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städtischen Körperschaften wird aber, wie wir stö­ren, die Auffassung vertreten, daß eine Veräuße­rung oder Uebertragung des städtischen Gaswerkes an die Elektrizitäts-Werk A.-G. Fulda kaum in Frage komme. Schon die Geschichte der Fuldaer Elektrizitäts-Versorgung, die von dem gerade vor 25 Jahren gegründeten städtischen Elekirizi- tätswerk zu dem heutigen Zustand Rührte, wird vom kommunalen Standpunkt aus bedauert. Nur in dem Gesichtspunkt der sozialen Verbundenheit mit den leistungsschwachen Landkreisen fände sich — so sagt man — ein Trost, daß die Stadt nicht alleiniger Besitzer des Elektrizitätswerkes ist, für dessen Prosperität der Konsum i n d e r S t a dt Fulda eine entscheidende Rolle spielt. Auch aus einem wichtigen Zweig des gewerblichen Mittel­standes der Stadt Fulda, aus dem Elektrotech­niker-Gewerbe, wird es sehr beklagt, daß das Elek. trizitätswerk nicht im Besitz der Stadt ist, worin man die Konkurrenz der Installationsabteilung des Werkes verankert sieht. Hier würde man es unter keinen Umständen verstehen wenn die Stadt nun auch noch das Gaswerk aus ihrer selb­ständigen Verwaltung herauszunehmen ließe, zu­mal ja die Ablieferungen des Gaswerkes an die Stadtkasie in den letzten Jahren sehr erheblich sind. Wir glauben infolgedessen gut unterrichtet zu fcin, wenn wir Mitteilen, daß ernstliche Absichten, die Selbständigkeit des Gaswerkes der Stadt Fulda aufzugeben, zur Zeit nicht bestehen. Daß angesichts der ganz beträchtlichen Schwierigkeiten der Eemeindefinanzen alle denkbaren Fragest und so auch die einer wirtschaftlicheren Gestaltung der Betriebswerke von der zuständigen Stelle unter­sucht worden sind, soll damit nicht in Abrede ge­stellt werden.

Auf 250 Alk. erhöht

ist die Belohnung, die von der Edeka-Groß-Han- del e. G. m. b. Fulda ausgesetzt worden ist in der Sache des Einbruchsdiebstähls, bei dem 12 000 Zigaretten erbeutet wurden.

Aus den Parteien.

Die Deutsche Zentrums-Partei im Regierungs-Bezirk Kassel hält ihre nächste Landes-Ausschuß-Sitzung, zu der aus allen Kreisen des Bezirkes die Vertreter erscheinen werden, am 18. November in Fulda ob. Die Abgeordneten unseres Bezirks in den ver­schiedenen Parlamenten werden daran teilnehmen.

kannt ist wohl vor allem, daß es bas erste und einzige Mittel ist, mit dem man der furchtbaren und neuerdings sich besonders stark ausbreitenden (künstl. Düngung) Krebskrankheit beikommen kann, soweit sie in noch nicht allzuweit vorgeschrittenem Stadium sich befindet. Dem Heilprozeß dieser bestenStrahlentherapie liegt der Borgang zu Grunde, daß die Strahlen z e r st ö- rend auf die Gewebe einwirken, also auch auf schädliche Gewebe, auf die sie infolgedessen Anwendung finden. Beim Eindringen in den menschlichen Organis­mus fördern die Radiumstrahlen die Regeneration (Bluterneuerung, Zellenaufbau usw.), den S t o f f w e ch- s e l (Auflösung und Ausscheidung von Harnsäure) die Nervenberuhigung und Kräftigung.

Praktische Anwendung findet das Heilmittel in Ge­stalt von Kompressen und Emanationsappa- raten (Badekur). Grundbedingung ist dabei die richtige Dosierung, d. h. die richttge Menge an Radium in den Kompressen, zu deren genauer Festlegung es jahrelan­ger, mit großen Kosten verbundener Versuche bedurfte. Man braucht aus diesem Grunde bei dem empfohlenen Präparate keinen Bluff zu befürchten. Sie werden im Gegenteil von vielen A e r z t e n warm e m p f o h l en und sind wegen ihrer vielseitigen Verwendbarkeit bei einer ganzen Reihe von Krankheiten ein schätzenswertes Vorbeugungsmittel. An Hand von Lichtbädern wurden verschiedene Erfolge gezeigt, die man mit Ra­dium bei der Krebsbehandlung gemacht hat. Daß man Krebs allerdings nicht mit einer einfachen Kompresse heilen kann, wie sie die Radiumchema-Gesellschaft her­stellt, ist klar, denn diese für den H a u s g e b r a u ch be­rechneten Präparate enthalten nur eine verschwindend kleine Menge des Radium-Elements, die für die wirk­same Behandlung derart hartnäckiger Leiden nicht aus­reicht.

Die Radiumchema St. Ioachimsthal hat auch neuer­dings hier in Fulda, Kanalstr. 55, eine Geschäftsstelle ein­gerichtet, in der sich Interessenten zweckmäßigerweise be­raten lassen sollten, falls sie es nicht vorziehen, ärztlichen Rat bezüglich der Anschaffung eines Radiumpräparats einzuholen.

Oer Vortrag, der gestern abend im kleinen Saal der „Orangerie" gehalten wurde und dem die vorstehenden Ausführungen zu Grunde lagen, war von etwa 100 Per­sonen besucht, welche die Ausführungen des Vortragenden mit großem Interesse aufnahmen.

Fahrraddiebskahl.

Gestern vormittag um 11 Uhr wurde ein auf der Straße vor dem hiesigen Reichsbankpebände ungesichert abgestelltes Herrenfahrrad Marke „Li- fag" entwendet. — Vor einigen Tagen wurde auf

dem Hofe der Firma Mehlgroßhandkung Grüne bäum in der Rhönstraße ein Herrenfahrrad „M.V.G. Frankfurt a. M." mit erkennbarer Fa­briknummer herrenlos aufgefunden und bei der Polizei abgeliefert. Eigentumsansprüche sind bei der hiesigen Kriminalpolizei anzubringen.

Neues aus Frankfurt.

--- Ein kommunistischer Stadtverordneter lebensge­fährlich verunglückt. Auf der Heimfahrt von einem W e i n e i n k a u f am Rhein verunglückte am Montag der kommunistische Stadtverordnete Heinrich Aschen­brenner schwer. Er fuhr mit einem Freunde auf dem Motorrade durch Nierstein. In einer scharfen Straßen- bieguna stürzte Aschenbrenner, der auf dem Sozius­sitze sich befand, ab und erlitt dabei schwere Verletzungen Er wurde zunächst nach Mainz und dann dem Städtischen Krankenhause zu Frankfurt zugcführt. Hier wurde eine Verletzung der Wirbelsäule festgestellt.

* Glückwunschtelegramm des Reichskanzlers an die „Frankfurker Zeitung". Reichskanzler Dr. Sri? ning hat an die „Frankfurter Zeitung" das nach­stehende Glückwunschschreiben gesandt: „Verlag und Redaktion der „Frankfurter Zeitung" sende ich zum 75jährigen Bestehen und zur Feier des 100. Geburtstages ihres Gründers, Leopold Sonnemann, herzliche Glückwünsche! Die „Frank­furter Zeitung" war stets bestrebt, im politischen und wirtschaftlichen Kampfe maßvoll und objektiv die von ihr eingenommene Haltung zu vertreten Möge es ihr auch in Zukunft vergönnt sein, in diesem Geiste für die großen Ziele unseres Volkes einzutreten und so dem Gesamtwohl des Vaterlan­des zu dienen."

* Ein neuer Landfriedensprozeß wegen der Vorfälle am Kurfürstendamm. Unter starkem An­drang des Publikums begann am Montag vor dem Schöffengericht Eharlottenburg der zweite Prozeß, der die Unruhen auf dem Surürftenbamm am jüdischen Neujahrsfeiertaa zum Gegenstand hat. Den Vorsitz des Gerichts führt als geschäftsord­nungsmäßiger Vertreter des abgelehnten Land­gerichtsdirektors Schmitz der Landgericbtsdirek^or Brennhausen Angeklagt sind der Oberste S. A - Führer für Berlin und die Mark Brandenburg

Wolf Heinrich Graf v. H e l l d o r f. sein Stabs- chef, der Angestellte Karl Ernst, der Iungstahl- Helmführer Dipl.-Jng. Wilhelm Brandt und der Stahlhelmer Kurt Schulz wegen Rädelsführerschaft beim schweren Landfriedensbruch und Aufreizung zum Klaffenkampf. Vier weitere Nationalsozia, listen, die nachträglich unter Anklage gestellt war. den sind, haben sich wegen einfachen Landfriedens- bnubs zu verantworten.

Vom Rundfunk.

--- Weltspartag. Am 30. Oktober 1931 wird anläß­lich des Welttpartages für die Südwestdeutsche Rund­funk 21.-®., Frankfurt a M., Dberbürgermeifter Dr. Blaum, Hanau, der Verbandsvorsteher des Hessen-Nassauischen Sparkafsenverbandes. einen kur­zen Vortrag halten, bei dem er auch aus die jetzige Sage der Sparkassen in der Geldkrise zu sprechen kommen wird.

Zu'chrMn aus unsrem Leserkreis.

Für die hier erfolgenden Verösfenllichungen übernimmt die Schristleitung nur die durch das Breßgesetz vor» gelchriebene Verantwortung

In der „Fuldaer Zestung" vom 28. Oktober bringt Herr Wilh. Hauck unter „Zuschriften aus dem Leserkreis" eine Erklärung, daß er nicht der Verfasser des wunder­lichen „Eingesandt" in Nr. 244 dieser Zeitung sei. Ich finde das wirklich recht komisch, daß er sich durch meine Entgegnung im „Fuldaer Beobachter" Nr 50 betroffen fühlt, denn ich habe nicht, wie er angibt, geschrieben, daß ich ben- Rasierpinsel b e i ihm (dem Einsender) nehmen wolle, sondern ich schrieb, daß ich ihn von ihm nehmen wolle. Da mich doch der betr. Einsender mit seinem „Ge­wäsch" „einseifen" wollte, gedachte ich alle Delinquenten, vor allem aber den Einsender selbst, mit seinem eigenen Rasierpinsel erst, vor der „Hinrichtung" einzuseisen. Herr Hauck ist aber doch, meines Wissens nach kein Friseur. Warum fühlt nun gerade er sich getroffen? — Es scheint mir, daß er das Opfer einer Hetze gegen mich geworden ist. Das geht auch aus dem Schlußsatz deutlich hervor, den ich ihm gar nicht zugetraut hätte. Herr Hauck brauchte nicht erst zu beteuern, daß er von Politik nichts verstehe, denn das interessiert mich wirklich nicht. Es ist mir ganz gleich, ob er heute der „Mihmpartei", oder dem Zen» trum" angehört. G. Iller.

♦

Nachdem wir nun erfahren haben, daß im „Dritten Reich" vor der Hinrichtung auch biejneigen eingeseist werden, die sich n cht schon vorher haben ..einfetfen" las­sen. wollen wir die Pinsel-Angelegenheit auf sich beruhen lassen und diese Auseinandersetzungen schließen.

Die Schriftleitung.

Neues aus dem Favag-Prozetz.

Immer wieder Sonder-Vergütungen. — V r chle erte Buchführung. — Der Fall

*

Der Bezirkstag der Staatspartei Bezirks- verband Kurhessen und Waldeck, fand in Kassel statt. Im Mittelpunkt der politischen De­batte stand ein groß angelegtes Referat des Vor­sitzenden der staatsvarteilichen Reichstagsfraktion, Dr. August Weber. Das Ergebnis des Partei­tages fand seinen Niederschlag in folgender Ent­schließung: Der Bezirksparteitag der Staalspartei billigt die Unterstützung der Regierung durch die Neichstagsfraktion, wenn er auch keineswegs alle Maßnahmen für glücklich hält. Der Parteitag fordert vor allem im Sinne des Referats des Frak­tionsvorsitzenden Dr. August Weber ein schnel­leres Tempo in den Sanierungs­maßnahmen und eine stärkere Aktivität der hinter der Regierung stehenden Gruppen, in erster Linie der Deutschen Staatspartei. Aus sachlichen und psychologischen Gründen muß insbesondere das Siedlungswerk, die allgemeine Preissenkung, in deren Rahmen die Herab-' setzung der Hauszinssteuer und der Zinsen eine entscheidende Rolle spielen, gefördert werden. Der Bezirksparteitag mißbilligt nachdrücklich zahl­reiche Maßnahmen der Personalpolitik der einzel­nen Länder, auch im Bezirk Kassel. Er fordert die Parteiführung auf, der falschen Parole der Oppo­sition, daß es nur um Nationalismus oder Bolschewismus geht, eine sachlich fun­dierte, zündende Parole entgegenzusetzen: „Nicht rechts, nicht links, durch die Mitte zum Ziele der Befreiung Deutsch­lands aus den Fesseln des Versail­ler Vertrags und der Schuldknecht­schaft." ______________

Radium.

Ein Aufklärungsvorkrag über Radium-Therapie.

Durch die „Radiumchema St. Ioachimstal", eine Firma, 6Fe Radiumchema-Präparate unter staatlicher Kontrolle zu Heilzwecken herstellt, wird dieses ebenso rare, wie vielbegehrte und vielgepriesene Heilmittel jetzt weiteren Kreisen Ser Bevölkerung zugänglich gemacht und empfohlen. Wohl nicht mit Unrecht. Es bedarf nicht mehr des Beweises seiner außerorentlichen, fast ans Wunderbare grenzenden Heilkraft. Die moderne Medizin hat es bereits als unentbehrlichen Faktor in die Reihe ihrer besonderen Arbeitsgebiete ausgenommen. Be-

Düsselüorfer Rückversicher»: g — Siu Zwi chenfaN.

Auch in der Montag-Verhandluna des Favag-Pro- zeffes tarnen wieder eine Reihe von Sondervergütungen an die Vorstandsmitglieder der Fa«ag zur Sprache. So hatte der Auffichisratsvorsitzenbe H o f f am 1. Juni 1926 die

Verteilung einer Vergütung von 150 000 Mark an Dumcke Becker, Schumacher und Lind­ner bewilligt. In der Urkunde heißt es daß die ordentlichen Vorstandsmitglieder den Ausfall, den sie in den Arffbaumhren 1924-25 an Tantiemen hatten nicht durch Erhöhung ihrer festen Bezüge ersetzt erhiel­ten, da sie selbst erklärten, so lange warten zu wollen, bis der Ausbau vollendet fei. Der Abschluß für 1926 habe nun 1,8 Mill. Mark Gewinn gebracht, so daß diese Gratifikation bewilligt werden konnte Bemerkenswert ist. daß die Zahlunaen an die einzelnen Direktoren in den Buchungen verschleiert wurden. Dabei wunde sogar mit fingierten Brie- f e n, die unter anderem an eine Londoner Firma ge­richtet waren, operiert. Tatsächlich sind aber die Br-efe nicht abgegangen und sind spurlos verschwunden. Der Zweck dieser eigenartigen 23edditeierung soll angeblich gewesen fein, daß die in der Buchhaltung beschäftigten Leute nichts von der Verteilung dieser Gratifikationen wissen sollten.

In der weiteren Verhandlung gab es einen Zwischen­fall, in dem ein Verteidiger das Gericht darauf auf­merksam machte, daß der Angeklagte Lindner schon zweimal Rundschreiben an die Presse gesandt habe, in denen er sich zu rechtfertigen und die anderen Ange­klagten herunterzusetzen versuche. Eines dieser Rund­schreiben schließt mit den Schillerschen Worten: „E s liebt bie Welt das Strahlende zu schwär­zen und uns Erhabene in den Staub zu ziehen." Der Angeklagte Lindner erklärt hierzu, es habe nicht in seiner Absicht gelegen, der Presse Mittei­lung zu machen, sondern er habe seine Freunde und Bekannten des In- und Auslandes von dem, was ge­schehen sei, unterrichten wollen.

Aus dem Erwerb der Beteiligung der Favog an der Düsseldorfer Rückversicherung A.-G. fiel der Favag ein

Gewinn von 150 000 Mark

zu, der ebenfalls an die Direktoren Becker, Dumcke, Schumacher und Lindner zu je 37 500 Mark auf geteilt wurde. Später wurde das Geschäft wieder rückgängig gemacht und Schuhmacher und Becker sollen die erhaltene Vergütung nach dem Zusammenbruch der Favag an die Heliosversicherungr- gesellschaft wieder zurückbezahlt haben, der inzwischen das Geschäft mit der Düsseldorfer Rückversicherung über­

tragen worden war. Die Auszahlung der 150 000 Mk. an die vier Direktoren bi bAi der Hellos nicht verbucht worden Nach den Feststellungen des Büchersachver- ständigen Dr. Gutberlet ist die gesamte Geschäftsabw'ck- lvng mit der Düsseldorfer Rückversicherung bei der Helios nur teilweise und unvollständig verbucht wor­den. Eine Reihe von Konten, so das Kassakonto, wur­den eingeschoben, um bie wahren Vorgänge zu verschleiern. Die vier Direktoren traten in den Buchungen überhaupt nicht in Erscheinung. Die zu dieser Sache erfolgte Vernehmung des Aufsichtsratsvor- sitzenden Hofs brachte die üblichen Redewendungen wie „es ist möglich" und „ens kann fein" die *en neuerlichen Beweis erbrachten, daß Hoff auch in der An­gelegenheit Düsseldorfer Rückversicherung richt infor­miert war. Als ihm vorgehalten wird, daß in einer Reche von Fällen die Korrespondenz fingiert war, gibt er an, daß er davon nichts wußte. Zu einer Frage des Sachverständigen Prof. Kalveram bemerkt Hoff, daß auch bei der Helios keine sachliche Bü­cherrevision durch den Aufsichtsrat vorge- nommen worden sei.

Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt.

3ff die Gewährung von Sondervergütungen an Vor­standsmitglieder im Versicherungsgewerbe Üblich?

Generaldirektor Schmitts von der Allianz und Stuttgarter Darein -Versicherungs A -G Ber­lin wendet sich gegen bie Erklärung bes Zeugen Wal­ther im F a v a g - P r o z e h, im Versicherungsge­werbe sei die Gewährung von Sondervergütunqen an Vorstandsmitglieder üblich. Dr. Schmitts stellt zu­nächst fest, daß der Zeuge zwar früher in leitender Stellung an einer mittleren deutschen Versicherungs­gesellschaft gestanden hat, seit Jahren aber ausgeschie­den sei und seitdem nicht mehr dem Vorstand einer Ver­sicherungsgesellschaft angehöre. Mit anderen maßgeben­den Kreisen der deuffchen Privatversicherung bestreitet der Generaldirektor der Allianz aus das allerentschie­denste bie Behauptungen des Herrn Walther, Es sei im deutschen Versicherungsgewerbe keineswegs üblich, daß die Vorstandsmitglieder außer ihren ver­traglichen Bezügen für irgendwelche Sonder- leistungen Sondervergütungen empfan­gen. Die Allianz- und Stuttgarter Verficherungs A -G. haben mehr als ein Dutzend Vereinigungen mit anderen Gesellschaften und verschiedene Kapitalerhöhungen durch­geführt. Es habe aber dabei niemals ein Vorstands­mitglied der Allianz oder einer ihrer Konzerngesell­schaften eine Sondervergütung in irgendeiner Form er­halten. ,

Wie wird das Wetter?

Die kalten Luftmassen, die über Mitteleuropa den Hochdruckrücken aufgebaut hatten werden bereits durch in der Höbe vordringende wärmere Luft wieder ver­drängt Die dadurch entstehende Bewölkung läßt die Temperaturen sich ausgleicben doch kommt es zunächst zu keiner durchgreifenden Erwärmung. Voraussichtlich bildet sich über Deutschland dabei eine Tiefdruckstörung aus. hie uns Niederschläge bei östlichen Winden bringen wird

Witterunosaussichten für Donnerstag: Ziemlich unbeständiges Wetter bei allmählich ansteigenden Tem­peraturen zu erwarten.

Temperatur* nut) Barometerstand in Hulda.

Mlmeteill non Dtwom-Ovllker ^-nuerborn

tiarometerftanl

• ' tfv«*»' r rebifilfr'

l henno» m-tert'nnb

27 10. 6 Uhi abends

763,0 mm

+ 2.5 C

28 10. 8 Uhi morgens

759,0 mm

ch 2,5 C

28 10. 12 Uhi mittags

758.5 mm

ch 5,0' C

höchste Temperatur im Schatten am 27 10.

ch 5.0' C

höchste Temperatur in der Sonne am 27 10.

Niedrigste Temperatur •ei* 27. 10.

+ 9.5 C 0,0 C

Mederlcklaa v. 27 10. 8 U. morg. 28 10.8 U. morq. 0.0 mm

Relative ^euttitiltkei' der ^uft nm 28 10. mitt. 12 11 bt 64 0 °/o

•erllner Oevisenkuree

28 Oktober

26. Oktober

Geld

Bnei

Ueld

Bnei

Newyork

4,3'S

4.217

4,21 9

4,217

Brüssel

58,94

b9,< 6

58,84

f 8,96

Holland

17u,78

171,12

17« ,73

t7l,i 7

uondon

16,49

16, f 3

16,43

16,47

Paris

16,61

16,65

16,60

16,64

Schweiz

82,52

84,68

82,52

82,68

Spanien talien

87,66

37,74

37.36

37,44

21,88

21,87

ul,83

ii ,87

। »änemark

93,01

93,19

92,91

93,(9 92,49

Norwegen

Sich,

92,79

92,31

-'Chweden

97,15

97,35

92,15

96,85

Prag

12,47

12,49

16,47

12,49

Wien

J 8.94

59,(6

58,94

59,(6

VesteM immer

frii^eifla die Zeitung des kommenden Monats.

Won fflnwft gegen eine moste.

Roman von Maximilian Bernd.

Copyright by Carl-Dunker-Verlag.

251 ---------

Marion und Grmnar prallten zurück. Es waren die drei Japaner.

„Was wollen Sie hier, verdammt noch einmal", dröhnte Echaky Sing, als die drei Leute in den Wa­gen traten.

„Halts Maul, alter Junge", rief der erste der Japa­ner und gab dem Riesen einen leichten Schlag mit der flachen Hand unter das Kinn, so daß er taumelnd zu- sammenbrach. Mama Bing sprang schreiend auf und sah in die Mündung eines kleinen Brownings. Sie ver­sank zitternd in ihrem Plüschsofa.

„Nun zu Ihnen, Fräulein Dr. Marion Veldhammer und Herrn Gunnar Stromberger. Unser schönes Spiel von vorhin schlägt leider in Ernst um. Es ist uns per­sönlich sehr unangenehm, aber wir müssen unfern Auf­trag ausführen."

Marion war über und über rot geworden, als sie sah, daß man sie überrumpelt hatte. Gunnar war schneeweiß im Gesicht.

„Was also wollen Sie von uns", fragte Marion klar uni> ruhig.

„Wenig — sehr wenig, nur das, was Sie bereits wissen, was Ihnen nun oft genug vom Pfeilring mit« geteilt wurde", sagte der erste der Japaner und lächelte genau so freundlich wie die beiden andern hinter ihm, die jeder einen entsicherten Revolver in der Hand hielten.

„Wir sollen die Expedition aufgeben?!"

„Ja — Sie beide unterschreiben hier diesen Re­vers, den wir in den Zeitungen veröfsentlichen, das heißt, daß Sie morgen nach Europa zurückfahren." Der Japaner legte zwei mit Schreibmaschine geschriebene Erklärungen auf den Tisch Daran waren zwei Fahr­scheine geheftet, auf die der Japaner wies.

„Und hier haben Sie vom Pseilring eine freie Ueberfahrt nach Cherbourg, mehr können Sie von uns nicht verlangen."

„Ich werde nicht unterzeichnen", rief Marion.

„Wir müssen Sie bitten zu unterzeichnen, denn ab- fohren werden Sie doch. Die „Resolute" geht morgen um 2 Uhr. Wenn Sie nicht einwilligen, bringen wir Sie so aufs Schiff. Wir bürgen dafür. Ihren Onkel werden Sie auch dort treffen."

„Eine unerhörte Frechheit. Glauben Sie, ich lasse mich zwingen, auf das Schiff zu gehen? Sie können mich doch nicht gebunden auf das Schiff tragen. Es gibt doch noch Polizei am Pier. Halten Sie mich denn für fo blöde?"

„Die Pfeilringbande hat ihre Beziehungen überall — wenn Sie nicht zu Fuß gehen, werden Sie aller­dings getragen — natürlich nicht durch den Pafsagier- eingang."

„Ich unterschreibe nicht!" schrie fetzt Marion und wollte zur Tür. Der Japaner hielt sie am Handgelenk zurück. Er winkte seinen beiden Komplizen, sie nah­men Gunnar in die Mitte und reichten ihm einen Füllfederhalter. Er sah Marion an.

„Du unterschreibst nicht", zffchie sie.

„Sie unterschreiben! Sie kommen sowieso nicht mehr ins Hotel zurück. Ihre Sachen holen wir Ihnen ab. Morgen bringen wir Sie aufs Schiff. Wir haben nun keine Zeit mehr zu verlieren."

„Vielleicht geht es fo schneller", sagte einer der Pfellringleute und legte die Mündung des Brownings an Gunnars Stirn.

Marion und Mama Bing schrien entsetzt auf. Gun­nar zuckte zusammen und unterschrieb hastig.

„Die Unterschrift ist doch erpreßt und mertlos", murmelte er zu Marion.

„Ich danke, für uns ist sie nicht wertlos — bringen Sie den Herrn in den Wagen, lächelte der Japaner und steckte den unterschriebenen Revers zu sich. Gunnar wurde von den beiden abgesührt. In der Tür drehte er sich noch einmal um. Er sagte wehmütig:

„Dann also auf Wiedersehen morgen auf der „Re­solute".

„Feigling!" rief Marion. Die Schritte knarrten die Holztreppe hinunter.

„Nun unterschreiben Sie bitte auch," sagte der gelbe Mann höflich.

Marion ging an den Tisch, nahm die Blätter und zerriß den Revers mit dem Fahrschein. Die Fetzen warf sie dem Japaner ins Gesicht. Ein plötzlicher Jäh­zorn überfiel das Gesicht des Mannes. Er ergriff Ma­rions Finger und preßte sie in gemeinem Jiu-Jitsu- Griff zusammen.

Marion schrie laut auf. Sie glaubte, er würde die Finger brechen. Da sauste an ihrem Auge etwas Graues vorbei. Von der fürchterlichen Faust des Crazy Crook getroffen, stürzte der Japaner zu Boden. Groß und mächtig stand der Tiermensch hinter Marion, seine Au­gen funkelten in hellem Zorn. Der zähe Japaner war wieder aufgesprungen und zog einen Revolver aus der Tasche. Bevor er ihn jedoch entsichert hatte, nahm Crazy Crook den neben ihm stehenden Stuhl und zer­schmetterte °hn auf dem Kopf des Japaners. Der brach röchelnd zusammen.

Der Tiermensch nahm das Mädchen wie ein Kind in feine Arme und lief mit ihr über die Veranda in das Dunkel hinter den Buden. Der Jnnenhof des Bu­denblocks war dunkel und sehr langgestreckt. Am Ende leuchtete die betonierte Abfallstraße nach Brighton in Hellem Licht der Bogenlampen. Cracy Crook setzte Marion ab. In ihren Augen blinkten Tränen, sie streichelte ihm die Hände, dann gab sie ihm schnell ihre ganze Barschaft, die sie bei sich hatte. Sie sah, wie er sprechen wollte, das rote Licht einer ©rotten« bahn fiel in fein verwildertes Gesicht. Seine Augen blickten flehend, in die ihren — er wollte sprechen — er kämpfte mit sich, fein Mund öffnete sich, er brachte keinen Ton heraus.

Marion sah Crazy Crook ergriffen an.

Dann wandte sie sich rasch ab und lief zur Straße.

Als sie noch einmal zurückblickte, hatte sich der große Mann langsam umgedreht und ging schwer tappend in d'e Dunkelheit zurück.

Marion schlüpfte in ein Taxi und gab bas Plaza- Hotel Manhattan als Ziel an. Sie zog den Pelzkra­gen hoch und verkroch sich frierend in die Ecke des stau­bigen Lederpolsters. Der alte Wagen fuhr ratternd über den langen Damm zwischen den dunklen Watten Song Island zu.

XVI.

Ein feiner, nasser Herbstnebel wogte in den Straßen Newyorks. Die über die Straßen gespannten Leucht- förper zeichneten einen scharfen Kegel in die dampfge­sättigte Luft. Die Fünfte Avenue war zu dieser spä­ten Abendstunde fast leer. Nur wenige Automobile und Omnibusse fuhren mit beschlagenen Scheiben vom Zen­tralpark hinunter in das Innere der Stadt. Die Gum­mireifen zogen glänzende, schwarzseuchte Muster über den schlüpfrigen Asphalt.

An der Ecke der 42 Straße hielt ein Omnibus län­ger als gewöhnlich, weil der Schaffner, statt bas Ab­fahrtssignal zu geben, träumend auf die Straße schaute. Ein Fahrgast, der neben ihm stand und eben aufge­sprungen war, starrte den Schaffner an, die rechte Hand am Griff, und rührte sich ebenfalls nicht. Der Führer bes Wagens sah sich um, er konnte nicht verstehen, wa­rum der Schaffner das Signal nicht gab. Er sprang vom Sitz, lief um den Wagen und sah von der Straße aus, daß bie wenigen Fahrgäste plötzlich aufgeftanben waren, sich reckten, als wären sie eben aus einem tiefen Schlaf erwacht.

„Was machst du, Billy, träumst du?!" rief der Füh­rer ben Schaffner an, ber plötzlich oerrounbert feine Augen rieb. „Du bist wohl verrückt, auf ber Fünf­ten einzuschlafen?"

„Was war bas?" murmelte ber Fahrgast der eben aufgesprungen war und noch immer die Hand am Griff hatte. „Ist Ihnen plötzlich auch fo schlecht, fo seltsam gewesen?" kam ein Herr aus dem Innern bes Omnibusses mit bleichem Gesicht hervor.

„Schlecht? — Ich habe mich nicht mehr bewegen können — ich bin krank — zur Rettungsstation!!" schrie eine ältere Dame, stürzte aus bem Wagen auf bie Straße und lief davon. Fünf andere Personen folg­ten Mir.

Der Wagenführer ging an feinen Sitz zurück Nur noch ein Fahrgast faß am Ende der Bank und schien zu schlafen. Er hatte feinen breiten Rockkragen hoch­geschlagen, so daß man von feinem Gesicht nur bie Nasenspitze sehen konnte. Auf den Knien trug er ein kleines Handköfserchen.

föortje&ung folgt)