Ar. 237 VeNage zur Fuldaer Zeitung 14. Oktober
Steht zusammen!
Jetzt, da die Not uns tiefer brennt denn je, schließ dich an mich, du Bruder mein im Wch, faß meine Hand, du Schwester mein im Klagen, fühlt ihr das Blut im Kreis? Es ist ein Schlagen.
Denn eitel Nichts ist unsres Volkes Stammeln, wenn wir so einsam gehn. Rust aus zum Sammeln, laßt uns zu Trommeln unsre Willen gießen, die dumpf den Weg herschrein vor unfern Füßen.
Es sicht von Not ein ewig gleiches Los ob allen Völkern, allen Augen bloß, daß schwankend zwischen Hoffen und Verdämmern ewige Wechsel unser Schicksal hämmern.
Aus der „Werkjugend".
ßakhollsche Jugenb und Arbeiksdlenfl.
Die Verbände der werktätigen katholischen Jugend mit ihren großen Arbeitslosenscharen haben chre Stellung zum Freiwilligen Arbeitsdienst rasch bejahend entschieden. Werkjugend und Gesellenverein veröffentlichen in ihren Zeiffchristen die wichtigsten Bestimmungen über den Arbeitsdienst und rufen zu aktiver Mitarbest auf. Das „Kolpingsblatt" bezeichnet den Arbeitsdienst als „ein wertvolles Mittel, brachliegende Arbeitskraft nutzbar zu machen." In der „Werkjugend" heißt es, jetzt muß die Jugend beweisen, „ob der Wille zur Arbeit und zwar zu einer freiwilligen Arbeitsleistung um einer idealen Sache willen, noch in ihr lebendig ist". Der Jungmänneroerband hat ein 12seitiges gedrucktes Merkblatt über den fteiwilligen Arbeitsdienst, Art und gesetzliche Grundlagen, Verfahren und Finanzierung, soziale und pädagogische Sicherungen, praktische Anregungen herausgegeben. Die Jungmannschost wird in dem Merkblatt aufgerufen, die Möglichkeiten des „freiwilligen Arbeitsdienstes mutig und herzhaft aufzugreifen und sich in die Werke des Arbeitsdienstes frisch und tüchtig hineinzustellen."
Von den katholischen Iugendverbänden sind Werke des freiwilligen Arbeitsdienstes bereits in Angriff genommen. Viele andere, örtlicher und überörtlicher Art, find in Vorbereitung. Die katholische Jugend soll beim freiwilligen Arbeitsdienst in der vordersten Front stehen.
Der organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten, der seelischen Hemmungen bei den jungen Arbeitslosen und ihren Familien sind nicht wenige. Sie werden sich in dm meisten Fällen überwinden lassen, müssen überwunden werden — um der jungen arbeitslosm Menschen willen, um des gemeinsamen und gemeinnützigen Dienstes an deuffchem Jugend- und Volksgut willen. Von den Arbeitsämtern ist möglichst großzügige und unbürokratische Behandlung der ganzen Angelegenheit zu for- dern. Es stellt sich schon' jetzt heraus, daß der Instanzenweg für die Behandlung der Anträge bei dm Arbeits- ämtern viel zu lang läuft.
Wir wissen in den katholischen Iugendverbänden, daß der steiwillige Arbeitsdienst nicht d i e Lösung der Arbeitslosigkeit ist, ja, daß er nicht einmal die einzige Möglichkeit im Hilfswerk für die arbeitslose Jugend darstellt. Wir sehen in ihm eine Möglichkeit und Ehance neuer und besonderer Art. Wir wollm, daß in unseren Reihm große Scharen sind, die mit Mut und Kraft die Ehance anpacken. Je mehr wir miffchaffen, um so besser für das arbeitslose junge Volk, um so umfassendere Schaffung gemeinnütziger Werte, um so sicherere Gewähr, daß mit dem Arbeitsdienst kein Mißbrauch getrieben wird und er auf der Linie bleibt, die wir für richtig halten und verantworten — für Deutschland und seine Jugend.
Sie wittern Morgenluft!
Deutsches Jungvolk aufgepaßtt — Hitler, die Schwerindustrie und die Großagrarier in einer Front!— warum wollen sie Brüning stürzen?
Für denjenigen, der sich bemüht, das politische Ge- schchen in Deutschland zu verfolgen, waren die Ereignisse. der letzten Tage besonders aufschlußreich. Die „nationale" Front hat sich zum Sturm gegen Brüning gesammelt. Und Brüning wird von denjenigen verraten und verlaffen, die ihm bisher, wenn auch oft innerlich widerstrebend, Gefolgschaft geleistet haben.
Warum geschieht das alles? Warum geht auf einmal die Deutsche Volkspartei auch in die Opposition gegen Brüning? Es lohnt sich schon, den „nationalen" Block etwas näher zu betrachten und die Gründe zu untersuchen, warum gerade jetzt zum Generalangriff gegen Brüning und die sog. „Zentrumsdiktatur" getrommelt und geblasen wird.
Wer war in Bad Harzburg versammelt? Man sah da Hugenberg und seinen Anhang, den Alldeutschen Verband, den Landbund, die Vertretung der Großagrarier, alte Generäle und ehemalige Fürsten, Hitler mit seinen „Heil"-brüllenden S. A- Leuten und schließlich den Fabrikanten Seldte mit seiner uniformierten Stahlhelmgarde. Kurz und gut, es gaben sich alle Gruppen ein Stelldichein, die aus der Tatsache des verlorenen Krieges und der deuffchen Not nichts gelernt haben bezw. nichts lernen wollten. Es trafen sich Leute, die sich „national" nennen, aber schon vor dem Kriege, besonders aber in den letzten Jahren
Hebet den Brennet!
Katholische Jungmänner machen eine Fahrt nach Südtirol.
In Innsbruck an der Mariensäule trafen wir uns — die kleine Schar, die an der Tirolerfahrt des Iungmänner- verbandes teilnimmt. Drei Tage hatten wir schon mit unseren Innsbrucker Freunden verbracht, in der Stadt und auf den Bergen. Führende Männer aus dem Parlament, der Regierung, dem kulturellen und sozialen Leben sprachen uns vom Schicksal und der Not Tirols.
An jenem Morgen fuhren wir die alt« Brennerstraße hinauf, gen Süden. Wir fiebern vor Spannung. Die Straße steigt; kühler Wind weht uns entgegen. Wie, schon sind wir am Brenner? Wir sind an einer Grenze. 1918 wurde sie gegen alles Volks- und DA- kerrecht gesetzt. Mitten durch ein Land, Mitten durch das eine Tirol.
Wir kommen nach Sterzing, die einzig-fchöne deuffche Stadt. Wir halten Rast in St. Leonhard, der Heimat Andreas Hofer's. Einen Nachmittag schlendern wir durch Meran, sehen und hören. Ueberall sprechen sie deutsch; denn sie sind deutsch. Ueberall sind die öffentlichen Auffchristen zwangsweise italienisch. Die Rufnamen dürfen nur italienisch angeschlagen werden. So läßt der Geschäftsmann auf dem Schild vor feinem Laden
Das katholische Mädchen im Ringen derzeit
Gib Deinem Kinde
Du sparst dann Mühe. Sorga Gefcft
Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. oee. publ. Joseph Sauer- Fulda.
werden. Zu immer neuen Haß treibt die kommunistische Jugendpresse chre Anhänger, wenn es gegen die S. A. I. geht.
Der kommunistische Jugendverband will sich aus den Reihen der sozialdemokratischen Jugendorganisationen und der werktättgen Jugend so verstärken, daß er bald als „Verband der Hunderttausend" dasteht. Dabei soll die Zeitung des kommunistischen Jugenüverbandes,' die .Junge Garde", die zweimal in der Woche erscheint, bis zum äußersten agitiert und verteidigt werden. Mit ihrem System der Stempelstellen-Zeitungen, der Betriebs-, Häuserblock- und Berufsschulzeitungen wollen sie versuchen, alle Schichten der Jugend zu erfassen und überall einzusetzen.
Nicht recht zustieden scheint die Leitung des Kommunistischen Jugendverbandes mit der Arbeit ihrer Oppositionsgruppen in den Gewerkschaften (R. G. O.) ju sein. So wurde der „R. G. O.-Jugend" als besonder« Aufgabe eine heftige Agitation in den Betrieben gestellt, mit dem Ziel, Kollektivbeschlüsse der jungen Belegschaften in den Betrieben zu erreichen.
In der letzten Zeit sucht der kommunistische Iugend- verband seine Propaganda unter der Landjugend zu verstärken. Auch hier stellen wir die geschickte Taktik der besonderen Einstellung auf die zu bearbeitende Schicht und für's erste eine gewisse Mäßigung in den Forderungen fest. Es sollen in „her Bauernjugend die revolutionären Traditionen der Bauernkriege wachgerufen" werden. Die sozialen Forderungen für die jungen Landarbeiter gelten vor allem der Besserung der Arbeits. und Lohnvechältnisse; für die jungen Bauernsöhne wird Schuldenstreichung, unentgeltliche Fachschulung und Landent- eignung beim Großgrundbesitz zu ihren Gunsten gefordert.
der sich fernhielt von einem ungesunden und nnwirb- lichen Optimismus. Das feste Fundament de« Glaubens und der klare, weite Blick in die Ewigkeit gibt auch dem Leben des jungen Menschenkindes Halt und Weit«. Es gibt ihm eine sichere Stellung zu dem Kulturschafien und den Kulturwerten unserer Zeit. Cs gibt ikpn die Fähigkeit, in rechter Weise zu bejahen und zu verneinen, gibt den Mut, die seelische Kraft auch zum Entsagen. Opfern und Leidtragen. Und vor allem gibt die Religion den jungen Menschen die Liebe, aus der Friede und Freude erwächst. Diese Bil» bungs- und Erzichungsaufgaben können aber nicht irgendwie und irgendwo mehr oder weniger zufällig verwirklicht werden, sondern verlangen planmäßig« Arbeit im Kleinen und kraftvolle Zusammenfassung im Großen".
[ er unser übernatürliches Leben. Ist das nicht größer als Blinde und Lahme heilen? Damit wir aber di« Geheimnisse des Meßopfers wirklich miterleben können, ist «s nötig, daß wir mit dem Priester am Altäre leben. Das will uns der „Volksfchott" lehren (kostet ca. 2.70 Mk.). Es ist dies ein Volksmeßbuch, das die Meßtexte für die Sonn- und Feiertage in deutscher Sprache enthält, wie sie der Priester betet. Wie es zu benutzen ist. wie man mit ihm der Messe folgt, dazu leitet es anschaulich ein. Auch der Aufbau der hl. Messe wird genau erklärt, ebenso das Kirchenjahr und alle anderen wissenswerte Dinge. Diese Art, die hl. Messe mitzu- feiern, wird durch die liturgische Bewegung verbreitet. Es soll das Kirchenvolk wieder in geistige Gemeinschaft mit dem opfernden Priester treten, damit aus allen, die im Gotteshause sind, wieder eine einzige Opfergemeinde werde. Diese Bestrebungen gründen auf dem urchristlichen Gedanken, daß alle Gläubigen zusammen den Leib Christi bilden, den man Kirche nennt. Ueber diese Kirche hat Pater Lippert neuerdings ein feines Buch geschrieben, das nicht immer leicht zu verstehen ist.
Verständnis für di« Sinnbilder, Symbole der Kirche eröffnet uns Guardini in feiner tiefen und schönheits- freubigen Art in „Heilige Zeichen". Im religiösen Leben umgeben sie uns ständig, so oft benutzen wir sie. Man wird sich beim Lesen dieses Buches wieder einmal bewußt, warum man an die Brust schlägt, sich mit Weihwasser besprengt, was es heißt, vor Gott das Knie zu beugen. Die vielen heiligen Gegenstände, die die Kirche benutzt: wie die Glocken, der Kelch, das Linnen des Altars, die Kerzen, all das erschließt sich uns wieder in seinem Sinn und Inhalt.
Arbeitslosenhilfe in der kalhol. Zugend.
Die Verbände der werktätigen katholischen Jugend haben, vor allem feit Frühjahr und Herbst des vergangenen Jahres, eine umfassende Arbeitslosenhilfe eingerichtet. Was in dieser so wichtigen Arbeit ein einziger Verband int Lauf eines Jahres geleistet hat, zeigt die jetzt erschienene Schrift des Gesellenvereins über seine Erwerbslosenhilfe. Von der Mitgliedschaft des Gesellenoereins sind rund 38 000 arbeitslos; das sind rrn Gesamtdurchschnitt 41 Prozent. Die Hilfe für die arbeitenden Mitglieder bezog sich vor allem auf Stellenvermittlung und besondere Einrichtungen und Kurse. 8380 Stellen wurden vermittelt, an di« 800 lebenskundliche und religiöse Veranstaltungen gehalten, 650 allgemeine und fachliche Unterrichtskurse, eine große Reihe geselliger Veranstaltungen. 238 haben an den Werkwochen für Arbeitslose teilgenommen. Rund 300 größere gemeinnützige Arbeitslefftungen wurden von Arbeitslosen erstellt. An die 120 000 Mark haben die Häuser und Vereine für diese Maßnahmen aufgewendet.
niste und die innere Verfassung unserer Mädchenwest und gab wertvolle Gedanken für die lebendige Verbindung von Religion und Leben. Es ist klar, daß in dieser schwierigen Aufgabe der Liturgie als Mittelpunkt und Zusammenfassung der ganzen Lebensfülle des Kacholi« zismus eine besondere Bedeutung zufällt. Pfarrer Jacobs, Mühlheim-Ruhr, gab darüber aus lebendigem Geiste und reicher Erfahrung eines GroßstadtseÄsorgers so Wertvolles, daß fein Vortrag einen Höhepunkt der ganzen Tagung bedeutete. So waren die Vorbedingungen geschaffen für die lebendige Erfassung des großen Zieles: Die Frecheit der Kinder Gottes und ihre Stellung zu den Zeiffragen und Zeitaufgaben. Direktorin Dr. Maria Offenberg, Aachen, ließ aus ihren Ausführungen einen frohen, starken Idealismus aufleuchten.
lieber die bedeutsame Arbeitstagung des Katholischen Iungfrauenoerbanbes in Fulda bringt die Führerzeitschrift „ffrauenart und Frauenleben" in ihrem letzten Heft einen Bericht. Wir entnehmen ihm folgendes:
„Sie Frage, die die 150 Präsides und Führerinnen aus allen Teilen des Verbandsgebietes beschäftigte, forderte soviel Besinnlichkeit und Konzentration, daß von jeder äußeren Aufmachung abgesehen wurde, auch wenn der Ernst der Zeit es nicht gefordert hätte. Es handelte sich darum: Wie wird das Mädchen von heute fertig mit allen Anforderungen und Schwierigkeiten, die die Zeitverhältnisse mit sich bringen? Wie wird es fertig mit der Not der Familie und dem vielfach so engen Le- bensraunl, mit der Berufsarbeit, die oft an die letzten körperlichen und seelischen Kräfte geht, der noch schlimmeren Arbeitslosigkeit, der ganzen religiös-sittlichen Atmosphäre, die es täglich umgibt, dem Radikalismus, der gerade in der jungen Seele so zerstörend wirken kann, dem Vergnügun gsroefen, bas mit allen Mitteln der Sensation lockt und reizt. Und über all das noch mit den trüben Zukunfts aus sichten den Blick in ein unsicheres, vielleicht einsames und ödes Schicksal. Mer nicht nur so eben fertig werden sollen sie damit, sondern Mitgestalterinnen einer neuen Zukunft fein, Mitarbeiterinnen im Reiche Gottes im Simke der katholischen Aktion. Woher nehmen sie die Kraft und den seelischen Reichtum zu solchen Anforderungen, die die Zeit an sie stellt, und zwar so plötzlich, unvermittelt, unvorbereitet, so daß aus der Tagung mit Recht gesagt werden konnte: Noch bis vor kurzem durften die Mädchen nichts, jetzt sollen sie auf einmal alles können.
Zu Beginn der Tagung gab Generalpräses Klens die weite Schau für die zu behandelnden Fragen: Welche Anforderungen stellt die Zeit an die religöfe Persönlichkeit der Mädchen von heute? Aus dieser Frage ergab sich das gesamte Bildungs- und Erziehungsziel an der Heranwachsenden Frauenjugend. Die weitere Frage war: Wie bringen wir unsere Mädchenwelt in eine innere Verbindung zu der Wertwelt des Katholizismus? Oberin Dr. Maria Müller, Köln, sprach darüber aus tiefem Verstehen für die äußeren Verhält-
meift das getan haben, was unserem Vaterland geschadet hat.
Warum bricht aus einmal der Sturm los? Die Wirtschastsmächtigen zürnen Brüning sehr, weil er auch von ihnen Opfer forderte. Lieser Mensch will durch Notverordnung die Gehälter der Generaldirektoren kürzen, er hat einschneidend« Maßnahmen gegen die AufsichtsrSte, über die Ban- ksnaufficht, über die Bilanzwahrheit und gegen die Konzernoerschacht elung getroffen. Man weiß, daß er auch gegen die Preis- bittatur der Kartelle mit aller Schärfe vor- gchen will, eine Maßnahme, die das ganze Volk fordert und die notwendig ist, wenn unsere Wirtschaft bald wieder gesunden soll. Dieser Brüning wird unheimlich; der Kerl wagt es, auch von den Großen der Wirtschaft Opfer zu fordern. Unechörtl Der soll unsere Macht schon spüren! Also ging man nach Bad Harzburg!
Man traf dort mit denjenigen zusammen, die bei dem Gedanken, daß ein Katholik und Zentrumsmann Reichskanzler ist, schon ganz aus dem Häuschen geraten. Man kann dort den großen Hitler gewinnen, der die Massen hinter sich hat, die man braucht, um Deutschland von der „Herrschaft der Gewerkschaftssekretäre" zu befreien. (Wenn der gute Hitler auch glaubt, er sei derjenige, auf den es ankommt; die Wirtschaftsmächte und die Reaktion werden ihn schon dahin schieben, wo sie ihn haben wollen. Die Tragikomödie der nationalsozialistischen „Arbeiter"-Partei wird bald beginnen.) Und schließlich gab sich in Harzburg die Reaktion ein Stelldichein; das sind die bedauernswerten Menschen, die sich nicht daran gewöhnen können, daß das Rad der Weltgeschichte nie rückwärts läuft, und die den „Nooem- berverbrechern" grollen, die nach dem Zusammenbruch von 1918 versucht haben, aus den von den Fürsten und Generälen hinterlassenen Trümmern ein neues Deutschland zu zimmern.
Und das Ergebnis der Harzburger Tagung? Nun, man hat viele und drohende Reden gehalten, die Einigkeit der „nationalen Opposition" betont und prachtvolle Auszüge gemacht. Die Regie war ohne Zweifel gut. Ob die Herrschaften ihr Ziel die unbeschränkte Macht im Deutschen Reich, aber erreichen, wird von der Widerstandskraft des deutschen Volkes ab- hängen. Jeder, der weiß, wie die Verhältnisse liegen, muß unermüdlich Aufklärungsarbeit unter den breiten Massen und der verhetzten Jugend leisten, die im Begriff« sicht, sich buchstäblich „ihre eigenen Metzger selber zu wählen." Immer mchr entschlossene Kämpfer müssen sich in die deutsche Volksfront einreihen, die bereit ist, das deutsche Volk vor dem Wahnsinn des Radikalismus und der Unterdrückung durch den Kapitalismus zu befreien. Unsere Parole:
Jür ein neues, christliches Deutschland! Ml Brüning für Aufbau und Ordnung!
Das Lildungsweal der lakhol. Zagend.
Religiöse Vertiefung.
Wir muffen nun zu dem Erdreich vorstoßen, ht dem alle religiöfen Persönlichketten verwurzelt waren, aus dem sie ihre Kraft zogen: in das Gebiet der lieber- natur. Ignaz Klu g mit feinen Büchern kann uns ein Führer fein. Sein Christusbuch „Der Heiland der Welt" will uns in die Welt der Evangelien einführen. Alle Versuche, die diese Welt erschüttern und vernichten wollten, werden kritisch untersucht und zurückgewie- en. Im engen Anschluß an die Heil. Schrift läßt er vor uns ein lebendiges Chriftusbild erstehen. Die Gott- heit des Herrn, die wie ein stilles Leuchten aus den Worten des Evangeliums bricht, um von Zeit zu Zett ieghaft kurz aufzublitzen, wird hier mit Gründen dargetan; die Gleichheit des geschichtlichen Christus mtt dem des kath. Dogmas erwiesen.
Einzelne Skizzen des Chrfftusbildes versucht Pater M a n u w a l d, S. I., in seinen „C hr i stu s kr e i s en". Er weiß die universal« Christusgestall so hinzustellen, daß sie einen frischen, kraftvollen Jungen begeistert an- pricht. Es kommt sehr darauf an, daß wir zu Christus ein ganz persönliches, warmes Verhältnis haben. Wir müssen ihn sehen als unfern Führer, dem wir Treue geschworen, als unser Ideal, dem wir nachstreben, als unfern Freund, den wir lieben und besonders als un- em Gott, der uns heiligt. Nur so werden wir als religiöse Menschen im Werktag stehen und di« Forderungen der Bergpredigt ganz durchführen können. Das ist der tiefste Sinn der Kath. Aktton, von der wir gleich prechen werden.
Am unmittelbarsten begegnet uns Gott m der H e i- l i g e n Schrift. Es sind Seine Wort«, die dort tehen, die Er ganz persönlich zu uns spricht. Hier sollen wir Seine Liebe zu den Menschen betrachten, in der Er uns seinen Sohn sandte, der unter uns gewohnt hat. Es ist sehr bedauerlich, daß bas wertvollste Buch so wenig von uns beachtet wird. Wir sollten täglich einen Abschnitt aus ihm lesen. Hier an den Quellen göttlicher Offenbarung wird uns manches Licht aufgehen ür Zeit und Ewigkeit. Natürlich müßte jeder eine Ausgabe des Neuen Testamentes besitzen. Die gute Ausgabe von Konst. Rösch kostet nur 2 Mark.
Wirklich und leibhafttg ist Gott unter uns im heil. Meßopfer. Was wir im Evangelium von Christi Wunderwirken lesen, efteben wir an uns hier in erhöhtem Maße. Hier heiligt und verschönt er unfee Seele, nährt
Aktionen der kommunistischen Zugend.
Das Cxekutiv-Komitee der Kommunistischen Iugendinternationale hat einen umfassenden Plan für die Werbung und Aktion in fast allen europäischen Ländern aufgestellt, in Polen, Frankreich, Oesterreich, England, der Tschechoslowakei, Deuffchland. Es ist zwar nicht genau ersichtlich, wie weit dies« Pläne ernst zu nehmen sind und hinter ihnen wirklich eine „Exekutive" sicht; es ist aber doch gut, sie zu beachten.
Die Angriffsplän« stehen einheitlich unter einem zweifachen Prinzip: geschickte Angleichung an die nationalen Verschiedenheiten und Situationen „auf Grund einer leninistischen nationalen Politik" und schärfster Kampf gegen die sozialdemokratischen Jugendorganisationen mit ihrer „Politik des Sozialfaschismus".
So richtet sich auch in Deutschland zunächst der Haupfftoß der Propaganda des kommunfftischen Jugendverbandes — unter Verschleierung anderer Angriffsziele — gegen den Verband der sozialistischen Arbeiterjugend. Die S. A. I. soll als Mafsenorganisa- tion zerstört und zur Auslösung gebracht, die Opposition in ihren Mitgliederkreisen ausgenutzt und vertieft
den Rufnamen weg. Den Familiennamen können sie ihm nicht „verwelschen"; er ist zu tirolerisch.
In Bozen, dem Sitz der vielen italienischen Behörden, gewahren wir den italienischen und faszistischen Druck am deutlichsten. Die Stadt ist von italienischen Beamten überschwemmt. Jeder Arbeiter, der in öffentlichen Diensten steht, bet Staat ober Kommune, ist italienisch. Die eingesessenen Bozener sind zurückhaltend, vorsichtig, fast scheu geworden. Was will der, der mich da deutsch anredet? Will er aushören, bespitzeln. Gehörtes den Italienern weitertragen? Es liegt etwas wie stete Spannung in der Luft. Die wirffchaftliche Existenz ist unter dem italienischen Druck nicht wenig bedroht.
Am stärksten fft die kulturelle Unterbrüt- fung. Wir sammeln unser« Beobachtungen: Mitten in beutschem Land ist eine fremde Sprache die offizielle Verhandlungssprache, die einzige für die Oefsentlichkett zugelassene Sprach«. Erschüttert stehen wir auf dem Bozener Friedhof: von einem bestimmten Jahr ab, gibt es auf den Grabsteinen kein deutsches Wort mehr. Nur der Familienname steht da; der Rufname abgekürzt oder überhaupt nicht. Das Wort von der ewigen Ruhe und vom Himmelreich, das die Kinder den Eltern auf den Grabstein setzten — verboten. Manche helfen sich mit Latem. In dem Tiral südlich des Brenners
mit feinen 230 000 Deutschen gibt es keine deutsche Volksschule, keine deutsche Pri- vatschule, keine deutsche Mittelschule, kein deutsches Lehrerseminar. An den Volksschulen ist Deutsch nicht einmal als Freifach zugelassen. Bis ans letzte und jüngste Schulkind ist der Kampf herangetragen. Der Zwiespalt zwischen Schule und Familie ist in den Kinderherzen aufgeriffen. Welch ein Geschlecht soll unter dieser Kulturbarbarei heranwachsen?
Das deuffche Organisattonswesen ist restlos vernichtet; deuffche Jugendorganisationen gibt es nicht. Die Kinder werden in die faschistische Balilla gelockt; Er- leichterungen oder Erschwerungen und Schikanen für die Eltern stehen im Hintergrund. Wer von den jungen Tirolern Turnen und Sport treiben will, muß es in den faschistischen Einheitsorganisationen tun. Das Presse- wesen ist völlig zerschlagen; nur in Bozen und Brixen Dürfen einige deuffche Zeitungen und Zeitschriften her- ausgegeben werden.
Nichts ist einem brutalen System kultureller Unter« drückung entgangen. Tirol wehrt sich, so gut es kann. Klerus und Familien sind die Stützen.
Wir sehen all das wehen Herzens. Wir denken an Deuffchland und fragen uns: was weiß es von der Unterdrückung Tirols südlich des Brenner? Wir ver
sprechen uns, draußen im Reich von Tirol und feiner Not zu reden, für Tirol zu streiten. Wir haben das Land lieben gelernt wie unsere Heimat. Droben auf dem Fiedhos österreichischer Soldaten auf dem Pordoi- paß in den Dolomiten haben wir dieses Versprechen erneuert; und auf dem Monte Piano oben, wo wir angesichts der alten Frontstellungen Zeugen des unerhörten Ausharrens und Kämpfens österreichischer Truppen wurden.
Wieder fuhren wir dem Brenner zu. Noch lag es vor uns, das einzig herrliche Tirol, das Land in der Sonne, die Felsenburg Deutschlands; das schönste Land, bas von deuffchem Volk befiebett ist. Was hat Italien hier zu tun? Es sitzt gegen jedes Recht hier. Dieses Unrecht muß wieder gut gemacht werben. Es gibt eine Tiolersrage, die nicht gelöst fein wird, so lange Tirol nicht frei ist. Es darf nicht fein, daß die Tirolersrage einen dauernden Stachel zwischen unserem und dem italienischen Volke bildet.
Mag die offizielle Politik der Staaten sich im Augenblick stellen, wie sie will. Wir im Volk werden nicht schweigen. Wir werden Tirol nie vergessen. Wir wissen, es kommt der Tag, wo das wahr wird, was unsere Innsbrucker Freunde im Siebe fangen: Das Sanb ist frei geworden, vom Brenner bis Salum.