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der Ehe, daß die Ehe- Mann und Weib sehen, der Empfang der Ehe
sich und zerwühlt sind.
Das ist ja der Sinn gatten sich nicht nur als sondern anerkennen, daß
nun einmal große Unterschiede unter den Kindern gibt. Du glaubst nicht, daß dem einen die Gut- heit angeboren ist und dem anderen die Ungezogenheit. Du lagst nicht wie bei deinen eigenen Kindern: „Sie sind nun einmal so", sondern du sagst: „Es steckt drin", und damit willst du sagen, daß sie die Eigenschaften von den Eltern haben. Du sieht hier sehr genau, wo die Eltern versagten, was sie verkehrt machten.
Aber ich will es dir noch leichter machen, den Samen zu erkennen, den du sätest. Muß dein Kind nicht unverträglich und streitsüchtig
sein, wenn es bei dir so oft Unverträglichkeit sieht? Du bist ein Feind, der Unkraut säet, wenn du die Meinungsverschiedenheiten, die ihr als Eltern untereinander habt, vor deinen Kindern austrägst. Wenn ihr euch harte Worte gebt, die nicht vor die Kinder gehören. Du bist ein säender Feind, wenn du den Streit mit dem Nachbar durch die Kinder in kleinen Gehässigkeiten weiterführen läßt. Vielleicht willst du dich damit entschuDigen, du habest diesen Streit von deinen Eltern übernommen. Wäre es dann erst recht nicht deine Pflicht, endlich diese« Unkraut mit der Wurzel auszurotten?
der Anfang zu einem neuen Leben ist, in dem der Einzelne nicht mehr allein steht. Auf dieser Grundlage beruht auch das rechte Familienleben. Auch der Vater gehört in die Familie. Er ist nicht nur der Geldverdiener und gelegentlich der Mchter. Er ist Vater, wie die Mutter Mutter ist. Es genügt nicht, daß er neben seinem Beruf nur noch die Zeitung oder eine Liebhaberei kennt, daß ihm sein Heim nur Kost- und Schlafstätte ist, in dem die Frau als Haushälterin schafft und die Kinder nur Quälgeister sind — an ihm liegt es mit, daß daraus eine Familie werde. Leider ist es doch so, daß auch in der sogenannten christlichen Familie die christliche Seele verfchiwunden ist. Der G e i st der Nützlichkeit ist dafür eingezogen, alles dreht sich um das Lsbenkönnen, um das Verdienen, um Nahrung und Kleidung — auch dort, wo diese Erwägungen nicht am Platze sind. Freilich geht
24. Sonntag nach Pfingsten.
Eingangslied: 3er. 29, 11. 12 und 14.
So spricht der Herr: Ich sinne Gedanken ' s Friedens und nicht des Leides. Ruft mich an, . d ich will euch erhören, ich will euch heimführen aus der Gefangenschaft, aus allen Ländern. (Pf. 84,2.; Du hast o Herr, dein Land begnadet, beendet Jakobs Knechtschaft.
Epistel: Sol. 3, 12—17.
Brüder! Ziehet an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte, mitleidiges Erbarmen, Güte, Demut, Bescheidenheit, Geduld. Ertraget einander und verzeihet euch, wenn einer sich über den andern zu beklagen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so sollt auch ihr tun. Vor allem aber habt die Liebe, sie ist das Band der Vollkommenheit. Der Friede'Christi frohlocke in euern Herzen; denn dazu seid ihr ja als ein Leib berufen. Zeiget euch dankbar. Die Lehre Christi wohne in euch mit ihrem Reichtum. Belehret und mahnet einander in aller Weisheit. Preiset Gott dankbaren Herzens mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Gesängen. Alles, was ihr tut in Wort oder Werk, tut alles im Namen des Herrn Jesus Christus und danket Gott dem Vater durch Jesus Christus, unfern Herrn.
Evangelium: Matth. 13, 24—30.
Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen.
Wenn heute dies Verhältnis der schlechter vielfach ein anderes ist, so ist nicht allein böser Wille und Hang nachdemSich- aus-leben daran schuld, sondern die Zerrüttung unseres öffentlichen Lebens- Man braucht wirklich nicht lange zu suchen, um
Der säende Feind.
Betrachtung zum Sonnlagsevangelium.
Unkraut und Weizen stehen nebeneinander auf dem Feld. Der gleiche Boden nährt sie. Und wenn du nicht gerade der Eigentümer des Ackers bist, bleibst du vielleicht stehen, um dich an der Pracht der Aehren und der Unkrautblüten zu erfreuen.
Auch der gleiche Menschheitsacker trägt Unkraut und Weizen, nährt nebeneinander Gute und Böse. Sogar der noch kleinere Acker, das Menschenherz, zeitigt gute und böse Saat. Du brauchst nur die Kinder deiner Familie — so du Vater oder Mutter bist — anzuschauen, so siehst du. wie neben den guten Eigenschaften die bösen wild ins Kraut schießen wollen.
Was für ein böser Feind hat das Unkraut gesät? Wenn du gar selb st der säende Feind wärest? — Da Gott dir Kinder gab, gab er dir auch den Auftrag, guten Samen tu sie zu säen. Streust du nicht Unkrautsamen aus, da du einen Unterschied machtest in der Behandlung deiner Kinder. Das Jüngste ist dir das Liebste. Ihm müssen die größeren Geschwister immer nad>= geben, weil es das Kleinste ist. Ihm kannst du nicht böse fetn und die Ungezogenheiten, die du bei deinen anderen Kindern strafst, läßt du ihm durchgehen und belachst sie wohl gar. Und der Grund für dein Verhalten? „Es ist das Kleinste." Erkennst du den Samen wieder, wenn er aufgegangen ist? Da wunderst du dich, wie es kommt, daß eines der größeren Kinder so trotzig ist. Du willst nicht glauben, daß es deineSaat ist, die hier aufgeht. Glaubst du nicht, daß dieses Kind deine Aufmerksamkeit genau so zu erreichen sucht, wie das Jüngste, dem du sie immer wieder schenkst Nun macht es sich durch Trotz bemerkbar und erreicht, daß du dich um es kümmerst.
Da es sich um deine eigenen Kinder handelt, willst du es nicht wahr haben, daß deine Erziehung an vielen Stellen versagte, daß du Strenge setztest, wo Milde Hätte walten sollen, daß du Unkrautsamen sätest. Aber dann denke einmal nach, wie du urteilst, wenn es sich nicht um deine eigenen Kinder handelt. Wenn die Nachbarskinder eigensinnig, oder boshaft, oder unverträglich sind. Da kommt dir gar nicht der Gedanke, die Eltern damit zu entschuldigen, daß es
Zeitschriften.
- Jahrbuch 1932 de, Apostolates der katholischen deutschen Auslaudsmissiou. Herausgegeben von Bischof Xaver Geyer. 48 S. mit vielen Bildern, geheftet RM. 1.—. Verlag: Gemeinschaft von den hl. Engeln, e. B., Bad Godesberg am Rhein. Die von Bischof Xaver Geyer gegründete Pflanzstätte für Seelsorge bei den kath. Auslanddeutschen, deren Mitglieder sich zu einer religiösen Gemeinschaft zusammengeschlossen und diese unter den Schutz der HI. Engel gestellt haben, bringt zum ersten Male ein in ansprechender Form gehaltenes Jahrbuch heraus, das in Wort und Bild die großen Ausgaben aufzeigt, die in der Seelsorge der kath. Auslanddeutschen zu bewältigen sind. Da gibt es keinen Erdteil, kaum ein außerdeutsches Land, wo nicht deutsche Seelen nach dem Worte Gottes dürsten — und doch oft überhaupt keinen Priester, noch seltener einen solchen ihrer Muttersprache finden. In überzeugender Weise wird vom bischöflichen Herausgeber di« Wichtigkeit der seelsorglichen Betreuung der Ausländsdeutschen betont und der Aufbau seiner Gründung erklärt. Ein weiterer Aufsatz erzählt von der bisherigen Entwicklung derselben, während einige kleinere Artikel und mehr als 30 ausgezeichnet« Abbildungen die weltweite Diaspora der kath. Ausländsdeutschen sehr anschaulich vor Augen führen. So ist das kleine Jahrbuch nicht allein ein schätzenswerter Beitrag zur Shinbe über das Auslandsdeutschtum, sondern auch vor allem em begeisternder Weckruf für solche Jünglinge, die als O r d e n s pr iester oder Laienbrüder im Ausländsdeutschen wirken wollen, weshalb man ihm weiteste Verbreitung wünschen möchte.
Ehe und Familie./ Ansätze zu ihrer Erneuerung.
die Sorge um das tägliche Brot allen voran, und für manche Familie erschöpft sich darin die Möglichkeit einer Erneuerung, aber Vater und Mutter müssen darüber hinaus noch Zeit für sich und ihre Kinder finden. Das fromme Bild an der Wand und die gewohnheitsmäßig gesprochenen Gebete schaffen noch keinen christlichen Geist. Das Kind ist auch in der Notzeit «in Geschenk Gottes. Und das Kind bleibt trotz der Notzeit Kind. Wir müssen nur wieder der Freuden inne werden, die die Ehe in den Kindern geben kann. Aber diese Freuden müssen Vater und Mutter suchen, indem sie Zeit für bas Kind gewinnen. Zeit gewinnen ist überhaupt der Anfang der Eheerneuerung. Auch Vater und Mutter sollten täglich ein Stündlein für einander ausfparen, in dem sie keine Zeitung lesen, sondern miteinander plaudern. Auch der Verein darf nicht die letzte Stunde rauben, belfer ist Mitgliedschaft in der Familie als Mitgliedschaft in dem Verein. Dies gilt auch für die größeren Kinder.
Nichts wirkt besser gegen die Ehezerrüttung unserer Zeit als ein gutes Familienleben. Das Kind muß von klein auf in die Familie hin, einwachsen, um als Erwachsener diese Auffassung mit in sein neues Leben hineinzunehmen. Das kleine Kind soll die Wärme der Liebe in sich saugen, das größere aber in Vater und Mutter einen Berater und Freund finden. Auch hier soll das Elternhaus wieder mehr als Kost- und Logierhaus sein. Vater und Mutter dürfen nicht abseits der jungen Welt stehen, auch wenn diese in Sport oder Zeltlager Ausdruck findet. Wieder gehört ein Stündchen Zeit dazu. Wo sind die Abende, die durch gemeinsames Spiel und Freude ausgefüllt sind? Mit dem Befehl: „Du bleibst zu Haus!" ists freilich nicht getan. Die Familie muß eben ihre Feierstunde selber schaffen. Dann kann auch das gemeinsame Gebet wieder mehr werden. Und von hier ist der Weg zu der gemeinsamen Kommunion der ganzen Familie nicht weit. Wann kommen wir von all den Bereinssonntagen zum Familiensonntag?
. Die Ansätze zu einer Ehe- und Familienerneuerung liegen in kleinen Dingen. Sehen die Eltern von heute diese kleinen Dinge, dann helfen sie nicht nur sich und ihrer Ehe, sondern in die Zukunft hinein die gute Ehe ihrer Kinder bauen.
W. G.
vierte Gebot die Welt von Kind und Eltern, so darf ihm auch gezeigt werden, wie Vater und Mutter in steter Hingabe füreinander leben. Die Behandlung der Ehe muß eben eine kindliche Form finden, wie sie auch der andere Unterricht finden muß. Das Kind soll es empfinden, daß es etwas Heiliges um die Ehe ist. Dieses Bewußtsein muß in dem Jugendlichen wachgehalten werden und auch dem Brautunterricht zugrunde liegen. Die Bedeutung der Frau als der künftigen Mutter soll dem Mädchen gleicherweise wie dem Mann als Zukunftsbild vorschweben. Die beiden Geschlechter müssen zur Vater- und Mutterschaft erzogen
Daß die heutige Ehe einer Erneuerung im christlichen Geiste bedarf, ist genugsam betont worden. Aber so große Gesichtspunkte allein, formvollendete Reden zu ihrer Erneuerung genügen nicht, die rechte Ehe Wirklichkeit werden zu lassen. Auch die Ehe-Enzyklika, die in ihrem Aufbau die ganze Größe und Weite der christlichen Ehe- und Familien-Auffassung umspannt, genügt als solche noch nicht, der Ehe- und Familiennot zu steuern, wenn ihr Wort nicht den Weg in die kleinen und unscheinbaren Gegebenheiten des nüchternen Alltags findet.
Große Gedanken geben die Richtung, aber kleine Tatsachen enffcheiden über die wahren Schicksale. So ist es auch mit der Ehe. Oft fehlt es im Leben gar nicht an dem Willen zur Durchführung großer Leitgedanken, um so mehr gebricht es an der Be- meisterung der Schwierigkeiten des Daseins. Wir müssen gerecht in unserem Urteil sein. Es genügt nicht, die Not zu sehen, noch viel weniger geziemt es einem Katholiken, jene nur zu verurteilen, die vom göttlichen Gesetz abweichen und auch gegen die Menfckennatur sündigen, da sie gegen das neue Leben, die schönste Frucht der ehelichen Gemeinschaft, freveln. Wir wissen, daß die Ehe nicht nur Gütergemeinschaft ist, bei der Haus und Hof, Geld und Geschäft, zusammenpassen müssen. Wir sehen auch nicht die Ehe als Geschlechtsgemeinschaft, sondern als Lebensaufgabe für 2)1 ann und Frau gleicherweise. Gewiß haben auch die genannten Bereiche ihre Bedeutung für die katholische Ehe, aber dahinter stecht der gottgewollte Bund zweier Menschen, der sie in Gottes- und Nächstenliebe aneinander wachsen machen soll. Die Liebe, die die von Gott gewollte Zweiheit, Körper und Geist, umfaßt, führt den einzelnen Menschen aus seiner Einsamkeit in die Gemeinschaft- Wurde nicht in der Vergangenheit dieser Kern der Ehe oft übersehen? War nicht der hochgetürmte Brautwagen des Bauern samt dem mitgebvachten Geld der Maßstab für eine glückliche Ehe? Auch im Geschäftsleben war es oft so. Besinnung auf das Wesentliche tut not.
Hier ist viel Hilfe durch rechte Aufklärung zu leisten. Schien es nicht in der Predigt oft, als fiele die Ehe mit dem sechsten Gebote zusammen, als fei sie eine stete Versuchung? Wo wurde das Hohe der Ehe, der Einsatz des einen für den andern, entsprechend dargestellt? DieEhe i st e i n Sakrament, wie es die Priesterweihe auch ist. Ihre Berufung und ihre Versuchung ist hier wie dort gleich groß. Das ganze Leben der Eheleute soll ein sakrales fein; denn Gott ist es, der sie in diesen Stand hineinstellt. Die Sorge des einen für den anderen und für die gemeinsamen Kinder ist Priesterdienst in der nüchternsten Weise.
Freilich, zu einer solchen Auffassung der Ehe muß früh erzogen werden. Es ist verfehlt, wenn in der Volksschule der Raum für die Behandlung des Ehesakramentes gewollt verkürzt wird. Für den geistigen Raum der Familie hat das Kind sehr wohl Sinn, denn es lebt in ihr. Behandelt das
zwei Menschenkinder zu finden, die gerne heiraten möchten und nicht können, weil sie weder Arbeit noch Heim haben. Don hier zu Abwegen ist nicht weit. Wer sich zum Richter über solche Menschen berufen glaubt, der darf nur urteilen, wenn er von sich aus alles getan hat, der Not dieser Menschen abzuhelfen. Freilich gibt es auch Menschen, die Geschlechtsgemeinschaft ohne Liebe pflegen, sie erheben eine Beziehung zum Sinn des Ganzen. Der Dürftigkeit und Enge ihrer Welt ist die Fülle der naturgegebenen Gemeinschaft entgegenzustellen, die die Gatten in der Ganzheit ihrer Beziehungen, in der Sorge füreinander, in der Gemeinsamkeit der Freude und des Leides, in ihrer Vater- und Mutterschaft, umfaßt. Auch der Körper hat dabei fein Recht; denn auch er ist von Gott zweckbestimmt erschaffen. Aber er muß nicht herrschen wollen, sondern Teil fein. Ist er aber Herrscher, dann ist der Mensch fein Knecht. Es muß darum so fein, daß gerade diese Menschen wenig froh in
von Belgien) zu nennen, das schon 1850 in Brüssel ge-
eine eine
Pasoll.
gründet wurde und heute von Francois Eoty, dem riser Verleger und Parfümeur, kontrolliert werden Außenpolitisch ist es damit gekennzeichnet.
Die Flamen, zahlenmäßig den Wallonen um halbe Million überlegen, können heute noch nicht
großartige Reihe von täglichen Publikationen normeifen. Es liegt das zum Teil am Dolksnaturell und an der mangelnden Unterstützung von draußen. Ohne Frankreich wären die Wallonen auch nichts. Bei den Flamen führt Frans van Couweluert, der ehemalige Professor für thomistische Philosophie an der Universität Freiburg, jetzt Abgeordneter und Bürgermeister der Stadt Antwerpen, dessen Namen die wallonische Presse immer mit einem K beginnen läßt, um auf diese Weise ihrem Aerger über die angebliche Germanenfreundlichkeit Frans van Couwelaerts ein nie versagendes Ventil zu geben. Seine Zeitung und damit die wichtigste flämische ist die Brüsseler „S t a n d a a r d". An Auflagenhöhe wird sie von den täglich 100 000 Exemplaren der c t Saatfte Nieuws" in Brüssel überflügelt.
„Die letzten Neuigkeiten" sind ein wenig gemäßigter als die „Standarte", die den Bestrebungen der flämischen Attivisten nicht unfreundlich gegenüber steht. Von internationaler Geltung ist „H e t H a n d e l s b l a d van Antwerpen", in dessen Redaktion über fünfzig Jahre der feiner Zeit gut bekannte katholische Schriftsteller Dr. August Sme-ers Chef war. Der heutige Hauptschristleiter Jan van Meulen ist Präsidem der belgischen Pressevereinigung, Sektion Antwerpen-Limburg, und ehemaliger Präsident der Union katholischer Journalisten Belgiens.
Es bleibt noch die schmerzvolle Erinnerung an Neubelgien, das Deutschland entrissene Land von Eupen und Malmedy, mit seinem katholisch-demokratischen deutschfeindlichen „Grenz-Echo" in Eupen, das 1927 als Wochenblatt gegründet wurde und heute zweimal in der Woche erscheint.
Bruchränder. Eine neutrale Massenzeitung scheidet damit ohne weiteres aus, wenn eine Voraussetzung im gemeinsamen Katholizismus beider Parteien auch nahe genug liegt. Aber das Völkische ist stärker, so stark, daß man zugespitzt von belgischer Presse wie von französischer und holländischer Provinzpresse spricht, natürlich wieder jede für sich aufgeteilt unter die von rechts bis links schattierten beiderseitigen Parteien, bis in die wallonisch-komunfftische „Drapeau Rouge" (Rote Fahne) und die flämisch-kommunistische „Roode Vaane van Vlanderen. Eine Zeitung s Hauptstadt existiert nicht in dem Maße wie in anderen europäischen Ländern aus den genannten Ursachen; der Journalismus .an sich ist nicht sehr hochstehend und mit dem Nachrichtenwesen ist es daneben auch noch schlecht bestellt. Trotzdem hat sich auf beiden Seiten ein gut entwickeltes katholisches Zeitungswesen herauskristallisiert.
„La Libre Belgique" (Das Freie Belgien) führt den wallonischen Teil an. Es kann täglich eine Auflage von 100 000 herausbringen, die in der Haupffache durch Abonnementsbezug in konservative Kreise abgehen. Das Blatt des Kardinals Mercier und damit das Blatt der stanzosensteundlichen, nationalistischen Katholiken war und fft „Le XXe Siecle", ebenfalls in Brüssel erscheinend mit täglich 80 000 Stück Auflage; in die gleiche Kategyrie gehört „La Nation B e l ge" (50 000), von den Brüsseler katholischen Militärs und Konservativen gelesen. Die Stellung zu Deutschland ist überall die gleiche, durch keinerlei Sachkenntnis getrübt. Im geistigen Mittelpunkt der Wallonei, Lüttich, erscheint schon seit 1840 die „G a- zette de Liege", in demokrattschem Sinne redigiert. Als einziges stanzösisch geschriebnes Blatt im flämischen Zentrum Antwerpen kommt dort von katho- lischen Zeitungen „La Metropole" heraus, gleichfalls sehr franzosenfreundlich und flamenfeindlich. Bei ihr zu erwähnen, daß sie als einziges Blatt Belgiens zweimal am Tage erscheint. Als letztes Blatt von Bedeutung in dieser Gruppe ist „L'Etoile Belge"(Stern
es gibt fein Zurück. Dem Zwang passen sie sich an, das ist das, was sie brauchen. Alles Gemecker ist leer und hohl — fte sehnen sich nach Zwang. Die Kinder brauchen einen festen Boden, um gerade zu wachsen. Entweder die Ehe als unumstößliche Tatsache. Oder — wenn es die zerrüttete Gesellschaft nicht anders will: Zurück zu Sparta!" — Konsul Hülshoven will also sagen: Entweder verbietet die Ehescheidung ober raubt den armen Kindern überhaupt das Elternherz. Nie habe ich in einer sonst kirchenfeindlichen Zeitung ein solch vernichtendes Urteil über die Ehescheidung gelesen. Was hier das „Berliner Tageblatt" schreibt, könnte der strengste katholische Prediger nicht schärfer öerlanaen. Der Kanrv-f gegen die Ehescheidung, den die katholische Kirche mit unerbittlicher Strenge führt, wird auch von Leuten anerkannt imb gewürdigt, die eine ganz andere Weltanschauung oertreten als wir.
(„Das Neue Reich", Tyrolia, Wien.)
Die katholische Weltpresse.
Belgien.
Staatsvechtlich und verfassungsmäßig gibt es ein Belgien, aber es gibt k e in e Belgier. Es gibt in diesem Lande wohl Wallonen und Flamen, romanisches Blut und germanischen Stamm, aber zwischen beiden den scheinbar unüberbrückbaren Unterschied der Rasse. Belgien ging als künstliches Gebilde aus der Revolution von 1830 hervor, die gleiche Ursache schuf seine Presse, praktisch seine zwei Pressen, die wallonische und die flämische, Gesinnungspressen klarster Ausprägung. Der Riß hat sich in den hundert Jahren nicht zugezogen, es scheint, er klaffe heute weiter denn je. Offizielle Zweisprachigkeit, Armee-Einteilung nach Blutzugehorigkeit zeichnen die jüngste»
Warum unlösbare Ehe-
Das „Berliner Tageblatt" brachte in feiner Beilage „Die Brücke" eine Reihe von Zuschriften über das traurige Los, das jene Kinder trifft, die von verschiedenen Eltern stammen. Die Diskussion über dieses heikle Problem brachte so viel und so erschütterndes Material über das Unheil welches die Ehescheidung in unsere Familien und in zahllose unschuldige Kinderherzen trägt, daß dem Leier ein leises Schauern überfällt. Besonders, erwähnt sei folgende Stelle aus der Zuschrift eines Konsuls Hülshoven: „Die Wahrheit ist die, daß cs geschiedene Eltern nicht geben darf, das ist -ein Widerspruch in sich . . - Die Welt, unsere proteftanti- scke W'lt. hat ur Genüge bewiesen, daß solche Freiheiten für sie nicht taugen, weil sie eben die Freiheit überhaupt nicht erträgt. Sondern es gibt entweder Institution der Ehe und sie ist unlösbar, eher die Kinder werden baldigst der Gebärerin weggenommen — niemand fragt nach dem Erzeuger — und werden bei staatlicher schwarzer Suppe aufgezogen. Ein Drittes sollte es nicht geben. Oder wollen Sie das vielleicht Ehe nennen, diese flück-- tige ßegitimierung einer längst vollzogenen Lieb- schäft, wie sie bei uns üblich ist mit dem beider- fettigen stillen Vorbehalt, bei nächster Gelegenheit auseinanbermiaufen? Es ging, nachdem Sutter die wahre Ehe zerstört hatte, noch einigermaßen, solange noch Geld, Stand, Protektion, Familien» beziehungen, Nutzen geheiratet wurde. Aber das Triebmotiv hat die Ehe enbgülHg vernichtet. Das einige, was die Ehe n och r e 11 en könnte, wenn es in dieser entgötterten Welt nicht schon zu spät ist, wäre die gänzliche Abschaffung aller Scheidungsmöglichkeiten. Die Menschen würden sich dann ernsthaft überlegen, was sie tun, wenn sie wüßten.
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