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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk

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(Srtteint techsmal wöchentlich. Wochenbetlagen: „Die Welt im Bild" und „Luchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Rulba. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.

Freitag, 6. Aovember 1931.

Monatlich 1 80 einjchließl. Postgebühr <48Pig.> ohne HusteUg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Sol.) lokal 0.15 RM.. auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Vei Wiederholungen Rabatt Postschecks Frankl a M 4h51

Zahrg. 58.

Relchsausschutzlagung der Zenlrumsparlei

Volkssammlung ist das Gebot der Stunde.

Vorwärts!

Aus einer besonderen Feder.

Als im Anfang des vorigen Jahrhunderts Preu­ßen unter den wuchtigen Schlägen Napoleons nie­dergebrochen war, verkündigte Fichte vor der akademischen deutschen Jugend die Weisheit von der überlegenen Macht der Persönlichkeit. Seine „Reden an die deutsche Nation" gipfelten in dem hoffnungsvollen Ausblick, daß in der Ge­schichte nicht das wechselhafte Glück der Schlackten, nicht Bündnisse und Verträge, nicht die äußere wirtschaftliche und politische Lage das Geschick der Völker bestimmen, sondern das Uebergewicht kraftvoller und tatkräftiger Persön­lichkeiten. Seine Geschichtsphilosophie ist da­mals glänzend gerechtfertigt worden. Obwohl Fichte im übrigen, belastet von dem engen Blick- feld seiner zeitgenössischen Philosophie, von dem Geiste christlicher Weisheit abwich, müssen wir ihm das hohe Verdienst zuerkennen, den rechten Mick für den Ausweg aus der fast trostlosen Lage sei­ner Zeit gehabt und über seine Zeit hinaus eins grundsätzliche Wahrheit jederzeit, also auch der unsrigen, erkannt und verfochten zu haben. ___

Die Einsicht Fichtes ist Geist vom Geiste der Offenbarung, nach der wir Menschen io geschaf­fen sind, uns die Welt untertan zu machen. Wir sind Ebenbilder des schöpferischen Gottes. Mit materialistischer Auffassung von Geschichte haben wir nichts gemein; unsere Weltanschauung ist zu überlegen, als daß sie die wirtschaftlichen Verhält­nisse als den Angelpunkt der größeren Linie des geschichtlichen Geschehens zugestehen könnte.

Das scheint, auf den ersten Blick, mit Politik wenig zu tun zu-haben. Dennoch liegt in dieser Einsicht tiefe politische Weisheit. Je mehr wir in unmittelbarer Gegenwart in schwerste wirtschaftliche und poli­tische Bedrängnis geraten, umso ge­wisser werden wir auf das Grundsätz­liche und Wesentliche zurückgreifen müssen.

Vor diesem Winter wird jegliche Vordergrund­perspektive zerslattern. Er kann zum weiteren Nie­derbruch führen, aber auch zur Läuterung und zum Aufstieg. Es kommt eben alles darauf an, ob un­sere christliche Auffassung in einer genügend gro­ßen Zahl von Persönlichkeiten sich kraftvoll ver­körpert — nach dem führenden Vorbild Brü­nings.

Brüning wird gewiß nicht darauf pochen, als „der größte Staatsmann seit Bismarck" angespro­chen zu werden. Auch sein jüngster großer parla­mentarischer Erfolg im Reichstag wird ihm wenig mehr bedeuten, als ein glücklich erkämpfter Fe­rienaufenthalt von freilich sehr kurzer Dauer und eine Atempause auf längere Sicht für weiteres Schaffen. Er gleicht den Männern der Geschichte, bei denen immer der Abschluß des einen Werkes den Anfang zu noch größeren Aufgaben bedeutet.

Das eigentlich war das große Erlebnis dieser vier Tage der Reichstagssitzung, daß unsere n a- tionale Aufgabe durch die beiden Reden des Kanzlers über das vielfältig bedingte Abstim­mungsergebnis weit hinauswuchs. Das empfan­den auch die Parteien, die ihm und seinem Ka­binett ihre Stimme vorenthielten, mit so zwingen­der Kraft, daß der Kanzler selbst nicht nur aller persönlichen Gegnerschaft enthoben blieb, sondern sich allseitiger, ehrenvollster Anerkennung erfreuen konnte.

Wenn wir zu Brüning stehen wollen, dann ist es nicht getan mit Lobeshymnen auf ihn und noch viel weniger mit schmetternden Siegesfansa- ren. Das würde diesen Mann verletzen und ent­täuschen, und man würde dem tieferen Sinn seines Wirkens nicht gerecht werden. Wir müssen zu dem persönlichen Wollen dieses Führers im be­sten Sinne des Wortes vorzudringen suchen; wir würden ihn von seiner einsamen Größe herunter­reißen, wenn wir selbst uns dieser Pflicht über­hoben wähnten. Es ist nicht wahr, daß Brüning nur das verkörpert, was vor ihm schon längst als der Weisheit letzter Kern verkündigt wurde: feine Größe ist nicht nur das Ergebnis größerer Kamp- feskraft und stärkerer Nerven, sondern des wei­teren „katholischen" Blickfeldes seines Geistes.

Wir Deutsche sind halt eine einzige, auf Ge­deih und Verderben aneinandergekettete Schicksals­gemeinschaft, mögen wir im übrigen auch noch so sehr weltanschaulich und konfessionell auseinander­sallen. Wenn wir ernst machen wollen, mit un­serem Anspruch, alles vom religiösen Standpunkt aus zu sehen, dann beugen wir uns dieser Lage, weil wir uns nicht denken können, daß sie ohne die Vorsehung des Vaters im Himmel hat her­aufkommen können. Aus dieser Einsicht und dem Willen, aus ihr alle notwendigen Folgerungen zu ziehen, ergeben sich für uns ganz außerordent­liche Arbeitsziele.

Wir meistern sie nur aus den Kräften heraus, die jeglicher Tagespolitik weit entrückt sind und dennoch sie wieder maßgeblich beeinflussen werden: aus einer heißen Liebe zu unserem leid gesättigten Vaterland'und der Spannkraft, die ihre letzten und stärk- sten Reserven aus dem Beispiel und dem Werke unseres göttlichen Mei­sters besitzt.

* Bevorstehende deutsch-schweizerische handels- verlragsvcrbandlungen. Am Dienstag abend sind zwischen dem deutschen Gesandten in Bern und dem Ehef des Volkswirtschaftsdepartements Noten ausgetauscht worden, wonach die für den deutsch- schweizerischen Handelsvertrag bestehende Kündi­gungsfrist von drei Monaten in ihrer Wir­kung a u f zwei Monate gekürzt wurde. Man erwartet, daß die Verhandlungen in aller­nächster Zeit in Berlin wieder ausgenommen wer­den. • ■

VDZ. Berlin, 5. Nov. (Eig. Meld.) Im Ple­narsitzungssaal des Reichstages trat am Donners­tag der aus allen Teilen Deutschlands stark be­suchte Reichsparteiausschuß des Zentrums zusam­men. Der Partsioorsitzende, Prälat Dr. K a a s, begrüßte insbesondere den an der Tagung teil­nehmenden Reichskanzler Dr. Brüning sowie die Vertreter Danzigs und des Saargebietes und wies auf den Ernst der politischen Entscheidungen hin, die in diesen Tagen zutreffend seien.

Er gedachte der verstorbenen führenden Partei­mitglieder Schober, Porsch, Herold, Mausbach und Wittemann und widmete dann unter dem Beifall der Versammlung dem alten Parteikämpser Richard Müller-Fulda Glückwünsche zum 80. Geburtstag und dem Führer der preußischen Zentrumssraktion, Dr. Heß, herzliche Genesungswünsche.

Der Zusammentritt des Reichsparteivorstandes und des Reichsparteiausschusses, so fuhr der Par­teivorfitzende fort, fällt in eine Zeit beispielloser politischer Spannungen, leidenschaftlich ausgewühl­ter Kämpfe, beängstigend ansteigender Rot. In einer solchen Zeit, wo Tag für Tag ein wahres Trommelfeuer der Entstellung und Verzerrung, der Verhetzung und Verunglimpfung, des Klassen- und Rassenkampfes und leider auch des steigenden kon­fessionellen Streites die politischen Fronten über­schütten, in solchen Tagen, wo die Gasschwaden der Demagogie weiten Kreisen des Volkes den Blick für die Wirklichkeit trüben, da erachtet es die Parteileitung als eine besondere Notwendigkeit und als eine selbstverständliche Pflicht, den zen­tralen Parteiinstanzen die Möglichkeit zu offenem und sachlich ernstem Gedankenaustausch zu geben und von ihnen die Bestätigung zu erhalten, daß unbeschadet möglicher oder wahrscheinlicher Mei­nungsverschiedenheiten im Einzelnen die Ziel­setzung und Wegrichtung unserer Ar­beit den großen und unverzichtbaren Jmper ativen folgt, die aus der welt­anschaulichen und sta atsp olitisch en Grundlage des Zentrumsgedankens erwachsen. Wenn irgendeine politische Macht­gruppe in Deutschland, dann ist die Zentrums­partei davon überzeugt, daß den h i m m e l s ch r ei- enden Nöten unserer Zeit nicht mit Worten und Resolutionen beizukom­men ist, auch nicht mit Gesprächen, über die Möglichkeit anderer koalitionspoli- tisch er F r.ontb il d ungen. Die deutsche Zen­trumspartei hat wahrhaftig Wichtigeres zu tun, als sich mit dem koalitionspolitischen Gerede aus- einanderzusetzen, das in der letzten Zeit die Kreise außerhalb unserer Reihen die Oeffentlichkeit be­schäftigt hat und scheinbar noch beschäftigt. In einem Augenblick, wo die politische Gesamtsituation und die parlamentarischen Entscheidungskämpfe der jüngsten Zeit ein klares Wort nach dieser Richtung verlangten, wenn nicht mit dem Sturz der Regierung Brüning unabsehbares Unheil für Staat und Volk heraufbeschworen werden sollte, ist ein solches Wort von der Reichs- tagssraktion der deut sch en Zentrums- parteiin einem eindeutigen Beschluß ausgespr och en worden. Mir ist nicht bekannt, daß inzwischen Tatsachen eingetreten wären, die geeignet sind, die sachlichen Voraussetzungen des damaligen Beschlusses zu verändern oder herab­zumindern. Vor dem zweiten Kabinett Brüning und damit auch vor der dieses Kabinett aus staats­politischer Ueberzeugung stützenden deutschen Zen­trumspartei stehen

außenpolitische Aufgaben von geradezu gigan­tischer Größe und von schickfalsentscheidendar

Auswirkung für Staat nad Bolk.

In solcher Lage die Aktionsfähigkeit und die Verhandlungschancen des Kabi­netts durch Erörterungen der bezeichnenden Art zu behindern oder zu vermindern, ist nach unse­rer Kenntnis und Anschauung der Dinge nicht zu verantworten. (Sehr wahr!)

Darauf hielt Herr R u f f i n i - Köln sein Re­ferat über die Frage:

«Wie sehen Land und Volk die Politik des Kabinetts Brüning?“

Der Redner stellte fest, daß der Kanzler deshalb ge­siegt und sein zweites Kabinett die Arbeit des ersten fortsetzen könne, weil das Volk aus dem richtigen Gedanken heraus: Hände weg von der Währung! jede nationalsozialistische Binnenwäh­rung und jede deutschnationale Helffrich-Mark ab­lehnte. Dec Redner dankte dem Reickskanzler für die Erklärung, daß er einer neuen Inflation unter keinen Umständen den Weg ebnen würde.

Grundsatz der Zentrumspartei, so führte der Redner weiter aus, sei die Ueberzeugung, daß die

Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräfte, wo immer sie stehen mögen,

eine unbedingte Notwendigkeit sei. um die tiefe nationale Not, in der wir uns befinden, zu bannen. In Hinsicht auf die Abrüstungskonferenz sei es der Wunsch des gesamten Volkes, daß in Zukunft die Beziehungen der Staaten geregelt würden, nicht durch Macht, Gewalt und Diktat, sondern durch Gerechtigkeit und Ach­tung vor dem Fr e i h e i t s w i llen jedes Volkes. Um dieses Ringen erfolgreich durch­zuführen, fei es innenpolitisch

notwendig, ein Auseinanderfallen des Volkes in 2 Kampffronten zu verhindern.

Es muß beschleunigt dafür gesorgt werden, daß es gewissen Kreisen in allen deutschen Ländern un­möglich gemacht wird, sich gegenseitig durch öffent­liche politische Demonstrationen bis aufs Blut zu reizen. Der Redner verlangte dringend eine

Notgemeinschaft zwischen Arbeit­nehmern und Arbeitgebern. Ein wei- terer all gemeiner öohn- und Ge- haltsobbäu sei nad) Meinung großer Volks­kreise kein Heilmittel mehr. Die Zen- tlnmspartei und auch der Reichskanzler halten un­bedingt fest an dem Grundsatz des Berufs- heamtentums, weil wir in ihm eine unent­behrliche Stütze eines geordneten Staatswesens sehen.

Bei der Behandlung der Mittel st ands- frag en dankte der Redner dem Kanzler für seine Feststellung in der Regierungserklärung, daß stärker auf Schutz und Erhaltung der mittleren Existenzen gesehen werden solle. Der Redner dankte dem bisherigen Reichs­innenminister Dr. Wirth insbesondere dafür, daß er während seiner letzten Amtstätigkeit eine Verfügung erlassen habe, daß bis auf weiteres keine Freidenker-Propaganda am Rundfunk zugelassen werden dürfe. In feinen Schlußworten förderte Generalsekretär Ruffini eine aktive und lebendige Parteiorganisation.

Denn es dem Reichskanzler gelingt, das Ge­fühl für die Zusammenhänge der großen politi­schen Fragen zu vermitteln, wird er Sieger sein und bleiben.

In diesem Zusammenhänge sprach der Redner auch ein besonders herzliches Dankeswort dem Parteichef Dr. Kaas aus. Wir danken ihm insbesondere dafür, daß er in einer Zeit, in der der Kanzler auch gegenüber der eigenen Partei seine Unabhängigkeit wahren mußte, in einer dauernden sachlichen und persönlichen Fühlung mit dem Kanzler gestanden bat und steht, die der Ver­antwortung entspricht, die gerade die Zentrums­partei gegenüber der Regierung Brüning trägt. Der Redner betonte ferner, daß die Verehrung und und Wertschätzung des Zentrumsvolkes zu Dr. Kaas so groß sei, daß sie auch durch die von natio­nalsozialistischer Seite gegen ihn abgesckossenen Giftpfeile wie auck durch die unerhörten Verleum­dungen und Verdächtigungen nicht gemindert wer­den kann. Er schloß mit dem Satz:

Das Vaterland über die Partei,

das verpflichte uns nicht nur, sondern begeistert uns zu der unbedingten, aus freien Stücken er­wählten treuen Gefolgschaft auf dem Wege den Brüning uns weist."

Darauf nahm der

Kanzler Dr. Bttining

von der Versammlung stürmisck begrüßt, das Wort und gab einen ausführlichen Ueberblirf über d i e politischen und wirtschaft- l ich en Ereignisse der letzten Monate. Der Kanzler setzte sich mit dem Verhalten der ein­zelnen Parteien auseinander und dankte der Zen­trumspartei für ihr festes und verantwortungsbe­reites Handeln, mit dem sie allem Ansturm gegen­über ausgebalten habe. Wenn andere Parteien denselben" Mut gehabt hätten, dann würden sie beute nicht derartige Verluste an die radikalen Parteien zu verzeichnen haben. Der Kanzler er­klärte weiter, daß er n i d> t beabsichtige, das 3? ar la ment dauernd oder auf längere Zeit auszuschalten, die Regierung b r a u che l e d i g l i ck Zeit zur Arbeit. Es gehe nickt an, in dieser Notzeit überstürzte Ent­scheidungen zu treffen, di» Hauptsache sei, das Vertrauen des deutschen Volkes zu erringen und zu erhalten. Der Kanzler erklärte, e r w ü r d e sich

bis zum letzten b<waen wehren, irnenb eine inflatorische Maßnahme zu (reffen.

Die Etatslage des Jahres 1932 bezeichnete der Kanzler als schwierig und e r n ft. Es werde wohl ohne neue Opfer des Volkes nicht abgehen. Nötig fei aber unbedingt, den Schrumpfungsprozeß in der Wirtschaft, Industrie und Handwerk aufzuhalten. Außerdem müsse eine Lösung des Revaration-vroblems erfolgen, die für das deutsche Volk erträglich sei und der ganzen Welt das Vertrauen wiederbringe.

In diesem Zusammenhang berührte der Kanzler auch die S t illh a ltun g s f ra g e, die so gelöst werden müste, daß neben einer Beruhigung im In- und Auslande auch eine Sicherstellung unserer wirtschaftlichen Unter­nehmungen erzielt wird. Die ewige politische Agitation, das Predigen von Experimenten müsse aufhören, damit in Deutschland und in der übrigen Welt die Vertrau- e n sa t m o s p h ä r e die allgemeine Nervosität überwin­det. Das Jahr 1932 wird für Reich. Länder und Gemeinden in finanzieller Hinsicht das allerschwer st e sein.

Sicherlich wird gerade dieser Winler dem deutschen Volk die schwerste Nervenprobe auferlegen.

Aber das Volk darf nickt im letzten Augenblick, gerade, wo man soweit ist, daß man die Aussicht In eine bessere Zukunft hat, die Nerven verlieren. Man darf nicht nur an das Chaos glauben und Resignationen verfallen, sondern

muß einen religiösen Glauben haben unb aus biesem Glauben bie Kraft gewinnen, mutig ben Dingen enkaegenzukreten, mutig in bie

Zukunft zu schauen.

Hat man diese Gllstes:i"stellung im d-utschm Volle erreicht, so wird nichts das deutsche Volk bedrücken können, so wird das deutsche Volk, das ge­peinigt und bedrückt ist, sich letzten Endes trotz aller Schwierigkeiten, in der ganzen Welt, auf­grund seines Glaubens, aufgrund seiner Kraft, aufgrund seines Fleißes doch sicher durchsetzen.

Die Ausführungen des Kanzlers wurden vom

Parteiausschuß mit stürmischem lang anhal­tendem Beifall ausgenommen.

♦

In der Sitzung des Reichsparteiausschusses wa­ren auch Dr. S t e g e r w a l d, die preußischen Zentrumsminister Dr. Steiger, Dr. Hirt- f t e f e r und Dr. Schmidt, der badische Minister Dr. Baumgartner, der hessische Minister Kirnberger und der würltembergische Mini­ster B e y e r l e anwesend.

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Der Reichsparteivorstand der Deutschen Zen- trmnspartei trat Mittwoch nachmittag im Reichstag zusammen, um vor allem die am Donnerstag statt­findende Tagung des Reichsparteiausschusses vor­zubereiten. An den Verhandlungen nahm auch Reichskanzler Dr. Brüning teil. Als Mitglieder in den Parteivorstand wurden der neue Führer der Badischen Zentrumspartei, Reichstagsabgeord­neter Dr. Föhr, und das Mitglied der Rheini­schen Zentrumspartei Postassistent Kämmerling gewählt. Einstimmig wurden die Anträge auf Bil­dung eines Reichsangestelltenbeirates und eines Sonderausschusses zur Beratung von Hochschul­fragen gutgeheißen. Im Anschluß hieran wurden noch Organijationsfragen und vor allem die von der Partei vorbereitete Opferwoche besprochen.

Am Vormittag war der Arbeiter beirat unter dem Vorsitz des Abg. E r s i n g zusammen­getreten. Reichsarbeitsminister Steg er Wald hielt bei dieser Gelegenheit ein ausführliches Re­ferat über die gesamte sozialpolitische Lage.

Die Beratungen des Relchskabinells.

Weitere Rückfragen in Paris?

lieber die Beratungen des Reichskabinetts am Mittwoch wird strengstes Stillschweigen be­wahrt, weil die zuständigen Stellen vermeiden wollen, daß die außerordentlich schwierigen Ver­handlungen, die jetzt beginnen, irgendwie gestört werden können. Sicher ist aber, daß irgendwelche wesentlichen Beschlüsse über die Reparationsfrage heute noch nicht gefaßt worden sind. Die An­nahme, daß zunächst weitere Rückfragen in Paris notwendig seien, hat einen ziemlichen Grad von Wahrscheinlichkeit.

* Wirtschaftsparteiler beim Reichspräsidenten. Wie wir erfahren, hat der Reichspräsident am Mittwoch die Reichstagsabgeordneten M o l l a t h und Hermann empfangen, die ihn über die Auf­fassungen der Wirtschaftspartei zur politischen Lage unterrichteten.

preußischer Landtag.

Mißtrauensvotum gegen Landwirtschajtsminisler Steiger abgelehnt.

Der Preußische Landtag hat am Mittwoch die ongekündigte Sitzung außerhalb seines ursprüng­lichen Tagungsplanes abhalten müssen, um die Ab­stimmung über den deutschnationalen Mißtrauensantrag gegen den Landwirt­schaftsminister Dr. Steiger vorzunehmen. Die. fer Antrag wurde, wie nicht anders zu erwarten» abgelehnt. Dafür waren 179, dagegen 228 Ab­geordnete. Für das Mißtrauensvotum hatten auch die Deutsche Volkspartei, die Wirtschaftspartei, der Landbund und die Deutschhannoveraner ihre Stim­men abgegeben. Die beiden Volksrechtler stimm­ten dagegen. ___________

* „Cubenborffs Volkswarte" verboten. Die Nr. 45 der „Ludendorffs Volkswarte", die am 8. November offiziell zur Ausgabe gelangen sollte, wurde wegen des Artikels „D e r P a p st w e i n t" aufgrund des 8 2 der Verordnung des Reichs­präsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschrei­tungen vom 10. August 1931 polizeilich beschlag­nahmt und eingezogen.

Wirtschaftlicher Aichkangriffspakk.

Einigung über den russischen Borschlag.

Die in der Mittwochsitzung des Europaaus­schusses in Genf gepflogenen Verhandlungen über den russischen Vorschlag eines wirtschaftlichen Nicht­angriffspattes haben zu einem Ergebnis geführt, mit dem sich die russische Delegation einverstanden erklärt hat. Auf einen deutschen Vorschlag hat man sich dahin geeinigt, daß die Regierungen ersucht werden, dem Völkerbundssekretariat auf schriftlichem Wege ihre Stellungnahme zu dem russischen Plan und den im einzelnen aufgeworfe­nen Fragen mitzuteilen. Das Sonderkomitee zur Prüfung dieses Planes wird infolgedessen am Donnerstag seine Beratungen abbrechen und be­schließen, vor der Januartagung des Europaaus­schusses noch einmal zusammenzutreten, um fooann dem Europaausschuß eine Lösung vorzuschlagen.

♦ Hitler über seine Unterredungen mit General von Schleicher. Hitler hat der „Welt am Montag" zu deren Behauptungen über die Unterredungen zwischen General von Schleicher und Hitler eine Berichtigung zugehen lassen. In dieser wird be- stritten, daß Hitler in den Unterredungen verspro- chen haben soll, sofort nach Uebernahme der Re­gierung durch die Nationalsozialisten die Selbst­schutzabteilungen aufzulösen. Es wird weiter als unwahr erklärt, daß Hitler auf die Besetzung der Polizeipräsidentenposten in den großen Städten verzichtet habe, und daß alle Radikalen, besonders Dr. Goebbels, von verantwortlichen Regierungs­stellen ausgeschaltet werden sollen.

* Dieberzuiammentrift bes Württembergischen Landtags. Der württembergifche Landtag nimmt am 10. November seine Vollsitzungen wieder auf. Der wichtigste Beratungsgegenstand wird der Ent- wurf eines neuen Ausfuhrungsgesetzes zum B.G.B. bilden, ' . ...