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Nr. 250

Beilage zur Fuldaer Zeitung

An die heilige Elisabeth.

Don Franz Johannes Weinrich.

Ich höre dich bitten, du Bräunling aus Süden,

Ich höre dich zittern, Thüringens Kind,

Ich höre dein Schlaflied, du Mutter der Müden, Klagen dich, Gottes wehender Wind.

Denn du hörst die Seufzer der Armen und Kranken, Denn du hörst sie schreien aus tiefster Not, Die in den Mooren der Armut versanken, Die Hunger haben und riechen nach Tod.

Denn du hörst in den Nächten die Kinder weinen. Es kommt ja kein Traum zu chnen, der Speise bringt Und kein Schlaf kommt zu ihnen mit hellem Scheinen, Well keine Mutter in solcher Finsternis singt.

Ich höre dich bitten, du Bräunling aus Süden, Ich höre dich zittern, Thüringens Kind.

Ich höre dein Schlaflied, du Mutter der Müden, Klagen dich, Gottes wehender Wind.

Denn fern bist du deinem Heere in dieser Stunde, Marketenderin Gottes, und schenkst nicht den Wein, Die Liebe, den himmlischen Wein in die Runde Mußt unter Gottes Nachtigall'n Dorsängrin sein.

Drum, Nachtigall, singe von deinem Orden,

Bon dem tausendgesichtigen Armenchor, Der zum dunklen Antlitz der Welt geworden Klage sein Weinen in Gottes Ohr.

Denn noch ist die Stunde nicht gekommen,

Noch wirft er die Heiligen nicht in die Schlacht, Bis von aller Not taub der letzte der Frommen, Das letzte Menschenherz ertrank in Nacht.

Neige dich, duftender Zweig aus Süden, Eingepflanzt einst unter nördlichem Stern Selbst trauerbehangen bis zum Ermüden, Noch tiefer dich neigend ins Leid des Herrn

Bis er die schwellenden Früchte, Leiden und Trauer, Genommen von dir, dem zartesten Zweig, Und du auftchnelltest an die besonnteste Mauer Neige dich zu uns, Zwerg über vielem Gezweig

Don der Wartburg des Himmels, funkelnd von Sonne Zu allen, die jammern und weinen und warten, Schönster der Bäume im deutschen Garten

Du seine Krone!

Gesundheitspflege im November.

Novemberwetter Nebel, Regen, Wind und Kälte, da fühtt man sich am wohlsten zu Hause, in der behag­lich-warmen Stube. Sie darf nicht zu kall, aber auch nicht zu warm sein. Besonders die Ueberhitzung eines Raumes, die gewöhnlich zu unvernünftigem Oeffnen eines Fensters zwecks vermeintlichen Lustausgleichs An­laß gibt, kann unserer Gesundheit gefährlich werden.

Die Temperatur eines Wohnraumes soll im allgemei­nen 17 bis 18 Grad Celsius betragen, für einen Arbeits­raum dagegen je nach Art der Beschäftigung 17 bis 20 Grad. Wichtig ist es, zur Vermeidung von Erkältungen für genügende Erwärmung des Fußbodens zu sorgen. Da die erwärmte Luft in die Höhe steigt, ist der Fuß­boden häufig ttotz ausreichender Heizung kalt, zumal wenn unter dem beheizten Zimmer etwa ein Keller oder sonst ein ungeheizter Raum liegt. In diesem Falle be­wahre man sich vor kalten Füßen und Erkältungsgefahr durch Legen von Fußmatten, Teppichen oder durch Der-

Vergeßt die

Kleidersammlung nicht H

Wendung einer um die Füße geschlagenen Decke. Bei etwa vorhandener Zentralheizung sind diese Vorsichts­maßregeln überflüssig, hier gilt es aber, die häufig in der Luft vorhandene, die Schleimhäute der Nase und des Rachens reizende Trockenheit der Lust $u bekämpfen. Sie rührt weniger von der Heizung selbst her, als von dem durch die WärMe emporgetriebenen Staub. Durch Auf­stellen flacher, mit Wasser gefüllllter Schalen oder durch Aufhängen feuchter Tücher kann dagegen wirksame Ab­hilfe geschaffen und der Luft jener Feuchtigkeitsgrad verllehen werden, der für unser körperliches Wohlbefin­den unerläßlich ist.

Jede Art von Heizung, vor allem die Ofenheizung,

erfordert für unsere Gesundheit auch eine ausreichend« Lüftung, denn die brennende Flamme des Ofens verzehrt viel Sauerstoff, und außerdem trügt die im November notwendige, oft lang dauernde künstliche Beleuchtung durch Gas- oder Lampenlicht zur Luftverschlechterung bei. Ein ausreichender Luftwechsel wird nicht erreicht durch einfaches Fenstsröffnen, es kommt vielmehr darauf an, die schlechte, erwärmte, an der Zimmerdecke gesam­melte Luft möglichst restlos zu entfernen. Zu diesem Zwecke öffne man, wenn möglich, den höchstgelegenen Teil des Fensters oder sorge, wo dies nicht angängig ist, für Herstellung von Gegenzug In beiden Fällen genü­gen fünf bis zehn Minuten mehrmals täglich, mindestens aber morgens und abends, um einen Raum ausreichend

mit frischer Luft zu versorgen. Die frische Luft erwärmt sich viel rascher als die alte, verbrauchte, so daß unsere Hausfrauen nicht fürchten müssen, durch solche Art des Lüftens unsparsam mit ihrem Heizmaterial umzugehen. Ganz besonderen Wert lege man auf ausgiebige Lüftung des Schlafraums. Gesunde Menschen sollten, wenn das Wetter nicht gar zu schlecht ist, möglichst bei offenem Fenster schlafen. Wer so für gesundheitsmäßige Be­heizung, Durchlüftung und ausreichende Luftdurchfeuch­tung der Wohn- und Arbeiträume sorgt, wird mancher November-Erkältung entgehen. Ist es doch zweifelsfrei erwiesen, daß die Mehrzahl von Erkältungen nicht im Freien, sondern in gesundheitlich nicht einwandfreien Wohnräumen erworben wird. Dr. C. K.

Veihnachksgaben, die nichts kosten, mit Angaben, durchführbar von jedermann.

Gerade zum diesjährigen Weihnachtsfest soll und muß es uns trotz Sorge und Not doch gelingen, allen uns nahestehenden Menschen eine kleine Festfreude zu berei­ten. Früher hat man immer schon gesagt: Kaufen kann jeder, selbst etwas ausdenken und Herstellen ist wertvoll. Aber heute, wo längst nicht mehr jeder kaufen kann, ist das Ausdenken und Herstellen wertvoller denn je. Kleine, anspruchslose, sinnige Geschenke aus schon vorhandenen oder für wenige Pfennige zu beschaffendem Material an­zufertigen, ist für die meisten Menschen noch möglich. Mit nachfolgenden Vorschlägen und Herstellungsangaben möchte ich diese Möglichkeit beweisen.

Hat man z. B. Freunde, die gern und viel lesen, ist ein geschmackvolles Buchzeichen ein hübsches Geschenk. Zu seiner Herstellung überzieht man zwei gleich große, aus Pappe geschnittene Herzen (45 Zenti­meter) einseitig mit einem bunten oder einfarbigen Sei­denrest. Einfarbiger Stofs wird vorher mit kleinen Blu­menkränzchen (Kettenstich) bestickt. Jedes Herz wird rundum mit buntem Richelieustich eingefaßt, an eines der Herzen wird oben ein Seidenband, Maß etwas über Bucheslänge, geheftet, dann werden die aufeinandevge- legten Herzen, bespannte Seide nach außen, zusammen­genäht und das Buchzeichen ist fertig. Man kann noch eine Holzperle an das obere Ende des Bandes befestigen. Jegliche Farbenzusammenstellung bleibt dem Geschmack der Arbeitenden überlassen.

Aus dem Rest Gold- oder Silberbrokatband (12 Zentimeter breit) läßt sich ein Gebet- oder Bibelbuch­zeichen Herstellen. Man schneidet aus Pappdeckel ein vorher mit dem Lineal aufgezeichnetes, 715 Millimeter breites, 89 Zentimeter langes Kreuz und überzieht das Kreuz von beiden Seiten mit dem Brockatband. Nur an zwei Kreuzesenden muß das Band umgeschlagen werden. Oben schiebt man vor dem Zusammennähen ein buchlan­ges Seidenband beliebiger Farbe ein und näht es mit fest. Das vollendete Buchzeichen kann anttke Schönheit haben.

Aus zwölf Briefkarten stellt sich leicht ein origineller Monatskalender her. Auf die untere Hälfte der Briefkarte, Längssormat, zeichnet man sauber mit Tinte oder Tusche acht gerade Linien in je Vi Zentimeter Ab­stand, schreibt die sieben Wochentage m Druckschrift zu Zeilenbeginn, begrenzt dann von oben nach unten die Wochentage mit einer senkrechten Linie und zieht vier weitere, senkrechte Linien, bis für die Zahlen der Tage gleichmäßige Karos enfftehen. lieber das Netz schreibt man den betreffenden Monat, den jeweiligen ersten be­ginnt man mit dem betreffenden Wochentag, so daß eine horizontale Linie folgendermaßen aussieht: Dienstag 1., 8., 15., 24. usw. Die obere Hälfte der Karte ver­ziert man mit einer hübschen, aus die Jahreszeit bezügli­chen Zeichnung, einem Sinnspruch ober einem aufge­klebten Bildchen, einer Liebhaberaufnahme irgendeines nahestehenden Enkelchens ober Nichtchens, je nachdem. Für Katzenfreunbe empfehlen sich 12 kleine Katzenbild­chen, Blumenfreunde Blütenzeichnungen usw. Die zwölf Karten werden oben zweimalig gleichmäßig zusammenge­bunden, so daß sie leicht aufzuhängen sind.

Abreißkalender lassen sich durch auf Papp­deckel aufgeklebte Postkarten, Bildausschnitte, Photogra­phien von gefeierten Künstlern usw. leicht Herstellen. Ein Abreißblock kostet wenige Pfennige, manche Geschäfte senden gratis Reklamekalender, deren Blocks sich glänzend verwerten lassen.

Aus sechs ober acht Streichholzschachteln läßt sich ein Knopf- und Nadelbehälter arbeiten. Man um­näht je eine innere Streichholzschachtel rund herum mit schmalem Seidenband, näht ein rundes Knöpfchen zum Anfassen an die Kurzseite, schiebt das Kästchen wieder in die Schachtel und stellt die sechs ober acht Kästchen, je drei oder vier aufeinander und nebeneinander, um­näht das Ganze wie eine Schachtel mit festem Stoff,

bis nur die eine Kurzseite der Schachteln mit den Knöpf- chen sichtbar ist, überzieht bann den festen Stoff mit leichter Seide unb füllt die so entftanbenen, kleinen Schublädchen mit Nabeln, Knöpfen und Druckknöpfen aller Art.

Um eine Nadelapotheke anzufertigen, nimmt man ungefähr 20 Zentimeter Flanell oder wolligen Stoff, näht auf die Innenseite kleine Riegel aus Seidenband nebeneinander, von der Größe, daß sich kleine Garnröll­chen oder Knäulchen mehrerer Farben nebeneinander hineinschieben lassen und Halt finden. Darunter setzt man in Abständen noch zwei ober drei Riegel für Nadel- büchschen und Fingerhut, eventuell noch für eine kleine Schere. Von außen überzieht man denFlanell mit irgend­einem bunten, leichten Stoff unb schlägt bie Säume nach ber Innenseite des Flanells um, daß es einer Ein­fassung gleichkommt. Das Ganze wird zu einer Rolle zusammengerollt und mit einer Schleife, deren Bänder an der einen Kurzseite vorher befestigt werden, zusam- mengebunden. Wo eine Kinderstube ist, finden sich auch alte, zerbrochene Püppchen von 1015 Zentimeter Größe. Ist nur der Kopf noch heil, so läßt sich aus einem solchen Puppenkind ein originelles Nadelkissen für die Garderobe arbeiten. Man näht ein längliches Kissen, un­gefähr die Länge eines Tragkleidchens, für die Puppe, näht den Puppenkopf an dem Kissen fest, schiebt den rest­lichen Rumpf in das Kissen hinein, eh« man es in Achsel­höhe oder unter dem Kinn der Puppe schließt. Dann überzieht man das Ganze mit leichter Seide, näht der Puppe ein niedliches Häubchen mit großer Krause und näht zwei oder drei Volants wie Pelerinen um die Schul­tern der Puppe. Hat sie noch Arme, muß vorher für Armlöcher gesorgt werden. Am Hinterkopf der Pupp« befestigt man eine Schlinge zum Aufhängen, das untere Ende des Kissens beschließt man mit einer Rosette aus gleicher oder anderer Seide. Besteckt mit Sicherheits- und Stecknadeln ist es ein allerliebstes Geschenk.

Jeder hat schon einmal nachts verzweifelt nach fei­nem Taschentuch das Bett durchsucht. Diesem Mißstand abzuhelfen näht man hübsche Bettaschen. Die Ta- schentuchtosche stellt man aus einem 15 zu 10 Zentimeter großen Stück Pappe her, überzieht die Pappe doppel­seitig mit Musselin oder Seide, läßt ungefähr 11 Zenti­meter Stoff an der Kurzseite überstehen, schlägt den Stoff hemm und näht ihn an beiden Seiten der schon überzo­genen Pappe fest, bis eine Tasche entsteht. Den Stoff kann man, handelt es sich um festeren Stoff, vor dem Nähen beliebig sticken. Mit einem Band an der oberen Kurzseite zum Aufhängen oder Binden an das Bett ist die Tasche fertig.

Kleine Täschchen für Taschenkamm und -Spiegel aus alten Seidenrestchen find beliebte Geschenke, die kei­ner ausführlichen Beschreibung bedürfen.

Alte Kleiderbügel überzieht man mit einem aus bunten Wollresten gestrickten ober gehäkelten, etwa 78 Zentimeter breiten, bügellangen Streifen und ver­schenkt sie als willkommene Gabe zum Aufhängen der Sonntags- und Abendkleider.

Die von manchen Geschäften gratis zugegebenen Hutständer aus Pappe, man kann di« nach oben sich verengende Pappröhre auch selbst Herstellen, lassen sich mit buntem Papier bekleben oder mit Seide locker überziehen, oben und unten die Seide eingefrauft, und ergeben ein praktisches Geschenk.

Aus alten Ansichtskarten kann man eine Brief­mappe Herstellen. Wenn möglich, stellt man die Kar­ten geschmackvoll und beziehungsreich zusammen. Tier- bilder, Landschaften, Silhouetten nebeneinander. 19 Karten ergeben eine Briefmappe. Jede Karte wird zu­erst mit buntem Stickgarn eingefaßt. (Richelieustick) Dann werden 16 Karten je zwei und zwei aufeinander» genäht, daß 8 doppelseitige Karten enfftehen. Diese acht Karten legt man in zwei Reihen, je vier und vier neben»

Elends-Daracken flogen an. Von Kurt Mandel, Gleiwitz.

Nichts als Wellblech!

Kalter Regen sickert die geschwungenen Wellblech­wände hernieder. Das hier fft mehr ein Lager, wie einst auf dem Truppenübungsplatz, nicht eine Notsiedlung. Wenn die vielen, dürftig bekleideten Kinder nicht diese langen Schlitze von abgetretener Grünfläche beleben würden, würde man denken müssen, daß hier bas Le­ben erloschen ist. Kinder, ja die bilden noch eine Ge­meinschaft!

Aber die Großen? Man bücke nur einmal in die einzelnenSojen" . . . Da sind wir in den Wohn-, Koch- und Arbeitsraum einer Familie getreten. Mit Mutter, erwachsener Tochter, zwei erwachsenen Söhnen und vier Kleinen. Alles um den rauchenden Platten­ofen geschart. Der eine junge Mann ist gerade im Schustern. Auf dem Herd« ein Eisenkasserol, dem man längst nicht mehr anmerkt, daß er innen einmal email­liert gewesen. Ein Bunzeltopf mit Sauerkraut, im Kasserol Kartoffeln. Ein wenig Milch in viel zu gro­ßem Topfe! Wovon auch hemehmen? Beide erwachse­nen Söhne sind arbeitslos, einer sogar ausgesteuert. Und der ist froh, wenn er sich als Flickschuster dieses Barackenlagers betätigen kann!

Freundliche, höfliche Leute. Noch nicht angekränkelt von verhetzter Nachbarschaft. Trotz bitterster Armut hält die Hausfrau auf Sauberkeit. Sogar eine blütenweise

Gardine ziert das trostlose kleine Fenster mtt dem rostt- gen Rahmen.

Die alle werkjchmlede.

Draußen, in der Ruine der einst blühenden Fabrik. Ein Totenfeld schon, wenn man von der tauten lieber- landstraße über sanfte Geländewellen in diese Wohnver- ließe wandert. Gestalten, die irgendwo in Winkeln und an einstigen Werttoren stehen, verkümmerte Stummel­pfeifen rauchen, schleudern dem Eindringling nicht gerade freundliche Bemerkungen entgegen. Der eine trägt das Koppelschloß des Roten Frontkämpferbundes am Leib­riemen. Ein anderer, finster losdiskutierender Jüngling, hat auf der Windjackenklappe demonstrativ das Hitler- Abzeichen. Kein Wunder, wenn diese zur Untätigkeit verdammten Leute bei jeder geringfügigen Gelegenheit aufeinander lospoltern, daß das Ueberfallkommando hier längst Stammgast ist. Wir drängen uns durch den rüden Chorus. Unter Wäscheleinen, auf denen kümmer­liche Fetzen in der feuchten Herbstluft baumeln. Da, vor einem langen Schuppen, fft lebhafter Lärm: zwei Frauen streiten sich um den Torso eines Kanonen­öfchens. Fast setzt es schon Hieb». Denn man lechzt hier nach irgendeinem, ofenähnlichen Ding, das Kochgelegen­heit bietet.Da kucken Se in unsere Bude!" keift eine abgehärmte Frau mit Augenlidern, die auf schweres Nierenleiden deuten.Hier muh man hausen!"

Wir starren auf ein Sammelsurium von Hausrat. Dort ein guter, blankpolierter Schrank, da ein Körben- büfett, auf einem Vertiko eine etwas altertümliche Fri­siertoilette. Arn ewig kalten Ofenohr, bas unter den morschen Dachbalken entlangläuft, baumelt eine einstige Bürolampe. Ganz hinten sieht man eine Art verschlos­senen Vorhang.Da hinten is schon »ich mehr unsere Familie", meint die bleichsüchtige Mutter, die hier in Schmutz und Kälte um ein Oeschen streitet. Schon der hohe Schrank, Zeuge aus besseren Tagen, deutet auf die unmögliche Trennung zweier Familienlager hin. Und in beiden gehen Erwachsene beiderlei Geschlechts ein unb aus schauen unschuldige Kinder in Hungern unb Frieren unerguickliche Dinge. Die leibliche Not, noch mehr die seelffche Gefährdung, schreit hier zum Himmel! Das kann doch so nicht weitergehen. Man darf doch gutartige Leute, bie leben wollen, nicht länger so men­schenunwürdig ihrem Schicksal überlassen! Etwa solche Bedrängten wie die Familie in ber Werkschreiberbude.

verfallene Werkschreiberbude.

So einPsefferkuchenhäuschen". Geduckt unter bie zugige, rostige Montagehalle. Im Sommer atem­loser Schwüle, winters einer umklammernden Kälte ausgeliefert.

Weitaus schlimmer aber fft daß dieseAbgeschie­denen" im wahrsten Sinne des Wortes eine Oase in der Wüste bilden. In der Wüste rüber, feindseliger Klaubenslosigkeit. In einem Kesseltreiben jener, die nicht verstehen können ober wollen, daß man auch in arger Not seinem Glauben treu bleibt. Ich glaube, in dieser einzigen Stube findet kein Schemel mehr Platz.

und untereinander und näht sie da, wo sie sich berühren, zusammen, so daß ein Aktendeckel entsteht. Zusammen­geklappt in der Mitte ist die Mappe äußerlich fertig. In die Innenseite näht man links im äußeren Mappen­rand noch zwei umstochene Postkarten an drei Seiten fest, daß Taschen für Briefpapier enfftehen. An die vier Ecken der rechten Jnnensette näht man vorher um­stochene, abgerundete Eckteile der letzten Postkarte fest, um ein Löschblatt einschieben zu können. Eine Schleife zum Zubinden vollendet bie Briefmappe.

Sehr persönliche Geschenke sind kleine, selbst zusam- mengestellte Anthologien. Man spürt der beson­deren Vorliebe ber betreffenden Freunde nach unb sam­melt in mit buntem Papier selbst einzubindendem Oktav- Heftchen kleine, wertvolle Gedichte oder Sinnsprüche aus Büchern, Zeitungen, Zeitschriften. Z. B. Madonnen- gebichte mit der Ueberschrift: Ein Kränzlein um unsre liebe Frau! ober Kindergedichte, Überschrieben: Vorn klei­nen Volk! oder Gedichte über den Tod für irgendeinen (eidgetroffenen Menschen, überschrieben: In memoriam! Tiergedichte, überschrieben: Erdgeschwisterl usw. Die Gedichte trägt man handschriftlich, wer kann mit Kunst- ichrist, fein säuberlich in das Heftchen ein unb klebt außen ein kleines Etikett mit der Ueberschrift darauf. Aehnlich lassen sich W i tz b ü ch l e i n, Kreuzwort, raffel- oder Schachaufgabenbüchlein Her­stellen. Nur mit offenen Augen den Liebhabereien der Mitmenschen nachspüren, und leicht findet sich ein guter Gedanke für eine persönliche wertvolle Gabe.

Möchten meine bescheidenen Angaben unb Vorschläge bie Anregung zu manchem finnigen unb gut ausgedach. ten Weihnachtsgeschenk werben. Lotte Tiedemann.

Erprobte Rezepte.

Rubinreis, eine aparte Beigabe zu Wildgerichten. (Für 4 Personen.) Zutaten: 250 Gramm Reis, 1 Flasch« leichter Rotwein, 2 Höfiel Johannisbeergelee, etwas abgeriebene Apfelsinenschale und Saft einer Apfel­sine, eine Messerspitze Mostrich, 15 Tropfen Maggis. Würze. Zubereitung: Der Reis wird in Rotwein mit dem Johannisbeergelee, der Apelstnenschale und dem Apfelsinensaft dick unb körnig ausgequollen, zuletzt schmeckt man ihn mit einer großen Messerspitze Mostrich, etwas Salz und 15 Tropfen Maggis Würze ab. Er hat einen rubinroten Schein, schmeckt würzig und. träftig und wird gern zu allerhand Wildgerichten alsetwas Besonderes" gereicht L- H-

Gefüllter Weißkohl (vegetarisch). Gut verlesener, sauber gewaschener Weißkohl wird in einem Sieb in kochendem Wasser weich gedämpft. Dann hebt man das Sieb mit dem Kohl heraus, höhlt den Kohl aus und füllt ihn mit folgender Mischung: Das aus dem Kohl herausgeschnittene Tell wird fein gehackt, desgleichen gekochte Möhren, Blumenkohl, Kohlrabi, bann frisch gekochtes oder übrig gebliebenes Erbsemnus unb ge­hackte Petersilie beigemischt, sowie ein Stückchen Butter, ein Ei und geriebene Semmel. Nachdem man den Kohl hiermit gefüllt hat, paniert man ihn und bratet ihn in Butter rundherum braun.

hecht mit ferntet Sahne. 6 Personen. W» Stunde. 4 Pfund Hecht werden geschuppt, ausgenommen, ge­waschen, in Stücke geschnitten und in eine Kasserolle ge­legt, in welcher man K Pfund Butter hat zergehen las­sen. Dazu fügt man % Liter leichten Weißwein, 3 ent­grätete unb gehackte Sardellen, 4 Zitronenscheiben ohne Schale unb Kerne unb ein wenig Salz, bestreut die Fffchstück« mit einigen Löffeln feingeriebener, gesiebter Semmel und läßt alles bei schwachem Feuer weich dämpfen. Zuletzt wird eine Obertasse saure Sahne hinzugesügt, die noch einmal mit burchkochen muß, das Ganze mit 10 Tropfen Maggi's Würze im Geschmack gekräftigt und angerichtet.

Die praktische Hausfrau,

waschlederhandschuhe zu reinigen.

Man zieht die Handschuhe an, wäscht sie mit war­mem Seifenwasser und fpült sie mit kaltem Wasser nach, bis es völlig Mar geworden fft Dann werden die Handschuhe getrocknet, mit Zittonensaft befeuchtet, mit Speckstein gepudert unb mtt den Händen gründlich bearbeitet, bis sie völlig weich geworben sind.

Behandlung der Gummischuhe.

Gummi- und Ueberschuhe müssen nach jedesmallgem Gebrauch mit kaltem Wasser ab gewaschen unb mit einem weichen Tuch gut trocken gerieben werden. Dann ver­reibt man einige Tropfen Del auf den Schuhen, das sie nicht nur glänzend macht, sondern den Gummi auch konserviert. Bei längerem Nichtgebrauch der Gummi­schuhe werden sie zweckmäßigerweise mit Zeitungspapier fest ausgestopft unb in einem Leinenbeutel fteischwebend luftig aufbewahrt.

Unb boch fft alles sauber, ordentlich, sogar behaglich gruppiert. Die vier Betten sind ordentlich eingedeckt, das Kleinste in dieser Familie von acht Köpfen ist zwar in alte Kattunflecke gewickelt, doch sieht es gepflegt aus. Der ganze Raum ist mit braunem Papiertapeziert". Doch die fleißige Housttau deren junger Rücken unaus­gesetzt über der Nähmaschine gebeugt, versichert uns: Man kann sich im Sommer vor Ungeziefer kaum retten!"

Gerade sind zwei erwachsene Mädel beim Wäsche­waschen. Dicht vor den wenigen Stiegen steht der höl­zerne Trog: die riesige, gespenstisch schweigende Halle ist zur Waichküche geworben. Der Ernährer dieses selt­samen Idylls, ein ehemaliger Grubenschmied, ist auf Arbeitssuche.Manchmal findet er ja was, aber das langt ja nicht hin und nicht her!" seuizt die Frau.

Den Leuten muß es früher einmal gut gegangen sein. Da hängen neben zwei Schutzengetbilbern bie beiden Vergrößerungen eines anmutigen jungen Mäd­chens, eines Mannes m gutem Gesellschaftsanzug Dort drüben ein nettes Photo hier eine kleine Landschaft.

Es wird Zeit," meint die Hausfrau Sie schält Pellkartoffeln. In einer Meinen Schüsse? steht notdürf­tig zurechtgemachter Weißkäse.Aber Margarine für bie Kartoffeln müssen wir uns heute denken", ist der Endreim dieses Speisezettels.

Die Frau näht Tischwäsche fürs Geschäft. Und kriegt für das Säumen eines Dutzends Handtücher 15 Pfennig. Sie näht, bis ihr bie Finger bluten Und Mögt nicht, steht müßig in den Winkeln dieser toten Werksanlage.

Wirb sie noch lange in dieser Tapferkeit du:chhalten?