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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 251

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Freitag, 30. Oktober 1931.

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Zahrg. 58.

Hindenburg will Unternehmer und Arbeiter einigen.

Der Beginn der Sitzung im Palais des Reichspräsidenten. Die Eröffnungs-Anfprache.

Zinsfrage, Lohn- und Tarifproblem, Preisbildung.

C.N.B. Berlin, 29. Oft. (Eig. Meld.) Die gro­ßen Wirtschaftsoerhandlungen, di« die ganzen nächsten Wochen ausfüllen werden, wurden heute vormittag 11 Uhr durch den Reichs­präsidenten eröffnet. In dem äußeren Bilde der Wilhelmstraße machte sie sich durch die große Wagen-Ausfahrt vor dem Hause des Reichs­präsidenten bemerkbar. Auf der gegenüberliegen­den Seite der Straße hatte sich eine zahlreiche Zu­schauermenge eingefunden. Die Konferenz selbst findet in dem Saal in der ersten Etage statt. An der Sitzung nehmen außer dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler sämtliche Reichs- Minister teil, ferner Reichsbankpräsident Dr. Luther und die Mitglieder des Wirtschaftsbeirates. Rach der Ansprache des Reichspräsidenten nimmt zunächst der Reichskanzler das Wort. Außerdem sprechen heute vormittag noch der Reichswirt­schaftsminister und der Reichsbankpräsident, der sich vor allem über das Währungsproblem verbrei­ten wird Nach einer Mittagspause beginnt bereits beute nachmittag um Uhr die sachliche Aus­sprache, die auch morgen und übermorgen noch in Anspruch nehmen wird

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Reichspräsident von Hindenburg empfing die Erschienenen im großen Saal des Präsidenten­hauses und begrüßte sie hier mit folgender An­sprache: 1 t

Meine Herren! 1 i

Es ist mir eine angenehme Pflicht, Sie, ehe wir an unsere ernste Arbeit gehen, willkommen zu heißen und Ihnen für die Bereittvilligkeit zu danken, mit der Sie meinem Rufe Folge ge­leistet und Ihre Mitarbeit zur Verfügung gestellt haben. Die schwere Krise der Weltwirtschaft und Deutschlands besondere wirtschaftliche Bedrängnis erfüllen alle Schichten unserer Bevölkerung mit banger Sorge. Sie rütteln an den Grundpfeilern des wechselseitigen Vertrauens und erschüttern die Zuversicht um die Erhaltung der Grundlagen unserer Volksgemeinschaft. Im Bewußtsein der Verantwortung, die ich vor dem deutschen Volke und vor meinem Gewissen trage, habe ich mich entschlossen, angesichts der außerordentlichen Wirt­schaftswirrnis einen besonderen und außergewöhn­lichen Weg zu beschreiten. Ich habe nach Vorschlä­gen der Reichsregierung aus führenden Persön­lichkeiten des wirtschaftlichen Lebens, aus den großen Wirtschaftsgruppen von Industrie, Land­wirtschaft, Handel, Handwerk und Kleingewerbe, ahs Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen Wirt­schaftsbeirat zusammenberufen, und Sie, meine Herren, heute zu einer gemeinsamen Beratung mit der Reichsregierung zu mir geladen, in der Reichs­regierung bei ihren Bemühungen um einen Weg zu helfen, auf dem die wirtschaftliche und soziale Not des deutschen Volkes zum Besseren gewendet werden kann. Niemand von Ihnen wird ver­kennen, in welchem Maße die Lage Deutschlands durch weltpolitische und weltwirtschaftliche Um­stände bestimmt wird. Hier liegen die schweren und großen Aufgaben der deutschen Außenpolitik.

Don Ihnen aber erwarte ich, daß Sie sich mit mir und mit der Reichsregierung von dem unbeug­samen Willen beseelen lassen, wie auch immer die Entwicklung der Welt sein mag, aus der eigenen Kraft Deutschlands heraus von unserem Volke ab­zuwenden, was eigenes Handeln nur irgend ab­zuwenden vermag. Nur so wird eine Grundlage geschaffen für die notwendigen internationalen Bemühungen zur Lösung der gesamten Weltkrise. Nur das Bewußtsein solcher Pflichterfüllung und äußerster Kraftanstrengung wird unser Volk be­fähigen in innerer Verbundenheit und mit natio­naler Würde das zu tragen, was sich an seinem Schicksal als unabwendbar erweist. Die Aufgabe, die Ihnen gestellt ist, kann nur bei richtiger Wer­tung der wirtschaftlichen Kräfte und in gerechter Abwägung widerstreitender Interessen gelöst wer­den. Ich erhoffe als Ergebnis dieser Zusammenar­beit wirtschaftlicher Sachverständigen und der Reichsregierung einen Ausgleich wirtschafts- und sozialpolitischen Gegensätze und eine Besserung der deutschen Wirtschaftsnot. Wenn diese schwere Aufgabe gelöst werden soll, darf jeder von Ihnen sich nur der Gesamtheit des deutschen Volkes und dem eigenen Gewissen verantwortlich fühlen, muß sich jeder innerlich loslösen von Gedanken an Gruppsninterefsen und an Einzelrücksichten. Nur wenn solche Gesinnung Sie, meine Herren, erfüllt, werden Ihre Beratungen den sittlichen Wert und die überzeugende Kraft besitzen, ohne die ein ge­sundes und lebensstarkes Volk sich nicht führen läßt. Wenn das deutsche Volk durch die wirtschaft­lichen und moralischen Wirrnisse und den Gefah­ren innerer Zersetzung hindurch zu besserer Zu- kunft gelangen soll, ist hierfür Voraussetzung, daß die Führer der Wirtschaft zusammen mit der Reichsreaieruna einen klaren und zielsicheren Weg gehen, möchte Ihre Zusammenarbeit, meine Her­ren Ergebnisse zeitigen, welche die Reichsregie­rung in den Stand setzen, auf Grund der verfas­sungsmäßigen und geschichtlichen Verantwortung, die ihr die" Pflicht der Führung zuweist, mir wirk­same Maßnahmen zur Wiedergesundung unterer Wirtschaft und lur Aufrechterhaltung des sozialen Friedens vorzuschlagen. Dieses Ziel fest vor Au­gen lassen Sie uns nunmehr an die gemeinsame Arbeit gehen!

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Der Reichspräsident eröffnete dann im Sitzungs­saal die erste gemeinsame Sitzung des Wirtschafts­beirates und der Reichsregierung und erteilte zu­nächst dem

Reichskanzler Dr. Brüning

das Wort. Der Reichskanzler legte in längeren Ausführungen die wirtschaftliche Lage und die zur

Besierung der Wirtschaftsnot in Frage kommenden Möglichkeiten bar; hieran schlossen sich ergänzende Darlegungen des Reichswirtschaftsministers Dr. Warmbold und des Reichsbankpräsidenten Dr. Lu­ther an. Alsdann begann die allgemeine Aus­sprache.

Die Ausspracke wird nach einer Mittagspause um 5 Uhr nachmittags fortgesetzt.

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V-D.Z. Berlin, 29. Oft. (Eig. Meld.) Wie das Nachrichtenbüro des D.D.Z. ergänzend zur heuti­gen Tagung des Wirtschaftsbeirates erfährt, wird

in gewerkschaftlichen Kreisen

erklärt, daß die Gewerkschaften den Arbeiten des Wirtschaftsbeirates mit einer gewissen Sorge entgegensehen, weil der Wirtschaftsbei­rat nach ihrer Ansicht zu umfangreich ist und die Arbeitnehmer in ihm zu schwach vertreten seien. Die Gewerkschaften hegen die Befürchtung, daß von den einzuietzenden Unterausschüssen die Kom­mission für die L o h n f r a g e n mit ihrer Arbeit­gebermehrheit sehr schnell zu weiteren Kürzungs­beschlüssen komme, während die Kommissionen für die Preissenkung u s w. ihre Arbeiten erst viel später abschlußreich gestalten könnten. Die Gewerkschaften betonen, daß hier eine wesentliche, politische Aufgabe der Reichsregierung liege, von deren Lösung es abhängen könne, ob die großen Spitzengewerkschaften, die freien Ge­werkschaften, die christlichen und die freiheitlich nationalen weiterhin bei der bisherigen Haltung zur Regierung Brüning verbleiben können. Die Vertreter der Spitzengewerkschaften versammeln sich heute nach der Sitzung des Wirtschaftsbeirates nochmals zu einer Sonder - Konferenz, in der sie sich über die bevorstehenden bedeutsamen Arbeiten des Wirtschastsbeirates unterhalten sollen.

Zum erstenmal in feiner Amtszeit präsidiert der Reichspräsident selbst einem Gremium, dessen Aufgabe es ist, praktische Arbeit zu lei­sten. Den Arbeiten des Wirtschaftsbeirats sieht man im übrigen nach wie vor mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Trotz aller Schwierigkeiten steht ober doch zu hoffen, daß sich die Autori­tät des Reichspräsidenten und der Reichsregierung gegenüber diesem Gre­mium durchsetzt. Aufgabe des Wirtschaftsbeirats ist es, über die Möglichkeiten einer erträglichen Lösung der aktuellen wirtschaftspolitischen Fra­gen ein Urteil abzugeben, wobei es der Reichs­regierung allein zusteht, dieses Urteil der po­litischen und wirtschaftlichen Gesamtkonzeption ihrer Politik einzuordnen. Unter diesen Umstän­den hängt naturgemäß von dem Verantwortungs­bewußtsein des einzelnen Mitglieds des Witt- lchastsbeirats ungeheuer viel ab. Und gerade aus dieser Perspektive gesehen ist es außerordentlich zu bedauern, daß schon jetzt Versuche unternom­men werden, wie sie in früheren Jahren bei ge­wissen Kommissionen vorgekommen sind, das be­rufene Gremium in zwei Lager zu spalten. Es ist

Das Schluß-Ergebnis der brikifchen Wahlen.

wtd. London, 29. Ott. (Eig. Meld.). Die Zahl der für die Regierung abgegebenen Stim­men beträgt: 14 240 937, darunter: Konservative 11867 697, Nationale Arbeiterpartei (Macdonald- Snowden) 338 517, Nationale Liberale 1 949 485.

Gegen die Regierung haben 7 316 889 Wäh­ler gestimmt, darunter 6 611167 für die Oppositio­nelle Arbeiterpartei. Von 30158 967 Wahlberech­tigten haben 21 557 826 von ihrem Recht Gebrauch gemacht.

Infolge der Bestimmungen des englischen Wahlgesetzes, das für die unterliegende Partei sehr nachteilig ist, zeigt sich in der Vertei­lung der Mandate für die Opposition eine wesent­lich ungünstigere Lage als sie eigentlich durch die Abstimmungszahlen zur Erscheinung kommt. Der Stand der Parteien nach Mandaten ist jetzt folgender:

$fir die Rationalregierung:

Konservative 466

Nationale Arbeiterpartei (MacDonald) 13

Liberale Nationalisten (Sir John Simon) 25 Nationale Liberale (Sir Herbert Samuel) 36 Nationale Unabhängige 3

Insgesamt 543

Gegen die Rationalregierung:

Arbeiterpartei 41

Unabhängige Liberale (Lloyd George) 7 Sonstige 2

Insgesamt 50

Die Konservative Partei hat insgesamt 206 Sitze gewonnen, während die Arbeiterpartei 231 Sitze verloren hat.

Bisher sind zwölf weibliche Abgeordnete gewählt, von denen acht Neuankömmlinge im Un­terhaus sein werden. Mit Ausnahme der Tochter Lloyd Georges, die zu ihrem Vater häll, sind die weiblichen Abgeordneten fämllich konservativ.

53 Kandidaten haben den hinterlegten Betrag in Höhe von 150 Pfund verloren, da sie nicht

eine der vornehmlichsten Aufgaben des Reichs­kanzlers, zu verhindern,' daß sich im Wirt­schaftsbeirat die alte Frontstellung zwischen Arbeit­gebern und Arbeitnehmern in ihrer ganzen Schärfe zeigt. Wenn das der Zweck der Uebung gewesen sein sollte, dann hätte die Reichsregierung ja nur auf den Reichswirtschastsrat zurückzugrei­fen brauchen, aber dies wollte man ja eben dadurch verhindern, daß man die einzelnen Persönlichkeiten unabhängig von ihrer Stellung zu den Organisa­tionen, denen sie angehören, in den Beirat berufen hat. Käme es zu einer Aufspaltung in zwei La­ger, dann bedeutet es keine Schwarzseherei, wenn man schon jetzt die Behauptung aufstellen würde, daß die Debatte fruchtlos ausgehen müsse. Die Mitglieder des Wirtschastsbeirates sind beru­fen, die Komponente des wirtschaftlichen und sozialen Ausgleichs zu suchen und zu finden, die nur mit einem gesunden wirtschaftlichen und politischen Menschenverstand aufgefunden werden kann. Dessen sollten sich die Gewerkschafts­vertreter wie die Wirtschaftsführer, die im Beirat sitzen, in den nächsten Wochen in je­der Situation bewußt bleiben.

Rach bet ersten Sitzung des Wirtschastsbeirates.

CNB. Berlin, 29. Ott. (Eig. Meld.) Zur heuti­gen Eröffnungssitzung des Wirtschastsbeirates waren alle Mitglieder erschienen mit Ausnahme des erkrankten Gewerkschaftsführers Jahn, des frühe­ren Reichskanzlers Dr. Cuno, der von einer Amerikareise noch nicht zurückgekehrt ist, und des Bankdirektors Reinhart, dessen Mandat zunächst ruht. Die Konferenz ist der Rede des Reichspräsi­denten und den ausführlichen Darlegungen, die der Kanzler, der Reichsarbeitsminister und der Reichsbankpräsident anschließend machten, mit großem Interesse gefolgt. Die Generalausfprache beginnt heute nachmittag um 5 Uhr.

In unterrichteten Kreisen hofft man, daß sie spätestens bis. morgen mittag zum Ab­schluß gebracht werden kann, so daß bann dis drei Ausschüsse eingesetzt werden, und zwar je einer für die Z i n s f r a g e, für das Lohn­end Tarifproblem und für die Preis­bildung. Diese Ausschüsse werden auf biet Grundlage der Aussprache bet Dollkonferenz an die Einzelarbeit gehen. Es wird versucht werden, sie so zu beschleunigen, daß möglichst schon im Laufe nächster Woche der gesamte Beirat ein­berufen werden kann, um die Vorschläge der Ausschüsse entgegen zu nehmen. Die heutige Nach­mittagssitzung wird auch noch unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten stehen. Erst nach Abschluß der Aussprache wird der Kanzler die Führung übernehmen, wobei die Leitung der Ausschuß­arbeiten in Händen des Reichswittschastsministers Dr. Warmbold liegen wird . > i

genügend Stimmen aufbrachten. Un­ter ihnen befinden sich 14 Kommunisten, 16 Kandi­daten derNeuen Partei", (Sir Oswald Mosley) und neun Sozialisten.

Von dem alten sozialistischen Kabinett sind, ab­gesehen von MacDonald und seinen Anhängern, nur der ehemalige Generalrechtsanwalt Sir Staf- ford Cripps und der frühere Kabinettsminister Major Attle ins Parlament zurückgekehrt. Alle anderen sind geschlagen. U. a. der frühere Berg­werksminister Shinwell, Miß Susanne Lawrence und der bekannte Professor Keynes.

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Aus den vielen internationalen Presse - Stim­men über die englischen Wahlen sind diejenigen aus der Schw e i z bemerkenswert. Die schwei­zerische Presse erblickt in dem Ausfall der eng­lischen Wahlen zumeist einen Steg des Schutzzollgedankens. DieNeue Züricker Zeitung" bemerkt, es sei noch zu früh, um über die Bedeutung des konservativen Wahlsieges und die Politik der kommenden nationalen Regierung et­was zu sagen Man dürfe immerhin lagen, daß die riesigen Mehrheiten, von denen die Konservati­ven in das englische Unterhaus getragen worden seien, geeignet seien, bei ihnen die Ueberzeugung zu verstärken, daß der Sieg im Grunde genom­men ein Sieg der konservativen Sach« in allem, was darunter zu verstehen sei, sei. DerBerner Bund" schreibt, der Freiheitsgedanke habe seine ganze Zugkraft in England ein­gebüßt. England stehe vor dem Beginn einer protektionistischen Aera, der bas Aus­land selbstverständlich mit einiger Besorgnis entgegensetze. Trotzdem sei es anzuerkennen, daß die Niederlage des Sozialis­mus das Vertrauen in die englische Wirtschaft wie­der gestärkt habe.

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Auch die BerlinerVosiische Zeitung" schreibt: Für die nichtenglische Welt hat bas Ergebnis hauptsächlich w i rt s cha fts p ol i t ische Be- Leutung. Die Zollmauer um England ist so

Die Niederlage der englischen Ardeiler.

Die Schuh-Zoll-Pläne der konservativen Sieger bei den eng» tischen Wahlen und ihre Auswirkungen auf Deutschland.

gut wie errichtet, lieber ihre Bedeutung für das politische Leben der Welt ist heute noch wenig zu sagen. In den großen Grundlinien der englischen Weltpolitik wird sich nichts änbprn, denn in den Fragen des Abbaues der Kriegsschulden, der Re­parationen und der Kriegsrüstungen sind auch die Konservativen im großen und ganzen einig mit der übrigen Bevölkerung^

Arthur Henderson, der Führer der Arbeiterpartei, die vernichtens geschlagen wurde.

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Der Führer der Oppositionspartei: Henderson, war am Wahltag krank. Sein siegreicher konser­vativer Gegner stattete ihm am Tag nach der Wahl an seinem Krankenbett einen Besuch ab und er- klärte ihm, er freue sich über seine Wiederher- stellung.

In politischen Kreisen in London werden leb» hast die Möglichkeiten einer Kabinettsumbildung infolge der Wahlen diskutiert. Snowdens wcchr- scheinlicher Rücktritt macht die Ernennung eines neuen Schatzkanzlers in der sehr nahen Zukunst notwendig. Die riesige Ueberlegenheit der Kon­servativen im Parlament wird zweifellos einen erhöhten Druck aus die Regierung auslösen, ein umfassendes Tarissystem einzuführen. Während man erwarten kann, daß Baldwin und seine kon­servativen Kabinettskollegen loyal die Bedingun­gen der freien Hand beobächren werden, um die der Premierminister ersucht hat, und zwar auch in der ZollLariffrage, wird zweifellos die große Masse der Konservativen ungeduldig werden, toenn die Einführung von Zolltarifen lange hinausgescho- ben wird. Die Haltung der beiden liberalen Kabi­nettsmitglieder Sir Herbert Samüel und Sir Donald Maclean wird, wenn die Tariffrage vor das Kabinett kommt, wahrscheinlich einen wichti­gen Einfluß auf die Kabinettsumbildung haben. .Sollte der Druck der großen Masse der Konser­vativen zugunsten eines umfassenden Tarises zu hartnächg werden, so kann es sein, daß Sir Herbert Samuel und Sir Donald Maclean ihre Stellung im Kabinett unhaltbar finden und sich schließlich gezwungen fefyen, das Kabinett zu verlassen. Sir John Simon wird int Zusammen­hang mit der Besetzung eines wichtigen Regie­rungspostens genannt. Für den Fall, daß Tarife über eine gewisse Beschränkung hinaus angenom­men werden, besteht die Möglichkeit, daß Lloyd George seine Unterstützung der nationalen Regie­rung zurückziehr und völlige Unabhängigkeit ihr gegenüber annimmt.

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Ministerpräsident Ramsay Macdonald der durch die Gründung des nationalen Konzentra­tionskabinetts den Anstoß zum Verfall der Arbeiterpartei gab.

Snowden über die Arbeiterpartei.

In feiner Kundgebung an das Volk sagt bet aus der Arbeiterpartei hervorgsgangene bisherige englische Finanzminister Snowden, daß Millionen Frauen und Männer für Kandidaten gestimmt hätten, deren politische Meinung sie nicht teil­ten. Sie hätten dies getan, um der Welt zu zeigen, daß England entschlossen sei, die Schwierigkeiten zu Überwinden. Snowden erklärt, er bedauere den Zusammenbruch, den die Arbeiterpattei er­litten habe, aber dies sei nicht das Ende der Ar­beiterpartei, die sich neu erheben werde unter neuen umsichtigen und mutigen Führern.

Auch MacDonald ttchtete eine Botschaft an die Nation, in der er den Millionen von Wäh­lern aller Parteien dantt, die der Aufforderung entsprachen, im gegenwärtigen Augenblick die drin«