NILS
Beilage zur Fuldaer Zeitung
11. Oktober
Nr. 235
20. Sonntag nach Pfingsten.
Eingangslied: Dan. 3, 31, 29 und 35.
Alles, was du uns getan, o Herr, hast du getan nach gerechtem Gericht; denn wir haben gesündigt vor dir und haben deinen Geboten nicht gehorcht. Aber nun verherrliche deinen Namen und handle mit uns nach der Fülle deiner Barmherzigkeit. (Pl. 118, 1.) Selig die makellos bleiben auf ihren Wegen, die wandeln im Gesetze des Herrn.
Epistel: Eph. 5, 15—21.
Brüder! Seht zu, daß chr vorsichtig wandelt, nicht wie Unweise, sondern wie Weise. Benützet die Zeit, denn die Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern lernet den Willen Gottes verstehen. Berauschet euch nicht mit Wein, das wäre Ausschweifung; werdet vielmehr voll des Heiligen Geistes. Stimmt miteinander Psalmen an und Lobgelänge und geistliche Lieder; singt und spielt dem Herrn in euern Herzen. Dankt immer für alles Gott dem Vater im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Seid einander untertan in der Furcht Christs.
Evangelium: 3oh. 4, 46—53.
Jesus heilt den Sohn des kaiserlichen Beamten in Kapharnaum.
Vakerschaft.
Betrachtung zum Sonnkagsevangestum.
Ob der königliche Beamte ein guter Vater war? Vielleicht ist dir das Wort Vaterschaft in Versammlungen oder Vorträgen begegnet und es hatte dir nichts Rechtes zu sagen. Wenn du aber Kinder hast, die zu dir Vater sagen, hast du kaum aufgemerkt, allein schon deshalb, weil dein Ohr an dieses Wort gewöhnt ist. Vielmals am Tag hörst du dich so angesprochen. Hast du schon einmal darauf geachtet, wann deine Kinder dich so nennen? Die Kleinen rufen zu dir, wenn sie in Not sind und in der Freude sollst d-u dich mit ihnen freuen. Aber wann nennen deine erwachsenen Kinder deinen Namen? Sagen nicht auch sie im Kameradenkreis „mein Alter", „meine Alte"? Und wenn sie sich einen Anstrich von Bildung geben wollen, heißt es „mein alter Herr", „meine alte Dame". Stell dir diese Worte im
Munde deines kleinen Kindes vor! Es erscheint dir wie eine Unmöglichkeit.
Hast du schon einmal über den Grund dieser Wandlung nachgedacht? Vom ersten mühsamen Stammeln deines Namens aus dem Mund deines Kindes bis zu jenem, den deine großen Kinder für dich fanden, ist ein weiter Weg. Du meinst vielleicht, deine Kinder hätten sich gewandelt. Konnte es nicht sein, daß du anders zu ihnen geworden. daß du ihnen nickt mehr Vater bist? Das klein« Kind kam mit feinen Nöten und Freuden zu dir, weil es ein offenes Ohr bei dir fand. Bist Lu auch deinen Heranwachsenden Kindern noch väterlicher Freund? Hältst du es der Mühe wert, dich mit ihren Wünschen, Neigungen und Gedanken zu befassen, einmal ernst mit chnen darüber zu sprechen und sie zu beraten? Es könnte sein, daß du in dieser harten Zeit nur die Schwere der Last gefühlt hast, deine Kinder zu ernähren. Das tun auch die Tiere. Sie sorgen für ihre Jungen mit mehr Selbstlosigkeit als die Menschen, die si< oft am eigenen Opfer vorbeidrücken möchten. Vater-fein, heißt mehr als fürs tägliche Brot sorgen, sonst hörte ja die Vaterschaft auf, sobald sich deine Kinder dieses Brot selbst verdienen können. Und sie hätten gar nicht so unrecht, wenn sie dich dann nicht mehr Vater nennen.
Bist du Vater, so mußt du dich um deine Kinder kümmern. Es könnte sein, daß -u daheim nur im Kommandoton sprächst, und Frau und Kinder sollen „parieren". Da wundere dich dann nicht, wenn es dir wie jedem geht, der gerne kommandiert: es finden sich wenige, die dem Kommando gerne folgen. — Hast du Zeit für deine Vereinsversammlungen und die Zeitung, so halte dir auch eine Stunde frei für deine Kinder. Besprich mit ihnen Dinge, für die sie Anteil haben, sind sie groß, Jo laß sie auch an deinen Sorgen und Mühen für die Familie teilhaben und behandele sie nicht als Lehrjungen und Kleinknechte. Bist du Bauersmann fo besprich mit deinen Whnen die Feldarbeit für den kommenden Tag. Bist du Arbeiter, so laß dir nicht nur Kostgeld von deinen Kindern geben, sondern besprich auch mit ihnen die Familienangelegenheiten. Deiner Verantwortung als Vater kannst du nicht entgehen, wenn du sägst, ich habe meine Kinder ernährt. Vaterschaft übernehmen, heißt nicht nu» für sein« Kinder sorgen, sondern ihnen jederzeit väterlicher Freund und Berater bleiben.
neu und die Gesamtheit. Es wird ein Kreuzzug der Liebe und zweifellos auch des Opfers sein, zu dem wir alle aufrufen, die Söhne eines Vaters, Glieder der großen Familie Gottes sind. Brüder in Glück und Freude, aber auch in Widerwärtigkeiten und Leid, das unsere Brüder betroffen hat.
Zu diesem Kreuzzug rufen wir auf als zu einer heiligen Pflicht und es ist eine Pflicht im Sinne des Gebotes, das von Jesus im Evangelium gegeben wurde als größtes und erstes unter allen Geboten, gleichsam eine Zusammenfassung aller anderen, das Gebot der Liebe, das unser verehrter Vorgänger gleichsam als Erkennungszeichen seines Papsttums bei ähnlichen Anlässen wiederholt in den Tagen des Hasses und des furchtbaren Krieges eingeschärft hat. Wir fügen hinzu, daß diefes Gebot nicht nur höchste Pslickt und Zusammenfassung des ganzen christlichen Gesetzes ist, sondern auch die Tat und das hohe Ideal, das für edle und dem Sinn für christliche Vollkommenheit aufgeschlossene .Seelen besonders gilt.
Nicht glauben wir, daß es hier noch vieler Worte bedarf, so sicher erscheint es, daß es dem Edelmut der Herzen, der Begeisterung der christlichen Seelen mit ihrem heiligen Schwung der Ergebung und des Opfers für die Rettung der Brüder, besonders für die erbarmungswürdigsten und bedürftigsten, die Schar der unschuldigen Kinder gelingen wird, in der Kraft er Eintracht die größten Schwierigkeiten der Gegenwart zu überwinden. Zweifellos ist nicht die letzte Ursache der gegenwärtigen Krise
das Wettrüsten.
das sonst die Gegensätze der Völker schafft, als einen riesigen Aufwand der öffentlichen Wohlfahrt entzieht. Deshalb wiederholen wir die vorsorgliche Ermahnung unsres Vorgängers „De les de- buts" („Von den Anfängen") sowie unsere Ansprache vom 24. Dezember 1930 und unser Schreiben: „Con vivo piacere" („Mit lebhafter Freude") pom 7. April 1922 mit unserem Bedauern, daß sie bisher nicht gehört wurden, und wir ermahnen euch alle, geliebte Brüder, daß ihr mit allen Mitteln in Wort und Schrift arbeitet, die Christen zu erleuchten und di« Herzen zu öffnen, wie es dem Gesetz der Vernurfft und noch mehr dem Gebot Christi entsvricht.
Jeder von euch kann der Mittelpunkt der Liebe und des Edelmutes feiner Gläubigen fein und zugleich im Mittelpunkt der Verteilung der ihm dargebrachten Hilfsmittel. Wenn in manchen Diözesen es notwendiger erscheint, dieses Geschenk dem Metropoliten zuzuweisen oder erprobten karitativen Anstalten, so sehen wir hiergegen kein Hindernis. Wir haben euch ermahnt, alle verfügbaren Mittel zu benutzen, Gebet, Predigt, Druckschrift, und wir wollen selbst zuerst uns an eure Gläubigen wenden, sie im Herzen Christi zu bitten, daß sie mit edelmütiger Liebe euren Aufruf beantworten und ausführen werden, was ihr in Erläuterung dieses apostolischen Schreibens ihnen nahelegen weidet.
Da aber alle menschlichen Kräfte nicht ausrei- chen ohne göttliche Hilfe, erheben wir unsere heißen Gebete zum Geber alles Guten, daß er in feiner unendlichen Barmherzigkeit die Zeit der Drangsal abkürze. Im Namen der Brüder, die leiden, wiederholen wir inniger als bisher die Bitte, die uns Jesus selbst gelehrt hat: „Unser täglich Brot gib uns heute". Wir er« innern alle daran, was der göttliche Heiland zu unserer Aufmunterung und zu unferm Tröste versprochen hat, was wir „einem seiner geringsten Brüder" getan haben, sei ihm selbst getan (Matth. 25, 40) und noch einem anderen feiner tröstlichen Worte, wer sich aus Liebe zu ihm um ein Kind sorgt, tut so, als ob er Sorge um seine eigene Person trüge (Matth. 18, 5). Das Fest endlich, das die Kirche heute feiert, erinnert euch gleichsam als Abschluß unserer Ermahnungen an die ergreifenden Worte Jesu, wie er, nach einem sie vor die Schranken des Gerichtes führt. „Ich wollte es nicht mehr haben — ich wollte das Kind auch inner« lich los fein,' klagt sie sich selber dem Richter an. Und der Verteidiger, dies Wort der Angeklagten aufgreifend: „Hand aufs Herz, junge Mutter. Ihr wolltet eure Kinder auch schon manchmal los sein ... um in ein Kino zu gehen, ins Theater, auf einen Ballabend. . Diese Helene gehört zu jenem modernen Mädchentyp, „der sich dem geliebten Manne mit Leib und Seele skrupellos zu eigen gibt. Richt als Mutter seiner Kinder, nein — als etwas Schlimmes, das ich nicht mit Namen nennen will, ohne Scheu und ohne Vorbehalt. — Es ist eine pathologische Tatsache, daß in der Frau, die sich mit allen chren Sinnen dem Mann ergibt, das mütterliche Gefühl verkümmert oder überhaupt nicht entwickelt ist." Aber die Keimschuld der Tat liegt noch tiefer. Die Angeklagte selbst deckt sie auf: „Einmal, viel früher, — als es noch nicht da war, in den ersten Monaten, — wollte ich das tun, was ja heute jo viele Frauen und Mädchen tun. . ." Aber der Bräutigam „drohte mir mit allem Ernst, daß er mich verlassen wolle, wenn ich so etwas tue, er werde die Heirat beschleunigen — und ich ließ es bei seinem Willen." Und als der Richter sie fragt, was das mit der Sache zu tun habe, um deretwillen sie angeklagt sei, „steigt ihre Stimme irgendwie anklagend, —.sich selber — eine ganze Generation. Wer ein Lebendiges in sich morden kann, der kann auch ein Lebendiges außer sich morden, ohne zu denken, ohne zu fühlen!"
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In dem Roman „Die Kameradin" von Iosefine Widmer ist es nicht das Weib, sondern der Mann, der den Eingriff verlangt, ja, dem Zeitgeist entsprechend ihn für selbstverständlich hält. Denn er selbst verdient als junger Maler wenig, und seine Ehefrau hat den Unterhalt des Lebens zu bestreiten. Hier also ist die materielle Not das eigenlliche Motiv. Zwar bietet sich dem Maler eine Stelle als Zeichenlehrer, doch ihm ist die Kunst mehr als die Moral, mehr als das werdende Leben seines Kindes. Brüsk weist er die scheue Bitte seiner Frau zurück: ,Zch danke dir vielmals,
2er Kreuzzug gegen das Vellübel.
Papst Pius XL über die Arbeitslosigkeit und die Pflicht zu helfen.
Papst Pius XI. hat an die Erzbischöfe und Bischöfe der ganzen Welt folgendes Rundschreiben gerichtet:
Eine neue Geißel droht; schon sucht sie einen großen Teil der uns anvertrauten Herde heim, be- fonders hart ihren zarfesten und uns liebsten Teil, di« Kinder, die weniger Besitzenden unter den Arbeitern. Wir sprechen von der großen Angst und der Finanzkrise, die alle Völker heimgesucht und in alle Länder das furchtbare liebel der A r - b eits losi g k eit trägt. Wir sehen zur Untätigkeit und damit samt ihren Familien zur Not gezwungen eine solche Menge ordentl'cher und williger Arbeiter, die nichts mehr ersehnen, als nach dem göttlichen Gebot anständig im Schweiße ihres Angesichts ihr täglich Brot zu verdienen und darum alle Tage den Herrn anrufen. Ihre Seufzer bewegen unfer väterliches Herz und lassen uns voll tiefften Erbarmens das Wort wiederholen, das aus dem Herzen des göttlichen Meisters über die hungrige Menge erging: „Mich erbarmt das Volk" (Markus 8, 2.).
Unser Mitleid gilt besonders der ungeheuren Menge Kinder, der unschuldigsten Opfer der traurigen Verhältnisse, die nach Brot meinen, während niemand da ist, der es ihnen brächte (Klag. Jerem. 4, 4) und in der Düsterkeit ihres
Elends verurteilt sind, die Freude und das Lachen vergehen zu sehen, das so ganz zu ihrer Seele gehört.
Der Winter naht und mit ihm die ganze Folge von Prüfungen und Entbehrungen, die die kalte Jahreszeit den Armen bringt, besonders den zarten Kindern. Dabei ist zu befürchten, daß die Plage der Arbeitslosigkeit, um deren Abwendung wir gebetet haben, sich verschärfe und die ungestillte Not armer Familien und ihrer Kinder, was Gott verhüte, noch ärger werde.
Daran denkt unser Vaterherz mit Zittern, und wie es bei ähnlichem Anlaß unsere Vorgänger, besonders unser unmittelbarer Vorgänger Benedikt XV. fei. Anged. getan haben, erheben wir unsere Stimme und richten unseren Ruf an alle, die Sinn für Glauben und christliche Liebe haben, den Ruf zu einer Art Kreuzzug der Liebe und Hilfe. Ein solcher kann den Hunger des Leibes stillen und wird die Seelen stärken, er wird in ihnen den Glauben wiedererwecken und die traurigen Gedanken verscheuchen, die das Elend den Seelen einzuflößen pflegt. Er wird die Flammen des H a f f e s und der trennendenLei- denschaften ersticken und dafür Liebe und Eintracht erwecken sowie ein festes Band des Frie- dens und der Wohlfahrt schließen für den Einzel-
§ 2181
Alan könnte Bedenken haben, ein so heikles Thema, wie es der Mord am keimenden Leben darstellt, in der breiteren Oeffentlichkeit zu behandeln. Aber in einer Zeit, wo von der Großstadt bis zum Dorf in Versammlungen und Privatgesprächen gegen den § 218 Sturm gelaufen wird, erwächst die christliche Pflicht der Verteidigung und Abwehr. Es kann nun nicht meine Aufgabe sein, den Begriffs- und Gefühlsverwirrungen nachzuspüren, die dieses Thema und die ganze Zukunft der Menschheit erst auf die Messerschneide eines Pro- blenms stellen; es soll hier nur auf drei modern« Romane aufmerksam gemacht werden, deren Verfasser durch die Art der Gestaltung dem Morde am keimenden Leben entgegentreten.
Wenn wir auch im heutigen Zeitgeist, der sich immer mehr der moralischen'Begriffe als einer lästigen Bindung zu entledigen sucht, die letzten Ursachen einer solchen natur- und gesetzwidrigen Handlung suchen müssen, so darf dennoch nicht übersehen werden, daß letzten Endes der Wille des Weibes ausschlaggebend ist. Damit soll nicht gesagt fein, daß bei ihm allein die Schuld liege; fast immer ist es auch der Mann, der auf die Entscheidung 6es Weibes einen großen Einfluß ausübt.
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Bei Elisabeth in Anton Gabeles preisgekröntem Roman „3m Schatten des Schicksals' steht die Angst vor dem Schmerzenslager der werdenden Mutter im Vordergründe. „Schon die erste Geburt hatte sie kaum ertragen. Hatte von der Anstrengung drei Monate lang im Bett ausruhen müsien. Und der Doktor., hatte den Finger erhoben . . . Nie wieder!" Aber diese Angst war es nicht allein, die sie zu dem Entschluß kommen ließ, das keimende Leben zu morden. Bedeutsam ist, daß ihr Verlangen nach Empfängnis dem Neid auf ihre verhaßte Schwägerin entsprungen war, die mehrfach glückliche Mutter wurde. Aber vielleicht hätte Elisabeth trotz allem noch die Kraft aufgebracht, ihren leid
vollen Mutterweg zuende zu gehen. Doch die zynisch- lustige Stimmung, die der betrunkene Ehemann von der Kindtaufe der Schwägerin in das Schlafgemach seiner Gattin trug, lösten alle Hemmungen. „Sie packte ihn bei den Haaren, stieß seinen Kopf wider das Bettholz, würge und kratzte." Es war der Verzweiflungsausbruch eines gequälten Weibes, das den Ernst und die Würde feines Muttertüms vom grausamen Unverständnis des Mannes durch unpassende Witze entwürdigt sieht. Und dann steigert sich berechtigte Eifersucht in eine krankhafte Anklage: „An dem Kinde werd« sie sterben. Das sei gut so. Dann habe er seine Freiheit wieder und könne finden, was zu ihm passe . . ."
Und aus schuldb^vußtem Mitleid gibt der Mann den Bitten feines Weibes nach und bestellt den Kurpfuscher.
Groß ist die Szene, m der der Dichter die grauenhafte Tat gestaltet. Unten der alte naturverwurzelte Bauer mit der Ahnung, was in der Kammer über ihm vor sich geht. Ergreifend feine hilflose Geste: „. . . fein breiter, schrundiger Zeigefinger wischte hin und her und schrieb in die Brotkrumen." Und zwischen dem stöhnenden Schmerz, der immer dünner, immer ferner durch die Decke tropft, das brockenhafte Herausstoßen feiner Anklage — man glaubt die geschändete Natur selbst zu hören: „. . . Und wo du gehst im Acker und im Wald, mußt du do nit versinke mit Schänd vor jedem Mäusle, dös sich um seine Jung« wehrt? Kannst du denn no e Vaterunser bete vo heute Abend ab? Mußt doch ans Kindl« denke, bös umbringst, wenn du „Vater" sagstl" Und während des Mannes Schwester, die iros Unheimliche dieser verbrecherischen Nacht aus dem Schlafe trieb, den Rosenkranz betet, ging langsam die Tür auf. Der fremde Mann stand im Rahmen, der weiße Rock rot besudelt, die blutig Hand zittert hin und her vor dem grauen Gesicht; er winselte: „Sie stirbt mir!"
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Bei Helene Kandl in dem Raman Fanny Wibmer- Psdit, „Der brennende Dornbusch" ist es nicht der Mord am keimenden Leben, sondern der Versuch einer Tötung ihres mehrere Monate allen Kindes, die
Worte des hl. Johannes Chrysostomus unerftürm- bare Mauern zum Schutz der Kinderseelen aufrichtend, sagt: „Seht zu, daß ihr keines von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel schauen fort und fort das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist" (Matt. 18, 10).
Und diese Engel im Himmel werden vor den Herrn alle Taten der Lieb« tragen, die von edelmütigen Herzen für die Kinder geübt werden und werden denen, die ein« gute Tat getan haben, reichen Segen bringen. Es naht das alljährliche Fest Jesu Christi des Königs, dessen Reich und Friede wir seit Anfang unteres Papsttums verkündet haben. Es scheint uns besonders angemessen ,daß zu seiner Verbreitung in den Pfarrkirchen feierliche Tri du en gehalten werden. um von Gott Gedanken des Friedens und leine Gaben zu erflehen. Zu deren Verheißung verleihen wir euch, ehrwürdige Brüder, und allen die unserem väterlichen Ruf folgen, den Apostolischen Segen.
Die Heiligenlegeude unterer Kinder.
Es ist zu einer besonderen Frage der Gegenwart geworden, wie man dem Kinde die Geheimnisse der Religion näher bringen soll, wie und ob es möglich ist, schön in früher Jugend den Weg zu bereiten, der dann späterhin zu einer vergeistigten Auffassung führt. Solche Fragen sind eigentlich immer mehr in der Praxis zu töten, und riel zu einer wünschenswerten Gestaltung kann da das Buch beitragen. Gerade eine künstlerische Hand versteht es mit am besten, vom roh Stofflichen zu dem zu führen, was hinter den Dingen, hinter den wunderbaren Geschehnissen steht. Maud Monahan schuf m der „Geschichte der heiligen Magdalena Sophie Barat" ein solches kleines Kunstwerk. (Uebersetzt von Elisabeth von Schmitt-Pauli. Illustriert von Robin, Geschrieben von Elfriede Weber. Herder u. Co., Freiburg i. Br. 1931). Dieses schmale, schlichte Büchlein, -an dessen schöner, gefälliger Ausgestaltung in Wort, Bild und Schrift so viel gute Kräfte mit« gewirkt haben, bietet wirklich alles das, was wir von einer Heiligenlegende für Kinder erhoffen. Die Erzählung ist denkbar einfach gehalten, steht fern ollem übertriebenen Wundersüchtigen, setzt viel- mehr alle Geschehnisse in die Sphäre unserer tagtäglichen Welt, aber unendlich geadelt durch den Glauben an Gott und seine Welt der Güte, Gnad« und Liebe. Diese letzten und größten Geheimnisse leuchten immer wieder durch das Geschehen um die Heilige herum, und man kann in dem Büchlein wohl «inen gelungenen S^rsuch bemerken, das tief innerlich Geistige des Katholizismus in der Form zu vermitteln, die dem kindlichen Gemüte angepaßt ist. Die poetische Erzählung von der Heiligen Magdalena Sophie Barat ist wohl geeignet, Kindern und Müttern Freude und Anregung zu bringen. Dr. Ilse Masda ch.
kleine Mitteilung.
Dom Dauernknecht zum Priestertum.
Unter den Priesteramtskandidaten, die vor kurzem im Dom zu Klagenfurt geweiht wurden, befand sich ein Spätgerufener, der neue Priester Franz Gollreiter. Er war nach der Vollew- dung der Volksschule mehrere Jahre hindurch landwirtschaftlicher Arbeiter und rückte 1917 mit dem Gebirgsschützen-Regiment an die italienisch« Front ab Nach dem Kriege wurde Gollreiter Landbriefträger und Mitglied der christlichen Postgewerkschaft Hier reifte sein Traum, Priester zu werden, und mit größten Opfern brachte er es zustande, im Herbst 1927 die Matura in Klagenfurt abzulegen. Nun wurde ihm der Weg geöffnet, der zur Priesterweihe führte. Es dürfte der erste Fall in Oesterreich sein, daß ein Landarbeiter sich zum Priestertum emporgearbeitet hat. Der neue Priester will sich besonders der Seelsorge unter feinen früheren Berufsgenoffen widmen.
täglich fünf Stunden in der Fron stehen, talentlosen Trotteln die Hand führen und den Bleistift spitzen, nur damit du deinem Bamberletsch Windeln kaufen kannst . . .' Qualvoll windet sich die Frau unter dem Begehren ihres Mannes: „Es ist ein Mord." Und er: „Laß dich nicht auslachen, Anna, du hast eben von Wissenschaft keine Ahnung . . Und ihre Antwort: „Es ist Sünde!" Und er: „Sünde ist es, ein Wesen ins Leben zu setzen, für das man nicht sorgen kann und das man einer ungewissen Zukunft preisgibt.' Und dann schließlich den Trumpf der modernen Phrasen: „Wenn du mir nicht folgst, dann muß ich glauben, daß du mich nicht lieb hast . . .' Dieses Wort zwang sie zu jener gewissenlosen Aerztin, aber als die Stunde der Entscheidung vor ihr stand, „richtete sie sich hoch empor, ihre Gestalt wuchs und füllte den Raum. „Nie- mals," rief sie und dann noch einmal mit lauter, fast schreiender Stimme: „Niemals!" Und dann ging sie zu einem Wäschegeschäft. „Und Anna empfand ein diebisches Vergnügen bei dem Gedanken, daß das Honorar, das der unsympathischen Frau Doktor Grabsky zugedacht war, sich jetzt in nette Kinderhemdchen und -jäckchen und einen soliden Kinderwagen umwandeln sollte."
§ 218! — Mit furchtbarem Ernst schaut er uns an. Steigt nicht aus seinem kalten Munde der Ruf nach der Mutter? Daß man sich um ihn raufen kann, um das primitivste Recht der Natur und des Lebens — daß dies überhaupt möglich ist, das ist das schauerliche Fragezeichen hinter der Zukunft des deutschen Volkes.
Josef Hach mann.
Gabele, Anton: Im Schatten des Schicksals. Roman. Deutsche Buchgemeinschast. Berlin, 322 Seiten. Gebunden 4.90 Mk.
Wibmer-Pedit, Fanny: Der brennende Dornbusch. Roman. Joses Habbel, Regensburg. 460 Seiten. Leinen 6 Mk.
Widmar, Iosefine: Die Kameradin. Roman. Verlagsanstall Tyrolia, Innsbruck. 175 Seiten. Seinen 5 Mk. Kart. (Volksausgabe) 2 Mk.