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Fuld a erZ er tun g

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Mittwoch, 14. Oktober 1931

W«. 58.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

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festzustellen rote man zur Inflation ge­langen kann, und wie der Klassen­kampf gegen Arbeiterschaft und Spa­rer zu führen ist

Die Froaen desDeutschen" und die Behaup­tung derFrankfurter Zeitung" sind den Führern der in Harzburg Versammelten natürlich genau fo gut bekannt gewesen wie uns. Eine Antwort wä­ren die schon wert. Auf sie wartet das ganze deutsche Volk und vorab die deutsche Arbeiterschaft. Die Antwort ist ausgeblieben. Wir müssen uns diese Antwort selbst suchen und wir finden sie auch. Der dritte in Harzburg beschlos­sene Antrag der nationalen Opposition fordert Aufhebung der Notverordnungen, die vom 10. Februar an erlassen worden sind. Wer­den diese Notverordnungen mit einem Schlage aufgehoben, so bedeutet das, daß Reich, Länder und Gemeinden von demselben Tag an nicht mehr in der Lage sind, ihren Verpflichtungen n a ch z u k o m m e n. Die direkte Folge würde sein, daß man zum Mittel der Notenpresse griff und somit die Inflation herbeiführte. Frei­lich. wäre dann unsere Schwerindustrie fein her­aus. Sie könnte ihre Schulden decken, bezahlte ihre Arbeiter mit P a p i e r s ch e i n e n, die sie, rote in den schönsten Zeiten unserer vergangenen In­flation, nach Möglichkeit noch selbst heraus­gibt. Herr Hugenberg an der Spitze hätte die finanziellen Nackenschläge der letzten Jahre überwunden, und der kleine Sparer, ja, der könnte dann, wenn die hohen Herren saturiert sind, wie­der von vorne anfangen.

Was in Harzburg nicht beantwortet worden ist, beantwortet Herr D i n g e l d e y, der Sprecher die­ser Leute, am gleichen Tage in Breslau. Er sagt da: es sei nicht zu verteidigen, daß Recht und Vertrag gegenüber den Beamten, Pensionären und Angestellten angetastet würden, vor den Tarif­verträgen der Gewerkschaften aber H a lt gemacht würde. Also, die Katze ist aus dem Sack gelassen, der Kampf geht tatsächlich um die Tarifverträge und um die Gewerkschaften. Die Begründung dieses Kampfes damit, daß im Gegen­satz zu den Beamten. Pensionären und Angestell­ten die Tarife der Gewerkschaften nicht angetastet worden seien, muß untersucht werden. Von Reichs- und Staatswegen sind die Verträge der Privat­angestellten nur in dem Sinne berührt worden, daß eine Kann- Vorschrift der Notverordnung besagt, Verträge die auf Gehälter über 15 000 Mark lauten, können einer Revision unterzogen werden. Das ungeheure Heer der Angestellten wird von dieser Vorschrift ja nicht betroffen, und daß die Schwerindustrie von dieser Kann-Vorschrift Gebrauchmacht, gl aubenwirnochnicht einmal. Im übrigen sind die m e i st e n Ange­stellten genau so gewerkschaftlilb organi­siert wie die Arbeiterschaft, und der Kampf ge­gen Gewerkschaften und Tarif geht damit auch ge­gen sie. Sind aber tatsächlich die Tarife der Gewerkschaften unberührt geblie­ben? Tatsache ist. und ein Blick in die Zeitung lehrt es, daß fast tatäglich durch für verbindlich erklärte Schiedssprüche die Löhne herabge­setztwerden Die Behauptung Dingeldeys ist also eine direkte Unwahrheit. Es geht nicht darum, ob der Arbeiter und Angestellte eine bevorzugte Stellung einnehmen soll, sondern es geht darum, ob er überhaupt noch eine Waffe be­sitzen darf, mit der er sich gegen das übermächtige Kapital wehren kann. Hier dürfen wir nicht schwei­gen. Die Gewerkschaften sind nicht ohne Fehler, am Tarifwesen mag manches reformbe­dürftig fein, aber im Prinzip haben mir an beiden festruhalten. Warum spricht niemand da­von, die festgeschlossenen Organisationen des Groß­kapitals aufzulösen, gegen welche die Gewerkschaf­ten ja doch nur in der Defensive sind? Es ist christlich und ritterlich, immer aus Sei­ten der Schwachen zu stehen, und der schwä­chere Teil ist. die deutsche Arbeiterschaft. Mögen in Harzburg noch so viele Fahnen geweht haben, und noch so viele Blumen gestreut worden fein, für uns ist der Tag, an dem eine nationalsoziali­stische Arbeiter Partei und ein Stahlhelm, der auf Kameradschaftlichkeit aufgebaut fein will, Arm in Arm mit den Vertretern des rück­sichtslosesten Großkapitals gehen, ein natio­naler Trauertag.

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In Deutschland, in dem heute fast alles mit größter Rafinesse getarnt ist, wird manchen diese offene Sprache des fränkischen Blattes zeigen, was die Stunde geschlagen hat.

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In ihrer Ausgabe Nr. 759 vom 11. Oktober 1931 bringt dieFrankfurter Zeitung" unter der UeberschriftDas Komplott" einen Artikel, indem davon die Rede ist, daß Wirtschaftsführer in der vergangenen Woche bei den Besprechungen mit dem Herrn Reichskanzler das Verlangen nach In­flation gestellt hätten.

Es liegt zu der obigen Aeußerung in der Frankf. Ztg." eine Erklärung des Reichskanzlers vor, daß in keiner Besprechung zwischen ihm und den Wirtschaftsführern der Gedanke einer neuen Inflation vorgebracht oder erörtert worden sei.

Semit ist nicht widerlegt, daß in gewissen Wirtschaftskreisen der Gedanke an eine Inflation erörtert worden ist.

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Auf Beschluß des Zentralkomitees der Kom­munistischen Partei Deutschlands hat die kommunistische Reichstagsfraktion nachfolgen­den Antrag gestellt:

Der Reichstag wolle beschließen: Adolf Hitler, Hugenberg, Schacht, Seldte und Düsterberg, die auf der Harzburger Tagung der sogenannten na­tionalen Opposition durch ihr Komplott zur Her­beiführung einer neuen Inflation sich des Hoch- und Landesverrats an den Interessen des werk­

mit

nötigen Nachdruck entgegengetreten.

dem

kanzler zur Darstellung und KrMk der gegen» wärtvgen Situation. Hier hörten wir nicht den Politiker im engen Sinne, erst recht nicht den Parteiipolitiker, sondern den Führer und Staats­mann.

Kampfesfreuidilg und kampfesmutig geht der Reichskanzler den kommenden Tagen entgegen und keine Intrige, keine Zermürbungstaktik, wie sie in den letzten Wochen hn geradezu ungeheuerlichen Formen gegen ihn inszeniert worden ist, wird ihn davon abhalten, vor dem Reichstag und damit vor dem ganzen Volke die Verantwortung vor der Geschichte restlos klarzustellen.

Diese Ankündigung des Kanzlers rief demon­strativen Bei,fall der Zentrumsfraktion hervor, die in voller Einmütigkeit, und Geschlossenheit chre Bereitschaft erklärte, dem Kanzler auf diesem Wege zu folgen.

Eine längere Aussprache schloß sich an, dir sich dadurch auszeichnete, daß sie getragen war von größtem Derantwortungs- und Pflichtgefühl gegenüber dem Ganzen und deren Ziel auf nichts anderes gerichtet war, als auf die Wohlfahrt der Nation und des Lan­des.

Ein merkwürdiger Mann.

Die derNationalen Opposition" nahestehende D. A. Z." schreibt zu Harzburg:

Aus den Erklärungen Fricks und Hitlers erkenne man die Schwierigkeit, in der sich die nationalsozialistischen Führer befänden, ihren r e - volutionär en Anhängern die taktische Not­wendigkeit des Zusammengehens mit an­deren Gruppen und Parteien klarzu­machen. Zu den Ausführungen Schachts sagt das Blatt: Seme finanzpolitische Prognose für unser Land mag im einzelnen übertrieben sein, und dis Vergröberung, die zu befürchten ist, wird wahr­scheinlich ungünstige Folgen für unsere Wirtschaft haben. Aber Pessimismus ist heut­zutage kein Verbrechen, und es erweist sich wieder aN ein Fehler, daß Dr. Schachts große Sach­kenntnis und sein feuriges Temperament brachliegen.

Irrtümlich ist gemeldet worden, Dr. Schacht habe Deutschland verlassen und sei ins Ausland geflohen. Tatsächlich wollte er nach Meran fah­ren. Er ist aber nach Berlin zurückgekehrt. Dr. Schacht besitzt in Deutschland mehrere Ritter­güter.

Gin nationaler Tranertag."

Zur Harzburger Tagung schreibt der in Aschaf­fenburg erscheinendeBeobachter am Main", ein Blatt, das unter der Presse der Bayerischen Dolkspartei sehr weit rechts steht und schon viele Verbeugungen vor militaristischen Gedankengän­gen gemacht, nunmehr folgendes:

Vor der Tagung hatDer Deutsche", das Or­gan der Christlichen Gewerkschaften, an Hitler zwei Fragen gerichtet: 1.Herr Hitler, haben Sie schwerindustriellen Führern die Erklärung abgegeben, daß Sie mit Ihrer Partei gegen G e wer kschaften und Tarifverträge sind? 2. Haben Sie die Absicht, gemeinsam mit Hu­genberg die deutsche Sozialversiche­rung zu zerschlagen?" DieFrankfurter Zeitung" schreibt unter der UeberschriftD a s Komplott" westliche Industrielle, die seit lan­gem die Inflation betreiben, seien beim Reichs­kanzler gewesen, und als dieser sich ablehnend ver­hielt, hätten He erklärt, dann müßten sie nach Harz­burg gehen, und als der Reichskanzler fragte, wie sie sich denn die Lage der Sparer dächten, er­klärte einer von ihnen, die müßten eben wieder vorne anfangen. Der Gewährs­mann derFrankfurter Zeitung" versichert, das Hauptziel der Tagung in Harzburg besteht darin,

Dr. Hjalmar Schacht, der frühere Präsident der Reichsbank.

Der frühere Reichsbankpräsildent Dr. Schacht, der innerlich schon längst zu den Nattonalsozia- listen gehört, hat in Harzburg eine derartig st a a ts- gefährliche Rede gehalten, geradezu unge­heuerliche Behauptungen ausgestellt, vom Banke­rott der Reichsbank gesprochen, daß wir es auf Grund der Notverordnung nicht möglich machen können, die entscheidenden Stellen aus seiner Rede wiederzugeben. Auch er sprach für eine Infla­tion, empfahl den Staatsbankerott. Jn- flatton scheint chm nicht allein zu genügen. Darum spielt er mit dem Bankerott-Gedanken.

Der Reichsfinanzminister ist Dr. Schacht

Die Reichslagssitzung am Dienstag.

Formulierte Regierungs-Erklärung und freie Rede des Kanzlers

V.D.Z. Berlin, 13. Oft. (Eig. Meld.). Trotz­dem die Reichstagssitzung erst für 3 Uhr nachmit­tags anberaumt ist, war das Reichstagsgcbäude schon in den frühen Vormittagsstunden von vielen Schaulustigen belagert. Die Ansammlungen neh­men dauernd zu. Vor dem Portal hat sich etwa ein Dutzend Photographen und Film-Operateure ausgestellt. In den späteren Stunden wird der Reichstag von der Polizei wieder in weitem Umkreise ab gesperrt.

Genau vor einem Jahr, am 13. Oktober 1930, hat dieser Reichstag feine erste Sitzung abgehal­ten. Damals war'es in der Reichstagsumgebung zu lebhaften Demonstrationen gekommen, denen sich dann der Schaufen st er sturm in der Leipziger st raße anschloß.

In außerordentlich ernster und schicksalsschwerer Stunde kommt der Reichstag heute am Jahrestage seines ersten Zusammentritts nacheinerPa u'fe von mehr als einem halben Jahr wie­der gufammen. In der Zwischenzeit sind zwei große und eine Unzahl kleinerer Notverordnungen von der Regierung erlassen worden, von denen die meiften sehr umstritten sind. Die Opposition hat die Wiederaufhebung aller dieser Ver­ordnungen beantragt. Aber auch in den Reihen der Parteien, die die Regierung bisher gestützt ha­ben, werden ernstlich in einigen Punkten Äende- rungen verlangt. Welchen Ausgang die Not­verordnungs-Debatte nehmen wird, läßt sich noch nicht übersehen. Sicherlich werden in diesen Tagen noch manche Verhandlungen mit der Regierung stattfinden, um eine gemeinsame Formel für die Er­ledigung der Wünsche der Parteien zu finden. Un­klar ist auch noch das Schicksal der Mißtrauensan­träge, die dem Reichstage vorliegen. In parlamen­tarischen Kreisen rechnet man aber damit, daß Brüning eine kleine Mehrheit erhal­ten wird.

Vor der Plenarsitzung halten fast alle Frak­tionen des Reichstages noch Sitzungen ab, um die letzten Dispositionen zu treffen. Irgend­welche Entscheidungen sind vor der Kanzlerrede nicht mehr zu erwarten. Nach dem Plenum treten die Fraktionen erneut zusammen. Der Reichskanz­ler wird, wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger erfährt, zunächst eine formulierte Regierungserklärung vortragen, deren Verlesung etwck 20 Minuten in Anspruch nehmen würde. Dann wird der Reichs­kanzler in freier 31 e be auf alle schweben- en politischen Fragen eingehen und den Ernst der Lage darlegen. Er dürfte bei dieser Gelegenheit auch aus die Harzburger Tagung und namentlich auf d i e Rede Schachts zu ^rechen kommen. Nach den Ausführungen des Reichskanzlers wird die Sitzung auf Mittwoch ver­tagt.

die Kommunisten haben inzwischen einen Antrag auf Auflösung des Reichs­tages eingebracht.

Die Haltung des Zentrums.

Aus Berlin wird uns mitgeteilt:

Am Vortage des Zusammentritts des Reichs­tags trat die Zentrumsfraktion des Reichstags im Fraktionszimmer des Reichstags zur Aus- Iprache über die politische Lage zusammen. Die Fraktion war fast vollzählig versammelt. Den Verhandlungen wohnten auch zwei Vertreter bet Preußisch en Zentrumsfraktion bei. DerReichs- kanzlA: war mit den bisher dem Kabinett ange- horenden Ministern Guerard und Dr. Wirth, sowie dem Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald erschie­nen.

Ms der Vorsitzende Dr. Perlitius den Reichskanzler Dr. Brüning begrüßte, erhob sich ein sturmiicher Beifall, und als der Vorsitzende dem Kanzler aus tiefem Herzen heraus den Dank r° unendlich schwierige Arbeit aussprach, Summ«? ÄanjIÄT durch Händeklatschen und t;rOtiatt0,n Zuteil, die am besten dafür ablegte, wie die ganze Zentrums- und^wie bteLm. Kampf mitbegleitet hat, dewußt ist, welchen geradezu über» @ körperlichen und seelischen Opfernder

Kanzler sich dabei tm Interesse der Nation unter- <7^9

den ausscheidenden Ministern Guerard uud Dr. Wirth, denen der Vorsitzende den herzlichen Dank dafür aussprach, daß sie so freu fall Huben, wird lebhafter Bei-

lE /uteil, desgleichen dem im neuen Kabinett verbliebenen Reichsarbettsminister Dr. Steuer»

Wb 9ani besonders za

Auuk weiß, daß er sich der ungeheuer schweren Ausgabe auch diesmal wieder nicht versagt hat Der Reichskanzler dankte ebenfalls den 'aus seinem Kabinett ausgeschiedenen Ministern Guerard und Dr. Wirth herzlichst für die Pflicht- und Opfertreue, mit der sie sich seinem Kabinett zur Verfügung gestellt haben, sowie für ihre verdienst­volle Arbeit, mit der sie chre Ressorts verwalteten Gleichzeitig sprach er ihnen den Dank aus dafür, daß sie mit solcher Großmut den poliltischen Not­wendigkeiten Rechnung getragen hätten, und der Kanzler stellte habet besonders fest, daß die bei­den Ausgeschiedenen ihn wahrend der eineinhalb- lährtgen Tätigkeit jederzeit auf das stärkste und loyalste unterstützt hätten.

Eine besondere Begrüßung der Fraktion wurde bem Abgeordneten Dr. Föhr zuteil, dem der Vorsitzende unter lebhaftem Beifall der versam- welten Zentrumsfraktion die herzlichsten Glück­wünsche zu seiner ehrenvollen Berufung als Vor- Ntzender der Badischen Zentrumspartei aussprach. Der Vorsitzende knüpfte daran die Hoffnung, daß Zusammenarbeit zwischen der Badischen Zen- rrumspartei und Zentrumsfraktion und der Zen- ttumsfraktion des Reichstags ebenso ersprießlich flch gestalten werde, wie das bisher der Fall war.

Eine vortreffliche Rede hielt dann der Reichs­

tätigen Volkes schuldig gemacht haben, sind sofort zu verhaften."

Dieser Antrag der Reichstagsfraktion wurde, wie dazu mitgeteilt wirb, burch bie Rebe ver­anlaßt, die Reichsbankpräfident a. D. Dr. Schacht auf der Harzburger Tagung ber Rechtsopposition gehalten hat.

Harzburger Auslauds-Echo.

Das Echo, das bie Harzburger Tagung der nationaeln Oppsifion im Ausland gefunden hat, besteht vor allem in Schilderungen des äußeren Hergangs der Tagung, von der überall Stim­mungsbilder gegeben werben.

In den Londoner Montagszeitungen wer­ben die in Automobilen hin- und herrasenden Or­donnanzen, die kommandierenden Offiziere und die marschierenden Kolonnen dem Leser besonders aus­führlich beschrieben.

Die deutschfeindlichen Rechtsblätter Polens ge­ben die Harzburger Reden in größter Aufmachung wieder und schlachten sie als Beweis für die Schwäche der Reichsregierung aus. Die Bestre­bungen gewisser polnischer Wirtschaftskreise, auf Kosten der deutschen Währung zu spekulieren, ge­winnen durch die Schachfschen Aeußerungen Über bie Lage der Reichsbank bedauerlicherweise neue Nahrung.

Pertinax imEcho de Parts" findet, daß die Harzburger Tagungnicht besonderes Neues gebracht habe".- Brüning habe sich schon aus an­deren Situationen gerettet, alles komme darauf an, ob Hindenburg, Groener und die Reichswehr fest gegenüber den nationalistischen Unruhestiftern blieben.

Oeuvr e" fragt:23on wem will denn Hitler Hilfe und Unterstützung zur Sanierung Deutsch­lands? Etwa von Italien, ober von Rußland, oder von Amerika, das seine Krebste birekt nach dem Hitlersieg bei der letzten Reichstagswahl sofort zu­rückgezogen hat?"Jetzt noch auf eine deutsch- französische Verständigung rechnen zu wollen, wär» glatter Unsinn", schreibt Senator Billiet imAve. nir".Man vergleiche bie Haltung Deutschlands und bie Haltung Frankreichs. Wir haben unseren guten Willen gezeigt; der Beweis des deutschen Hasses ist in Harzburg geliefert worden."

Eine richtige Erkenntnis

Ern französischer Journalist über die Arbeits­losigkeit in Deutschland.

Jaques Kayser, der seine Studienreise in Deutsch- länd für die ZeitungLe Soll" beendet Hatz schreibt in seinem Blatt u>. a., die Not der deutschen Arbeitslosen und ihrer Fami­lien sei wirklich bedauernswert. Man müsse gegen die Arbeitslosigkeit kämpfen, und zwar gegen ihre Ursachen ebenso wie gegen die Tatsache sel­ber. Politische Verwirrung, Drohungen der Hitler- leute und Erregung unter einer in ihrem Leben, wie in ihren Idealen geopferten Jugend, das seien die Folgen der Arbeitslosigkeit. Um das Gleichgewicht wieder herzustellen und um das Vor­dringen der Völkischen einzudämmen, um der Ju­gend eine Hoffnung zu geben, müsse man nicht nur der wetteren Ausbreitung der Arbeitslosigkeit Ein­halt gebieten, sondern die Arbeitslosigkeit selbst eindämmen. Hierfür sei nur eine Politik intet« nationaler Zusammenarb eit amPIatze. Es müsse eine Politik fester Solidarität der Völ­ker versucht werden.

Die aufgehobene Ausrückungs-Sperre.

Rücktritt des preußischen Finanz-Ministers.

Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: In den Besoldungsordnungen des Reiches und der Länder fand sich bisher bie Bestimmung, daß die planmäßigen Beamten und Lehrpersonen, so­weit sie auffteigenbe Gehälter oder Gehälter mit Mindestgrunbgehaltssätzen beziehen, bis zur Errei­chung des Endgehaltes ihrer Gruppe stets nach Ab­lauf von 2 Jahren in eine höhere Stufe ihrer Ge­haltsgruppe aufrückten. Die preußische Notverord­nung vom 12. September 1931 hat diesen Zustand im Rahmen der sonstigenMaßnahmen zur Si­cherung des Haushalts" dahin abgeändert, daß diese Zweijahresspanne einmalig auf vier Jahre verlängert wurde, daß also praktisch ein Auf rücken der Beamten um zwei Jahre hinausgeschoben wurde. Diese Maßnahme wurde in der begründeten Annahme vorgenom­men, daß die Reichsregierung in ihrer Notverordnung eine für die Reichsbeamten gül­tige Bestimmung gleichen Inhalts treffen würde. Da bie inzwischen veröffentlichte brüte Notverorb» r.ung des Herrn Reichspräsidenten diese Bestim­mung nicht enthielt, glaubt die preußische Staatsregierung diese Regelung nicht a u s -

Der bisherige bewährte preußische Nnanzmmist« Höpker- Aschoff.