Einzelbild herunterladen
 

7. Oktober

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Nr. 231

NILS

Worte des Rembrandtdeutfchen

Ein Volk, das die großen Züge feiner Vorfahren verleugnet, wird nie recht gedeihen. Auch im Arbeiter sollte man den Sinn für Geschichte zu wecken versuchen. Dem geistig Blinden öffnet sie mild die Augen. Bon Tag zu Tag führt sie zu Ewigkeit. Sie hat, sie lehrt, sie gibt Charakter. Ohne die großen ge­schichtlichen Vorratskammern zu öffnen, wird es schwer sein, eine neue geistige und künstlerische Flut in das jetzt vertrocknete Flußbett deutschen Fühlens zu leiten aus dem Maschinenzeitalter ein Seelenzeitalter zu ge­bären."

Die Aufgabe ist: Das hungernde und dür­stende Volk zu speisen und zu tränken. Zunächst ganz wörtlich. Denn viele durchschnittliche Men­schen kann man für das Himmlische erst gewinnen, wenn man ihnen das irdische Dasein gebessert hat. Wollen sie von religiösen Dingen nichts hören, so muß man sie vor­erst damit in Ruhe lassen. Wenn sie nicht glauben wol­len, so müssen sie wenigstens hinreichend zu essen haben: Vielleicht glauben dann ihre Kinder und Enkel oder ihre Urenkel. Jedenfalls zeige man ihnen ein Herz, um ihre Herzen zu gewinnen."

Politik wie Leben des deutschen Volkes werden sich schief entwickeln, solange dem in ihm herrschenden äuße­ren Mehrheitsprinzip nicht ein inneres Minderheits­prinzip ergänzend und zugleich berichtigend an die Seite tritt."

Man soll die G eist er scheiden, statt sie zu verschmieren. Scheidung der Geister, das ist Rettung der Geister."

Mik der Gegensahskellung:Hier politischer katho- kizismus dort religiöser Katholizismus", einen Tren­nungsstrich in das katholische Leben treiben zu wollen, ist unverantwortlich. Cs ist einfach ein Ding der Un­möglichkeit, eines ohne das andere zu pflegen. Die Ant­wort auf die bekannte Frage:Religion oder politischer Katholizismus? lautet einfach: Religion und poli­tischer Katholizismus: aber mit bedingter Bevorzugung des religiösen Momentes, und wie entschieden zu betonen ist, in klar geschiedenen Tätigkeitsbezir­ken. Dann ergibt sich gesunde katholische Polarität."

(Zitate ausDer Geist des Ganzen" von Julius Langbehn, dem Rembrandtdeutfchen. Zum Buch ge­formt von Benedikt Momme Nissen.)

Das Erstarken der MndlhorWnde.

Provinzialtagung der windthorstbünde in Hessen-Nassau. Der windthorfkkmnd will die Offiziers- und llnter- ofsiziersschule der Zenlrumsparlei sein. 3m vergan­genen 3ahr haben sich die Windlhorslbünde in Hessen- Nassau von 10 aus 41 mit über 1000 Mitgliedern ver- mehrt. 3n der Woche vom 15. bis 22. November findet in Fulda ein Schulungskursus statt.

Die Windthorstbünde in Hessen-Nassau hielten am vergangenen Samstag im Heim für Kaufleute und Stu­denten zu Frankfurt a. M. ihren diesjährigen Ver­tretertag ab. Die Führer von 35 Bünden waren er­schienen. Aus dem vom Vorsitzenden des Provinzialoer- bandes, Dr. Meder- Münster i. T., erstatteten Jahres­bericht ging hervor, daß die politische Bewegung der katholischen Jugend seit Oktober des vergangenen Jah­res rasch an Bedeutung gewonnen hat. In Hessen-Nassau bestehen heute 41 Windthorstbünde mit über 1000 ein­geschriebenen Mitgliedern. Im verflossenen Winter fan­den an allen größeren Orten große politische Kundgebun­gengegen Hakenkreuz und Sowjetstern" statt, die zum ersten Mal einer breiteren Oesfentlichkeit zum Bewußt­sein brachten, daß katholische Jugend zur Mitarbeit am Aufbau des deutschen Reiches und zum Kampf gegen die zerstörenden Kräfte des Radikalismus bereit und be­fähigt ist. Um die weitere Sammlung der politisch den­kenden jungen Kräfte und eine noch planmäßigere Auf­klärungsarbeit unter den Masten der leidenden und ver­hetzten Volksgenossen durchführen zu können, läßt sich eine st raffe Organisation der Windthorstbünde 'nicht mehr länger hinausschieben. Diesem Zwecke soll auch die neue Satzung des Provinzialverbandes dienen.

In der Fuldaer Jugendherberge

In der nachfolgenden Skizze schildert ein Stu­dent, der aus seiner Fahrt in der Fuldaer Jugend­herberge übernachtet hat, seine Eindrücke. Wenn der Verfasser auch sehr kritisch eingestellt zu sein scheint, so muß doch der objektive Beobachter zu der Ueberzeugung kommen, daß die Fuldaer Her­berge den Anforderungen nicht mehr entspricht, die'man heute an die Jugendherberge stellt. Ob man freilich jetzt noch das nachholen kann, was man in besseren Zeiten versäumte, scheint fraglich.

Umgeben vom Grün der Bäume, umstrahlt von Licht, Lust und Sonne, bietet die Fuldaer Jugendher­berge, inmitten der Natur gelegen, der wandernden Ju­gend ein gastliches Heim". Dies oder ähnliches kann man leider nicht von der Fuldaer Herberge berichten. Vielmehr besteht in Fulda immer noch die in der Infla­tionszeit eingerichtete Notherberge auf dem dürftig aus- gebauten Dachboden eines Schloßflügels.

Die Sonne geht dem Westen zu, als ich die Schloß­straße herunterkomme, um für die Nacht Bleibe zu suchen. Die Herbergstür ist verschlossen. Ein Schild besagt, daß der Herbergsvater außerhalb der Herberge in einer anliegenden Straße wohnt. Doch auch dort ist niemand anzutreffen, und ich kann erst, als ich eine Stunde später wiederkomme, meinen Ausweis zur An­meldung abgeben.

In der Herberge sind bereits Gäste angekommen. Beim Eintreten schlägt mir ein aufdringlicher Geruch der in Teeröl gestrichenen Treppe entgegen. Knarrend ächzt die Stiege unter den Schritten, lieber dem Vor­platz, zu dem die Treppe führt, liegt das freie Dach mit den alten Sparren und Ziegeln, zwischen denen an man­cher Stelle der blaue Himmel hindurchlugt. Mit Torni­ster bepackte Fahrräder, sind die Treppe herausgeschleppt und stehen oft mehrere aneinander, in Ermangelung eines Abstellraumes den Wänden entlang. Ein Satten- verschlag trennt den Vorplatz von dem übrigen Dach­boden.

Im Tagesraum zieht sich ein Gewirr von schwe­ren, knorrigen Dalken den schrägen, der Dachneigung folgenden, Wänden entlang und läuft unter der Decke her. Durch ein kleines Dachfenster fällt ein Strahlen­bündel Licht herein, streift di« Ecke eines Tisches uno wirft aus die quadratischen Ziegelplatten des Fußbodens das Bild eines schmalen Lichtkegels, der nur einen Teil des Raumes mäßig erhellt und sich bald in ein leichtes Halbdunkel verliert.

Große und kleine Zinkwannen hängen in Parade­stellung an der Fensterwand, sie verraten, daß dieser

die das Gebiet von Hessen-Nassau in mehrere Gaue auf­teilt. Die Kreise Fulda, Hünfeld und Gers- seld gehören zum Gau Fulda, während der Gau Hanau die Kreise Hanau, Gelnhausen und Schlüch­tern umfaßt.

Die Aussprache über die Winterarbeit stand aus hoher Warte. Man versuchte immer wieder vorn Praktischen aus das Grundsätzliche oorzustoßen. Unsere Arbeit gilt nicht einer Partei, sondern dem Vaterland das gerade von denjenigen, die sichnational" nennen, immer wieder in die größte Gesahr gebracht wird. Un­sere Ausgabe ist es, den gewissenlosen oder geistig ver­rannten Saboteuren der Aufbauarbeit des Reichskanz­lers in aller Offenheit entgegenzutreten. Besonderen Wert muß auf die Heranbildung einer Führ er» auslese gelegt werden. In jedem Dorfe müssen einige junge Männer gefunden werden, die sich als Vor­kämpfer mit in unser« junge Volksfront stellen.

Der Führerschulung soll auch der politi­sche Schulungskursus dienen, der vorn 15 bis 2 2. November in Fulda abgehalten wird. Der Kursus wird von dem Führer der deutschen Windhorst­bünde, Reichstagsabgeordneten Dr. Krone- Berlin und von Reichstagsabgeordneten Hoffmann-Ludwigs­hafen geleitet werden. Volle Verpflegung und gutes Nachtquartier wird zum Preise von 5 Mark je Person gewährt. Diejenigen, die sich selbst verpflegen und abends wieder nach Hause fahren, zahlen eine einmalige Teil­nehmergebühr von 2 Mark. Das Programm der Ta­gung wird noch bekannt gegeben. Anmeldungen um­gehend an Dr. Josef Sauer, Fulda, Harmonie.

Wir hoffen, daß aus jedem Dorfe des Gaues Fulda mindestens ein junger Kampfgenosse an dem Kursus teil­nimmt. Vielleicht können ältere Parteifreund« jungen Arbeitslosen die Teilnahme finanziell ermöglichen.

katholische Bauernsöhne!

Der Volksverein hat bekanntlich auf dem Gebiete der ländlichen Erwachsenenbildung vorbildliche und gedie­gene Arbeit geleistet und vor Jahren die erste ka­tholische bäuerliche Volkshochschule im Franz Hitze-Haus zu Paderborn errichtet. Sie wird von jüngeren Bauern im Aller von 19 bis 40 Jahren aus allen Teilen des Reiches und dem stammverwandten Auslande besucht. An ihr sind erprobte Volksbildner tätig, die aus dem Bauerntum stammen, seine materiel­len und seelischen Nöte kennen und wissen, wo dem Land­volk der Schuh drückt. Ziel dieser Schule ist, mitzu­helfen, dem katholischen Bauerntum kernig religiöse, wirt­schaftlich tüchtige und verantwortungsbewußte Männer heranzubilden, die ihrer schweren Aufgabe in Familie, Hof, Gemeinde und Staat geistig mächtig sind.

Auch in diesem Winter findet wieder ein Dreimonats­kursus in Paderborn vom 15. November 1931 bis 15. Februar 1932 statt. Der Pensionspreis beträgt für die ganze Dauer 250 RM. Schulgeld wird nicht er­hoben. Anmeldungen und Anfragen wolle man richten an das Volksvereinshaus, M.-Gladbach, Abtlg.: Land­wirtschaft und Bauernbildung.

DasMldungsideal der katholischen Zugend

Große Menschen und heilige.

Worte begeistern, Taten reißen hin. Entsprechend die­ser Tatsache mühte jeder jung Mensch ein verkörper­tes Urbild seines höchsten Wollens in den Seele tragen. Der große Führer reißt die Seinen mit. Heutige Jugend huldigt durchweg den Sportgrößen, den Helden der Körperkraft. Kath. Jugend muh sich dafür zu schade sein, unsere Vorbilder sind die Männer des Charakters, Män­ner des Glaubens.

Der Rembrandtdeutsche" von Momme Nissen. 1890 erschien ein Buch, das in ganz Deutsch­land das größte Aufsehen erregte:Rembrandt als Erzieher". Was es predigen sollte, sagt fein Verfasser so:P e r s ö n l i ch k e it ist die Vorbedingung jeder Kultur und Bildung, ja sogar der Religiosität. Denn Puppen und Schallen können Gott nicht verehren. Dazu muß man ein Herz in der Brust haben". Rembrandt wird den Deutschen als Vorbild vorgeführt, da er beson-

lichtdurchflutete" Tagesraum auch zugleich als Wafch- raum dient. An zwei Tischen sind die Umrisse einiger junger Wanderer zu erkennen, die mit kräftigen Bissen und gutem Hunger ihr Abendbrot verzehren. Am Ende des rechtwinklig geknickten Raumes, gegenüber der Fen­sterseite liegt eine Treppenstiege frei im Raum. Die Wand ist nicht geschlossen. Man tritt von hier aus auf einen unter dem Dach entlang laufenden Gang, von dem aus man in die einzelnen Schlafräume kommt.

Zunächst trage ich mich im anliegenden Zimmer in das aufliegende Gästebuch ein, fülle die mir aus vielen Jugendherbergen wohlbekannten Spalten aus, die da fragen nach Name, Wohnort, letzte Uebernachtung, Tag und Anzahl der in dieser Herberge beabsichtigten lieber«

M

nachtungen usw.; und berappe dann dem Herbergsvater das Uebernachtungsgeld von 40 Pfg.

Am Gasherd bereiten zwei Fahrtgenosfen ihr Abend­essen. Auf dem Tisch stehen Tüten und Säckchen mit Lebensmittel. In einem Eßgeschirr wartet die ange­rührte Erbswurst aus das Kochen des Wassers. Glück­licherweise sind heute nicht allzuviel Besucher da, sonst müßten wohl die Kochlustigen vor dem kleinen nur zweiflammigen Kochherd Schlange stehen, um zum Ko­chen an die Reihe zu kommen.

Nach einer kräftigen Abendstärkung sitze ich noch im Tagesraum mit den anderen Herbergsgästen zusam­men. Es sind Studenten auf Ferienfahrt und junge Handwerker und Arbeiter, die wandernd die Gaue durchziehen. Die behäbigen Laute der Sachsen, die

bers deutlich die wesentliche Eigenschaft des deutschen Volkscharakters: den Drang nach freier Eigenart bar» stelle. Jul. Langbehn, ber dies Buch schrieb, war eine solche Persönlichkeit. Den Lebenslauf und die Ideen­welt dieses eigenartigen Menschen, den man nach seinem Buch einfach den Rembrandtdeutfchen zu nennen pflegt, hat uns fein einziger Gefährte und Schüler beschrieben. Er hat der neuen Jugend schon etwas zu sagen. Diese große seelische Einfachheit und Reinheit, jene unbedingte Ehrlichkeit, die jedes Paktieren mit erkannten Mißständen für unmöglich hält, sind doch auch ihre Ideale. Aller­dings zieht sich als Grundton durch fein Wesen ein über­steigertes Selbstgefühl, das ihm bisweilen ein hochfah­rendes Selbstbewußtsein über seine Zeit und seine Mit­menschen eingibt und eine gewisse Tragik über sein Le­benswerk legt. Aber trotzdem sind die Erkenntnisse, die einem auf seinem Werdegang, in seiner Tätigkeit als Er­zieher des Volkes auf feinem Wege zur kath. Kirche auf­gehen, so zahlreich und vielseitig, baß die Lektüre dieses Buches von großem geistigen Gewinn ist.

Das Urbild des modernen sozialen Apostels ist uns Deutschen doch wohl Dr. Sonnenschein. Ernst Thrafolt hat den Versuch gemacht, ein Bild seiner Per­sönlichkeit und feines Werkes zu zeichnen. Keinem wird es wohl mehr besser gelingen. Es steht vor uns das Bild des modernen Großstadtapostels, wie er ganz auf- geht in selbstloser Sie' zu den Armen, zu den am Leben Verbitterten und Zerbrochenen. Alles, was er hat und bekommen kann, schenkt er hin, seine reichen Freunde kann er für seine lieben Armen bis zum Letzten ausbetteln. Harmlos wie ein Kind kommt er über alle finanziellen Nöte hinweg. Seiner bittenden Hand kann niemand widerstehen. Wenn der Katholizismus Berlins heute so geachtet dasteht, so ist dies ebenfalls wesentlich die Tat Dr. Sonnenscheins. Die vielen Seitenblicke vor allem in die Entwicklung des Deutschen Katholizismus der letzten 50 Jahre geben der Darstellung einen gut orientierenden kulturgeschichtlichen Hintergrund.

Viele unserer Heiligenbivgrophien sagen uns nicht zu. Die heroische Tugendhaftigkeit ist so unnahbar, so über­menschlich dargestellt, daß wir diese Heiligen zwar achten, aber nicht lieben, nicht nachahmen können. Wir wollen ideale Gestalten vor uns haben, von denen wir wissen, daß sie haben kämpfen müssen wie wir, die bei aller Heiligkeit doch Menschen geblieben sind. Da kommt uns Heinrich Mohr entgegen mit feiner Sammlung von M enschen und Heiligen, kath. Gestalten". Bedeutende Männer haben ihm an diesem Werke mitge­holfen. Er selbst sagt im Vorwort dazu:Diese Heili­gen, ein ganz Übernatürliches Feuer in der Tiefe ihres Wesens bergend, sind ohne Ausnahme echte Menschen, vereint mit uns in jedem Wohlklang und jedem Mißlaut des Lebens, in allen Seligkeiten und allen Unseligkeiten der Erde. Und ob auch ein Jahrhundert oder gar Jahr­tausend sie von uns durch breite Kluft zu trennen scheint, es waltet keine Entfernung, die scheidet . . . Das ist meine Hoffnung in einsamen Stunden, daß Scharen Hun­gernder und Dürstender unserer Tage sich zu diesem Buche flüchten werden, um Sättigung zu holen aus dem wahren Reiche des Geistes, der Schönheit des Lebens".

Der junge Don Bosko" von Peter Dörf­ler fei kurz erwähnt. Eine ganz frische, echt jungen­hafte Darstellung diesesTausendsassa" und wahren Zir­kuskünstlers, aus dem jener große hl. Jugendführer ge­worden ist. Ein Vorbild für gesunde und innerlich echte Frömmigkeit!

Heiligkeit und Frömmigkeit sind fast in Verruf ge­ratene Begriffe. Wenn man über einen Menschen sagte, er sei fromm oder auf dem Weg zur Heiligkeit, dann wäre er wohl fast beleidigt. Fromme oder gar heilige Menschen haben nach heute allgemein verbreiteter Anschauung etwas Uebermenschliches an sich, was man nur in Klö­stern sich noch leisten könne, nicht aber innerhalb der menschlichen Gesellschaft. Daß aber eine Heilige die idealste Ehefrau ist, versucht Weinrich in seinerh l. Elisabeth" zu zeigen. Elisabeth ist ein Bollmensch. Sie ist die Frau, die ganz Weib, ganz Gattin, ganz Mutter ist! Sie liebt ihren Mann, sie küßt ihn so innig, roie vielleicht nur wenige Menschen es tun können. Sie liebt ihn so, daß sie mit dem Kopf an die Wand rennt vor Schmerz, da sie feinen Tod erfährt. Darin bestand

melodische Sprache der Rheinländer klingen mit den ge­mütlichen Worten des Schwaben ineinander.

Die Erlebnisse der Fahrten erstehen wieder und neue Fahrtenpläne werden geschmiedet. Von durchwan­derten Landschaften und Städten erzählt man und über bie Art und Beschaffenheit der angetroffenen Jugend­herbergen. Dabei finde ich wieder bestätigt, was ich selbst auf meinen Fahrten erlebte, daß der Rus der Fuldaer Jugendherberge weithin bekannt ist, und wie man nicht gerade besonders liebevoll von chr spricht.

Um 9 Uhr bietet der Herbergsvater Feierabend. Je­der sucht im anliegenden Schlafraum fein Lager auf. Ungefähr 20 Betten, teilweise zwei übereinander, füllten den Raum. Stahlfederung, mit Roßhaarmatrazen und 2 wollene Decken, die jedem Besucher zugeteilt werden, bieten eine annehmbare Lagerstatt.

Bald verlischt das Licht und über die von ber Tages­wanderung müden Körper senkt sich ber Schlaf. Selbst ein paar wenig rücksichtsvolle, vorlaute Schwätzer, die vergebens ihre Scherze an den Mann zu bringen suchen, verstummen, zur Ordnung gerufen, bald. Nur das gleich­mäßige Atmen ber Schläfer ist noch zu hören. Ein ein­samer Glockenschlag vom nahen Schloßtürmchen durch­zittert als letzter Gruß die Stille der Nacht.

Am anderen Morgen fällt beim Erwachen mein Blick auf die kahlen, schiefen Wände, an denen die Gipsdielen unter dem schadhaften Kalkanstrich deutlich erkennbar finö. Schnell krieche ich aus meinem Schlaf­sack und wasche mich im Wafchraum; nein, wollte sagen ich greife im Tagesraum, denn ein Wafchraum existiert ja nicht, eine Wanne von der Wand und beginne mein« Morgenwäsche. Wie ich dann die struppige Kopfwol!« durch einen Scheitel in zwei friedliche Hälften teilen will, sucht mein Auge vergebens nach einem glitzernden Sing, das sich Spiegel nennt.

Jeder, der in der Fuldaer Herberge weilt, wird auck> di« dortigen Abortverhältnisse kennen lernen. Auf hal­ber Treppenhöhe klettert man zwei übermäßig hohe Stu­fen empor und mit gekrümmtem Rücken und eingezoge­nen Hauptes, um nicht an die niederen Podestbalken zu stoßen, tritt man ein. Man glaubt in eine Dunkelkam­mer zu kommen, denn kein Lichffttahl trifft weder durch ein Fenster, eine Maueröffnung oder Spalt in dies« Zelle.

Ein kleines Erlebnis möge die Verhältnisse in der Herberge näher beleuchten.

Als ich am Morgen nach dem Kaffeetrinken aus dem Dachfenster des Tagesraumes herausschaue, um noch­mals die alte Benediktinerinnenkirche, die mit chrem hohen Dach und schlanken Dachreiter die umliegenden Gebäude weit überragt, auf mich wirken zu lassen, füllte

ihre Heiligkeit, daß sie trotz all dieser Liebe und Erdge­bundenheit in inniger Du-Gemeinschaft mit Gott stand. Ja, sie weiß, daß es letzlich Gemeinschaft nur mit Gott gibt; von den andern muß man sich lösen können. In ihrem Ringen um dieses letzte Wissen und um bas, was sie doch immer wieder davon zurückhalten will, wird sie die große, die hl. Frau, die bann von ihrem Gottver» einigtfein geläutert zu den Menschen kommt und ihnen alles schenkt, nicht nur äußere Güter, nein, ihre Siebe.

Paulus" von Emil Baumann. Die Überra­gend« Gestalt des hl. Paulus steht in ihrer Kraft und Größe vor uns, wenn wir dieses Buch aus den Händen legen. Glühende Liebe zu Christus treibt ihn vom Orient zum Occident. Die ganze damalig bekannte Welt nennt er ohne llebertreibung seinArbeitsfeld". Von Jerusa­lem reift er (und was heißt reifen im Altertum!) hin­über nach Spanien. Er will, daß Christus gekannt und angebetet fei bis an die Grenzen der Erde. Von diese» paulinischen Feuer muß etwas in jedem kath. Jungman» brennen. Wir müssen Paulus kennen, wir müssen ihn lieben! Baumann wird es uns zeigen, welches die letz­ten Wurzeln seiner Persönlichkeit, die Glut seines welt­umspannenden Apostolats sind. J

Der kolpingssohn.

Ein Wesensbild, allen Mitgliedern im Gesellen- verein gewidmet, die nicht nur Kolpingssöhne sich nennen, sondern auch es sein wollen, von chrem Generalsekretär Dr. Joh. Natt er mann. 24 S. Preis 0,15 Mark.

Vor wenigen Tagen stand ein junger Mensch vor dem Abt eines berühmten Klosters. Sie sprachen über die nationalistische Bewegung. Der Abt legte dar, weshalb ein Katholik nicht dabei sein könne, und mit schmerzlicher Enttäuschung klagte der Jugendliche, daß ihm dann ja seine Ideale weggenommen würden!

Der Wille zur Gefolgschaft fft heute mächtig erstarkt. Die Verehrung zu manchem Führer nimmt schon schier religiöse Formen an, obgleich oft nicht Men« 'chen des Geistes und Charakters, sondern irdische Macht, oder gar nur Redegrößen in Frage stehen. Da ist es wichtig und für die Erziehung direkt unerläßlich, daß echte und lebensvolle Führermenschen mit gewinnender Kraft vor das Auge der Jugend hintreten. Erft recht bedürfen die großen Gemeinschaften, die unter dem lebenspendenden Hauch der Religion gedechen, der inne­ren Bindekraft in der Hingabe an das oorgelebte Ideal des Führers. __

Eine solche Gestalt ist für die werktätige Jugend, die heute in besonders schwerem Ringen steht, der Ge­sellenvater Adolf Ko lp in g.

Der Generalsekretär der katholischen Gesellenver­eine Dr. Joh. Nattermann, hat unter dem schlich­ten 'Titel:Der Kolpingssohn" ein Merkchen herausgegeben, das mit kräftigen Strichen und ein­dringlichem Wort ein bezwingendes Bild nicht eigent­lich von Kolping selbst, sondern vom Fortleben des Ge­sellenvaters in seinem gesolgschaftstreuen Sohn für unsere Zeit entwirft. Keine abstrakte Richtschnur, --ucy keine buntgeschmückten Schilderungen werden geboten, sondern die lebendig fortentwickelte und in unsere Tage hineingestellte Führer- und Vatergestalt Adolf Kolpmgs. Der Reiz des Büchleins liegt in der folgerichtigen Durch- denkunq des WesensbildesKolpingssohn". Die wich­tigen Fragen der Zeit, der Arbeit, der Berufsnot, der Bildung, des Volkstums, der Frömmigkeit und in glei­cher Weife die besonderen Pedrängnisse der Jugend er­fahren eine erlösende und hochgemute Antwort in der Sohnschaft zu Adolf Kolping. Wirksam wird dabei die besondere Vorliebe unserer Tage für klare Formeln de- rücksichtigt. So kauten die Kapitelüberschriften: der Sohn der Arbeit, der Sohn des Geistes, der Sohn des Volkes, der Sohn der Kirche, der Sohn Gottes, der Sohn der Kolpingsfamilie. Als Vorbau dient eine organische Entfaltung des Sohnesideals überhaupt: Der Sohn ist ein Wachsender, ein Liebender, ein Ehrfürchtiger.

Wer das Büchlein, das in meisterlicher Kürze und edler Sprache geschrieben ist, durchlieft, nein richtiger, durchbetrachtet, wird den geheimen Wunsch empfinden, daß die ganze katholische Jugend von diesem reifen Sbeal mitzehre. ________________

mir diese Freude nicht lange vergönnt fein. Rust da eine Stimme hinter mir:Geh doch bitte vom Fenster weg, es wird ja dunkel hier". Und wirklich, ich habe diesem über 60 Quadratmeter großen Raum noch die letzte Helligkeit genommen. Man könnte jetzt am Tisch nicht die Buchstaben in einer Zeitung entziffern.

Unwillkürlich vergleicht man die Fuldaer Herberge mit anderen, etwa im Rhein- oder Sauerland, und es kommen einem die Nachteile dieser Jugendherberge [a recht zum Bewußtsein.

Zunächst ist es ein Mangel, daß der Herbergsvater nicht in der Herberge selbst wohnen kann. Dann bie unzulänglichen Räume. Man bedenke: «i n Tagesraum, der zugleich Waschraum ist und in den kaum ein wenig Sonne kommt, für eine Besucherzahl von zirka 150 Betten. Bei einigermaßen gutem Besuch wird dieser Mangel unerträglich, über den auch der kleine, zwar besser belichtete Kochraum, an dessen kleinem Tisch kaum 6 Leute zum Essen Platz finden, nicht hinweghilft.

Die Herberge kann wegen Feuersgefahr nicht ge­heizt werden und muh im Winter geschloffen bleiben. Dadurch ist der wintersporttreibenden Jugend hier Un­terkunft versagt und Fulda läßt auch di« Möglichkeiten, die sich chm als Ausgangspunkt für das Wintersport­gebiet ber Rhön bieten, unausgenutzt. Dies sind alles Nachteil«, die in die Augen springen, von den völlig un­möglichen Abortverhältnissen ganz zu schweigen.

Eine solche Jugendherberge ist nicht angetan, auf die Jugend erziehend zu wirken; sie ist eher ein Beispiel dafür, wie Jugendherbergen nicht fein sollen. (Nichts ist anheimelnd, einladend; man fühlt sich fremd. Es fft kein Heim. Man ist froh, wieder raus ins Freie zu kommen). Das Erlebnis einer schlechten Unterkunft kann den Aufenthalt auch in der schönsten Stadt verleiten.

Di« Herberge in Fulda mag wohl im Anfang der Entstehung des Jugendherbergwerkes als Notherberge genügt haben, den heutigen Anforderungen ist sie nicht mehr gewachsen. Nicht daß die Jugend anspruchsvoller geworden ist. Aber eine Jugendherberge soll ein Heim sein, in der sich die Jugend wohl fühlt. Eine neue Jugendherberge braucht kein Prachtbau zu fein. Solche Riesenbauten wie sie neuerdings in einigen Großstädten errichtet wurden, mit ihrer kalten, unpersönlichen Ge- schästsmäßigkeit, die an Hotels erinnert, entsprechen nicht mehr dem ursprünglichen Wollen der Gründer des Herbergswerkes. Dies« komfortablen Häuser mögen etwas für junge Muttersöhnchen sein, die an Selbständigkeit nicht gewöhnt sind. Richtige Jugendherbergen bedeuten keine Verwöhnung der Jugend, sondern haben ihren großen Wert.