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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk

Nr. 249

(Srtoeint lechrmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt imBilb* undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Tchrift- n leitung 1153, Fuldaer Actiendruckerei 1151 und 1152. '

Mittwoch, 28. Oktober 1931.

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Zahrg. 58.

Ein harmonischer Besuch.

Die politischen Besprechungen zwischen dem italienischen Außenminister Grandi und Reichs­kanzler Dr. Brüning haben am Montag abend ihren Abschluß gefunden. Es wird uns versichert, daß die Aussprache in allen Teilen durchaus freundschaftlich gehalten war und daß die offene und aufgeschossene Art Grandis die Diskussion wesentlich erleichtert hat. Wie das über den Erandi-Besuch ausgegebene amtliche Kommuniques besagt, hat man die in Rom anläßlich der An­wesenheit von Dr. Brüning und Dr. Curtius seinerzeit angeknüpften Fäden weitergesponnen. Die wntliche Verlautbarung unterscheidet sich übrigens durch die Wärme des Tones in sinnfälliger und wohltuender Weise von der Erklärung, die bei Ab­schluß der französischen Ministerreise nach Berlin ausgegeben worden ist und deren Formulierung ebenso Schwierigkeiten gemacht hat wie das Kom- muniquee, das zwischen Laval und Hoover aus­gehandelt worden ist. Wie wir hören, haben sich Grandi und Brüning fast ausschließlich über die großen Probleme der internationalen Politik und Uber die Prinzipien unterhalten, nach denen diese Probleme entsprechend der deutschen und italieni- !chen Auffassung gelost werden müssen. Es hat ich um einen grundsätzlichen Gedankenaustausch gehandelt, und es ist nichts beschlossen worden, was etwa anderen Staaten vorgetragen werden soll, um auch deren Zustimmung zu erhalten. Man hat ausdrücklich die deutsch-italienischen Beziehun- gett im Auge behalten, ohne sich auf Einzelheiten etwa des Handelsvertrags einzulassen. Jeder der beiden Staaten sollte die Gewißheit erhalten, wie der andere über die schwebenden Fragen denkt, so daß. man in der Zukunft die Möglichkeit hat, sich jeweils leicht zu verständigen, wenn einmal die Frage gemeinsamen Handelns akut werden sollte. Für die Gegenwart hat diese Frage keine Rolle gespielt, weil man ja noch nicht weiß, welche Aktion auf Grund des Ergebnisses der Konferenz zwischen Hoover und Laval im Weißen Haus etwa hin­sichtlich der künftigen Reparatkonsregelung nach Ablauf des Hoover-Jahres oder im Hinblick aus die Verlängerung des Stillhalteabkommens, an dem Italien nicht direkt beteiligt ist,, in Betracht kommt. Unter anderem hat man sich eingehend ausge­sprochen über die wirtschaftlichen Konsequenzen, die sich aus dem weiteren Verlauf der englischen Pfundkrise ergeben können...., ferner auch über Konstellationen, die sich als Folge der englischen Wahlen einstellen dürsten. Bei diesen Punkten hat es sich natürlich um eine ausgesprochen aka­demische und abstrakte Debatte gehandelt. Gerade­zu sewstverständlich ist es, daß auch die Ab­rüstungsfrage angeschnitten wurde, in der Italien und Deutschland bisher schon, wie die Rede Musso­linis erneut bewiesen hat, ein gut Stück Weges gemeinsam gegangen sind. Wie uns versichert wird, ist in fast allen Punkten eine völllge Ueoer- einstimmung zwischen den Vertretern beider Staa­ten erzielt worden. In den Punkten, wo dies nicht der Fall war, dürfte die Uebereinstimmung nur deshast» fehlen, weil sich der eine oder andere Staat an der betreffenden Frage als desinteressiert erklärte. Jedenfalls wird in politischen Kreisen mit Nachdruck unterstrichen, daß in den ganzen Verhandlungen zwischen Grandi und Brüning keine Frage aufgetaucht ist, in der man von einer Gegen­sätzlichkeit des deutschen und des italienischen Standpunktes sprechen könnte.

Außenminister Grandi wird den Dienstag noch inoffiziell in Berlin verbringen, um noch persönliche Eindrücke von den Sehenswürdigkeiten der Reichshauptstadt zu erhalten. Irgendwelche polistschen Aussprachen finden nicht mehr statt. Man darf feststellen, daß sich der Besuch Grandis von Anfang bis zu Ende in voller Harmonie ab­gespielt hat.

Der Vorsitzende des ostpreußischen Canbroirf- i schaftsverbandes beim Reichspräsidenten.

wtb. Berlin. 27. Oft. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag den Vor­sitzenden des Landwirtjchaftsverbandes .Ostpreu­ßen. Herrn Strüoy, zu einem Vortrag über die besondere Notlage der Landwirtschaft Ostpreu­ßens und die auf dem Kreisfllhrertag des Land- wirtschwftsverhandes Ostpreußen in Königsberg am 23. Oktober gefaßten Beschlüsse.

Hitlers neuer Erfolg.

Es ist vielleicht nicht allzu wichtig, wenn in Anhalt gewählt wird. Schließlich sind Bern­burg, Zerbst und Dessau keine Städte, die das Reich beherrschen. Aber es ist doch interefiant zu beobachten, daß auch in diesem Ländchen sich die­selbe Entwicklung durchsetzt wie innerhalb wei­terer Grenzen. Bei den Wahlen am Sonntag hat die nationalsozialistische. Partei, die zum ersten Mal mit eigenen Liften auftrat, einen großen Er­folg errungen;- Die marxistische Front fei ge­sprengt, erklärt ein Blatt Hugenbergs in einer rie­sigen Ueberschrift. Aber wenn man genau zusieht, liegen die Dinge doch wiederum etwas anders. Die Sozialdemokraten haben freilich spürbare Ver­luste erlüten, was ja bei dem schweren Weg, den diese Partei seit einem Jahre zu gehen hast nicht verwunderlich ist, zumal ja erst vor wenigen Wo­chen sich eine ÄnspaltUng durchgesetzt hat. Aber leider haben wir in Anhalt auch ein weiteres Vor­dringen des Kommunismus festzustellen, und da­mit ist der nationalsozialistische Erfolg, wenn wir ihm überhaupt irgendwelche nationale Bedeutung zusprechen könnten, wiederum nur ein Schlag ins Wasser. Es ist auch hier wieder so gewesen wie bisher überall: wo das Hakenkreuz auftritt, da steigt auch der Sowjetstern.

. Und noch etwas anderes: in Harzburg ist viel von der Einheit der nationalen Front geredet worden, aber jetzt in Anhalt war nicht viel davon zu spüren. In Dessau z. B. haben die Deutschnationalen ihre bisherigen fünf Sitze rest­los verloren. Das erinnert an Fricks Prophezei­ung, daß Hitler seinen Bundesgenossen Hugenberg alsbald wieder aus der Koalition hinauszuwerfen gedenke. Auch sonst haben die bürgerlichen Par­teien wieder erheblich verloren- Das sogenannte Bürgertum geht in Massen zur Arbeiterpartei mit dem Hakenkreuz Wer. Sie nennen es Kampf ge­gen den Marxismus und helfen ihm in seiner kras­sesten Au-vrägung, im Kommunismus, auf den Thron. So ergibt also der Anhalter Wahlsonn­tag da« Bild, an das mir "vs feit dem 14. Septem­ber 1930 bereits gewöhnt haben: die Nazis mar­schieren, die Kommunisten folgen ihm auf dem Fuße, die Sozialdemokraten halten sich mit einiger Mühe, und die bürgerlichen Parteien bleiben auf der Strecke. Das ist ganz gewiß keine erfreuliche Entwicklung, und wenn die Nazizeitungen den Mund wieder sehr voll nehmen und von ihrem neuen Siege geradezu betrunken scheinen, so be­weist das nur wiederum, wie wenig sie in der Lage sind, sich die Zukunft einmal auszudenken. Sie füllen ihre Reihen, obwohl sie sich als eine Ar­beiterpartei . ausgeben, mit unzuverlässigen bür­gerlichen Wählern, die bei eiper späteren Gelegen­heit, und sei es erst im Dritten Reich, bestimmt wieder untreu werden. Dann kann Hitler mit Ge­nugtuung darauf Hinweisen, daß wenigstens d e r Kommun i m u.s feine Front unerhört verstärkt hat. Und das ganze nennt sich dann: Deutschland erwache!

Hugenberg wird nervös.

Es ist kein Geheimnis, daß in letzter Zeit «n einflußreichen politischen Kreisen recht ernsthaft die Fratze diskutiert wird, ob nicht eine Zusam­menführung Hitlers und Brünings der beste Weg zur Bildung einer von den Zufälligkeiten einer zweifelhaften Parlamentsmehrheit unabhän­gigen Regierung wäre. Man hält eine solche Lösung auch deshalb nicht mehr für ganz ausge­schlossen, weil sich bei dem Führer der National­sozialisten Anzeichen einer immer vorsichtigeren Steuerung seines außenpolitifchen Kurses zeigen. Auch geplante Ausl and Steif en Htt- l ers dienen vor allem dem Zweck, national gefährliche Vorstellungen des Auslandes über die Ziele des deutschen Nationalsozialismus zu zer­streuen. ;

Diese, wie gesagt, bereits recht eifrig betriebe­nen Bestrebungen wurden in den letzten Tagen auch in dem Blatt der christlichen Ge­werkschaftenDer Deutsche" charakteri­siert. Man erwähnte dort auch das von den Freun­den einer solchen Verständigung zwischen Brüning und Hitler angeführte Argument, daßBrü­nings außenpolitische Autorität heute

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Nach dem Besuch beim Reichspräsidenten von Hindenburg grüßte der italienische Außenminister Grandi die Menge in der uns Deutschen, soweit wir nicht zur Nachahmung ftemder Sitten geneigt sind, komisch anmutenden Weise, . * V. >.7

Gegenfä sition ö f s

groß genug ist, um im Aus lande die Angst vor der Eingliederung der Na­tion al sozial: st en in die deutsche Staatsführung zu zerstören.". Inter - essanterweise findet gerade diese Beweisführung ein Echo bei den Deutschnationalen, das geradezu erstaunlich offen die bisher geleugneten Gegensätze innerhalb der Nationalen Oppo­sition öffentlich unterstreicht und mit größter Sorge vor einer Verständigung zwi­schen Hitler und Brüning, warnt.Solche Ge­danken", fo schreibt der Leitartikler des Hugen- bergschenMontag",wären nicht aufgetaucht, wenn nicht einzelne Führer der nationalsozialisti- fchen Bewegung vor und nach der Tagung in Harzburg in ihren Reden den Eindruck erweckt hätten, als ob sie das von der Nationalen Oppo- fition gemeinsam für eine bestimmte Wegstrecke ausgestellte Ziel des Sturzes des heutigen Sy­stems in Deutschland nicht billigten. Wer die Führer einer Kampfgemeinschaft (b. h. in diesem Fall also Hugenberg und seinen Kreis! Anm. der Red.) in herabsetzender Weise angreift, muß sich nicht wundern, wenn der Gegner dieser Kampf­gemeinschaft ihn schon als Bundesgenossen be­

grüßt."- ! -

Nur 14 Tage nach dem Zusammenschluß von Bad Harzburg klingen diese Töne allerdings sehr erstaunlich. Sie bestätigen, daß man im Lager der Deutschnationalen mit einer immer größeren Skepsis dievorübergehende" Kampfgemeinschaft mit den Nationalsozialisten betrachtet. Freilich dürften auch die für die Hugenbergjche Rechte er deprimierenden Ergebnisse der Anhalter Wah- zu dieser Verstimmung beigetragen haben. Es ist nicht sehr angenehm, wenn man von seinen bestenFreunden" am schwersten be zimiert wird.

Gesprengte Versammlung.

Aus Nürnberg wird gemeldet: Eine in den großen Saal des Lehrerheims anberaumte öffent­liche Versammlung der Nürnberger Orts­gruppe des Christlichen Volks dien­st es wurde von den zahlreich im Saal erschiene­nen Nationalsozialisten gesprengt. Als Redner war Reichstagsabgeordneter Profes­sor Dr. Strathmann vorgesehen, der die Haltung feiner Fraktion gegenüber dem Kabinett Brüning verteidigen sollte. Der Redner vermochte sich ge­genüber den gleich nach Beginn seiner Ausführun­gen einsetzenden Störungsversuchen nicht durchzusetzen, sodaß der Versammlungsleiter die Versammlung für geschlossen erklärte. Die Natio- nälsozialisten, die hierauf das Horst Wessellied sän­gen, verließen auf polizeiliche Weisung den Saal, worauf sofort eine neue geschlossene Mitglieder­versammlung anberaumt wurde. Eine im kleinen Saal abgeyaltene Parallelversammlung verlief ahne wesentliche Zwischenfälle.

EMnmg der Reichsbanuersührer.

Am Samstag und Sonntag hatten sich sämt­liche leitende Persönlichkeiten aller Gaue des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold am Bundesvor­ort Magdeburg zur Besprechung der Lage versammelt. Der. erste Bundesvorsjtzende, Ober­präsident z. D. Otto H ö r s i n g, übergab der Presse eine Mitteilung, die u. a. erklärt, die Konferenz habe einhellig festgestellt, daß das Reichsbanner sich innerlich wie äußerlich dauernd gekräftigt habe. Weiter wird in der Erklärung das Bedau­ern ausgesprochen, ja die Erbitterung, daß der ehr­würdigen Perfon des Herrn Reichspräsidenten ein Mann wie Adolf Hitler nicht habe ferngehalten werden können. Es folgt eine Polemik gegen den faschistischen Gewalthaufen", der zwei Tage lang in Braunschweig eine Gewaltherrschaft ausüben konnte.

Noch der Erklärung, daß die viel zu schwache Landespolizei Braunschweig in ihrer Haltung pflichttreu bis zum äußerste», teilweise heldenhaft und völlig selbstbeherrscht gewesen sei, erklärt der Bericht weiter: - ;

Leider muß aber auch festgestellt werden:' Mehr oder weniger kaffen es die Reichsregierung und selbst die Landesregierungen, in denen die re­publikanischen Parteien das Heft völlig in der Hand haben sollten, am notwendigen Selbstbewußtsein und Durchgreifen fehlen. Bünde und Organisationen, an deren einseitiger politischer Einstellung, ja an deren ver­fassungsfeindlichem Grundcharak« ter heute kein Zweifel mehr erlaubt fein darf, werden teils vom Reich, teils von den Länderregierungen subventioniert und zu Ausgaben herangezogen, an die man offene oder versteckte Feinde der RepWlik nicht heran­lassen darf. Kräfte im republikanischen Lager, insbesondere im Reichsbanner, stehen zur Lösung aller Lebensfragen der Republik genügend und zu jeder Zeit zur Verfügung."

Zum Schluß verwahrt sich die Erklärung da­gegen, daß eine Auflösung, ein Verbot der Bun- destracht, ein Demonstrationsverbot für alle Ver­bände auch auf das Reichsbanner Anwendung finden sollte. ..Wir wollen als anständige Bür­ger die Republik schützen und werden uns durch nichts abhalten lasten, in der Stunde der Gefahr zur Stelle zu fein."

* Das vorläufige Ergebnis der französischen Generalrakswahlen. Aus Paris wird gemeldet: Das Innenministerium veröffentlicht einen aus 1516 von insgesamt 1517 Ergebnissen gezogenen lieberblid über das Resultat der beiden Wahl­gänge für die Generalräte. Danach weisen die rechtsstehenden Parteien einen Verlust von 25 Sitzen auf, die Marin-Gruppe einen Verlust von 15 Sitzen, die Linksrepublikaner sind unverändert geblieben, die Sozialrepublikaner gewinnen zehn Sitze, die Radikalen gewinnen 28 Sitze, die Sozia­listen 12, die Kommunisten verlieren 1 Sitz.

Washington.

Die Besprechungen, die der französische Mini­sterpräsident Laval in Amerika mit Hoover und anderen Politikern gehabt hat, sind beendet. Amt­lich ist darüber nicht sehr viel bekannt geworden, aber aus allerlei Zwischenkanälen hat die Welt doch erfahren, was gesprochen worden ist, uni? wenn auch nicht jede intime Einzelheit bekannt wird, so können wir uns doch von dem Inhalt, dem Verlauf und dem Ergebnis der Unterredungen ein ungefähres Bild machen. Wir wol­len nicht leugnen, daß es sich nicht gerade durch eine sieghafte Hoffnungsfreudigkeit auszeichnet. Es ist aber auch feftzustellen, daß das gemeinsame Kommunique Hoovers und Lavals bei weitem nicht fo negativ gehalten ist, wie es nach franzö­sischen Vorberichten befürchtet werden mußte. Aber gerade der Umstand, daß die halbamtliche Pariser Nachrichten-Agentur grau in grau zu malen ver­suchte, muß die Vermutung aufkommen lassen, daß alles in allem Frankreich seinen Standpunkt be­hauptet hat. Freilich auch Amerika. Die bei­den Länder sind sich durch die umständliche und kostspielige Reise Lavals nicht sehr viel näher ge­kommen, es scheint vielmehr, daß nur die gegen­seitigen Standtpunkte fixiert worden sind, während man doch vorher wohl größere Ergebnisse er­wartet hatte. In Paris sollen sogar schon Stim­men laut geworden fein, die befürchten, Laval werde es nicht leicht haben, vor der Kammer seine Reise mit diesem schmalen Erfolg überhaupt zu rechtfertigen.

Der französische Ministerpräsident ist sicher nicht ohne Hoffnungen und auch nicht ohne positive Be­reitschaft zu gewissen Zugeständnissen nach Amerika gefahren. Aber gerade das, worauf es ihm angekommen zu fein scheint, hat er nicht erreicht. Man darf annehmen, daß die Nachrich tcn, denen zufolge er sowohl über eine Aenderung des Poung-Planes wie über eine für die franzö­sische Auffassung verhältnismäßig weitgehende Ab­rüstung mit sich wollte reden lassen, auf Wahr­heit beruhen: aber gerade in diesen Punkten ist er enttäuscht worden. Amerika will von ei­nem irgenwie gearteten SBerteibigungs« ober Schutzbündnis zugunsten Frank­reichs ober eines anbereu europäi- scheu Landes nichts wissen, und die gewünschten Besprechungen hinsichtlich der Schus- denstreichung macht es wiederum von Bedingun­gen abhängig, auf die Frankreich sich nicht einlas- sen will. Die Vereinigten Staaten bleiben bet ihrem Standpunkt von 1919. Damals sollte Frank­reich seine Sicherheit durch den sogenannten Ga­rantievertrag gesichert erhalten, der ihm die Hilfe Englands und Amerikas im Falle eines deutschen Angriffes gewährleisten würde. Wilson befürwor­tete diesen Pakt, aber der Kongreß lehnte ihn ebenso ab, wie er den Beitritt der Vereinigten Staaten zum Völkerbunde unterband. Ja, sieben Jahre später begann Amerika auf. die Schulden- zahlung zu drängen, die Frankreich wohl von vorn­herein für illusorisch gehalten hatte. Seit damals bestehen zwischen den beiden Ländern Spannun­gen. -

Das Kommunique der Ergebnisse der amerika­nischen Reise Lavals ist nichtssagend genug.- Es zählt eine ganze Reihe von Punkten auf, übet die man sich unterhalten hat, die wirtschaftliche Welt- läge, die polistschen Beziehungen, die Abrüstungs­konferenz, die Schulden, die Währungen, aber das wußten wir schon vorher. Worüber anders Hätten die'beiden Staatsmänner sich austauschen soften? Immerhin wird noch mehr gesagt:Bezüglich der internationalen Schulden müsse vor Ablauf des Feierjahres eine Vereinbarung getroffen werden, die die Weltkrise berücksichtige". Aber man behält sich jede Einzelheit vor. Es ist also nicht ganz hoffnungslos, aber wenn Pessimisten meinen, spe­ziell dieser Satz sei in das Kommunique nur mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung in Amerika hineingebracht worden, so scheint dem die franzö­sische Auffassung zu entsprechen, daß Laval mögl. licherweise in der Lage fein werde, durch vertrau­liche Mitteilungen die Erregung seiner Gegner in der Kammer zu besänftigen. Liegen die Dinge wirklich so?, bann ist in der Tat bei den Washing­toner Besprechungen nahezu nichts herausgekom­men.

Aber es steht da noch ein wichtiger Satz: Die eigentliche Initiative wird den an dem einjäh­rigen Hoover-Moratorium zunächst beteiligten euro­päischen Ländern zugeschoben, also Deutschland. Der Satz ist einigermaßen dunkel, denn was

Senator Borah.

der bekannte amerikanische Politiker, der von jeher gegen das Unrecht des Versailler Vertrages kämpfte, hat dem französischen Ministerpräsidenten Laval in Washington deutlich zu erkennen gegeben, daß ein großer Teil Amerikas alle Friedenskon­ferenzen für sinnlos halte, solange man nicht eine wirkliche Revision des Versail­ler Vertrages in Angriff nehme.