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5. Aovember

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Ar. 256

Licht und Heizung im Haushalt

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Von Stadtarzt Dr.

Eine zweckmäßig eingerichtete und gut wirkende Hei- zungs- und Beleuchtungsanlage ist für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen, besonders des Groß­stadtmenschen, der gezwungen ist, den größten Teil seines Lebens in gewerblichen oder Wohnräumen zu verbrin­gen, von der größten Bedeutung. Umso unverständlicher erscheint es, daß vielfach selbst Leute, die auf persönliche Gesundheitspflege und eine hygienische Häuslichkeit gro­ßen Wert legen, gegen die einfachsten Regeln der Heizung und Beleuchtung verstoßen und an Ueberlieferungen sest- halten, die längst als unzweckmäßig und unhygienisch er­kannt sind.

Das gilt von der Beleuchtung sowohl für die Tageslichtbeleuchtung, als auch für die künstliche Beleuch­tung. Das Tageslicht, das eine große chemische und keim­tötende Wirkung ausübt, sollte ungehinderten Eintritt in die Räume haben. Alle unnützen Fensterverkleidungen, Vorhänge, Uebergardinen müssen auf das unbedingt not­wendige Maß beschränkt werden. Die Tapeten und Wandanstriche sollten im Gegensatz zu den noch immer bevorzugten dunklen Tönen hell und licht sein, um eine Verschluckung des Lichtes zu vermeiden. Die künstliche Be­leuchtung, sowohl die Allgemein- wie die Einzelbeleuch­tung, sollte vorzugsweise von Zweckmäßigkeitsgründen und nicht von Dekorationswirkungen geleitet sein. Starke Schlagschatten, sowie eine störende Blendung müssen ver­mieden werden. Arbeitsplätze, Eßtische usw. müssen durch eine gerichtete Beleuchtung erhellt werden. Bei der Deckenbeleuchtung soll man die Form des Kronleuchters oder der Ampel vermeiden und die dicht an der Decke angebrachte Spiegel- oder Kugelleuchte bevorzugen. Eine Beleuchtungsanlage ist kein Dekorationsobjekt, sondern eine technische Einrichtung, deren'Form durch ihren Zweck bestimmt ist.

: Und gleichst dem wegesmüden Wandersmann, Der beim Gesang der Abendlieder Ein liebevolles Obdach finden kann.

Sonnen-Heimgang.

Bon Franz C i n g i a-Schramberg.

Du lächelst noch mit letzten Strahlen Und schüttest Abendsegen auf das Land. Viel gold'ne Streifen kannst du mal-n

Harm s-Berlin.

Eine neuzeitliche, gut wirkende Heizungsanlage muß in hygienischer Hinsicht zunächst die Bedingung er­füllen, daß wir uns in dem geheizten Raum behaglich fühlen, d. h. daß wir die Temperatur als angenehm emp­finden und nicht durch zu große Kälte oder Wärme un­angenehm berührt sind. Dies hängt selbstverständlich von der Eigenart des Einzelnen, dem Fettpolster, der Durchblutung der Haut, der nervösen Erregbarkeit, aber auch von der Kleidung und der Gewöhnung bezw. Ver­wöhnung, sowie von der Art der Arbeit ab. Sodann muß eine gute Heizungsanlage die Wärme in einem Raum gleichmäßig verteilen und eine gleichbleibende Temperatur der Räume garantieren. Sie soll auch nicht zu einer Verschlechterung der Luft des Raumes und der freien Atmosphäre mit Staub, Rauch, Ruß oder schädli­chen Gasen führen. Durch ständige, technische Vervoll­kommnung ist man bestrebt, alle Heizungsanlagen, seien sie örtliche oder Zentralheizungen, so auszugestalten, daß sie diesen Anforderungen nach Möglichkeit entsprechen. Im allgemeinen muh eine gut wirkende Heizung die Tem­peratur der Aufenthaltsräume selbst bei tiefster Außen­temperatur aus 18 bis 20 Grad Celsius halten: eine Hei­zungsanlage muß als fehlerhaft angesehen werden, wenn sie nur bei Windstille bezw. geringer Luftbewegung aus­reichend ist, dagegen bei stärkeren Windverhältnissen ihren Zweck nicht erfüllt.

Bei der Einzelheizung spielt auch heute noch die größte Rolle der Kachelofen, welcher die älteste Form des Ofens darstellt und für viele noch immer zur Erzielung der Gemütlichkeit und Wohnlichkeit eines Raumes un­entbehrlich ist. Er hat in den letzten Jahren sowohl m seiner äußeren Form, als auch in seiner inneren An­lage eine wesentliche Umgestaltung und Verbesserung er­fahren. Vom hygienischen Standpunkt aus ist gegen ihn

wunderschön am hohen Waldesrand.

schlanken Wolkenschiffe fahren letzten Leuchten deiner sanften Glut, schenkst ein tiefes Offenbaren einem Gottesherzen, wahr und gut.

gleitest in den Schallen nieder

Feierstunde in der Familie.

Jetzt wo die Abende länger werden und unser alter Freund, der Ofen wieder wohlige Wärme ausströmt, ge­winnt das Heim seinen alten Zauber. Stille, farblose Tage sind es, wo das Licht nicht erwachen will und alle Dinge nur in nebligen Umrissen erscheinen. Wie eine Müdigkeit ists über uns gekommen, die uns verson­nen macht.

Ich bin allein in der warmen Stube. Durchs Fen­ster kommt der Abend. Die Bücher in Schrank und Regal haben ihre Titel verloren. Es geht etwas um, für das man nicht das rechte Wort findet. Trimmend fitze ich im Dämmer. Das ist die Feierstunde des Tages. Menschen ziehen vorüber, gute Augen schauen aus dem Dunkel. Hände strecken sich mir entgegen, die schon langst im Grabe modern. Aus Tiefen der Vergan­genheit klingt manch liebes Wort herauf und birgt feine eigene Geschichte. Die Erinnerung, das einzige Para­dies, aus dem uns niemand vertreiben kann, öffnet feine Pforten.

Die traute Stube daheim taucht vor mir aus, di« Mutter, die schon längst im Grabe ruht, nimmt ihren alten Platz ein, daneben der Vater. Es ist Abend, der

Butter, etwas mit 'A Glas lau­werden zu einem Stunde aus dem man den Teig 'A

Die praktische Hausfrau.

Naß Skaubwifchen.

Alle gestrichenen und lackierten Gegenstände werden schön sauber, wenn man sie täglich feucht wischt. Ein weiches Tuch wird in kaltem Wasser, dem man einige Löffel echtes Terpentinöl zugesetzt hat, gut ausgewrun- gen. Damit wird gründlich Staub gewischt und mit einem trockenen Tuch nachgerieben. Das dauert nicht viel länger als das übliche Staubwischen und ist viel sauberer und gesünder. Gestrichene Möbel brauchen dann fast niemals geseift zu werden und bleiben viel länger schön. Das echte Terpentinöl schafft eine reine, frische Zimmerluft, was besonders wohltuend ist.

*

Kämme, Bürsten, Rasierpinsel, Schwämme, Wasch- lappenkönnen recht unhygienisch« Gebrauchsgegenstände sein. Sie müssen wöchentlich einmal ebenso gründlich gereinigt werden, wie die Zimmer der Wohnung.

Regen weint gegen die Scheiben, müde von der Arbeit sitzen wir Kinder um den Tisch. Nach dem Abendessen nimmt jeder die Zeitung oder ein Buch. Nur die Mut­ter nicht. Sie läßt sich hier und da etwas vorlesen von den Tagesneuigkeiten, sie ist auch jetzt, wie zu jeder Tagesstunde, die Seele in dem kleinen Königreich. Alles draußen Erlebte wird ihr erzählt und sie nimmt Anteil an allem. Währenddessen schält sie Aepfel und legt jedem die mundfertlgen Stückchen hin. Ost gibt es auch Nüsse, die sie auch für alle zurechtmacht. Wenn wir dannauserzählt" sind und in die Lektüre vertieft, dann setzt sie die Brille auf und greift zu einem dicken, schwarzen Lederbuch, auf dessen Deckel vier goldene Buchstaben stehen. Ein Erbstück der Großeltern ist es, eine Erinnerung an deren goldene Hochzeit. Stille ists tm Raum, alle Kleinigkeiten des Tages, die im Lichte der Sonne so wichtig erschienen, verlieren ihre Bedeu­tung. Die Mutter betet. Ferner rücken alle Dinge draußen in der Welt. Im Dämmern des Abends schreitet die Ewigkeit durch die feierlich stille Stube. Schwarzgeränderte Zettel liegen im Buch, viele viele, sodaß bas Buch ganz dick auffteht. Bei jedem macht die Mutter halt und zündet den Toten ein Lichtlem treuen Gedenkens an. Wir waren immer traurig, wenn uns irgendetwas diese Feierstunde nahm. Kehrten wir von einer Veranstaltung oder Reise heim, und es war nicht zu spät, so ging es mit allen Erlebnissen beloben noch zu Mullers Bett, erst dann legten wir uns zur Ruhe.

Während ich dies schreibe, rasen draußen auf den Straßen Automobile. Ich höre bas Schallen der Elek­trischen, die Signale des Zirkus bringen schrill in meine stille Stube. Die Menschen verlassen das Heim, um sich zu amüsieren. Wenn ich abends durch die Straßen der Stadt schreite und die besetzten Restaurants und Kaf­feehäuser sehe, frage ich mich oft: Wer ist denn noch daheim? Jeder ist in einem Verein oder Vereinchen, läßt sich um die schönsten Stunden des Tages betrügen jucht feine Freude an verkehrter Stelle. Für mich gab es nichts Schöneres, als daheim zu fein. Und wo ich auch war, und wenn es noch so schön gewesen, abends packte mich ein Heimwehr nach der Feierstunde in die­sem kleinen KönigreichFamilie". Anna Moll.

nichts einzuwenden, leistet er doch eine gute Speicherung . der Wärme in seinen Wänden und eine langsame Ab­gabe nach außen und vermeidet eine zu hohe Oberflächen- I temperatur, die, wenn sie mehr als 70 Grad Celsius be­trägt, leicht zur Verbrennung des aufgelagerten Staubes und damit zu Reizungen der Schleimhäute nud der At­mungsorgane führen kann.

In ähnlicher Weife hat der eiferne Ofen, der heute in zwei Hauptformen, dem sogenannten einfachen I ober irischen Ofen und dem Füll- oder Anthrazitofen, I hergestellt wird, eine moderne Ausgestaltung erfahren. I Bei ihm ist besonders auf eine gut wirkende Regulier­vorrichtung, auf größte Dichtigkeit seiner Wandungen und I auf einen festen Schluß aller beweglichen Teile zu achten, I damit ein Entweichen der schädlichen Verbrennungsgase vermieden wird. Auch auf feine richtige Aufstellung ist zu achten, damit die Wärmestrahlen sich nach allen Rich­tungen des Raumes hin ausbreiten können, was bei der üblichen Aufstellung in einer Ecke oder Nische nicht mög« lich ist. .

Die Kohlenöfen haben in letzter Zeit auch in Deutsch­land eine Konkurrenz durch die Gasheizung und elektrische Heizung erhalten, die vielfach von der Verwendung als Ergänzungs- ober Uebergangsheizung zu einem Gebrauch als Dauerheizung gelangt sind. Sie haben gegenüber der üblichen Ofenheizung nicht zu un­terschätzende Vorteile. Transport und Lagerraum des Feuerungsmaterials fällt weg, die Bedienung ist einfach, Staubentwicklung findet nicht statt, die Temperatur kann automatisch geregelt werden, dagegen sind die Be­triebskosten heute noch recht hohe.

Die Einzelheizung tritt aber immer mehr zurück ge­genüber der Sammel- oder Zentralheizung. Die außerordentlichen Vorteile, welche die Zentralheizung in jeder Hinsicht bietet, haben ihr mit Recht diese über­ragende Stellung verschafft, wenn auch manche Men­schen sie nach wie vor wegen der Erzeugung von trocke­ner Luft und wegen der damit verbundenen Reizungen der Schleimhäute ablehnen. Nach einwandfreien Fest­stellungen ist die Ursache dieser Störungen jedoch nicht die allzu große Trockenheit der Luft, sondern eine zu hohe Temperatur der Heizkörper, die zur Verbrennung des aufgelagerten Staubes und damit zur Entstehung von reizenden Verbrennungsprodukten führt. Die Heizkör­per sollten eine höhere Temperatur als 70 Grad Celsius nicht aufweisen und täglich von dem aufgetageren Staub gereinigt werden.

Erst wenn man sich allgemein zu der Erkenntnis durchgerungen hat, daß die Einrichtung einer Wohnung vorzugsweise durch ihren Zweck bestimmt ist und auch dadurch schön und anheimelnd wirken kann, wird man auch eine Erfüllung der hygienischen Anforderungen, tue miser modernes Zeitalter art die Heizung und Beleuch­tung stellen, näher kommen.

Apfelverwendung in der Küche.

Der diesjährige Herbst brachte eine so reiche Apfel­ernte, daß es wohl angebracht ist, darauf hinzuweifen, wie wertvoll gerade dieses Obst für die Hausfrau if Daß Aepfel, sowohl roh gegessen, als auch zu Kompotten gedämpft, sehr gesund sind, ist allgemein bekannt. We­nig bekannt dagegen ist die Verwendung von Aepieln zu köstlichen, nahrhaften Speisen. In SiiddeutschlanS und in Oesterreich erfreuen sich diese schon immer allge­meiner Beliebtheit. In unserer Gegend aber haben sie sich noch wenig eingebürgert. Einige erprobte Rezepte mögen dazu dienen, unfern Hausfrauen neue Anre­gungen zu bieten und in die Verwertung der Aepfel reiche Abwechslung zu bringen.

Apfelpfannkuchen.

einen einfachen Mürbeteig von folgenden Zutaten: A Pfund Butter ober Margarine, lA Pfund Zucker, 1 Ei, % Pfund Mehl. Den Teig teilt man in 2 ungleiche Teile, etwa von % undA. Beide rollt man bünn aus, legt mit dem größeren Teil eine gut bestrichene Aufvau- form aus, füllt die Aepfel hinein, streut Sultaninen darüber und deckt die Masse mit dem kleinen Teil des Teiges als wie mit einem Deckel zu, drückt den Rand etwas an und backt die Pastete % bis 1 Stunde in der Röhre.

Will man diese Speise noch wesentlich verbessern, gibt man eine Wein- ober Vanilletunke bazu.

Mepfelauflauf.

Geschälte, in feine Scheiben geschnittene Aepfel mischt man mit einem gut gerührten Teig von folgen- den Zutaten: 4 Sier, y2 Pfund Zucker, etwas Zimt und Zitronenschale, A Pfund Mehl und 1 Päckchen Back­pulver. Man gibt alles in eine gut gestrichene und mit Weckmehl ausgeftreute Springform und backt den Aust lauf VA bis 2 Stunden. Er ist sowohl warm als auch kalt gereicht, sehr zu empfehlen.

Bettelmann.

810 Reinettenäpfel werden geschält, in Scherben geschnitten, vorsichtig in Wasser mit etwas Wein Eitra- nenschale und dem nötigen Zucker weich gekocht. (Sie dürfen nicht zerfallen.). Mit einem Schaumlöffel her­ausgenommen, sollen die Aepfel auf einer Platte ab- kühlen. Der Saft wird gut eingekocht und darüber ge­ll «geben, dann reibt man ya Pfund Schwarzbrot, mischt dieses mit Zucker und Zimt und gibt davon eine Sage in die gut bestrichene Auflaufsorm. Alsdann kommt eine Sage Aepfel, dann einige Sultaninen, bann wie- ber Brot und so fort, bis bie Form voll ist. Die oberste Sage muß Brot sein. Man legte einige Butterstückchen darauf und backt 'A% Stunde in bft Nöhre.

Apfelstrudel.

Mpfelpaffete.

Man schält die Aepfel, halbiert sie, befreit sie vom Kerngehäuse und überzuckert sie. Alsdann rührt man

Eine Anzahl Aepfel werden geschält, vom Kernge- häuse befreit, in feine Scheibchen geschnitten, mit Zul­ker bestreut und zugedeckt etwa 1 Stunde hingestellt. Inzwischen rührt man einen einfachen Pfannkuchenteig und fügt diesem die Apfelschnitten mitsamt dem dem Zucker entstandenen Saft bei. Man backt m Pfanne kleine Kuchen von beiden Seiten hellbrau streut nach Belieben noch etwas Zucker darüber.

ly Pfund Mehl, 50 Gramm Schweinefett und 4 Eier, welche man warmem Wasser gut verquirlt hat, weichen Teig gerührt und etwa % Brett tüchtig verarbeitet. Dann läßt ,

Stunde ruhen. Etwa 8 Aepfel werden geschalt, m feine Scheiben geschnitten und mit Zucker bestreut. A Pfund Mandeln werden geschält und gehackt, % Pfund Sultaninen gewaschen und gebrüht. Sind diese Zuta­ten gut hergerichtet, beginnt man mit dem Ausziehen des Strudelteiges. Ein Tisch wird mit einem reinen Tuch belegt, dieses wird mit Mehl bestreut und der ausgerollte Teig darauf gelegt. Setzterer wird nun mit der oberen Handfläche sorgfältig ausgezogen, bis er gang dünn ist. Sodann bestreicht man ihn rasch mit zerlassener Butter ober Margarine, streut Weckmehl, Aepfel, Mandeln, Sultaninen und noch ein wenig Zucker darauf und rollt den Teig mit Hilfe des Tuches schon zusammen. In eine Bratpfanne, die gut mit Butter bestrichen ist, legt man den in 2 ober 3 Teile geschnitte­nen Strubel, bestreicht ihn mit Butter und backt ihn in gut heißem Ofen etwa % Stunde. Nach dem Backen wird er in handbreite Stücke geschnitten. M. W.

Eine kleine Geschichte. |

Bon bet Antenne und dem Marienkäferchen.

Wir wünschen allen Hörern eine gute Nacht!"

Aufatmend vernahm die Antenne die Schlußworte des Ansagers. Gott sei Dank, endlich einmal Funkstille! Sie streckte den langen, blanken Selb, daß es knisterte, und feine, winzig kleine, übriggebliebene Regentröpflein in bie Nacht zerstäubten. Sie hatte einen arbeitsreichen Tag hinter sich, zwölf Stunden lang all bie kleinen und großen Wellen aufgefangen, die von allen Himmelsrich­tungen, aus der ganzen Welt auf sie einftürmten. Dazu mußte man eine starke Natur und gute Nerven haben. Unb schließlich war man doch auch nur ein schlankes Fräulein, noch nicht einmal bleististdick.

Auch jetzt noch zuckte und riß es durch ihren Seid, und nur allmählich sand sie in der stillen Nacht Ruhe und Schlaf ...

Wie lange sie geschlafen hatte, das wußte sie nicht. Als sie die Augen öffnete, war es heller Tag. Sie schaute , ihren glitzernden Leib entlang.

Wer kam da angekrochen?

Ein Käferchen, ein rotes Käferchen mit schwarzen Pünktchen auf den Flügeldecken.

Fräulein Antenne wurde neugierig. Solange sie hier zwischen den Wänden gespannt war, einen so niedlichen Besuch hatte sie noch nie gehabt.

Was wollte das Käferchen bei ihr? Es hatte sich wohl zu hoch in die Luft gewagt unb konnte nicht mehr hinunter zur Erbe!

Aber das Käferchen machte gar keinen bangen Ein­druck. Lustig krabbelte es mit den Beinchen über den Draht unb sagte babei:

So einen seltsamen Weg bin ich noch nie gegangen,

babei hab' ich in meinem Geben doch schon allerhand er­lebt unb bin weit herumgekommen!"

Gleich lachte die Antenne ein silbernes Lachen:Du hast allerhand erlebt? Du kleiner, roter Käser willst die Welt kennen? Ja, ba unten die Hecke und Wiese kennst du. Mehr aber nicht!"

Das Marienkäferchen hob vor Entrüstung die roten Flügeldecken und wollte gerade etwas zu seiner Ber» teibigung sagen. Da wurde die Antenne ganz dienstlich

Still, Siebenpuntt, adjtgegeben! Die nächste Funk- stunde beginnt! Jetzt wirst du mehr erleben und Horen als in deinem ganzen bisherigen Wiesen- und Hecken­leben!" .

Die beiden spürten auf einmal in ihren Gliedern em seltsames Kitzeln und vernahmen dann die Stimmen eines Anfängers:

Meine Damen und Herren, liebe Hörkir^er! In ber heutigen Bücherstunbe will ich vonMarienkäferchens Reise ins Menschenland" erzählen. Ihr kennt doch alle dieses Käferchen! Die Kinder setzen es so gern auf die Hand, lassen es den Finger hinaufkrabbeln. Auf einmal spannt es auf ber Fingerspitze die kleinen Flügel und fliegt in die Welt. So hat's auch dieses Käferchen ge­macht Es wollte den Menschen kennen lernen. Es wollte wissen, ob er gut ober böse ist. Auf dieser Reise hatte es viele Abenteuer zu bestehen, bis es endlich ans Ziel kam. Diese Abenteuer sind so gefährlich, aber auch so wunderbar und lustig, daß ich euch ein wenig davon Bet­raten muß:

Da war der Meister Stecher. Seine Villa war der blühende Apfelbaum. Hier hatte ihn das Marienkäfer­chen besucht. Aber der Stecher hatte ihm nicht gefallen. Er nörgelte zu sehr unb verhöhnte und verspottete die Menschen. Da war es weiter geflogen und kam zu den

Totengräbern. Welch ernste Arbeit sie verrichteten!_ Es wurde von dem großen Artisten des Feldes, dem Saat­schnellkäfer, zu einer Freioorstellung eingeladen. Wun­derbar, wie der Clown durch die Luft sprang und unver­sehrt wieder auf seinen kurzen Beinchen landete! Weiter sührte sein Weg zu der dicken Tante, der Kröte, die so schöne Worte für den Menschen fand. Unb bann das herrliche Lampionfest in der Nacht, bei dem das Marien­käferchen beinahe ein Opfer von Schlund, ber Mörderin, geworden wäre. Aber noch schlimmeren Gefahren^sollte das Marienkäferchen begegnen. Es geriet in die Schna­belspitze des roten Würgers, sah dessen aufgespießte Op­fer, wurde fast wahnsinnig bei ber Luftreise mit dem Sperber, landete im Moor, worin die Fleischfresser wohn­ten, war Zuschauer beim aufregenden Kampf im Trichter eines Ameisenlöwen, vernahm die Geschichte von Gelb- rand, dem Teichreiter, und war plötzlich im Menschen­land, sah den Menschen, den großen und den kleinen und horte die guten Worte einer Menschenmutter . . ."

Der Ansager machte eine kleine Pause. Dann fuhr er fort:

Seht, liebe Hörkinder, das ist die Geschichte vom tapferen Marienkäferchen. Sie steht in dem Buche »Ai a- rienkäferchens Reise ins Mensch en land. Darin ist alles fein aufgeschrieben, wie es geschehen ist, und die Malerin Elfe Wenz-Viötor hat herrliche Bilder dazu gemalt. Und dieses Buch ist erschienen im Verlage Herder u. Co. in Freiburg im Breisgau. Auf Wieder­hören bis zur nächsten Bücherstunbe."

Das Kribbeln in den ©liebem horte auf. Die An­tenne schaute erstaunt bas Marienkäferchen an und konnte zuerst keine Worte finden.

Sag', du, kleines rotes Ding, ist das vielleicht deine eigene Geschichte, die der Ansager da erzählte?"

Das Marienkäserchen saß mit glänzenden Augen auf dem Drahte. Es schüttelte nur fein Köpfchen, nippte mit den Fühlerchen, und sagte immer wieder:Die Men­schen, die Menschen! Wie schnell sie alles wissen, jetzt kennen sie auch schon meine Geschichte und wissen von meiner Reise."

Dann sich von der Antenne verabschiedend, meinte es noch:

Glaubst du jetzt, daß ich schon allerhand erlebt habe? Ich danke dir auch für den reizenden Sitzplatz, nun will ich aber wieder fort."

Und schon flog es davon.

Schade", sagte bie Antenne,ich hätte so gern noch etwas mehr von Marienkäferchens Reife gewußt.

Aber schon begann roieber die anstrengende Arbeit. Tausend Wellenkinder tarnen auf einmal angeflogen und wollten alle bedient [ein.

Da mußte die Antenne hurtig einfangen und weiter­leiten.

Heiteres.

wahres Gefchichlchen. Die kleine Lisl kann alle Verse ihrer Bilderbücher auswendig und gibt auf Ver­langen gern eine Probe ihres Könnens. Nun feiert Großpapa Geburtstag und Lisi hat einen Vers gelernt. Im weißen Kleid mit einem großen Blumenstrauß kommt die Gratulantin angerückt. O Schrecken! Lisl ist der Anfang des Gedichts entfallen. Begüt-gend sagt Großpapa zu ber Erschrockenen:Na Lisl, das macht gar nichts, dafür sagst du mir einen anderen Vers aus beinern Bilderbuch!" Aufatmend beginnt Liesl: .Du armes Schwein, du tust mir leid, du lebst jetzt nur noch kurze Zeit!"