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Nr. 253

Beilage zur Fuldaer Zeitung

1. November

Die katholische Weltpresse. Z3ta»uM.

Bon einer katholischen Weltpresse zu sprechen, ist ge­wagt; einfach darum, weil es noch keine katholische Weltgeltung gibt. Gewiß wird nun allmählich in aller Herren Ländern etwas Katholisches veröffentlicht ein Nachrichtenblatt in Kishuaheli für missionierte Stämme iy Afrika, eine regelmäßige Vervielfältigung oem Funk abgehorchter Mitteilungen für die Katholiken Alaskas. Im großen Orchester sind sie taube Stimmen. Es wäre indes falsch, zu sagen, sie produzieren nicht, sie reproduzierten nur. Auch diese kleinsten Ableger sind in ganz bestimmtem Sinne meinunggebend, nicht allein nachrichtenvermittelnd. Sonst wäre sie einfach nicht als katholisch anzusprechen. Zu glauben, daß in einem Lande, das sich der Einheit des einen Glaubens erfreut, die Presse ohne weiteres katholisch sei, wird niemandem einfallen. Daß sie es nicht ist, liegt an den Katholiken. Es ist ihnen immer schwer gefallen, ihre einzigartigen und klaren Richtlinien aus dem privaten Leben an die öffentlichen Erfordernisie heranzutragen. Wenn sie wach wurden, war der Helle Tag mit seinen Alternativen da und das Gelände war verloren. Einerreichenund bedeutenden, wirklich bedeutend en, katho­lischen Zeitungsvergangenheit kann sich kein katholisches Land rühmen. Wenn ein­mal alles anders als katholisch infiziert ist, wird es schwer, mit den gleichen Mitteln das Umgekehrte zu erreichen. Und trotzdem fühlt sich der Katholizismus stark genug, den Weg zu gehen. Die Angst vor der Zeitung ist ge­schwunden, wie sie vor dem Film schwinden wird.

Nachdem dasHandbuch der Weltpresse" des Deut- schen Instituts für Zeitungskunde vorliegt, kann mit eini­ger Genauigkeit der jetzige Zustand des katholischen Zei­tungslebens angezeigt werden. Es sollen nicht bloß Na­men und Zahlen aenannt wenden; die katholische Tages­presse von Bedeutung wird in der Gesamterscheinung der Zeitungen eines Landes eingebettet bleiben und erschei­nen. Mit Frankreich soll begonnen werden.

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So oft ist bewiesen, Paris sei Frankreichs Herz, daß eine Ausnahme nicht ins Gewicht fallen will. Die Ausnahme sind die Zeitungen Frank­reichs, wohl geschieden in Pariser- und Pro­vinz b l ä t t e r. Den Zeitungen der Hauptstadt ist allerdings eine größere Bedeutung für die Provinz ge­geben als den Berliner Blättern für das Reich. Außen­

politisch kann nur ein Pariser Blatt etwas sagen: ein Blatt von dem Einflüsse der Kölnischen Volkszeitung, der Frankfurter Zeitung sucht man in Frankreich vergebens. Der Provinz ist die Innenpolitik vorbehalten. Die Departements-Verfassung hat dazu erzogen.

Da Frankreich außenpolittsch immer äußerst engagiert gewesen ist, und seine Außenpolittk immer die Massen­politik war, kam so der sonderbare Zustand heraus, daß die Chesredaktion der wichtigsten ProvinMitungen häufig in Paris sitzt und eigene Kabel und Drähte die innige Verbindung mit dem Standort der Zeitung Herstellen. Mit der Unterscheidung Paris: Provinz kann ungefähr gleichwertig eine neue Grenze gezogen werden: Infor« mationsblatttNachrichtenblatt.

Das erste selten parteigebunden, jeder Regierung und Sensation, jedem Geschäft und Interesse freundlich gegenübertretenb, aber allem aber Ruhm und Ehre Frankreichs, das Boulevardblatt, das den Masten fchmei- chelt, ober nicht unser Generalanzeiger ist. Dafür ist es zu literarisch und Hochpoltisch. Die besten Köpfe aus Politik und Kunst sind seine ständigen Mitarbeiter. Auf einige dieser Blätter, die insgesamt nicht mehr als ein halbes Dutzend ausmachen, z. B. M a t i n, S e Jour- nal, Le Petit Parisien, lauscht die Welt. Ihre Riesenauflagen verstehen sich von selbst. Katholisch i st keines.

Meinungspresse ist gleichbedeutend mit Par- teipresse in Frankreich wie in Deutschland. Auch äußerlich sind die Verhältnisse ähnlich gelagert. Auf beiden Seiten die hohe Durchschlagskraft bet gewöhnlichen Auflagen, die solide Redaktionsarbeit, das Stammpublikum, wenn es sich in Frankreich seine Zeitung auch im Straßenhandel ersteht. Hier wie da springen die extremen Parteiblätter aus der Reihe.

Einen Zusammenschluß der Katholiken zu einer Par- tei, wie in Deutschland zum Zentrum, kennt Frankreich allerdings nicht; man verteilt sich auf die republikanischen und konservativen Parteien. Bis vor einigen Jahren stand ein Teil der Katholiken innenpolittsch noch weiter rechts, bei Leon Daudet und Charles Maurras, den Füh­rern derAction franyaise". Die gleichnamige Zeitung, 1908 gegründet, war solange Sprachrohr der Bewegung, bis sie der Papst auf den Index setzen ließ. Aristokraten und Bauern, Geistliche und Bürger, denen die Hoffnung auf ein neues katholisches Königtum in

Fest Allerheiligen.

Lesung: (Offb. 7,2-12).

In jenen Tagen sah ich, Johannes, einen ande­ren Engel vom Sonnenaufgang emporsteigen mit dem Siegel des lebendigen Gottes. Er rief mit lau­ter Stimme den vier Engeln zu, denen Macht ge­geben ward Erde und Meer zu schädigen, und sprach: Schädigt nicht Erde, Meer und Bäume, bis wir die Knechte unseres Gottes auf ihren Stirnen bezeichnet haben. Und ich hörte die Zahl der Be­zeichneten: hundervierundvierzigtausend Bezeich­nete aus allen Stämmen der Kinder Israels. Aus dem Stamme Juda zwölftausend Bezeichnete, aus dem Stamme Ruben zwülftaufend, aus dem Stamme Gad zwölftausend, aus dem Stamme Äser zwölftausend, aus dem Stamme Rephtali zwölf­tausend, aus dem Stamme Manasse zwölftausend, aus dem Stamme Simeon zwölstausend, aus dem Momme Levi zwölftausend, aus dem Stamme Jssacher zwölftausend, aus dem Stamme Za- buton zwölftausend, aus dem Stamme Joseph zwölftausend, aus dem Stamme Benjamin zwöls­tausend Bezeichnete. Hierauf sah ich eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Völ­kern und Stämmen und Nationen und Sprachen Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamme, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmen in den Händen. Sie riefen mit lauter Stimme: Heil unserm Gott, der da sitzt auf dem Thron, und dem Lamme! Alle Engel standen rings um den Thron um die Aeltesten und die vier lebenden Wesen, sie fielen vor dem Thron auf ihr Angesicht nieder und beteten Gott an und sprachen: Amen; Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank und Ehre und Macht und Kraft sei unserm Gott in Ewigkeit. Amen.

Dom kommenden Heiligen.

Aum Aefie Allerheiligen.

Heute bedarf es nicht der Gelehrten, sondern der Helden. Und das ist, so hat einmal einer es treffend gesagt, der Fluch unserer Zeit, daß all un­sere Klugheit und Gelehrsamkeit und Wissenschaft eher geeignet ist, einen klugen, gerissenen, gewand­ten, ' geschickten Menschentypus hervorbringen, gen, aber keinen heldenmütigen Menschen, keinen Menschen, der einen höheren TypusMensch" zu verwirklichen sich getraut, wenn es ihn auch das Leben kosten sollte. Alle miteinander aber fühlen, daß wir heute den heldischen Menschen den Heiligen brauchen. Man redet in verschiedenen Zungen von ihm und selbst in der Schmäh- und Brandrede eines dem Nationalsozia- 'ismtts ob-er Kommunismus verfallenen Menschen­bruders schreit in Wirklichkeit die Sehnsucht nach dem heiligen, vorbildlichen Menschen. Es ist schon viel, sehr viel, daß diese Sehnsucht bewußt oder unbewußt überall lebendig ist, denn der Weg zu dem Heiligen, der uns nottut, geht über die Sehnsucht. Sie ist die Kraft, die den neuen Hei­ligen gebären muß, jenen Heiligen, der wie etwa St. Franziskus und St. Elisabeth, nicht bloß im Kalender, sondern im Herzen des Volkes steht. Voraussetzung ist nur. daß das keine romantische, ausgeblasene, fpielerischeSehnsucht eigener Bequem­lichkeit ist eine Sebnlucht nämlich, die svießbsiroer- lich nach dem ausschaut, der das tun würde, wozu man selber den Mut nicht hat. Diese Art Sehn­sucht verdient nichts anderes, als der Spott ihrer selber und das Gelächter der Welt zu werden.

Ja. aber? Nun, sch will versuchen zu zei­gen, worauf es ar.kommt. Zu allererst muß uns das eine klar werden, daß der vorbildliche Mensch, heiße er nun Franziskus oder Elisabeth oder wie immer, niemals vom Himmel fällt. Der Heilige, wie der Künstler sind zwar jeder eine Gnade, ein Wunder, das nicht gezüchtet werden kann, aber sie sind, sieht man genau zu, jedesmal auch die Erfüllung einer tatwilli gen Sehn- lucht. Hätte es jemals eine <=*»-<--«-

geben können, hätte nicht in den Menschen ihrer Tage die Sehnsucht nach einer solchen Frau ge­lebt? Ganz gewiß nicht. Noch mehr. Sie wäre nicht gewesen, wäre nicht in so und sovielen Frauen ihrer Zeit, deren Namen wir nicht kennen, eine leibliche Vorahnung Elisabeths lebendig und wirklich gewesen. Mit andern Worten: Der Hei­lige wird und lebt nicht nur aus eigener Kraft, sondern auch aus der Kraft der andern. Er ist gleichsam die Zusammenfassung der Kraft vieler, von denen jeder soviel tat, als er konnte, weil seine Mhnsucht ibn dazu trieb. Ein Blick in die Geschichte zeigt, daß, wenn irgendwo eine große Sehnsucht auf,prang, die zäh und geduldig weiter getragen wurde, sie auch jedesmal ihre Erfüllung fand. Und immer so, daß ein jeder da fein klei­nes Teil dazu tat. wo für ihn eine Möglichkeit dazu war. So, ganz so wird es auch mit dem kommenden Heiligen sein. Es kommt alles einzig darauf an, daß der einzelne aus dem Drange sei­ner Sohnsi'cht heraus in seinem kleinen Kreist und für seine Person das zu erfüllen versucht, so gut er kann, was in seiner Seele als Sehnsucht lebt. Auf diese Weise wird eine Kraftzelle neben der andern entstehen Gewiß würde jede für sich al­lein noch nichts bedeuten. Aber nach dem Gesetz der Gemeinschaft des Geistigen werden dies-- Zel­len sich zusammenfinden und zusammenschließen und eben dadurch jene gewaltige Krafthinterlage schaffen, die dann mit einem Male das Wunder Zustande bringt tmh wenn Me Zeit e'füllt ist. ihren Helden ober Heiligen findet, in welchem das Ziel ihrer Sehnsucht mündig und greifbar wird. Wenn man nicht fürchten müßte, mißverstanden zu werden, so fönnte man sagen, nur jene

Zeit habe ihren Heiligen, die sei­ner würdig sei. Will man ober wissen, wie sehr Sehnsucht und Erfüllung sich entsprechen und auf einander angewiesen sind, so denke man ein­mal darüber nach: Was hätte ohne die Elfjäh­rige Sehnsuchtszeit des Advent die Welt (ich denke dabei nicht an die paar Schriftgelehrten und Pha­risäer, die ihn ans Kreuz brachten) mit Christus dem Herrn anfangen sollen? Wäre er nicht eine große Verlegenheit für sie gewesen?

Der Sinn des Festes Allerheiligen kann also nur der sein, einmal uns tröstl'-ch zu tagen, daß alle Sehnsucht ihre Erfüllung fin­den kann, daß aber andererseits alles darauf ankommt, daß jeder einzelne die Sehnjucht wie ein Christophorus auf die Schultern nimmt und sich damit in die wogende Flut unserer Zeitnot, unseres Elends und unserer Verzweiflung wagt. Wir können den neuen Heiligen nicht vom Him­mel holen (wenn schon mir um ihn beten müssen), wir müssen ihn gleichsam dem Rachen der Zeit entreißen, dieser Zeit, die, so bunt und verwirrt sie auch ist, doch uns von Gott gegeben ist, daß wir Antwort auf sie geben und sie nach seinem Antlitz gestalten. Indem wir das tun, jeder art feiner Stelle und nach feinen Kräften, wächst hinter uns der Schatten des kommenden Heiligen der sich zu­sehends verdichtet, um schließlich da zu sein, ähn­lich wie Christus in den Fußstapfen eines Johan­nes da war. Unser ist das Borläufersein und es kommt alles darauf an, ob mir dazu den nötigen Mut und die nötige Demut haben- Die acht Seligkeiten aber zeigen den Weg. Wer wird sich aufgen'f»n fühstn. wenn sie diesmal im Evan­gelium des Allerheiligentages verkündet werden?

C£f)C Und 5*(imilic* /3«ifgeifl nn6 tat». @6e-5beaL

In ihrenErneuerungsbestrebungen" ist unsere Zett .zweifelsohne durchgreifend. Sie trifft die letz­ten Wurzeln des Seins und auch die Ehe hat sie in ihrem Bestand angegriffen. Der Geist der Zeit zerstört sie, noch bevor sie zustandekommt, d. h. er vergiftet das Denken der Menschen, zu deren Le­bensaufgabe es gehört, eine gute Ehe aufzubauen.

Zwei Anzeichen beweisen klar, daß man hier von einer Zellvergiftung oder Keimschädigung spre­chen kann. Das eine untrügliche Kennzeichen ist die Flut der Anklagen, die sich über die Ehe der Vergangenheit und Gegenwart zugleich ergießt. Die Unterscheidung in Vergangenheit und Gegen­wart ist unbedingt notwendig, denn es ist eine Schau von verschiedener Warte. Die aus der Ver­gangenheit in die Gegenwart blicken, sind entsetzt. Und die rückwärts schauen nicht minder. Denn die Eh», rote fie oie'e unserer Vorfahren führten, wem erscheint sie heute noch als Ideal? Sie war in vie­len Fällen nicht mehr als eine Zweckgemein­schaft auf materieller Grundlage. Auch heute ist fie vielen eine Zweckgemeinschaft, aber auf geschlechtlicher Grundlage. Dabei lachen sie über den .Kindersegen" der Ver­gangenheit und ahnen nicht, daß sie mit ihrer Auf­fassung noch weit mehr vom Ideal ob« gewichen sind als jene.

Damit kommen wir zu dem Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Früher sah man im Durch­schnitt und das muß betont werden, da es Ab­weichungen von der mittleren Linie stets gibt und gegeben hat Kindersegen noch im wahr­sten Sinne des Worts als Segen an. Er war nicht Hauptzweck der ehelichen Gemeinschaft, aber deren natürliche Folge. Heute ist das anders. Der Ge­gensatz von Einst und Jetzt wird auch in den For­men der heutigen Ehe zur Wirklichkeit. Es sind Erscheinungen, die den Stempel des Verfalls in sich tragen, da sie die Ehe von ihrem Urzweck loslösen. Der Trieb wird zum Leitmotiv in der freien Liebe und Kameradschaftsehe. Aber die

natürlichen Folgen des Triebes werden unterbun­den oder doch wenigstens beschränkt. Persönliche Willkür herrscht über das überpersönliche Natur­gesetz.

Die neue Wirklichkeit wäre aber nur halb be­leuchtet, wollte man den Zeitgeist losgelöst von der Zettlage betrachten, ©teljen sie doch zu ein­ander in ursächlicher Beziehung. Es ist nicht ver­fehlt, von einer Dämonie der Arbeit zu sprechen, die den Menschen mechanisierte, zu einem Stück Maschine mochte und machen wollte, ba sie nur seinen Handgriff wollte. Die Arbeit, ihres ideellen Wertes, der Verantwortung des Einzel­nen beraubt, wurde nur vom Tempo beherrscht, das auch m die Ruhe des Familienlebens hinüber, griff. Heute ist zwar die zeitliche Einschränkung verringert, aber dafür ist für die meisten Familien der Großstädte eine solche Verknappung des Raums eingetreten, daß bereits das Wort vom Einheitsraum mit den Individual- flächen" geprägt wurde, worunter die wenigen Quadratmeter Fläche verstanden werden, die keine Jdealehe mit Kinderreichtum mehr äußerlich zu­lassen. Dazu die Arbeitslosigkeit; denn ein Ar­beitsloser, dem jede Möglichkeit genommen ist, durch eigene Kraft sich und feiner Familie weiter- zuhelfen, muß geistig zermürbt werden. Es ist zwangsläufiges Geschehen, daß die Ehemüdigkeit überhandnimmt, obgleich die Atmosphäre erotisch gesättigt scheint und wie Blei auf den Sinnen und Denken der Männer und Frauen und der Jugend liegt. Leben will jeder, d. h. die Liebe genießen, ohne die Verantwortung tragen zu können oder zu wollen.

Wüßten wir nicht um katholische Eheauffassung, müßte es uns scheinen, fein Weg führe aus die­sem Dorngeschiinae heraus. Jeder Schritt, den Freiheit" dürstende Geister unternehmen, führt ja nur tiefer ins Dickicht. Noch recht­loser werden die wehrlosen Unge­borenen, noch mehr von Willkür b e-

Frankreich noch nicht entflohen war, stellten die Leser. Zeitweilig ging die Auflagenhöhe an die 90 000-Grenze heran; fie ist gegenwärtig auf 2030 000 zurückgefallen. Die Leser haben sich umgeschichtet: Studenten, Royalisten, dieCamelots du Roi" lesen sie. Wer Abonnent ist, ist automatischKammerdiener des Königs". Außenpoli­tisch sympathisiertL'Action Franyaise" mit dem Fa­schismus. Gedämpfter bringtLa Liberte" (Die Freiheit) das gleiche Programms). Katholische Bürger­und Handelskreise, dieJeunesses Patriotes" (Junge Pa­trioten) lesen das Blatt, das schon an die siebzig Jahre alt ist.

Das führende katholische Blatt ist indesLa Croix" (Das Kreuz). Es ist das Organ des Nuntius, des Kar­dinals, des Klerus. Verwaltung und Chefredakiton lie­gen in den Händen von Geistlichen. Die tägliche Auf­lage des 1888 gegründeten Blattes beläuft sich auf 750 000 Exemplare, die sich in der Wochenausgabe auf eine Million stsigert. Das ganze republikanisch-katholische Frankreich liest die Zeitung. Auch in Deutschland sieht man fie gelegentlich, gleich auffallend durch die Szene von Golgatha am Kopf des Blattes. Wochenausgaben erscheinen für 104 Departements.

Kein anderes französisches Blatt kann eine gleiche hohe Zahl von festen Abonnenten angeben. (Das ist überhaupt em Kennzeichen der katholischen Presse Frankreichs). Noch durch eine andere Tatsache fällt sie aus dem Rahmen, in dem sich die Zeitungen aller an­deren Richtungen bewegen. Die Hacholiken Frankreichs haben die einzigen Pressekonzerne des Lan­des geschaffen und in Besitz. Als erster istLa Presse Regionale" (Die Landeszeitungen) zu nennen. Nordfranzösische Industrielle haben sich zu einer Aktien­gesellschaft in Paris mit einem Kapital von 3 335 000 Francs zusammengetan, die ein rundes Dutzend katho­lischer Zeitungen in den verschiedenen Departements mit täglich 400 000 Exemplaren Auflage herausbringen. Die Erscheinungsorte sind über ganz Frankreich zerstreut (Toulouse, Rennes, Bordeaux, Arras, Besancon, Desoul, Nancy, Epinal, Nantes, Amiens, Angers, Grenoble).

Die Schwierigkeiten für eine solche Gründung und die Sicherungen für den Bestand erscheinen erst in der rechten Beleuchtung, wenn an die Feinde stder Kon­zernbildung, die Monopole, gedacht wird., Drei Mo­nopol« beherrschen die ftanzöstsche Presie. Die2t g e n ce Nationale de Publicity" ist die Anzeigenexpe- dition, über die jedes Inserat von Wichtigkeit läuft, die Messageries Hachette" befindet sich in der Monopolstellung für den Zeitungsvertrieb. Der Par- {ümfabritant Coty hat zwar eine Bresche in dieses Sy-

herrscht die bestehenden Ehen, noch mehr ihres natürlichen Mutter­bodens, der Familie, beraubt die Kinder Was unsere Eheauffasfung um !o viel reicher, aber auch schwerer macht, das ist der

Opsergedanke.

Freilich bleibt darum die Behebung der Woh­nungsnot und der Arbeitslosigkeit Sorge der be­rufenen Kreise. Ein Katholizismus opiervoller Worte ist uns vorqeworfen worden und nicht ein- mos aarn m llvr-cht. Oft liegt es nur an der Notwendigkeit äußerer Hilfe und gar nicht am gu­ten Willen der Betreffenden. Nicht zum Richter sind wir berufen, aber zum Helfer und Wegwei­ser.Der Geistliche soll nicht nur Richter und Pascha sein, sondern im Volk als Berater und Hei­ser stehen", sagte dieser Tage ein führender Prie­ster. Das gilt auch von jedem Laien, der hier hel­fen will.

Aber die Versuche zur Lockerung des Ehe-Ideals führen wesivtlich über die Not hinaus. Hier gilt der ganze Einsatz des Katholiken. Zwar fühlen auch wir die Stärke der äußeren Hemmnisse. Aber unser Ehe-Ideal ist das des persönlichen Opfers. Solange noch die Scheidunasmöglickkeit der Wiedervermäh- lung besieht, ist hi» Hingabe des Ich an das Du bedingt Erst die unauflösliche Ehe gibt den letzten Einsatz derPer. son für den anderen. Aus solcher Hingabe etmäd;ft die wahre Lebensgemeinschaft, die das Ich aus feiner Enge erlöst und dem Du zuführt. Diese Einbeziehung des Du in den eigenen Lebens­kreis muß ein Dauerzustand fein, her nicht von der zeit- und lustbetonten Willkür abhängt, son­dern durch feine sakramentale Weihe über irdische Erwägungen hinausgeht

Unsere Ehereiorm wächst an dem Id e a l der Hingabe des gesamten Menschen. Diese Grund­haltung gilt es ins Volk zu tragen. Welche An­strengungen machen die Künder der freien Ehe! Wie treten sie für Aufhebung des Paragraphen 218 ein! Es ist falsch zu sagen, vieles Reden könne das Zarte und Heilige einer Ehe zerreden Es gibt Dinge, die nicht oft genug gesagt werden kön­nen. Es gibt noch so viel Gutes auch im anders gerichteten Menschen, das auf die herbe Größe un­serer Eheauffassung hinhorchen macht, wenn sie in der rechten Weise verkündet und was noch viel wesentlicher ist gelebt wird. Eine Einheits­front der Berufenen ist freilich nötig. Seelsorger und 2lrzt, Lehrer und Eltern ba^en hier die gleiche Aufgabe vor dem kommenden Geschlecht- Mit Schimpfworten und Entrüstungen ist allerdings nichts erreicht. Ermutigung, tatkräftige ^Hfe durch Kleidung und Lebensmittel, wenn möglich Hilfe zur Beschaffung besserer Wohnräume und Avbeitsmöalichkeiten sind oft nötiger als viele Worte. Die geistige Erneuerung m u tz Hand in Hand gehen mit der $ eh e f> u n a der sozialen Not. Die Individual­fläche muß sich wieder verbreitern zum Lebens, r a u m f ii r M a n n u n d Fr a u u n d K i n d. Denn in diesem dritten Leben müssen Vater und Mutter sich finden können.

Gerade in der Arbeitsgruppe des diesjährigen Katholikentages, die von der Ehe und Familie handelte, wurde keine Entschließung gefaßt, weil man die lebendige Tat nicht durch Worte ersetzen wollte. So mag es jeder als seine Pflicht betrach, ten, im eigenen Umkreis so viel Ehenot zu lindern als er vermag. Der Einzelne kann nicht die 93er- antwortung dem armen Mitbruder gegenüber auf das Reich und die staatlichen Organisationen ab­schieben wollen. Auch die in einem Mitgliedsbei­trag dokumentierte Hilfe einer karitativen Vereini­gung genügt nicht. Hilfe von Mensch zu Mensch tm engen Bekanntenkreis tut not. Hier kann christ­liche Auffassung über den Zeitgeist siegen. Zu­gleich ist dos bester Dienst an christlicher Sache, denn daß wir der hohen Ideale nicht entbehren, geben auch unsere Gegner zu; daß wir aber ent­sprechend leben, bezweifeln sie. W. G.

ftem gelegt, indem er für seine beiden Zeitungen, die alle Well beunruhigen wollen, einen eigenen Nachrich­ten- und Dettttebsdienst ausbaute; die Katholiken find aber noch auf die alte Organisation angewiesen.

Den zweiten Zusammenschluß haben zwölf katho­lische Zeitungen Elsaß-Lothringens zur Presse Neunte" (Vereinigte Presse) gefunden. Der Sitz dieser Gesellschaft ist fett 1924 Straßburg. Die täg­liche Auflage beziffert sich auf 175 000, di« Erschei­nungsorte sind Straßburg, Kolmar, Schlettstadt, Hage­nau, Molsheim, Weißenburg, Mülhausen, Thann, Geb­weiler, im Sundgau und Niederelsaß. Daneben erschei­nen im gleichen Bezirk noch einige andere ringfreie Blät­ter, meist Organe der heimatrechtlichen katholischen Volks­pattei, mit kleinen Auflagen. Di« Zeitungsorganisation ist hier schon oder noch nach der benachbarten deuffchen orientiert, d. h. in jedem Gemeinwesen ein eigenes Blatt von lokaler Bedeutung. Die französische Provinz ist da­gegen anders organisiett, wie angedeutet ist: im großen Raume ein tonangebendes Organ für alle Fragen des Abschnitts. Das Regionale ist also das Betonte. Außer den inLa presie Regionale" zusammengeschlossenen Provinzblättern sind in dieser Kategorie noch zwei Spitzenorgane auszuführen, die nach Bedeutung und Verbreitung mit in der Front marschieren, wie über­haupt die Auflagenhöhe der Provinzzeitung die der Pa­riser Zeitung, wenn es sich nicht gerade um eines der vier großen Informationsblätter handelt, weit übertrifft

In Lyon erscheintLe Nouvelliste de Lyon" feit dem Jahre 1879 in täglich acht bis zehn Ausgaben für 25 Departements Südostfrankreichs. Er erreicht eine Auflagenziffer von 200250 000 Stück und wird vornehmlich in den konservativ - katholischen Krei­sen gelesen.

In Rennes erscheintL'O u e st - E c l a i r" feit dem Jahre 1899 in täglich 12 Ausgaben für die katholisch- republikanische Bevölkerung des Westens. Das Blatt hat es auf 225 000 Abonnenten gebracht. Die Leitung sitzt in Paris, während Lyon dort eine Dedak- tion mit eigenem Draht unterhält. Für den ,,2Dueft- Eclair" ist noch die Besonderheit zu erwähnen, daß er auf betriebseigenem Papier gedruckt wird, das in einer eigenen Papierfabrik in Rennes hergestellt wird. Die meisten französischen Blätter werden nämlich auf deut­schem Papier gedruckt, das den Reparationslieferungen entstammt. Selbstverständlich tritt zu allen erwähnten Blättern noch eine Unzahl örtlicher und nebensächlicher Organe; die erwähnten sind vollgültig und gleichberech­tigt in der großen Presse des Landes. Dr. Fr. Kr.