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NILS

Beilage zur Fuldaer Zeitung

IS. Oktober

Die Kiefern.

Don Stefan Musins.

Zu Taufenden stehn dichtgeschart sie auf des Waldes kargem Boden, schmalhalsig, dürstend aufgereckt, als würde jedem Luft und Licht vom anderen gestohlen. Ein Massenaufgebot herrschte sie an; Jäh mühen Stämme sich empor, entfalten spärlich grünen Flor, Aststümpse starren todbedrängt, die Rinde ächzt, die Krone hängt die arme kümmerliche Krone, durchlöchert und zerfetzt, ob ihres eignen Daseins tief entsetzt.

Die vielen tausend aber bilden einen Wald.

Zu ihren Füßen äsen Rehe, das Heidekraut spannt seinen bunten Teppich aus die Vögel hüpfen froh hinein, hinaus---

Und wenn der Sturmwind durch die Wipfel hallt, dann braust ein Lied aus von bezwingender Gewalt

Südtiroler Volkskunst.

Von Dr. Otto Brandt- Dresden.

Ueberall da, wo stärkerer Verkehr einsetzt, mischt sich bald die Bevölkerung, sind alte Sitten und Bräuche raschem Untergang geweiht. Im Flachland, in der Ebene, vollzieht sich dieser Prozeß schneller als im Gebirge, und namenttich einzelne Alpentäler weisen überraschende Widerstandskraft auf, gleich als ob die hohen Bergketten, die oft nur mühsam zu überschreiten­den Joche natürliche Schranken bilden.

Zu ihnen gehört auch das Grödner Tal oder, wie es seit dem Frieden von Saint-Germain amtlich heißt, das Bal Gardena, das bei Waidbruck ins Eifacktal mündet Etwa 20 Kilometer lang, ist es von gewaltigen Dolo­mitbergen umgeben und in seinem oberen Teil überaus malerisch. Don leichten zu schwierigen Touren bietet sich mannigfache Gelegenheit, und die Uebergänge Wer das Grödner- und Sellajoch wurden einst oft ausge- fühtt.

Bis etwa Pontioes ist die Sprache deutsch, von da an ladinisch, wenn auch von der ganzen Bevölkerung das Deutsche verstanden wird. In diesem ladinischen Gebiete liegen die Orte St. Ulrich (Drtifei), St. Chri­stina und Wolkenstein (Selva). Wichtig als touristische Mittelpunkte und zugleich auch als Mittelpunkte alter heimischer Kunstübung: der Bildschnitzerei.

Aus älterer Zeit haben sich zahlreiche holzgeschnitzte Kreuze, Madonnen, Heiligenfiguren und Flügelaltäre erhalten. Berühmt ist die Kreuzigungsgruppe in Inni- chm (San Candido), die noch den strengen monumen­talen Stil des 12. Jahrhunderts aufweist. Ihren Höhe­punkt hat diese Kunst der Bildschnitzerei in den natura­listischen Arbeiten der späten Gotik erreicht, unter denen wiederum Michael Pacher und seine Werkstatt in Brun- eck lm Pustertal das Vollendetste geleistet haben.

In diesen Zusammenhang gehört auch die Grödner Bildschnitzerei, sie ist der letzte Nachklang einer alten, heimischen Kunstübung, die seit dem 17. Jahrhundert bewußt gepflegt wird und heute in St. Ulrich ihren Mittelpunkt hat, wo eine Fachschule für eine vertiefte Ausbildung sorgt.

Anders als im sächsischen Erzgebirge ist die Arbeit der Bildschnitzer in Tirol. Beide stimmen nur darin überein, daß sie Hausindustrien und alle Familienmit­glieder daran betellgt sind. Während aber dort vor­nehmlich Spielwaren hergestellt werden, ist das in Südtirol nicht der Fall. Und wo es geschieht, bedient man sich einer ganz anderen Arbeitsweise. Im säch­sischen Erzgebirge wird dem Arbeiter bereits die im Holz fertig ausgebildete Form, derRing" geliefert, aus dem durch Abspalten die Form im einzelnen ge­wonnen wird. Hier liegt die Sache anders: Jeder Arbeiter bildet die Gestalt unmittelbar aus dem Holz selbst heraus, wenn auch meistens nach einem gegebe­nen Modell. Das erfordert eine größere Fertigkeit uns führt naturgemäß auch zu einem größeren Figuren­reichtum. Ganz eigenartig ist, daß die Gestalten viel­fach die Gesichtszüge der heimischen Bevölkerung auf- weisen, was sich wohl barus erklärt, daß hier eine

unbewußte Erlebnissorm vorherrscht. Jene Form der Arbeitsteilung ist unbekannt. Die für die erzgebirgische Spielwarenfabrikatiou bezeichnende Arbeitsteilung die jedem vom Aeltesten bis zum Jüngsten seine ge­nau bestimmte Aufgabe zumeist, kennt man in Tirol nicht. Der einzelne leistet im Grödner Tal nicht Teil­arbeit, sondern bleibt mit seinem Werk von Anfang bis Ende verbunden, und der Unterschied zwischen den ein­zelnen Arbeitskräften besteht darin, daß ihnen je nach ihrer Leistungsfähigkeit eine verschiedene Arbeitsaus­gabe gestellt wird.

Doch die Spielwarenherstellung bildet Werhaupt nicht den wichtigsten Teil der Grödner Bildschnitzerei, son­dern das sind kirchliche Arbeiten: einzelne Heiligenfi­guren wie auch ganz große Altäre. Was man da steht ist handwerklich vottrefflich durchgebildet, bleibt aber künstlerisch weist im Konventionellen stecken. Der künstlerische Höhepunkt, den die Grödner Bildschnitzerei um 1800 hatte, wurde noch nicht wieder er­reicht, wenn auch zweifellos die jüngere Generation ihre Ziele wieder höher gesteckt hat. Während lange Zeit das Formalschöne im Vordergrund stand, Haltung und Bewevunq aber durchaus tyvisch blieben versucht man neuerdings eine tiefere Wirkung durch lebendige Bewegung und stärkere Charakteristik zu erreichen. Jn- destenmodern" in unterem Sinne wirkt kaum eine der Gestalten oder Szenen.

An dieser Volkskunst, in der etwa 2500 Menschen ihren Unterhalt finden wie denn in Ulrich wie auch in Wolkenstein in jedem Hause geschnitzt wird, ist die Gegenwart nicht unbemerkt vorübergegangen. Auch hier hat der Friede von Saint-Germain tiefgreifende Wirkungen hervorgebracht. Einmal dadurch, daß es nicht mehr möglich ist, das am besten geeignete Holz, Zirbelholz, aus dem Oetztal einzuführen: man muß also mindergeeignetes verwenden. Neben das Zirbel­holz trat die einheimische Lärche, doch hat dieses Hol; den Nachteil, daß es leicht springt und platzt, so daß die Figuren allegeflickt" werden muffen; die oft zenti­meterbreiten Risse und Sprünge verkeilt man mit Holz. In Wirklichkeit ist der Schaden nicht so groß, weil fast alle Kirchenfiguren bemalt werden und damit dieser Schönheitsfehler ohne weiteres verschwindet.

Zum anderen aber hat die Grödner Holzichnitzere! seit dem Weltkrieg einen großen Teil ihres Absatzge­bietes verloren, so daß sie sich vegenwärt'g in w'ttlchall- licher Bedrängnis befindet. Aufgehört hat die Ausfuhr nach dem alten Oesterreich, vor allem nach Galizien, und ferner nach Rußland. Hauptabnehmer sind jetzt England und Nordamerika, während nach dem eigent­lichen Italien nur wenig geht.

War es früher einigermaßen umständlich, in das Tal zu gelangen, so ist der Zutritt jetzt wesentlich er­leichtert. Während des Krieges haben in vier Monaten 5000 russische Kriegsgefangene eine kühn angelegte Dahn von Klausen bis nach Plan gebaut, die als Haupt- nachschublinie für die österreichischen Stellungen im Marmolataabschnitt diente. Hoffen wir, daß sie in Zu­kunft wieder recht viele Deutsche in diese sonnigen Ge­genden Südtirols führt!

Was das Flöz erzählt...

Von Hanns Hauser, Oberhausen.

Du Nacht ohne Tag. Du in Stahl und Eisen Holz und Mauer von uns gefesselte Urgewalt der liefe.

Titanengeschlecht der Unterwelt! Ihr schweiß­glänzenden kohleschwarzen Leiber in Strecke und vor Ort im Aufbruch und Streb seid mir gegrüßt. Glück­auf uns allen, die wir hier unten wirken und schaffen in ewig nachturnsangener Tiefe. Und seid mir gegrüßt ihr ratternden Rutschen ihr stampfenden Bohrhäm­mer ihr Lusthacken in schwieliger Faust . . .

Seid gegrüßt ihr steilen Pfeiler du in schwarzem Firnis glänzendes Flöz!

Steilaus reckt sich die Strebe hinan ... vor mir Neben mir im Schein meiner Lampe glänzt liessckwarz die Kohle das Flöz der Natur bestes Geschenk an die Menschheit.

Steilaus reckt sich das Flöz und eine gigantische Welt der Urzeit tut sich auf.

Düstere wesenlose schattenhafte Gewässer däm­mern im kalten Schein der Gestirne. Fernher tost die

Die Augen des unbekannten Soldaten.

141 Roman von Paul Edmund von Hahn.

Covvrigbt bv Knorr und Sirtb. G.md.H. München

16.

Maria stand vorne am Bug des langsamen Damp­fers und blickte in die Nacht hinaus. Unbeweglich stand sie mit seemännisch gespreizten Beinen und tief in die Taschen vergrabenen Händen. Bergmann saß neben ihr auf einer Taurolle. Sie schwiegen.

Das Schwarze Meer breitete vor ihnen die unfaßliche Schönheit seiner Frühlingsnächte aus.

Platschend schossen vor dem Schiff öie plumpen Lei- der der Delphine auf und zeichneten mit mattgänzender Rückenflosse strahlenförmig immer wieder aufleuchtende Spielwellen auf das dunkle Wasser, die dann der weiße Gischt des oordrängenden Buges verschlang.

Maria lächelte dem stillen Spiele zu. Sie sagte leise: Mann kann stundenlang diesen kleinen Wellen zusehen. Sie sind wie ftöhlich hüpfende Gedanken, die so lustig an der Oberfläche blitzen, daß man gar nicht an die schwarze Tiefe denkt, die unter ihnen liegt!"

Bergmann erhob sich, trat an ihre Seite und erfaßte ihren Arm. Er sprach eindringlich:Und doch Ma­ria, muß man tiefer denken. Sie haben mir noch immer nicht gesagt, was Sie von dem Telegramm hal­ten."

Maria wandte ihr verdüstertes Gesicht aus dem Hel­len Mondlichte zur Seite. Fester noch ballten sich ihre Fäuste in den Taschen. Ihre Stimme klang spöttisch: Was soll ich davon halten? Ich habe Ihnen schon ge­sagt, daß ich diesen Hauptmann, der sich da so plötzlich erschossen hat, nur mit Ihnen zusammen gesehen habe." Sie stockte und es kostete sie einige Ueberroinbung, um scheinbar ungezwungen weiterzusprechen: ,^Ich habe ihm nie Material übergeben!"

Bergmann atmete auf. Hastig erklärte er:Es ist ja nur eine Anfrage des Chefs, ob jenes Material über die letzten Truppenverfchiebungen auch von Ihnen stammt. Das erste habe ja ich persönlich übergeben und," er atmete wieder freier,das hat ja gestimmt. Gott sei Santi"

Fester umfaßte seine Hand den Arm Marias.Es wäre ja denkbar, daß man drüben eiligst die Dispositio­nen geändert hat, falls man daraufgekommen ist, daß sie von Ihnen kopiert wurden." Leiser fügte er hinzu: Mir war ja nur der Gedanke schrecklich, daß Sie ohne mein Wissen . . . hinter meinem Rücken, gehandelt hät­ten. Und daß man Sie jetzt am Ende zur Verantwortung ziehen könnte!" Er fuhr sich über die Stirne.Sie wissen ja, wie ungern ich mich in die ganze Geschichte eingelassen habe. Aber die Nachrichten aus der Heimat waren so trostlos, und Sie, Maria . . .", ganz leise flüsterte er, Sie wären doch sonst nicht mit mir gegangen."

Maria schwieg.

Vergebens versuchte Bergmann ihr ins abgewandte Gesicht zu sehen; er zwang sich zu lauterem, fröhlichem Tone:Also, Maria, ich glaube, das wäre abgemacht. Ich hätte ja eigentlich laut Auftrag vorsichtig und ohne Angabe des Beweggrundes vorgehen müffen, aber." Er lachte nun wirklich frei auf:Meinen Kameraden Maria werde ich doch nicht bespitzeln, da kann ich doch einfach und offen fragen." Er drehte mit sanfter Gewalt Maria zu sich herum.Also, ich kann antworten, daß mir das gesamte Material bekannt ist, welches Sie mit­brachten, und daß die in Frage stehenden Mitteilungen nicht von Ihnen dem Hauptmann Wergeben wurden?" Mit einer ein wenig wegwerfenden Handbewegung fügte er hinzu:Es ist ja schade um ben armen Kerl; hat sich anscheinend von den Bolschewisten blenden lassen. So wird es wohl gewesen sein. Also ich darf antworten?"

Maria starrte noch immer auf das Meer hinaus. Bei der zweiten Frage Bergmanns zuckte sie auf; ihre Augen weiteten sich, als sähe sie ein schreckliches Bild. Ungewöhnlich leise antwortete sie:3a, Sie müssen so antworten!

Bergmann ging. Er fühlte sich von einem Drucke be­freit; sein Vertrauen in Maria war so vollkommen, war so sehr durch die Ereignisse in Rezna und seine eigene

Brandung einer Urfee. Riesenhafte Farne und Schach­telhalme bilden Wälder. Wurzeln heben sich hoch aus schwarzem moorigem Geprodel da und dort ein Riesenbaum gestürzt halb versunken in Moor und Wassern geädert und geschuppt die Rinde Schup­penbäume der Steinkohlenzeit.

Und die schwarz brodelnde Ursee schwingt ölige Wellen an das einsame Gestade. Leblos? Nein! Dort gibt die Flut am Farnwald dem Geschöpf Raum, das in dieser Welt fein Leben fristet. Ungefügen Leibes hebt sich der Torso des Urmolches der Steinkohleze't aus dem Morast. Und dort wieder im seichten Uferschlamm wälzen sich fonberb'""« Gebilde halb Wurm halb Raupe in häßlicher Größe. Fußpaar an Fußvaar recht sich. An der schuppigen Unterfeite ist es der riesenhafte gigantische Urahne unseres heutigen Taufendfußes Was sagen Namen, die Menschengeist erfunden. Rätsel der Urzeit, wer wird sie gänzlich lösen!

Und neben mir glänzt das Flöz im Lampenschein silbern. Tastend stteicht meine Hand über die wallende schwarze Locke des Kindes der Urerde.

Und Stürme wachen auf, überschütten die öde Land­schaft der Steinkohlenzeit mit ihren Gewalten. Sie rer- ßen die Wälder der Farne und Schuppenbäume nieder in ben Grunb der Urwasser. Aeonen hindurch schlägt sich der Abfall das Sterben und Vergehen der Ur­natur zu Boden. Don fernen Wüsten bringen Sand- maffen herein in die brodelnden Moore der Steinkoh­lenzeit, decken die farnholzgetränkten Moore in dichter Schicht. Aeonen vergehen. Vor mir über dem Flöz glänzt der gelbe Sandstein wechselt jählings über in buntelgefätbten Schieferstein und wieder Kohle Flöz Stein und Kohle in ununterbrochener Reihe.

Du schwarzlockiges Kind der Urerbe Kohle lausche weiter an der Brust ber Natur, höre ben leisen Herzschlag bes ewigen Werbens und Vergehens. Und ein Wort klingt in ber ewigen Stille der Nacht auf: Im Anfang schuf Gott Himmel unb Erde . . .

Wieber streicht meine Hanb über bie schwarzen Locken des Kindes der Urerbe unb es klagt: ine Men­schen droben haben mich gepeinigt. In alle Fasern meines. Seins wollten sie einbringen. Sie suchten den Weg rückwärts. Tastend an ben geringen Spuren, die ich ihnen bot blieb mein Geheimnis lange, lange Zeit mein eigen bis zu ber Stunbe, als es nur ein Großer in begnadeter Stunde entriß; als er mich meiner Farbe entkleidete und er sah, daß ich Zelle bin und war.

Und es klang wie verhaltenes Schluchzen das Flöz entlang. Der Mensch hat mein Geheimnis enträfelt, hat mein Dasein entweiht. Mit beiden Händen taste ich nach dem Flöz. Ich ruf es laut in den Streb hinauf: Nein nein! Nicht entweiht! Wir mußten zu dir kommen unb bich an bas Licht des Tages schaffen, denn du bist ber Natur bestes Geschenk an bie Menschheit.

Dom Ott her rattern bie Lufthacken, fressen sich mit roilber Gier in ben Schoß der Erde. Polternd brechen Kohle und Stein in die Schüttelrutschen rumpum rumpum. Krachend bersten wett droben im Auf­bau bie Sprengschüsse, reißen Trichter in bie jung- sräuliche Urwelt. Lampen gleißen auf in Dunst unb Staub, verwischenden Schein werfend. Flüche hallen auf. Unb dort ein wilder Schmerzensschrei. Ein stil­les Wimmern folgt. Aus dem Hangenden krachen Ge­stein und Kohle über zuckende Selber. Nun jähe Stille Hat sich bas Flöz gerächt?

perlen, die in Deutschland wachsen.

petlmufdjettolotüen in Deutschland. Farbige perlen. Alle 12 bis 15 Iahre wird abgefischt. Die Perlenzange rettet den Muscheln das Leben.

Für ben Laien schmelzen die Begriffe Perlen, Au­stern, Orient zu einem zusammengehörigen Ganzen zu­sammen. Er kann sich die Perle gar nicht anders als ben südlichen Meeren entstammend vorstellen, unb er ahnt nicht, daß er gar nicht so weit in die Ferne zu schweifen braucht, um Perlen suchen unb finden zu können, daß, wenn er Deutscher ist, er dies sogar in sei­nem Vaterland« tonn. Diese kostbaren Juwelen kom­men nämlich nicht misschließlich in Seeschalentieren, wie z. B. der Seeperlmuschel, der Auster und ber Mies­muschel vor. Es haben auch einige Süßwassermuscheln, vor allem bie Flußperlmuschel, deren Heimat Deutsch­land ist, bie sonderbare Gewohnheit, Fremdkörperchen die zufällig zwischen Schalen unb Tiere geraten, mit konzentrischen Schichten aus ber Absonberung des Man­tels zu umgeben und so im Laufe der Jahre die be­gehrten Petten zu schaffen. Diese Flußperlen sind zwar nicht allzu häufig, können aber in solcher Vollkommen­heit vorkommen unb weisen manchmal einen solchen Schmelz unb Schimmer auf, daß sie selbst ein gewiegter Kenner von orientalischen nicht unterscheiden kann.

Allerdings enthält nur ein sehr geringer Prozentsatz ber gefischten Flußperlmuscheln Perlen von so guter Qualität. In ber Regel sind unter 100 gefischten Fluß Perlmuscheln höchstens zehnperlträchtig", das wären also ein Prozent. Das Zahlenverhältnis zwischen ge­fischten Muscheln und erbeuteten guten Perlen ist aber noch viel ungünstiger, da sehr häufig grüne, rote, gelbe braune und schwarze Perlen vorkommen, bie einen weit geringeren Wett hoben. Jeboch hat man be­obachtet, daß sich farbige Perlen, wenn man bie Mulche! samt Inhalt wieber ins Wasser setzt, im Laufe ber Jahre in weiße verwanbeln.

Ein sicheres äußeres Kennzeichen, aus bem man auf das Vorhandensein von Perlen schließen könnte, ohne die Muschel zu öffnen, gibt es nicht, doch erklären bie Perlfischer, daß bieWeißrinne", eine charakteristisch geformte Vertiefung an der Außenseite ber Schale, auf die Anwesenheit von Perlen beuten soll.

Die Flußperlmuschel und ihre Perlen sind schon feit Jahrtausenden bekannt doch wurde in früheren Jahren

ausgesprochene Raubwirtschast getrieben. Man machte es genau so, wie man es heute bei ber Gewinnung ber Seeperlen macht, tötet die Muscheln unb untersucht bann erst die toten Tiere. Das war natürlich so un­wirtschaftlich wie möglich unb ganz dazu geeignet, die Muschelkolonien vollständig zu vernichten. Seit unge­fähr fünf Jahrhunderten werden aber die Flußperl­muscheln in Deutschland, d. h. nämlich in ben in Be­tracht kommenden Gebieten, wie Bayern, Oberfranken, Sachsen, systematisch gehegt und sind Kroneigenttmi, besser gesagt Staatseigentum bes betreffenben Landes. Man erfand ein Verfahren, die Muscheln mit geeig­neten Instrumenten zu öffnen und ihr die Perle zu ent­nehmen, ohne dabei das Tier zu verletzen, unb setzt die geleerten Muscheln wieder aus. Die dabei ver­wendeten Jnsttumente sind mehrere Jahrhunderte alt unb haben sich merkwürdigerweise in fast unveränderter Form bis auf den heutigen Tag erhalten.

Der Vorgang bei der Perlenfischerei ist einfach. Die Muscheln werben vom Fischer in ein mit Wasser ge­fülltes Gefäß gesammelt, mit ber Perlenzange geöffnet, bie Perlen herausgenommen, mit bem Munbe von dem ihnen anhaftenden Schleim gereinigt unb bem Kon­trolleur übergeben. Die Schalen der untersuchten Mu­scheln versieht man mit einem Zeichen und setzt die Muschel dann wieder in ben Bach.

Die Perlgewässer sind in eine Anzahl Reviere ein­geteilt, deren jedes alle 12 bis 15 Jahre einmal abge­fischt wird. Oesters ist dies nicht angängig, da die Muschel nur in kalkarmen Gewässern lebt unb daher lange Zeit braucht, bis ber Mantel bie zur Perlen­bildung erforderliche PerlensWstanz, bie in der Haupt­sache aus Kalk besteht, absondert. Die Flußperlmuschel hat eine ziemlich lange Lebensdauer, nämlich 60 bis 100 Jahre, wie man an mit Zeichen versehenen Tieren festgestellt hat.

Der Ertrag der Flußperlenfischerei ist verhältnis­mäßig gering. Im Jahre 1915, einem Verhältnis-

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wirksam bei Erkältungen. Auch mit Menthol.

Rettung bekräftigt, baß es feinem geraden Sinne unmög­lich war, Verrat bei dem Menschen zu vermuten, der für ihn mehr als ein Kamerad in schweren Stunden und Ge­fahren war, und der nur durch diese vertrauensvolle Ka­meradschaft über den Geschlechtern Bergmanns Werben um bie Frau in Maria zurücktreten ließ.

Als er gegangen war, ließ sich Maria langsam unb steif auf ben aufgeschichteten Tauen nieder. Noch immer bereitete ihr die Frauenkleidung, ber sie sich während ihrer Tätigkeit in ber Tscheka völlig entwöhnt hatte, Un­behagen. Selbst der kurze, fdjritfreie Rock ihres englischen Reisekostüms behinderte sie. Es mar ihr, als zwänge sie diese Kleidung gegen ihren eigenen Willen, sich wieder so zu benehmen und zu bewegen wie vor ihrer Flucht aus bem Institut.

Vorgebeugt, bot sie ihr gedankenerhitztes Gesicht dem zugigen Meerwinde. Aus den hellen Wellenlinien der leuchtenden Nacht woben sich ihr mit unverscheuchbarer Grellheit Bilder. Sie sah ben kleinen Hauptmann, der sich nun wie bas Telegramm berichtete er­schossen hatte, ihr gegenüber im heimlichen Hinterstüb- chen einer kleinen Konditorei sitzen. Sie hörte wieder ihre eigenen stockenden Worte, hinter deren quälenden Erzwungeicheit die grausame Drohung Polkins stand, die ihr immer wieder auf heimlichen Kanälen zuging und vor Augen gehalten wurde: Wenn sie nicht aus­führte, was Polkin befahl starb die Mutter! So wurde sie weiter getrieben, vom heimlichen Verrate zu heimtückischem Ausfragen und zur verräterischen Aus­nützung des Vettrauens, das Bergmann und die allen Kameraden ihres Vaters ihr entgegenbrachten.

Dieser kleine Hampelmann tat ihr eigentlich schon da­mals leid. Er selbst hatte den Anstoß zu jener heim­lichen Zusammenkunft gegeben. Matta kannte auch die Gründe, aus welchen dieser kleine, glatzköpfige Offizier mit dem vergrämten Gesicht gerne auf ihren Vorschlag einging, das ihm von ihr übergebene Material über die angeblichen roten Truppenverschiebungen nicht als von ihr Maria kommend anzugeben. Sie wußte, daß dieser Mann eine große Familie, keine Protektion unb kein Kapital besaß. Ein kleiner Jnsantetteoffi- zier, der sich mühselig hinaufgearbeitet hatte und dazu noch recht beschränkten Geistes war. Nach kurzem lieber-

legen ergriff er gerne die Gelegenheit, durch Vorlage angeblich von ihm persönlich beschafften Materials seine dienstliche Position zu festigen.

Als Maria diesen Befehl Polkins ausgeführt hatte, fiel es ihr nicht mehr schwer, dem Mann, mit dem sie nun schon eine Heimlichkeit verband, einzureden, sie arbeite im Dienste einer europäischen Großmacht, der daran gelegen sei, authentische Nachrichten aus dem dem Hauptmann dienstlich zugänglichen Material zu besitzen. Da diese Großmacht als Verbündeter galt und Maria zu gut eingeführt war, als daß ber Hauptmann an ihren Worten hätte zweifeln können, war es die Sache zweier weiterer Verabredungen, ihn dahin zu bringen, von Maria Geldsummen in Empfang zu nehmen, die angeblich einen Teil jener Zahlungen darstellten, die Maria von den verbündeten Auftraggebern für das zu­gestellte Material erhielt. In Wirklichkeit waren dies natürlich Summen, die Polkins Agenten zu diesem Zwecke auszahlten.

Jedesmal bei Erledigung eines solchen Auftrages wehrte sich Matta dagegen. Jedesmal aber zwang sie die fürchterliche Drohung Polkins zu neuer Tat. Daß sie keinen Teil an bem ihr zugeleiteten Gelbe haben wollte, bezeichneten die bolschewistischen Agenten lachend als Dummheit. In diesem Punkte jedoch hatten sie sie nicht überreden können, dieses Geld erfüllte Maria mit einem derartigen Ekel, daß sie sogar körperliche Be­rührung damit nach Möglichkeit vermied.

Nun packte sie bie Nachricht von bem Tode bes klei­nen Hauptmanns dennoch mit fürchterlicher Gewalt. Hatte sie denn ein Recht, um die eigene Mutter zu ret­ten, einen sonst anständigen Menschen in entehrende Schande zu treiben, den Kindern nicht nur ben Vater zu nehmen, sondern auch sein Andenken für sie zu be­sudeln? Dort in der Ferne wurde der kleine Haupt­mann mit dem vergrämten Gesicht, mit durchschossener Schläfe, heimlich irgendwo verscharrt, und sie Maria Rukow, die wirkliche Verräterin, genoß Vertrauen unb Achtung.

Ein jäher Schmerz durchzuckte sie. Was war, wenn einmal Bergmann bahinterkam? Es erschien ihr un­denkbar, die nertrauenbe Freundschaft dieses Menschen einmal verlieren zu müssen. Es war das einzige, was