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Anzeiger für die Stadt Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 240

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift* :: leitung 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Samstag, 17. Oktober 1931.

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Zahl«. 58.

Jetzt wird abgestimmt.

Die Reihenfolge der Abstimmung. Die Entscheidung fällt bei den von der Rechten und den Kommunisten eingebrachten Mitztrauens-voten. Die Wirtschaftspartei für Brüning.

In dem Augenblick, in dem diese Zeitung er­scheint, geht die Debatte im Reichstag ihrem Ende entgegen. Man weiß noch nicht, ob der Kanzler noch einmal das Wort ergreift. Jedenfalls geht die allgemeine Ansicht dahin, daß in der nächsten Stunde die politische Entscheidung durch die Abstimmung über die von der rechts- und linksradikalen Opposition eingebrachten Miß- trauensanträge fallen wird.

Die Parteien rechts vom Zentrum, Deutsche Volkspartei, das Landvolk und die Wirtschafts­partei haben noch bis zum letzten Augenblick hin und her überlegt. Hoffentlich sind in ihren Reihen genügend vernünftige Männer, die den Mut und die Einsicht haben, ohne Rücksicht auf die Parteiparole das einzig richtige zu tun und gegen die Mißtrauensanträge und damit für die Weiterführung der Erfolg ver­heißenden Politik Brünings zu stimmen.

Bemerkenswert ist, daß in letzter Stunde alle aus dringenden Gründen auswärts weilenden Reichstagsabgeordneten herangerufen wor­ben sind. Don Lindeiner-Wildau, der frühere deutfcbnationale Abgeordnete Hessen-Nas­saus, der bekanntlich für Brüning eintritt, ist trotz seiner schweren Erkrankung in letzter Stunde aus dem Süden nach Berlin gekommen. Der preu. ßische Ministerpräsident Braun, der dem Reichs­tag angehört, und infolge einer schweren Erkran­kung zur Zeit eine Kur gebraucht, soll mit dem Flugzeug noch rechtzeitig zu den Abstimmungen in Berlin eintreffen.

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E R B. Berlin. 16. Ott. (Cig. Meld.) Bei den Abstimmungen wird heute nachmittag so verfah­ren werden, daß an der Spitze der Mißtrau­ensantrag gegen bas Gesamtkabi­nett steht. Vielleicht werden die Mißtrauens­anträge gegen einzelne Kabinettsmitglieder be­reits dadurch erledigt. Der Antrag auf A u f h e - brrng der Notverordnung wirb mit star­ker Mehrheit abgelehnt werden, und zwar schon mit Rücksicht auf die schweren Folgen, die sich durch die Aufhebung der Notverordnung für unser ganzes gesetzliches Leben ergeben würden. Die Anträge auf Abänderung der Notverordnung werden dem Hauptausschuß überwiesen. Die Parteien haben sich dahin geeinigt, daß der Aus­schuß im November darüber berät. Der Der- tagungsantrag, der die Abstimmungsfolge beendet, lautet auf Vertagung bis zu einem Da- tüm im letzten Februardrittel. Er wirb sicher angenommen werden, da auch die So­zialdemokraten sich mit ihm einverstanden erklärt haben.

*

VDZ. Berlin, 16. Okt. (Eig. Meldg.). Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei wird mit großer Mehrheit gegen das Kabinett Brü­ning stimmen. Don einem Fraktionszwang wird abgesehen. Vereinzelte Mitglieder wer­den sich sich der Abstimmung enthalten. Der Se­nior der Partei, Prof. Dr. D. Kahl, stimmt, ein aufrechter Mann, für das Kabinett Brüning.

t *

DDZ. Berlin. 16. Okt. (Eig. Meldg.). In den Nachmittagsstunden wurde im Reichstag bekannt, daß di« Wirtschaftspartei gegen di« Mißtrauens­anträge stimmen würde. Es ist jedoch noch nicht sicher, ob alle Mitglieder der Fraktion dieser Pa­rot« folgen werden. Die Aussichten des Ka­binetts Brüning werden jetzt allge­mein günstig angesehen.

Die Freitags-Sitzung.

DDZ. Berlin. 16. Oktober. (Eig. Meld.) Reichs­tagspräsident Löbe eröffnete die'Sitzung um 12 Uhr. Zunächst wird eine Entschließung des Kriegs- beschädigten-Ausschusies zugunsten ' der Kriegs­beschädigten debattenlos angenommen.

Die Bussprache über die Regierungserklärung wird dann fortgesetzt.

Abg. Dr. Rippe! (Christlich-Sozial)

Es geht heute um mehr als um ein Kabinett. Es geht um die Schicksalsfrage des deutschen Vol­kes. Schrittmacher der radikalen Flügelparteien sind die rücksichtslose Po­litik Frankreichs und die schwere wirt­schaftliche Not. Eine weitere, Unterstützung hat die Agitation der Flügelparteien gewonnen durch die Sünden der früheren Regierungen. Die Rechtsopposition verdächtigt in ihren Versammlungen den Reichskanzler Dr. Brüning seit langer Zeit. Darum ist es er­freulich, daß gestern Adolf Hitler erklärt hat, er wolle Brünings Unantastbarkeit in kei­ner Weise anzweifeln. Die Parteigenos­sen Hitlers haben sich bisher leider anders ver­halten. (Lauter Widerspruch der Nationalso­zialisten. Dr. Frick und Dr. Goebbels rufen:Wir haben das auch nie getan 1")

Herr Dr. Goebbels, wenn Sie in IhremAngriff" Dr. Hugenberg und seine Partei als einenMisthaufen" bezeichneten, dann wundert es mich, daß Sie 6 Wochen später mit diesemMisthaufen" eine Einheitsfront bilden. Die Nationalsozialisten laufen jetzt Sturm ge­gen die Brünings-Notverordnung, in der die Kürzung der hohen Pensionen, die Kontrolle der Großbanken

und Kartelle angeordnet wirb. Das sind doch Forderun­gen, die die Nationalsozialisten früher selbst propa­giert haben. Die Ausführungen des Abg. Dr. Din» geldey waren wenig klar; aber ich habe den Eindruck, daß sie beginnen und enden mit der Forderung der Senkung -er Löhne und der Auflocke­rung der Tarifverträge. Weder Dr. Singel» dey noch Dr. Oberfohren haben ein Einschreiten gegen die preisverteuernde Politik der wirtschaftlichen Groß­konzerne und Kartelle gefordert. Das deuffche Volk trägt harte Opfer, wenn die Not des Vaterlandes es erfordert, wenn die verschwenderische Wirt­schaft der Privatwirtschaft und der Kommu­nen auch in der jetzigen Notzeit fortgesetzt wird. Heute ist es nicht zu rechtfertigen, wenn der Intendant des Duisburger Stadttheaters ein Gehalt von 40 000 RM. bezieht und wenn die Generaldirektoren der Großindustrie, die der Rechtsopposition sehr nahe stehen, heute noch Gehälter bis 800000 Mark erhalten. In aufreizendem Gegensatz dazu stehen die niedrigen Gehälter der kleinen Beamten, von denen nach Abzug der durch die Notverordnungen verfügten Kürzungen für sich, Frau und Kind ganze 81 Mk. als Monatseinkommen hat. Haben die Nationalsozialisten die Absicht, gemeinsam mit Hugenberg die Sozial« Versicherung zu zerschlagen? Wie steht es heute bei den Nationalsozialisten mit der Entthronung der Bank- und Börsenfürsten? Mit solchen gaitatorischen Forderungen haben die Nationalsozialisten ihre Bewe­gung groß gemacht und jetzt stellen sie diese Bewegung den Bank- und Börsenfürsten zur Verfügung. Wir können in dieser Notzeit den Klassenkampf nicht ertra­gen, der von rechts proklamiert wird. Wir brauchen eine Arbeitsgemeinschaft, in der auch die G e w e rk» schäften aller Richtungen vertreten sind.

Abg. Dr. Neubauer (fiomm.).

führt aus, die privatkapitalistische Wirtschaft in Deutschland sei bereits vollständig bankrott. Sie werde nur gehalten durch die riesigen Subventio­nen, die ihr vom Reich aus den Opfern der armen Steuerzahler zugeführt werden. Die Deutschnatio­nalen seien an dieser Aussaugung des Volkes durch den internationalen Kapitalismus stark beteiligt. Wir stellen an die Nationalsozialisten die fontrete Frage: Würde Hitler als Leiter her deutschen Außenpolitik Frankreich erklären, daß er die Tri­butzahlungen einstellt? Nein, das würde er nicht tun. Er würde in Paris Bedingungen unter­schreiben, gegen die alles das ein Kinderspiel ist, was jemals Hermann Müller oder Brüning unter­schrieben haben. Hitler muß dann um die Gunst Frankreichs betteln, weil Frankreich sonst die deutsche Wirtschaft zerschlägt, von der die Hitler- bewegung finanziert wird. Nur der Kommunis­mus im Bunde mit Sowjetrußland kann das deutsche Volk aus der Not erretten.

Abg. Molläkh (Wirkschaftspark.)

verliest eine Erklärung feiner Fraktion.

Die nationale deutsche Jugend ist heute der wertvollste Aktivposten unseres Volkes. Die Frak­tion der Wirtschaftspartei, die durch Zustimmung zum Mißtrauensvotum den Weg frei zu machen hätte, für die Bildung einer Regierung, in der diese Kräfte führend vertreten sind, ist sich "der schweren Verantwortung bewußt, die sie damit für die Zu­kunft übernimmt. Losgelöst von aller Parteipoli­tik haben wir die Folgen eines solchen Schrittes sorgfältig erwogen.

Wir haben vor der Entscheidung der Fraktion dem Reichskanzler verschiedene Fragen vorlegen müssen, und er hat uns zugesagt, daß er eine grundsätzliche Schwenkung der Politik der letzten 10 Jahre vornehmen wolle, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des felbständigen Mittelstandes. Wir haben andererseits nicht di« Ueberzeugung gewinnen können, daß heute die Chance für die Mehrheitsbildung einer Rechtsregierung großer wär«, als vor einem Jahre, als wir zu diesem Zwecke unseren Minister Dr. Bredt zurückgezogen haben. Wir haben uns darum entschlossen, trotz aller Bedenken das Kabinett Brüning zu tole­rieren. (Lärm rechts).

Dieser Regierung gehören heute bestimmte Persönlichkeiten nicht mehr an, gegen die wir Be­denken hatten. Das Kabinett Brüning ist berufen worden vom Reichspräsidenten v. Hin­denburg, hinter dem das Gros der deutschen Bevölkerung steht und zu dem wir in unverbrüch­licher Treue stehen. (Abg. Sfubbenborf (Dknl): Für 30 Millionen in unverbrüchlicher Treue").

Präsident Löbe: Das ist eine Unterstel­lung, die Sie im Ernste nicht aufrecht erhalten werden,

Abg. kleiner lDtnl.): Aber derVorwärts" hat dock geschrieben!

Präsident Löbe: Was derVorwärts" schreibt, geht mich nichts an. Ich rufe den Abg. Stub- bendorf zur Ordnung. (Lachen und Klat­schen rechts.)

Abg. Mollakh: Es fft eine Infamie, zu be­haupten, daß in der Sckicksalsstunde des deutschen Volkes eine anständige Partei sich durch Geldsiim- men in ihren Entscheidungen beeinflusien ließe.

Was uns bet unserer verantwortungsvoll en Ent­scheidung bestimmt, ist allein der Wunsch, bas deuffche Dolk aus dem Abgrund wieder zur Höhe zu führen. (Beifall bei der WP.)

Anschließend ergriff

Reichskanzler Dr. Brüning

das Wort. Er dankte für die Anregungen, die in der Debatte gegeben worden sind. Die Reichsregierung wi­dersetzt sich nicht einem Antrag, eine Reihe formulier­ter Vorschläge auf Aenderung der Notverordnungen einem Ausschuß zur weiteren Beratung zu überweisen. Wir wollen nur, daß nicht die Klammern zer­stört werden, die unser Wirffchafts- und Finanz­gebäude zusammenhalten.

Die Sitzung dauert fort

Zivilisation oder Barbarei?

Auch Pointare ist jetzt für europäische Verständigung.

Illustration" veröffentlicht einen Artikel Poin> cores, der für nationale Einigung und für euro­päisch« Verständigung eintritt. Di« nationale Eini­gung bezeichnet er als notwendig für alle von der Krise betroffenen Nationen, die den Willen hätten, sich selbst zu helfen, so daß ihnen alsdann auch Hilf« von anderen zut«il werden könne. Die U r» fachen des allgemeinen Hebels feien nickst allenthalben die gleichen. Gewiß lägen der Weltkrise allgemeine Ursachen zugrunde. Aber je­des Land hab« seine besonderen Schwierig­keiten und müsse diese auf besondere Art regeln. Deutschland habe unlängst seinen Mittelstand durch die Entwertung der Mark ruiniert, aber doch die Schaffung einer neuen Währung ermög­licht. Damit diele Währung Bestand habe würde «s genügen, wenn Deutschland dem Beispiel Frankreichs folge und auch die Ratschläge Parker Gilberts befolge. Die durch den Mißbrauch der Arbeitslosenunterstützung in England geschaf­fene Lage dürfte, da die Engländer Geschäftsleute seien, für sie nicht unlösbar sein. Wesentlich sei, daß jede Regierung die Notwendigkeit einer nicht nur wirtschaftlichen,' s andern auch intellektuellen und moralischen Verständigung fühle, die für eine nahe Zukunft eine politisch« Verständigung nicht nur zwischen den Ländern Europas, sondern .zwi­schen sämtlichen Gruppen der Menschheit vorbe­reite. Sicherlich werde einmal der Tag kom­men, an dem kein lebendes Wesen sich die gegenwärtig« Zerrissenheit des Men­schengeschlechtes erklären könne, an dem die Nachkommen der heutigen Generation sich fra­gen würden, ob man in einer Epoche der Zivilisation oder der Barbarei ge­lebt habe.

Lavals Amerika-Reise.

wtb. Paris, 16. Okt. (Eig. Meld.). Minister- präs. Laval hat heute früh 8.10 Uhr, begleitet von der französischen Delegation und seiner Tochter Jo- fette, Paris verlassen und fft im Zuge nach Le Havre abgereift. Auf dem Bahnsteig in Paris waren die in Paris anwesenden Mitglieder der Regierung erschienen, um ihn zu begrüßen. In seinem Salonwagen haben außerdem Platz genom­men der amerikanische Botschafter in Paris Edge, um Laval bis Le Havre das Geleit zu geben, so­wie dir Unterftaafsfefretäre Cathala und Foulon. Ministerpräsident Laval wird in Le Havre im Rathaus von dem dortigen Bürgermeister, dem aus der radikalen Partei ausgetretenen Abgeord­neten Leon Meyer empfangen werden und sich um 12.15 Uhr nach Amerika einschiffen.

Amerika und der China-Konflikt

Aus Genf wird gemeldet:

Der Völkerbundsrat hat nach einer geheimen und sehr bewegten Sitzung mit 13 gegen 1 Stimm« prinzipiell beschlossen, die Vereinigten Staaten zu den Verhandlungen des Rates für den chinesisch-japanischen Konflikt einzuladen. Der Vertreter Japans stellte sich auf den Stand­punkt. daß für die Einladung ein einstimmi­ger Ratsbe^chluß notwendig fei Dieser Einwand hat sich jedoch der Völerbündsrat nicht zu eigen gemacht.

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wtb. Genf, 16 Okt. (Eig. Meld.) Der Völker­bundsrat hat heute vormittag in öffentlicher Sit­zung die Frage der Einladung an die Pereinigten Staaten nochmals behandelt und beschlossen, das Einladungsschreiben abzu -

Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:

Man konnte beinahe von einer Einheitsfront des Reichstags gegen die Inflation sprechen wenn man hörte, was von allen Seiten de? Hauses, von der äußersten Linken bis zur äußersten Rech­ten, über die Gefahren, ja über das Perbre - dien einer Inflation gesagt worden ist. Man könnte sich darüber freuen, daß eine solche Ein­heitsfront besteht, wenn man nicht wüßte, daß es in gewissen Schichten der Wirtschaft trotz allem Kräfte gibt, bi« den Begriff der Inflation nach ihrem eigenen Ermessen und nach ihren eigenen Wünschen auslegen. Aisch sie sagen, daß sie keine Inflation wie sie hinzufügen in dem ..üblichen" und jedenfalls von der Allgemeinheit gedachten Sinne wollen, aber wenn sie daneben geltend machen, daß man sich ja darüber unterhalten könnte, ob nicht eine Art von Binnenwäh­rung eingeführt werden sollte, oder ob es nicht doch zu empfehlen sei, die Mark an das englische Pfund anzuhängen und dergleichen, so liegt in all dem eine ganz entsetzlich große Gefahr, di« Ge­fahr nämlich, daß es über die Verwirklichung sol­cher Pläne sehr rasch zu einer alle Werte vertil­genden Inflation käme, bei der nur diejenigen ge­wännen, die ein Interesse daran hätten, leichtfertig gemachte Schulden loszuwerden.

Jede Inflation und jede Begünstigung infla­tionistischer Pläne ist, wie es im Reichstag mit vollem Recht ausgesprochen worden ist. ein Ver­brechen am ganzen Lande. Dieser Tag« hat der volksparteiliche Abgeordnete Schneider mit voller Berechtigung in denDresdner Neuesten Nach­richten" ausgesprochen, daß eine Binnenmark ein mörderisches Gift" wäre. Und die allerschlimmste Folge einer zweiten Inflation, die zum zweiten Male alle Ersparniffe entwertete, würde die sein, daß die enttäuschten Sparer sich bestimmt

senden. Bnand legte dem Rat einen christlich formulierten Vorschlag vor, der die Begründung der Einladung enthält.

Nach Briand sprach der japanische Vertreter, der in einer formulierten Erklärung erneut im Namen der japanischen Regierung di« Auffaffung vertrat, daß ber Rot diese Frage nicht durch Mehrheitsbeschluß entscheiden könne.

Der nächste Redner, der englische Außenminister Lord Reading, der auf die große Bedeutung des mandschurischen Konfliktes hinwies, trat der Auf­fassung des japanischen Vertreters mit dem Argu­ment entgegen, baß hier l eb i g l i ch e i n« V er­fahrensfrage zur Entscheidung stehe.

Der Vertreter Japans blieb bei feinem Stand­punkt.

Zum Schluß gab neben anderen Mitgliedern des Rates, auch der d e u t s ch e Vertreter. Gesand­ter von Mutius, Erklärungen ab. Die des Herrn von Mutius war ein Appell an die Vertreter Ja­pans und Chinas. Er glaubte, daß eine schnelle Lösung des Konfliktes im fernen Osten den gu­ten Willen ber beiben Parteien erfordere. An einer solchen Lösung fei Deutschland nickst weni­ger interessiert als alle anderen Mitglieder des Völkerbundes.

Briand erklärte abschließend, ein Krieg sei ausgeschlossen, da er unmoralisch fei.

Unmittelbar nach der Sitzung des Völkerbunds­rates wurde die Einladung an die Vereinigten Staaten auf telegraphischem Weg« nach Washing-

wtb. London. 16. Okt. (Eig. Meld.) Der Korre­spondent derTimes" in Tokio teilt mit. von amt­licher japanisckjer Seite werde erklärt, Japan würde den uneingeschränkten Beitritt der Ver­einigten Staaten zum Völkerbund begrüßen. Aber bisher feien die Vereinigten Staaten niemals oufgeforbert worden, sich an der Erörterung von Streitfragen zwilchen Bundesmitgliedern zu betei­ligen. Man dürfe daher wohl fragen, ob einem Staat das Recht der Teilnahme an den Völker­bundsberatungen zugestanden werden solle, ohne daß dieser Staat auch entsprechende Verpflich­tungen übernehme.

* Abstriche am amerikanischen Marinebndget für 1933. Aus Washington wird gemeldet: Ent­sprechend einem von Präsident Hoover ausge­sprochenen Wunsch legte Marinesekretär Adame im Weißen Hause den Entwurf eines revidierten Marinebudgets für das Jahr 1933 vor, das Ab­striche in Höhe von fast 60 Millionen Dollar vor­sieht. , 4

Die Abrüstungs konferenz.

wtb. London, 16. Okt. (Eig. Meld.) Henderson beabsichtigt, als Vorsitzender ber Abrüstungskonfe­renz nach Genf zu gehen, ba er in feiner per­sönlichen Eigenschaft zum Vorsitzenden gewählt worden fei.

wtb. Buenos Aires. 16. Okt. (Eig. Meld.) A r- gentinien hat beschlossen, an der Genfer Ab­rüstungskonferenz teilzunehmen.

* Der Reichskanzler hat Herrn und Frau Krupp von Bohlen und Halbach zur Silbernen Hochzeit telegraphisch herzlich« Glückwünsche übermittelt.

* Feuerkampf mit einem Wilderer. Im griff- lich Bronschen Park bei Würzburg ertappten zwei Forstleute einen Wilderer, der sofort aus sie schoß/ ohne zu treffen. Vno einem der Beamten in den Oberkörper (Lunge) geschaffen, legte der Wilddieb neuerdings an, worauf der andere Be­amte ihn durch einen Schuß den Gewehrschaft zer- schmetterte und ihn dadurch kampfunfähig machte. Es handelt sich um einen bekannten Wilderer, den eine längere Freiheitsstrafe nicht von feiner Jagd­leidenschaft zu tarieren vermocht hatte. Er wurde nach einem Krankenhaus geschafft.

nicht zum dritten Male ein Spar» kasfenbuch anlegen würden.

So ist «z in der Tat. Eine Inflation, die dies­mal nicht Wochen und Monate, sondern vielleicht acht, wenn es hochkommt 14 Tage dauern und die innerhalb dieser Frist die Mark ins Bodenlose drücken würde, wäre gleichbedeutend nicht nur mit der Vernichtung aller Werte, sonder» auch mit ber Vernichtung des Vertrau- ens und des Kredits auf ganze Ge­nerationen hinaus. Eine Inflation wäre aber autb bas fchamlofest« Attentat gegen die be­sten und solidesten Kräfte unserer Nation, gegen das Bürgertum, den Mittelstand, das Handwerk, Handel und Gewerbe, gegen den soliden und ehr­lichen Kaufmann, kurz gegen alle diejenigen Schickten des Volkes, die in schweren und schwer­sten Kämpfen sich nach 1923 wieder aufgerafft und trotz dem gewaltigen Druck der Steuer- und son­stigen Lasten etwas für ihr Geschäft, für ihre Fa­milie. für ihre Kinder zusammengespart haben. Diese Sparer würden alles wieder verlieren. Diejenigen aber, die leichtsinnig Schulden gemacht haben, würden durch eine Inflation sehr schnell sich entschulden können. Das kann und das darf nicht fein, und wir würden es begrüßen, wenn die Ein- beitsfront gegen die Inflation, wie sie im Reichs­tag wtagegetreten ist, nun auch in al­ler Offenheit und in aller Oeffentlichkeit im entschlossenen, und wenn es sein muß unerbittlich rücksichtslosem Kampfe gegen jegliches Jnslations- manöver zur Wirklichkeit würde.

Der Dank aller anständigen Deutschen ge­bührt denen, di« auf verdächtige Anzeigen hin Alarm geschlagen und di« tückische Gesell­schaft, die mit den Jnftationsgedanken spielte, rechtzeitig zu Paare» treiben half-

Die Front gegen Inflation.