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Mrs. 58

Freitag, 23. Oktober 1931

Geh. Rat Schmitz I. E.-Farben

Oben: Vogler. Führer der westdeutschen Schwerindustrie Unten: Lammers

Präsidialmitglied des Reichsverbands der deutschen Industrie

Bergmann, Staatssekretär a. D.

Iürfcheint jechsmal wöchentlich Wochenbeilagen:Die Welt im Lild" und ..Buchenblätter' Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Ülctiendruckerei in Fulda. Fernruse: Schrift» :: leitung 1152 Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151 ::

Meistbegünstigung darstellen, weshalb sich auch, die Reichsregierung an alle interessierten Staaten mit der Anfrage richten mußte, ob sie gegen solche Verträge Einwendungen zu machen haben. Don der Mehrzahl der beteiligten Staaten wurde kein Einspruch erhoben, da feststeht, daß eine direkte Schädigung anderer Getreidelieferländer ausge- ichlosien ist, daß ferner Rumänien und Ungarn nur solche Getreidemengen zu Vorzugszöllen ein­führen können, welche den normalen Import nach Deutschland nicht überkteiaen. Bei Ungarn han­delt es sich nm Vorzugszölle für Weizen, bei Ru­mänien um solche für Weizen. Roggen und Mais.

Die Verträge mit Rumänien und Ungarn sol­len zunächst zwei Jahre laufen und können dann

Monatlich 1.80 einschlleßl. Postgebühr <48 Pfg.> ohne Zusiellg Anzeiqen-Preise: Kleinzeile (Sol.) lokal 0.15 RM.. auswärts 0 20RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Postschecks Frankl a M 4051

Geh. Rat Kastl, Präsidialmitglied d. Reichsverb, der deutschen Industrie

Zur Ernennung der deutschen Mitglieder für die deutsch-französische Wirtschaftskommission.

v. Simson, Staats'ekretär

a. D.

Dr. Solmssen,

Die neue Diplomatie.

Son- Walter E. Edge, amerikanischem Botschafter in Paris.

Angesichts der Amerikareise des französische» Ministerpräsidenten Laval sind nachfolgende Anga­ben die der amerikanische Botschafter in Paris ei­nem Vertreter der DPK. machte, von besonderem Interesse.

Es gab eine Zeit, in der sich das Leben und die Wirkamkeit eines Diplomaten lediglich daraus beschränkte, der offizielle Verbindungskanal zwi­schen einem Lande und einem anderen zu sein. Damals gehörte es zu den unerläßlichen Pflichten eines Botschafters, eine Regierung auf dem laufen­den übers amtliche Vorgänge in dem Lande 3}' halten, dem er zugeteilt worden war, und mc rein gesellschaftlichen Verpflichtungen standen stets im Vordergründe. Der Ruf so man­cher Diplomaten beruhte früher ausschließlich aui ihren gesellschaftlichen Talenten, darauf, wie ste es verstanden, ihr Land bei festlichen Anlässen ver­schiedenster Art möglichst glänzend und würdig zu vertreten.

Der heutige Diplomat begnügt sich nicht mehr mit der Wahrung dieses oberflächlichen Glanzes Sein Berufsideal ist vielseitiger und reichhaltige: als das seiner Vorgänger. Er betrachtet sein ver­antwortungsvolles Amt mehr mit den Augen ei­nes Advokaten und Vermittlers und erblickt feine eigentliche Aufgabe weniger darin, fein eigenes Land im Auslande besser bekannt zu machen, als vielmehr darin, möglichst viele unmittelbare und persönliche Beziehungen mit Vertretern fernes Wirtsvolkes anzuknüpfen.

Was mich betrifft, so b^lte ich es für meine wichtigste und vornehmste Pflicht, das Volk _ in dessen' Mitte ich lebe, in allen seinen Teilen gründ­lich kennen zu lernen. Von allen zwischenstaatlichen Problemen der Gegenwart sind nun gerade die­jenigen wirtschaftlicher Natur in vieler Hinsicht die wichtigsten) bestehen doch nicht nur enge Wechselbeziehungen zwischen Politik und Wirtschaft, sondern die Dinge liegen heute so, daß in vielen bedeutsamen Fällen stärker denn je reine wirtschaftliche Erwägungen den Gang zwischenstaatlicher politischer Verhandlun­gen entscheidend beeinflussen, ja, man kann woh" sagen, diese geradezu beherrschen. Wir täten des halb gut daran, die wirtschaftlichen Gegensätze zweier Länder klar zu erkennen und sie dann in einer für beide Teile befriedigenden Weise aufzu­heben, so weit dies möglich erscheint.

Das erfte, was ich unternahm, sobald ich als amerikanischer Botschafter von der französischen Regierung beglaubigt worden war, bestawd dann, Verbindung mit möglichst vielen Industrie!- I e n und Geschäftsleuten Frankreichs auf­zunehmen. Ich bin erst kürzlich von einer lehr aufschlußreichen Rundreise zurückgekehrt, die mich in die Hauptzentren des französischen Handels und der französischen Industrie führte. Heute kann ich auf Grund meiner eigenen Erfahrungen und Beobachtunaen mit einigem Recht von den Wün­schen und Erfordernissen Frankreichs sprechen. In Form aufrichtiger und ungezwungener Ausspra­chen, die ich mit den Vertretern der verschiedensten französischen Erwerbszweige hatte, habe ich mei­nerseits versucht, den Franzosen eine klare Vor­stellung davon zu verschaffen, wie wir Amerikaner das amerikanisch-französische Problem gegenwärtig betrachten. Und meiner Ansicht nach ist der von mir eingeschlagene diplomatische Weg der beste, die großen industriellen und handelspolitischen Zeitfragen eines anderen Landes richtig beurtei­len zu lernen. Ein keinesweas leichtes Unter­fangen, wenn man bedenkt, daß es nicht nur em­siger Anstrengungen bedarf, sondern auch die Fä­higkeit, sich in die Eigenheiten eines anderen Vol­kes einzufühlen voraussetzt. Zu einem Diploma­ten, der heute feiner Aufgabe gerecht wird, gehört zweifellos die energische, zielbewußte Vertretung der Interessen seines Heimatlandes, aber auch Sympathie und weitgehendes Verständnis für die Besonderheiten desjenigen Landes, dem seine Mis­sion als Botschafter gilt. Sind diese beiden Vor­aussetzungen erfüllt, so steht der Diplomat auf dem richtigen Posten und ist nunmehr in der Lage, seinem eigenen Lande besondere Dienste zu leisten.

Ich kann nicht genug auf die Nöte und Unge­legenheiten Hinweisen, denen wir heute infolge allzu starrer nationaler Vorurteile und Süchte ausgesetzt sind. Wir Amerikaner sprechen häufig von den glanzvollen Ueberlieferungen der franzö­sisch-amerikanischen Verständigung und Freund, schäft. Während wir tonst voller Genugtuung auf unsere über hnndertfünfzig Jahre alten freund­schaftlichen Beziehungen zu Frankreich zurückblik ken, ist es offensichtlich, daß mit der vermehrten wirtschaftlichen Abhängigkeit eines Landes vom anderen diese Benehungen beiderseits durch har­monische Gestaltung der Handelsverbin- düngen ergänzt wenden müssen. Diese Ver- ftänbiaung narb besten Kräften zu fördern, gehört ebenfalls zum Aufgabenkreis des Diplomaten Nur durch engere wirtschaftliche Zusammenarbeit aller Völker wird es überhaupt gelingen, das Problem der Weltbefrieduna erfolgreich zu lösen.

Hermes, Reichsminister

a. D.

Dr. Melchior, Deutschlands Vertreter in der B.2.Z. ..

Vorzugszölle.

Präser enzverkrüge mit Ungarn und Rumänien.

Nach authentischen Mitteilungen beabsichtigt die Reichsregierung die Zollpröferenzverträge mit Ungarn und Rumänien möglichst am 15. Novem­ber vorläufig in Kraft zu setzen, und zwar ohne parlamentarische Ratifikation.

Diese Verträge sind bekanntlich nach einem neuen Schema aufgebaut und auch während der letzten Völkerbundstagung in Genf öurchgespro- chen worden. Sie haben die Billigung des Völ­kerbundes gefunden, da man in ihnen ein geeig­netes Mittel sieht, dem Rot,zustand in diesen Do­nauländern zu begegnen. Deutschland hat Ungarn und Rumänien Vorzugszölle für bestimmte Ge­treidekontingente eingeräumt, während deutsche Wa­ren nur das Dieistbeaünstigungsrecht in Ungarn und Rumänien geniefjjpn. Es ist in Genf durch­aus anerkannt worden, daß solche Präferenzen dem Prinzip der Meistbegünstigung nicht wider­sprechen da ste sowohl bezüglich der Laufdauer wie des Kontingents, für das sie Vorzugszölle brin­gen, beschränkt sind.

Grundsätzlich würde die Gewährung von Vor- zugszöllen ja eine Durchkreuzung des Prinzips der

Mrlschafisausschutz und Mrtschaslsbelral

Mobilisierung der Erneuerungskrasl nach innen und außen.

Von Paul Oskar Seidl.

Laval in Kew-Hork.

rotb. Newyork, 22. Okt. (Eig. Meld.) Der Dampfer Jfle de France traf um 3 Uhr morgens (9 Uhr in. e. Z.) hier ein. Die amenkan. Blatter widmen dem Eintreffen des Ministerpräsidenten einen großen Raum, desgleichen den Berliner Pa­riser und Londoner Kommentaren zu den kommenden Verhandlungen, deren Be­deutung, wieHerald Tribüne" in entern Leit­artikel ausführt, niemanden entgehen könne.

rotb Paris, 22. Oft. (Eig. Meldg.). Der Pa­riser Bürgermeister Francois Latour hat einem Vertreter des Journal seine Eindrücke von feinem Ser Besuch geschildert. Ueberall, sagte er, haben mir einen wirklich herzlichen Empfang er­halten. Berlin sei, im Vergleich 3» ,Pans, viel grandioser; aber das individuelle Wohler- gehen stehe dort sehr unter dem Kollekti- ven Hinter den Arbeiterhäusern verberge sich viel Traurigkeit und Elend. Die Organisation von Groß-Berlin habe ihm wertvolle Fingerzeige für diejenige eines Groß-Paris gegeben.

* Die Rot der Landwirtschaft hat den Danz i- ger Senat veranlaßt, durch Verordnung vom 14. Oktober 1931 die Begleichung der Staats­steuer in Naturalien zu ermöglichen. Um dieses Ziel zu erreichen, war bereits durch Ver­fügung vom 4. September bezüglich der Gemeinde­steuer eine Regelung getroffen worden, die es den Gemeinden gestattete, die Erwerbslofenun- t e r ft ü tj u ri g en in den Landkreisen zu 40 Pro- zent in bar und zu 60 Prozent in Natu, ralien auszuzahlen.

FuldaerZeitung

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

rung zuwenden. Die Bedeutung dieses Ausschus­ses kann nicht stärker unterstrichen werden, als durch den Entschluß des Reichspräsiden, t e n, in diesem Ausschuß den Vorsitz zu führen. Dieser beispiellose Schritt, der dem Wirtschaftsbei- rat den Charakter der früher üblich gewesenen Staatsratssitzungen der Krone mit den Führern der Politik und des öffentlichen Lebens in schwer­sten Stunden unseres Reiches verleiht, betont die Schicksalsbedeutung. einer Angleichung der Anschau­ungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern über Preissenkung und Lohnfrage.

Dieser Ausschuß muß gleichfalls zu raschem Handeln gelangen, um neue Arbeitsgrundlagen der deutschen Wirtschaft auf dem Binnen- und Au­ßenmarkt zu schaffen. Schon in den nächsten Tagen und Wochen. wird es. sich erweisen, ob der große Wurf des Reichspräsidenten von vollem Erfolg be­gleitet fein wird und die Bildung einer wirt­schaftlichen Notgemeinschaft des ganzen Volkes ge­lingt. nachdem es bisher noch nicht möglich gewe­sen war, die parteipolitischen Kräfte zu gemein­samem innen- und außenpolitischen Handeln zu- famrnen>ufüqen. Nach innen und außen verlangt das Wohl Deutschlands auf jeden Fall eine starke und schlagbereite Regierung. Deutschland darf we­der dem Ausland gegenüber das Bild einer zer­rissenen Front bieten, noch darf nach innen die Auffastung hochkommen, daß die Regierung zurAuf- rechterhaltung von Sicherheit und Ordnung nicht befähigt fei. Die gegenwärtige Regierung hat um ihren Auftrag einen Kampf mit solcher inneren Leidenschaftlichkeit geführt, wie wir ihn bisher nach dem Kriege nicht erlebt haben. Sie versucht einen Weg von ungeheurer Tragweite und unter schwer­sten inneren und äußeren Belastungen. Hoffen wir zum Wohle des ganzen Volkes, daß wir beim Wiederrufammentritt des Reichstages am 23. Fe­bruar sagen können: Deutschland ist endlich wieder ein gutes Stück voranaekommen.

Anker Hindenburgs Vorsitz.

Der Ausschuß, der zwischen deutsche« Arbeitgebern und Arbeitnehmern »ermitteln soll, ist aus dein 29. Oktober eingeladen worden.

In dem bekannten Briefwechsel Mischen Reichs­präsident und Reichskanzler vom 13. Oktober war die Schaffung eines Wirtschastsbrirates vorgesehen worden, der in eingehender Beratung zu einer Lösung lebenswichtigster Fragen hinsichtlich bet Gestaltung der deutschen Wirtschafts- und Sozial­politik gelangen soll. Entsprechend den in dem Briefwechsel festgelegten Aufgaben dieses Wirt­schaftsbeirates und der Art seiner Zusammen­setzung hat der Herr Reichspräsident nunmehr aus Vorschlag der Reichsregierung folgende Persönsich- keiten zu Mitgliedern des Wirtschaftsbeirates er­nannt:

Geheimer Kommerzienrat Dr. ing. h. c. Ernst von Botsig, Fabrikbesitzer in Berlin-Tegel, Dr. Brandes, Präsident des Deutschen Landwirtschafts­rates-Königsberg, Reichskanzler a. D. Geheimer Oberregierungsrat Dr. Cuno, Vorsitzender des Vorstandes der Hapag, Hamburg, Gewerkschafts­sekretär Wilhelm Eggert, Bersin, Gewerkschafts­führer Peter Graßmann, Berlin, Maurer- und Zim­mermeister Robert Groß, Königsberg i. Pr., Kauf­mann Dr. jur., Dr. ing. h. c. Bernhard Grund, Präsident der Handelskammer Breslau, Kaufmann Dr. jur. Albert Hackelsberger. Oeflingen in Baden, Papierfabrikant Georg Haindl, Augsburg, Wagen­baumeister Wilhelm Hecker, Präsident der Hand- werkskammer, Düsseldorf, Hofbesitzer Dr. Holt- meier, Lienen, Kreis Tecklenb urg-Westfalen, Ge­schäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes Dr. Joseph Jahn, Berlin, Kaufmann Louis Kör­ner» Bersin, Rittergutsbesitzer von Oppen, Präsi­dent der Landwirtschaftskammer Brandenburg, Dannenwalde, Bernhard Otte, Vorsitzender des Ge-

fleber alle parteipolitischen Gegensätze hinweg darf man als Ergebnis der zwar kurzen, jedoch stürmisch bewegten Reichstagszusammenkunft ein- neue Biermonatsfrist der Reichsregierung für die unbehinderte Durchführung entscheidender Maßnah­men zur Ueberwindung der Krise und zur Wie­deringangsetzung der Wirtschaft festhalten. Mehr als vier Fünftel des ganzen Parlamentes stimm­ten in der Ueberzeugung überein, daß für die Lö­sung dieser Aufgaben nun kein Tag, keine Stunde mehr verloren werden darf. Gekämpft wurde nicht mehr über die Zielsetzung, sondern über den Weg. Dabei kam es zu parlamentarischen Aussprachen, die erwiesen, daß selbst dieser Reichstag, der J durch das fast vollkommen ausgeglichene Gewicht der gegensätzlichen Fronten zur Tatunfähigkeit verurteilt sieht, unter der Wucht des erschütternden Erlebniffes unserer Gegenwartsgeschichte zum Schauplatz würdiger und nahezu allseitig verant­wortungsbewußter Meinungsschlachten um den rechten Weg für das Schicksal Deutschlands wer­den kann.

Um so schwerwiegender, wuchtender und ver­pflichtender ist der Auftrag einer absoluten Reichs­tagsmehrheit für das neue Kabinett. Brüning sicherte sich die parlamentarische Mehrheit allein durch seinen Ruf an die Verantwortungs- und Opferfreudigkeit seiner bisherigen Gefolgschaft, daß nun das deutsche Volk ohne Zeitverlust und ohne neue Hindernisse in den historischen Abschnitt der nationalen und internationalen Entscheidungen hin­eingeleitet werden müffe.

Demonstrativ beschloß das Kabinett schon am Morgen nach der letzten Nachtsitzung des Reichs­tags die Zusammensetzung unserer Abordnung für den deutsch-französischen Wirtschaftsausschuß und die Einberufung des Wirtschaftsbeirates. Gene­ralsekretär der deutschen Abordnung in der zwi­schenstaatlichen Körperschaft ist der Ministerialdirek­tor Dr Ritter vom Auswärtigen Amt. Er bewies bei vielen Gelegenheiten, daß er schwierige Ver­handlungen mit Zähigkeit zu einem guten Ende zu bringen weiß, wenn auch auf seinem Wege Der Mißerfolg des Zollvereins mit Deutsch-Oesterreich liegt.

Auf der Gewinnjeile dieses Generalsekretärs der Deutschen bei den Verhandlungen mit Frank­reich liegt aber der deutsch-französische Handels­vertrag. der ohne Zweifel zum besten der Wirt­schaftsabwicklung zwischen uns und unseren west­lichen Nachbarn gewirkt hat. Beide Länder be­kommen unter ihm ihr gutes Recht, wenn auch bei den Sonderverhältnissen der gegenwärtigen Krise mit ihrem unwiderstehlichen Zwang zur Stei­gerung der deutschen Ausfuhr und Drosselung un­serer Einfuhr die deutsch-französische Handelsbilanz stark aktiv für Deutschland geworden ist.

In vierzehn Tagen werden unsere Unterhänd­ler voraussichtlich in Paris schon die Programm­sitzung für die deutsch-französische Wirtschaftsan­näherung abhalten können. Auch die Vorberei­tungen der Franzosen sind soweit gediehen, daß mit einem flotten Auftakt der Verhandlungen ge­rechnet werden kann. Die Wirtschaftsvertreter auf beiden Seiten haben Eile zu wisfen, welche Erwar­tungen sie tatsächlich mit dem Wirken des Wirt­schaftsausschusses verbinden dürfen. Die von den Franzosen berufenen Mitglieder gehören ebenso wie die nunmehr bekannten deutschen Vertreter zu den aktivsten Persönlichkeiten der Aemter und der Wirtschaft ihres Landes, so daß die Hoffnungen auf baldige praktische, das Wirtschaftsleben beider Bölter fördernde Verhandlungsergebnisse trotz al­ler Vorsicht der Betrachtungsweise, die zu üben wir gelernt haben, vielleicht doch auf gutem Boden stehen.

Die Aufmerksamkeit Deutschlands wird sich in» jmifeben mit gespanntester Aufmerksamkeit dem Wirtschaftsbeirat für die endgültige Fas- fung des Wirtschaftsprogrammes der Reichsregie-

samtverbandes der Christsichen Gewerkschaften Deutschlands, Bersin, Direftor Dr. rer. pol. h. c. Pserdemenges, Köln» Bäckermeister Ernst Pftug- macher, Magdeburg, Direktor der Commerz- und Privatbank Friedrich Reinhart. Charlottenburg, Max Rössiger, Vorstandsmitglied des Gewerk­schaftsbundes der Angestellten, Berlin-Zehlendorf, Dr. jur. Schmitt, Generaldirektor der Allianz und Stuttgarter Verein A. G., Berlin, Dr. jur. h. c. Hermann Schmitz, Vorstandsmitglied der I. G. Farbeninduftrie A. S., Bersin, Dr. für. Dr. ing. h. c. Paul Silverberg, Industrieller, Köln, Otto Suhr, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Freien Angestelltenbundes, Berlin, Generaldirektor Dr. ing. Dr. phil h. c. Albert Vogler, Dortmund. Fabrikdirektor Willy Wittke, Dresden.

Wie sich aus der Zusammensetzung des Wirt- schastsbeirates ergibt, ist darauf Bedacht genom­men, möglichst alle Kreise der deutschen Volks- wirtschaft und alle Landesteile zu berücksichtigen. Eine Erweiterung der Mitgsiederzahl würde die Aktionsfähigkeit des Beirates gefähr­den. Industrie, Landwirtschaft, Handel, Handwerk und Kleingewerbe, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind, durch Persönlichkeiten vertreten, die Gewähr dafür bieten, daß großen gemeinsamen Interessen der gesamten Volkswirtschaft, auch die Interessen der einzelnen Berufsstände und Wirtschaftsgebiete gleichwertig und mit gleichem Nachdruck vertreten werden. ., ...

Der Herr Reichspräsident hat gleichzeitig mit der Ernennung die Mitglieder zu der ersten gemeinsamen Sitzung des Wirtschaftsbei­rates und der Reichsregierung, an der auch Reichs­bankpräsident Dr. Luther und Generaldirektor der Reichsbahn Dr. Dorpmüller teilnehmen werden, auf Donnerstag, den 29. Oktober, vor­mittags 11 Uhr, in fein Haus eingeladen. Diese Eröffnungssitzung wird unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten statt finden.

Alarm-Nachrichken.

Landvolk kündigt neuen Gehalts-Abbau an.

VDZ. Berlin, 22. Okt. (Eig. Meld.) In Kreisen des Landvolkes wird erklärt, daß schon m nächster Zeit mit- einer neuen erheblichen Kürzung der Beamtengehälter i n P r e u ß e n zu rechnen sei und zwar einer abermaligen Senkung im Umfange von 8 bis 10 Prozent.' Es wird daran die Behaup­tung geknüpft, daß der bisherige Finanzmmlster Höpker-Aschoff seinen Rücktritt auch wegen dieser unvermeidlichen neuen Kürzung genommen habe und weiter gesagt, daß daher kaum damit zu rech­nen fei, daß Höpker-Aschoff wieder auf seinen Platz zurückkehre. Dem Nachrichtenbüro des VDZ, wird hierzu von unterrichteter preußischer Seite er­klärt, daß eine neue Gehaltssenkungsaktion für die Beamten nur vom Reich ausgehen könne, und daß etwaige Pläne dieser Art zur Zeit noch keine konkrete Form angenommen hatten.