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Mittwoch, r. Oktober 1931
Wfl. 58
as die neue Aok-Verorduuug bringt
Senkung der Hauszmsfleuer
Förderung
des Siedlungswesens
teint sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen: „Die Welt 3i[b" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag
Erleichterung der Wohlfahrtslasten der Gemeinden. — Mög lichkeit zur Gewährung von Sachleistungen in der Arbeitslosen Versicherung
der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.
Die neue Notverordnung, die am Mittwoch in Kraft treten soll und an Umfang nicht hinter der Verordnung vom 1. Dezember 1930 zurückstehen dürfte, wird sich im wesentlichen mit folgenden Materien befassen:
Ueber die Erleichterung der Wohlfahrts la st en der Gemeinden wird bestimmt: Die R e i ch s h i l f e von 60 Millionen die nach der Notverordnung vom Juni aus den Lohnsteuererstattungsbeträgen gezahlt werden sollte, wird auf 150 Millionen erhöht. Hiervon erhalten die städtischen Fürsorgeverbände drei Viertel, die ländlichen ein Viertel. Zur Unterstützung von Gemeinden in besonderen Fällen werden weitere 80 Millionen Rm. bereitgestellt, so daß, wie bereits bekannt, der Gesamtzuschuß des Reiches 230 Mill. Rm. erreichen wird.
Auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung wird insofern eine einschneidende Llenderung getroffen, als der Vorstand der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung anordnen kann, daß die Unterstützung bis zu einem Drittel i n S a ch l e i st u n g e n gewährt werden darf. Die Kürzung der Unterstützungsdauer ist bereits durch Beschluß des Vorstandes der Reichsanstalt ungeordnet worden.
Wesentliche Einschränkungen werden an öffentlichen Ausgaben bestimmt. So dürfen bis zum 31 März 1934 Neubauten von Verwaltungsgebäuden für Zwecke der öffentlichen Verwaltung nicht in Angriff genommen werden. Ausnahmen sind nur in besonderen Fällen «mit Zustimmung der Reichs- und Landesregierung möglich.
Die Senkung der H a u s z i n s st e u e r, die ab 1. April 1932 erfolgen soll, dürfte, wie bereits gemeldet, zwischen 20 und 25 P rozent be-
Oie Absichten des Kanzlers.
CNB. Berlin, 6- Okt. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, hat der Kanzler als erster nach seinem Besuch beim Reichspräsidenten die Besprechungen über die Umbildung des Reichskabinetts aufgenom- mett.. Im Augenblick ist noch nicht zu übersehen, ob morgen eine formelle Demission des ganzen Kabinetts erfolgt oder ob nur die Minister zurücktreten, die dem umgebildet en Kabinett nicht angehören werden. Was hierüber bisher gemeldet wurde, ist um so weniger authentisch, als der Kanzler sich bisher über seine Pläne im einzelnen noch nicht geäußert hat. Sicher ist nur, daß
das neue Kabinett noch mehr als das bisherige ein ausgesprochenes Präsidialkabinett fein wird, d. h. daß Dr. Brüning Männer berufen will, die das besondere Vertrauen des Reichspräsidentenhaben. Es ist anzunehmen, daß er hierbei an führende Persönlicheiten der Wirtschaft denkt. Gerüchtweise verlautet allerdings, daß die beiden Kandidaten, die bisher genannt wurden, Direktor Schmitz und Prof. Warmbold nicht mehr in Frage kommen. Dafür wird immer mehr der Name Dr. Böglers genannt. Ob Dr. Brüning mit ihm bereits Fühlung genommen hat, ist jedoch nicht bekannt. In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß die E n t w i ck l u n g v e r- h ä l t n i s mäßig schnell vonstatten gehen wird, sodaß das umgebildete Kabinett vielleicht schon am Donnerstag fertig ist.
Heute ist der Kanzler naturgemäß noch durch die Notverordnung stark in Anspruch genommen. So ist um 11 Uhr nachmittags in der Reichskanzlei die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder zusammengetreten, die ursprünglich öffentlich sein sollte. Immerhin wird Dr. Brüning feine Bemühungen um die Kabinettsumbildung vielleicht doch noch heute mittag fortsetzen können.
Curtius beim Reichspräsidenken.
wtb. Berlin, 6. Okt. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag Herrn Reichsminister des Auswärtigen, Dr. C u r t i u s, zum Vortrag. Im Anschluß an den Vortrag machte Dr. Curtius dem Herrn Reichspräsidenten davon Mitteilung, daß er dem Herrn Reichskanzler sein Abschied sgesuch vorgelegt habe.
Herabsetzung hoher Bezüge in der Privatwirtschaft. — Vereinfachung der Rechtspflege.
Vor einer Umbildung des Kabinetts.
Rücktrittsgefuch des Reichsautzenminiflers.
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schlimme Epoche gefallen ist, nicht unbeträchtliche Erfolge erzielt. Auch seine Person ist zwar von dem Schwall parteipolitischer Jnteressenkämpfe nicht immer unberührt geblieben, aber im Ganzen ist er doch nach wie vor der verehrte Repräsentant des ganzen Volkes, wie sein Geburtstag jetzt wieder bewiesen hat, und so wollen wir gern hoffen, daß er es noch lange bleibt.
Geburkstagsspende des Reichspräsidenken.
Der Herr Reichspräsident ließ anläßlich feines Geburtstages durch die von ihm geschaffene Stiftung „Hindenburg-Spende" rund 2200 schwer Notleidenden Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebe- nn und Veteranen insgesamt 425 000 Mark auszahlen.
* Der neue Präsident von Chile. Amtlich wird mitgeteilt, daß der Kandidat der Regierung, Montero, bei den Wahlen am Sonntag mit großer Mehrheit zum Präsidenten von Chile gewählt worden ist. Na chunbestätigten Gerüchten sind in verschiedenen Teilen des Landes aus Anlaß von Wahlunruhen insgesamt 10 Personen getötet worden.
wtb. Berlin, 6. Okt. (Eig. Meld.) Der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Curtius hat am Samstag, den 3. Oktober, an den Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet:
Berlin, den 3. 10. 1931.
Sehr verehrter Herr Reichskanzler!
In der Unterredung, die wir am Tage nach meiner Rückkehr ans Genf hatten, habe ich Ihnen erklärt, daß ich ohne Rücksicht auf die parlamentarische Lage aus der Reichsregierung aus- scheiden wollte.. In unserer Besprechung blieb die Frage des Zeitpunktes und der Form offen.
Ich halte es nunmehr allseits für erforderlich, über mein Ausscheiden alsbald Klarheit zu schaffen. Deshalb bitte ich Sie, bei dem Herrn Reichspräsidenten meine Entlassung zu beantragen.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihr
sehr ergebener
Dr. Curtius.
I Dienstverträge, die eine Vergütung vorsehen, die mit der Geschäfts- ober Vermögenslage des Dienst- berechtigten ober ber allgemeinen Wirtschaftslage nicht mehr überein st immen, können durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Dienstverpflichteten auf einen angemessenen geringeren Betrag abgeändert werden. Die Frist zwischen der Erklärung und ihrer Wirksamkeit muß wenigstens drei Monate betragen. Der Dienstverpflichtete kann gegen die Kürzung Klage erheben, ein Schiedsgericht anru'en oder das Dienstverhältnis vorzeitig kündigen. Dies alles gilt nur für Dienstvergütungen, Pensions- ober sonstige Bezüge, die jährlich 15 000 NM. überschreiten.
Weitere Bestimmungen bezwecken eine Beschleunigung der Prozeßführung. Revisionen in Strafsachen können durch das Ober- landesgericht verworfen werden, wenn dieses sie einstimmig für offensichtlich unbegründet erachtet. Auch für das Privatklageverfahren ist Vereinfachung und die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens durch Beschluß vorgesehen. Die Wertgrenze für die Zuständigkeit der Amtsgerichte in Zivilstreitigkeiten wird generell auf 1000 RM. erhöht. Die Bestimmungen über die Bewilligung des Armenrechtes erfahren aus Ersparnisgründen weitgehende Aenderungen. Die Gerichtsvollziehergebühren werden erhöht. Bezüglich der geplanten Sondergerichte beschränkt sich die Notverordnung auf eine Ermächtigung an die Reichsregierung, zur Aburteilung bestimmter strafbarer Handlungen in Bezirken, in denen ein Bedürfnis dafür hervortritt, Sondergerichte zu bilden. Die Reichs- regierung wird ermächtigt, über die Zusammensetzung der Sondergerichte, ihre Zuständigkeit und das Verfahren Vorschriften zu erlassen.
Wesentliche Bestimmungen werden auf wirt- schäftlichem Gebiete getroffen. So wird eine Reform des Sparkassenwesens in die Wege geleitet, indem die Verordnung die Landesregierungen ermächtigt und verpflichtet, die Organisation und den Geschäftsbetrieb der Spar- und Giro- kassen, der kommunalen Kreditinstitute, der Giro- verbände und Girozentralen mit den neuen Vorschriften, die von Reichs wegen erlassen werden, in Einklang zu bringen. Alle diese Unternehmungen sind zu Anstalten mit eigener Rech ts - persön lichkeit nmzuge st alt en. Soweit nach Landesrecht eine Sparkasse Darlehen an Gemeinden, Gemeindeverbände usw. gewähren darf, dürfen diese Darlehen 25 Prozent der gesamten Einlagen nicht übersteigen. Die Darlehen dürfen höchstens bis zu 50 Prozent langfristig sein. Die Spar» und Girokassen haben 30 Prozent der Spar» einlagen und 50 Prozent ber sonstigen Einlagen in flüssigen Werten anzu- legen. Dabei sinb minbestens 10 Prozent ber Spareinlagen unb 20 Prozent ber anderen Einlagen als Liquidationsreserve bei der zuständigen Girozentrale anzulegen. Solange die Liquiditätsreserve nicht die vorgeschriebene Mindesthöhe erreicht hat, haben die Spar- und GirokasHen mindestens 50 Prozent der jeweils verfügbaren Mittel der Liquiditätsreserve zuzuführen. Höchstens 40 Prozent der Spareinlagen dürfen in Hypotheken angelegt werden. Soweit Spareinlagen nach landesgesetzlichen Vorschriften in Wertpapieren anzulegen sind, ist mindestens ein Drittel davon in Reichsbanklombardsfähigen Wertpapieren anzulegen. ......
Kein Kreditnehmer der Sp ar lassen darf mehr als 1 Prozent der Einlagen bezw. nicht mehr als 20000 RM. als | Personalkredit erhalten. Die Girozentralen haben die Liquiditätsreserve zu einem von der Deutschen Girozentrale zu bestimmenden Teil bet dieser als Guthaben zu unterhalten und den Rest in anderen völlig flüssigen Wertpapieren, vorzugsweise in Privatdiskonten, anzulegen. Die Liquiditätsreserven dürfen nicht zur Gewährung von Darlehen verwendet werden. Die Deutsche Girozentrale hat die bei ihr unterhaltenen Liquiditätsreserven mindestens zur Hälfte als Guthaben bei der Reichsbank zu unterhalten ober durch diese anzulegen.
Die Umschulbungkurzfristiger Sch u l- b en von Länbern unb Gemeinben wird durch die Notverordnung ausführlich geregelt. Sie soll durch Ausgabe von Schuldverschreibungen und Festsetzung von Tilgungsarten vor sich gehen. Aus dem Aufkommen der Hauszinssteuer sollen hierfür in den nächsten vier Rechnungsjahren je 12 Prozent verwendet unb einem Umschuldungssonds für jedes Land zugesührt werden, über dessen Verwendung die Landesregierung bestimmen soll. Der Reichs- finanzminister wird ermächtigt, gegenüber der die Umschulbungsschpldverschreibungen ausgebenden Stelle für die Verzinsung unb Tilgung Garantien zu übernehmen. Die Umschuldungsstelle hat das Recht, die Umschuldung von Bedingungen abhängig zu machen. Das Land hastet dem Reiche gegenüber zu einem Drittel des garantierten Betrages.
Schließlich wird der Reichssinanzminister ermächtigt, Garantien auf dem Gebiete der Kreditversicherung mit der Maßgabe zu übernehmen, daß das Reich daraus höchstens mit 30 Mill. RM. zuzüglich der von ihm vereinnahmten Rückversicherungsprämien in Anspruch genommen werden darf. Der Reichsfinanzminister er« fyält die Vollmacht, für allgemeine Finanzzwecke d's zu 300 Millionen im Wege des Kredits zu be» schaffen.
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®te neue Notverordnung wird am Mittwoch von der Reichsregierung veröffentlicht werden.
Vertrauliche Aussprache zur Vorlage der Notverordnung.
Hindenburg hat bekanntlich, seitdem er Reichspräsident wurde und damit seine ursprüngliche über ein halbes Jahrhundert festgehaltene Lebenslinie verließ, nicht immer den Beifall derer gefunden, die damals seine Wahl betrieben. Sie hatten einen General wählen unb damit einen Monarchisten und Feind der Republik in das Palais an der Wilhelmstraße entsenden wollen. Aber es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken: Hindenburg ließ den General zu Hause unb fuhr nach Berlin als er st er Bürger der Republik, deren Verfassung er beschwor. Daß er diesen Eid ernst nahm, das war für seine Wähler das Unerwartete. Daß sie durch diese Haltung gerade den allen Soldaten beleidigten, haben viele von ihnen noch bis heute nicht gemerkt.
Ein Berliner Organ Hugenbergs erklärt, die Fäden, die Hindenburg mit den besten Teilen unseres Volkes verbinden, seien in der Zeit seines republikanischen Amtes nicht gerissen. Das ist völlig unzweideutig. Die besten Teile unseres Volkes sind die nichtrepublikanischen, also die ehemaligen Offiziere und viele Beamte, im übrigen aber die Herren vom Landbund, Hugenberg mit seinen industriellen Verbänden, natürlich auch Adolf Hitler. Die Fäden sind nicht gerissen, aber man hat sie gelockert, so will der „Tag", die Zeitung, die wir zitteren, wohl sagen. Und wir wollen hinzufügen: Gott bewahre Hindenburg vor seinen Freunden!
Man spricht auch weiter davon, daß Hindenburg doch am besten fein Amt, dessen Zeit demnächst abgelaufen sein wird, weiter führen würde. Sowell damit zum Ausdruck gebracht werden soll, daß der Reichspräsident sich seiner hohen Berufung wert gezeigt und sich die Liebe und den Respekt des deutschen Volkes auch in dieser Stellung ermorden hat, ehren solche Forderungen ihn und uns. Wenn aber bann weiter gesagt wirb, es sei uns damit ein Armutszeugnis ausgestellt, unter dessen Kläglichkeit wir eigentlich zusummen- brechen müßten. Denn man bedenke doch einmal, was das heißt: unter 60 Millionen Deutschen soll keiner sein, der ihre staatspolitische und repräsen- tatwe Führung übernehmen könnte. Wenn nach Fähigkeit, Kenntnissen, Format, Würde gefragt I wird, so wäre die Behauptung, daß Deutschland mrt einer Fehlanzeige aufwarten müßte, eine Lächerlichkeit. Es gibt Gott sei dank eine ganze Reche von Männern, die dem Reichspräfidenten- palais zur Zierde gereichen würden, und solcher Männer gibt es mehr als einen in jeder Parte i, der überhaupt am Wohlergehen der Nation gelegen ist. Namen brauchen wir nicht zu nennen. Das Klägliche in der Behauptung, ein Nachfolger für Hindenburg sei zur Zeit nicht zu finden, liegt in der Annahme, die Deutschen wür- I den sich bei der Wahl nicht einigen können, und hier sind nun allerdings die schlimmsten Befürchtungen nicht unberechtigt. Bei der Wahl im Jahre 1925 ist es noch einigermaßen ehrenvoll zu- gegangen, obwohl auch damals die berühmte deutsche Zersplitterung und Uneinigkeit sich beut» t'ch genug gezeigt hat. Im Jahre 1932 aber würden die Dinge voraussichtlich ein noch betrüblicheres Aussehen gewinnen. Denn die Gegensätze unter den Parteien haben sich in den letzten Jahren noch verschärft. Insbesondere wollen diejenigen, die damals dem Republikaner Ebett einen aktiven Monarchisten als Nachfolger zu geben gedachten, diesmal sichergehen und machen bereits mehr ober weniger offen für Persönlichkeiten Propaganda, bereu stärkste Seite ihre ^epubukamsche Unzuverlässigkeit ist. Es ist klar, glücklicherweise klar, daß ein solcher Kandidat nie» mal§ eine Mehrheit erhalten könnte. Unter den anderen aber, denen es als Selbstverständlichkeit erscheint, daß der Präsident der deutschen Republik nberzeugrer Republikaner sein muß, ist man ebenfalls Nicht einig Persönlichkeiten, die ihrer Fähig, kett und auch ihrem internationalen Ansehen nach m Frage kamen, sind genug vorhanden. Aber da nicht eine Partei und auch nicht zwei zusammen die Wahl zu sichern vermögen, wäre jeder Kandidat unsicher, denn daß auch nur diejenigen Gruppen die die jetzige Regierung stützen, gemeinsam eine Front bilden könnten, erscheint, da jede für sich das Ideal vaterländischer Gesinnung und vollendeter politischer Staatskunst unantastbar in ihrem Programm verbrieft hat, ausgeschlossen.
Daher haben die Bestrebungen, auf irgendeinem Wege die Amtsverlängerung des jetzigen Reichspräsidenten, ohne daß es zu einer Wahl kommt, durchzusetzen, ihre Berechtigung, so sehr man es bedauern muß, daß sie nicht einzig und allein der Persönlichkeit Hindenburgs gelten, sondern zum Teil eben nur darum gepflogen werden, weil man sich die Kraft zu einer Einigung auf einen andern Anwärter nicht zutraut. Nun, wir alle haben dem Reichspräsidenten an seinem eben verflossenen Geburtstage von Herzen ein noch recht langes Leben gewünscht, und wir danken Gott, daß er uns diesen Mann bis in dieses schon fast sagenhafte Alter hinein erhalten hat. Möge er sich entschließen, die schwere Last seines Amtes noch weitere Jahre auf seinen starken Schultern zu tragen. Wir erleben täglich, daß er das Beste für das Volk und das Reich will, und er hat, । wiewohl seine Regierungszeit wahrhaftig in eine | ।
Entgegen anderslautenden Nachrichten wird amt« llcherseits mitgeteilt, daß am Dienstag keine öffentliche Sitzu ng des Reichsrats, sondern eine vertrauliche Aussprache zwischen Reichsregierung und den Länder» regicrungen unb preußischen Provinzialvertretern stattfinbet. Es handelt sich vor Vorlage
iragen. Sie soll nach dem vollen Iahresertrag ohne Verücksichtigunq der niedergeschlagenen oder erlassenen Beträge berechnet werden. Durch diese Ermäßigung soll der den Eigentümern zur Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und des Eigenkapitals zu belassende Betrag als abgegolten gelten.
Cin umfangreicher Teil der Notverordnung wird sich mit den Vorschriften für das Sied- I u n g s w e f e n befassen. Besondere Förderung sollen die landwirtschaftliche Siedlung, die vorstädtische Kleinsiedlung und die Errichtung von Kleingärten für Erwerbslose erfahren. Die Mittel sollen dadurch aufgebracht werden, daß die Länder ab 1932 von der Reichsregierung festzusetzende Beträge aus dem Hauszinssteueraufkom- men an das Reich abliefern und Kreditmittel des Reiches flüssig gemacht werden. Zwecks einheitlicher Durchführung der landwirtschaftlichen Siedlung soll in jedem beteiligten Lande ein Staatskommissar bestellt werden. Die vorstädtifche Kleinsiedlung soll dem dem Reichsarbeitsminister unterstellten Reichskommissar obliegen. Er hat dafür Sorge zu tragen, daß geeignetes Siedlungsland. besonders durch öffentliche Körperschaften, zur Verfügung gestellt wird. Enteignung soll unter Umständen möglich sein. Das für die vorstädtifche Kleinsiedlung benötigte Land soll in der Regel ohne erhebliche Barzahlungen erworben werden können. Kleinsiedler, die als Pächter oder Erbbauberechtigte angesiedelt werden, sollen die Möglichkeit erhalten, das Land als Eigentum zu erwerben. Zur hypothekarischen Beleihung können Reichsbürgschaften übernommen werden.
Ueber die Herabsetzung hoher Bezüge rnder Privatwirtschaft wird u. a. bestimmt: \
Der Reichspräsident.
Zum 84. Geburtstag des Reichspräsidenten sind wieder allerhand Bettachtungen in deutschen Hirnen und Zeitungen gefponnen worden. Verzeichnen wir zunächst mll Genugtuung die Tatsache, daß bas Volk dem greifen Staatsmanne Glück gewünscht und mit viel Dankbarkeit und Bewunderung auch am biesjährigen 2. Oktober an ihn gebucht hat. Daß dabei auch die üblichen parteipolitischen Geschmacklosigkeiten nicht ausbleiben konnten, versteht sich von selbst. Dazu leben wir nun einmal in Deutschland, wo sich jeder für den Herrgott, den Papst unb den Kaiser zugleich hält unb von jedem seiner Mitmenschen bie Ueberjeugung hat, daß er ein anrüchiger Charakter ober wenigstens ein Trottel ist.
Die Neuwahlen in England.
wtb. London. 6. Okt. (Eig. Meld.) Das Parlament wird am Mittwoch vertagt werden und am Donnerstag dürfte die Auflösung erfolgen. In diesem Falle würden die Neuwahlen am Mittwoch, den 2 8. Oktober abgehalten werden.
Alacdonald beim König.
wtb.London. 6. Okt. (Eig. Meld.) Macdonald begab sich heute vormittag zürn König und schlug ihm die Auflösung des Parlaments vor. Die Besprechung dauerte etwas über eine halbe Stunde. Wie verlautet, unterbreitete Macdonald dem König ein Programm für die Vertagung und die Auflösung des Parlamentes und beriet mit dem König über den Zeitpunkt über die Neuwahlen und die Eröffnung des neuen Parlamentes. Der König wird 2 Sitzungen des Privy Council abhalten, um diese Fragen zu erörtern. Man glaubt, daß der Vorschlag, das Parlament morgen zu vertagen und am Donnerstag aufzulösen, angenommen wird. Bei ber Vertagung wird eine kurze Botschaft des Königs verlesen werden.
Fuld aerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches kreisblakk.