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Zahrg. 58.

Sonntag, 25. Oktober 1931.

Monatlich 1.80 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051.

FuldaerZertung

Anzeiger für die Siadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

Erschein» sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Sie Welt Aiy im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag «rlC* Mr*x v der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernruse: Schrift» :: leitung 1153, Fuldaer Actiendruckerei 1151 und 1152. ::

Noch ernst zu nehmen?

Der Preußische Landtag verhandelte am Frei­tag über einen Mißtrauensantrag, den die D eutsch nationalen gegen den Landwirt­schaftsminister Steiger eingebracht haben. Die Oppositionsparteien hielten bei dieser Gelegenheit mehr oder minder belanglose Reden. Am 4. Nov. wird sich der Landtag wieder versammeln, um den Mißtrauensantrag in den Papierkorb zu befördern.

Die K. V. schreibt dazu:

Damit ist der Fall erledigt, so denkt {ebenfalls der politisch unverbildete Staatsbürger. Indes kann man aus einer wortreichen Erklärung der deutschnationalen Landtagsfraktion entnehmen, daß dieser Mitztrauensantrag wieder einmald e n Beginn einer großen politischen Aktion gegen das System Brüning- Braun" darstellt. Für Lächerlichkeiten scheint die nationale Opposition" kein Gefühl mehr zu haben. Eben erst hat alle Welt sehen können, wie der große Harzburger Vorstoß wirkungslos verpuffte und in einer allgemeinen Flucht der Rechtsparteien endete. Kaum sind die Herrschaften draußen, da wird eine neuegroße politische Aktion" ange­kündigt, und zu diesem Zweck im Preußischen Land­tag ein Mißtrauensantrag eingebracht, dessen Ab­lehnung ebenso sicher ist wie der Mißerfolg die­ser zweiten großen politischen Aktion der Rechten.

Bei ihrer großen Aktion fällt den Deutsch- nationalen absolut nichts Neues ein. In dem völlig verbrauchten Mittel der Einbringung aussichtsloser Mißtrauensanträge sehen sie jetzt schon eine große Tat. Diesem Antrag gegen Stei­ger sollen weitere folgen, damitder Deutsch- nationalen Volkspartei die erwünschte Möglichkeit gegeben wird, vor dem Lande die gesamte deutsch­preußische Politik aufzurollen". Groß find die Deutsch nationalen lediglich im Wortemachen und in der Ankündigung gewaltiger Taten. Es gab vor vielen Jahrhunderten einen edlen spanischen Ritter, der ebenfalls mit recht kleinlichen Mitteln große Ziele erreichen wollte. Er kam dabei leider unter die Räder. Aber an unsere Deutsch nationalen kann Cervantes ni cht ge­dacht haben, als er seinen Don Quijote schrieb.

Ein bezeichnender Vorfall.

In einer Veröffentlichung der Monatsschrift Akademia" des C. V. der kathol. Stu­dentenverbindungen heißt es von den Heldentaten der National-Sozialisten auf dem Berliner Kurfürftendamm am Jüdischen Neujahrsfest:

Die Mehrzahl der tätlich angegriffenen waren überhaupt keine Juden. Unter den Schwerverletzten be­fand sich ein Hauptmann a. D., ein Berliner Rechtsan­walt, der tagelang in Lebensgefahr schwebte, und der weit über den C. B. hinaus als der unentwegte Schüt­zer und Pfleger des Andenkens u. l. Cartellbruders Schlageter bekannte Cartellbruder Dr. Peter De­richsweiler, der sich zur Ablegung seines Asseffor- examens in Berlin aufhielt und sich an dem Abend auf dem Heimwege befand. Er wurde ohne jeden An­laß von Nationalsozialisten niederge- schlagen, so daß er blutüberströmt ins nächste Kran­kenhaus gebracht werden mußte. Die Verletzungen sind derart, daß er noch jetzt völlig arbeitsunfä­hig ist und sich unter ständiger ärztlicher Aufficht be­findet.

Die Beteiligten wurden, soweit sie gefaßt werden konnten, wegen Landfriedensbruchs zu hohen Strafen verurteilt. Wenn auch die Nationalsozialistische Parte: jetzt natürlich die Verantwortung für diese Dinge ab­lehnt, so ist doch nicht' zu verkennen, daß es Geist von ihrem Geiste ist, der sich hier unter Beteiligung von Sturmführern ausgetobt hat. Armesdrittes Reich!

Der Schwerverletzte, Herr Dr. Peter Derichsweiler, hat (eine geradezu tragikomische Geschichte!) am 23. Mai d. I. bei der Einweihung des Ed) läge« ter-Natianaldenkmals auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf eine von glühender Vater­landsliebe beseelte, hervorragende Rede für die deutsche Jugend gehalten. Und nunmehr diese Behandlung durch teutsche Patrioten!"

Kommentar überflüssig!

Die Harzburger Pläne.

was ein objektiver Beobachter mitteilt.

Der frühere sächsische Minister und bisherige 2. Parteivorsitzende der Wirtschaftspartei (auf welches Amt er inzwischen verzichtete) Dr. We­ber, hat in Meißen eine bemerkenswerte Rede gehalten. Der Führer der sächsischen Wirtschafts­partei, der auch an der Harzburger Tagung teilge­nommen hatte, erklärte, der deutschnatio­nale Parteiführer H u g e n b e r g h a b e der Wirtfchaftspartei nicht diesel­ben positiven Zusagen machen kön­nen wie Brüning. Für die Wirtschaftspar­tei sei die Stabilität der W ä h r u n g das Entscheidende gewesen. Taffache sei, daß g e w i s se Kreise der Industrie an den Reichskanz­ler mit dem Ansinnen herangetreten seien, d i e Mark dem Pfund anzugleichen. Das würde zwar für d i e verschuldete Groß- industrie eine Erleichterung bedeuten, hätte aber die übrige Wirtschaft nachteilig beein­flußt und den Sparern einen Verlust von 25 Prozent gebracht. Trotz allem, er­klärte Dr. Weber, gehöre seiner Ansicht nach der Mittelstand an' die Seite dernationalen Bewe­gung". Es sei ihm aber ein bitteres Erleb- n i s gewesen sehen zu müssen, daß die Einig­keit auch der Rechten trotz aller Beteuerung noch immer nicht vorhanden sei. Diese Einigung" könnte auch nur durch ein Wunder zustande kommen.

Tarifwesen.

Souderschtichter im Lohnstreil bei der Reichsbahn.

wtb. Berlin, 24. Oktober. (Gig. Meld.) Der Reichs­arbeitsminister hat im.Lohnstreit bei der deutschen Reichs- bahngesellschast den Schlichter für den Bezirk Rheinland, Oberlandesgerichtsrat Dr. I o e p p e n, zum Sonder­schlichter bestellt. Die Verhandlungen finden a mMontag, den 26, Oktober, in Berlin statt.

Grandis Berliner Besuch.

Lls Mussolinis Vertreter kommt der italienische Grandi nach der deutschen Reichshauptstadt in Er­widerung der deutschen Ministerbesuche in Rom. Grandi ist am Freitag von Mussolini empfangen worden, der sich mit ihm über den bevorstehenden Berliner Besuch unterhielt. Am Freitag vormit­tag hatte Grandi die deutschen Pressevertreter in Rom empfangen, um sich mit ihnen über die Ziele feines Besuches zu unterhalten. Er erklärte ihnen, es sei ihm ganz besonders angenehm, die persön­liche Fühlungnahme mit einem so hervorragenden Staatsmann wie Reichskanzler Dr. Brüning wie­der au^nnehmen. Grandi ist in Begleitung feiner Frau und einiger italienischer Diplomaten in einem Sonderwagen von Rom abgereift. Von Berlin fährt ihm ein Vertreter des deutschen Auswärti­gen Amtes bis Kufstein entgegen. Samstag abend wird Grandi in München fein und dort vom baye­rischen Ministerpräsidenten Dr. Held auf dem Bahn­hof begrüßt werden.

Der Kanzler wieder in Berlin.

ERB. Berlin, 24. Okt. (Eig. Meldg.). Wie wir erfahren, ift Reichskanzler Dr. Brüning heute vormittag von seinem kurzen Erholungsurlaub, den er im Siebengebirge verbrachte, wieder in Berlin eingetroffen. Seine ersten Besprechungen galten naturgemäß dem Besuch des italienischen Außenministers, der für morgen früh erwartet wird.

Der Reichskanzler beim Reichspräsidenten.

wtb. Berlin, 24. Okt. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag den Reichskanzler zum Vortrag. Ferner empfing der Herr Reichspräsident heute vormittag den neu er­nannten Badischen Reichsratsbevollmächtigten, Mi­nisterialdirektor D r. Fecht.

Aür Neugliederung des Reiches.

Der Verfoffungsausschuß des preu­ßischen Landtages nahm mit den Stimmen der Antragsteller, der Regierungsparteien und des Vertreters der Volksrechtspartei, Abgeordneten Graf von Pofadowfki, einen Antrag der Deutschen Fraktion in abgeänderten Fassung an, wonach das Staatsministerium dahin wirken soll, daß dem­nächst im Reiche im Rahmen der Reichs­reform e ine Ne u g l i e de r u n g d e s Re i- ches durchgeführt wird. Dagegen wurde ein deuffchnationaler Antrag abgelehnt, in der Län­derkonferenz alle Versuche zur Zerschlagung oder staatsrechtlichen Minderung Preußens mit allem Nachdruck zurückzuweisen.

Anvermiuderter Gegensatz

f zwischen Japan und dem Völkerbundsrat.

wtb. Genf, 24. Okt. (Eig. Meld.). Die Ent­scheidung des Rates wurde nach 2!4stündiger De­batte auf den nachmittag vertagt. Vor Schluß der Sitzung gab der japanische Vertreter die Erklä­rung ab, daß Japan die Ratsentschließunq ab- lehne, da sie keine genügenden Sicherheitsga­rantien enthalte. Aus eine Frage des Vertreters Spaniens erwiederte Poshizawa kurz, er könne nicht im einzelnen angeben, was nach Ansicht Ja­pans unter den BegriffGrundprinzipien der normalen Beziehungen" falle. Eine Abmachung mit China hierüber sei aber notwen­dig, bevor die Räumung stattfinden könne. Die Einzelheiten seien Sache der Verhandlungen zwi­schen den beiden Parteien. Auf eine Diskussion hierüber im Rate könne er sich nicht einlassen. Das sei die Auffassung seiner Regierung. Briand schloß daraus die Sitzung, nachdem er versöhnlich, aber sehr bestimmt dem japanischen Vertreter er­klärt hatte, daß es für den Rat unmöglich sei, den japanischen Gegenvorschlag anzunehmen, wenn dem Rat überhaupt das Recht bestritten werde, über gewisse in dem Vorschlag enthaltene Punkte Aufklärung zu erhalten. Die nächste Sitzung findet heute nachmittag statt.

Dasweiße Haus- erklärt.

Vom Weißen Haufe in Washington wurde fol­gende Erklärung abgegeben:

Präsident Hoover und Ministerpräsident Laval wünschen klarzustellen, daß die zwischen ihnen ge­pflogenen Besprechungen sich nur auf die Po­litik beziehen, die jede der beiden Regierungen verfolgen kann, um die Erholung von derWirtschaftsdepres- sion zu fördern. Es gibt auch nicht im entfern­testen irgend eine Grundlage für. Erklärungen, die sich auf Forderungen, Abkommensbedingungen oder ähnliche Themen bezogen. Glücklicherweise gibt es keine Meinungsverschieden­heiten, die zwischen Frankreich und Amerika zu regeln wären. Es ist keine einzige derartige Meinungsverschiedenheit vorhanden. Der einzige Zweck dieser Besprechung ist ein ernster und frei­mütiger Austausch von Ansichten, um eine gemein­same Grundlage für eine hilfsreiche Aktion zur Förderung des konstruktiven Fortschrittes in der Welt zu finden.

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wtb Rewyork, 24. Oktober. (Eig. Meld.) Laut Herald Tribüne erklärte Laval, er fei nicht nach Washington gekommen, um sich in eine Polemik mit dem bekannten Senator Borah, der bekannt­lich für eine Revision des Versailler Vertrages kämpft, einzulassen und auch nicht, um über eine Revision des Versailler Vertrages zu verhandeln.

Associated Preß erfährt hierzu, daß der fran­zösische Botschafter es ablehnt, diese Erklärung Lavals als authentisch zu bezeichnen.

Reue Steuern in Amerika.

Nach den letzten Feststellungen beläuft sich das amerikanische Defizit auf rund 600 Millionen Dol­lar, also 2,5 Milliarden Goldmark! Das amerika­nische Schatzamt hat nun neue Steuervorfchläge ausgearbeitet, die der nächsten Kongreßtagung oorgelegt werden sollen, und zwar handelt es sich vorwiegend um die Erhöhung der Umsatzsteuer für besondere, und zwar nicht unmittelbar lebenswich­tigen Gegenstände Sollten diese Erträge nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen, so wird in Ame­rika auch nicht an einer Erhöhung der Einkommen­steuer nicht vorübergegangen werden können. Man sieht daraus, daß die Etatsnot ebenso wie die Wirtschaftsnot eine internationale Er­scheinung ist.

Gehaltszahlung und Mete.

VDZ. Berlin, 24. Okt. (Eig. Meld.) In einer im preußischen Landtag eingebrachten Anfrage ha­ben die Abg. Ladendörf und Mentz (Wirtschafts- Partei) das Staatsministerium um Auskunft er­sucht, ob es bereit fei, unverzüglich auf die Reichs­regierung einzuwirken, daß Anordnungen gertof- fen werden, durch die diejenigen Haus- und Grund­besitzer, die durch die Notverordnung über die ra­tenweise Auszahlung von Dienstbezüge nicht in den Besitz ihrer vollen Mieteinnahme zum Zah- lungsetrmin gelangen, vor wirtschaftlichen Schäden img leichen Umfange geschützt werden, wie dies Angestellten und Beamten gegenüber geschehe. Der preußische Wohlfahrtsminister antwortet jetzt, wie folgt: Nach § 7 der Durchführungsverordnung zur Verordnung des Reichspräsidenten über die Aus­zahlung von Dienstbezügen vom 18. Juli 1931 sind Mietschuldner nicht berechtigt infolge ra= tenroeifer Zahlung ihrer Bezüge ohne weite- res auch ihre Mietzahlungen raten­weise ohne Rechtsfolgen zu leisten. iDes gilt vielmehr nur dann, wenn die fällige Mietzahlung ohne eigenes Verschulden unmög­lich ist. Es hat sich bisher nicht feststellen las­sen, daß aus dieser Vorschrift den Vermietern wirtschaftliche Schäden entstanden sind. Zu der gewünschten Einwirkung auf die Reichsregierung besteht danach zur Zeit kein Anlaß.

Der gewaltigsteFahrstuhl" der Well.

Das Mzeheure Schiffshebewerk bei Riederfmow in Se» Nähe von Eberswalde.

* Ein großartiges Werk der Technik am HohenzollentkamÄ, der Berkin mit Stettin verMWA, .Eft im Entstehen. Es ist das gewaltige Schiffshebewerk von Niederfinow, das zur Ausgleichung des Wafserniveauunterschieds von 36 Meter gebaut wird. Ein 1000 Tonnen-Schiss wird zusammen mit einer riesigen Wanne von 80 Meter Länge, |2 Meter Breite und vier Meter Tiefe im Fahrstuhl chiiMUlf- oder hirmirterLMrdert werde» können.

Die Anruhen auf Cypern.

lieber die Unruhen auf Cypern, dessen Bevöl­kerung wieder einmal gegen die englische Herrschaft rebelliert, liegen folgende Nachrichten vor:

Die Bewegung gegen die britische Herrschaft hat, tote Reuter berichtet, am Dienstagabend in Limassol unter Führung des griechisch-orthodoxen Bischofs von Larnaka begonnen und von dort nach der Hauptstadt und anderen Städten übergegriffen.

Aus Athen berichtet Reuter: Der Korrespondent der ZeitungHestia" meldet aus Limassol: Der Bischof von Larnaka rief am Dienstagabend bei einer Versammlung auf dem Sportplatz die an­wesenden Griechen auf, im Namen Gottes und ihres Vaterlandes für den Anschluß an Griechenland zu kämpfen. Die Anwesenden gelobten, für die Unabhängigkeit und den Anschluß zu kämpfen. Später wurde unter Vorantritt des Bischofs und der Bürgermeister der wichtigsten Städte der Insel ein Umzug durch die Straßen von Limassol veranstaltet, wobei Rufe laut wurden wieHinaus mit den Ausländern!",Nieder mit den Tyrannen!" undEs lebe der Anschluß!" Es herrschte große Begeisterung, und die Anwesen­den gelobten, während die Kirchenglocken läuteten, den Kamps bis zum Ende durchzuführen.

Karte des östlichen Miltelmeores mit der Insel Cypern.

Nach Auffassung maßgebender englischer Kreise wird der Ausstand wahrscheinlich keine beunruhigenden Ausmaße annehmen, da die Auf­ständischen, wie man erklärt, im allgemeinenfchlecht bewaffnet sind oder über wenig Munition und Geld und über keine eigenen Organe verfügen. Man glaubt, daß der Versuch gemacht werden wird, die Agitation weiterzutreiben in der Hoffnung, daß England insbesondere hinsichtlich der Gle u er n Zugeständnisse machen werde.

Der englische Staatssekretär für die Kolonien, Thomas, erklärte in einem Interview, obwohl die Berichte über die Unruhen in Cypern ernst seien, seikeinGrundzuBe fürchtungen vorhan­den. Die Unruhen zeigten, welche Feinde das briti- fche Weltreich habe und wie notwendig es fei, mit größter Strenge gegen sie vorzugehen. Die Lage sei nun unter Kontrolle, und die letzten Nachrichten seien beruhigend.

Auf der Insel ist eine strenge Zensur der ein» und ausgehenden Nachrichten eingeführt worden. Telegramme werden nur in offener Sprache ober mit Angabe des Code zugelassen.

Eine Blättermeldung berichtet, daß einige Ma­schinengewehre und andere Waffen anscheinend durch Segelschiffe von den griechischen Inseln nach Cypern eingeschmuggelt wurden.

* Vorläufig kein Demonstraiions- und Uni­formverbot. Ein Berliner Abendblatt berichtet, daß die Reichsregierung die Absicht habe, ein a l l- gemeines Demonstrations- und Uniforrnverbot für die politischen Verbünde zu erlassen. Von un­terrichteter Seite wird die Nachricht als unrichtig bezeichnet. An sich ist die Reitzsregierung zu ei­nem solchen Verbot schon rein formal nicht in d e r L a g e, es müßte vielmehr auf Grund des Art. 48 durch den Reichspräsidenten verfügt werden. Der Reichsinnenminister hat zum mindesten im Augen­blick nicht die Absicht, derartige Maßnahmen vor- zuschlagen. Ob es später einmal doch dazu kommt, läßt sich natürlich im Augenblick noch nicht über­setzen. Es wird natürlich von der innerpolitischen Entwickelung dieses Winters abhängen. Daß Dr. Groener, wenn es notwendig fein sollte, entschie­den vorgehen will, hat er vor einigen Tagen in einem Interview deutlich zum Ausdruck gebracht. Auf Grund der gegenwärtigen Situation find Maß­nahmen so einschneidender Art wie die oben be­zeichnete jedoch noch nicht geplant.

* Zur Richlaufläsung des bayerischen Land­tages. Mit der durtz die Beschlüsse des Landtages über feine Nichtauflösung und die Ungültigkeits­erklärung der 15 Landesmandate geschaffenen po­litischen Sage besaßt sich die Deutschnationale Korrespondenz. Diese erklärt, daß in Bayern auf staatspolitischem Gebiete nunmehr ein Zustand vollkommener Rechtsunsicherheit eingetreten sei. Ein Ausweg könne natz Lage der Dinge nur durch eine erneute Anrufung des Staatsgerichts­hofes gesunden werden.

* Der Weltkongreß der Methodistenkirche be­schloß die Einsetzung eines Ausschusses, dem der Auftrag erteilt wurde, für d i e Revision des Artikels 231 des Versailler Vertra­ges über di e Kriegsschuld zu wirken. Autz die deutschen evangelischen Kirchen haben eine neue Erklärung über die Kriegsschuldfrage abgegeben. -

* Belagerungszustand in Paraguay. Aus Asuncion wird gemeldet: Die Regierung von Paraguay hat bis zum März 1932 den Bela­gerungszustand verhängt. Dieser Beschluß ist veranlaßt worden durch Kundgebungen von Studenten, die die Zeitung El Liberal angegrif­fen und gegen den Wohnsitz des Präsidenten von Paraguay Steine geschleudert haben.