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Anzeiger für die Stadl Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk

Mrs. 58

Dienstag, 27. Oktober 1931

Nr. 248

Eine Rede Mussolinis gegen Versailles

Presse sagte

Claudel erschienen.

Dvr MhemmnUer G«mhi «ich bei feie« «nkuyst von feinen Landsleuten begrüßt.

wtb. Washington. 26. Okt. (Eig. Meld.) Der französische Ministerpräsident Laval reiste heute früh 1.30 Uhr nach New Dork ab, wo er den letzten Tag seines amerikanischen Aufenthalts bis zur Abfahrt, die um Mitternacht erfolgt, verbringen wird. Am Bahnhof waren lediglich Unterftoots1 sekretär Castle und der französische Botschafter

Das vomWeißen Haus"' herausgegebene ge­meinsame Kommunique des Präsidenten Hoover und des sranzösifchen Ministerpräsidenten Lava! hat fügenden Wortlaut:

Die traditionelle Freundschaft zwischen den Ver­einigten Staaten und Frankreich, das Fehlen jeden Streitpunktes zwischen unseren beiden Regie­rungen, die Erinnerung, an die zahlreichen Fälle der Zusammenarbeit für den Weltfrieden, darunter in letzter Zeit die Annahme des Kellogg-Briand- Paktes, machen es möglich und opportun für die Vertreter unferer Regierungen, jede Seite der zahl­reichen Probleme zu erforschen, an denen wir beiderseits interesiiert sind.

In der Tat ist es die Pflicht der Staatsmänner, keine Mittel praktischer Zusammerarbeit für das allgemeine Wobl außer Acht zu lassen. Dies trifft besonders zu für den gegenwärtigen Zeitpunkt, wo die Welt Ausschau hält nach Führern zur Erleichterung von einer Depres- sion, von der zahllose Volk er betrof. fen werden. Beziehungen gegenseitigen Ver-

Moskau in Spanien.

Ein holländisches Blatt veröffentlicht Madrider Nachrichten aus einem Privatbriefe, wonach die Dinge, die sich jetzt zu einem Kampf gegen die Kirche zuspitzen, von Anhängern Moskaus insze­niert sind. Ein spanischer Minister der Republik habe schon einen Monat, bevor das Königtum ge­stürzt wurde, die Brandstiftungen in den Klöstern und Kirchen organisiert und auch das Eingreifen der Feuerwehr, sowie später die Bestrafung des schuldigen Pöbels verhindert. Dafür habe er von Moskau 48 Millionen Pesetas erhalten. Die Re­gierung stehe durchaus unter bolschewistischen Ein­flüssen, und insbesondere die Bestrebungen der russischen Gottlosenbewegung bildeten einen Be­standteil des neuen spanischen Regierungspro­gramms, was übrigens für jeden, der Gelegenheit habe, ein wenig hinter die Kulissen zu schauen, ein offenes Geheimnis fei, an dessen Tatiächlichkest alle Ableugnungen nichts zu ändern vermöchten. Die holländische Zeitung versichert, ihr Gewährsmann sei über jeden Zweifel erhaben. Auch Logenein­flüsse spielten bei der Gestaltung der Dinge in Spanien maßgeblich mit.

Damit hätten wir also ein neues Beispiel da­für, wie der Kommunismus die Revolutionierung der Welt betreibt und insbesondere sich die Aus­rottung der Religion etwas kosten läßt. Man darf darauf gespannt fein, wie die Enthüllungen demen­tiert werden, und auch darauf, wie die deutsche Presse sich zu ihnen stellen wird. Sicher ist aber jetzt schon, daß die Republik Spanien ihren eigenen wohlverstandenen Interessen nicht dient, wenn sie sich in das Schlepptau der Sowjetleute begibt und den Versuch macht, den Katholizismus in ihrem Lande systematisch zu unterdrücken. Es hat schon verwickeltere Situationen gegeben, in denen die Kirche Siegerin blieb.

Auf dem Bahnsteig: Reichskanzler Dr. Brüning mit dem italienischen Außenminister Grandi (rechts).

dann beim Staatssekretär von Bülow und in der italienischen Botschaft, wo die Gegenbesuche er­folgten. Auch die weiteren Veranstaltungen ver­tiefen programmäßig. Von den Italienern in Berlin wurde Grandi wiederholt begrüßt. Auch nationalsozialistische Gruppen sollen Grandi bei verschiedenen Fahrten mit dem Faszistengruß be- chrt haben.

Reichskanzler Dr. Brüning gab abends zu Ehren, des italienischen Außenministers Herrn Grandi und seiner Begleitung ein Abendessen, zu pent die Mitglieder des Reichskabinetts, der Doyen des diplomatischen Korps, der italienische Bot- schafter, der Präsident des Reichstags, Vertreter des Reichsrats sowie einige Mitglieder des Reichs- taas und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft . Stoben waren. Während des SffenS brachte Reichskanzler Dr. Brüning einen herz- kchen Trink,pruch aus, auf den Grandi erwiderte.

*

wtb. Berlin, 26. Okt. (Eig. Meld.) Der ita­lienische Außenminister Grandi empfing am Mon­tag vormittag in den Räumen der 'italienischen Botfchaft die Vertreter der Presse, wobei er eine Erklärung abgab, in der es u. o. hieß:

Ich bitte Sie als die autorisierten Vermittler dem deutschen Volke meinen tiefempfundenen Dank für den überaus herzlichen Empfang zu übermit­teln, der mir in der Hauptstadt des Reiches zuteil geworden ist. Es ist für mich eine große Freude, nach Berlin gekommen zu fein, um dem Reichs­kanzler einen Besuch abzustatte». Dieser Besuch fügt sich in den Rahmen der Besprechungen und des Gedankenaustausches zwischen Staatsmännern ein, die zuerst in diesem Jahre in Europa ihren Anfang genommen haben und außerhalb Europas fortgesetzt werden. Sie haben bereits vielverspre­chende Ergebnisse gezeitigt und lassen noch größere erwarten.

Die Reise, die der Reichskanzler Brüning und der Außenminister in diesem Sommer nach Rom machten, hat bei der italienischen Regierung und dem italienischen Volke den wärmsten Eindruck

Grandis Besuch in Berlin.

Was der italienische Außenminister den Vertretern der deutschen

Laval hat Washington verlassen.

Was ist bei dem Besuch herausgekommen? Die Franzosen sind schwer enttäuscht. In Berlin ist man weniger unzufrieden.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblärter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Echrift- :: leitung 1153, Fuldaer Actiendruckerei 1151 und 1152. ::

Der italienische Ministerpräsident traf am Samstag abend pünktlich in München ein, wo er offiziell durch den Vertreter der bayerischen Re­gierung, Minister @ ürtner, begrüßt wurde. Ministerpräsident Dr. Held war im letzten Augen­blick erkrankt und konnte die Begrüßung nicht per­sönlich vollziehen.

Zn der Nacht zum Sonntag fuhr Grandi mit seiner Frau und seiner Begleitung nach Berlin Weiter, wo er in den Morgenstunden auf dem An­halter Bahnhof eintraf. Der Reichskanzler war mit großem Gefolge am Bahnhof erschienen und begrüßte den Vertreter Italiens. Gleich darauf sprach dann der italienische Außenminister einige Sätze in das Mikrophon der Berliner Funkstunde.

Vor dem Bahnhof begrüßten die in Berlin lebenden Italiener ihren Landsmann mit stürmi­schem Händeklatschen und dem Faszistengruß:Eia, eia, allala". Grandi fuhr nach dem Hotel Espla­nade, wo er wohnt. Er mußte sich seinen Lands­leuten mehrmals am Fenster zeigen. Später be­gannen die Besuche, zuerst in der Reichskanzlei,

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hinterlassen und die Herzlichkeit der dabei geführ­ten Unterredungen ist und bleibt ein Pfand für eine immer herzlichere Zusammenarbeit zwischen Italien und Deutschland.

Diese Zusammenarbeit ist ein unerläßlich wich­tiges und glückliches Element für die Zusammen­arbeit aller Staaten und Völker, nicht allein Euro­pas, sondern der ganzen Welt. Die gegenwärtige politische und ökonomische Lage verlangt die ern­steste Aufmerksamkeit und die größte Bereitwillig­keit zur Ueberwindung der allgemeinen Krise für die Wiederherstellung des Vertrauens zwischen den Völkern und des Vertrauens der Völker in sich selbst.

Der Chef der italienischen Regierung hat wie­derholt diese Auffassung bestätigt. Gestatten Sie mir, daran zu erinnern, daß er mehrmals gesagt hat, der Wiederaufbau Deutschlands müsse als eines der wichtigsten Elemente für den Wiederaufbau Europas und der ganzen Welt angesehen werden.

Diese klaren Direktiven der ktalienischen Poli­tik rühren nicht von heute her, da seit vielen Jah­ren der Ches der italienischen Regierung auf die Notwendigkeit für die Völker h Angewiesen hat, den aus dem Weltkonflikt herrührenden Seelen- zustand zu überwinden und sich auf eine interne und vertrauensvollere Zu- f antmenarb eit vorzubereiten. In kei­nem Augenblick, wie in den heutigen universalen Schwierigkeiten, war diese Notwendigkeit drin­gender.

In der Tat kann nichts den Einzelnen so wirk­sam dazu veranlassen, Sonderinteressen hintanzu­stellen, in der Erkenntnis, daß das Wohlergehen aller erreicht werden muß, als die gemeinsamen Anstrengungen und Gefahren. Gestern hatte ich das Vergnügen, mich lange mit dem Reichskanzler Dr. Brüning zu unterhalten und zu meiner Freude habe ich wieder unsere Uebereinftimmung über diese gemeinsame Zusammenarbeit feststellen kön­nen. 1 1 : i i.

Alles, was Deutschland in diesen letzten Mona­ten getan hat, um in sich selbst die zur Ueberwin­dung der Krise notwendige Kraft zu finden, fft ein Beweis feiner Lebensfähigkeit und der moralischen Kräfte des deut­schen Volkes, das mit ruhigem Optimismus seiner Zukunft entgegensehen darf und kann. >

Die kurze Zeit, die ich hier verbracht habe, genügt, um mir zu beweisen, daß das Vertrauen, das die Welt in die Arbeitsamkeit, Disziplin und den Patriotismus dieses großen Volkes setzt, voll­auf berechtigt ist, und ebenso das Interesse, das alle haben, diese Anstrengungen zu unterstützen.

Das jetzt kommende Jahr steht vor weitgehen­den und schwierigen Aufgaben, deren Lösung die ganze Welt gespannt erwartet und die wir alle auf die beste Weise herbeiführen müssen. Dor allem sind das Problem der Rüstungen und die Lösungen, die ihm in der nächsten allge­meinen Abrüstungskonferenz gegeben werden kön­nen, die Hauptaufgaben der Anstrengung, die unsere Zivilisation leisten muß, um sich selbst zu retten und unseren Kindern eine gedeihliche und friedliche Zukunft zu bereiten.

In diesem Problem wie in den anderen nicht Weniger wichtigen und dringenden der finanzieren Verpflichtungen, die sich aus dem Kriege ergeben haben, ist der Gedanke der italienischen Regierung {u bekannt, um ihn noch einmal zu wiederholen. Übrigens hatte ich die Gelegenheit, ihn Wieder M etiättiern bei der Versammlung des Völker­

bundes. Diesem Gedanken und dieser Haltung beabsichtigt die italienische Regierung treu zu bleiben.

Ich begebe mich jetzt zu Sr. Exzellenz, dem Feldmarschall von Hindenburg, dem deutschen Reichspräsidenten, um ihm den Gruß der Regierung seiner Majestät des Königs von Italien und meine persönliche Huldigung zu überbringen. Die Hochachtung und Ehrerbietung, die feine her­vorragende historische Persönlick^eit der ganzen Welt abfordert, machen mir als Soldaten und Frontkämpfer diese Gelegenheit, in ihm auch das tapfere deutsche Volk begrüßen zu dürfen, dessen Gast ich die Ehre habe, in diesen Tagen zu sein, besonders ehrenvoll.

*

In Neapel hielt Mussolini eine längere Rede gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrags urck für die Abrüstung.

Bei Hindenburg.

C.N.B. Berlin, 26. Okt. (Eig. Meld.) Der ita­lienische Außenminister Grandi machte heute um 11 Uhr vormittags seinen. Besuch beim Reichsprä­sidenten. Vor dem Reichspräsidenten-Palais hatte lediglich eine kleinere Abteilung Schutzpolizei Auf­stellung genommen. Der Außenminister begab fick in Begleitung des italienischen Botschafters Orsini Baroni und des deutschen Legationsrats Thomson in das Reichspräsidenten-Palais. Nach einer halb­stündigen Unterredung, der Staatssekretär Dr. Meißner beiwohnte, begaben sich die Herren, von Staatssekretär Meißner an den Wagen begleitet, um %12 Uhr wieder in das Hotel. Bei der Ab­fahrt grüßte die Menge den italienischen Außen­minister mit dem Faschistengruß. Um 12 Uhr tritt der italienische Gast eine kurze Fahrt nach Pots­dam und Sanssouci an. . ,

trauens zwischen den Regierungen haben den wich­tigsten Einfluß auf die Förderung der Erholung, nach der wir suchen. Wir haben uns an Liefe Auf­gabe mit voller Aufrichtigkeit herangemacht. Wir haben dabei einen wirklichen Fortschritt erzielt. Wir erörtern die wirtschaftliche Lage der Welt, die Strömungen in den internationalen Beziehungen, die sie beeinflussen, die Probleme der bevorstehenden Konferenz für die Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen, die Wirkung der De­pression auf die Zahlungen aufgrund der zwischen den Regierungen bestehenden Schulden, die Stabi­lisierung ber internationalen Währungen und andere finanzielle und wirtschaftliche Themen.

Eine informelle und herzliche Aussprache hat dazu gedient, die Natur der Probleme mit größerer Genauigkeit zu umreißen. Es ist nicht u n f e r e beiderseitige Absicht gewesen, bin­dende Verpflichtungen einzugehen, son­dern eher durch die Entwicklung des Tatbestandes jede der beiden Länder instand zu setzen, wirk­samer auf feinem eigenen Gebiet zu arbeiten. Es ist unsere gemeinsame Absicht, daß die Konfe­renz für die Rüstungsbeschränkung nicht verfehlen wird, sich des Vorteils der ihr bie­tenden großen Gelegenheit zu bedienen, und daß sie imstande fein wird, ihre wirkliche Aufgabe tatsächlich zu erfüllen, die in der Organisation ei­ner festen Grundlage für dauernden Frieden be­steht.

Hinsichtlich der zwischen den Regierungen be­stehenden Verpflichtungen erkennen wir an, daß vor Ablauf des Hoover-Moratoriums irgend ein Abkommen darüber n o t ro e n» d i g fein dürfte, durch die Periode geschäftlicher Depression überbrückt wird, über dessen Einzel­heiten und Bedingungen jedoch die beiden Regie­rungen alle Vorbehalte machen.

Die Initiative hierfür sollte baldigst von den europäischen Mächten ergriffen werden, die im Rahmen der vor dem 1. Juli 1931 bestehenden Ab­kommen hauptsächlich daran beteiligt sind.

Mit besonderem Eifer prüften wir die wichti­geren Mittel, durch welche die Bemühungen unse­rer Regierungen für die Wiederher st el- lung der wirtschaftlichen Stabilität und des Ver­trauens eingesetzt werden könnten. Insbesondere sind wir überzeugt von der W i ch t i g k e i t der Geldstabilität als eines wesentlichen Faktors bei der Wiederherstellung normalen wirtschaftlichen Lebens der Welt, wobei die Aufrechterhaltung des Goldstandards in Frankreich und in' den Vereinigten Staaten einen großen Einfluß a"s- üben wird.

Es ist unsere Absicht, die Prüfung der Methoden zur Aufrechterhaltung der Stabilität in den inter­nationalen Währungen fortzusetzen. Wenn es auch in der kurzen uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich gewesen ist, P r o g r a mme a u f 3 u ft e 11 e n, so sind wir doch zu dem Ergeb­nis gekommen, daß wir die Natur dieser finanziel­len und wirtschaftlichen Probleme in demselben Sidjte sehen und daß diese Verständigung unserer­seits dazu dienen sollte, den Weg für eine Hilfs- Reiche Aktion durch unsere beiden Regierungn zu bahnen.

Pariser Echo.

Quotibien ruft aus: Ist denn Laval in Lon- btm, Berlin und Washington gewesen etwa nur, um des Pompes der Empfänge und des leeren Geräusches willen? Worte, nichts als Worte!

ImPopulair" erklärt der Führer der franzö- fischen Sozialisten, Leon Blum: Der Würfel ist gefallen. Die Washingtoner Reise bringt eine neue Enttäuschung, die noch viel tiefere Bedeutung haben wird M Sickere Enttäuschungen.