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Anzeiger für die Stabt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 250

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Donnerstag, 29. Oktober 1931.

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Wfl. 58.

Erst wäg's, bann wag's.

Ein Be.üner Abendblatt will wissen, daß e i n deutscher Schritt in der Reparations­frage bevorstehe, und zwar werde erwogen, die Einberufung des beratenden Sonderausschus- s e s der B. I. Z. zu beantragen. Das ist be­kanntlich der im Poung-Plan selbst vorgeschrie­bene Weg.

Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, kann von einem solchen Schritt vorläufig gar nicht die Rede sein. Natürlich beschäftigt man sich bei den zuständigen Stellen der WichSlmstraße sehr lebhaft mit dem Ausgang der Washingtoner Be­sprechungen, aber vorläufig ist noch gar nicht abzu- fehen, wie die Reparationsfrage vorwärts getrieben wird. Das Washingtoner Communique regt eine Initiative der europäischen Mächte an, also kei­neswegs ein Einzelvorgehen Deutschlands. Zu­nächst muß man doch auch einmal abwarten, bis Laval wieder in Paris eingetroffen ist, und dann wird in diplomatischen Verhandlungen, vor allem zwischen Berlin und Paris, das wettere Vorgehen geklärt werden müssen. Wahrscheinlicher als die Ankündigung eines deutschen Schrittes klingt viel­leicht schon die amerikanische Meldung, daß Laval die Initiative zur Einberufung einer Konferenz ergreifen werde, mehr aber noch neigt man in Berlin der Auffassung zu, daß es schließlich ent­sprechend der Formulierung des Washingtoner Kommuniques zu einer gemeinsamen Aktion kom­men wird. Nach Auffassung unterrichteter Stellen ist es aber am richtigsten, zunächst einmal die Rück­kehr Lavals und die sich daran anschließenden diplomatischen Besprechungen abzuwarten. Was vorher über diese Dinge gesagt wird, ist nur als Kombination zu werten.

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Aus Berlin wird uns dazu noch geschrieben:

Angesichts einer Reihe irreführender Mittei­lungen, die über die Auswirkungen des Besuches des französischen Ministerpräsidenten in Washing­ton in einen Teil der deutschen Oeftentlichkeit ge­langt sind, ist es verständlich, daß das Rätselraten über die nächsten Schritte zur Lösung der Welt­krise und insbesondere über etwaige Entscheidun­gen, die die Reichsregierung zu treffen vielleicht genötigt sein wird, anhält. Grundsätzlich sei noch einmal festgestellt, daß wir gar keine Veranlas­sung haben, die Dinge von uns aus zu überstürzen, und daß ernsthafte Ueberlegungen zu der Schluß­folgerung führen, uns in der ganzen Angelegen­heit mit Geduld zu wappnen. Erst müssen die Fäden entwirrt werden, die das Washingtoner Kommunique so kunstvoll geknüpft hat, daß auch heute noch über der ganzen Situation ein mehr oder minder dichter Schleier liegt. Vor allen Din­gen ist aber davor zu warnen, den Interpretatio­nen, die immer aufs neue von außen her an die Reichsregierung herangetragen werden, irgend­wie Folge zu leisten. Es gilt heute das Gleiche, was gestern richtunggebend war: Kluge Zu­rückhaltung in der weiteren Verfol­gung der Entwicklung der Dinge. Die Reichsregierung selbst wird überhaupt erst in der Lage sein, zu den einschlägigen Fragen Stellung zu nehmen, wenn die abschließenden Berichte des Botschafters von Prittwitz über seine Unterhal­tungen mit den maßgebenden Persönlichkeiten des Staatsdepartements in Washington vorliegen. Es will uns aus den verschiedensten Gründen schei­nen, daß diese Berichte noch keineswegs letzte Klar­heiten schaffen und daß sie der notwendigen Er­gänzung durch den Vertreter Deutschlands in Pa­ris bedürfen, der aber auch erst zum Zuge kommen kann, wenn Herr Laval nach Paris zurückgekehrt ist. Das Ergebnis der diplomatischen Fühlung­nahme muß also aut jeden Fall abgewartet wer­den, ehe bei den zuständigen Ressorts des Reichs­kabinetts Erwägungen darüber stattfinden, ob und in welcher Form etwa Deutschland in der Tri­butfrage, die ja irgendwie mit der Schuldfrage verknüpft bleibt, initiativ vorgehen muß.

Infolgedessen ist es völlig abwegig, wenn in marktschreierischer Weise von einem Berliner Links- blütt am Dienstag einendeutschen Schritt" als bevorstehend angekündigt wird, in dem die Be­hauptung aufgestellt wird, es herrsche in unter­richteten Kreisen die Auffassung vor, daß die Reichsregierung sich in Bälde dahin entscheiden werde, gemäß Artikel 119 des Poung-Planes die Einberufung des beratenden Sonderausschusses der B.J.Z. zu beantragen. Davon kann nach unseren Informationen und nach dem oben Gesagten gar keine Rede sein. Man scheint in dem betreffenden Blatt die, Nachrichten aus amerikanischer Quelle in die falsche Kehle bekommen zu haben, die be­sagen, daß Laval beabsichtige, die Zahlungs­fähigkeit Deutschlands durch den Ausschuß der B.J.Z. nachprüsen zu lassen mit der Maßnahme, daß sich an das Votum der Sachverständigen eine internationale Konferenz etwa Ende November- Anfang Dezember über die Tributfrage anschließen solle. In jedem Falle handelt es sich aber auch hier zunächst nur um reine Theorien, die zweifel­los von einer geschickten politischen Regie der Gegenseite aufgestellt werden, um Deutschland aus dem Versteck zu locken. Die Reichsregierung hat keine Veranlassung, dieses Glatteis zu betreten. Das einzige, was sie erklären kann, ist, daßDeunch- Itinb auch nach dem Ablauf des Hooverjahres nicht in der Lage sein wird, die politischen Zah­lungen wieder aufzunehmen, von denen doch zur Genüge erwiesen ist, daß sie nicht nur Deutsch­lands wirtschaftliche Basis, sondern auch die inter­nationale Wirtschaft und den internationalen Han­del aus dem G.e.chgewicht gebracht haben. Nachdem der französische Ministerpräsident durch seine über­triebenen Forderungen den Weg zu der einzig möglichen gesunden Lösung auf Grund eines soli­darischen Handelns aller in Betracht kommenden Q üonen vorläufig wieder einmal verbaut hat,

VMwln-Macdonalds Sieg in England.

Großer Wahl-Erfolg der konservativen.

wtb. London, 28. Oft. (Eig. Meld.) Die eng­lischen Wahlen zum Unterhaus vollzogen sich in voller Ruhe. Die Wahlbeteiligung war sehr groß. Nach den bis 4.-50 Uhr vorliegenden Ergebnissen sind gewähtt worden:

Nationale Arbeiterpartei (Gruppe Macdonald) 4; Konservative 222;

Arbeiterpartei (Gruppe Henderson) 23;

Splitterparteien 2;

Liberale (aller Richtungen) 37, davon Gruppe Simon 14.

Die Konservativen gewinnen bisher 101 Sitze, die Arbeiterpartei (Gruppe Henderson) verlieren 111 Sitze und die Liberalen aller Schattierungen gewinnen bisher 11 Sitze.

des Parlaments durch den König am 10. Novem­ber vorgenommen werden soll.

Das neue Unterhaus selbst wird bereits am 3. November zusammentreten, um den Sprecher zu wählen und die verschiedenen Zeremonien zu er­ledigen, was die ganze Woche in Anspruch nehmen dürste.

Hebst das Ergebnis der Dahlen.

wtb. London, 28. Okt. (Eig. Meld.). Macdo­nald erklärte Pressevertretern, die Ergebnisse der Wahlen seien nicht nur überraschend, sondern auch bestürzend. Der Erfolg des nationalen Arbei- ter-Parteilers Thomas und derjenige Sir Herbert Samuels seien erfreulich. Nichts zeige deutlicher, daß es sich dabei um den Sieg der natio­nalen Regierung und nicht um den Sieg einer politischen Partei handele.

wtb. London, 28. Okt. (Eig. Meld.) Reuter: Die beispiellose politische Umwälzung, die die Folge der gestrigen Wahlen sein wird, hat die po­litischen Kreise sehr überrascht. Die Freude der Konservativen ist nur durch die bittere Enttäu­schung der Arbeiterpartei überboten. Es ist mög­lich, daß sie weniger als 100 Sitze erhält. Es feh­len jetzt den Konservativen nur noch 90 Sitze, um die Mehrheit über alle anderen Parteien zu er­langen. Wahrscheinlich werden sie mehr als 400 Sitze bekommen, was ihnen eine Mehrheit von 185 Stimmen verschaffen würde. Die National­regierung würde dann über eine überwäl­tigende Mehrheit verfügen. Die Regierungsblätter frohlocken und buchen mit Begeisterung die Ergeb« nisse, die sie als den Sieg einer ehrlichen und ge­sunden Regierung feiern.

wtb. London, 28. Okt. (Eig. Meld.) Times nennt das bisherige Wahlergebnis als Sieg des Demokraten über den Demagogen. Die brittsche Regierung werde vor allem die Kaufkraft des Sterling zu erhalten haben, was keine un­überwindlichen Schwierigkeiten bieten solste.

Die Niederlage Henderson.

Im Wahlkreis Burnley hat die Arbeiterpartei eine außerordentlich schwere Nieder­lage erlitten. Der Führer der Partei Arthur Henderson und vormalige" Staatssekretär des Aeuheren ist von dem konservativen Kandidaten, und zwar mit einer Mehrheit von 9029 Stimmen geschlagen worden. Bei der letzten Wahl hatte Henderson eine Mehrheit von 7954 Stimmen er­halten. Die Stimmenzahl verteilt sich wie folgt: Konteradmiral Campbell erhielt 35 126 Stimmen, Arthur Henderson 26 917 Stimmen und ein kom­munistischer Kandidat 512 Stimmen. Konterad­miral Campbell ist der Schöpfer der sogenannten U-Bootfallen", der sogenannten Qu.-Boote. Die Liberalen hatten ihren Kandidaten zurückgezogen, um Campbell zu unterstützen.

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Der Führer der Neuen Partei Sir O s w a ld Mosley ist im Wahlkampf unterlegen, Lady Aster wurde wiedergewählt.

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Unter den Stimmberechtigten, die ihre Sfimme abgaben, befanden sich nicht weniger als fünf hundertjährige Frauen. Die Verehrung, deren sich Mac Donald erfreut, geht aus der Tat­sache hervor, daß ihm aus allen Teilen des Lan­des über hundert Kraftwagen zugesandt worden sind, um ihn in seinem Wahlkreis Seaham Har­bour zu unterstützen.

Das Wahlgeschäst in England litt unter dem N e b e I. Ein Wahlagent in Chapham, wo der Nebel besonders dicht war, kam auf den guten Gedanken, Leute mit Glocken zur Führung der Wähler auf die Sttaße zu senden.Folgt der Glocke", riefen die Männer und führten die Wahllustigen zu der Urne.

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Premierminister Mac Donald bat die übrigen Kabinettsmitglieder, Donnerstag früh in London anwesend zu sein, damit die Möglichkeit besteht, am Nachmittag über verschiedene wichtige Fragen, insbesondere solche der Außenpolitik, eine Sitzung abzuhalten, in der auch die Redaktion der Thronrede anläßlich der feierlichen Eröffnung

Stanley Baldwin,

W1

der den Sieg errang. Baldwins Sohn ist bis­her Abgeordneter der Arbeiter- Partei gewe­sen. Er wurde diesmal geschlagen.

Eine Rekord-Mehrheit.

wtb. London, 28. Okt. (Eig. Meld.) Die Be­richte aus den Wahlkreisen selbst und eine sorg­fältige Analyse der Wahlkreise, deren Ergebnisse heute mitgeteilt werden, zeigen, daß eine ausge­sprochene Möglichkeit besteht, daß heute abend die gewählten Kandidaten der nationa­len Regierung auf etwa 530 ge st le­gen sein werden, was der Regierung die riesige Mehrheit von etwa 450 geben würde, eine Rekordmehrheit in der britischen Politik. Die größte Mehrheit, die bisher eine britische Regie­rung hatte, betrug 370, die die liberale Regierung vom Jahre 1832 vor fast hundert Jahren befaß. Die Konservativen allein werden diesmal mög­licherweise fast 450 Mitglieder im Unterhaus ha­ben, was ifjnen eine eigene Mehrheit von etwa 300 über all die übrigen Parteien zusammen geben würde. Nur in den Bergwerkskreisen des Nor­den, bereit. Ergebnisse heute noch mitgeteilt werden müssen, wirdßabour", wie man erwartet, feinen Stand behaupten. Das Hauptinteresse konzentriert sich heute auf den Wahlkreis Seaham, wo, wie man glaubt, der Premierminister Macdonald einen sehr schweren Stand gehabt hat. Obgleich es sich hier um einen Bergwerkwahlkreis handelt, läßt die ge­strige überwältigende Abstimmung zugunsten der naitonalen Regierung und insbesondere der große Sieg der Kollegen Macdonalds darauf schließen, daß der Premierminister gewählt werden wird.

Der erste Eindruck der englischen Wahlen in Amerika.

wtb. New York, 28. Okt. (Eig. Meld.) Die Blät­ter geben den englischen Wahlergebnissen, die hier einen starken Eindruck machen, großen Raum und erhoffen hiervon weitere Fortschritte für eine wirt­schaftlich-finanzielle Stabilisierung, obwohl die Berichte aus Washingtoner politischen Kreisen Be­fürchtungen für den amerikanischen Außenhandel infolge der erwarteten englischen Zoll­erhöhungen melden.

Siehe auch unter .Petzte Nachrichten".

ist es an ihm, daraus die Konsequenzen zu ziehen und sich zu erklären.

Bemerkenswert ist übrigens, daß die fran­zösischen Goldabzüge aus Amerika trotz der angeblichen Abreden zwischen Hoover und Laval zu Beginn der Woche weiter ange­dauert haben. So wurde allein am Montag Gold im Werte von über 18 Millionen Dollar nach Frankreich verladen. Es wird abzuwarten bleiben, ob man aus bieder Tatsache weitergehende Schluß­folgerungen als die zu ziehen hat, daß es sich bei diesen Goldtransporten nach Frankreich um die Durchführung von Anweisungen handelt, die be­reits vor den .zwischen Hoover und Laval verab­redeten Maßnahmen gegeben worden waren. Mancherlei spricht allerdings dafür, daß die Frage der französischen Kreditpolitik gegenüber den Ver­einigten Staaten durch die Besprechungen im Wei­ßen Haus mir eine Zwischenlösung erfahren hat, und es paßt in das ganze Bild der andauernden Unsicherheit der Situation, daß die Londoner City nach wie vor eine große Skepsis an den Tag legt.

RSAPD.

Was ist das? Ein Preisrätsel? Tatsächlich, es ist ein Rätsel im wahrsten Sinne des Wortes. KSNPD ist nämlich eine Kunze-Partei und der Preis vom Rätsel ist der Parteibeitrag. Was aber istKunze-Partei"? Nun, wir wollen nicht länger Hinhalten. Der Sachverhalt ist nämlich folgender: Ein bisher in der Oeffentlichkeit völlig unbekann­ter Dr. Kunze in Aachen hat eine neue Partei er­funden und er nennt sie KSNPD, das heißt Katholisch-Soziale Nationalpartei Deutschlands. Nun nehme man sich die Pro­gramme der großen deutschen Parteien, und man stellt fest, daß diese Eigenschaften, die in dem neuen Namen zum Ausdruck kommen, die Grundelemente des Programms der Deutschen Zentrumspartei sind. Mit dieser Beantwortung des Rätsels ist aber Herr Kunze nicht einverstanden. Er setzt daher die­sem Namen einen Kommentar hinzu. Und darin heißt es u. a.:Wir fordern christus-durchtränkte kuluirelle-völlijche Aufbauarbeit. Wir find ganz­

heitlich und organisch denkende Deutsche gegen Bolschewismus und Amerikanismus." Herr Kunze ist weiter fürden echten, wahrhaft herrschaftlichen Staat", fürSachsouveränttät" faroie, fürgerechte Schichtung der Stände, gipfelnd im führenden, int Staatsstand".Das Gefüge des organisch-ständi­schen Staates ist nicht zentralistisch wie im liberalen Staate, sondern es ist wesenhaft bezentralistisch."

Die Lösung dieser rätselhaften Wortzusammen- stellungen aber heißt: Geistige Verworren­heit und Phrasendrescherei in bet höch sten Potenz! Endergebnis der Ent­wicklung, die wir im Zeichen der Phrase aus der politischen Bühne Deutschlands sich vollziehen sehen. Den Worten nach würde die Kunze-Partei ein würdiger Ableger der großsprecherischen Httler- partei. Ob sie noch sonstige verwandte, Eigenschaf­ten entwickeln würde, wird der Welt ständig ver­borgen bleiben, denn die KSNPD ist ein tot­geborenes Kind, das niemals zu einer politischen Lebensäußerung kommen wird. KPV.

Er ist zufrieden.

Außenminister Grandi auf der Rückfahrt in München.

wtb. München, 28. Okt. (Eig. Meld.) Der ita­lienische Außenminister Grandi traf heute vormit­tag 9.02 Uhr mit feiner Gattin und seiner Beglei­tung mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug Berlin Rom in München ein. Am Bahnhof erwarteten die Delegation zahlreiche Hervoragende Persönlich­keiten der hiesigen italienischen Kolonie. Als Ver­treter der Stoatsregierung begrüßte Freiherr von Stengel den Außenminister. Der Minister ver­weilte während des halbstündigen Auienthalts au­ßerhalb des Waggons im Gespräche und äußerte sich sehr befriedigt über die Berliner Reise. Die Berliner Tage würden ihm unvergeßlich sein. Um 9.35 Uhr setzte der Zug die Fahrt nach Rom fort.

Die Gefahr im Osten.

Vorstellungen Japans in Moskau.

wtb. Tokio, 28. Okt. (Eig. Meld.) Der Minister des Auswärtigen hat den japanischen Botschafter in Moskau angewiesen, der sowjetrussischen Regie, rung die Beunruhigung Japans wegen der Be­wegungen sowfetrussischer Truppen an der mand­schurischen Grenze darzulegen und sie zu ersuchen, sich jeder Tätigkeit zu enthalten, die zu Befürchtun- tungen in militärischer Hinsicht Anlaß geben könnte.

Das Völkerbundssekretariat in Genf veröffent­licht eine Note der chinesischen Regierung, worin diese sich bereit erklärt, gemäß Artikel 13 des Völ­kerbundspaktes alle Streitigkeiten mit Japan über die Auslegung und Anwendung, von Verträgen der Schiedsgerichtsbarkeit oder einem gerichtlichen Verfahren beim Internationalen Ge­richtshof zu unterbreiten. Ferner erklärt China feine Bereitwilligkeit, mit Japan einen Schiedsvertrag, ähnlich dem zwischen China und den Vereinigten Staaten und den in den letz­ten Jahren unter den Mitgliedern des Völkerbun­des verschiedentlich abgeschlossenen Verträgen ein­zugehen.

Dec Machk-Schwimd des Mgerkums.

Sprechende Zahlen von dem Anhalter Wahl­ergebnis. Verlast der rechtsbürgerlichen Parteien feit 1927 beträgt 47 000 Stimmen. Hugenbergs geniales" Werk.

Aus Dessau wird gemeldet:

Das endgültige Ergebnis der Wahlen zu den anhaltifchen Gemeinde- und Kreisvertretungen weist folgende Gew inne und Verluste gegenüber der letzten Gemeindewahl im Jahre 1927 und der Reichstagswahl im Jahre 1930 aus:

Die SPD. verliert gegenüber 1927 9000, gegen­über 1930 17 500 Stimmen;

die Staatspartei verliert gegenüber 1927 7847 Stimmen und gewinnt gegenüber 1930 1100 Stim­men;

die Kommunisten gewinnen gegenüber 1927 14 048, gegenüber 1930 5648 Stimmen;

die rechtsbürgerlichen Parteien (Volks­partei und Deutschnationale) verlieren gegenüber 1927 47 032, gegenüber 1930 28 243 Stimmen;

die Nationalsozialisten, die 1927 noch nicht gezählt wurden, gewinnen gegen 1930 32 785 Stimmen.

Gegen die konfessionelle Hetze.

Was Lizentiat Mumm dazu sagt.

Der evangelische Theologe Liz. Mumm wen­det sich in derTäglichen Rundschau" gegen die konfessionelle Hetze, die mit der Behauptung arbeite, Brüning sei v o n Jesuiten erzogen ober gehöre in irgendeiner Form dem Jesuiten- Orden an. Er habe sich authentisch erkundigt und stelle fest, daß das Lügen seien. In einer Zeit, da das Reichsministerium sechs evange­lische und drei katholische Mitglieder habe und nicht ein einziges dissidentisches, heiße es gegenüber der evangelischen Kirche und dem Va­terland unverantwortlich handeln, wenn man der­artige unwahre Behauptungen aufstelle,

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In gewissen Kreisen ist heute noch derJesuit" ein Kinder-Schreckmittel, wie es im Mittelalter derHexerich" war. Auf diese Kreise spekuliert man, wenn man Brüning die Erziehung bei den Jesuiten andichtet.