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NILS

Nr. 249

Vellage zur Fuldaer Zeitung

28. Oktober

Zum Christi Königsfest.

Wir sind Jungvolk Christi.

Christus ist unser König.

Er ist unser Weg und unsere Wahrheit,

Unser Leben und unser Zieh

Unser Wandergefährte und unsere Freude,

Unser Helfer in Opfer und Schwierigkeiten.

Seiner Kirche halten wir die Treue,

Mit ihm vereinigen wir uns oft im Sakrament der

Starken.

Mit ihm gestalten wir unser Leben.

Ihm erobern wir die Welt.

Ein Licht im Dunkel.

In einer mittleren Stadt am deutschen Rhein. Es st gerade Oktobermesse. Lautes Toben und Schreien bis tief in die Nacht hinein trotz Regen und Kälte, trotz Not und Elend, Arbeitslosigkeit -mb bitterem Hunger.

Da drücken sich die Tausende von Menschen in dem berückenden Lichlerglanze der Reitschulen und Schau­buden und Bierhallen . . . nur einmal alles vergessen und leben, leben, sich ausleben! Was kümmerts, daß irgendwo in einem seuchtkalten, dunklen Winkel ein hungriges Kind weint daß sie selbst morgen in un­geheizter Stube frieren werden und ein Stücklein Brot sich auf dem Karitosbüro erbetteln müssen!

Wilde Gier irrlichlert aus brennenden Augen:Mit dir allein auf Galapagos" wimmert das Saxophon Zwei Herzen im Dreivierteltakt" ist d>e Lebensweisheit der Reitschulorgel . . .

*

Unser Weg führt in der Nähe vorüber. Die Buben mit munterem Plaudern beachten den Rummel weiter nicht. Wir haben ein anderes Ziel heute abend: drau­ßen am Rhein, im Schweigen des deutschen Waldes treffen wir zusammen.

Der Holzstoß ist schon aufgeschichtet. Prasielnd lohen nun mächtige Feuergarben gen den nächtigen Himmel Wir stehen im Kreise und schauen mit leuchtenden Augen ins Flammenmeer. Kein Laut ringsum. Nur der alte

MhoMe Zugendgeme?Mafl Mo.

Die Iungführer der Skurmschar, der Tleudeutschen, Rormannsteiner. Jungborner und der Kongregationen an den höheren Schulen bitten wir zu einer kurzen Be­sprechung Mittwoch, den 28. Oktober, abends 8 Ahr, in die Harmonie, Zimmer 4.

Der Führerring.

Pater Rhein murmelt sein ewiges Lied: von der deut­schen Treue, deutscher Heldengräße in Glück und Not ganz zaghaft murmeln die Wellen, als ob sie ahnten, > ihr Lied in unser Jahrhundert nicht mehr recht hin- einpassen will.

Die Jungens singen:Und wenn wir marschieren, dann leuchtet ein Licht, das Dunkel und Wolken strahlend durchbricht . . .

Im Kreis eng ums Feuer geschart, hören sie die Worte des Führers: von edlem Rittertum von echter katholischer Bereitschaft mit Christus, für Christus . . . vom Streben und Arbeiten unserer Pfadfinderbrüder aus dem weiten Erdenrund.

Der Kurat spricht von katholischen Führerpersönlich- keiten, von den Großen !m Gottesreich und die Ge­sichter seiner St. Georgs-Pfadfinder glühen nicht nur von der Flamme, die vor ihnen brennt, noch mehr von einer anderen heiligen Flamme, die mächtig gen Himmel zündet.

Es ist nur eine kleine Schar, kaum zwanzig. Jungens zwischen 16 und 18 Jahren aber ein Licht leuchtet in ihren Augen, das von innen herausbricht: Das Licht leuchtet in der Finsternis ... Ob dieFinsternis" es je begreifen wird?

Zum Gebet!Allzeit bereit!" Mit gefalteten Händen beten sie:Allmächtiger Gott, der du uns erwählt hast, auf Erden deinen heiligen Willen allzeit zu erfüllen, leite uns und unsere Pfadfinderbrüdcr mit deinem gött­lichen Lichte."

Was ist das für ein Licht, da drüben in weiter Ferne?" frage ich, als wir aus dem Walde herauskom-

Drei Tage Lokomoliahelzer.

Sieben Tage fuhr ich als Heizer. Von drei Tagen will ich erzählen.

Gut ausgerüstet mit Wissen, Butterbroten und Kaffee verließ ich am ersten Tag 4.30 Uhr morgens das Haus. Dichter Nebel erfüllte die Stadt. Na, das kann ja ein schöner Anfang werden. Quer über die Gleise ging Ich zum Schuppen, wo meine Maschine fein sollte. Der Hei­zer, mein heutiger Lehrer, war schon da. Ich meldete mich.Na, dann wollen wir die Maschine erst mal ab­ölen", sagte er. Andächtig sah ich zu Alle Lager wur­den nachgesehen, dann ging es unter die Maschine. Ich durste dabei die Oellarnpe halten.Fertig!" sagte der Heizer. Der Lokomotivführer war eben gekommen. Ich meldete mich auch bei ihm.Wir haben heute Rangier­dienst auf dem Hauptbahnhof", sagte er.Das ist ja nicht schlimm", meinte ich Er lächelte nur. Dann stie­gen mir auf die Maschine Der Heizer warf Kohlen nach. Der hatte den Bogen aber raus!Wenn wir draußen sind, sollen Sie auch ran", sagte der Führer zu mir. Auf einen Pfiff wurde die Schuppentür geöffnet, dann ging es auf die Drehscheibe und von dort auf den Bahn­hofVerdammter Nebel", sagte der Heizer,heute müssen wir aufpassen". Gerade noch konnte man die Signallampen und Weichenlaternen erkennen. Die Maste der Lichter verwirrte mich zunächst. Jetzt ging die Arbeit los. Ein Rangierer tarn raufgeftiegen und meldete sich. Als er mich sah, meinte er zum Heizer:Wilhelm, Hütt' konnste geschlofs".

Im Nebel tauchten Güterwagen auf, an die wir her­anfahren sollten. -So, nun bremsen Sie mal, Sie müs­sen das allmählich, ganz gefühlsmäßig machen . Ich ergriff die Hebelbremse, die mit der Hand herunterge­drückt wird. Schnell näherte sich die Maschine den Wa­gen. Ich mußte bremsen. Mit Macht drückte ich den Hebel, aber, o weh, ich kriegte ihn nicht ganz herunter. So, nun kommt der Zusammenstoß, dachte ich . . . einen halben Meter noch. Aber der Führer hatte mich an der Bremse zappeln sehen, schnell löste er die Luftdruck­bremse. Die Maschine stand, aber einen Stoß gab es doch noch. Führer und Heizer lachten. Ich stand verlegen da. Sie kriegen es noch raus", meinten sie. Dann pfiff der Rangierer draußen einmal. Das hieß: Hall! Ich stürzte

men. Die Jungens schauen und einer antwortet:Ach, das ist nur die Meß." Ja, richtig, NeMeß"!

Und wir marschieren geradewegs auf diesesLicht" zu:

Du Volk aus der Tiefe, du Volk aus der Nacht, Vergiß nicht das Feuer, bleib auf der Wacht!"

Der stramme Gleichschritt der Jungens übertönt für einen Augenblick sogar den Lärm des Jahrmarkttrubels. Die Menschen eilen herbei. Und mitten durch die Menge singt die Jugend:

Heil'gem Kampf sind wir geweiht,

Gott verbrennt in Zornesfeuern,

Eine Welt; sie zu erneuern.

Wollen machtvoll wir beteuern:

Christus, Herr der neuen Zeit!"

Für einen Augenblick verfliegt der Rausch des leichten Vergnügens: stumm, wortlos, stehen die Hunderte. Ist es ein Sput, was sie da sehen, oder ist es das Leben, wirkliches Leben? Kein Wort aus frivolem Spötter­mund stört die Weihe des Augenblickes bis wir vom Wege abbiegen geradeaus zum alten Dom hin.

Dann lärmt es weiter:Zwei Herzen im Dreiviertel­takt" . . . Wir marschieren im Schutze des alten Gottes- domes. Da hebt die Glocke zu schlagen an: Zwölf Schläge. Ein neuerTag bricht an!

Das neue Reich" Wien.

Jugend in Nok.

In einem Kursus für jugendliche Erwerk>s- (o f e, der von der Verwaltung einer westdeutschen Großstadt durchgeführt wird, wurde eine Rundfrage: 32ie stehe i ch 3 u meinem Elternhaus?", an die Teilnehmer gerichtet. Die Frage war in Form eines Auiiatzbriefes zu beantworten.

Das Ergebnis war geradezu niederschmetternd. Die furchtbare Trostlosigkeit, die Qual und Verzweiflung ar­beitsloser junger Menschen schrie aus fast allen biffer erschütternden Zeitdokumente. Von 60 Briefen noch keine 10, die den Eindruck erweckten, daß die Schreiber das innere Gleichgewicht bewahrt haben, daß sie im Elternhaus oder bet Freunden einen Halt fanden. Muh man diese Auszüge aus Briefen noch kommentieren?:

. . ich gehe einfach auf die Tippelei. Denn meine arme Mutter und meine kleinen Geschwister hungern sehen, das bringe ich nicht fertig . ."

. . . Sonst habe ich jede Woche meine volle Lohn­tüte nach Hause gebracht. Lebte mit meinen Eltern ganz friedlich Seit ich aber arbeitslos bin. ist immer Zank und Streit. Mußte oft im Grünen schlafen, da­mit meine Eltern das Bett vermieten konnten . .

Oesters stand ich vor einem Bäckerladen und wollte Brot betteln. Brachte es aber nicht fertig. Dann kriegte ich eine Wut. daß ich am liebsten die Schaufenster ein» geschmissen hätte . . ."

. das Stempelgeld reicht kaum für die Miete. Der Mensch muß aber doch was essen und darum gehen wir zu mehreren nachts in die Gärten und flauen Kar­toffeln und Gemüse . . ."

So wie diese Jungens schreiben, könnten viele Tau­sende ihre Not und ihre Verzweiflung hinausschreien. Die Besten ober schweigen, niedergedrückt oder erbittert; viele haben sich den radikalen Signataren in die Arme geworfen, die ihnen eine beste Zukunft im bolschewisti- scheuArbeiterparadies" oder im National­sozialist.Dritten Reich" versprechen. Man sollte diese verhetzten Jungen nicht schmähen auch wenn sie einmal wütend auf die politischen Gegner einhauen, weil diese angeblich den Zug insgelobte Land" verhin­dern oder nach den Reden derFührer" allein schuld sind an dem Unglück Sie sind ja die Verführten, das Kanonenfutter" für diejenigen, die in Zeiten der Not unter Ausnutzung der verbitterten Massen ihre macht- politischen Ziele verfolgen. Die Agitatoren denken nicht an die Menschen, die ihrem Ruf blindlings folgen, sondern sie haben irgend eine Idee manchmal auch keine, die sie unter allen Umständen verwirklichen wollen. Um zu diesem Ziel zu kommen, scheuen sie fein Mittel, treiben sie das Volk immer mehr in eine Ver­zweiflungsstimmung hinein, die ein klares Denken nicht

Politische S ck>ulungst anun g

vom 16. bs 21. November in Fulda. 'Referenten: Prof Dr. Dessauer, Dr. Krone, der Führer der Mndthorstffünde, und Reichskagsabg. hofmann- tudw'ashafen.

mehr erlaubt. Dabei wissen sie in der Regel ganz ge­nau, daß auch sie nicht auf einmal alles bessern können. Aber die Jungen, die sich an der harten Wirklichkeit und dem ihnen zugefügten Unrecht wund gestoßen ha­ben, glauben ihnen. Wenn wir zu ihnen kommen, be­gegnen wir sehr oft offener Feindschaft und verstecktem Mißtrauen oder werden zunächst nicht verstanden. Wir dürfen und können nicht Hetzen wie die anderen. Un­sere Aufgabe ist es, die Gegensätze in unserem Volke auszugleichen und mutig und entsagungsvoll ein» zuspringen, wenn die beiden Fronten, die sich in un­serem Volke wieder einmal herausbilden, gegen ein­ander losschlagen wollen. Ob uns das auf die Dauer möglich fein wird, wissen wir nicht, aberwir bauen auf den Herrgott, daß er schließlich doch noch einmal alles zum Besten unseres Volkes und der gesamten Menschheit lenken wird. Weil wir mit dieser Haltung zu unseren seelisch notleidenden Kameraden kommen, werden wir natürlich schwer den Weg zu ihrem Denken und Fühlen, finden, weil sie, von denen man so viele Opfer fordert, nur noch hassen können. Aber wenn sie den reinen Willen bei uns spüren, wenn sie merken, daß wir keine Hintergedanken haben, werden wir schließlich doch stärker fein als die Prediger des Has­ses, als die radikalen Agitatoren. Diesen Verführern der deutschen Jugend gilt unser Kampf: unser Gruß und unsere Liebe ober den jungen deutschen Volksgenossen, mögen sie politisch stehen, wo sie wollen. Wir wollen die Besten sammeln für den Aufbau einer ge­rechten und gesunden Wirtlchafts- und Gesellschaftsord­nung, in der diejenigen, die die Führung haben, sich an die Gesetze binden, die Christus, der König, gegeben hat, und die Voraussetzung sind für ein glückliches und friedliches Zusammenleben der Menschen.

Dle Sieblunasfrape.

Seit dem Bestehen desBlattes der Jugend" haben wir auf die Wtt-utuna und die Notwendigkeit der Siedlung bingern^en. Wir haben auch von Anfang an betont daß die Siedlung nicht von den Behörden ge­tragen werden farm, sondern daß das S-edeln e;ne Volksbewegung werden muß, geboren aus dem Drang der gesunden Kräfte, die jetzt brach lieoen nach einer Betätigung, die unser Volkstum vor dem Untergang bewahrt. Es ist fein Zufall, daß die Sied­lungsbewegung zuerst im christlichen Landvolk einsetzte und daß der katholische Jungmänner ver­band sich zuerst von allen aroßen Verbanden 'N den Dienst der Siedluna gestellt und versucht bat die Sied­lung von der schädlichen und verteuernden bürofrati- schen Schematisierung zu befreien. Er gründest auch die erste Siebt erfände in Makgendorf, Mecklen­burgs deren Leitung der auch im Fuldaer Land bekann­ten Führer der Iunglandbewegung Aloys S e y 0 ck übernommen hat

Wie verschieden von dieser Handlungsweise ist aber die Einstellung der anderen Weltanschauungs- und Par­teigruppen zur Siedlungsfrage. Daß die ostelbifche Großgrundbesitzer erbitterte Feinde der Sied­lung sind ist verständlich. Sie beschäftigen trotz ihrer talentiertennationalen Haltung" lieber ro'n'sch» Landarbeiter auf d-uttchem Boden Auch die Sozial­demokratie bat wenig Interesse an der Verwur­zelung deutscher Menschen im deutschen Heimatboden Im Gegensatz zur Mietskaserne der Vorkriegszeit bau' man jetztGroßsiedlungen"! (Vergleiche die Wohnurgsburgen des sozialistischen Wien.) Man be­fürchtet, daß durch das eigene Heim dierevolutionäre" Schwungkraft bei denProleten" verloren gehen könne! Man macktt sich nicht viel Gedanken über die Einglie- berung des deutschen Arbeiters in den deutschen Volks­staat, sondern müht sich immer wieder um die Verwirk­lichung des marxistischen Zukunftsstaates. (Deshalb haben die Sozialdemokraten auch praktisch nicht sehr viel in der heutigen Wirklichkeit geleistet)

Und wie steht es mit den Nationalsozialisten? Aehnlich wie bei den so sehr bekämpften Marxisten Der Streit, der zwischen den Bodenreformern und Hitler besteht, ist nun kein Geheimnis mehr. Bei den Boden- reformern stehen Kämpfer für Heimstätten, in denen gesunde Kinder aufblühen können und sollen in denen der Arbeiter einen Ort der Ruhe gewinnen-soll Dort bei den Nationalsozialisten ein Mann, der nur die Agitation sieht, der immer wieder den Hin­weis bringt auf dasDritte R e i ch", ähnlich wie

mich auf die Bremse und kriegte sie mit Mühe und Not herunter.

Langsam lernte ich alles, besonders das Erkennen der Weichenstellung und das richtige Bremsen nach dem Pfei­fen des Rangierers. Wieder ertönten die drei Pfiffe, ich wollte bremsen, aber der Führer hatte den Regler (mat ihm läßt man den Dampf in die Zylinder) nicht abgestellt.Halt!" rief ich. Der Führer sagte gelaßen: Das ist der Rangierer auf dem Nebengleis". Was mußte man hier alles beachten!Was sagt Ihnen das Ma­nometer?" fragte mich der Heizer.Zu wenig Druck", jagte ich.Dann schütten Sie mal ein paar Kohlen nach." Ich ergriff die Schaufel und stieß sie in die Kohlen.Hallo, erst muß die Tür auf fein!" Ich holte es nach. Mit kühnem Schwünge wollte ich die Kohlen ins Loch werfen, aber wir fuhren unsanft in eine Kurve, es gab einen Stoß . . ich stieß mit der Schaufel an die Tür und ... alle Kohlen fielen dem Führer auf die Füße.Au, meine Hühneraugen", rief er lachend.Sie machen uns noch unglücklich". Ich entschuldigte mich, sammelte die Kohlen auf und steckte sie ins Feuerloch. Das nächste Mal ging es schon bester. Bald kannte ich auch alle Räder und Hebel ebenso wie alle Kinder des Führers und Heizers aus der Unterhaltung. Ich mußte aber sehr aufpassen, oft gab es noch kleine Zusammen­stöße. So ging es den ganzen Morgen von einem Gleis über viele Weichen zum andern. 21m Mittag wurden die Vorhänge oorgezogen, wir wuschen uns mit heißem Kes­selwasser; bann aßen wir und ruhten uns aus, bis wie­der der erste Pfiff des Rangierers ertönte. So ging es neun Stunden; wir wurden abgelöst.

Am dritten Tag schrillte um 1.30 morgens der Wecker. Um 2.30 Uhr war ich auf dem Bahnhof. Es war kalt und hatte geschneit. Im Schuppen war es noch dunkel. Ganz hinten in der Ecke brannte Licht. Da war wohl meine neue Maschine. Ich steuerte darauf los, an den großen Schnellzugmaschinen vorbei. Plötzlich stolperte ich und lag im Dunkeln in einem der Gänge, die im Schup­pen zwischen den Schienen sind, einen Meter tief. Meine Mütze war weg, die Finger abgeschrammt und der Man­tel schwarz von OeL Ich konnte mich aber selbst erheben, ging zur Maschine, wo der Heizer schon war, und bat bescheiden um eine Lampe, denn ich hätte etwas verlo- ren. In einer Oel-Wasserpfütze fand ich meine Mütze.

Dann hals ich beim Abölen. Bald ging es ins Freie. Mein neuer Heizer und Führer waren sehr freundlich.

Draußen war klarer Sternhimmel Heute ging es mit mir schon besser. Ich erzählte von meinem Bremsen am ersten Tag.Das ist ganz klar", sagte der Führer,für Ihre Größe muß die Bremse etwas loser fein". Das geschah auch; nun konnte ich die Bremse regieren und fühlte mich ganz gut an die Zugteile heran". Beim Heizen reichte mein Schwung allerdings noch nicht so weit, daß die Kohlen ganz nach vorn gelangten. Mäch­tigen Spaß machte das Abstößen eines Wagens. Der Rangierer flötete--". Dann nahm die Maschine

mit großem Lärm einen Anlauf, auf einen langen Pfiff des Rangierers sperrte der Führer den Dampf ab und ich drückte mit einem Ruck die Bremse herunter. Die Maschine stand, der SBagen lief weiter.

Ich lernte viel Leute vom Bahnhof kennen. Viele hatten Spitznamen. (Nicht nur die Lehrer!)

Es war schon lange hell, die Sonne schien. Als wir einmal unfanft über eine Weiche fuhren, verlor der Hei­zer seine Tabakpfeife aus dem Munde. Sie fiel auf die Schienen. Er stieg ab und irrte eine halbe Stunde suchend umher, bis er eine Hälfte sand. Solange war ich stolz mit dem Führer allein auf der Maschine. Auf dem Stellwerk hatten sie dies gemerkt und hatten nichts Eiligeres zu tun, als unversehens ein Gleis zu sperren, so daß wir entgleisen mußten, wenn wir nicht aufpaß­ten. Der Führer hatte den Witz natürlich gemerkt und sah mich verstohlen an. Ich rief, daß das Gleis ge­sperrt sei, und bremste, worauf er nach draußen rief: Bei ons schläfst fenner of d'r Maschinn'." Schallendes Lachen bei den Rangierern.

So verging der Vormittag. Um 1 Uhr mittags kam die Ablösung. Einige Bekannte, die aus der Schule ka­men, erkannten den schwarzen Mann, der an ihnen vor­beiging, nicht.

Don den Tagen, wo ich zuerst auf der Strecke heizte, und der Zug fast nicht ans Ziel kam, weil nicht genug Dampf da war, will ich lieber schweigen. An diesen Ta­gen schielte ich meistens besorgt nach dem Manometer.

Am letzten Tag begann der Dienst um 1.30 Uhr mit­tags. Jetzt wurde es ernst. Ich mußte alle Arbeit machen. Obendrein war es noch ein schwerer Güterzug mit 70 beladenen Wagen. Aus dem Tender lagen riesige

die SPD.-Leiter den Hinweis auf den marxistischen Zukunjtsstaat. DasDritte Reich", das die Ablösung aus jeder Not bringen soll! Genau so wie der SPD.» Mann, denkt der Agitator Hitler: der Mann, der fein Häuschen hat, der ist nicht mehr ober doch nur sehr schwer zu gewinnen für meine radikalen Forderungen. Man lese nur einmal nach, was Hitler in feinem Buch Mein Kampf" im 1. Band auf Seite 141 über die Ab­wegigkeit der germanischen Jnnenkolonisation sagt und was er im 2. Band (Seite 258) über die Heimstätte schreibt. Hier zeigt sich seine nur propagandistische Ein­stellung Von hier aus wird uns die geradezu siedlungs­feindliche Einstellung verständlich, die wir immer wie­der im ..Völkischen Beobachter" finden können.

Diese Richtungen werden aber die Siedlungsbewe- gung nicht aufhalten. Die Dorausfetzung für die An­siedlung deutscher Bauern im deutschen Osten sinb gege­ben, da der ostelbische Ladadel nicht mehr in der Lage ist. den Großgrundbesitz zu halten. Hoffentlich hat btt Reichsregierung, die ja bereits einen ..Sieblungs« k 0 minissar" ernannt hat, den Mut und die Kraft, die Bestrebungen beuffcher Menschen, sich auf deutschen Boben eine Existenz zu gründen, in jeder Hinsicht zu fördern, ohne aber der Bewegung bürokratischer Fesseln anzulegen

Kaihol sche 5taöenten-3nternationale.

Die internationale Arbeitsgemeinschaft katholischer StudentenverbändeP a x-R 0 m a n a" hielt kürzlich in Freiburg, Schweiz, ihre elfte Jahrestagung, verbunden mit der Feier ihres zehnsährigen Bestehens. Etwa 250 Studenten und Jungakademiker wohnten der Tagung bei. Auffallend stark war die Beteiligung Englands und Frankreichs; aus Deuffchland und Ungarn waren in­folge der Not der Zeit nur wenige Teilnehmer gekom- men. Die Verbände Italiens. Spaniens und Litauens waren durch die Katholikenverfolgung in diesen Ländern gezwungen, dem Kongreß fernzubleiben.

Der Kongreß konnte zunächst durch die Aufnahme eines neuen Verbandes der inneren Geschlossenheit der Pax Romana frohen Ausdruck verleihen: einstimmig wurde der in Polen bestehende ukrainische Verband an- gegliedert. Der Wunsch nach Vertiefung der Arbeit durch näheres persönliches Kennenlernen und durch Anknüpfung freundschaftlicher Beziehungen von Verband zu Verband kam in der, mit besonderem Nachdruck seitens des K. V. vertretenen, Forderung nach Regionaltagungen zum Ausdruck. In Au-fführung dieses Gedankens wird im Laufe dieses Herbstes ein germanisches Vax Romana- Treffen in Holland stattfinden; voraussichtlich zu Ostern wird der luxemburgische Verband die Führer der deut­schen, niederländischen und französifchen Verbände ZU einer mehrtägigen Besprechung einladen. Von den wei­teren Beschlüssen des Kongresses verdient Beachtung die Forderung nach Schaffung eines eigenen internationalen Studentenausweises, weil darin der Wunsch zum Aus- druck gelangt, die Beziehungen zur Confederation Inter­nationale des Etubiants (C. I E ). deren Ausweises man sich bisher bediente, zu lockern. 91m Schluffe seiner Be­ratungen nahm der Kongreß einstimmig eine Resolutton an, in der, unter Hinweis auf die Friedensenzykliken der Väpste, die Erwartung ausgesprochen wurde daß die Mitglieder der Pax Romana für einen erfolgreichen Ver­lauf der kommenden Abrüstungskonferenz beten.

Die Wahlen zum Direktorium beriefen Deutschland erneut zur Mitarbeit an der Leitung. Der Vorsitz wurde dem englischen Verband übertragen und damit England zum nächstsährigen Tagungsland bestimmt.

Grundton aller Besprechungen war eine aufrichtige Herzlichkeit. Durch die maßgebliche Mitarbeit junger Kräfte wurde ein frischer, offener Zug in die Debatten hineingetragen, der selbst heikle Fragen in freundschaft­licher und feiner Weise erörtern ließ.

Der Pax Romana sind jetzt 26 Verbände mit rund 40000 Studenten angeschlossen; neunzehn Staaten, zwan­zig Nationalitäten, sind in ihr vertreten . In Deuffchland und Oesterreich gehören ihr an die drei nichtfarbentragen­den Verbände K. V U D. und H. V. sowie her Stuben- tinnenoerbanb. Die Pax Romana hat, trotz gelegent­licher Angriffe, stets bas Volkstumprinzip aner­kannt. Zweifellos hat dieses Aufbauen auf der Volks- tumgrunölage das stetige Aufblühen der Pax Romana wesentlich gefnrbert, wie umgekehrt in der C. J E. die dauernden Streitigkeiten um großdeutsche, flämische, kroatische und stowakische Fragen nicht wenig zur Lahm­legung dieser Organifation beigetragen haben.

Kohlenblöcke; diese mußten mit einem großen Hammer kleingehauen werden Und das alles auf der schaukeln­den Maschine. Ich schwitzte mächtig, trotz zwei Grad Kälte. Dauernd mußte ich heizen und die vielen Klap­pen und Handräder bedienen. Aber schön war es doch, die freie Strecke vor sich zu haben und an den Wärter­buden vorbeizusausen, wo die Wärter ftrammftanben. Auf allen Stationen rangierten wir. Als wir am Abend in Bl. von einem Personenzug überholt wurden, stieg plötz­lich der Inspektor aus R. auf die Maschine. Mir wurde anders zumute, denn ich ahnte, weshalb er gekommen war. Gleich ging es los:Herr S was bedeuten da vorn die zwei grünen Lichter?"Es ist das Vorsignal vom Block H. V das freie Fahrt für bas Hauptziel anzeigt."Richtig! Sagen Sie mal, was sollen dies« beiden Hebel?"Es sind die Aschkastenklappen."Welche ist die vordere?" Pause.Das weiß ich nicht." Haben Sie ihm das nicht erklärt?" wandte sich der Inspektor an den Maschinenführer.Ja, allens," sagte dieser. Mit der Bemerkung, daß auf allen Maschinen die Hebel anders angeordnet seien, versuchte ich ab» zulenken. Doch die Fragen gingen weiter. Zum Glück wußte ich alles. Zwischendurch mußte ich natürlich vor­heizen.

Das Ziel der Fahrt näherte sich. Dort fuhr die Ma- schine für einundeinhalb Stunden in den Schuppen. Ich ölte alle Lager nach. Um 11 Uhr abends gings wie- der los. Es war heller Mondschein und ziemlich falt. Wir stellten den neuen Zug zusammen. In schneller Fahrt ging es ohne Aufenthalt weiter. Alle Signale zeigten das grüne Licht, die Streckenwärter blinkten mit ihrer Handlaterne: Alles in Ordnung. Immer mehr wurde mir klar, wie wenig wir von dem verantwor­tungsvollen Beruf des Bahnpersonals roiffen, das für uns unermüdlich wacht, wenn uns der Zug Fahrten und Lagern entgegenfüfjrt.

Wir waren auf unferm Güterbahnhof um 2.30 Uhr morgens. Ein Rangierer löste die Kupplung zwischen der Maschine und dem Zuge. Wir fuhren zum Schup­pen zurück. 13 Stunden Dienst waren vorbei. Durch die stillen Straßen ging ich nach Hause. Um 8 Uhr morgens war ich schon wieder in der Schule.

Hermann Saul.