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Nr. 243

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Mittwoch, 21. Oktober 1931.

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Wfl. 58.

Mehr Osthilfe für Bauern und Siedler.

VDZ Berlin, 20. Okt. (Gig. Meld.) Dem Nachrichtenbüro des VDZ wird an unterrichteter Stelle erklärt, daß alle der Regierung Brüning Nahestehende Parteien die Absicht haben, den Reichskanzler zu ersuchen, die bäuerlichen Betriebe mehr als bisher durch die Osthilfe erfassen zu Haffen und die Siedler in die Osthilse einzubeziehen.

*

An maßgebender Stelle wird dem Nachrichten­büro des VDZ hierzu erklärt, daß die bäuerlichen Betriebe und die Siedler schon insoweit von der Osthilfe betreut würden, wie sie unter die Bestim­mungen dieses Hilfswerkes fallen. Don den bis­herigen Auszahlungen auf dem Gebiete der, Ost­hilfe seien 60 Proz. an bäuerliche Betriebe geleitet worden. 94 Proz. der Gesamtzahl der bis jetzt erledigten Ofthilsenanträge entfielen auf bäuer­liche Betriebe unter Einschluß der Siedler. So habe das Reich gerade auf diesem Gebiete be­reits sehr aktive Hilfe geleistet. Inzwischen hätten sich aber wirtschaftliche Erschwernisse bei der Ost- hilfe gezeigt, weil die Verschuldung einen schr großen Umfang angenommen habe. Hierauf beziehe sich die bereits vor einiger Zeit bekannt- gegebene Stellungnahme des damaligen Reichs- kommissars für die Osthilfe, Treviranus, daß man in Zukunft nur noch 25 Proz. der Osthilfe in bar leisten wolle, die übrigen 75 Proz. in Schuld­verschreibungen usw. Bei dieser Gelegen­heit sei darauf hingewiefen, daß der frühere preu­ßische Staatskommissar für die Osthilfe, Rönn- rele, der hernach in der Oftstelle der Reichskanz­lei mitarbeitete, voraussichtlich in absehbarer Zeit der neu zu ernennende Siedlungskommission als Referent für die fogenannte Randsiedlung beitreten Wird.

Regierungspräsident Sassen wird Siedlungs- kommisiar.

ERB. Berlin, 20. Okt. (Gig. Meldg.). Vor­aussichtlich werden heute vormittag die Verhand­lungen über die Neubesetzung des Siedlungskom­missariates zum Abschluß kommen. Nachdem der frühere preußische Finanzminister Dr. Hoepker- Aschoff abgelehnt hat, ist mit dem Regierungs­präsidenten Sassen Fühlung genommen wor­den. de? dem Zentrum nahe steht und als ein au­ßerordentlich tüchtiger Beamter gilt. Gr hat be­reits zugesagt und man rechnet nun damit, daß die Ernennung bald erfolgen wird. Der Sied­lungskommissar wird nicht Mitglied des Kabinetts sein, aber dem Reichskanzler direkt un­terstehen, wie die Regelung auch für den Fall gedacht war. Laß Reichsminister T r e v i r a n us diese Aufgabe übernommen hätte. Treviranus be­hält übrigens auch nach der Uebernahme des Ver- kehrsministeriums die Leitung der Osthilfe zunächst weiter bei.

Was Groeuer sagt.

Der auch zum Reichsinnenminister bestellte Reichswehrminister Groener erklärte der Presse u. a.:

Je mehr wir einen fruchtlosen Kampf im Innern vermeiden, desto mehr können wir die Kräfte einfetzen zur Ueberwindung der Not durch positive Maßnahmen. Gine der wichtigsten Aufgaben, die uns neben den wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Reichsregie­rung der Notwinter stellt, sehe ich in der L i n d e- rung der leiblichen und seelischen Not der jugendlichen G r we rb s losen. Die organisatorischen Möglichkeiten und die G e l d- mittel für diese Aufgabe sind zu gering, um von Staatswegen allein wirksame Maßnahmen schaffen zu können. Allen Verbänden und Grup­pen. die Jugendliche in ihren Reihen haben, er­wächst die Aufgabe, in dieser Frage positive M i t a r be i t zu leisten. Gs wird meine vor­nehmste Aufgabe als Reichsinnenminister fein, alle

»ti>. Tokio, 20. Okt. (Gig. Meld.) Es verlobtet, daß die 5 wesentlichen Punkte, auf deren prinzipielle Anerkennung China durch Japan besteht, ehe die japanischen Truppen aus der Mandschurei zurück­gezogen werden, vertraulich Briand, dem Leiter des Dölkerbundssekretariates in Genf, Sir Gric Drum­mond und dem amerikanischen Staatssekretär in Washington, Stimson vorgelegt wurden.

Siner Grflärung von maßgebender Stelle zu­folge sind diese fünf Punkte:

1. Japan und China sollen ein gegenseitiges Versprechen des Nichtangriffes als Garantie der gegenseitigen territorialen Unverletzlichkeit ab­geben.

2. Alle Formen der antijapanischen Bewegung, einschließlich des Boykottes, sind für immer einzu­stellen.

3. Gs soll eine Zusicherung der Sicherheit des ja­panischen Lebens und Eigentums gegeben werden.

4. Für die mit japanischem Gelde gebaute Eisen- bcchn ist eine Zahlung zu leisten und die bestehen­den Abkommen für Eisenbahnbau in der Mand­schurei sind anzuerkennen.

5. Die bestehenden Dertragsrechte einschließlich der Frage der japanischen Landpachtungen in der Mandschurei sind anzuerkennen.

Nach einer Reutermeldung aus Washington hat die japanische Regierung ihren Widerstand

Bemühungen und Versuche, die gemacht werden, um die Jugend von der Straße wegzu­bringen, sie zu Zucht und Ordnung zu erzie­hen, sie körperlich zu ertüchtigen und in ihrer gei­stigen Haltung wehrhaft zu machen, fo weit wie möglich zu unterstützen. Die in meiner Hand ver­einigten Machtmittel des Staates sind ftarf genug, um der Betätigung der aufbauwilli­gen Kräfte im Volke weiten Spielraum zu taffen. Die Jugend braucht Ideale. Sie soll die Freiheit haben, für sie zu leben, wenn sie nicht gegen den Staat gerichtet sind, sondern auf Deutschlands Zukunft.

Nachklänge.

Die Deutsche Volkspartei Badens gegen die Haltung der volksparteilichen Reichstagsftaktion.

Parteileitung, Landtagsfraktion und Bezirks­führer der Deutschen Volkspartei in Baden hiel­ten in Karlsruhe eine Sitzung ab, um zur politi­schen Lage und zur Abstimmung im Reichstag Stellung zu nehmen. An den Verhandlungen nahm auch Fmanzminister Dr. Matthes teil. Das Er­gebnis der Aussprache wurde in einer einstim- m i g angenommenen Entschließung nieder gelegt, in der es u. a. heißt: Das von der Mehrheit der Reichstagsfraktion ausgefprochene Mißtrau ens- voturn gegen das Kabinett Brüning findet nicht die Zustimmung der Par- teilettung, Fraktion und der Bezirksführer des Landesverbandes Baden der Deutschen Volkspar­tei. Die Stellungnahme der Abg. Kahl, v. Kar- dorft, Kalle, Glatze! und Thiel, die für Brüning gestimmt haben, wird gebUIigt.

Einer gewerkschaftlichen Korrespondenz zufolge sollen zwei Industrielle in Briefen an den Reichs­kanzler diesen haftbar gemacht haben für den ihnen durch die Einschränkung der Auf- sichtsratsstellen auf Grund der Notverord- nung entstandenen wirtschaftlichen Scha­den. Don zuständiger Stelle wird dazu mitge­teilt, daß von dem Eingang solcher Schreiben nichts bekannt ist. *

Berusungsverhandluug gegen Dr. Goebbels.

ERB. Berlin, 20. Okt. (Gig. Meldg.). Vor der großen Strafkammer des Landgerichtes in begann heut? eine mehrtägige Verufungsverhand- lung gegen den nationalsozialistischen Reichstags­abgeordneten Dr. Josef Goebbels, der zu dieser Verhandlung erschienen war. Dr. Goebbels ist als verantwortlicher Redakteur desAngriffs" verschiedener Artikel wegen angeklagt und zwar wegen Beleidigung des Berliner Polizeipräsiden­ten Grzstnski, des ehemaligen Polizeipräsidenten Zörgiedel, des Polizeivizepräsidenten Weiß, des Kommandeurs der Schutzpolizei Heimannsberg, des Kriminalkommissars Busdorf, des Potsdamer Polizeiwachtmeisters Buffe und verschiedener Be­amter des Bezirksamtes Schöneberg. Außerdem hat sich Dr. Goebbels wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft zu verantworten. In diesem letzten Punkte hatte die Dorinstanz, das Schöffengericht Charlottenburg, auf Freisprechung erkannt, während in den anderen Fällen Dr. Goebbels zu 1 Monat Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, wogegen sowohl Dr. Goebbels selbst als auch die Staatsanwalt­schaft Berufung eingelegt hatten. Die Verhand­lung wird mindestens zwei Tage dauern.

* Reichspräsident von Hindenburg hat an den Präsidenten der Vereinigten Staa- ten von Amerika aus Anlaß des Todes von

gegenüber der Teilnahme der Vereinigten Staaten an den Genfer Verhandlungen über den mand­schurischen Konflikt aufgegeben.

Japan zieht Truppen zurück.

tofb. Washington, 20. Oktober. (Eigene Meld.) Reuter: Zu der Meldung, daß Japan seinen Widerstand gegen Amerikas Teilnahme an der Erörterung der mandschurischen Frage durch den VMerbundsrat aufgegeben hat, wird ergänzend berichtet, daß Japan sich das Recht vorbehalte, in Fragen der Prozedur vor dem Volkerbundsrat Einspruch zu erheben. Der japanische Botschafter hat gestern aiff Grunld amtlicher Telegramme den Staatssekretär informiert, daß Japan bereits seine Truppen über den Yalu-Flu-ß zurückziehe und die Bombeniflugzeuggeschwader zurückgezogen habe. Der Botschafter teilte ferner mit, daß die Eisenbahnverbindungen wieder herge stellt werden irrdb daß die Ban­ken allmählich den Betrieb wieder aufnehmen.

*

wtb. Paris, 20. Okt. (Gig. Meldg.). Petit Parisien zufolge wird ein japanischer Kreu­zer am 23. Oktober mit Landungstruppen nach Schanghai auslaufen, weil dort die japan- feindlichen Kundgebungen zunehmen.

Gro. Exzellenz den Ausdruck meiner auftichtigen Teilnahme entgegenzunehmen. Die dankbare Er­innerung an den großen Sohn Ihres Landes wird in Deutschland unverlöschlich fortleben, gez. Reichs­präsident von Hindenburg."

* 3m Befinden des Präsidenten des preußischen Landtags, Abg. Bartels (Soz. Dem.), der in einem Berliner Sanatorium schon seit längerer Zeit krank barnieberliegt, soll eine Verschlechterung eingetreten sein.

Der Reichsrat hält am Donnerstag eine Vollsitzung ab, in der neben kleineren Vorlagen der Gesetzentwurf über den gewerblichen Rechtsschutz beraten werden soll.

* Gine Wochenschrift der dänischen Rational, sozialksten. Die dänischen Nationalsozialisten, die feit einiger Zeit in Nordschleswig eine große Pro­paganda-Tätigkeit entwickeln, ggben jetzt auch eine eigene Wochenschrift heraus. Herausgeber der im Kreise Apenrade erscheinenden Zeiffchrift ist der Arzt Dr. Clausen in Baurup.

* Das Irak-Mnifterinm ist, wie aus Bagdad gemeldet wird, wegen Meinungsverschiedenhelten innerhalb des Kabinetts zurückgetreten. 5 Mit­glieder des alten Kabinetts, darunter Premiermini­ster General Muri Pascha, sind in das neue Ka­binett übernommen worden.

Zeppelin in Pernambneo.

Das LuftschiffGraf Zeppelin", ist, wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, in der Nacht zum Dienstag um 0.30 Uhr MEZ. über dem Flug- platz von Pernambuco eingetroffen unö glatt gelandet.

Der Lalmette-Prozetz.

Gin Gutachten des Reichsgesundheitsamtes.

wtb. Lübeck, 20. Oktober. (Eig. Meld.) Am heutigen Tage des Tuberkulose-Prozesses wurde Prof. Dr. Deycke nochmals gehört. Zunächst kam ein Schreiben des schwedischen Reichsgesundheits­amtes zur Sprache, in dem auf Wunsch des Ge­richtes mitgeteilt wurde, daß die Abgabe der Impfstoffe in Schweden durch ständige Tierversuche kontrolliert wird. Der Vorsitzende fragte Dr. Deycke, weshalb solche Ver­suche nicht auch in Lübeck gemacht worden wären und ob nicht dadurch der Fehlschlag vielleicht sich hätte, früher fefistellen lassen. Dr. Dencke erwidert, er glaube nicht, daß man den Fehlschlag früher hätte erkennen können. Außerdem hätte man da­mals annehmen können, daß es sich um ein durch­aus erweitertes Verfahren handelte. Eine längere Erörterung folgte bann über das Gutachten des Reichs'gesundheitsamtes, in dem gesagt wird, daß in dem zur Untersuchung einge­sandten Material humane Bazillen gefun­den worden sind. Auf eine dahingehende Frage erklärte Prof. Dr. Deycke. daß es sich nach seiner Ansicht bei dem in dem Material gefundenen soge­nannten humanen Bazillen um zurückgeschlagene dovine Bazillen handele.

Fußballer-Auto verunglückt.

Der Torwart getötet, sieben Spieler schwer verletzt.

Ein Lastauto, auf dem sich eine Fußballmann­schaft eines Sportvereins aus Eickelborn be- tand, geriet in der Nähe von Delbrück i. Westf. in einer Kurve beim UÜberholen eines anderen Wa- aen ins Schleudern, raste in den Straßengraben ünb überfdilug sich. Ein Teil der Insassen wurde aus dem Wagen geschleudert, andere kamen unter den Wagen zu liegen. Der Torwart des Klubs wurde getötet, sieben Spieler erlitten schwere Verletzungen. *

wtb. Paris, 20. Oktober. (Eig. Meld.) Bei dem Zusammenstoß eines Privatautos mit einem Auto­bus sind die drei Insassen desPrivat- autos getötet und 6 Insassen des Automobil­omnibusses schwer verletzt worden.

Der Berliner Effeklen-Freiverkehr.

wtb. Serlitt, 20. Okt. (Eig. Meld.) Bei der sich langsam verbreiternden Basis des Telephonverkehrs ver­sickert das Geschäft als solches, so daß man den Ein­druck einer Verringerung der Umsatztätigkeit bekommt. Außerdem fehlte es heute fast vollkommen an Anregun­gen und die Kurse erfuhren daher bei relativ wenigen Abschlüssen leichte Abschwächungen. Die Festigkeit der Auslandsbörsen wirkte etwas tendenzstützend und so ergaben sich meist nur Kursrückgänge von 1 bis 2 Prozent gegen gestern. Weiter rege Nachfrage bestand nach Goldpfandbriefen, die sich gut behaupten konnten. Anscheinend suchen gehamsterte Geldbeträge auch weiter­hin Anlage, nachdem die Gefahr einer Markentwertung durch die innerpolitsiche Entspannung behoben zu sein scheint. Auch bei den Sparkassen hat sich aus denselben Gründen in dm letzten Tagen die Lage erheblich gebessert. Die Abhebungen haben wesent­lich nachgelassen, lieber die gebesserte Devisen­lage bei der Reichsbank läßt sich Positives noch nicht sagen, vor allem kann man die weitere Entwicklung noch nicht voraussehen, im Augenblick sind jedoch die Devisen- abziehungm bedeutend geringer geworden. Der Kamps zwischen Frankreich und Amerika um die Goldbestände nimmt eher noch schärfere Formen an. Aus Paris verlautet, daß, die Bank von Frankeich am Donnerstag wahrscheinlich eine neue Diskonterhöhung vornehmen will und damit die alte Relation zu Newyor- ker Diskontsatz wiederherstellen würde. Die Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Aufgabe des Gold­standards durch die Vereinigten Staaten wurde in New- yorker Bankkeifen als vollkommen unbegründet bezeich­net . Auch Kanada ergriff besondere Maßnahmen,, um die Stabilität seiner Währung zu sichern. Es hat zunächst mit sofortiger Wirkung die Ausfuhr von Goldmünzen und Goldbarren verboten. Die Bemühungen innerhalb der Maklerschaft um eine Verständigung zwischen Tele­phonmaklern und den freien Maklern herzustellen, gehen weiter. Verschiedene Vorschläge wurden hierzu unter­breitet, so z. B. den Telephonverkehr nur an drei Tagen in der Woche abzuhalten, doch sind alle diese Fragen noch in der Schwebe.

Kirche und Abrüstung.

Don besonderer Seite wird uns geschrieben:

Die Abrüstungsfrage zieht immer weitere Kreise. Man fühlt im besonderen in Europa und in Uebersee, daß der materiellen Abrüstung die moralische voraufgehen muß. Dabej wird der An­teil der Religionsgeselschaften bedeutsam sein. Auf diese Zusammenhänge kam auch der Kongreß des Weltverbandes der Völkerbundsligen zu sprechen, der Anfang Oktober in Perugia tagte.

Von der englischen Völkerbundliga tag der An­trag vor, die 36 Ligen des Weltoerbandes sollten die'Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung ihre» Landes auf die bedeutsamen Dienste lenken, die in den einzelnen Ländern durch die moralische Un­terstützung der Kirchen geleistet werden könnten. Das ist ein bedeutsamer Schritt zur Einbeziehung religiöser Kräfte in die sonst zu kalte und diploma­tische Atmosphäre der Genfer internationalen Zu­sammenarbeit. Er kann sich auch mit Recht auf das entschiedene Eintreten der Weltkonferenz der protestantischen Religionsgesellschaften für die Fra­gen der Abrüstung und des Weltfriedens stützen.

Aber in feiner Methode zeigt er zugleich ein weithin verbreitetes Mißverständnis über die Stellung der Katholischen Kirche zur Abru- stung und zur Friedensarbeit. In diesem Antrag nämlich stellt die englische Delegation den Welt­bund für internationale Freundschaftsarbeit allen anderen Kirchen als Vorbild voran und erwähnte die Religionsgesellschaften, die außerhalb des Sir« chenweltbunde's stehen, nur ganz nebenbei Es klang fast wie ein Defekt, daß sie außerhalb des Weltbundes stehen.

Lord Dickinson, führendes Mitglied der eng- lichen Delegation der Dölkerbundsliga, begründete den Antrag, in dem er recht freundlich auf die große moralische Bedeutung einer derartigen Un« terstiitzung hinwics. Aber er ging dabei völlig einseitig von englischen Verhältnissen aus.

Von deutscher Seite machte der Delegierte, Prälat Professor Dr. Schreiber, darauf auf­merksam, daß der englische Antrag sicherlich in guter und edler Absicht erfolge, daß aber vis Formulierung nicht befriedige. Die Arbeit des Weltbundes für Freundschaftsarbest der Kirchen sei gewiß sehr bedeutsam und vertrete einen namhaften Teil der kulturellen Welt. Im besonderen hätten die Tagungen 1928 in Prag sehr bemerkenswerte und eindringliche Erörterun­gen geschaffen. Aber das reicht nicht aus.

Die Geschichtsschreiber unserer Tage müssen objektiv feststellen, daß die katholische Kirche aus der Kraft der Idee und ihres Systems heraus schon längst vor der Begründung des Weltver­bandes und ohne selbst einen internationalen An« schloß suchen zu müssen, die Gebrechen des euro­päischen Staatensystems scharf herausgearbeitet und die Abrüstung mit besonderem Nachdruck ge­fördert habe, um einem großen und weitausgrei- fenden Friedensprogramm die Wege zu Wege zu bereiten.

Schon Leo XHT habe am 11. Februar 1889 in einer Konsistorialansprache über die Friedensmis­sion der Kirche und des Hl. Stuhles, auf die Ver­luste und die Gefahren des bewaffneten Friedens hingewiefen. Am 20. Juni 1894 fei er auf den­selben Gegenstand in der Enzyklika Praeclara zu­rückgekommen. (Vgl. Georges Goyau,L'Eglffe Eatholigue et le Droit International, 1925, T, S. 228.) Auch Benedikt XV. habe in feiner bekannten Friedensbotschaft vom 1. August 1917 erklärt:

Der allererste und wichtigste Punkt muß sein: an die Stelle der materiellen Gewalt der Waffen tritt die moralische Macht des Rechts: infolgedes­sen soll eine gereckte Verständigung aller über bte gleichzeitige und gegenseitige Abrüstung nach zu vereinbarenden Regeln und Garantien erfolgen, und zwar nach Maßgabe dessen, was zur Auf­rechterhaltung der öffentlichen Ordnung in den ein­zelnen Staaten notwendig und ausreichend ist. (Arnold Brüter: Die Kundgebung Papst Bene­dikt XV zum Weltfrieden. Freiburg i. Br., 1917, S. 75, 76.)

So liege die große klare und wegweisende En­zyklika Pius XI. in einer machtvoll unterbauten Gntmicflungslinie. Von Seiten der französischen Katholiken sei neulich noch auf der Internationa­len Katholikenwoche in Genf auf die sittliche Zweckbestimmung des Staates von Professor De­los mit bemerkenswerter Eindringlichkeit hinge- roiefen worden. Derartige grundsätzliche Dar­legungen erleichterten die Aussprache über die sittlichen Grundlagen des Abrüstungsgedankens. Aehnlich habe der deutsche Katholikentag in Nürn­berg in wuchtigen Ausführungen seines Präsiden­ten, des Abgeordneten Joos, für die Idee der Ab­rüstung fick einaeletzt. So sei der Katholizismus bereits in unpassenden Gestaltungen von sich aus für die Idee der Abrüstung eingetreten und eine Formulierung:Religionsgesellschaften, die noch außerhalb des Weltbundes stehen" sei in sich un­möglich, da sie der Eigenart der katholischen Kirche nicht gerecht werde. Es könne sonst die falsche Auffassung entstehen, als ob die Kirche der Legiti­mation einer internationalen Vereinigung be­dürfe, um zu großen sittlichen Menschheitsaus- gaben, im besonderen zu Fragen der Abrüstung das Wort zu nehmen. Das fei offenbar auch von der Englischen Delegation nicht gewollt.

Den Ausfiihrimaen von Professor Dr. Schrei­ber trat auch der Präsident der Italienischen Fö­deration der Völkerbundligen, Minister Giannini mit Bestimmtheit und Entschiedenheit bei, der mehr betonte, die katholische Kirche habe ganz von sich aus auf Grund ihrer Prinzipien ihre Stellung­nahme gesunden. Lord Dickinson ging auf die Ausführungen der beiden Vorredner seinerseits gern ein, dankte für die erhaltene Aufklärung und betonte, es habe ihm fern gelegen, irgendwie mit feinem Antrag in die Form der internationalen Wirksamkeit der katholischen Kirche eingugretien. Die Resolution wurde entsprechend abgeändert und

Thomas Edison nachstehendes Telegramm gerichtet:Zum Tode des genialen Erfinders Tho­mas Euison, der mit schöpferischem Geiste dem Fortschritt der Menschheit gedient hat, bftte ich

Beöingungen für Mandschurei-Räumung.