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Samstag, 31. Oktober 1931.

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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandk'reis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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Die Wahlen in England.

Das Ergebnis der Wahlen zum englischen Un­terhause hat in der ganzen Welt überrascht, nicht am wenigsten in England selbst. Wird -och er­zählt, daß sogar Mac Donald völlig konsterniert gewesen sei und sich garnicht habe entschließen kön­nen, an dem Abend des Wahltages zu Bett zu ge­hen so stark war der Eindruck des konservativen Sieges und der Niederlage der Arbeiterpartei.

In Deutschland versuchen die radikalen Blätter, aus dem englischen Wahlergebnis parteipolitisches Kapital zu schlagen. Die Zeitungen Hugenbergs und Hitlers wetteifern dabei miteinander um die knalligste Ueberfchrift. Goebbels'tut sogar so, als ob die deutsche Sozialdemokratie eine Niederlage erlitten habe. Demgegenüber muß knapp und sachlich festgestellt werden, daß der ehemalige Ar­beitervertreter, der schon früher Mac Donald ver­ließ, um eine nationalsozialistische Gruppe aufzuziehen, kein einziges Man­dat errungen hat. Er und seine sämtlichen 23 Kandidaten werden das Unterhaus nicht betre­ten. Es liegt demnach nicht der geringste Anlaß vor, an Parallelerscheinungen zum deutschen Hit- lerwahn zu denken. Die Engländer sind vernünf­tiger und politisch geschulter als wir und fallen auf ausgesprochene Abenteurer nicht herein.

Auch die deutsche Hugenbergpresse kann ehr­lich den riesigen Erfolg der englischen Konserva­tiven nicht als eine Auswirkung d e u t s ch na­tionaler Gedankengänge ansehen. Wenn sie es trotzdem f"L ?,A '7Vrtn die

Konservativen unter der Führung Baldwins den­ken über Politik und Vaterland ganz anders als die deutschen Hurrapatrioten, die überhaupt nicht denken, sondern nur reden. Was in Deutschland nach ausdrücklicher Feststellung des Reichskanzlers Dr. Brüning nicht möglich war, eine Regierung zur Verteidigung der gemeinsamen natio­nalen Interessen zu bilden, das gelang in England, als das Reich plötzlich in Not geriet, im Handum­drehen, und zwar in einer Form, die in Deutsch­land erst recht unmöglich wäre: der sozialisti­sche Ministerpräsident blieb an der Spitze der Re­gierung, und sein konservativer Gegenspieler ord­nete sich chm unter. Warum? Weil das Land in wirtschaftlicher Gefahr war, weil daher parteiliche Rücksichten zu schweigen hatten, und well in England führende Politiker sich genug Kaoaliersgesinnung bewahren, um die menschli­chen und politischen Eigenschaften eines Anders­denkenden gelten zu lassen. Mac Donald war seit vielen Jahren für die Konservativen der Führer der Opposition, aber deswegen nicht, wie es bei uns ist, als moralisch minderwertig und patriotisch unzuverlässig angesehen. Als er sich ent­schloß, die Kräfte der Nation im Kabinett zusam­menzufassen, stellten sich ihm die Konservativen ganz selbstverständlich zur Verfügung. Könnte man sich einen solchen Vorgang in Deutschland vorstellen? Nein, auch unsere Deutschnationalen haben keinerlei Recht, sich an den Siegesfeiern der englischen Konservativen die erstarrenden Finger zu wärmen.

Was hat die Niederlage der Arbeiterpartei her. beigeführt? Ob sie wirklich innerpolitisch und wirt­schaftlich so viele Fehler gemacht hat, wie es ihr jetzt bequemer Weise nachgesagt rvird, das bleibe dahingestellt. Aber einen riesigen Fehler beging sie, als sie sich im Augenblick, da schärfste Kon­zentrationen der Kräfte die einzig berechtigte For­derung war, von einigen Verbohrten in die Sackgasse der Nur-Parteipolitik tret' feen ließ. Es ging damals eine Angstwelle über das englische Volk hin, und deshalb war es sehr damit einverstanden, daß Macdonald und Baldwin ihre Parteiprogramme zunächst zu den Akten leg­ten und sich zusammensetzten, um überpartei­lich die günstigsten Maßnahmen für die Wohl­fahrt des Landes zu treffen. Die Arbeiterpartei dagegen hielt auch in dieser Stunde an überliefer­ten Doktrinen fest und ließ sich sogar dazu verlei­ten, sich von ihrem bewährten Führer Macdonald zu trennen, und auch dies nicht einmal in schönen Formen. Dafür hat, wie sich jetzt herausstellte, die Mehrheit der englischen Wähler kein Verständ­nis aufgebracht und jetzt am Wahltage diese ihre abweichende Meinung selbst einem Manne wie Henderson bescheinigt. Die ehemaligen Partei­freunde Macdonalds, die seine Ministerkollegen waren, sind nicht wiedergewählt worden.

Trotzdem ist es irreführend, wenn in Deutsch land die Blätter Hitlers und Hugenbergs die Dinge jetzt io darstellen, als sei die englische So­zialdemokratie, wie Goebbels sich ausdrückt, zer­schmettert. Sie hat immerhin ein Drittel aller Stimmen noch für sich buchen können, wäre also, wenn in England nach deutschem Wahlrecht ge­wählt würde, viel stärker ins Unterhaus eingezo­gen, als die Nazis im Reichstag fitzen. Bon einer Zerschlagung der Arbeiterpartei, wie man sie den unwissenden Nazimählern jetzt vorerzählt, kann also gar feine Rede fein. Lediglich der sonderbaren englischen Mandatszuteilung llt es zuzüschreiben, daß die Arbeiterpartei so viele Par­lamentssitze verloren hat. Auch wäre es falsch an­zunehmen. daß die Riesenzahl der konservativen Mandate sich auf eine entsprechende Zahl gesin­nungsmäßig überzeugter konservativer Wähler stützen könne Es ging ja diesmal nicht um Par­teiparolen, fondern nur um die Frage, ob die jetzige nationale d. h. nicht im Sinne des ab- gegriffenen deutschen Begriffs national Regie­rung am Ruder bleiben oder ob die Opposition zur Macht kommen solle. Darum haben in fefjr vielen Wahlkreisen auch solche Wähler für die Kon­servativen gestimmt, die unter anderen Umstanden ganz anders votieren würden. Der englische Wäh­ler weiß zu unterscheiden zwischen den Jnteresien des Landes und den ehrgeizigen Bedürfnissen der Parteien Letztere schieden bei dieser aus, und gerade darum haben viele Wähler, die ihrer politischen Ueberzenaung nach sich nicht zu den Konservativen rechnen, dennoch der Arbeiterpartei las Mißfallen über ihre Haltung bei der letzten

Regierungsbildung ausgedrückt. In Deutschland wäre etwas Derartiges leider nicht möglich

Macdonald wird voraussichtlich Ministerpräsi­dent bleiben, und auch das ist eine Erscheinung, die uns verbietet, den Wahlsieg der Konservaitven zu dem Anschwellen des deutschen Rechtsradikalismus in Parallele zu setzen. Möglicherweise wird Mac­donald dem zahlenmäßigen Ergebnis aber doch Rechnung tragen und das eine oder andere Mini­sterium jetzt anders besetzen.

Snowdens Nachfolger.

Das englische Kabinett wird jetzt ergänzt und vielleicht im Personal etwas verändert werden müssen. Snowden kann, da er sich nicht zur Unterhauswahl stellte und daher nicht Mitglied des in Finanzfragen souveränen Hauses der Gemeinen ist, nicht Schatzkanzler bleiben. Er wird sicher, mit der Peerswürde belohnt, ins Oberhaus einziehen. Sein Nachfolger wird voraussichtlich Neville Chamberlain werden.-

Snowden Groß-Siegel-Bewahrer?

wtb. London, 30. Oktober. (Gig. Meld.) Wie verlautet, wird das Parlament zu einer kurzen Tagung einbetufen werden, in der die Frage eines Schutzes des inneren Marktes gegen die Gefahren eines Dumping behandelt werden wird. Snow­den wird, obwohl er die Peer-Würde erhallen wird, im Kabinett weiter bleiben, wahrscheinlich als Geheimsiegelbewahrer. Für das Finanzministe- rium werden die Namen Neville-Chamberlain und Ronciman genannt, währendTimes" von Bald­win" selbst spricht.

Philipp Snowden, i

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Wie verlautet, wird wahrscheinlich der einzige wiedergewählte frühere Arbeiterminister Lands- bury die Führung der parlamentarischen Oppo­sition übernehmen, da er das älteste Mitglied der Arbeiterpartei im Parlament ist. Henderson, der sein Mandat verloren hat, wird, wie seine Freunde glauben, bei der ersten Gelegenheit wieder kandi­dieren.

*

Nach den bis jetzt vorliegenden Wahlergeb- niffen hat der Regierungsblock 555 und die Oppo­sition 55 Sitze erhalten. Es fehlen noch die Er­gebnisse von 5 Wahlbezirken.

Sir Herbert Samuel, der Führer der nationalen Liberalen, die einen großen Teil der liberalen Wähler für sich gewinnen konnten.

Die Zusammenlegung von Landkreisen. Der Amtliche Preußische Pressedienst schlecht: Auf die vielfachen Mitteilungen und Meldungen von einer unmittelbar bevorstehenden Auflösung und Zu­sammenlegung von preußischen Landkreisen durch Notverordnung erklärt der preußische Minister des Innern, daß nicht beabsichtigt sei, solche Maßnah­men zur Vereinfachung und Verbilligung der Ver­waltung ohne vorherige Verbindung mit den Land­tagsparteien überraschend mittels Notverordnung durchzuführen. ____________________

Verminderung der spanischen Beamtenschaft um die Hälfte. Wie Havas aus Madrid berichtet, wird in den Wandelgängen der Kammer ein Dekret der Regierung besprochen, durch das in Spanien die Zahl der Beamten um 50 Prozent herabgesetzt werden soll. Ausgenommen sollen nur die Beamten des Finanzministeriums, des Kriegsministeriums und die diplomatischen und Konsularbeamten sein. Die Herabsetzung erstreckt sich auf alle Grade der Beamtenschaft, die in den einzelnen Rängen um die Hälfte gekürzt werden sollen.

Die Hindenburg-Kommission.

Die Verhandlungen des Reichskabinells und des Wirtschaftsbeirats sind Dienstag abend unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten fortgesetzt wor­den. Sie dauerten von 17 bis 19 Uhr und waren ausgefüllt durch eine allgemeine Aussprache, in der nach den Vormittagsreden von Regierungsseite nun die Vertreter der verschiedenen Berufe zu Worte kamen. Stimmungsmäßig läßt sich feststel- len, daß der eindringliche Appell des Reichspräsi­denten an das Verantwortungsgefühl der Petei- ltgten offenbar doch einen sehr starken Ein - druck gemacht hat. Jedenfalls hören wir von gut unterrichteter Seite, daß sich in der Aussprache trotz der natürlichen caeaenfätzlichkeit in de? sach­lichen Einstellung allgemein ein erfreuliches Verständnis für die Forderungen der gegen­wärtigen Notzeit gezeigt hat.

Der Freitag vormittag wird von Verhändlun- gen frei bleiben, damit die Vertreter der Gruppen Gelegenheit haben, sich miteinander zu beraten. Nach der bisherigen Aussprache kommt es' nun nämlich darauf an, zu Formulierungen zu gelan­gen. Sie sollen ausgearbeitet werden, so daß ste am Nachmittag in der Vollsitzung des Wirtschafts­beirats vorgelegt werden können, die um 17 Uhr wieder unter dem Vorsitz und im Hause des Reichspräsidenten beginnt.

Man rechnet damit, daß dann die Generalaus­sprache bereits zum Abschluß kommen und zur Einsetzung der drei Fachausschüsse für die Haupt­fragen fuhren wird. Bei aller Anerkennung der Schwierigkeiten, die in der Natur der Probleme liegen, werden in Kreisen der Beteiligten die Aus­sichten doch so optimistisch beurteilt, daß man letzt sogar an einen schnelleren Abschluß der ganzen Arbeiten glaubt, als ursprünglich erwartet wurde. Man rechnet damit, daß die Ausschüsse, die sofort mit der Arbell beginnen sollen, schon Ende der nächsten Woche ihre Berichte vorlegen werden.

Poltttt statt Ehrlichkeit.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Es ist feit dem Weltkriege in Deutschland üblich geworden, sämtliche Skandale im beson­deren, wie auch die schwere Lage des Reiches un allgemeinen dem System, in der Hauptsache , der Beteiligung republikanischer Kreise an der Re­gierungsverantwortung in die Schuhe zu schieben. Der Berliner Sk l ar e k-S k a ndal hat den Blättern der Rechtsopposition monatelang.. und auch jetzt wieder willkommenen Stofs geliefert, um gegen die Republik zu hetzen, die angeblich solche Dinge begünstigte. Aber der Skandal, der sich an den Namen und. man muß schon sagen, an den Begriff Nordwolle knüpft, wies in eine an­dere Richtung. Die Gebrüder Lahusen sind we­der Marxisten noch Zentrumsleute oder Demokra­ten, sie stehen vielmehr derjenigen Partei W nahe, die nach ihren Reden die Säuberung der wirtschaftsichen Moral auf ihre Fahne geschrieben hat'. Augenblicklich erregt man sich über den Skandal Schultheiß. Darin ist der Name eines Mannes verwickelt, dyr sogar in den Wirt­schaftsbeirat der Reichsregierung berufen worden war, jetzt aber, nachdem der Staatsanwalt sich mit den Schultheiß-Direktoren beschäftigt, dock» zu ei­ner Erklärung sich entschlossen hat, nach der er an den Sitzungen des Beirates nicht teilnehmen rotll.

Wir begrüßen diese Erklärung und warten ab, ob in der Tat die Vorwürfe, die gegen diesen Herrn erhoben werden, sich, wie er behauptet, als haltlos erweisen werden. Es scheint uns aber u n- begründet, wenn eine Berliner deutsch­nationale Zeitung ohne weiteres behauptet, bei den Vorwürfen handele es sich um einen wirt­schaftlichen Verleumdungsfeldzug mit politischem Hintergrund, weil der An- geschuldigte politisch und wirtschaftlich jenen Krei­sen fernstehe, die in zwölfjähriger Tätigkeit Wirt­schaft und Staat herabgewirtschaftet hätten. Da muß man doch ein großes Fragezeichen anfügen. Wir erwähnten schon die Affäre dernationalen Gebrüder Lahusen, wir könnten auch noch andere aufzählen. Und welcher Umstand hat denn Deutsch- land am tiefften in feine jetzige Wirtschaftsnot hineingeritten? War es nicht das Wahlergeb­nis vom 14. September 1930, das sich geradezu verheerend ausgewirkt hat? Aber es scheint uns allgemein falsch, bei allen Din­gen, die passieren, politische Maßstäbe an­zulegen. Es ist erwiesen, daß es in Deutschland in größerer Zahl Ehrenmänner gibt, deren privater Lebenswandel, kriminell gesehen, durchaus kor­rekt ist, während sie keine Bedenken tragen, auf geschäftlichen Schleichwegen Tau- sende von Mitbürgern ins Unglück zu bringen und sie um ihr Eigentum zu be­trügen. Es wäre sehr bedauerlich, wenn hierbei Parteigrundsätze als Anlaß solcher Haltung ge- ferandmarkt werden müßten. Wohl aber kann man sagen, daß die nationale Gesinnung sich zunächst in der Sauberkeit der eigenen beruflichen Lebensführung zu doku- mentieren hat. Das Wort des Reichskanz­lers Dr. Brüning bleibt immer noch offen, daß er eventuell genötigt werden könnte, Einzelhei­ten aus den Absichten und Prakti­ken gewisser großer W i r t s cha f t s f u h- rer öffentlich mitzuteilen.

* Aufhebung des Verbots des Braunschweiger volksfreund" durch den Reichsinnenminister. Wie dieB Z." meldet, hat Reichsinnenminister G r ö- ner soeben das Verbot der sozialdemokratischen Braunschweiger ZeitungVolksfreund" mit Wir­kung vom 1. November ab aufgehoben. Erlassen war das Verbot vor funem, am 21. Oktober, von dem nationalsozialistischen Innenminister in Braunschweig Klages auf 8 Wochen, fo daß der Volksfreund" erst Mitte Dezember hätte wieder erscheinen können. - - °

Die Reparations-Frage.

wtb. London, 30. Ott. (Eig. Meld.). Im News Ehronicle schreibt Sir Walter Sagten u. a.: Es ist keinem Schuldner-Land mehr möglich, das Problem der Rückzahlung der Schulden mit ei« gener Kraft zu regeln, die Gläubigerländer müssen sich endgültig darüber einigen, ob sie Zah­lungen in Form von Sachwerten haben wollen, oder ob sie es oorziehen, die Schulden herabzu­setzen. *

Botschafter von Hoesch verließ am Donners­tagabend Paris, um sich auf Veranlassung der Reichsregievung nach Berlin zu begeben. Der Botschafter wird dort die Anweisungen der Reichs­regierung entgegennehmen, um bei der Rückkehr Lavals aus Amerika sofort mit ihm Fühlung neh­men zu können. Es handelt sich hierbei in. erster Linie um die Besprechung der in Frankreich ge­wünschten Einberufung des Sachverständigenaus­schusses für die Tribute.

Der Sonderberichterstatter derInformation" an Bord derIle de France" erklärt in seinem Donnerstagbericht, daß Laval großen Wert darauf lege, den im Paragraphen 8 des Poungplanes vorgesehenen Sachverständigenausschuß so rasch wie möglich zusammenberufen, damit er die Lage in Deutschland prüfe und den Regie­rungen geeignete Vorschläge unterbreite. Laval beabsichtige außerdem, die Kammer aufzufordern, sich unverzüglich über die Politik auszusprechen, die sie in Zukunft zu verfolgen beabsichtige.

Die Rüstungspause.

wtb. Washington, 30. Oktober. (Eig. Meld.) Die offizielle Erklärung, daß die Vereinigten Staaten dem Völkerbundsplan einer einjährigen Rü­stungspause zustimmen, ist nach Genf tele­graphiert worden. *

wtb. London, 30. Oktober. (Eig. Meld.) Laut Daily Herold" wird Henderson auf der Gen­fer AbrifftungLlonserenz den Vorsitz führen. Das Gerücht, daß er wegen des Ergebnisses der Par- lainetttswahlen wahrscheinlich diesen Posten nieder­legen werde, wird von Henderson mit allem Nach- druck bementiert.

* Staatsrat gegen seinen Abbau. Der preu­ßische Staatsrat beriet über die Sparnotverord­nung der Preußischen Regierung, und zwar im besonderen über den Teil der Verordnung, wonach der Staatsrat um rund ein Drittel seiner Mitglie­derzahl verkleinert werden soll. Entsprechend-den Vorschlägen seines Verfassungsausschusies, der die Ablehnung der Vorlage unter anderem deswegen empfahl, weil sie Eingriffe in Verfassungsbestim­mungen enthalte, wurde die Vorlaae vom Staats­rat einstimmig abgelehnt.

* Kanada will die Einberufung einer Welt­reichswirtschaftskonferenz beantragen. Der kana­dische Premierminister Bennett gab bekannt, die kanadische Regierung würde sofort bet den Regie­rungen des ©ingire beantragen, die für das nächste Jahr geplante Wellreichswirtschaftskonferenz sobald wie möglich in Ottawa zusam 'ntreten zu 'lassen.

Aus dem Osten.

Neue Zusammenstöße in der Mandschurei.

wtb. Paris, 30. Oktober. (Eig. Meld.) Die Agentur Judo Pascific berichtet aus Tokio, daß nach einer Meldung aus Mukden bei einem Kampf mit chinesischen Truppen ein japanischer Haupt­mann tödlich verletzt, zwei Mann getötet und bret schwer verletzt worden seien. Die chinesischen Trup­pen hätten die Nachhut einer japanischen Abteilung angegriffen, die nördlich von ?)i"r< u Räuber­banden zurückgeschlagen habe.

Cholera in Persien.

In der Gegend von A h w a s ist, wie aus Teheran gemeldet wird, eine schwere Cho- leraepibemie ausgebrochen. Der Leiter des Regierungskrankenhauses hat sich mit mehreren Aerzten und Serum für Tausende von Kranken im Flugzeug von Teheran nach dem Herd der Epide­mie begeben.

Die Reichs-Ainanzen.

Die Reichssteuereinnahmen im September und von Juli bis September 1931.

wtb. Berlin, 30. Oktober. (Gig. Meld.). Die Einnahmen der Reiches im Monat September 1931 betrugen (in Millionen Reichsmark) bei den Besitz-Verkehrsstener 256,6, bei den Zöllen und Verbrauchsabgaben 220,4, mithin im ganzen 477,0. In den Monaten Juli bis September 1931, dem 2- Viertel des Rechnungsjahres 1931 sind somit auf­gekommen an Besitz- und Verkehrssteuern 1301,8, an Zöllen und Verbrauchsabgaben 737,5. insge­samt 2 039,3. In dem vorhergegangenen 1. Vier­teljahr des Rechnungsjahres 1931 betrugen dage­gen die Einnahmen aus den Besitz- und Verkehrs- Steuern 1171,3, aus den Zöllen und Verbrauchs­abgaben 636,6, zusammen 1807,9; mithin 231,4 weniger als im 2. Viertel des Rechnungsjahres 1931, . L. _ _________LU i .