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Mrg. 58.

Samstag, 24. Oktober 1931.

Itr. 246

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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.

knoblinen-PolMk?

Es gehört manches dazu, um sich ein einiger­maßen r i ch t i g es Bild davon zu machen, wie schwer LieAufgabe ist, in dem von den Nachwehen des verlorenen Weltkriegs und der Welt-Wirtschafts­krise heimgesuchten Deutschland zu regieren. Ver­antwortlich zu regieren und nicht etwa nur unverantwortlich zu räsonieren. Es ist eine fast zur Entrüstung herausfordernde Ueberheblichkeit, wenn jemand, der in seinem bisherigen Leben die Schwierigkeit politischer, namentlich wirtschafts­politischer Probleme, aus eigener Erfahrung noch nicht kennen gelernt hat, kurzerhand die Politik des Reichskanzlers Brüning und der ihn stützenden Zentrumspartei alsKnoblinen-Politik" herabzu­setzen versucht. Wir sind die letzten, die behaupten, daß das Zentrum in jeder Einzelheit immer die richtige politische Lösung gefunden habe. Auch Zen­trumspolitik ist Mensckenwerk. Wir sind auch die letzten, die Brüning zu einemHalbgott" erheben wollen, wie es beispielsweise die Nationalsoziali­sten mit ihrem Führer tun. Wir haben auch den früheren Reichskanzler Marx nicht, wie man uns vorwirft, in den Himmel erhoben. Wir haben nur der W a hr h e i t die Ehre gegeben und festgestellt, daß Marx den Ruhrkampf, in den wir von der Rechten in falscher Abschätzung der Kräfte­verteilung hineingeführt worden waren, weitsich­tig liquidiert hat. Und heute stellen wir die Lei­stungen Brünings fest und kommen zu dem Ergeb­nis, daß er unvergleichlich Wertvolleres geleistet hat als wie diejenigen Leute, die sich im Lager der nationalen Opposition" bisher dort nur als Kri­tiker und Besserwisser betätigen konnten. Das na­tionalsozialistische Blatt wundert sich auch darüber, daß man in der Fuldaer Zeitung öfters, z. B. im Handelsteil, Betrachtungen findet, die Dinge feftftellen, die wir vom p o l i ti f ch e n Gesichts­punkt her gern anders wünschen möchten. Rich­tige Politik hat eben zur Voraussetzung scharfe Erkenntnis der tatsächlichen Lage. Träume­rei die in der Wunschvorstellung von einemdrit­ten Reich" endet, ist das Gegenteil von Po­litik.

Wie wenig es gestattet ist, bei einer ernst­haften politischen Diskuision mit einer schnodde­rigen Bemerkung die politische Haltung der Zen­trumspartei zu erledigen, geht aus Aeußerungen hervor, die nicht etwa von voreingenommenen Anhängern des Reichskanzlers Brüning, sondern die von einem so seriösen politischen Gegner kom­men, wie es der frühere deutschnationale Führer Graf W e st a r p ist. Graf Westarp, dessen Ansicht schön seit Jahrzehnten im politischen Leben Deutschlands Respekt genießt, der nicht dadurch verloren gegangen ist, daß der Graf von Hugenberg aus der politischen Leitung der deutsch- nationalen Partei verdrängt wurde, ses-t sich gegen rechtsradikale Angriffe zur Wehr, die gegen ihn wegen der Ablehnung der Mißtrauensanträge ge­richtet werden. Ueber die außenpolitischen Zusammenhänge sagt er:

Brüning stellt seine innere Politik in unlösbaren Zu­sammenhang mit der auch ft e beherrschenden einheitlichen außenpolitischen Aktion, die mit den Kreditentzichungen des letzten Frühjahres begonnen hat und bis zum Ab­lauf des Stundungsjahres am 1. Juli 1932 einen Ab­schluß gefunden haben muß. Ihr Ziel fft ein doppeltes: die Befreiung von den politischen Zah­lungen und ein Gläubigerakkord über 26 Milliarden privater Auslandsschulden, namentlich ihrer kurzfristigen Teile.

Auf das Konto Brünings stehen in beiden Beziehun­gen bedeutsame erste Erfolge; das Stundungs- I a h r und die Still halteoerträge nach einheit­lichem Muster, wohl über Tausend an der Zahl durch welche Deutschland, ähnlich wie bei den Getreide­preisen, bis zum 1. März n. I. in der brandenden Flut der Kreditentziehungen eine geschützte Insel ge­worden ist. In beiden Beziehungen verfolgt Brüning einen ganz bestimmten Plan, dem seine Außen- wie Innenpolitik dienstbar gemacht wird, und bei dem er politische Konzessionen und Bindungen nach außen ebenso fest und unerschütterlich wie inflatorische Maßnahmen im Innern vermeiden will.

Für die Verfolgung dieser Pläne hat er formelle und materielle Grundlagen geschaffen, Kenntnisse gesammelt, Beziehungen angeknüpft und sich im Auslande persön­liches Vertrauen erworben. Das ist ein Kapital, das man nicht aufs Spiel setzen und nicht um inn er p ol i ti sche n Machtkampfes, par­teipolitischer Rücksichten und populärer Stimmungen willen preisgeben durfte. Es war ein stolzbescheidenes Wort von Brüning, als er in seiner zweiten Rede hervorhob, jede andere Regie­rung, möge sie aussehen, wie sie wolle, würde zunächst starkem Mißtrauen im Auslande begegnen und, um sich gleiche Verhandlungsmöglichkeüen zu schaffen, erst Er­klärungen abgeben müssen, die für die jetzige Regierung nicht nötig seien.

Wer die Verhältnisse des Auslandes kennt, muß weitergehend die Gefahr zugeben, daß jeder Re­gierungswechsel nach rechts wie nach links in dem jetzi­gen schweren Krisenwinter zunächst vom Auslande her neue Erschütterungen des Kredits und der Währung gebracht hätte. Die Behauptung, eine Rechtsregierung werde mehr Vertrauen haben als die jetzige, ist in Versammlungen lebhaften Beifalls sicher, aber in keiner Weise sub­stantiiert.

Ein solch objektives Urteil will wohl für die Qualität der Zentrumspolitik und der Politik des Kanzlers etwas mehr bedeuten als Redensarten, wie sie in einer leider heute so verbreiteten unsach­lichen Respektlosigkeit zur Anwendung kommen. Wahrhaftig, dieKölnische Volkszeitung" hat ange­sichts solcher Zeitgenossen recht, wenn sie schreckt:

Es fehlt dem Teil unseres Volkes, der sich heute politisch dem lärmenden Kommandoruf, den Trommeln, den Fahnen und dem chimärischen Glanz von Massenparaden fügt, die Fähigkeit, auch das Gute in anderen Parteien zu sehen. Die Zen- trümspartei unterscheidet sich in Konsequenz ihrer christlichen Weltanschauung von allen anderen Par­teien dÄurch, daß sie den Mut besitzt, zuzu- gefcen, daß auch links und rechts von ihr viele Menschen von bestem Glauben, von gutem MKem sich befmbeat. Die Zentrumspact-ei lehnt

Lavals Ankunst in Washington.

worüber sich Hoover «ad der französische Minister-Prüstdenl unkechallen wollen. Auch die Sorridor-Arage stehl zur Diskussion. Auf dem weg zur Einigung m Ost-Asien?

Ministerzusammenkünfte sind schon nichts ganz Besonderes mehr, seitdem wir sie in Chequers, in Paris, in Rom und in Berlin beobachtet haben. Sie dienen einer gewissen persönlichen Annäherung der Machtträger, sie' verlaufen nach einem offi­ziellen mehr oder weniger feierlichen Programm und enden für die Außenwelt mit einem von bei­den Seiten gebilligten Bericht, aus dem nicht viel zu ersehen ist. Bei der jetzigen Reise des franzö­sischen Ministerpräsidenten nach Washington liegen die Dinge schon insofern etwas anders, als die Fahrt eine Woche dauert und Laval wahrend die­ser Zeit sich nicht, wie etwa während einer höch­stens 24stündigen Eisenbahnfahrt, unsichtbar machen konnte. Er reist mit einer Begleitung von etwa 50 Personen, und es ist klar, daß. er während dieser ganzen Wache mit den ebenfalls an Bord befind­lichen Journalisten nicht fortgesetzt Skat oder Bridge spielt. Seine Reise hat eminent politischen Charakter, und darüber wird natürlich gesprochen. Um was es sich bei der Zusammenkunft Lavals mit dem Präsidenten Hoover handelt, ist, wiewohl ein eigentliches Gesprächsthema absichtlich nicht festge- l'egt worden ist, völlig klar: Reparationen, Feierjahre, Schuldenstreichung, Ab­rüstung sind die Gegenstände, über die ge­sprochen und um die wahrscheinlich gerungen wer- dm. wird. . .

Wenn man sich daran erinnert, wie langwierig und hartnäckig Frankreich sich im Sommer dieses Jahres gegen das van Hoover vorgeschlagene Schuldenfeierjahr gesträubt hat und dann auch durchsetzte, daß dieser großzügige und hochherzige Plan schließlich, als er in Kraft trat, nicht un­wesentlich verwässert war, so wird man nicht leug­nen können, daß die Tatsache allein, daß Laval jetzt zum Besuch Hoovers nach Amerika fährt, von allergrößter Bedeutung ist. Die beiden Staats­männer werden sich mit größter und wahrscheinlich auch aufrichtiger Herzlichkeit begrüßen^ aber dann werden die Schwierigkeiten beginnen. Frankreich ist eine Macht, die es sich leisten darf, allen Wer- bungen gegenüber spröde zu sein. Anderseits ist Laval klug genug, um zu wissen, daß es auch dem schönsten und reichsten Mädchen, wenn es all­zu hochmütig ist, passieren kann, daß es schließlich sitzen bleibt. Laval hat auch sicherlich gute Ab­sichten, nicht nur für sein eigenes Land, auch für Europa und die Welt., Aber schließlich ist auch er von einem mit sehr vielen Schönheitsfehlern behafteten Parlament abhängig, und er k ann b e i weitem nicht alles, was er toiII. Dazu kommt, daß natürlich letzten Endes wirtschaftliche Ueberlegungen immer den Ausschlag geben. Wah­rend der Seereise Lavals ist von seinem Schiff aus, wie auch aus Amerika, mancher angebliche Plan in die Welt gefunkt worden, den man viell- leicht wohl als Fühler auffassen kann, an den man aber doch noch keine Hoffnungen hängen sollte. Ein gewisser Pessimismus wird auch im Hin­blick auf diese amerikanischen Verhandlungen .nichts schaden. Freilich dürste er nicht nie Oberhand behalten, denn auch Frankreich und Amerika sind auf Zusammenarbeit und auf den

Weiterbestand Europas und nicht zuletzt Deutfch- lands angewiesen.

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Die Landung des französischen Ministerpräsi­denten in Newyork wurde von einer beträchtlichen Menge erwartet. Nicht nur auf den Straßen, sondern auch von den Laternen und von den Fen­stern 6er Hochhäuser aus wollten Tausende das Eintreffen des französischen Ministerpräsidenten be­obachten. Auf dem Broadway hatten Mstitär- und Marine-Abteilungen mit Musikkapellen an der Spitze sich zur Parade aufgestellt. Staatssekre­tär Stimson hatte sich zur offiziellen Begrüßung am Landungssteg eingefunden. Die Vorbeifahrt des Bootes an Governors Island wurde mit elf Kanonenschüssen aufgenommen.

Nach der Landung am Satterg Place wurde La­val unter begeisterten Zurufen der tausendköpfi­gen Menge nach der City Hall geleitet, wo er v o n Bürgermeister Walker im Namen der Stadt Newyork feierlichst bewillkommnet wurde. Laval führte in französischer Antwortrede aus, er komme von einem Lande, das entschlossen sei, mit Amerika zur Wiederherstellung der Pro­sperität zusammenzuarbeiten. Eine schwere Krise sei hereingebrochen, welche die Entwicklung Ame­rikas und der anderen Länder unterbrochen habe. In einer vom Zweifel zerrissenen Welt müßten die beiden großen Demokratien zusammen Methoden suchen und anwenden, die die Ruhe und das Gleich- geroidjt wieder Herstellen werden. '

Laval reifte dann nach Washington weiter.

Der amerikanische Staatssekretär Stimson begleitete den Ministerpräsidenten Laval auf kei­ner Fahrt im Sonderzug nach Washington. Sofort nach der Abfahrt begann eine Besprechung der bei­den Staatsmänner über die bevorstehenden Ver­handlungen mit Hoover. Laval soll erklärt haben, daß er gründlich über die Tatsachen vorbereitet sei, aber k einfest es Programm und keine bestimmten Vorschläge mitbringe. In Ge­sprächen mit Pressevertretern erklärte Laval: Wir erwarten nicht, alle uns vorliegenden Probleme lösen zu können, aber wir werden in den Bespre­chungen alle Fragen, denen Amerika und Frank­reich gegenüberstehen, berühren. Ich hin festen Glaubens, daß beide Länder aus den Besprechun­gen zwischen Hoover und mir Gewinn ziehen wer­den.

Zum Besuch des französischen Ministerpräsiden­ten Laval in Amerika wird in maßgebenden bri­tischen Kreisen bemerkt, die Bereinigten Staa­ten und Frankreich seien davon in Kenntnis gesetzt worden, daß Großbritannien von den in Washing­ton geführten Besprechungen einen endgül­tigen Fortschritt in der Regelung der al­les beherrschenden Kriegsschuldenfrage erwarte. Es wird nicht verheimlicht, daß man eine L ö - jung des Kriegsschuldenproblemes durch Herabsetzung der Schulden oder durch deren Streichung anderen Maßnahmen, wie etwa emer Verlängerung des Hoover-Jahres, vorzieheu

würde Man glaubt, daß der britische Botschafter in Washington sowohl den Vertretern Amerikas wie den Vertretern Frankreichs gegenüber zum Ausdruck bringen werde, daß nach Ansicht der britischen Regierung jede Verzögerung in den Maßnahmen zur Beseitigung der Krise eine un­heilvolle Auswirkung haben würde.

Laval in Washington.

mtb. Washington, 23. Oki. (Gig. Meld.) Laval ist in Washington eingetroffen. Er machte Hoover einen kurzen Antrittsbesuch und empfing im Laufe des Nachmittags die Presse, die er eindringlichst bat, sich nicht in Vermutungen zu ergehen. Frankreich sei weder kriegerisch, noch wolle es in Europa dominieren, es wolle im Gegenteil durch die Besuche in London, Berlin und Washington dartun, daß es bereit sei, seinen Teil an der inter­nationalen Zusammenarbeit zu übernehmen.

Während der Fahrt nach Washington wurde von Mitgliedern der franzöfffchen Reisegesellschaft angebeutet, daß Laval bereit sei, alle europäischen politischen Probleme und alle wirtschaftlichen Welt­fragen in liberalem Geiste zu besprechen. Er werde einer Herabsetzung der Reparationen zu­stimmen und sogar bezüglich des ungeschützten Teiles einer Korrektur nicht abgeneigt fein. Da­gegen lehne er eine Verlängerung des Morato­riums ab.

*

mtb. London, 23. Qkt. (Eig. Meld.) Der Kor- refponbent berTimes" in Washington melbet: Laval wirb vielleicht überrascht sein über b i e Reichweite, bie Hoover und Stimson den Er­örterungen zu geben bereit sind, denn es spricht alles dafür, daß nicht einmal eine so heikle Frage wie die des polnischen Korri­dors beiseite gelassen wird.

Genf und die Manschurei. .

Die Entschließung des Völkerbundsrates zum mandschurischen Konflikt.

Der Völkerbundsrat hat in öffentlicher Sitzung nochmals zu 6em japanisch-chinesischen Konflikt Stellung genommen. Der Ratsvorfitzende Briand legte dem Rat eine Entschließung vor, die vorher mit sämtlichen Ratsmitgliedern mit Ausnahme 6«r Vertreter Japans und China vereinbart worden war. Die Resolution erinnert in ihrem ersten Teil an bie Verpflichtungen, die Japan und China in der einstimmig angenommenen Entschließung des Rates vom 30. September dieses Jahres auf sich genommen hätten. Der Rat fordert die japanische Regierung auf, sofort mit der Räumung zu beginnen und sie progressiv fortzusetzen, damit der völlige Rückzug bis zur

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F1

Präsident Hoover. Das weiße Haus in Washington. Der französische Ministerpräsident Laval.

Ttinifterpräfibent Laval ist in Amerika gelandet und hat bie Besprechungen mit dem Präsidenten Hoover ausgenommen. Jetzt wartet die Welt, die unter dem Druck ber Wirtschasts- und Geldnot leidet, auf bas Ergebnis der Verhandlungen. Sind doch Amerika und Frankreich heute die mäch­tigsten Länder von denen allein aus eine Wiederbelebung der Weltwirtschaft ausgehen kann.

den Haß ab, sie prüft immer und wagt, und indem sie dies tut, erfüllt sie ganz die chrijtl'.chen Gebote. Ist der Mann, der die Rettung Deutsch­lands nur in der Ausrichtung eines großen Heeres, und ist der Mann, der sich Heil für fern Volk mir in der engsten Verbindung mit Rußland verspricht, verächtlich? Nach der Auffassung der Zentrums- Partei irren diese Menschen, aber sie haben den Anspruch, ihre Auffassungen nicht als verächtlich hingestellt zu sehen. Man kann in der Form, in der man solche Auffassungen bekämpft, weit gehen, aber niemals über die Grenze des Anstandes hinaus.

Die Sprache ber nationalsozialistischen Blätter war in den letzten Wochen einfach zügellos, die Art des Auftretens einiger ihrer Führer oft er­schreckend rauh. In den Reihen der National- sozialisten befinden sich viele frühere aktive Offiziere, die gewohnt waren, zu befehlen und jetzt nach langer Pause des Schweigens wieder den Kommandoton übernommen haben. Diese ost kantigen, eckigen, sich immer spreizenden Menschen gebärden sich mit Vorliebe als die Repräsentanten des echten Preußentums, und in diesem Pmckte

begegnen sie sich mit dem radikalen Teil der Deutschnationalen. In diesen Figuren verkörpern sich mehr bie Fehler, als bie so zahlreichen guten Eigenschaften des Preußentums. Der Preußisch-Deutsche ist ein Mensch von starkem Pflichtbewußtsein, von mächtiger Arbeitskraft, von Ordnungsliebe, von rauher Schale und derbem Kern. Mit diesen Menschen könnte man förmlich eine Welt aus den Angeln heben, wenn sie die Grenzen ihrer Kraft könnten und wenn aus ihnen Führer emporstiegen, die Einsicht in bie Begrenzung d e r Möglichkeiten mit ber höchsten Kunst ber Menschenbehandlung und jener temperierten Willensäußerung verbinden könnten, die wir so oft an den Engländern zu bewundern Gelegenheit haben. Die Furcht,schlappe Kerls" genannt zu werden, ist bei ihnen so groß, daß sie den Ruf eines klugen, gemäßigten konzi­lianten Menschen fast verabscheuen. Es gibt in der Geschichte der Deutschen keinen tragischeren Be­weis für diese Erscheinung, als den Angriff Fal- kenhayns auf Verdun im Jahre 1916. Diese mächtige Festung wurde in dem Glauben und in der festen Ueberzeugung berannt, daß man hier

Frankreich zum Weißbluten bringen könnte. Auch als sich bereits zeigte, daß dieser Felsblock nicht zertrümmert werden konnte, hielt Falkenhayn an seinem Plan fest, der ganz offen auf den Angriff am Punkte des härtesten Widerstandes hinauslief und militärisch, psychologisch und in feiner Wir­kung auf den Kern des deutschen Feldheeres vernichtend war. Das zu fürchterlichen Prüfungen ausgerusene Pslichtgefichl der Soldaten allein hat eine so lange Dauer des Angriffs ermöglicht. Ueber den Leichenhaufen glänzte, von ber düsteren, zermürbenden Melancholie desVergeblich" un« stört, die Gloriole des Thermopylenkampses der Deutschen, bie durch bie preußische Militärschule gegangen, solcher Opfer fähig waren.

Die deutsche Rechte, wie sie heute vor uns steht, muß sich läutern, ihre Führer müssen bie Grenzen ihrer Fähigkeiten erkennen und sie müssen einsehen lernen, daß mit dem Kommando und mit dem Marschieren in der Politik nichts zu machen ist. Hier bleibt auf die Dauer nur der kluge, gewandte, geistig beweg­liche, charakterfeste, aber immer von feinen Forme« beherrschte Mensch siegreich. >