.

Unterredung zwischen Hoesch und Laval, vor bedeutsamen außenpolitischen Schritten.

wtb. Paris, 7. November. (Eig. Meld.) Der Petit Parisien, der sich mit einer wichtigen Un­terredung des Botschafters von Hoesch mit dem Ministerpräsidenten Laval und dem Finanzmini­ster Flandin beschäftigt, bestätigt die Vermutung der Ageuce Havas, daß es hierbei um die Frage der Einberufung des im Poung-Plan vorgesehenen Sachverständigen- Ausschusses zur Nachprüfung der Leistungs­fähigkeit Deutschlands gehandelt habe. Nach An- Öt des Blattes suche Deutschland zu erreichen, j dem beratenden Ausschuß weitgehende Befugnisse ein geräumt werden, damit bei Besprechung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands auch die im Frühjahr fällig werden­den 11% Milliarden Mark kurzfri­stige Kredite einbegriffen werden. Französischerseits wünsche man dagegen, daß die Reparationsfrage nicht mit der der privaten Schulden vermengt werde, und weise darauf hin, daß die Befugnisse des beratenden Ausschus­ses durch den Poung-Plan genau begrenzt seien. Man erörtere also gegenwärtig den Artikel 119 des Doung-Planes. Es scheine aber sehr wahr­scheinlich, daß der beratende Ausschuß demnächst nach Basel einberufen werde.

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cnb. Paris, 7. November. (Eig. Meld.) Sowohl Petit Parisien" sowie eine Privatinsormation von Havas wissen zu berichten, daß die gestrigen Unterredungen des Botschafters von Hoesch mit Ministerpräsident Laval und Finanzminister Flan­din die Enquete über bie Zah lungs- fähigkeiten Deutschla nd s und die Mo­dalitäten einer solchen Enquete zum Gegenstand hatte.

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wtb. Paris, 7. Noo. (Eig. Meld.) Zu der Rede des Reichskanzlers Dr. Brüning vor dem Partei­ausschuß des Zentrums schreibt dasPetit Journal": Wer die Schwierigkeit der Stellung des Reichskanzlers kenne, werde ihm Dank wissen.

daß er für den Jnlandsgebrauch die gleiche Hal­tung und die gleiche einfache und direkte Sprache anwende, wie er sie bei seinen Unterredungen mit Laval und Briand gezeigt habe. Dem Kanzler komme das Verdienst zu, die Frage der Repara­tionen und der Kredite in korrekter Weise aufge­rollt zu haben. Das Blatt hält es für wesentlich, daß Deutschland möglichst bald aus feiner finanziel­len Lethargie herauskomme, die ihm das Ver­trauen feiner Lieferanten wie feiner Abnehmer entzögen und die eine Gefahr nicht nur für Deutschland, sondern auch für die anderen Länder bilde. Die Reparationen dürsten nicht den privaten Krediten aufgeopfert werden, sondern das Umgekehrte müsse geschehen. Notwen­dig sei, daß Deutschland seine Zahlungen aller Art jetzt wieder aufnehme, fei es selbst in geringem Ausmaße. Dann werde Deutschland allmählich seinen Kredit w i e d e r h e r st e l le n.

Die kurzfristigen Kredite

und ihre Tilgung.

Im Mittelpunkt der Beratungen der Reichs­regierung wie des engeren Ausschusses des Wirt­schaftsbeirates steht nach wie vor das Still­halteabkommen. Der deutsche Botschafter in Paris, v. Hoesch, wird sofort nach seiner Rückkehr dem französischen Ministerpräsidenten Laval Bericht über die Auffassung der Reichs­regierung erstatten, ihm einen Ueberblick geben über die Kreditbedürsnifse Deutschlands und über die ZahlungsmöglichLeiten deutscher Privatschulden.

Wenn auch bis heute offizielle Verlautbarun­gen über die Absichten der Deutschen Regierung noch nicht vorliegen, da das Kabinett sowohl wie der Wirtschaftsbeirat zunächst die Fühlungnahme zwischen Laval und v. Hoesch abwarten muß, weil sie für das ganze Problem richtunggebend fein wird, so sind immerhin die Vorarbeiten im Reichs- finanzministerium und in der Reichsbank in vol­lem Gange. Es verlautet, daß ein Vorschlag da-

Scharfe Zuspitzung des mandschurischen Konflikts

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Karte der Mandschurei.

General Blücher,

A^r^Chaba- rowsb

der Führer der Sowjetarmeen im Fernen Osten, ist plötzlich zur chinesischen Grenze abgereift. Diese Reise wird als Beginn einer russischen Jnteressen- nahrne an dem chinesisch-japanischen Krieg gedeutet.

An dem Ronn r-Fluß tm Norden der Mandschurei ist es zu dem ernstesten Zusammen­stoß zwischen japanischen und chinesischen Truppen feit Beginn des japanischen Einmarsches gekom­men. Obwohl den japanischen Truppen eine chinesische Uebermacht gegenüberstand, blieben die Japa­ner Sieger. Aus jeden Fall ist durch diese Schlacht eine erhebliche Verschärfung des mandschurischen Konflikts eingetreten.

Ein sowjetrussischer Offizier bei den Kämpfen am Nonai-Alutz getötet?

wtb. London, 7. November. (Eig. Meld.) Reu­ter meldet aus Tokio, daß sich hinter den bei den Kämpfen am Nonnifluß getöteten 200 Chine en auch die Leiche eines s o w j e t r u s s i s ch e n Offi­ziers gefunden haben soll. Die Zahl der in die en

Gefechten umgekommenen Japaner wird mit 36, die der Verwundeten mit 140 angegeben. Das be­reits gemeldete Gerücht von den Zusammenziehun­gen und chinessschen Verstärkungen nach Anganki hat sich unterdessen zu einer japanischen Auslassung aus Charbin verdichtet, die davon spricht, daß die Truppen des Generals Matschantfchan konzentrisch gegen Anganki und Tahsing vorgehen.

hingehen soll, sieben Milliarden kurz­fristige Kredite in einem Zeitraum von zehn Jahren in Jahresraten von je 700 Millionen Mark zurückzuzahlen, womit rund zwei Dritte? der kurzfristigen Kredite geregelt wären, während Rest von ungefähr 4,5 Milliarde» als Rembours-Kredite laufen oder in einer Weise, daß sie sich aus volkswirtschaftlichen Gründen den Stillhalteverhandlungen entziehen müssen.

Für die genannten 7 Milliarden muß nun ein Abkommen getrosten werden, welches sowohl mit unserer Handelsbilanz wie auch mit der Auf­nahmefähigkeit der fremden Länder für deutsche Waren in Einklang gebracht werden konnte.

Die bisher von deutscher Seite geäußerten Vorschläge begegneten allerdings in der öffent­lichen Meinung Frankreichs starker Zurückhaltung, weshalb alles von dem Ergebnis der Besprechun­gen mit Laval abhängt. Bei diesen Besprechung gen muß versucht werden, das erforderlich^ Ver­ständnis bei der französischen Regierung für die von deutscher Seite als notwendig betrachteten Voraussetzungen für die von der Washingtoner Konferenz selbst gewünschte europäische Initiative und Selbsthilfe zu finden. Es sind Besprechungen von höchster Bedeutung, die dann Verhandlungen von gleicher Bedeutung bringen werden.

Auch in den Wirtschafts- und Finanzkreisen wird die Frage der Konsolidierung der kurzfristigen Äuslandskredite ausgiebig erörtert. Es sind der Reichsregierung eine Reihe non Vor­schlägen über die Aufstellung eines Plans einer Verzinsung und Tilgung der deutschen Auslands­schulden unterbreitet worden, wobei man beson­ders die wirtschaftliche Berechtigung eines jeden Schuldenpostens einer Nachprüfung unterzog. Es ist ferner errechnet worden, welchen Bestand an Auslandskrediten die deutsche Wirtschaft normaler Weife nötig hat. Im großen und ganzen lassen diese Vorschläge die gleiche von uns oben er­wähnte Zielsetzung der Reichsregierung erkennen. Die Konsolidierung der Schulden soll schrittweise stattfinden und die Amortisation sich auf lange Jahre erstrecken.

Man hat bei diesen Erwägungen auch den Ge. danken einer Klassifizierung der kurzfri­stigen Auslandsschulden erwogen, wie er übrigens auch von privater französischer Bankseite schon diskutiert wurde. Dieser Gedanke deckt fid) etwas mit der Forderung einer Nachprüfung der wirt­schaftlichen Berechtigung der Auslandsschulden. Eine solche Klassifizierung könnte auf verschiedenen Wegen erfolgen, so nach der Frage der Bon i t ä t. Damit würde eine Einteilung der kurzfristi­gen Auslandskredite in Blankokredite, gesickerte Kredite und völlig eingefrorene Kredite notwendiaj» Man kann auch den Charakter der Kredite fest- legen, etwa dergestalt, daß man zwischen ihrer Na­tur nach kurzfristigen Krediten, also Rembours- Krediten und Lieferanten-Krediten und den zu langfristigen Investitionen benutzten kurzfristigen Krediten unterscheidet.

Eine sehr große Rolle in den Verhandlungen des Wirtschaftsbeirats über das Stillhalteabkom­men spielte auch die Z i n s f r a g e. Es ist bekannt, daß die Zinsbelastung der unter dieses Abkom­men fallenden Kredite wirtschaftlich völlig untrag« bar ist, weil sehr häufig nicht nur für ausländische Markguthaben, sondern auch für Valuta-Kredite der Reichsbanksatz bei der Verlängerung des Still­halteabkommens im Rahmen einer langfristigen Amortisation bestehen bleiben würde, so würde da­durch die ganze Wirkung der Konsolidierung auf­gehoben, weil die Zinsen zu einer solchen Höhe auf. laufen würden, daß an eine schnellere Sfbtragung der Schulden durch Ratenzahlung gar nicht zu den­ken wäre. Man muß also bei den kommenden Be. sprechunaen gerade auf die Zinsfrage sorgfältig prüfen und versuchen, einen Standartzinsfuß für alle unter die Stillhaltung fallenden Auslands­kredite zu finden.

Bei den bisherigen Besprechungen hat sich auch ergeben, daß der in der Deutschen Golddiskont­bank bestehende Rahmen für eine langfristige Amor­tisation der Auslandsschulden keineswegs ausrei­chend ist, weshalb man sich die Frage vorlegte, ob nicht umfassendere Haftungsverbände geschaffen werden müssen, vielleicht so, wie es beim Jndustrieaufbringunqsgefetz gemacht wurde.

Sehr wichtig wird auch schließlich die Vorsorge dafür sein müssen daß im Rahmen der Konsoli­dierung die Kreditlinie tatsächlich ausrechterhalten bleibt, was zur Zeit nicht in allen Fällen gegeben ist.

Abschließend bliebe noch eine besondere Frage, die aber auch von grundlegender Bedeutung für die Konsolidierung ist, zu regeln. Nach der üoerein- stimmenden Auffassung der maßgebenden Kreise läßt sich keine Konsolidierung durchführen, wenn nicht auf irgendeine Weise Goldbons, Z e rt.i- f i k a t e u a. geschaffen werden, welche entweder versehen mit einer Garantie der Gläubigerstaa­ten auf den Kapitalmärkten des Auslandes un« teraebradrt oder direkt an die ausländischen Ein­zelgläubiger gegeben und bann von ihnen bei ihren Zentralnotenbanken durch Lombard fluffig gemacht werden können. Diese Auffassung ist üb­rigens in dem S ch m i tz'schen Plane ebenfalls enthalten. Mit dieser Regelung wäre auch eine Möglichkeit geschaffen, bestimmte Wirkungen der Deflation durch Schaffung einer erhöhten Kauf­kraft ausziigleichen und so auch zur Linderung der Weltkrise bei,^tragen.

Plünderungs-Krawalle in Hamborn. Jini Hamborner Stadtteil Obermarxloh kam es zu Ausschreitungen. Mehrere Trupps Jugendlicher drangen in Lebensmittelgeschäfte ein und raubten Brot und Fleischwaren. Als die Polizei einschritt, wurde sie mit Steinen beworfen. Die Polizeii- beamten gaben Schreckschüsse ab. Als die jugend­lichen Demonstranten versuchten, in einer Straße Verkehrshindernisse aus Mülltonnen zu errichten, wurden sie von der Polizei überrascht und mußten die Hindernisse selbst wieder forträumen.